Geschichten aus Sherwood

Wie alles begann...

Faude:

Faude Carfilhiot lehnt sich über die Brüstung seiner Burg und beobachtet nachdenklich das Treiben in dem kleinen Weiler unterhalb seiner Wehranlagen. Den Pokal mit rotem Burgunder galant in der Hand haltend, dreht er sich dann nach Jehan von Beaversbrook um.

„Nun mein lieber Beaversbrook, sicher ist es besser, wenn unsere Gespräche nicht an uninitierte Ohren dringen.“ Er nimmt einen Schluck Wein. „Außerdem sollten wir Herren unter uns bleiben, so haben es die Angelsachsen schließlich auch gehalten, als sie noch das Sagen hatten. Wie gefällt euch im Übrigen meine Burg?“

*

Jehan:

„Vorzüglich Mylord, vorzüglich!“

Aber sagt, was wird aus Robert de Rainault und aus seinem geistlichen Bruder Hugo?

Eine schlechte Nachricht habe ich auch noch..." (stockt) "...diese Geächteten treiben immer noch ihr Unwesen im Sherwood Forest. Und Herne haben wir auch noch nicht erwischt. Was sollen wir tun?"

*

Faude:

„Nun, Rainault und diese Schmeißfliege Hugo sind natürlich noch im Sattel. Aber wenn mein Masterplan Gestalt annimmt dann werden sie sich schon im Graben wieder finden.“ Carfilhiot fixiert den Galgen auf dem Marktplatz. „Ohne einen Insider werden wir an diesen Hirschpriester nicht herankommen, und wie soll ich mich mit druidischer Magie messen, wenn sogar de Belleme Respekt davor hat. Es ist vernünftiger die Unternehmen des Sheriffs zu hintertreiben, darauf verstehe ich mich auch besser“, antwortet Carfilhiot während er mit seinem Siegelring spielt.

*

Jehan:

Jehan of Beaversbrook steht unsicher wartet neben seinem Herrn.

"Mylord, ich muss wieder zurück nach Nottingham. Ich habe heute die Nachtwache.

Ich verstehe auch gar nicht, was das alles bedeuten soll. Was habt ihr vor? Soll ich dem Sheriff eine Nachricht überbringen?" Er tritt ungeduldig von einem Fuß auf den anderen, denn es wird schon dunkel, und der Weg nach Nottingham führt unweigerlich durch die Walachei...

*

Faude:

Carfilhiot löst einen Beutel von seinem Gürtel und reicht ihn Jehan. „Hier sind 25 Pfund für den Kanzleischreiber Lynch, oder wie der Kerl heißt, er soll Hoods Mittelsmann wieder einen Tipp über den nächsten Goldtransport geben. Ist das Gold futsch stehen der Sheriff und Gisburne wieder da, wie die Tölpel und ein inkompetenter Diener des Königs hält sich meist nicht lange. Reitet nun und passt auf euch und mein Geld auf. Diese Kanzleischabe bekommt den Hals wirklich nicht voll.“ Sir Faude nickt aufmunternd und betrachtet dann wieder den Abendhimmel.

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Jehan:

Jehan tat, was ihm aufgetragen wurde. Lynch bekam 20 Pfund und versprach, das verlangte zu tun. Jedoch wurde Jehan beim nächsten Appell schärfer als sonst von seinem Dienstherrn Guy of Gisburne zurechtgewiesen. Jehan schluckte schwer. Wusste Sir Guy etwas? Was konnte er wissen? Woher? Er hatte gewiss keine schlechten Nerven, aber Gisburne konnte ziemlich gemein werden - nicht nur gegen seine Feinde. Alles hing nun von Lynch ab.

Während der Nachtwache - die er nicht sonderlich ernst nahm - spielte Jehan zufrieden mit den 5 Pfund, die er für sich behalten hatte. Dafür würde er morgen in der Taverne einen großen Humpen Met auf das Wohl von Faude Carfilhiot trinken. Erst jetzt fiel ihm ein, dass er reichlich wenig über diesen schlauen Fuchs wusste. Nun, wenn er das nächstemal auf dessen Burg war, würde er schon mehr herausfinden...

*

Faude:

Inzwischen war es Nacht geworden und Faude Carfilhiot stand noch immer auf dem Söller, wo eine Brise mit seinem blauschwarzen Schopf spielte. Er betrachtete einen Steinkauz, der sich den Galgen als Ausgangsort für seine Mäusepirsch ausgesucht hatte.

Dieser Beaversbrook könnte sehr nützlich werden, wenn er einen Fuß in die Tür des Sheriffs bekommt, dachte er. Doch zuerst müsste Gisburne, wegen erwiesener Unfähigkeit, abdanken. Carfilhiot hielt Gisburne, trotz seiner Fehlschläge, für einen der fähigsten Männer des Sheriffs. Nun, es würde viel Spaß machen, dieser Viper de Renault in die Suppe zu spucken und ihn schließlich aus dem Amt zu jagen. Die kleine Eule schwang sich lautlos vom Galgenkreuz auf ihr Opfer herab und Carfilhiot zog sich in seine Gemächer zurück. Er warf sein Breitschwert auf das Himmelbett und schloss krachend die Kemenatentür. Für seine Wachleute ein untrügliches Zeichen nun eine ruhigere Kugel schieben zu können.

*

Jehan:

Am Abend des folgenden Tages wollte Jehan of Beaversbrook mit einem seiner Kameraden in die dunstige kleine Schenke in Nottingham, die die Soldaten von Zeit zu Zeit für ihre Vergnügungen aufzusuchen pflegten. Er hatte gerade ein kurzes Nickerchen gemacht, war deshalb bester Laune und frohen Mutes, nun gleich die niedliche Kellnerin wieder zu sehen, die ihm schon beim Letzten Gelage aufgefallen war. Alles lief ausgezeichnet. Er hatte Gisburnes Laune vom Vorabend schon fast vergessen, bis sie an der Halle vorbei hinaus wollten. Da hörte er drinnen Sir Guys kehlige Stimme: "Soldat, kommt sofort herein!" Beaversbrook zuckte zusammen, als ob ein Peitschenhieb ihn getroffen hätte. Unverzüglich kam er dem Befehl nach. Blieb in der geräumigen, steinernen Halle wie gebannt nahe dem Eingang stehen, während Gisburne sich ihm näherte und sich vor ihm aufbaute. Sir Guy überragte ihn um anderthalb Köpfe und sah nun finster auf ihn herab. Trägt wieder seine Rüstung, dachte Jehan. Warum nur? "Jehan, nicht wahr?" Er nickte. "Sagt dir der Name Lynch etwas, Hauptmann?" fuhr Gisburne ihn an, während er ihn nicht aus den Augen ließ. Jehan wurde weiß wie ein unter der Erde lebender Wurm. "Das ist der Kanzleischreiber, Mylord" entgegnete er mit einer grimmigen Vorahnung. "Der Mann wurde bestochen! Er hat den Outlaws wichtige Informationen verkauft. Dieses Geld hier," er hob triumphierend Carfilhiots Beutel in die Höhe, "fanden wir bei seiner Leiche!" Jehan war, als würde sich der Boden unter seinen Füßen auflösen und er darin versinken. Aber er stand noch immer grimmig gefasst vor seinem Herrn. "Lei...Leiche? Er ist tot?" Natürlich, eine Leiche war ja immer tot. Aber dem Hauptmann fiel in diesem Moment einfach nichts Besseres ein. "Ja! Und du findest heraus, woher er dieses Geld hat, verstanden?" Jehan atmete innerlich durch, konnte sich den Anflug eines Lächelns nicht verkneifen. "Die Truppe muss gefilzt werden. Wir können keine Verräter gebrauchen! Sämtlicher Ausgang ist gestrichen, außer ich persönlich oder der Sheriff erlauben es, klar?" Gisburnes Stimme klang wie klirrendes Eis.

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Faude:

Währendessen schlief Sir Faude den Schlaf des Ungerechten. Irgendwann in der Nacht überlief ihn jedoch ein eiskalter Schauer, der ihn auffahren ließ. Seine Hand fuhr unter das Kopfkissen, nach dem Dirk der dort verborgen war, aber das Versteck war leer. „Sucht Ihr vielleicht diesen barbarischen Dolch, mein lieber Carfilhiot?“ „De Belleme“, durchfuhr es Faude. Wie in Drei Teufels Namen war der Magier hier hereingekommen? Der Schwarzkünstler stand, gekleidet in ein taubengraues Gewand, vor Carfilhiots Bett, den schweren Dolch in der Faust. „Eure Vorliebe für dramatische Auftritte wird euch eines Tages ins Grab bringen“, meinte der normannische Edelmann. „Was verschafft mir die Ehre zu einem Treffen mit Simon de Belleme?“ Ihr werdet mir helfen, den Kessel der Wiedergeburt zu finden“, stellte der Schwarzkünstler entschieden fest. Hm, meint ihr die keltische Legende von dem Kessel in dem gefallene Kämpfer wieder lebendig gekocht werden und als lebende Tote aufs Schlachtfeld zurückkehren?“ Ihr seid erstaunlich gebildet für einen Adeligen.“ Faude schüttelte es innerlich. Dieser de Belleme schrak ja vor nichts zurück. Und wo soll sich dieses Artefakt befinden?“, fragte er so ruhig wie möglich. Irgendwo im Sherwood Forrest soll der schwarze Kessel verborgen sein“, antwortete de Belleme auf seine lakonische Art. Ist das ein Problem für euch?“ „Nun, es erleichtert die Sache nicht gerade. Aber sagt mir zuerst, was ich als Lohn zu erwarten habe?“ Der Hexer richtete sich drohend auf. <Nun zuvörderst könnt ihr euer armseliges Leben behalten und ich verschaffe euch eine schier unbesiegbare Armee, mit der ihr eure Pläne gestalten könnt.“

De Belleme ging langsam zur Tür. Mit einer Handbewegung schleuderte er den Dolch in das Kopfende von Carfilhiots Bett. „Hier, den werdet ihr noch brauchen, mein Freund.“

Damit verschwand er aus der Kemenate und Faude richtete sich schweißgebadet auf. Er griff zu seinem Weinschlauch und nahm einen tiefen Zug. Dann setzte er sich auf den Bettrand und barg den Kopf in seinen Händen. Für ihn bestand kein Zweifel: Simon de Belleme war wahnsinnig und welche Verwendung hatte er selber eigentlich für eine Armee von Untoten? Am nächsten Morgen kam Sir Faude das Treffen in der Nacht ein wenig unwirklich vor. Umso erstaunter war er, als er eine Notiz auf seinem Schreibtisch fand, die in de Bellemes feiner Handschrift verfasst worden war. Dort stand nur: Um mehr über besagten Kessel zu erfahren, sprecht mit Gwyneth of Hazlewood.

Carfilhiot steckte die Notiz an einer Fackel in Brand und wartete bis sie verkohlt war. Dann ging er leichtfüßig nach unten in den Speisesaal um sich an Haferbrei und gebratenem Rebhuhn zu laben. Sir Faude ließ das zweite Rebhuhn zurück in die Küche gehen, schließlich stand ihm nicht der Sinn nach einem ausgedehnten Bankett. Er scheuchte die Mägde ins Badehaus um das Wasser zu heizen und verbrachte anschließend eine angenehme Stunde in einem heißen Zuber. Dann zog er sich ein purpurnes Wams an, dazu schwarze Beinkleider und einen pelzverbrämten, blauen Umhang. Danach setzte er sich in die große Halle vor den Kamin und ließ seinen Kaplan rufen. Stephen Ross war ein Mann von Mitte Vierzig, mit einer ausgeprägten Stirnglatze und dem Gesichtsausdruck eines ernsthaft verstopften Daches. Carfilhiot hatte ihn gnadenhalber aufgenommen, nachdem er mit einem indizierten Buch ertappt worden war und seine Gemeinde verloren hatte. „Ein wunderschöner Tag heute nicht wahr, Mylord“, sagte Ross unsicher als er die Halle betrat. „Wirklich prächtig, aber ich habe euch nicht rufen lassen um mit euch die Wetterlage zu erörtern“, entgegnete Faude. „Setzt euch und sagt mir ob euch der Name Gwyneth of Hazlewood etwas sagt?“ „Wie bitte?“ „Seltsam, wenn ihr an den Türen lauscht scheint ihr keine Schwierigkeiten mit eurem Gehör zu haben.“ „Aber Mylord, wie könnt ihr nur denken, daß ich...“ „Geschenkt! Also, wer ist dieses Frauenzimmer?“ „Tja, diese Gwyneth, nach der ihr gefragt habt...sie ist...nun ja...“ „Hättet ihr nun vielleicht die Güte zur Sache zu kommen.“ „Sie, sie soll eine mächtige Hexe sein, Mylord, und sie soll in einer Hütte in der Nähe des Dorfes Hazlewood hausen.“ „Na seht ihr, es geht doch.“ „Mylord, sie soll ganze Landstriche verflucht haben und erst das arme Vieh...“ Sir Faude erhob sich und verließ mit raschen Schritten den Raum, um die besorgte Rede des Geistlichen nicht länger mit anhören zu müssen. Stattdessen ging er über den Hof zu den Stallungen, um sich dort ein schnelles Pferd auszusuchen. Gut dass sein Kaplan so ein Waschweib war, dachte er im Stillen, diese verkorkste Existenz bekam doch allen möglichen Klatsch zugetragen. Darunter viele Dinge, die ihm selber niemand anvertrauen würde. Ja, Stephen Ross war schon sein Futter wert.

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Jehan:

Jehan verbot den ihm untergegebenen Soldaten mit kurzen, harten Worten jegliche Freizeit. Die Männer murrten, aber sie hatten zuviel Angst, um ernsthaft aufzubegehren. Schließlich wussten sie alle, dass dieser Befehl von ganz oben kam. Hauptmann Beaversbrook ging halbherzig an seinen Auftrag heran, alles zu durchsuchen, um irgendeinen Hinweis auf den Verräter zu finden. Er wusste ja, dass er nichts finden würde. Aber, zum Teufel, er musste einen Sündenbock finden, damit kein Verdacht auf ihn selbst fiel. Schließlich suchte er sich einen Mann aus, der erst seit zwei Wochen bei den Wachen des Sheriffs arbeitete, schmuggelte mit einem seufzenden, bedauernden Blick die 5 Pfund in dessen Sachen und fragte dann möglichst unbeherrscht nach der Herkunft des Geldes. Der Mann, ein junger, hoffnungsvoller Bursche mit harmlosen Gesicht, starrte ihn verblüfft an. Schade um das Geld, dachte Jehan. Und schade um den Soldaten. Trotzdem sah er keinen anderen Ausweg. Nun, immer noch besser als selbst in Ungnade zu fallen. Doch je eher er Gisburne und dem Sheriff einen vermeintlichen Verräter liefern konnte, desto eher konnte er sich wieder mit Faude Carfilhiot treffen. Der musste schließlich erfahren, was sich ereignet hatte. Mit einem grimmigen, verstohlenen Lächeln schleifte Jehan den Burschen zu Gisburne, während dieser, pausenlos seine Unschuld beteuernd, zwischen maßloser Wut und grenzenloser Angst schwankend, begriff, dass seine Situation aussichtslos war. Aber er war nicht so dumm, dass er nicht erkannte, wem er dies zu verdanken hatte. Aber da war es für ihn schon zu spät.

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Faude:

Faude ordnete an, seine etwas nervöse Fuchsstute 'Tatzel' zu satteln. Er selbst gürtete sich mit seinem Breitschwert, dem Dirk und setzte sich einen kecken Reisehut auf. Gestiefelt und gespornt trat er nach draußen und beorderte seinen Hauptmann Hugh Mallard zu sich. Mallard war ein mürrischer Bursche, der in seinem früheren Leben als Söldner und Straßenräuber gearbeitet hatte. Der Hauptmann erhielt von seinem Herrn den Befehl, die Burgwache in erhöhter Alarmbereitschaft zu halten, schließlich hielten sich hartnäckige Gerüchte von dreisten Geächteten in der Gegend. Dann stieg Carfilhiot auf sein Pferd und ritt über die Zugbrücke zu dem kleinen Weiler herunter. Mütter holten ihre Kinder von der Straße und die Männer sahen dem Reiter nervös nach. Sir Faude war nicht für seine Milde bekannt und die Bauern verfluchten manches Mal ihre Herkunft, die sie an seine Scholle band.

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Jehan:

Jehan fühlte sich nicht besonders wohl in seiner Haut. Kalter Schweiß stand auf seiner Stirn, denn gerade vorher hatte er der Hinrichtung des jungen Soldaten beigewohnt. Der junge Mann hatte gefleht und gebettelt, auf ihn gezeigt und ihn angeklagt. Aber niemand hatte ihm geglaubt. Erbarmungslos hatte der Henker ihm den Kopf abgeschlagen. Immerhin ein schneller Tod, es gab qualvollere Arten, einen Menschen zu töten. Trotzdem tat der Junge Jehan im Nachhinein leid. Konnte höchstens 22 Jahre alt gewesen sein, schätzte er. Seine Kehle war so trocken wie altes Brot. Er oder ich, dachte Jehan of Beaversbrook. Es sind harte Zeiten, in denen wir Leben. Jeder muss schließlich sehen, wo er bleibt. Wenn sein Respekt vor Faude Carfilhiot nicht so groß gewesen wäre, vieles wäre anders. Die Dinge entwickelten plötzlich ein sonderbares, magisches Eigenleben. Magisch? War es das, was ihn so störte? Etwas stimmte hier ganz und gar nicht. Er hatte inzwischen herausgebracht, dass Lynch erstochen worden war. Mit einem Dolch. Aber er konnte sich nicht erklären, was hier vor sich ging. Er musste auf die Burg Sir Carfilhiots. So schnell wie möglich. Und so heimlich wie möglich.  

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Faude:

Sir Faude ließ Tatzel mit einem Schenkeldruck vom raschen Trab in einen leichten Galopp fallen. Er ritt zügig über die Landstraße in Richtung Nottingham. Westlich von ihm, streckte der unheimliche Sherwood seine Wipfel gen Himmel; dieser Wald schien wie geschaffen um sämtliche Figuren der Altweibergeschichten und Volkssagen zu beherbergen. Carfilhiot fragte sich, ob Robin Hood tatsächlich nur ein schlauer Räuberhauptmann war oder ob er doch von uralten Kräften, die dem Wald innewohnten, beschützt wurde. Schon Cäsar erwähnte in seinem Buch über den gallischen Krieg die Zauberkräfte der keltischen Priester. Diese hatten auch Cernunnos, den flinken Hirschgott verehrt, was dann später zu Cern verkürzt wurde und schließlich dem legendären Herne seinen Namen gab. Fast hätte der Normanne, durch seine scholastisch sicherlich interessanten aber wenig fruchtbaren Überlegungen den Karrenweg verpasst, der in westlicher Richtung auf die Landstraße traf. Tatzel wieherte, als er die Zügel anzog und sie in den Karrenweg dirigierte. Hier war das Fortkommen schon erheblich mühsamer. Den Weg bildeten streckenweise nicht mehr als zwei zugewachsene Rillen im Boden und die Sträucher hatten auch schon Terrain zurückerobert. Ja, seit die Geächteten hier ihr Unwesen trieben, kamen nicht mehr so viele Lastkarren den Weg entlang. Carfilhiot war das nur recht.

Sollte de Rainault doch zusehen wie er Waren nach Nottingham bekam. Je schlechter die Lage war, umso eher würde man ihn absetzen und dann war der Weg frei für einen neuen Kandidaten. Ein plötzliches Sirren aus dem Dunkel des Dickichts ließ ihn zusammenzucken und ein Pfeil schoss knapp am Kopf der Fuchsstute vorbei. Das Pferd stellte sich sogleich auf die Hinterhand und nur Carfilhiots Reitkünste bewahrten ihn davor zu stürzen. Dann schoss Tatzel im Galopp den Pfad entlang und Faude konnte sich nur so gut wie möglich festhalten. „So wartet doch Edelmann“, schallte es lachend hinter ihm her. Vor ihm auf dem Weg tauchten zwei, in Lincolngrün gekleidete Gestalten auf; der eine mit gespannten Bogen, der andere mit einem martialisch aussehenden Streitkolben. „Halt“, riefen sie wie aus einem Munde.

Carfilhiot wäre diesem Befehl auch gerne nachgekommen, allein er hatte die Rechnung ohne Tatzel gemacht. Ihre Mutter entstammte der Zucht nordafrikanischer Berber und Tatzel selbst hatte, obwohl ihre Statur eigentlich zu leicht war, eine Ausbildung als Schlachtross genossen. Folglich rannte sie die beiden Wegelagerer einfach um und verschwand im gestreckten Galopp, mit ihrem hilflosen Reiter, hinter der Wegbiegung. Die zwei Männer waren ins Gras gepurzelt und sahen sich verdutzt an. „Meiner Treu, wenn ich nicht genau wüsste, dass dies der eitle Geck Faude Carfilhiot auf einem Spazierritt war, dann würde ich sagen, wir wurden gerade von Beelzebub auf einem schäumenden Höllenross umgeritten“, meinte der eine nur lachend. Nach anderthalb Meilen hatte Sir Faude Tatzel wieder seinem Willen untergeordnet und er machte eine Bestandsaufnahme. Seinen Reisehut hatte er verloren und einige Striemen, durch niedrig hängende Äste, hatte er auch abbekommen. Ansonsten war er jedoch unverletzt und guter Dinge. Diesen Outlaws hatte er heute eine Lektion erteilt. Sie würden nun wissen, dass sich ein Faude Carfilhiot nicht so mir nichts dir nichts zur Ader lassen ließ. Er tätschelte Tatzels Hals und ritt vergnügt pfeifend den Weg entlang in Richtung Hazlewood.

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Jehan:

Unterdessen ritt Jehan of Beaversbrook einsam durch den Sherwood, nicht einmal weit entfernt von der Stelle, an der Sir Carfilhiot überfallen worden war. Er sah sich immer wieder um, denn das mulmige Gefühl, das ihn jedes Mal befiel, wenn er draußen im Sherwood sein musste, war heute besonders stark. Weil er seine Männer nicht dabei hatte. Seine Nervosität übertrug sich auf sein ansonsten zuverlässiges, falbfarbenes Pferd, ein etwas derbes Tier, dessen Ahnen aus den schottischen Hochländern stammten. `Falb` schnaubte. Verdammt unheimlich dieser Wald, dachte Jehan. Ob vielleicht doch etwas dran war an diesem heidnischen Glauben um diesen Herne? Jehan glaubte an nichts. Gab zwar vor, Christ zu sein, aber nur, um nicht irgendwann in einer Folterkammer oder auf dem Scheiterhaufen zu enden. In diesem Moment konnte er sich aber ein stilles Gebet nicht verkneifen, denn seltsame, dämonische Laute brachen durch das undurchsichtige Dickicht. Und eigentlich sollte er sich auf dem Weg nach Huntingdon befinden, um dem Earl eine Botschaft von Robert de Rainault zu überbringen. Dieser Auftrag war eine Fügung, die so recht in seine Pläne gepasst hatte. Die ganze Zeit hatte er sich schon überlegt, unter welchem Vorwand er seinen Posten im Schloss verlassen könnte. Und dann hatte der Sheriff höchstpersönlich den Hauptmann in geheimer Mission alleine losgeschickt. Zu Sir Carfilhiots Burg würde er zwar einen Umweg machen müssen, aber er nahm dies in Kauf.

Der Wald roch nach Moder. Irgendwo hier musste ein Sumpfgebiet sein. Jehan gab dem Falben die Sporen, und galoppierte, von einer unsichtbaren Macht getrieben, auf Sir Carfilhiots Burg zu.

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Faude:

Tatzel lief munter den verschlungenen Pfad entlang und Sir Faude verfluchte sich innerlich für seine Torheit. Aufgrund der alten Fehden hieß schon der Grundsatz seines Vaters: Niemals und unter keinen Umständen allein ausreiten. Sein Vater hatte sich jedoch auch nie mit Gestalten wie Simon de Belleme eingelassen und war zufrieden im Bett gestorben. Auf der anderen Seite hatte er natürlich gute Gründe sein Unterfangen nicht an die große Glocke zu hängen, schließlich war er gerade im Begriff eine Hexe aufzusuchen. Der Karrenweg wurde langsam etwas besser und der Wald wurde weniger dicht, es konnte also nicht mehr weit bis zu einer Siedlung sein. Endlich tauchten die ersten Katen am Wegesrand auf. Spielende Kinder versammelten sich um den Reiter anzustarren. Sir Faude ignorierte sie vornehm und hielt Ausschau nach einem Wirtshaus - hoffentlich gab es so eine Einrichtung überhaupt in dieser Einöde. Bald darauf fand er jedoch ein größeres Holzhaus mit einem Brunnen davor und einem Holzschild über dem Eingang, das einen seltsamen Baum darstellte mit einem Gesicht und Gliedmaßen. Der Normanne schüttelte missbilligend den Kopf und führte seinen Fuchs zur Tränke. Mit zügigen Schritten ging er dann in die Schenke. Der Raum, den er betrat, machte einen heimeligen, wenn auch etwas schmutzigen Eindruck. Die Deckenbalken waren niedrig und rußgeschwärzt und in der Mitte brannte ein qualmendes Torffeuer. Das Mobiliar bestand aus grob gezimmerten Tischen, Bänken und vereinzelten Schemeln. Sir Faude setzte sich an einen Tisch und wartete auf den Wirt. Jetzt am frühen Nachmittag waren keine anderen Gäste zugegen. Carfilhiot war das nur recht.

„Ihr wünscht Mylord“, fragte der kleine Mittfünfziger beflissen. „Bringt mir einen Humpen Ale und etwas Schinken und Brot, falls ihr so etwas habt.“ Als seine Bestellung kam, drückte er dem Kneipier eine Silbermünze in die Hand. „Aber Mylord, das ist viel zuviel.“ „Ihr könnt den Rest behalten, wenn ihr mir eine Kleinigkeit verratet“, meint Carfilhiot verschwörerisch. „Wo finde ich Gwyneth of Hazlewood? Das hier ist doch Hazlewood, nicht wahr?“ Der Wirt sah auf das Geldstück und beugte sich dann vor: „Nun ja, unsere Gwyneth findet ihr in einer Hütte auf dem Hügel südlich von hier.“ „Das klingt doch schon ganz gut. Wird den häufig nach ihr gefragt?“ „Fremde, wie ihr einer seid fragen selten nach ihr“, antwortete der Wirt. „Und warum das?“ „Sie kann Normannen nicht leiden, verzeiht mir, Mylord, aber so ist es nun mal.“ „Schon gut ist ja nicht deine Schuld.“ Carfilhiot gab dem Wirt mit einem Wink zu verstehen, daß er entlassen war und der kleine Mann zog sich zurück. Nachdenklich kaute Faude an seinem Brot; schließlich trank er sein Bier aus und verließ die Schenke. Er zog sich seine Handschuhe an und pfiff nach Tatzel, die inzwischen unter einer Ulme graste. Die Fuchsstute stellte ihre Ohren auf und äugte zu dem Normannen herüber. „Na komm! Na, wo ist denn meine Schöne? Komm her! Grmbl, dämlicher Zossen, womit habe ich dich eigentlich verdient.“ Tatzel ignorierte ihn und kümmerte sich wieder energisch um die Grashalme. Carfilhiot ging zu ihr rüber und schwang sich kommentarlos in den Sattel, dann lenkte er das Pferd in Richtung Süden. Der Wirt stand im Türrahmen und starrte ihm nach.

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Jehan:

Hauptmann Mallard empfing den Reiter auf dem Falben im Burghof nicht eben freundlich. Da ist ja dieser komische Soldat des Sheriffs schon wieder, dachte er mürrisch. Was der schon wieder hier will? Jehan stieg vom Pferd, das schweißnass und ausgepumpt von dem schnellen Ritt war, und drückte einem eilends herbeigeeilten Pferdeknecht die Zügel in die Hand. "Ich möchte mit Sir Faude sprechen, Mallard" sagte Jehan knapp zu dem Hauptmann. "Da werdet Ihr euch gedulden müssen, der Herr ist ausgeritten" entgegnete Mallard.

"Ausgeritten? Verdammt..." Jehan nagte nervös an der Unterlippe. Er würde keine Zeit haben, so lange zu warten. Aber hatte er eine Wahl? Sein Falbe war fertig zum umfallen. Ohne eine Pause würde er das Tier zuschanden reiten. "Wohin ist er denn geritten?" "Nur ein Ausritt." "Ein Ausritt?" Jehan fühlte den Ärger in sich aufsteigen. Er hatte Mallard vom ersten Augenblick an nicht leiden können. "Ein Ausritt?" wiederholte er, "In den Sherwood? War er für eine Jagd gewandet?" "Nein. Er ritt alleine." Das verschlug Jehan nun doch für einen Moment die Sprache. "Bist du verrückt, Mann, kein Edelmann ist so lebensmüde und reitet alleine im Sherwood herum!" "Ihr reitet doch auch allein", stellte Mallard trocken fest. Jehan warf ihm einen vernichtenden Blick zu. "Das ist etwas völlig anderes!" blaffte er. Dann ging er kurz auf und ab, dachte verzweifelt nach, und kam schließlich zu dem Schluss, zu warten. Sollte Huntingdon auf die Botschaft des Sheriffs von Nottingham eine Nacht länger warten. Er würde einfach sagen, dass sein Pferd lahm gewesen sei.

*

Faude:

Es war nicht ganz einfach die Hexenhütte zu finden. Gwyneth hatte sich in einem Dickicht aus Haselsträuchern eingerichtet. Die Hütte war windschief und das Dach mit Moos bedeckt. Bläulicher Rauch stieg aus dem Schornstein auf und außer einem ungewöhnlich großen Raben der auf dem Dachfirst saß war kein Lebewesen zu sehen. Carfilhiot stieg ab und löste die Arbalest von seinem Sattelknauf. Er spannte die Waffe und legte einen Bolzen ein, dann sicherte er mit der schweren Armbrust nach allen Seiten. Als er sich davon überzeugt hatte, dass hier niemand im Hinterhalt lauerte ging er mit festen Schritten zur Hütte und klopfte gegen die Tür. „Hallo, gute Frau, seid ihr zu hause?“ „Faude Carfilhiot!?“ ertönte hinter ihm eine melodische Stimme. Sir Faude fuhr herum, seine Armbrust halb im Anschlag und nahm die Gestalt vor sich überrascht in Augenschein. Sie war hochgewachsen, schlank und völlig in ein schwarzes Gewand gehüllt. Sogar ihr Haupt war von dem schwarzen Stoff bedeckt. Faude vermeinte jedoch anziehende Züge im Schatten der Kapuze zu erkennen und eine vorwitzige kastanienbraune Locke hatte sich aus der Frisur gelöst. „Seid ihr Gwyneth of Hazlewood?“ fragte er mit einer Ruhe, die er selbst nicht spürte. „Es kommt darauf an, was ihr von ihr wollt?“ „Ich würde sie fragen, ob sie mir etwas über den Kessel der Wiedergeburt erzählen kann?“ „Warum begehrt ihr etwas über den schwarzen Kessel zu wissen, Normanne?“„Ich habe einen Auftraggeber, der gerne wissen möchte wo er sich befindet.“ „Und wie lautet der Name eures Auftraggebers?“ Faude überlegte, ob er sie rundheraus anlügen sollte und entschied sich dagegen. „Äh, es handelt sich um Simon de Belleme, wenn euch der Name etwa sagt. “Gwyneth zog ihre Kapuze zurecht und antwortete mitleidig: „Ihr arbeitet für den Dunklen? Da seid ihr nicht zu beneiden.“ „Wie meint ihr das?“ Die Hexe antwortete nicht auf seine Frage, sondern sagte stattdessen: „Wenn ich euch etwas über den Kessel des Dagda verrate, dann schuldet ihr mir einen Dienst. Seid ihr damit einverstanden?“ Faude blickte sie unsicher an. „Nun, wenn es sich nicht vermeiden lässt, natürlich.“ Die junge Hexe streifte ihre Kapuze zurück und die Schönheit ihres Gesichtes verschlug Faude schier den Atem. Ein klassische Profil, verstärkt durch ein kräftiges Kinn, gemildert durch einige Sommersprossen und eingerahmt von einer Mähne kastanienroter Haare, die auch Morgan le Fay zur Zierde gereicht hätte. „Weiser wäre es, den Kessel ruhen zu lassen. Ihr könnt ihn jedoch finden, wenn ihr in der nächsten Vollmondnacht in der Waldschlucht von Crossing nach der dort verborgenen Feentür sucht. Bestreicht die Tür mit dieser Nuss und ihr werdet dahinter finden was ihr sucht.“ Sie reichte ihm eine Haselnuss und musterte ihn. Faude nahm die Nuss entgegen. „Ich hätte da noch ein paar Fragen. Mir ist nicht ganz klar was eine...“ „Keine Fragen mehr. Geht nun!“

Gwyneth ging wortlos an Faude vorbei, öffnete die Tür zu ihrer Hütte und verschwand darin. Carfilhiot blieb eine Weile unschlüssig vor der Kate stehen und überlegte ob er noch weiter bei der Hexe insistieren sollte. Er entschied sich jedoch dagegen und machte sich auf den Weg zurück zu seinem Pferd. Sir Faude warf noch einen Blick auf den Dachfirst, der große Rabe war jedoch verschwunden und an der Nuss, in seiner Hand, konnte er ebenfalls nichts Ungewöhnliches feststellen. Tatzel kam ihm schon entgegen und barg ihre Nüstern in seiner Hand. Neugierig schnupperte sie an der Nuss. Faude beendete ihr Spiel jedoch, da er diesen Ort so schnell wie möglich hinter sich lassen wollte. Er schlug erneut den Weg nach Hazlewood ein und erkundigte sich beim Wirt nach dem sichersten Weg zur Landstraße. Anschließend kämpfte er sich danach stundenlang über Wildwechsel und verschlungen Pfade und erreichte erst am späten Nachmittag die Landstraße. Heilfroh den Wald hinter sich gelassen zu haben, schlug er den Weg nach Tinzin Firal ein und erreichte die Burg abgekämpft aber ganz zufrieden am späten Abend. Als er über die Zugbrücke ritt beschlich ihn jedoch eine Ahnung, daß bald neue Schwierigkeiten auf ihn warten würden.  

*

Jehan:

Es war schrecklich kalt in dem Raum, in dem Carfilhiots Gesinde sich aufhielt. Jehan fror. Dann erkannte er, dass ihn einen seltsame Bekommenheit erfasst hatte, die ihn frieren ließ. Den Mägden schien nämlich ganz und gar nicht kalt zu sein. Er hatte sich zu einer bescheidenen Mahlzeit zu den Leuten Sir Faudes gesetzt, prostete einer drallen Maid mit dem Weinbecher zu, die ihm schöne Augen machte. Sie lenkte ihn von seinen wirren Gedanken ab, und er bekam wieder etwas rote Wangen; ob vom Wein oder vom Augenaufschlag des Küchenmädchens, konnte man nicht feststellen. Mallard stand bei der Tür und beobachtete ihn argwöhnisch. Er verließ seinen Posten dort erst, als er seinen Dienstherrn die Zugbrücke herauf reiten sah.

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Faude:

Sir Faude ließ sich gegrillte Bachforelle mit einem frischen Kressesalat und einen grünen Silvaner servieren. Er legte Wert auf eine exquisite Küche und war ganz zufrieden mit seinem Koch, der angeblich früher für das leibliche Wohl eines bretonischen Grafen gesorgt hatte. Gute Köche waren mindestens so wichtig wie gute Offiziere, das bedeutete aber nicht, dass irgendeine Armee diesen Rat beherzigte. Düster lauschte Carfilhiot Beaversbrooks Bericht, der zu seiner Überraschung schon auf der Burg weilte. „Es war klug von euch, mich zu informieren“, lobte Faude. „Es scheint, dass uns da ein verborgener Gegner erwachsen ist. Irgendwer wusste, das Lynch unser Mann ist oder der Schreiber hat es vielleicht vor seinem Tod verraten.“ Der Adelige erhob sich und ging zum wärmenden Kaminfeuer. „Ich hätte nicht gedacht, dass meine Kreise schon so früh gestört werden. Na, sei's drum. Ihr solltet vorsichtige Nachforschungen anstellen, Beaversbrook und macht euch auf keinen Fall beim Sheriff verdächtig, denn das ist die Sache nicht wert.“ Faude wendete sich Jehan zu. „Heute Nacht seid ihr mein Gast und morgen könnt ihr dann frisch und ausgeruht dem Auftrag des Sheriffs nachkommen. Roderick wird euch auf euer Zimmer bringen.“ Er wartete noch, bis das alte Faktotum Jehan aus dem Raum geleitete und machte sich dann auf zu einem Spaziergang auf dem Wehrgang. Die beiden Wachen waren es gewohnt von ihrem Herrn, daß er überraschend auftauchte und salutierten etwas gelangweilt. Faude grüßte sie geistesabwesend ebenfalls und setzte dann seinen Bummel fort. In Gedanken war er jedoch die ganze Zeit bei der schönen Hexe von Hazlewood.

*

Jehan:

Aber auch der Hauptmann des Sheriffs konnte noch keine Ruhe finden. Jehan fischte die versiegelte Papierrolle aus seinem Gambeson und betrachtete sie. Zu gerne hätte er gewusst, was darin stand. Warum er diesen unüblichen Auftrag bekommen hatte. Leider konnte er nur sehr unzureichend lesen und schreiben. Und die Handschrift des Sheriffs war alles andere als einfach. Selbst die Schreiber in Nottingham hatten ihre liebe Not damit. Und ein Siegelbruch wäre natürlich sofort aufgefallen.

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Faude:

Faude legte die behandschuhte Faust auf die Zinne und betrachtete den Mond. Vielleicht noch eine gute Woche, dann wäre Vollmond. Warum gab er sich überhaupt mit dieser Angelegenheit ab, die ihn im Grunde genommen nichts anging? War es die Furcht vor de Belleme? Nein, er hatte ursprünglich bei diesem Mann das Handwerk der Zauberei lernen wollen und schnell festgestellt, daß es zu mühsam war, wenn einem das magische Talent zur Gänze fehlte. Er war dann aus dem Dienst geschieden, was aber nicht bedeutete das Simon de Belleme sein Meister war, wenn überhaupt dann war er so etwa wie ein unsicherer Bündnisgenosse auf einer quid pro quo Basis.

Faude war davon überzeugt, daß dieser Kessel der Wiedergeburt eigentlich kein Ding war, an dem man rühren sollte. Er war jedoch auch neugierig was de Belleme damit anstellen würde. Als überzeugten, wenn auch nicht sonderlich kompetenten Scholasten waren ihm Feentüren, Hexen und keltische Kessel zutiefst suspekt, allerdings hatte er selbst schon einige Seltsamkeiten erlebt. Er würde diese Sache also weiterverfolgen einerseits um den Schwarzkünstler bei Laune zu halten und da ihn inzwischen die Abenteuerlust gepackt hatte. Man musste nur darauf achten, sich nicht selbst in die Nesseln zu setzen, schließlich war die Angelegenheit mit dem Kanzleischreiber schon schlecht genug gelaufen. Wenn dieses Kind also auch drohte in den Brunnen zu fallen, dann würde er schon rechtzeitig die Seile kappen um seine Verluste in Grenzen zu halten. Etwas besser zufrieden ging er zurück zu seiner Kemenate und überlegte dabei, ob Gwyneth of Hazlewood vielleicht in diesem Moment auch an ihn dachte, aber nein, schließlich waren ihr Normannen verhasst.

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Jehan:

Am anderen Morgen fragte Jehan seinen neuen Verbündeten unvermittelt nach dessen Familie. Sir Faude lächelte süffisant. "Erzählt ihr mir zuerst, wo ihr bisher gedient habt, mein Freund" entgegnete er mit der blasierten Überlegenheit des Adligen. Jehan warf ihm einen zweifelnden Blick zu. Aber schließlich hatte er nichts zu verbergen. "Mein Vater", begann er daher, "ihm gehörte ein kleines Gut im Süden. Sein Name war John Beeches of Beaversbrook. Der Erstgeborene, mein Bruder Stephen, wird, wie allgemein üblich, seine Stellung übernehmen." Ein bitterer Unterton schwang in Jehans Stimme mit. "Mein anderer Bruder wurde Kleriker, und ich wurde zur Stadtwache von Beaversbrook gesteckt." "Beaversbrook..." Carfilhiot ging in Gedanken die Städtenamen durch, die ihm einfielen, aber dieser hier wollte ihm so gar nichts sagen. "Eine kleine Einfriedung, die sich Stadt nennen darf. In der Gegend, die man weitläufig Gapdale nennt." "Jehan Beeches of Beaversbrook" Sir Carfilhiot sprach den Namen so langsam und gedehnt, als probiere er eine neue Weinsorte, deren Geschmack er sich auf der Zunge zergehen ließ. "Ja, Mylord". Faudes Gesicht bekam plötzlich einen abwesenden und verträumten Ausdruck, so, als wäre er in Gedanken weit weg. Tatsächlich schwelgte er in einem lieblichen Tagtraum, in dem er wieder Gwyneth of Hazlewood vor sich sah. "Mylord, ihr wolltet mir etwas über Euch erzählen". Jehans Stimme riss ihn unsanft aus seinen Gedanken. "So, wollte ich das?"

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Godric:

Zur selben Zeit erreichte Godric von Valnahar die Burg Tinzin Firal. Er hatte eine lange anstrengende Reise hinter sich. Im nahe gelegen Wald waren ihm seltsame Gestalten in den Weg getreten und hatten ihn bedroht. "Hätte ich doch niemals einen Fuß in dieses Land gesetzt!", grollte Godric im Stillen. Seinem schweigsamen jungen Begleiter stand der Schreck noch ins Gesicht geschrieben. Godric lenkte sein Pferd auf das Tor zu. Er erhoffte sich hier Gastfreundschaft und ein gutes Frühstück...

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Jehan:

Sir Faude und Jehan standen sich gegenüber wie zwei Hunde, die zum gleichen Zeitpunkt einen Knochen entdeckt haben. "Mylord, Ihr sagtet doch..." Jehans Ärger war ihm deutlich anzusehen. "Ihr seid zu aufbrausend mein Freund" entgegnete Sir Faude lässig, und dieser Tonfall war es, den Jehan nicht vertrug. "So bekommt Ihr das Amt des Sheriffs nicht! Ich will wissen was Ihr vorhabt!" Er hieb mit der Faust auf den Tisch, dass die Becher tanzten. Sir Faude blickte ihn kurz hart an, aber sofort wurde sein Ausdruck wieder gefasst. So so, dachte er. Du weißt also gar nicht recht, was du hier eigentlich tust. "Ihr solltet lernen Euch zu beherrschen" entgegnete er honigsüß. "Mylord, ich muss protestieren! Ich werde nicht..." Jehans Wut wuchs. Faude fand es amüsant, wie leicht er Jehan ärgern konnte. "Schluss jetzt! Wenn ich eines nicht vertrage, dann ist das Aufsässigkeit! Also überdenkt Eure Lage und schweigt! Habt Ihr das verstanden?" Der freundliche Tonfall seiner Stimme passte so gar nicht zu den Worten, die er sprach. Jehan beherrschte sich mühsam. Aber er wusste ja, was sich geziemte. Nach einer gotterbärmlich langen Pause presste er ein bitteres: "Ja" heraus. "Ja...was?" "Ja. Mylord!" "Na also es geht doch. Das musste mal geklärt werden. Ihr könnt nun Euren Weg fortsetzen. Seid versichert, ich weiß was ich tue." Er wedelte mit der rechten Hand und bedeutete seinem Gast, zu gehen. Barsch wandte sich der Hauptmann um, gerade in dem Moment als Mallard hereinkam, um zwei neue Gäste anzukündigen.

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Godric:

Ungeduldig wartete Godric, dass man ihn einließ. Er war immer noch wütend wegen des Vorfalls im Wald und sann auf einen Gegenschlag. Andererseits, dachte er sich, war das die Sache des Landesherrn, und er hatte es schon immer gehasst, in fremde Angelegenheiten hineingezogen zu werden. Jedoch sah es ganz so aus, als könne er nicht mehr länger neutral bleiben. Mit diesem Land hatte er ohnehin noch eine Rechnung offen. Hätte man doch beinahe einen Teil seines Besitzes an einen normannischen Emporkömmling vergeben... Und nun hielt man ihn vermutlich für einen walisischen Spion! Die Tür öffnete sich und ein mürrisch dreinblickender Hauptmann trat hinaus. Er warf Godric einen kurzen Blick zu, doch er schien in seinen eigenen Groll vertieft zu sein und eilte davon. Kurz darauf stand Godric dem Burgherrn gegenüber.

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Jehan:

Der Hauptmann ritt gen Huntingdon, brauchte den ganzen Tag, denn der Weg war mehr als dürftig. Das verbesserte seine Laune nicht eben. Endlich dort, überbrachte er gehorsam die Botschaft. Aber noch während er sich das Essen schmecken ließ, das man ihm dort anbot, erhielt er Befehl, mit einer Antwort sofort zurück nach Nottingham zu reiten und dem Sheriff zu bestellen, dass der Earl of Huntingdon in ein paar Tagen zu folgen gedenke. Es war schon später Abend. Aber Jehan gehorchte. Er bekam ein frisches Pferd, eine kräftige kleine Stute, deren Fell so schwarz war wie die Nacht, in die er nun hinaus ritt. Er fluchte lästerlich, als er den Waldrand erreichte. Gut, dass Abt Hugo ihn in diesem Moment nicht hören konnte - er hätte ihn wohl auf der Stelle exkommuniziert.

Der Hauptmann würde die ganze Nacht reiten müssen, und der Earl hatte ihm eingeschärft, dies auch zu tun. Was hätte er auch sonst tun sollen? Auf diesem verdammten Weg gab es weit und breit keine Schenke. Unbehaglich setzte er seinen einsamen Ritt durch den nächtlichen Sherwood Forrest fort. Und als er kaum fünf Meilen geritten war, geschah es: Dunkle Schatten tauchten plötzlich aus dem Unterholz links und rechts des Weges auf, und ein unverhohlenes "Halt!!" schallte ihm entgegen. Das Pferd parierte unwillkürlich durch, obwohl Jehan ihm die Sporen in die Flanken hieb, denn schon hatte eine Hand die Zügel gepackt, und andere zerrten den Soldaten aus dem Sattel. Jehan war nicht dazu gekommen, den Einhänder aus dem Scabbart zu ziehen. Ehe er es sich versah, lag er hilflos auf dem Rücken und hatte ein Messer an der Kehle. Jetzt bin ich tot, dachte er. Er spürte, wie die Klinge die Haut an seinem Hals anritzte. Kein Blatt hätte mehr dazwischen gepasst. "Nicht, Will," hörte er jemanden sagen, und begann zu glauben, dass er noch lebte. Will? Dann musste das dort....Robin Hood sein! "Warum nicht?" fauchte der Bursche, der ihn auf den Boden drückte und mit der anderen Hand das Messer an die Kehle hielt. "Ein Soldat des Sheriffs nachts alleine im Sherwood? Was ist denn so wichtig dass der Sheriff einen Mann riskiert?" fragte Hood. Jehan schwieg. Seine Angst war wieder der Wut gewichen. "Du hast eine Botschaft dabei für den Sheriff, richtig?" erriet der junge Robin of Loxley. Da! Woher wusste dieser Kerl das? Er k o n n t e es doch gar nicht wissen! Die Gesetzlosen durchsuchten die Satteltaschen und fanden die Schriftrolle. "Wir bringen es zu Tuck. Er soll es lesen," entschied Robin. "Und was machen wir mit ihm? Lass mich ihn umbringen, bitte, Robin" knurrte Will Scarlett. "Ist doch nur ein Soldat des Sheriffs!" "Lass ihn laufen. Er wird genug Ärger bekommen, wenn er dem Sheriff keine Nachricht bringen kann." "Aber Robin...." Scarlett zerrte den Soldaten hoch, der aber keineswegs erleichtert zu sein schien. Er funkelte seinen Gegner böse an. "Will, du weißt doch, dass man Fische, die noch zu klein sind, wieder ins Meer werfen soll, nicht wahr?" "Klaaa-heiinn?" schrie Jehan außer sich. "Klein und jähzornig. Sei froh und halt das Maul, Bastard. Aufs Pferd mit ihm!" Sie hievten den um sich schlagenden Hauptmann ohne viel Federlesens in den Sattel und gaben dem nervösen Pferd einen üblen Schlag auf das Hinterteil, das wie von Furien gejagt davon galoppierte.

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Godric:

Godric war kurz aber höflich empfangen worden. Dafür hatte er danach umso mehr Zeit für ein vorzügliches Abendessen. Der frühe Morgen war nebelig verhangen, ein leichter unangenehmer Nieselregen ging nieder. Beim Frühstück leistete ein alter Mann mit spitzbübischem Gesichtsausdruck Godric Gesellschaft. Er hatte graues Haar und einen Stoppelbart. Gebeugt saß er über seinem Teller und beobachtete Godric aus den Augenwinkeln, bevor er wie zufällig sagte: „Ihr seid wohl fremd hier, wie?“ Godric hob den Kopf und musterte ihn mit zusammengezogenen Augenbrauen. „Wollt Ihr schnelles Geld machen?“, fragte der Alte, und als Godric ihn nur weiter abwartend ansah fuhr er fort: „Der König wird in einigen Tagen in Nottingham eintreffen. Es heißt, er hat einen gerissenen Plan, die Gesetzlosen aus dem Sherwood Forrest zu treiben.“ „Was habe ich damit zu tun?“, fragte Godric ungerührt. „Wenn Ihr-“, mit verschlagenem Lächeln beugte sich der Mann über den Tisch, „Wenn Ihr für ein paar Worte mehr eine kleine Belohnung hättet...“ Mürrisch zog Godric einen klimpernden Beutel aus seiner Manteltasche. Der Blick des Alten gierte danach, doch Godric behielt den Beutel in der Hand und sagte: „Erst Eure Worte!“ „Also gut: Der König hat für seine Zwecke eine Truhe mit Geld und Gold vorausgesandt. Sie befindet sich auf der Burg des Earl of Huntingdon, doch auch der Sheriff ist auf sie versessen.“ „Worauf wollt Ihr hinaus?“, fragte der Waliser skeptisch. „Alles, was Ihr tun müsst ist, Euch als Gesandter des Sheriffs auszugeben, die Truhe abzuholen - und sie dann selbst zu behalten!“ Godric stieß ein verächtliches Lachen aus. „Warum sagt Ihr das mir? Warum führt Ihr Euren Plan nicht selbst aus?“„Seht mich an! Ich habe weder die Kraft noch die Männer für dieses Unterfangen. Allerdings - ich erwarte natürlich einen Anteil des Geldes, wenn ich Euch ein passendes Versteck dafür nenne.“ Godric wurde nachdenklich. Eine Truhe voller Geld und Gold konnte er allemal gebrauchen. Und wer schließlich kannte ihn hier? Der Burgherr war in aller Frühe davon geritten; er schien wichtige Geschäfte zu haben und würde sich kaum an einen kurzzeitigen Gast erinnern... Außerdem hätte er endlich eine Gelegenheit, den knapp vereitelten Raub seines Landbesitzes zu rächen. Als wenn er seine Gedanken lesen könnte setzte der Alte hinzu: „Euch kennt doch hier niemand, nicht wahr? Bevor man Euch auf die Schliche kommt seid Ihr bereits auf und davon!“ Godric nickte. „Ich werde darüber nachdenken.“ „Denkt nur nicht zu lange nach, der König wird bald hier eintreffen.“ Der Waliser ließ seine letzten Zweifel fallen; mit einer kurzen Bewegung warf er dem Alten den Geldbeutel zu und erwiderte: „Sagt mir, wie ich zu Eurem Versteck komme, und ich werde dort sein.“ Mit plötzlicher Vorsicht beugte sich der Alte vor, sah sich kurz um, ob ihn niemand belauschte, und raunte seinem Gegenüber einige Worte ins Ohr. Dann erhob er sich und verabschiedete sich mit der Bemerkung: „Ich warte dort auf Euch!“ Godric sah ihm nach, als er den Saal verließ. Wer war die seltsame Gestalt, die ihm dieses unmoralische Angebot gemacht hatte? Obwohl es ungemein verlockend klang... Dennoch hatte er ein ungutes Gefühl. War er am Ende auf einen Gesetzlosen hereingefallen?

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Jehan:

Abgekämpft und müde erreichte Jehan of Beaversbrook am anderen Morgen Nottingham Castle, wo ihn der Sheriff schon ungeduldig erwartete. Gisburne brachte ihn unverzüglich in die große Halle, in deren Mitte ein großes Feuer brannte, an dem sich der Robert de Rainault die Hände wärmte. Er bemerkte die Ankömmlinge, und wandte sich ihnen zu, übersah geflissentlich den mitgenommen Zustand seines Hauptmannes und stellte zischend fest: "Ihr seid seit einem Tag überfällig, Hauptmann!" Sein linkes Augenlid begann gefährlich zu zucken. Gisburne bemerkte es. Er kannte dieses Vorzeichen nur zu gut. Jehan senkte zerknirscht den Kopf. "Mein Pferd...war lahm, Mylord Sheriff. Und auf dem Heimritt wurde ich... ähm... überfallen.... von...von..." Robin Hoods Name wollte ihm einfach nicht über die Lippen kommen. "Stottert mir nichts vor, Mann!" fauchte der Sheriff böse. "Ihr seid ja schlimmer als Gisburne! Wo ist die Botschaft des Earls?" Sir Guy schoss seinem Dienstherrn einen finsteren Blick zu, wie immer, wenn er meinte, von ihm beleidigt zu werden. Jehan schluckte. Zog den Kopf ein, als er antwortete: "Die...die..Geächteten haben sie...bei dem Hinterhalt..." Zuerst schien es, als erstarrte der Sheriff nur bei seinen Worten. Aber dann konnte man förmlich mit ansehen, dass er überzukochen begann wie ein Kessel zu heiße Suppe. Und schließlich tobte er los, ganz nach seiner Art, schleuderte das nächste Ding, das ihm in die Hände fiel, hier ein Holzscheit, das eine ältliche Magd eben ins Feuer zu werfen gedachte, nach seinen unfähigen Untertanen. Gisburne und Jehan duckten sich gleichzeitig, und das Geschoss segelte durch den Saal. "Idiot! Dämlicher, nutzloser Idiot! Gisburne! Ihr sorgt dafür, dass er ausgepeitscht wird!" "Aber Mylord, ich konnte nichts gegen sie ausrichten, es waren zu viele..."

Jehan bemerkte grade noch, dass dies genau die falschen Worte waren. Deshalb fügte er schnell hinzu: "Der Earl of Huntingdon lässt Euch ausrichten, dass er in zwei Tagen nach Nottingham reisen wird." "Ach ja?" brüllte der Sheriff. Dann begann er zu überlegen, trotz des Wutanfalls. Eine Fähigkeit, die ihm eigen war. "Dann reitet ihm um Gottes Willen entgegen, aber nehmt zehn bewaffnete Männer mit, wenn es dank Eurer Unfähigkeit im Wald von Gesetzlosen nur so wimmelt! Gisburne, Ihr reitet mit! Und dieses Mal keine Pannen, verstanden?!" Gisburnes Miene war unbewegt, als er sein "Gewiss, Mylord" entbot, aber Jehan wusste, dass er innerlich grinste, weil er dieses Mal nicht der Sündenbock war. Mit demütig gesenkten Köpfen verließen sie die Halle. Als sie außer Sicht waren, holte Jehan erst einmal tief Luft. "Sir Guy, ich sollte erst einmal etwas essen. Und ein wenig schlafen, immerhin bin ich seit zwei Tagen...." "Nichts da! Ihr rüstet die Männer. Wir treffen uns im Hof! Unverzüglich!" befahl Gisburne und schritt mit wehendem Umhang davon. Jehan blickte ihm verdutzt nach. Ja, grins du nur, dachte er. Das nächste Mal schreit der Sheriff dich dann wieder an. Aber es half nichts. Er kämpfte seine Müdigkeit nieder und holte die Soldaten. Und nicht sehr viel später verließ die Truppe mit Guy of Gisburne an der Spitze Nottingham in nördlicher Richtung.

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Faude:

Sir Faude hatte seinen Ausritt genossen. Diese Fahrt war ein voller Erfolg gewesen. Tatzel hatte aufs Wort gehorcht, er hatte seine Vorposten inspiziert und von einem Fleischer, der sich offenbar einschmeicheln wollte, eine leckere Fleischpastete geschenkt bekommen. Leider hatten seine Männer bisher nur wenig Erfolg gehabt. Die Geächteten kannten das Gebiet, ließen sich nur selten auf freiem Feld sehen und verschwanden nach einer Untat sogleich wieder in den schützenden Wäldern. Bisher konnte kein einziger von ihnen gefangen werden. Carfilhiot lobte seine Männer jedoch für ihre Aufmerksamkeit. Er wusste, dass es wenig Sinn hatte sie in dieser Situation noch zu tadeln - die Stimmung war schon schlecht genug und Dienst nach Vorschrift konnte er sich, in der kleinen Besetzung, nicht leisten. Als er auf die Burg zurück ritt fiel ihm sein kleiner Disput mit Beaversbrook wieder ein und er lächelte boshaft. Es war gut, die Kraftprobe mit diesem Emporkömmling für sich entschieden zu haben. Der gute Jehan schien zu wissbegierig und ein wenig empfindlich zu sein, was seine Familiengeschichte betraf. Vielleicht sollte er bei Gelegenheit veranlassen, dass dem Ältesten etwa Unangenehmes zustieß. Ein kleiner Reitunfall oder ein Sturz von einer rutschigen Freitreppe. Man würde sehen. Zuerst müsste Beaversbrook sich aber noch nützlicher machen, damit er solche Vergünstigungen auch zu schätzen wusste.

Das Geklapper von Tatzels Hufen echote im Torweg als Sir Faude wieder schemenhaft sein walisischer Gast einfiel. Unglaublich, wer sich alles auf seiner Burg herumtrieb! Die Waliser waren ihm immer ein wenig suspekt gewesen. Die Sturheit, das Clandenken und die Bodenständigkeit, entsprachen in keinster Weise Carfilhiots Preferenzen. Störrische Menschen verschafften ihm Verdruss, für Familiensinn war nicht viel Platz in seinem Leben, da seine Verwandten lange Zeit seine ärgsten Feinde waren und da er sich als Schöngeist sah, lehnte er alles Rustikale, oder was er dafür hielt, ab. Trotzdem musste er herausfinden, was dieser Welshman von ihm wollte, denn Höflichkeit war eine Tugend, die nichts kostet und jede Begegnung barg neue Möglichkeiten in sich. Er war kaum von seinem Pferd gestiegen, da verlangte er lautstark nach seinem Hauptmann. „Mallard! Mallaaaarrrd!“ Sir Faude nahm seinen Willkommenstrunk von einem Diener entgegen, als Mallard sich ihm mit schweren Schritten näherte. „Mylord?“ „Ah, Hauptmann. Ich wollte euch fragen, ob dieser Waliser noch auf der Burg weilt?“, fragte Carfilhiot während er versonnen in den goldenen Pokal mit der blutroten Flüssigkeit schaute. „Ähm, ähm, der Waliser?“, stotterte Mallard, <Keine Ahnung, Mylord, vorhin war er wohl im Speisesaal.> Faudes Augen verengten sich. „Mit anderen Worten, Hauptmann, ihr wißt es nicht genau. Wie wäre es denn, wenn ihr jemanden losschicken würdet um ihn zu suchen, anstatt weiterhin dazustehen wie ein Ölgötze? Hm?“ Mallard zuckte zusammen. „Natürlich, Mylord! Ich werde mich sofort darum kümmern.“ Carfilhiot blickte seinem Burghauptmann nach, als dieser einen Lakaien anrief um ihm die Aufgabe zu übertragen und zwirbelte seinen Spitzbart. Dann gab er Tatzel noch einen aufmunternden Klaps und zog sich in seine Gemächer zurück um seine Reitkleidung abzulegen und sich für das Abendmahl umzuziehen. Das einzige was dabei seinen Appetit bremste war Simon de Belleme und welche Rolle der Nekromant wohl für ihn, in seinem Spiel, vorgesehen hatte. Mallard übermittelte die Botschaft seines Herren und trat dem Lakaien aufmunternd in den Hintern, als sich dieser auf die Suche machte, so dass der Mann beinahe stolperte. Angewidert blickte er Carfilhiot nach, als dieser die Stufen zu seiner Kemenate erklomm. Dieser aufgeblasene Lackaffe würde sich schon noch wundern!

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Jehan:

Auf der Lichtung im Wald tauchten vor Gisburne und seiner Truppe plötzlich zwei Frauen auf, die gerade aus dem Wald kamen. Der Boden war an dieser Stelle sehr tief und dämpfte den Hufschlag der Pferde der Soldaten. Gisburne hob die Hand, und der Trupp stoppte. Eine Falle oder Glück? Jehan und Gisburne wechselten einen viel sagenden Blick, denn eine der beiden Frauen war Gwen. Sie kannten sie. Vor nicht allzu langer Zeit war sie aus Nottingham hinausgeworfen worden. Und da die beiden Soldaten ähnlich dachten und handelten, genügte ein leichtes Kopfnicken Sir Guys, und beide preschten unvermittelt vor. Erst jetzt horchten die Frauen erschreckt auf, wollten die Flucht ergreifen, aber die Soldaten waren schon nahe bei ihnen. Gisburne bekam Gwen zu fassen, zog die Zügel scharf an und brachte seinen Rappen zum Stehen.

Jehan hatte weniger Glück. Gerade als er sein Opfer packen wollte, stolperte sein Pferd, und er griff ins Leere. Und dann war seine Beute auch schon im Wald verschwunden. Weg war sie. Jehan fluchte mal wieder. Aber immerhin hatte Gisburne diese Gwen am Schlafittchen, die zwar wütend um sich schlug, aber keine Chance hatte. "Sieh mal an. Gwen. Du bist ja tief gesunken," stellte Gisburne schadenfroh fest. "Lasst mich gehen! Ich habe nichts verbrochen!" jammerte Gwen weinerlich, als sie die sinnlose Gegenwehr aufgegeben hatte. "Sie gehört jetzt zu den Geächteten, Sir Guy" sagte Jehan, während er die Frau vielsagend musterte. "Bitte....lasst mich gehen" bettelte Gwen. Aber Gisburne verzog nur hämisch den Mund. "Wir nehmen sie mit. Vielleicht kann sie uns auf die eine oder andere Weise noch....nützlich sein." Die Männer lachten derb. Einer der Soldaten nahm sie auf sein Pferd, und sie setzten ihren Weg fort. In den Büschen saß die andere Frau, Doyle, deren Herz ihr bis zum Hals schlug. Wie sollte sie das Robin erklären? Jetzt, da man sie ohnehin für eine Spionin der Normannen hielt?

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Godric:

Munter machte sich der Alte davon. Er war sehr zufrieden und konnte sich das Lachen kaum verkneifen. Nicht nur dass er ein ausgiebiges Frühstück genossen hatte, sein Plan verlief bisher bemerkenswert gut. Er kam im Innenhof an, wo sein vermeintlicher Diener bei einem kleinen Pferdekarren wartete. Er warf ihm einen viel sagenden Blick zu und setzte sich neben ihn auf den Bock, doch er schwieg, bis sie die Burg schon ein gutes Stück hinter sich gelassen hatten. Der Junge konnte es kaum mehr abwarten. Er hatte ein etwas einfältiges Gesicht und kurze dunkle Haare. „Nun sag schon endlich!“, drängelte er und rüttelte den Alten am Arm, „Wie hast du es angestellt? Wird es klappen?“ Der Mann lehnte sich zurück. „Sicher wird es klappen. Ich bin überzeugt, dass der Waliser darauf reinfällt, er will das Geld haben. Besser hätten wir’s gar nicht machen können! Er kennt die Gegend nicht und er hat keine Ahnung, was es mit dem Versteck auf sich hat, das ich ihm nannte. Und besser so, als sich auf die Leute des Sheriffs einzulassen, wo sie bald auch noch Verstärkung vom König bekommen.“ Der Junge sah ihn staunend und versunken an. „Na, worauf wartest du noch!“, rief der Alte neckend und gab ihm einen Stoß in die Seite, „Geh und erzähl’s Robin!“ Aufgerüttelt sprang der Junge vom Wagen, als der Mann ihn noch einmal zurückrief. „Und gib ihm das hier!“, er warf ihm ein kleines Gebäckstück in die Hand, „Von Sir Faudes’ Frühstückstafel!“ Er giffelte vergnügt und der Junge rannte davon in Richtung des Sherwood ... Godric zögerte nicht lange und machte sich gleich nach dem Frühstück auf den Weg. Das Wetter war kaum besser geworden, wenigstens hatte sich der Nebel verzogen. Aber das kümmerte ihn jetzt wenig. Er sonnte sich in der Vorstellung, was er mit dem vielen Geld anstellen würde, das er bald besaß. Über den zwielichtigen Informanten machte er sich keine Gedanken mehr. Wer sagte schließlich, daß er dieses Versteck überhaupt aufsuchen musste? Dank seines zähen walisischen Hengstes erreichte er die Burg des Earl of Huntingdon gegen Mittag. Der Earl war sehr beschäftigt mit den Vorbereitungen für die Ankunft des Königs, und so gestaltete sich Godrics Vorhaben als keine allzu große Schwierigkeit. Zwar warf ihm Huntingdon einen überaus misstrauischen Blick zu, als er vorgab, Gesandter des Sheriffs zu sein, aber schließlich wusste der Earl, dass sich de Renault mit jedem einließ, der ihm für seine Zwecke nutzen konnte. Allerdings ließ er sich nicht davon abbringen, Godric drei seiner Waffenknechte Mitzusenden. Etwas später verließ der Waliser die Burg mit dieser unerwünschten Eskorte und dem Geld, das sorgsam in vier Satteltaschen verteilt war. Während sich dieser kleine Trupp auf den Weg nach Nottingham machte kamen Godrics Gedanken auf den Alten im Speisesaal zurück, und er meinte bald, den perfekten Plan gefunden zu haben, um die drei Bewaffneten loszuwerden. Kurz bevor sie den Sherwood Forrest erreichten, befahl er ihnen, unter der Führung seines Begleiters einen anderen Weg einzuschlagen, um die Aufmerksamkeit der Outlaws von ihm abzulenken. Er würde unterdessen unbemerkt den Wald hinter sich lassen und dem Sheriff das Geld überbringen. Er bemerkte nicht den durchtriebenen Blick seines Gefährten, der sich zum Schutz vor dem Regen die Kapuze ins Gesicht gezogen hatte. ›Ihr treibt zum letzten Mal Eure Spielchen mit mir‹, dachte der Junge verächtlich, ›Langsam habe ich es satt, für Euch die Drecksarbeit zu machen und noch nicht mal angemessen belohnt zu werden!‹ Godric wartete, bis die vier Reiter aus seinem Blickfeld verschwunden waren, dann spornte er sein Pferd zu einem waghalsigen Galopp in den Wald, über schlammige Wege und Gestrüpp, und er wagte kaum zur Seite zu sehen, ob ihm jemand folgte. Endlich erkannte er die Weggabelung, die ihn bei seiner Anreise vor einigen Tagen zur Burg Tinzin Firal geführt hatte. Er preschte vorbei und hoffte, wenn er dem Weg nur immer weiter folgen würde, bald auf dem freien Feld herauszukommen, an dem er den Wald zum ersten Mal betreten hatte. Dort war die Gegend einsam, und er würde genügend Ruhe haben, um weitere Schritte zu überdenken. Plötzlich und unerwartet jedoch wurden seine Pläne durchkreuzt. Die mächtige neue Burg, die Godric vor seinem geistigen Auge bereits hatte bauen lassen fiel in sich zusammen wie ein Sandhaufen. Vor sich im Dickicht erblickte er Reiter! Er richtete sich ruckartig auf und entging nur haarscharf einem herunterhängenden Ast. Hart zog er die Zügel an. Die Reiter waren in blaue Umhänge gekleidet; einer von ihnen hatte eine gefesselte Frau vor sich auf dem Sattel sitzen. Godric kniff die Augen zusammen. An der Spitze des Zuges ritt ein junger Mann auf einem schwarzen Pferd, mit selbstgefälliger arroganter Miene. Und neben ihm erkannte Godric im schwindenden Tageslicht denselben Hauptmann, der ihm kurz auf der Burg begegnet war. Der Trupp folgte der Biegung des Weges und ritt nun geradewegs auf ihn zu. Sie hatten ihn gesehen, jetzt gab es kein Entrücken mehr...

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Gwen:

Gwen hatte Angst, sie konnte ihr Zittern nicht unterdrücken und sie hasste sich dafür. Die Soldaten ritten ein scharfes Tempo. Ihr war klar das, selbst wenn Doyle sofort den kürzesten Weg zum Lager gerannt ist, ihre Freunde es nicht schaffen würden sie vor Erreichen von Nottingham Castle einzuholen. Der Gedanke an Doyle versetzte ihr einen Stich ‚Sollte es etwa wahr sein, Doyle... für Jehan... Wie sonst konnte sie ihm so einfach entkommen? Herne, bitte nicht...’

Ohne Halt ritt der Trupp Soldaten mit ihrer Gefangenen weiter. Irrte sich Gwen, oder waren sie nervös und wollten den Wald so schnell wie möglich hinter sich lassen? Plötzlich stoppten die vorausreitenden Soldaten. In der Ferne tauchte eine Gestalt auf.

Jehan begann zu schwitzen, gegen alle Vernunft befürchtete er, die Geächteten hätten es irgendwie geschafft sie einzuholen. Der Reiter, der Kleidung nach ein normannischer Edelmann, kam gelassen auf sie zu und bat um eine Unterredung mit Sir Gisburne. Gwen glaubte, ihn irgendwann schon einmal bei Hofe gesehen zu haben, nur konnte sie sich an seinen Namen nicht erinnern. Nach einem kurzen Gespräch zwischen Gisburne und dem Fremden, von dem Gwen allerdings kein einziges Wort verstand, setzte sich die Reitergruppe, nun in gemäßigtem Tempo, wieder in Bewegung. Der Fremde ritt jetzt zwischen Gisburne und Jehan. Die drei Normannen schienen sich über den erfolgreichen Ausritt zu freuen. Gwen verstand nicht worüber sie so hämisch lachten – aber sie konnte Jehans Blick auf sich spüren. Ein kalter Schauer lief ihr über den Rücken und sie ahnte Schlimmes ‚Bitte beeilt euch! ... Will...’ Entsetzen packte sie, als sie vor sich die hohen Mauern von Nottingham auftauchen sah...

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Jehan:

Als sie sich dem steinernen Landsitz näherten, erkannte Gwen erst, dass sie gar nicht nach Nottingham ritten. Aber sie hatte keine Ahnung, wo sie waren. Als sie schon fast in Huntingdon waren, fragte Godric Jehan ganz beiläufig: "Warum bracht Ihr eigentlich so eilig von Tinzin Firal auf, Hauptmann?" Der spürte Gisburnes scharfen Blick von der Seite. "Tinzin Firal?" wiederholte Sir Guy. "Das wüsste ich auch gerne!" Es hatte keinen Sinn, jetzt zurückzublicken und sich für die Fehler zu verfluchen, die man begangen hatte. Jehan war entsetzlich müde, und das war nicht das Schlimmste an der Sache. Er musste nachdenken. Klar und sorgfältig, und er war nicht in der Verfassung dazu. Doch er würde es versuchen. "Mein Pferd war lahm" fiel ihm ein. "Deshalb war ich dort." Und verfluchte sich nun doch, denn wie sollte er dann gleich erklären, dass der Gaul in Huntingdons Stall stand? Godric spürte, dass er den Hauptmann in Verlegenheit gebracht hatte. Er war also nicht der Einzige, der etwas zu verbergen hatte. "Meine Herren," sagte er daher großmütig, "unsere Wege trennen sich hier. Ich habe eilige Geschäfte. Es war angenehm, mit euch zu reiten." Gisburne war aber schon misstrauisch geworden. "Es ist gefährlich, alleine zu reisen. Seid ihr sicher, dass ihr nicht erst..." "Nein, nein, besser nicht. Ich muss wirklich dringend weg..." Ohne weitere Erklärung zerrte der Waliser seinen stämmigen Gaul herum. "Grüßt den Earl of Huntingdon von mir!" Damit ritt er davon.

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Gwen:

Vor Angst war Gwen ganz benommen. 'Das ist nicht Nottingham' und sie atmete für einen Moment auf. So blieb ihr wenigstens das modrige, dunkle Verlies erspart. Aber - wenn man sie nicht nach Nottingham brachte, wohin dann? Und warum? Wer war der Fremde? Weder Gisburne noch Jehan machten auch nur eine Andeutung darüber, was sie zu erwarten hatte. Ihr kam es so vor, als würden sie nicht einen Gedanken an sie und ihr Los verschwenden. Nicht nur das höhnische Grinsen der Soldaten riss sie aus ihren Gedanken - sie standen vor bedrohlicheren Mauern als denen von Nottingham und begehrten Einlass. Sollte sie bald Antworten auf ihre bangen Fragen erhalten?

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Jehan:

Gisburne maß den Hauptmann mit einem mehr als kritischen Blick. Jehan schwitzte schon wieder. "Wo sollte ich denn sonst hin? Diese Bauern haben doch nur die letzten Karrengäule in ihren Ställen, wenn überhaupt." Es klang sogar so überzeugend, dass Gisburne sich damit zufrieden gab. Aber dieser Edelmann, der das Stück Weges mit ihnen geritten war, kam ihm nun nicht mehr geheuer vor. Und was er ihm vorhin unter vier Augen berichtet hatte, das war sogar mehr als ungeheuerlich gewesen. "Wir reiten weiter!" befahl er trotz allem. Er hatte nicht die geringste Lust, noch länger hier die Zeit zu vertrödeln. Kurze Zeit später ritten sie in Huntingdon ein. Der Earl empfing Sir Guy, während Jehan und die anderen mit dem Gesindehaus vorlieb nehmen mussten. Gwen wurde in eine kleine Kammer gesperrt, die außer einem schmalen Strohbedeckten Bett, einem Schemel und einer Kerze nichts enthielt. Eigentlich war es die Kammer des Stallburschen, aber Jehan hatte ihn hinausgejagt. Dann blieb er eine Weile vor der verängstigten Frau stehen, die mit Tränen in den Augen auf die Pritsche niedergesunken war. Er betrachtete sie schweigend. "Hast du Hunger, Weib?" fragte er. Sie schüttelte abweisend den Kopf. Er nahm den Helm und die Kettenhaube ab. Erst jetzt erkannte Gwen ihn wirklich wieder. Er hatte kurze hellbraune Haare, war glattrasiert, ganz nach Normannenart. Sie schätzte ihn auf etwa 30 Jahre. Im Moment sah er jedoch ziemlich elend aus, völlig übernächtigt und ausgezehrt. Und genau so fühlte sich Jehan auch. Das Kettenhemd wurde mit jedem Augenblick schwerer. Er sehnte sich nach Schlaf, aber er hatte ja versprochen, zuerst die Frau sicher unterzubringen, damit sie nicht etwa entfliehen konnte. Gwens weiches Herz konnte sie bei seinem Anblick noch nicht einmal Groll empfinden lassen. "Ein Soldat steht vor der Tür als Wache" sagte Jehan müde. "Ihr könnt also nicht fliehen, falls ihr das vorhabt. Zu essen gibt es erst morgen wieder." Sie hatte sich wieder etwas gefasst, und als er sich abwenden wollte, nahm sie sich ein Herz und fragte: "Was habt Ihr mit mir vor?" Jehan hielt noch einmal inne und sah sie abschätzig an. "Das müsst Ihr schon Sir Guy fragen. Ich denke, Ihr werdet als Lockvogel für die Geächteten dienen. Danach, nun, d a s wird dann wohl der König selbst entscheiden." Damit ließ er sie alleine. Still und einsam saß Gwen in ihrem kalten Gefängnis und wünschte sich doch so sehr, im Sherwood Forrest zu sein.

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Doyle:

Nachdem Doyle nach dem Überfall und dem Kidnapping von Gwen durch Sir Jehan ins Outlawlager zurückkehrte, hielt sie sich nach dem Bericht abseits! Schlimmer hätte es gar nicht kommen können: Sir Jehan verbreitete erst Gerüchte, dass sie für ihn spionieren würde und nun kidnappte er Gwen und lies sie entkommen! Jetzt würden die anderen bestimmt den Gerüchten mehr glauben! Robin hatte Doyle beiseite genommen und versucht, ihr klarzumachen, dass er ihr glaubte und nicht den Gerüchten! Die Outlaws versammelten sich und besprachen, was sie jetzt unternehmen könnten, um Gwen zu befreien! Als Doyle in die Nähe von Will kam, drehte der sich mit nem kalten Blick ab und wechselte seinen Standort auf die andere Seite des Lagerfeuers! Es wurde eine Zeitlang beratschlagt. Die Spuren der Normannen mit ihrer Gefangenen führten nach Huntington! Verschiedene Varianten und Möglichkeiten wurden erörtert. Doyle musste noch einmal den genauen Verlauf des Angriffes berichten! Doch es fiel ihr nichts Neueres ein, als das was sie schon vorher berichtet hatte. Die Wasserkrüge waren leer. Erleichtert, mal kurz vom Lager und von Wills hasserfüllten Blick zu entkommen, begab sich Doyle zu dem kleinen Bach, um sie erneut aufzufüllen. Sie wollte gerade zum Lager zurückkehren, als sie eine kleine Taube sah, die um ihre Aufmerksamkeit gurrte! Neugierig trat Doyle näher und sah an dem Fuß der Taube einen Zettel Pergament. Sie fing das Tier ein und entrollte die Nachricht! Das Blut schoss ihr ins Gesicht, als sie die Nachricht von Jehan las! Dieser Mistkerl! Erst sie so in Misskredit zu bringen und nun erpresste er sie, dass sie die Outlaws wirklich verraten sollte und setzte als Preis Gwens Leben ein! Doyle war hin und her gerissen! Einmal sagte ihr Verstand, dass sie sich an Robin wenden sollte und ihm von Jehans Nachricht erzählen sollte und andererseits verlangte es ihr danach, Jehans Aufforderung nachzukommen, um Gwens Leben zu retten! Mit einem Mal löste sich Doyle aus ihrer Regungslosigkeit und wandte sich in die Tiefen des dunklen Waldes. Sie wurde nicht gewahr, dass ihr Will gefolgt war und ihre Aktion beobachtet hatte! Stundenlang lief Doyle scheinbar orientierungslos durch den Wald! Als es hell geworden war, ruhte sie sich kurz an einem kleinen Bach aus! Ihren Verfolger hatte sie immer noch nicht bemerkt! Dieser hielt immer mit Bedacht Abstand! Es war sehr kalt, Doyle fror! Da sie oftmals durch dichtes Untergehölz durch musste, war sie froh, dass sie seit sie im Wald lebte, sich zur Angewohnheit gemacht hatte, Lederhosen zu tragen! Aber ihre Fellweste lag immer noch im Lager. Einen Moment lang sah sie sich um, dann erkannte sie die Gegend wieder, wo sie war. Mit einem Schlag wurde ihr bewusst, was sie zu tun hatte und sie hoffte, es blieb ihr lange genug Zeit. Wenn ihr Plan gelang, dann konnte sie Gwen retten, ohne die Outlaws zu verraten! Aber Doyles Weg war noch weit. Sie würde den ganzen Tag und die ganze Nacht durchlaufen, bis sie zu ihrem Ziel gelangen würde, wo sie sich Hilfe erhoffte!

*

Faude:

Roderick, seid über einem halben Jahrhundert im Dienste der Lords von Tinzin Firal, brachte dem jungen Burgherren sein Abendessen. Der pouchierte Aal in Senfsauce mit Brunnenkresse, würde Sir Faude keine große Freude bereiten, dachte er, aber was sollte man machen, wenn der Koch unbelehrbar war. Was trieb der junge Herr eigentlich? Natürlich, er las mal wieder und zwar die <Selbstbetrachtungen> des Imperators Marc Aurel - kein sonderlich kurzweiliger Stoff. Er stellte das Tablett auf den Tisch und verließ den Raum mit einem geflüsterten: „Wohl bekomms, Sire.“ Carfilhiot schloss die wunderbar gestaltete Handschrift, die ein Benediktinermönch vor über hundert Jahren angefertigt hatte. Die Gedanken des Philosophenkaisers waren ihm heute jedoch viel zu schwermütig. Er wandte sich dem Tisch zu und probierte etwas von dem köstlichen zubereiteten Speisefisch, der ihm jedoch auch heute nicht recht schmecken wollte. Es ekelte ihm immer ein wenig vor Aal, da er einmal gesehen hatte, wie diese Fische gefangen wurden. Bei einem Ausritt sah er einmal einige Flussbewohner, die einen halb verwesten Pferdekopf aus dem Wasser hievten, den sie dort ausgelegt hatten. Das stinkende Fleisch wimmelte nur so von fetten Aalen, die in jede Windung des Schädels gekrochen waren um sich da selbst zu mästen. Der Anlass großer Freude bei den Fischern über ihren schönen Fang, war für Faude leider der Anlass sich zum Gotterbarmen zu übergeben. Seid diesem Tag war ihm der Aal verleidet. Er ließ seine Mahlzeit kaum berührt stehen und beschloss seinen Chef, bei Gelegenheit, wieder darauf hinzuweisen, in Zukunft Aal vom Essensplan zu streichen. Einer plötzlichen Eingebung folgend, verfasste er eine kurze Nachricht, verließ dann sein Zimmer und lief leichtfüßig die Treppe herunter. Er ging quer über den Burghof zu den Taubenschlägen und nahm einen blaugrauen Vogel aus einem der Käfige. Faude sprach kurz beruhigend mit dem etwas überraschten Tier, befestigte die Nachricht am Bein der Taube und warf sie dann in die Luft. Der Vogel schraubte sich in den Abendhimmel über der Burg, orientierte sich kurz und flog dann in Richtung Nottingham. Carfilhiot blickte ihr zufrieden nach. Ausgezeichnet, dachte er, der Sheriff würde ihn nun erwarten.

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Godric:

Godric atmete auf. Da war er ja gerade noch mal davon gekommen! Allerdings würden diese beiden gerissenen Soldaten sein Gesicht sicher so schnell nicht vergessen. Vor allem der Blonde nicht; der andere hatte eher so ausgesehen als würde er jeden Augenblick vor Müdigkeit vom Pferd fallen. So ging man also in England mit seinen Untergebenen um... Das brachte ihn dazu, an seinen eigenen Untergebenen zu denken, ein Jüngling, der immerhin einiges an Schlauheit innehatte, sich jedoch viel zu viel auf seine Herkunft einbildete. Angeblich war ein entfernter Vorfahre mit den Römern nach Britannien gekommen und hatte sich nach dem Ende seines Kriegsdienstes in einem fürstlichen Anwesen niedergelassen. Godric war eher zufällig auf den Jungen gestoßen. Bei einer seiner Reisen war er ihm begegnet und hatte seine Kampfkunst bewundert, die hitzige Abenteuerlust hätte ihn jedoch sofort warnen müssen. Nun hatte er diesen Möchtegern-Helden seit zwei Jahren am Hals, und obwohl er ihm oftmals guten Dienst geleistet hatte schien er sich seinem Stande gemäß unterfordert zu fühlen. ›Weiß der Teufel, was er im Wald anstellt, wenn er tatsächlich von Outlaws überfallen wird.‹, dachte Godric verächtlich. Sorgen bereiteten ihm vielmehr seine eigene Lage. Es dämmerte bereits und er verspürte nicht die geringste Lust, den Hetzritt durch den Sherwood noch einmal zu wiederholen. Auf der Burg von Sir Faude ließ er sich jetzt lieber auch nicht blicken, also blieb ihm nichts anderes übrig, als in einem der kleinen Gasthäuser zu nächtigen, die man hin und wieder in den Siedlungen um den Sherwood anfand. Als er schließlich eine kleine Schenke erreichte, die sich ‚Der Keiler’ nannte, hatte er keine Ahnung, in welchem Landstrich er sich überhaupt befand. Hungrig verschlang er das dürftige Abendessen und legte sich dann schlafen, unter seinem Bett die Satteltaschen mit dem Geld...

Der einfältige Junge hatte unterdessen die Neuigkeiten übermittelt, doch Robin von Loxley konnte sich nicht lange darüber freuen. Gwen war geschnappt worden und Gisburne der Lump hatte einen Triumph davon getragen. Nun galt es zu entscheiden: Sollten sie die Chance nutzen und sich das Geld aneignen, oder sollten sie sich unverzüglich auf den Weg machen, um Gwen zu befreien?

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Faude:

Das Feuer im Kamin war heruntergebrannt und in der Nacht hatte es zu regnen begonnen. Das Prasseln war deutlich auf den Erkerschindeln zu vernehmen. Sir Faude ging ruhelos in seinem Schlafzimmer auf und ab, wobei sein grünes Rüschennachthemd um seinen drahtigen Körper schlotterte. Er wog das schwere, normannische Schwert, das schon seinem Vater gedient hatte, in seinen Händen und warf hin und wieder einen Blick auf die unscheinbare Nuss, die auf seinem Kopfkissen lag. Er machte einige Probeschwünge mit der Waffe und versuchte sogar einen Ausfall. Nach einer missglückten Finte warf er das Breitschwert jedoch unwirsch auf sein Bett. Gwyneth of Hazlewood hatte ihn bedauert, sich mit de Belleme eingelassen zu haben und wahrscheinlich hatte sie recht. Was dachte sich der Magier dabei, in seine Burg einzudringen und ihm, ungefragt, Aufträge zu erteilen. War de Belleme der Herr von Tinzin Firal oder war es Faude Carfilhiot? Diese Angelegenheit mit dem schwarzen Kessel würde ihm gewiss mehr Verdruss als Freude bereiten und überhaupt, warum schickte der Schwarzkünstler ihn vor, wo er von der Magie so viel verstand, wie die Kuh vom tanzen? Er würde dieser Aufgabe noch nachgehen und de Belleme dann unmissverständlich klar machen, daß er mit ihm nicht mehr rechnen konnte.

Trotz seiner düsteren Gedanken, freute Faude sich auf seinen Ausflug nach Nottingham. Die Stadt hatte einiges zu bieten und der Sheriff war kein schlechter Gastgeber, wenn man seine Launen bedachte. Außerdem würde sich sicher die eine oder andere Möglichkeit ergeben um sein Intrigennetz enger zu spinnen. Endlich beruhigt und halbwegs zufrieden schlüpfte Sir Faude unter die Bettdecke, legte das Breitschwert auf den Schemel an seinem Bett und schlief mit dem schottischen Dirk in seiner Linken ein.

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Jehan:

Sir Guy of Gisburne und der Earl of Huntingdon tafelten am frühen Morgen am üppig gedeckten Frühstückstisch. "Wie überaus aufmerksam von de Rainault, mir auch noch eine Leibwache zu schicken, wo er doch schon eine Eskorte für des Königs Gelder entsandte", rühmte der Earl, während er ein Brot brach. Gisburne verschluckte sich und musste husten. "Was?" "Gestern war sein Gesandter hier, ein Edelmann, der sagte er wolle das Geld sicher nach Nottingham bringen." Gisburne schüttelte den Kopf. "Außer dem Boten schickte de Rainault niemanden aus. Das weiß ich sicher!"

Huntingdon stand so abrupt auf, dass der schwere Stuhl nach hinten kippte und polternd zu Boden krachte. "Oh nein! Wie konnte ich nur so...leichtgläubig sein?" schalt er sich selbst. "Ihr gabt ihm alles mit?" fragte Sir Guy ungläubig. "Wie sah dieser raffinierte Bursche denn aus? Und woher hatte er diese Informationen?" Huntingdon sah den Edelmann vor seinem inneren Auge. "Ein Edelmann, gewandet wie ein Normanne, etwas derb vielleicht - er ritt einen kastanienbraunen Hengst. Ich gab ihm noch ein paar meiner eigenen Männer mit." Gisburne ahnte, wer dieser dreiste Räuber war. Dummerweise dachte er allerdings, dass Robin Hood hinter dem allem stecken müsse. Nun galt es zu handeln. Jehan und die anderen Soldaten schliefen noch wie Steine. Sogar die Wache vor Gwens Tür. Überhaupt schien die Frau die einzige gewesen zu sein, die in dieser Nacht kein Auge zugemacht hatte. Als Gisburne das sah, tobte er los wie es sonst nur der Sheriff vermochte. Er jagte die Truppe hoch, ließ ihnen kaum Zeit, sich zu rüsten, und hatte seine Leute in rekordverdächtiger Zeit abmarschbereit im Hof versammelt.

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Gwen:

Gwen war erschöpft. Zusammen gekauert, den Rock fest um ihre Beine gewickelt um wenigstens ein bisschen gegen die Kälte geschützt zu sein, saß sie in der hintersten Ecke ihres kleinen Gefängnisses. Angst und zu viele Gedanken ließen sie in der letzten Nacht kaum zu Schlaf kommen und der Lärm, der jetzt vom Burghof her an ihr Ohr drang, ließ sie erneut aufschrecken. Rüstungen klapperten und sie hörte, wie Gisburne ärgerlich seine Soldaten anschrie. 'Irgendetwas muss passiert sein, das ihn so sehr in Rage gebracht hat.' Und bei all dem Radau dort draußen und der Hektik hoffte sie, man würde sie hier einfach vergessen.

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Godric:

Godric erwachte von einem erfrischenden Tiefschlaf, der ihm neue Unternehmensfreude für den kommenden Tag beschert hatte und streckte sich. Der Tag war bereits angebrochen und durch das kleine Fensterchen fiel trübes Licht herein. Mit einem jähen verunsicherten Schreck griff Godric unter das Bett - und sank mit einem Seufzer der Erleichterung zurück. Sein Schatz war noch da, niemand hatte bemerkt, dass er ihn hatte, Gott sei dank! Leichten Herzens sprang er aus dem Bett und freute sich auf das Frühstück, das hoffentlich etwas mehr Auswahl bot als das Abendessen. Er würde ein bisschen mit der adretten Wirtin plaudern und sich dann ohne unnötige Eile in Richtung Westen begeben. Er öffnete die Tür seines kleinen Gästezimmers und blieb stocksteif stehen. Unten im Schankraum erblickte er zwei Soldaten! Ebensolche, wie sie ihm auch schon im Sherwood begegnet waren. Sie drehten ihm den Rücken zu, und er konnte ihre Gesichter nicht sehen, doch er war sich sicher, dass sie allein wegen ihm hier waren. Mit einer zornigen Grimasse fluchte er in sich hinein. Er verschwand wieder im Zimmer, schob den stabilen Holztisch vor die Tür, packte die Satteltaschen und trat ans Fenster. ›Und so was mir!‹, stieß er zwischen den Zähnen hervor. Er streckte den Kopf hinaus, immerhin lag das Zimmer auf der Rückseite des Hauses. Er hievte die Satteltaschen über den Fensterrahmen, mit einem scheppernden Plumpsen fielen sie auf der anderen Seite auf den Boden. Godric zwängte sich durch das kleine Fenster und stieß bitterböse walisische Flüche aus. Unsanft landete er neben dem Geld, doch er verlor keine Zeit. Er schlich sich in den Verschlag, in dem die Pferde untergebracht waren. Gerade wollte er sich davon machen, als er den Rappen des blonden Hauptmanns erkannte. Er sah sich kurz um und trat dann hinterhältig lächelnd näher. ›Ihr werdet mir so schnell nicht folgen!‹, dachte er, zog seinen Dolch - eine gute Arbeit des Schmiedes im heimischen Anwesen, der bereits im Dienst seines Vaters gestanden hatte - und mit einigen kräftigen Bewegungen schnitt er den Sattelgurt des Hauptmannes tief ein. Erfreut über diesen letzten Schlag machte er sich auf, denn nun war Eile geboten. Rasch führte er seinen Hengst hinaus, sprang in den Sattel und galoppierte schleunigst davon.

  

Huntingdons Männer, angeführt von Godrics jungem Gefährten, hatten in der aufkommenden Dunkelheit die Orientierung verloren und so die Nacht im Wald verbringen müssen. Der Verzicht auf Nachtmahl und Frühstück machte sie missmutig, so daß ihre Aufmerksamkeit nachließ und sie nicht den Späher bemerkten, der am Wegrand im Gebüsch hockte. Robin Hood hatte zwar entschieden, dem Geldboten nicht aufzulauern, sondern sich stattdessen unverzüglich an Gwens Befreiung zu machen, doch nun schien dieser Waliser ihnen geradewegs in die Arme zu reiten. Er musste es sein. Jedenfalls sah er fremdartig aus, trug einen dunklen Mantel und hatte lockige fast schwarze Haare. Und er wurde von drei Soldaten begleitet, die jedoch griesgrämig dreinblickten und nicht sehr wachsam erschienen. So waren sie eine leichte Beute für Hood und seine Leute. Die drei Soldaten waren schnell erledigt, der Junge wehrte sich vergebens, er wurde kurzerhand vom Pferd gezogen. Robin musste bald zu seinem Ärger feststellen, daß die Reiter kein Geld bei sich hatten. Er zügelte jedoch seine Wut und wandte sich an den Jungen. „Wie ist Euer Name?“, fragte er.

Der Gefangene wandte sich in dem festen Griff des bärtigen Riesen, der hinter ihm stand. Das waren nicht dieselben, die ihn und seinen Herrn Godric bei ihrer Anreise überfallen hatten. Vermutlich waren sie noch schlimmer! „A - Atius Callidus Ravilla.“, stammelte er. Er hatte gehofft, der Name seines römischen Ururgroßvaters würde diese Grüngewandete Halunkenbande beeindrucken, doch die brachen bloß in schallendes Gelächter aus. Sein Herr, der von den Römern nichts hielt, nannte ihn stets Ivo; er hasste es immer wieder ertragen zu müssen wie seine hohe Herkunft verhöhnt wurde. „Wo ist das Geld des Königs?“, fuhr Hood fort. „Ich weiß nicht, wovon Ihr sprecht“, erwiderte der Junge und bemühte sich um Fassung, „Ich habe kein Geld bei mir!“

„Verfluchter Waliser!“, brummte der Riese, „Halt uns nicht mit einem falschen Namen zum Narren, natürlich weißt du es!“ Robin trat näher. „Einen schönen Ring tragt Ihr da, Atius wie auch immer.“, er packte die Faust des Jungen und betrachtete den goldenen Siegelring, der schon etwas abgewetzt war, jedoch noch deutlich einen Adler und einen Löwen erkennen ließ. „Nehmt die Finger weg!“, zischte Ivo und versuchte noch einmal vergeblich, sich aus dem Griff zu befreien. Robin wollte sich nicht allzu lange aufhalten. Gwen zu befreien war ihm wichtiger. „Ich mache Euch einen Vorschlag.“, sagte er daher, „Dieser Ring scheint Euch sehr am Herzen zu liegen.“, mit einem raffinierten Handgriff entwand er dem Jungen das kleine Erbstück und ließ es in der Tasche seines Gewandes verschwinden. „Bringt mir das Geld des Königs und Ihr erhaltet den Ring zurück!“ Ivo war sprachlos. Die Dreistigkeit dieses Gesindels übertraf alles, was er bisher bei seinem Herrn erlebt hatte. Der fiese Kerl hinter ihm ließ ihn endlich los und man befahl ihm, aufs Pferd zu steigen. „Wir werden ein Auge auf Euch haben!“, rief Hood ihm nach, „Für den Fall, daß Ihr nicht zurückkommt!“ Nachdem er so schnell es ging dieser unglücklichen Begegnung entflohen war zügelte Ivo das Tempo, um zu überlegen. Er stellte gar nicht erst in Zweifel, daß er den Ring zurückhaben musste. Es war das einzige Andenken an seine Vorfahren und - was noch viel wichtiger war- der einzige Beweis, daß er in ihre Ahnentafel hineingehörte. Seinem Herrn, Godric von Valnahar, musste es tatsächlich gelungen sein, unbemerkt den Wald zu verlassen. Ganz abgesehen davon, daß es ihn wenig lockte, an seine Seite zurückzukehren, wusste er gar nicht wo er in aufsuchen sollte. In Gedanken versunken folgte er dem Regendurchweichten Weg durch den Wald, bis er an einer Weggabelung ankam...

*

Jehan:

Sir Guy hatte eine Entscheidung getroffen. Er selbst ritt mit neun Männern, dem Earl und weiteren drei von dessen Soldaten hinaus, um den dreisten Dieb zu verfolgen. Er würde keine Ruhe geben, ehe sie den Schatz gefunden und nach Nottingham verbracht hatten. Der Earl dachte gleich. Den Hauptmann hätte diese Aufgabe weiß Gott gereizt. Aber Gisburne schickte ihn nach Nottingham, um Gwen hinzubringen. Das ärgerte ihn. Da bot sich die einmalige Gelegenheit, sich vor dem Sheriff zu profilieren - und Jehan hatte diese Geste mehr als nötig - und nun sollte er Kindermädchen für eine Geächtete spielen.Aber sein vehementer Protest wurde von einem einzigen eisigen Blick Gisburnes niedergemacht. Grollend holte er Gwen aus ihrem Gefängnis, fesselte sie und zerrte sie hinaus. Seine müde Menschlichkeit vom Vorabend hatte sich in eine normannische Härte verwandelt, die Gwen Angst machte. Leider war sie ganz und gar nicht vergessen worden. Jehan nahm sie vor sich aufs Pferd, seinen Falben, und nach kurzem Ritt verließen sie die anderen, die sich ebenfalls bald aufteilen würden um effektiver zu jagen. Der Hauptmann und ein älterer Soldat bogen auf den direkten Weg nach Nottingham ein. Das war am Morgen gewesen. Während des Heimritts stellte Jehan sich vor, was ihn bei Robert de Rainault erwartete, wenn er die letzten Neuigkeiten überbrachte, jagte ein Schauer über seinen Rücken. Die beiden Soldaten ließen ihre Pferde einen gebrochenen Paß gehen, der zwar unschön, aber äußerst bequem war. Gwen hatte es aufgegeben, um ihre Freiheit zu bitten. Stattdessen sandte sie Herne stille Worte um Rettung. Und als ob er sie erhört hätte, hörte sie plötzlich das Zischen eines Pfeils, und der andere Soldat, der vor ihnen ritt, warf die Arme hoch, fiel nach hinten und sank tot aus dem Sattel. Aus seiner Brust ragte der Schaft ein weißer Pfeilschaft. Jehan hatte Falb so hart pariert, dass der Gaul das Maul aufriss und ein anklagendes Wiehern ausstieß. Der Hauptmann sah sich panisch um, aber er hatte ja die Frau vor sich, also einen lebenden Schutzschild. Noch immer war niemand zu sehen, und für einen Moment herrschte eine unheimliche Stille. "Lass die Frau los, Soldat, sonst bist du des Todes!" forderte ihn eine Stimme auf. Dann trat Robin Hood aus dem Dickicht, den Langbogen mit einem weiteren Pfeil belegt. Hinter ihm erschienen noch weitere Geächtete mit gezogenen Schwertern. "Nein!" rief Jehan ihnen entgegen. "Wenn ihr schießt, trefft ihr sie! Aus dem Handel wird nichts! "Er wollte es riskieren und durchbrechen. Aber er hatte nicht mit Gwen gerechnet. Sie erkannte ihre Chance, warf sich nach hinten und brachte Jehan aus dem Gleichgewicht. Das Pferd, dessen Zügel dadurch abrupt nach hinten gezogen wurden, stieg, so wie es ihm beigebracht worden war, auf die Hinterhand. Das genügte. Der Hauptmann verlor jegliche Kontrolle und stürzte samt der Frau hinterrücks aus dem Sattel. Sofort waren Robin und seine Gefährten bei ihnen. "Gwen, bist du wohlauf?" fragten sie voller Sorge. Das war sie. Und nachdem sie wieder unter ihresgleichen war, der Fesseln entledigt, weinte sie vor Freude. Der Alptraum war endlich zu Ende. Little John packte den Soldaten am Kragen und zerrte ihn hoch. Ihn drängte eine ganz andere Angelegenheit. Er kannte Jehan von Angesicht.„Du elendes Schwein, was ist das hier, he?“ Er hielt ihm das kleine Stückchen braunes Pergament vors Gesicht, das er gefunden hatte. Kurz nachdem Doyle einfach weggegangen war. Die Nachricht. Jehan blickte ihn verstört an. „Ja und? Was soll das sein?“„Dein mieser Versuch, unsere gute Doyle zu erpressen, du elender normannischer Abschaum! “Jehan lachte plötzlich, aber es klang nicht gerade fröhlich. „Ach ja? Dazu müsste ich dann aber erst mal schreiben können, nicht wahr? “Die Gesetzlosen sahen sich an.„Willst du mir etwa weismachen, du kannst nicht lesen und schreiben…SIR Jehan?“ fragte Tuck.„Du bist doch edler Abstammung….“ „Richtig. Aber ich war nur der Jüngste. Meine Brüder mussten diese Dinge lernen, da sie das Erbe bekamen. Ich wurde nur in praktischen Dingen geschult“ erklärte der Soldat kurz angebunden. Und außerdem hat es mich ohnehin nie sonderlich interessiert, fügte er in Gedanken hinzu. Tuck glaubte ihm. Der Ton, in dem der Soldat dies sagte, sprach Bände. Außerdem gab es auch unter den Herren Exemplare, die nichts für Bücher übrig hatten, sondern sich lieber auf der Jagd vergnügten. Dieser Hauptmann schien so einer zu sein. Jehan fiel auf, dass Doyle und Will nicht bei der Gruppe waren. Er und Botschaft! Für so etwas hatte er nun wirklich keine Zeit gehabt. Und er hätte sich selbst ohrfeigen können, dass diese Gesetzlosen ihn schon wieder - und wiederum so leicht - hatten aufhalten können. Es juckte ihn, das Schwert zu ziehen und es auf einen Kampf ankommen zu lassen, so schlecht gelaunt war er in diesem Moment.„Wer soll es denn sonst geschickt haben?“ keifte Little John, der Jehan noch immer festhielt.„Irgendjemand in Nottingham, der schreiben kann,“ gab der höhnisch zurück, und erhielt dafür prompt einen üblen Schlag in den Magen.

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Gwen:

Gwen fiel ein Stein von Herzen. Sie waren gekommen! Wegen ihr! Ihr Rücken schmerzte vom harten Aufprall und Johns Umarmung hatte sie vorhin fast zerdrückt. Aber das war ihr egal. Aus Jehan war nichts mehr herauszubekommen und da Risiko ihn mit ins Camp zu schleppen war ihnen zu groß. Robin´s Kommandos kamen jetzt kurz aber präzise. Nur Sir Jehan versuchte es noch einmal mit Gegenwehr. Er strampelte und versuchte John´s hartem Griff zu entkommen. Als er merkte, das alles Bemühen nicht mehr einbrachte als ein noch härterer Griff, der ihm fast den Atem raubte versuchte er es mit wilden Drohungen: „Wir werden euch jagen! Hängen sollt ihr dafür! Alleee! Verfluchtes Pack; wartet nur bis...“. Weiter kam er nicht. Tuck verpasste ihm mit einem Stock einen Schlag auf den Kopf, und um ihn herum wurde alles schwarz. Die Geächteten hatten etwas Zeit gewonnen und machten sich über die Wildpfade zurück in den geschützten Bereich des Waldes. Nach all der Hektik fand Gwen erst jetzt Zeit sich suchend nach Will umzusehen und erst jetzt bemerkte sie, dass auch Doyle nicht hier war. Doch Zeit für Fragen war keine.

*

Jehan:

Als Jehan endlich wieder zu sich kam, glaubte er kaum, dass die Gesetzlosen ihn so glimpflich hatten davon kommen lassen. In seinem Weltbild brachte nur der es zu etwas, der grausamer und stärker und zudem klüger war als sein Gegner. Und deshalb konnte er diese seiner Meinung nach viel zu zart besaiteten Hood-Leute beim besten Willen nicht verstehen. Selbst wenn es dabei um sein eigenes Leben ging. Während er noch über die sinnlose Dummheit seiner Gegner den wehen Kopf schüttelte,  hörte er Hufschlag. Er sah sich nach seinem eigenen Pferd um, das aber graste friedlich die wenigen Grasbüschel neben dem Weg. Der Zügel hatte sich glücklicherweise an einer Wurzel verfangen, deshalb war das Tier dort stehen geblieben. Jehan sah sich nach dem Soldaten um, der, wie ihm einfiel, ja tot auf dem Weg lag. Aber die Leiche war verschwunden. Die Outlaws hatten selbst vor den Toten Respekt. Wie dumm von ihnen! Der Hauptmann beeilte sich nun, das Pferd hinter dem Stamm einer riesigen, dicken Tanne zu verstecken. Der Hufschlag wurde nun immer lauter. Und dann kam ein Mann auf einem kastanienbraunen Pferd um die Biegung des Weges, der Jehan bekannt war: Sir Godric von Valnahar! Na warte, dachte der Soldat. Die brenzlige Situation, in die ihn der Edelmann gestern gebracht hatte stand ihm noch vor Augen. Und warum ritt dieser Mensch hier alleine herum, wo es im Wald zurzeit tatsächlich nur so wimmelte, wie der Sheriff treffend bemerkt hatte? Irgendwas irritierte Jehan an diesem Burschen, denn warum war er zuerst auf Sir Faudes Burg gewesen, und wo war eigentlich der Junge geblieben, den er bei sich gehabt hatte? Fragen über Fragen, die nach einer Antwort verlangen. Als Godric nahe genug war, trat Jehan unverhofft mit gezogenem Schwert auf den Weg - kam sich fast wie ein Räuber dabei vor - und sorgte dafür, dass der Waliser anhalten musste. "Was tut ihr hier?" herrschte Jehan ihn an. "Das möchte ich lieber Euch fragen, Hauptmann. Ihr seht aus als hätte Euch jemand verprügelt", entgegnete Godric schlagfertig, obwohl er sehr überrascht war. Aber er verstand es glänzend, dies zu verbergen. Dachte im nächsten Moment darüber nach, wann seine Pechsträhne wohl endlich zu Ende war. Dieser Jehan hatte ihm gerade noch gefehlt! "Den anderen solltet ihr erst mal sehen", gab der Soldat großspurig an, dann betrachtete er misstrauisch das schweißnasse Pferd Sir Godrics. "Warum ist Euer Gaul denn so verschwitzt? Es sieht aus, als müsse er ein beträchtliches Gewicht schleppen! Habt ihr etwa Steine in den Satteltaschen?"

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Godric:

Godric lächelte höflich. „Schon möglich, Hauptmann, schon möglich!“ Jehan ließ sich nicht ablenken. „Darf ich mal nachsehen?“, fragte er ohne Umschweife. Der Waliser machte eine zuvorkommende Geste. „Aber bitte, nur zu!“, sagte er und beobachtete in stiller Freude, wie der Hauptmann mit finsterer Miene herantrat und sich an seinen Satteltaschen zu schaffen machte. Wenn es auch so aussah, als könne er der Grafschaft so schnell nicht den Rücken kehren, so hatte ihm doch das Schicksal kurz hinter der Weggabelung nach Tinzin Firal seinen Gefährten Ivo entgegen gesandt. Und da er das Gefühl nicht los wurde, von den Soldaten des Earls verfolgt zu werden, hatte er ihm - wenn auch schweren Herzens - das Geld anvertraut und ihm nahe gelegt, es an einer sicheren Stelle zu vergraben, bis sie Gelegenheit hatten, es zu holen. Jehan machte ein überaus verständnisloses Gesicht, als er statt des erwarteten Goldes aus den Satteltaschen bloß einen schwarzen Umhang und eine verschrumpelte Mohrrübe zum Vorschein brachte. Innerlich grollend wurde ihm bewusst, daß man ihn wieder einmal zum Narren gehalten hatte. Jedoch bestand kein Zweifel darin, daß der Waliser das Geld entwendet hatte; wo hatte er es versteckt? Jehan dachte wieder an den Sheriff und bemerkte, wie miserabel seine Lage war. Nicht nur, daß die Geächteten Huntingtons Brief erbeutet hatten, und Gisburne dank des verfluchten Walisers Wind bekommen hatte von seinem Aufenthalt auf Tinzin Firal, nun war es Robin Hood und seiner Bande auch noch gelungen, ihm Gwen zu entreißen! Die einzige Möglichkeit, Gnade vor dem Sheriff zu finden war, ihm diesen gerissenen Dieb auszuliefern. Das müsste de Rainault beeindrucken und er konnte sich dann damit vor dem König profilieren. Jehan dachte angestrengt nach. Er musste Godric in irgendeiner Weise nach Nottingham locken. Es hatte wenig Sinn, ihn offen zu beschuldigen, hinterher würde der Waliser es noch auf einen Kampf ankommen lassen, und dazu fühlte sich der Soldat nun gerade nicht imstande! Ihm kam jedoch ein anderer Gedanke, und plötzlich sah er sich seinem Ziel sehr nah. Er holte tief Luft und wandte sich an Godric...

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Gwen:

Am nächsten Morgen erwachte Gwen vor allen anderen. Leise schlich sie sich aus dem Lager; sie wollte die Freunde nicht unnötig wecken. Ihr Ziel war der unweit vom Camp gelegene kleine Bach. Sie wollte alleine sein und brauchte Zeit, um nachdenken zu können. Von einem Tag auf den anderen hat sich alles verändert und sie fürchtete, mit diesen Veränderungen nicht Schritt halten zu können. Will ist verschwunden; war ohne ein Wort zu verlieren einfach gegangen – und Gwen hatte Angst vor dem, was er tun könnte, wusste sie doch, wie kopflos er handelte, wenn er verletzt war oder sich bedroht fühlte. Nicht selten musste einer der Freunde ihm dann zur Seite stehen. Aber jetzt war er alleine... Doyle. Sie hat ihr vertraut, aber John erzählte von Nachrichten, die sie bekam und wie sehr sie sich in den letzten Tagen verändert hatte... Und da war dann noch der Hauptmann. Jehan. Er verwirrte sie. Am Abend auf Huntington Castle, als er sie mit müdem Gesichtsausdruck ansah und fragte, ob sie hungrig sei, kam er ihr so merkwürdig vertraut vor. Sie spürte, dass sie ihn von irgendwoher kannte, aber so sehr sie sich auch anstrengte: es wollte ihr einfach nicht einfallen... Gwen drehte sich aufgeschreckt um, als sie hinter sich das Geräusch eines zerbrechenden Astes vernahm. Dort stand Nasir, noch mit dem zerbrochenen Ästchen in den Händen und einem Lächeln im Gesicht. Nasir wartete einen Moment, ob sie ihn wegschicken würde und setzte sich dann, schweigend wie immer, zu ihr. Er nahm kleine Steinchen, warf sie ins Wasser und sah ihnen beim Untergehen zu. „Gwen, wir finden ihn – rechtzeitig. ... Und Doyle auch.“ flüsterte er ohne seinen Blick vom Bach abzuwenden. Alles war gesagt. Gemeinsam kehrten sie zum Lager zurück. Langsam wachten auch die anderen auf. Gwen kümmerte sich um das Feuer und bereite das Essen vor. Es würde ein langer Tag werden, der gekräftigt begonnen werden musste...

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Faude:

Aus vielen Kaminen stieg Rauch in den Himmel und außer den Dächern sah man wenig von den zum Teil mehrstöckigen Gebäuden, denn imposante Befestigungsmauern umgaben die Stadt. Über allem thronte die Burg in der er, in nicht allzu ferner Zukunft, als Sheriff residieren würde: Nottingham Castle. Sir Faude stützte lässig die Linke auf seinen Oberschenkel, rückte sich den Helm mit dem beeindruckenden, lachsfarbenen Helmbusch zurecht und drehte sich zu Pierrot de Brassiers, seinem Burgvogt um. „Ein Anblick, der das Herz höher schlagen lässt oder was meint ihr, de Brassiers?“ „In der Tat, Sire. Elephantös!“

Sir Faude verließ sich in administrativen Fragen ganz und gar auf seinen erfahrenen Verwalter. De Brassiers war zwar eitler als ein Pfau, aber er verstand auch mehr von Zahlen als Phytagoras oder zumindest konnte er diesen Anschein erwecken. Hinter dem Vogt saßen noch vier Soldaten auf ihren Pferden, alles erfahrene Kämpen, die schon jahrelang in Carfilhiots Diensten standen. Tatzel stampfte unruhig auf und Sir Faude gab ihr die Zügel frei. Der Fuchs trabte munter an und die ganze Kavalkade folgte ihm, den Hügel hinab nach Nottingham. Carfilhiot hatte diesmal nichts anbrennen lassen und seine Kämpfer angewiesen sich wie für eine Schlacht auszustatten. So trugen sie denn auch, schwere Lederrüstungen und Armbrüste, dazu Schilde und Schwerter, außer Rafferty, der eine Vorliebe für den Morgenstern entwickelt hatte. Faude selbst trug ein leichtes Kettenhemd am Körper, einen Ritterschild auf dem Rücken, seitlich am Pferd eine Arbalest und sein Breitschwert am Wehrgehänge. De Rainault, ich komme!

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Jehan:

Jehan und Godric von Valnahar weilten noch immer an derselben Stelle mitten im Sherwood. "Mylord, mir wurde aufgetragen, Euch nach Nottingham zu geleiten!" Es war keine höfliche Frage, keine Bekundung. Es klang eher wie ein Befehl. Godric von Valnahar hatte Charakter genug, jetzt nicht zu lachen. "So? Wer hat Euch dies aufgetragen?" "Mein Herr, der Sheriff of Nottingham. Robert de Rainault!" log Jehan gekonnt. "Und wieso sollte der Sheriff of Nottingham so etwas tun? Ich bin Waliser, keiner von seinen Untertanen!" entgegnete Godric. "Ich werde mich nicht mit Euch hier streiten. Dies ist keine Bitte, sondern eine Order! Und damit Schluss!" gab Jehan grimmig zurück. Er musste diesen Dieb unbedingt nach Nottingham bringen und dort zu einem Geständnis "überreden". Aber dieser sture Waliser war keiner von diesen angelsächsischen Bauern, die sich leicht einschüchtern ließen. Nun, mit leeren Händen nach Nottingham zu reiten, das kam nicht in Frage. Das sollte Gisburne tun. Jehan ging davon aus, dass die Suche nach dem Schatz ein vergebliches Bemühen war. Denn wäre Godric sonst hier? Er, Jehan of Beaversbrook, hatte den Dieb, den man zur Aussage zwingen würde, und Gisburne hatte nichts. Jehan sah sich selbst bereits als befördert an, und Gisburne würde die Prügel bekommen. Und Sir Faude of Carfilhiot würde erkennen, was er an ihm hatte - und ihn mit einem hohen Amt entlohnen. Nur dass Godric offensichtlich nicht im Mindesten gedachte, seinem Befehl zu folgen. Verdammt, dies hier geht in die falsche Richtung. Zeit die Taktik zu ändern. "Missversteht dies nicht, Mylord", sagte Jehan daher in einem freundlicheren Ton, der ihm allerdings sehr schwer fiel, "der Sheriff wünscht Euch in einer Angelegenheit zu sprechen, die äußerst dringlich und von großer Bedeutung für Wales ist." Dafür, dass nicht ein Wort davon der Wahrheit entsprach, klang es sogar sehr glaubwürdig. "Und da es derzeit wirklich sehr sehr gefährlich ist, alleine unterwegs zu sein, biete Euch daher Geleitschutz, Mylord."

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 Godric:

›Geleitschutz!‹, dachte Godric bitter. Obwohl der Soldat sein Angebot mit überzeugendem Ernst vorgetragen hatte, wäre er kurz vorher kaum wie ein Wegelagerer aus den Büschen gesprungen und hätte ihn mit dem Schwert bedroht! Und nun? Sollte er sich einfach ausliefern und ohne Gegenwehr Mitreiten nach Nottingham, geradewegs ins Gefängnis? Nichtmal sein junger Begleiter würde auf den Gedanken kommen, ihn dort zu suchen. Er saß in der Falle, und Jehan sah wildentschlossen aus. ›Und wenn schon!‹, dachte Godric verächtlich, ›So leicht sollt Ihr es nicht mit mir haben!‹ und noch bevor Jehan im Sattel saß spornte der Waliser sein Pferd an und galoppierte los. Doch der Hauptmann reagierte schnell, er ließ sich jetzt von seinem Weg zum Erfolg nicht mehr abbringen. Er jagte Godric nach, über den Waldweg und kam immer näher an ihn heran. Der tapfere kastanienbraune Hengst konnte sein Tempo nicht lange halten. Schaum stand ihm vorm Maul, die Gewaltritte der letzten Stunden waren zu viel gewesen.

An einer lichten Stelle lenkte Jehan sein Pferd ins Unterholz, überholte Godric und schnitt ihm abrupt den Weg ab. Der braune Hengst riss nervös den Kopf hoch und bevor der Waliser sich wehren konnte hatte Jehan ihm seine Schwertspitze an den Hals gedrückt. „Rührt Euch nicht oder Ihr sollt es bereuen!“, sagte er laut mit der Strenge eines Hauptmannes. Godric gehörte nicht zu jenen aufbrausenden Narren, die ihr Temperament nicht unter Kontrolle halten konnten, und so erwiderte er Jehans erbarmungslosen Blick mit Ruhe und ergab sich. Vielleicht würde das Schicksal zum gegebenen Zeitpunkt wieder auf seiner Seite sein. Jehan griff sicherheitshalber die Zügel von Godrics Pferd und zog mit ihm gen Nottingham. Sie hatten keine Ahnung, dass Ivo, Godrics Untergebener, das Schauspiel beobachtet hatte. Die herangaloppierenden Pferde hatten ihn aufgeschreckt. Und während er mit angehaltenem Atem die Gefangennahme seines Herrn verfolgt hatte, war ihm eine glorreiche Idee gekommen. Er wollte noch immer den Ring seiner Ahnen zurückholen, doch das Geld in den vier Satteltaschen, die Godric ihm so freigiebig ausgehändigt hatte, würde er zunächst für etwas anderes verwenden...

*

Faude:

Der Weg war vor Nottingham weniger holprig als in den Wäldern, wo man vor lauter Wurzelwerk aufpassen musste, dass die Pferde nicht strauchelten und hier auf freiem Feld, war die Wahrscheinlichkeit auch geringer von einem Geächteten niedergeschossen zu werden. De Brassiers war froh, die Reise ohne Zwischenfälle hinter sich gebracht zu haben. Am liebsten verließ er Tinzin Firal überhaupt nicht und er hatte auch kein großes Verständnis dafür, dass sein Herr ihm diesen Ausflug überhaupt aufgebürdet hatte, denn auf der Burg gab es eigentlich noch genug Aufgaben, die seiner harrten, aber vielleicht sollte er es auch als Auszeichnung betrachten, mitgenommen worden zu sein.

Während der Burgvogt seinen Gedanken nachhing, hatte sich Gwyneth of Hazlewood wieder in Sir Faudes Tagträume gestohlen. Er sah sie vor sich stehen, mit dem großen Raben auf ihrer Schulter und einem kurzen Stecken in der linken Hand. Eine bezaubernde Erscheinung, die ihr schönes Gesicht jedoch, aus welchen Gründen auch immer, missbilligend verzog. Als ihre Züge dann immer drohender wurden und sie offenbar sogar mit erhobenen Stecken einen Schritt näher trat, erwachte der Normanne aus seiner Trance. Er blickte sich nach seinen Gefolgsleuten um, aber offenbar hatte niemand bemerkt, dass er fast im Sattel eingenickt war. Carfilhiot konzentrierte sich wieder auf sein Treffen mit dem Sheriff und hielt sich sehr gerade auf seinem Pferd.

Tatzel näherte sich nun zügig den Stadttoren und die Torwachen winkten sie einfach durch - offenbar wurden sie schon erwartet. Sir Faude ritt mit seinem kleinen Trupp in die Stadt ein und die Leute versuchten, so gut es ging, den Reitern auszuweichen. Tatzel jagte zwei Schweine ungestüm vor sich her und Faude hatte Mühe sie zu bändigen, bevor sie über einen Gemüsekarren setzte, den jemand im Weg stehengelassen hatte. Endlich hatten sie die stinkenden Straßen der Stadt und das einfache Volk hinter sich gelassen und näherten sich der Zitadelle. Auch hier wurden sie von den Wachen gegrüßt und durchgewunken. Sir Faude wunderte sich darüber, dass Sir Guy of Gisburne ihn nicht im Innenhof erwartete; offenbar war der Adlatus des Sheriffs mit einer Mission betraut worden. Stattdessen stießen zwei Fanfarenbläser völlig jämmerlich in ihre Instrumente, als sich das Tor zum Palas öffnete und Sir Robert de Rainault selbst heraustrat um seinen Gast angemessen zu empfangen. Der Sheriff blieb einen Moment stehen und warf den beiden Trompetern einen seiner berühmten, vernichtenden Blicke zu und die Kakophonie hörte sogleich auf. Dann ging de Rainault mit einem leicht aufgesetzten Lächeln auf Sir Faude zu. „Mein lieber Faude Carfilhiot, es ist schön, dass ihr einmal wieder den Weg nach Nottingham gefunden habt“, tönte er.

Sir Faude beeilte sich abzusteigen und eilte dem Sheriff entgegen. „Ich wollte meine Base besuchen und musste natürlich zuerst den Vertreter des Königs, meinen lieben Freund, mit einem Besuch beehren“, zwitscherte er. „Ich grüße euch herzlich, Robert de Rainault.“ Die beiden Männer trafen sich in der Hofmitte und gaben sich förmlich die Hand. De Rainault maß sein Gegenüber mit seinem stechenden Blick und grübelte insgeheim immer noch darüber nach, was Carfilhiot mit seinem Besuch eigentlich bezwecken wollte. „So, so, die liebe Base, natürlich“, entgegnete er dann. „Doch sagt mir zuförderst, wie verlief eure Reise? Ihr hattet doch keine Schwierigkeiten?“ „Nein, Lord Sheriff, ihr schützt euer Land gut. Es gab keine Vorkommnisse, aber vor zwei Tagen bin ich selbst von Strauchdieben, bei einem Ausritt, angefallen worden und verdanke es nur meinem tapferen und flinken Pferd, dass ich noch gesund an Leib und Leben vor euch stehe.“ De Rainault keuchte. „Die Wälder sind voll von diesen Missgeburten und wir werden dieser Plage kaum Herr. Auch wenn Gisburne sein möglichstes tut - was jedoch nicht viel heißen will.“ Sir Faude nickte beifällig. „Ich bin sicher, Sir Guy tut alles was in seiner Kraft steht, aber dieser Robin Hood wird langsam zu einer Pest. Diese Schnake wagt es, eure Autorität in Zweifel zu ziehen und verhöhnt euch öffentlich. Neulich erst war ein Kesselflicker im Weißen Keiler und verkündete großspurig, dass er Robin Hood getroffen hatte und dieser ihm den Auftrag erteilt hatte, den Dampfkessel des Sheriffs zu reparieren, da dieser zu oft überkocht.“ Er machte eine Geste auf de Rainaults Kopf. „Als ich von dieser Geschichte hörte, ließ ich den Burschen natürlich sofort am Galgen tanzen. Ich hoffe in eurem Sinne gehandelt zu haben? “Robert de Rainault war im Laufe von Carfilhiots Ausführungen puterrot vor Wut geworden. Nun beruhigte er sich langsam wieder. „Ihr habt diesen Kesseltropf gehängt? Das war eine ausgezeichnete Entscheidung. Nur schade, dass ich nicht zugegen war. Diesem Knilch hätte ich gerne selbst die Flötentöne beigebracht.“ Der Sheriff tippte sich mit dem Zeigefinger an die Nase. „Leider habe ich noch Verpflichtungen, mein lieber Carfilhiot. Aber wie wäre es denn, wenn ihr heute Abend zu einem informellen Bankett zurückkommt und eure reizende Cousine mitbringt? Einverstanden?“ „Naturellement!“, antwortete Sir Faude. „Dann werde ich nun Lady Perilla de Draginion aufsuchen und euch euren Pflichten überlassen, Mylord.“ De Rainault nickte Carfilhiot zu und drehte sich dann in Richtung Palas, wobei er den beiden Fanfarenträger noch einen grollenden Blick zuwarf. Faude Carfilhiot ritt sehr zufrieden über die Zugbrücke und dachte listig, daß sich der Sheriff wirklich jede Geschichte auftischen ließ, die in Zusammenhang mit Robin Hood stand. Ja, dieser König des Sherwood Forrest erwies ihm wirklich unschätzbare Dienste und er begann perlend zu lachen.

*

Jehan:

Das hektische Treiben in Nottingham war dieser Tage beinahe unerträglich für den Sheriff. Aber wenn der König das Shire mit seiner Anwesenheit beehrte, musste einfach alles stimmen. Der König vergibt nichts. Aber da nichts fertig wurde, die Köche nur scheinbar Ungenießbares zusammenrührten, und seine Untertanen entsetzlich träge zu sein schienen, war Robert de Rainault äußerst übel gelaunt. Und wo Gisburne nur wieder blieb? Er schritt bedrohlich über den Hof, teilte die umherrennenden Menschen vor sich wie einst Moses das rote Meer, und sah aus den Augenwinkeln gerade, wie sein Hauptmann mit einem Begleiter das hochgezogene Fallgitter passierte. Er stockte. Wenn der Hauptmann hier war, und schon wieder aussah als wäre er überfallen worden, wo steckte dann in Gottes Namen Gisburne? "Hauptmann!" brüllte er quer durch die Anlage. Die beiden Reiter näherten sich dem Sheriff, und de Rainault fiel auf, das der Soldat die Zügel beider Pferde in der Hand hielt. Aber der andere war offensichtlich ein Edelmann. Soldaten! dachte der Sheriff ´die denken einfach nicht nach, diese strohdummen Einfaltspinsel´. Jehan stieg ab und zerrte Godric ebenfalls vom Pferd.

"Was hat das zu bedeuten?" herrschte de Rainault ihn an, um im nächsten Augenblick den Edelmann süffisant anzulächeln und ihm die Hand zu reichen. Bevor Jehan etwas sagen konnte, trat Godric vor und erwiderte den Gruß. "Euer Mann sagte, Ihr wolltet mich sprechen, Sheriff? "De Rainault warf dem Hauptmann einen scharfen Blick zu. "Was soll das?" "Mylord," begann Jehan hektisch, "dieser Mann ist ein Dieb, und ich musste ihn irgendwie dazu bringen, hierher zu....""Ein Edelmann ein Dieb?" fuhr der Sheriff dazwischen. "Ich hoffe Ihr habt Beweise, Soldat!" "Nun, nicht direkt Mylord....""Seid Ihr noch bei Sinnen? Schert Euch weg, bevor ich Euch in den Kerker werfen lasse!" "Aber Mylord! Gisburne jagt diesen Mann ebenfalls. Er hat des Earls Schatz gestohlen!" begehrte Jehan auf.

Godric sah ihn ziemlich gelangweilt an. "Sheriff, ich finde es, mit Verlaub, ungeheuerlich, wie mir in den Grenzen Eures Landes begegnet wird. Zuerst werde ich von Wegelagerndem Gesindel überfallen, dann treffe ich diesen Hauptmann hier fernab seiner Dienststätte auf Burg Tinzin Firal und schließlich schleppt er mich auch noch wie einen gewöhnlichen Verbrecher hierher! Ich bin sehr empört! Ich bin Sir Godric von Valnahar! Noch nie wurde ich so unverschämt behandelt wie hier!" Seine gespielte Entrüstung zeigte bei de Rainault genau die Wirkung, die er sich erhofft hatte. De Rainault würde Fremden solange Freundlichkeit entgegenbringen, bis er wusste, woran er bei ihnen war. Waren sie ihm nützlich, würde er weiter um Ihre Gunst buhlen, im anderen Falle hinaushofieren. "Mylord, er ist nur ein walisischer Hochstapler, der versucht..." Jehan versuchte verzweifelt, das Ruder herum zu reißen. "Haltet endlich das Maul, Dummkopf!" fauchte der Sheriff. "Aber Mylord, der...."

"Maul halten!!" tobte der Sheriff und könnten Blicke töten wäre Jehan wohl auf der Stelle tot umgefallen. "Was suchtet Ihr auf der Burg Sir Carfilhiots?"

"Ich.. wie gesagt, das war als mein Pferd lahmte und ich dort eine...Pause einlegte“, beteuerte Jehan schnell. Dieser Waliser hatte es schon wieder geschafft, ihn bloß zu stellen.  Im nächsten Augenblick wandelte sich des Sheriffs Ausdruck, als er sich an den Waliser wandte. "Ihr seid mein Gast, Sir Godric" sagte er höflich. Er schnippte mit dem Finger, und sofort kam ein Höfling heran und verbeugte sich. "Mein Diener wird Euch zu den Gasträumen geleiten. Verzeiht die...inkompetente Unhöflichkeit des Hauptmannes. "Sie lächelten einander wissend an, während Jehans Gesichtsfarbe von weiß zu rot wechselte. Als Sir Godric sich entfernt hatte, hämisch grinsend, nahm sich der Sheriff den Hauptmann vor. "Ihr seid so dämlich, dass es nicht zum aushalten ist! Wie könnt ihr es wagen, einen Waliser ohne Beweise eines solchen Verdachtes zu beschuldigen? Und wo ist eigentlich Gisburne?" "Sir Guy sucht nach den Geldern, die dem Earl of Huntingdon von diesem Waliser geraubt wurden!" gab Jehan knurrend zurück. "Ich bin sicher dass dieser Godric es war, Mylord! Und ich werde es aus ihm heraus bekommen!"

"Ihr werdet gar nichts tun, Hauptmann!" zischte der Sheriff. "Ihr setzt Euch in irgendeinen Keller und bleibt dort, bis ich Euch rufen lasse. Ihr habt Glück, dass der König jeden Moment eintreffen kann und ich keine Weile habe, meine Zeit mit Euch und Euren irrsinnigen Beschuldigungen zu vergeuden. Und sollte ich auch nur ein einziges weiteres Mal mitbekommen, dass Ihr meinem Namen für Eure Lügen benutzt, wird es mir ein persönliches Vergnügen sein, Euch die Peitsche spüren zu lassen! Verstanden? "Jehan biss die Zähne hart zusammen. Mit einiger Überwindung senkte er demütig den Blick und knurrte: "Ja, Mylord." Und als Robert de Rainault davonmarschierte, sah er ihm grollend nach und dachte: Ja, Mylord, Ihr arroganter Schnösel, ihr werdet Euch noch wünschen, dass Ihr mir geglaubt hättet. Jetzt wusste er, wie Gisburne sich immer fühlte.

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Godric:

Godric zog sich in sein komfortables Gästezimmer zurück und ließ sich mit einem tiefen Seufzer in den gepolsterten Lehnstuhl sinken. Er überdachte noch einmal die plötzliche Wendung der Ereignisse und plötzlich musste er dreist lachen und konnte gar nicht mehr aufhören. Das völlig verwirrte wutschnaubende Gesicht des Hauptmanns war ein Anblick für die Götter gewesen! Godric wurde wieder ernst. Er war noch lange nicht in Sicherheit. Natürlich hätte er die Gunst der Stunde nutzen und Nottingham auf der Stelle wieder verlassen können, doch wohin sollte er sich wenden? Er hatte das Geld nicht und so war es völlig aussichtslos zu seinen Ländereien zurückzukehren. Bei diesem Gedanken an sein heimatliches Anwesen überkam ihn ein Anflug von Melancholie. Würde er es jemals so wieder sehen, wie er es kannte? Am Fuße eines sanft ansteigenden grünen Hügels, auf dem im Sommer die Schafe weideten...

Godric schreckte auf. Er war eingeschlafen! Doch was für ein boshafter Traum hatte ihn heimgesucht! Die weiten walisischen Wälder und Felder waren bald aus seinem Geiste verschwunden und stattdessen war wieder dieser Hauptmann aufgetaucht! Lauter drängelnde Fragen hatte er gestellt und gedroht, ihn auszupeitschen! Godric schüttelte unwirsch den Kopf. ‚Was für ein Unsinn!’, schalt er sich. Er warf einen Blick aus dem Fenster, das einen praktischen Ausblick auf das Eingangstor bot. Dann hörte er die Glocke zum Essen läuten und machte sich auf den Weg. Es war ungewöhnlich voll im Speisesaal. Robert de Rainault hasste den Pöbel auf seiner Burg, der Kosten verschlang ohne Nutzen zu bringen, doch da der König nahte blieb es nicht aus, daß sich lauter unbedeutende Gäste in seinen Gefilden tummelten. Wenigstens zwei waren darunter, die sein Interesse weckten. Zum einen Sir Faude Carfilhiot, den er jeden Augenblick mit seiner Cousine zurückerwartete, zum anderen der walisische Edelmann, den Jehan, dieser nichtsnutzige Hauptmann, des Diebstahls beschuldigt hatte! Godric von Valnahar saß neben ihm und ließ es sich schmecken. „Sir Godric“, begann der Sheriff, „Ihr erwähntet vorhin, daß mein Hauptmann sich auf Tinzin Firal aufgehalten hat. Ist er dort Sir Faude, dem Burgherrn begegnet?“ „Gewiss, Mylord.“, entgegnete Godric und nahm einen tiefen Schluck aus dem Weinbecher. „Allerdings sah ich ihn nur kurz, als ich mich dem Burgherrn vorstellen wollte. Offenbar hatten sie eine Unterredung.“ „Interessant.“, murmelte de Rainault und tippte mit der Spitze des Speisemessers an seinen Zeigefinger. „Und im Sherwood wurdet Ihr von Gesetzlosen aufgehalten? Seid vergewissert, Robin Hood wird in Kürze dingfest gemacht!“ „Mylord, nach allem was ich bereits hörte, war es nicht Robin Hood, der mich bedrohte.“ Der Sheriff warf ihm einen empörten Blick zu. „Äh! Das brutale Räubergesindel!“, spie er aus. Im Grunde störte ihn das jedoch weniger. Diese kriminellen Banden machten Hood Konkurrenz und ließen sich vielleicht bei günstiger Gelegenheit gegen ihn einsetzen. Godric unterdessen witterte die Möglichkeit, sich einzuschmeicheln. De Rainaults Sympathie konnte ihm eventuell Rettung verschaffen. Er sagte: „Wenn Ihr eine helfende Hand benötigt will ich gern zu Eurer Verfügung stehen, Mylord Sheriff.“ De Rainault merkte auf. „Seid mein Gast so lange es Euch beliebt, Sir Godric. Wollt Ihr...“ Godric konnte ihm auf einmal nicht mehr zuhören. Ein plötzlicher Schwindel packte ihn. Er fasste sich an die Stirn. „Ist Euch nicht gut?“, vernahm er den Sheriff dicht neben sich. Godric hielt sich an der Tischkante fest. Gläser und Karaffen taumelten vor seinen Augen. „Was zum Teufel-“, keuchte er. Mühsam erhob er sich und wandte sich an seinen Gastgeber: „Mylord, verzeiht, die Strapazen der Reise haben mich mitgenommen. Ich werde mich in mein Gemach zurückziehen.“ Unsicheren Schrittes brach er auf. Das Getöse der vielen Gäste dröhnte in seinen Ohren. ‚Der Wein!’, schoss es ihm durch den Kopf, ‚Jemand hat ihn vergiftet!’. Er schaffte es mit letzter Kraft, sein Gästezimmer zu erreichen. Dann übermannte ihn der Schwindel und er stürzte wie ein Stein der Länge nach zu Boden.

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Robin:

In Gedanken versunken, auf einem Stück Fleisch kauend, saß Robin an einem Baum gelehnt, etwas abseits der anderen. Stundenlang hatten sie Doyle und Will gesucht, aber keine Spur von Ihnen gefunden. Mittlerweile war es dunkel geworden und sie mussten ins Lager zurückkehren. "Wir werden sie finden!" hatte er zu Gwen gesagt. "Ich verspreche es!" Nun saßen alle um das Feuer und jeder hing seinen Gedanken nach. Es war viel passiert in den letzten Tagen und Robin wurde das dumpfe Gefühl nicht los, das dem noch etwas Großes folgen sollte.

Trotz Ihrer Präsenz wagten sich die Normannen zu oft in den Sherwood. Leise musste er vor sich hin grinsen...Diese Normannen, sobald sie etwas von Goldtalern hören, bleibt von dem eh kümmerlichen Verstand nichts mehr übrig. Vielleicht sollten sie sich, wenn der König da ist, unter das Volk in Nottingham mischen. Bei diesen Menschenmassen sollte es ein leichtes sein. Und vielleicht kann man so auch etwas mehr erfahren. Vor allem, wer sind die beiden Fremden, die heute mit Gisburne und dem Hauptmann durch den Wald geritten sind?

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Faude:

Das Stadthaus von Lady Perilla stand etwas abseits in der Nähe der Stadtmauern. Ein großer Gemüse- und Kräutergarten, sowie Stallungen, gaben dem zweistöckigen Anwesen eher den Charakter eines Bauernhofes. Das, im normannischen Stil errichtete Hauptgebäude war jedoch mit repräsentativen Verzierungen angereichert und durchaus schmuck. Perilla de Draginion, die dreiundzwanzig Jahre alte Cousine von Sir Faude verwaltete das Anwesen in der Abwesenheit ihres Vaters, der im heiligen Land weilte. Lange war keine Nachricht mehr von ihm gekommen und seine Tochter machte sich langsam Sorgen. Ebenso wie Sir Faude hatte sie ein Feingeschnittenes Gesicht mit katzengrünen Augen, aber wo Sir Faudes blauschwarze Haare in einem Pagenschnitt getrimmt waren, da waren Perillas lange, erdbeerblonde Locken heute zu einer kunstvollen Frisur hochgesteckt worden, die ihren schneeweißen, grazilen Hals betonte. Sie hatte ihren Vetter schon vom Schießplatz aus gesehen und ging ihm nun entgegen, wobei sich das dunkelblaue Brokatkleid hin und her wiegte. Faude Carfilhiot saß vom Pferd ab und warf seinen Helm dem Burgvogt zu. Dieser fing das Rüstzeug etwas überrascht auf. Die liebe Base sieht aus wie die Göttin Diana in einem Traum von Brokat, dachte de Brassiers bei sich.

„Meine gute Base, wie schön dich zu sehen“, zwitscherte Sir Faude. „Offenbar muss erst der König nach Nottingham kommen, damit du mich mit einem Besuch beehrst,“ antwortete Perilla kokett. „Der König?...Äh, natürlich ja, tut mir leid, daß ich so kurzfristig hier hereinplatze.“ Er deutete auf den Jagdbogen. „Was macht das Schießen?“ Perilla blickte auf die Waffe in ihrer Hand. „Oh, geht von Tag zu Tag besser. Vermutlich hätte ich deine Brieftaube erlegt, wenn du eine geschickt hättest. Aber komm doch erstmal ins Haus und lass dich bewirten.“ Die beiden nahmen sich lachend in die Arme und gingen dann Hand in Hand zum Haus. De Brassiers betrachtete den Helm in seiner Hand und ärgerte sich, daß seine beiden Cousinen, im Gegensatz zu Sir Faudes, so reizlos waren. Der Teufel scheißt eben immer auf den größten Haufen, dachte er resigniert. Während er mit Perilla dem Haus zusteuerte, hätte Sir Faude sich ohrfeigen können. Warum hatte er nicht gewusst, daß der König nach Nottingham kommt? Eigentlich passte ihm das gar nicht, aber jetzt war es wohl zu spät für einen Rückzieher beim Sheriff. Warum zum Kuckuck hatte ihn Beaversbrook davon eigentlich nicht in Kenntnis gesetzt? Was nutzte ihm schon ein Verbündeter in de Rainaults Lager, wenn ihm die essentiellen Informationen dennoch entgingen. Die beiden Normannen hatten sich an den großen Tisch gesetzt und ließen sich von einem Bediensteten Wein einschenken. Sir Faude ließ den Wein in seinem Becher kreisen. „Du hast dich hier hübsch eingerichtet und passt offensichtlich gut auf das Haus auf, Cousinchen“, meinte er dann. Aus dem Augenwinkel beobachtete er den angelsächsischen Diener. „Ja, aber es ist schwer ohne Vater. Ich hoffe er kommt bald aus dem heiligen Land zurück“, antwortete Perilla traurig. Sie wusste nicht, daß ihr Cousin schon seit einigen Wochen Nachforschungen anstellen ließ über den Verbleib von Sir Raymond; leider bisher ohne Erfolg. Er hoffte dass die Knochen des alten Narren, der sich wiederholt für die Angelsachsen eingesetzt hatte, inzwischen in der Sonne Palästinas bleichten. Dann würde er Perilla zu seinem Mündel machen und den Besitz der Draginions dem seinen einverleiben. Leider war sein Mittelsmann ihm bisher eine Antwort schuldig geblieben. „Das kann ich mir vorstellen, meine Liebe“, antwortete er mitfühlend. „Der König wird also bald in Nottingham sein. Das ist wirklich interessant.“ Perilla nahm einen Schluck von dem Chardonnay und wandte sich Faude zu. „Das klingt so, als ob dir sein Kommen nicht bekannt war? Was ist dann der Grund für deinen Besuch?“ „Nun, Tinzin Firal liegt leider etwas abseits, so daß mich nicht alle Neuigkeiten so rasch erreichen, wie ich es gerne hätte. Ich wollte eigentlich de Rainault einen Höflichkeitsbesuch abstatten und mich ein wenig in der Klosterbibliothek umschauen“, führte Faude aus. Er würde seiner Cousine nicht mitteilen, daß ein Mann den er in der Tasche hatte, einem Mörder zum Opfer gefallen war und er sich das noch nicht erklären konnte. „Wir sind übrigens zu einem kleinen Bankett beim Sheriff eingeladen worden. Was hältst du davon? “Perilla blickte überrascht auf. „Zum Sheriff? Dann muss ich mir unbedingt etwas anderes anziehen. Entschuldige mich bitte einen Moment.“ Damit trank sie ihren Becher aus und verließ mit einem angedeuteten Knicks das Zimmer. Sir Faude erhob sich und sah durch ein Fenster zu den Stallungen. Seine vier Wachen standen im Kreis vor einem Heuhaufen und hoben ihre Becher. De Brassiers hatte darauf bestanden das Badehaus aufzusuchen und sich frisch zu machen. „Wollt ihr noch Wein, Mylord?“, fragte der Angelsachse. Sir Faude drehte sich zu ihm um und musterte ihn eingehend. „Sagt einmal, Freundchen, seid ihr nicht schon ein wenig alt für einen Mundschenk? Wie lange seid ihr schon im Dienst von Lady de Draginion?“ Der Mann setzte seinen Krug ab, strich sich seinen Pony aus der Stirn und musterte Sir Faude. „Alt meint ihr? Die Normannen haben offenbar aus nahe liegenden Gründen junge Mundschenke in ihren Diensten und nein, ich bin noch nicht lange hier beschäftigt. Zufrieden?“ Sir Faude ließ sich von den unverschämten Bemerkungen des Angelsachsen nicht aus der Ruhe bringen. „Kann es sein, daß wir uns kürzlich begegnet sind, Angelsachse?“, fragte er stattdessen lauernd. „Nicht das ich wüsste, Mylord“, war die ausweichende Antwort. „Wenn ihr mich nicht wieder erkennt, dann aber sicher mein Pferd. Schließlich seid ihr mit ihm zusammengestoßen“, rief er und zog sein Breitschwert. Der Angelsachse warf den Krug nach ihm, der über Faudes Kopf aus dem Fenster flog und sprang dann zur Zimmertür. Sir Faude setzte ihm mit erhobener Waffe nach. „Wachen! Zu mir!“; schrie er dabei aus voller Brust. Der Geächtete floh durch das Treppenhaus zur Hintertür und begann durch den Kräutergarten zu türmen, dabei hielt er sich die Rippen, die er sich seit seiner Begegnung mit Tatzel geprellt hatte. Carfilhiot rannte brüllend wie ein verwundeter Stier hinter ihm her. Der Angelsachse blickte sich ihm Laufen nach ihm um und achtete nicht darauf, das de Brassiers unversehens aus dem Badehaus kam. Er rannte mit voller Wucht gegen die offene Tür des Badehauses und taumelte zu Boden, dann war Faude Carfilhiot auch schon über ihm und setzte ihm das Schwert an die Kehle. Als Faudes Rufe erschallten warfen seine Wachen die Becher auf den Boden und kamen mit gezückten Waffen über den Hof gelaufen. Der Burgvogt stand, nur mit einem Leinentuch bekleidet, das er sich vor seinen Schmerbauch hielt, etwas verdutzt da und sah verwundert auf den Gestrauchelten. „Das war deine letzte Dreistigkeit, Geächteter“, meinte Sir Faude etwas außer Atem und an seine Wachen gewendet. „Ergreift diesen Abschaum und bringt ihn zum Sheriff.“ „Mit besten Wünschen von Faude Carfilhiot“, fügte er dann noch hinzu.  

*

Jehan:

Der Hauptmann strich um den Pferdestall des Herren von Nottingham herum, denn er dachte sich, dass, wenn dieser missratene verlogene Sir von Valnahar fliehen wollte, er ja letztlich hierher kommen müsste, um seinen Gaul zu holen. Der kastanienbraune Hengst stand dort im Stand und fraß das ihm dargebotene Heu, froh, nicht arbeiten zu müssen. Solange das Pferd hier war, war auch Godric hier. Jehan konnte es kaum erwarten, bis Gisburne und der Earl of Huntingdon eintrafen. Dann würde Sir Godric endlich entlarvt, und der Sheriff würde einsehen müssen, dass er ihm Unrecht getan hatte. Aber wo blieb Sir Guy nur?

*

Gwen:

Robin hatte recht: zu viele Normannen und Fremde strichen durch Sherwood. Irgendetwas ging in Nottingham vor und sie mussten herausfinden was es war. Zwar hatten sie Adam als Mundschenk bei der Lady Perilla einschleusen können - aber viel haben sie von ihm bisher nicht gehört. Zum Glück war heute Markttag, die Stadt ist voll und mit ein bisschen Verkleidung würden sie nicht auffallen...

Gwen genoss mit Much das bunte Markttreiben. Robin brachte derweil das bisher erbeutete Geld zu einem guten Freund der es verwahren würde. Langsam neigte sich der Tag dem Ende. Natürlich bemerkte Gwen die Aufregung, die in Nottingham Castle herrschte. Es schien so als erwartete man viele und hohe Gäste. Um mehr herauszufinden schlichen sich die beiden (getarnt als Magd und Stallbursche) auf den Schlosshof. Gwen stockte der Atem, als sie ihn sah: Jehan. Der Hauptmann schien nichts Besseres zu tun zu haben als am Stall herumzulungern. Gwen hoffte nur, er würde sie nicht wieder erkennen. Nicht nur die beiden sondern auch Jehan wurde vom plötzlichen Auftauchen der fremden Wachmänner aus seinen Gedanken gerissen. Sie führten einen Gefangenen mit sich. Gwen gefror das Blut in den Adern. Man hatte Adam festgenommen! Ein kurzes Nicken zu Much und es war klar, das man den Mann nicht seinem Schicksal überlassen durfte. Es stellte sich heraus, dass das Glück auf ihrer Seite war. Jehan, ganz Hauptmann, rief die Männer zu sich, übernahm den Gefangenen nach einem klärenden Gespräch und schickte die Wachmänner wieder zurück. "Hah, das wird mir Anerkennung beim Lord High Sheriff bringen!" frohlockte er. Er setzte sich gerade mit seinem Opfer in Bewegung, als er an der Ecke des Stalles ein hübsches Mädchen stehen sah, die ihn äußert interessiert ansah. "Bei Gott! Der Tag findet doch noch einen guten Abschluss!" und er ging auf sie zu. Zu spät erkannte er, wer sich hinter dem freundlichen Lächeln verbarg...Gwen... Schon spürte er einen heftigen Schlag in die Kniekehlen der ihn stürzen ließ, dann sah er den Fuß kommen, der augenblicklich in seiner Magengegend verschwand und, schon zusammengekrümmt am Boden liegend, sah er aus den Augenwinkeln nur noch den Holzscheit, der ihn in die Besinnungslosigkeit stürzte. Gwen blieb keine Zeit, sich an diesem Anblick zu erfreuen, sie mussten sofort Nottingham verlassen. Wenigstens gab es hier Pferde...

Der Sheriff brauchte nach all dem Wein ein bisschen frische Luft. Er spazierte gelangweilt über den Hof und wollte schon über die Unordentlichkeit der Bediensteten zetern als er erkannte, dass es sich bei dem vermeintlichen Dreckhaufen vor dem Stall um seinen Hauptmann handelte. "Bringt diesen Kerl wieder zur Besinnung" brüllte er den erstbesten Mann an, der seinen Weg kreuzte. Jehan war tropfnass und wieder bei Besinnung. "Nun, könnt ihr erklären was hier passiert ist Hauptmann?" Der Sheriff wurde plötzlich unheimlich still, dann puterrot im Gesicht "Du unfähiger Nichtsnutz! Was hast du mit meinem Pferd gemacht?" - Jehan konnte nur stammeln ... "Mylord .. ich .. der Gefangene ...Gwen..." -"Verschont mich mit euren Weibergeschichten! Welcher Gefangene? Wo ist Mein Pferd?" - "Da war...ich..." Jehan fühlte sich immer noch wie gelähmt. "Wachen" brüllt jetzt er Sheriff "Schafft mir diesen Kerl aus den Augen, ins dunkelste Verlies mit ihm" und zu Jehan gewandt: "Hah, zuzulassen, das Mein bestes Pferd aus Meinem Stall gestohlen wird - dafür werdet Ihr die Peitsche zu spüren bekommen! Und ganz Nottingham wird bei diesem Spektakel zugegen sein; unser König eingeschlossen" Jehan konnte nicht glauben wie ihm geschah, als er auf stinkendem Stroh in der feuchten Kälte des Verlieses saß, und ihm langsam der Ernst seiner Lage bewusst wurde. Er war kein religiöser Mensch, aber jetzt rief er alle ihm bekannte Gottheiten an...

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Jehan:

Lautes Hufgetrappel echote von den steinernen Mauern im Hof der Burg. Mit harten, enttäuschten Gesichtern ritten Sir Guy von Gisburne, der Earl of Huntingdon und elf weitere Soldaten in Nottingham ein. Sie waren müde von der langen erfolglosen Suche. Sie hatten die gesamte Umgebung umgekrempelt, aber in der Taverne "Zum Weißen Keiler" hatten sie die letzte Spur verloren. Der Earl war wütend. Sehr wütend. Auf sich selbst, seine Leichtgläubigkeit, auf die Soldaten - einfach auf alles.

Da erschien auch schon de Rainault höchstpersönlich am Eingang zu seinen Hallen. Ein Diener hatte ihm sofort wie angeordnet die Kunde von Sir Guys Eintreffen zugetragen. "Gisburne!" legte er sofort los, und dann, in wesentlich freundlicherem Ton: "Mylord of Huntingdon, ich heiße Euch willkommen." Die Neuankömmlinge waren von ihren Pferden gestiegen, die sogleich von Stallknechten übernommen und versorgt wurden. "Mylord, hat der Hauptmann Euch berichtet, was vorgefallen ist?" fragte Gisburne sogleich. Er wollte keine Zeit verlieren. Der Sheriff runzelte die Stirn. "Er redete wirres Zeug, schleppte einen Edelmann hierher und behauptete, er sei ein Dieb...... sollte dies tatsächlich der Wahrheit entsprechen?" "Jehan hat ihn gefasst, Mylord Huntingdon!" rief Gisburne erfreut, und auch des Earls Miene hellte sich sofort auf. "Habt Ihr den Dieb sicher verwahrt, mein lieber Robert?" fragte der Earl. Der Sheriff schien kurz irritiert. Aber er fing sich sofort. "Ja, sicher. Aber um kein Aufsehen zu Erregen, ließ ich ihn zum Schein glauben, er sei ein Gast. Er ist daher in den Gästeräumen."

"Dann lasst uns den Wicht sofort vernehmen!" Der Earl war ganz aufgeregt. Die drei marschierten also los, in Richtung der Gästeräume, und stießen schließlich die Tür zu Sir Godrics Gemach auf.

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Godric:

Während draußen im Hof der Trubel um die entflohenen Gesetzlosen geherrscht hatte, ahnte Godric von alledem nichts. Als er wieder zu sich kam waren seine Glieder bleischwer und er hatte höllische Kopfschmerzen. Nachdem die Wirklichkeit wieder Gestalt angenommen hatte merkte er, daß er auf seinem Bett lag. Und er spürte, daß er nicht allein war! Mit einem Ruck richtete er sich auf, die lange Gestalt am Fenster schwankte vor seinen Augen, doch Godric riss sich zusammen. „Wer-“, hob er an, doch seine Worte verebbten sogleich. Natürlich kannte er den Mann. Merric ap Ruthin, der Teufel selbst, wie konnte er ihn vergessen! Mit einem leichten überlegenen Lächeln schlug der Mann lässig den rechten Fuß vor den anderen. Unter seinem schwarzen Mantel trug er ein schillerndes ockerfarbenes Übergewand. Die weite Krempe seines Hutes beschattete sein Gesicht. „Nun, Godric, wie fühlt Ihr Euch?“, fragte er spöttisch. Der Waliser setzte sich vorsichtig auf. „Habt Ihr mir das Gift in den Wein gemischt?“, fragte er mühsam. „Ich musste Euch unter vier Augen sprechen.“, entgegnete Merric leichthin, „Ich hoffe, Ihr seid nachsichtig!“ Godric warf ihm einen zornigen Blick zu. „Was wollt Ihr hier?“ Merric musterte ihn eine Weile, dann lächelte er süffisant. „Wollt Ihr immer noch zum König, Godric?“ Der Waliser holte tief Luft. „Fürwahr, das habe ich noch immer vor!“ „Tsts“, äußerte Merric und schüttelte den Kopf, „Zu dumm, daß Ihr nun sein Geld gestohlen habt.“, er bemerkte das kurze Aufblitzen in Godrics Augen und fügte hinzu: „Gewiss, mein lieber Freund, ich weiß gut Bescheid über Euch! Es dürfte sich inzwischen ohnehin rumgesprochen haben. Vielleicht dringt es sogar bis zu Euren Leuten auf Euren Ländereien? Sie würden sehr enttäuscht sein.“ Godric ballte die Hände zu Fäusten, „Ich werde mein Land zurückgewinnen!“, presste er hervor, „Und dann gnade Euch Gott!“ „Stürzt Euch nicht ins Unglück, dazu seid Ihr noch zu jung.“, erwiderte Merric ungerührt. „Überdies, wenn Ihr nicht mein Schwager wärt würde ich Euch gleich den Hals abschneiden.“, er warf einen beiläufigen Blick aus dem Fenster, „Aber damit würde ich denen da wohl die Arbeit abnehmen.“, er betrachtete kurz die Ankunft zweier Reiter mit ihren Soldaten, und die Aufruhr, die sie verursachten. „Sicher sind sie wegen Euch hier. Zeit für mich zu gehen.“, er zog sich zur Tür zurück und wandte sich noch einmal um. „Ich rate Euch, dem König Euer Anliegen nicht vorzutragen!“, er vollführte eine höhnische kleine Verbeugung, „Falls Ihr gehängt werdet, komme ich und sehe es mir an.“ Somit ließ er Godric allein. Unfähig einen klaren Gedanken zu fassen blieb der Waliser auf dem Bett sitzen. Dieser hinterhältige Schurke war ihm bis nach Nottinghamshire gefolgt und hatte ihn beobachtet! Über jeden seiner Schritte war er informiert, und hatte noch immer die besseren Karten in der Hand... Während Godric in seinen verzweifelten Gedanken versank hörte er nicht die harten Schritte der Männer, die sich seiner Kammer näherten...

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Jehan:

Die schwere eichene Tür schwang auf, und die drei Männer betraten mit aufgebrachtem Schwung den Raum. Allen voran Guy von Gisburne mit entblößter Klinge, dann der Sheriff und schließlich der Earl of Huntingdon mit seinen Soldaten. Als der Earl Sir Godric erblickte, rief er sogleich: "Das ist er! Das ist der gemeine Dieb, der des Königs Gelder raubte! Ergreift ihn!" Die Soldaten und Gisburne stürmten nach vorne und ergriffen den Delinquenten, der noch immer etwas benommen schien, und nur zu einer mageren Gegenwehr in der Lage war. Der Earl verhörte Godric sogleich, während der Sheriff Gisburne auf die Seite nahm und ihm zuraunte: "Ich ließ den Hauptmann ins Verlies werfen. Seid doch so gut, und holt ihn wieder heraus. Mir scheint, der Mann ist doch nicht so unfähig, wie ich annahm. Und sollte dieser Sir Faude Carfilhiot eintreffen, wünsche ich sofort unterrichtet zu werden!" Gisburne nickte und schritt hinaus. Er musste sich ein Lächeln verkneifen bei dem Gedanken, was Jehan geschehen war. Zu oft war er sonst in dieser Lage gewesen. Derweilen ging drinnen das Verhör Sir Godrics weiter.

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Godric:

Der Sheriff trat hinzu, er wollte sich nicht entgehen lassen, was das Verhör zutage bringen würde. Mit leichtem Bedauern stellte er fest, daß er nun auf Sir Godrics angebotene Hilfe zur Ergreifung der Outlaws verzichten musste. Nachdem der Earl of Huntingdon mit theatralisch ausgeschmückten Worten Godrics Freveltat zusammenfassend geschildert hatte, wandte er sich an den Waliser und fragte ihn: „Habt Ihr etwas zu Eurer Verteidigung vorzubringen?“ Obwohl Godric sich kaum aufrecht halten konnte, geschweige denn einen Fluchtversuch zustande gebracht hätte, wurde er von zwei schwer bewaffneten Soldaten an Armen und Schultern festgehalten. „Mylords“, erwiderte er, und fürchtete, jeden Augenblick wieder die Besinnung zu verlieren, „Es gibt nur einen Mann, vor dem ich sprechen werde, und das ist Richard Löwenherz, Euer König.“ Der Earl glaubte, nicht richtig gehört zu haben. Gereizt trat er einen Schritt vor. „Wie meint Ihr? Ihr erdreistet Euch, Ihr dreckiger Halunke, von unserem König empfangen zu werden, dessen Geld Ihr gestohlen habt??“ Der Earl war nicht mehr zu halten. Mit dem Handrücken schlug er Godric ins Gesicht. „Hängen solltet Ihr!“, rief er überschäumend. De Rainault hatte sich dezent im Hintergrund gehalten. Er überlegte, ob es sich lohnte, Partei zu ergreifen. Dieser Waliser schien kein Feigling zu sein, und trotz allem was gegen ihn sprach war er ein Edelmann. Der Sheriff verschränkte die Hände auf dem Rücken. Er beschloss abzuwarten. Sollte sich das Blatt für den Herrn von Valnahar nicht wenden, konnte er immer noch mit einer schnellen Urteilsvollstreckung eingreifen. „Lasst ihn in Gottes Namen vor dem König sprechen.“, sagte de Rainault gnädig. „Soll er sich dort verantworten.“ Der Earl wandte seinen Wutgeladenen Blick dem Sheriff zu, doch der fuhr fort: „Unterdessen seid Ihr zu meinem Bankett eingeladen. Sir Godric wird gut bewacht, und die Ankunft des Königs wird nicht mehr lange auf sich warten lassen.“ Der Earl stieß eine unchristliche Bemerkung aus, ließ sich jedoch schließlich darauf ein. Unwirsch warf er seine Mantelfalten zurück und verließ mit kraftvollen Schritten den Raum. De Rainault musterte den Gefangenen, der den Eindruck machte, als sei er nicht klaren Geistes. Er wandte sich an die Soldaten: „Schließt ihn hier ein. Zwei bleiben bei ihm hier drin, drei postieren sich vor der Tür.“ Die Soldaten folgten seinem Befehl und der Sheriff trat, recht zufrieden über den Verlauf des Abends, seinen Rückweg in die große Halle an. Überzeugt, alles richtig gemacht zu haben kehrten seine Gedanken zu Sir Faude Carfilhiot zurück. Guten Mutes dachte er sich jedoch, was konnte jetzt schon noch kommen?

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Faude:

Für diesen Anlass hatte sich Faude ein festliches aber gediegenes Gewand angelegt und auch Perilla wartete mit einem traumhaften, roten Kleid auf. Sie hatte ihre rotblonden Locken sorgfältig kämmen lassen, so dass diese nun seidig bis zur Hälfte ihres Rückens herunterfielen. In einem kurzen Gespräch hatte Sir Faude abgeklärt, wie dieser Geächtete überhaupt ins Haus kommen konnte. Perillas Zofe, Clothilde, hatte diesen Mann empfohlen, der angeblich ein Holzfäller war, der einen Unfall hatte und nun für ein paar Tage eine leichtere Arbeit suchte, bis er sich wieder erholt hatte. Sein Name war angeblich Adam Smith und wie der erste Mensch hatte er auch gestunken, dachte der immer noch wütende Normanne. Nur gut, daß der Halunke nun da saß wo er hingehörte: Im tiefsten und finstersten Verließ von Nottingham Castle. Clothilde selber hatte ihre Lage auch nicht gerade verbessert. Obwohl sie beteuerte, nichts davon gewusst zu haben, daß der Mann ein Outlaw ist, ließ Carfilhiot sie in den Weinkeller sperren um später zu entscheiden, wie er mit ihr verfahren würde. Seine Cousine hatte sich zwar für ihre Zofe eingesetzt, aber sie konnte nichts erreichen; Sir Faude blieb unnachgiebig. Dann ritten sie zu dritt, mit de Brassiers im Schlepptau, in Richtung Zitadelle und dabei spielte Sir Faudes Rechte beständig mit seinem Schwertgriff. Zwei Wachen hatte er im Herrenhaus zurückgelassen und die übrigen beiden ebneten ihm nun mit Flüchen und Tritten den Weg, denn die Straßen waren, angesichts des hohen Besuches, hoffnungslos überfüllt. Nach einer halben Stunde hatten sie endlich die Burg des Sheriffs erreicht und saßen im Innenhof ab, wo schon ein lebhaftes Treiben herrschte. Sir Faude hielt Ausschau nach Jehan of Beaversbrook, aber von seinem Mittelsmann war keine Spur zu sehen. Stattdessen eilte ihm Sir Guy of Gisburne entgegen um ihn förmlich zu begrüßen, nicht jedoch ohne dem Soldaten neben sich einen Wink zu geben, damit dieser inzwischen de Rainault von Sir Faudes Eintreffen unterrichtete. „Sir Faude Carfilhiot, ich darf euch im Namen des Sheriffs auf Nottingham Castle begrüßen. Ihr werdet schon erwartet“, sagte Gisburne trocken. „Sir Guy! Es ist doch immer wieder eine Freude, dem tüchtigsten Mann im Shire zu begegnen“, antwortete Sir Faude wohlwollend. „Sagt, kennt ihr meine Cousine, die Lady Perilla de Draginion schon?“ Gisburne fühlte sich geschmeichelt durch die Rede von Carfilhiot. Endlich mal ein Mann der seine Bemühungen zu schätzen wusste und seine Base war wirklich wunderschön. „Seid gegrüßt, Lady de Draginion. Es ist mir eine Freude auch euch auf Nottingham Castle begrüßen zu können, denn ihr seid fürwahr ein seltener Gast“, meinte er leicht nervös. „Dürfte ich vielleicht so kühn sein...“ „Seid ihr endlich mit dem Süßholz raspeln fertig, Gisburne?“, warf der Sheriff, der hinter ihm aufgetaucht war so abrupt dazwischen, dass Sir Guy zusammenzuckte. „Dann geleitet unsere Gäste endlich in den Bankettsaal. Es ist kalt hier draußen.“ „Ähm, natürlich. Wie ihr befehlt“ De Renault nickte Sir Faude ernst zu und fixierte Lady Perilla mit seinem Schlangenblick, der der Normannin sogleich unheimlich war. Sir Guy und der Sheriff beobachteten, wie Carfilhiot seiner Cousine vom Pferd half. Dann wartete die Gruppe, bis sich auch de Brassiers schwerfällig aus dem Sattel gehievt hatte und schließlich gingen alle, minus Faudes Wachpersonal, ins warme Innere der Festung, während sich die Tore krachend hinter ihnen schlossen.

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Jehan:

Noch auf dem Weg in die große Halle, bog der Sheriff in einen kleinen Nebenraum ab, nahm sich die Zeit, um den elend nach faulem Stroh riechenden Hauptmann, den er dort hin bestellt hatte, nachdem er ihn doch gnädig aus dem Verlies hatte holen lassen, mit einer neuen Aufgabe zu betrauen. "Ihr spracht die Wahrheit, Hauptmann, was diesen Godric angeht", begann er in beinahe milden Tonfall. Jehans heller Blick begann stolz zu glänzen. Dann aber drehte sich de Rainault abrupt um, wich angesichts des Gestanks, der ihm entgegenschlug, zurück, und fuhr dann mit kalter Stimme fort: "Aber Ihr seid dafür verantwortlich, dass Gesetzlose mein Pferd aus meinem Stall stehlen konnten!!" Jehan of Beaversbrook schien plötzlich wieder zu schrumpfen. Der unterdrückte Funke eines Feuers von zerstörtem Ehrgeiz und abgewiesener Hingabe flammte einen Augenblick durch sein gebrochenes Gesicht und starb, bis nur noch ein kalter Glanz in seinen Augen zurückblieb. Er schwieg verbissen. "Also werdet Ihr hinausreiten, und es mir wieder herschaffen!" endete der Sheriff. Seine Gäste flanierten eben drüben am Eingang vorbei und Jehan konnte Sir Faude erkennen, der aber seinerseits nur Augen für eine hinreißende rotblonde Schönheit zu haben schien. "Aber es ist bereits dunkel, Mylord", wagte Jehan zu entgegnen, noch ganz fasziniert von der Frau, deren Anblick er für einen Augenblick gewahr werden durfte. "Hinaus jetzt! Sonst werdet Ihr doch noch ausgepeitscht! Wagt nicht, ohne mein Pferd zurück zu kommen. Und verpestet mir und meinen Gästen nicht länger die Luft!" Diese Worte duldeten keinen Widerspruch. Jehan wusste nur zu gut, dass er noch einmal glimpflich davon gekommen war. Aber nachts in den Sherwood zu reiten oder lieber ausgepeitscht zu werden, das war tatsächlich eine Überlegung wert. Außerdem musste er mit Sir Faude reden. Aber erst einmal verneigte er sich gehorsam, machte auf dem Absatz kehrt und marschierte davon. Der Sheriff zog angewidert die Nase kraus, dann kehrte er zu seinen Gästen zurück.

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Faude:

Die Anspannung begann langsam von Sir Faude Besitz zu ergreifen. In der Nähe eines intelligenten Mannes, wie de Rainault einer war, konnte er häufig diese Stimmung an sich beobachten. Es war so ähnlich wie in der Gegenwart von Simon de Belleme, aber er hielt den Sheriff für erheblich gefährlicher als den Teufelsanbeter, denn de Renault verfügte über ganz andere Ressourcen als dieser und er glaubte nicht an das Okkulte, sondern nur an die Macht. Er kam auch zu der Erkenntnis, daß es keine gute Idee war Perilla aufzusuchen. Sie hatte einen schlechten Einfluss auf seine Ratio und sein Kalkül. Mit einem Lächeln hatte sie ihn schon als Jungen durcheinander gebracht und dass sie inzwischen zu einer umwerfenden Schönheit herangereift war, machte die Sache nicht gerade einfacher. Sir Faude dachte deshalb an Gwyneth of Hazlewood um sich abzulenken, auch wenn das keine wirkliche Ablenkung war. Als er den Bankettsaal erreichte musste er heimlich über die unbeholfenen Annäherungsversuche von Sir Guy lächeln, der bei Perilla jedoch damit ins Leere lief. Ihr mögt ein guter Reiter, ein Kämpfer und Streiter sein und könnt Männer führen, Sir Guy, aber über Frauen müsst ihr noch viel lernen, dachte Sir Faude amüsiert. Dazwischen ließ er seine Blicke hin und her schweifen um vielleicht einen Blick auf Hauptmann Beaversbrook zu erhaschen, aber als ihm der Sheriff ansah, wie ein Frosch einen Brummer anglotzt, blickte er lieber starr geradeaus. De Rainault hatte offenbar im Laufe seines gesellschaftlichen Aufstiegs den Humor gänzlich verloren oder es war auch möglich, daß er unter einen Gallenleiden litt. Carfilhiot überlegte ob sich die Stimmung des Sheriffs vielleicht heben würde, wenn er ihm mitteilte, daß seine liebe Base schon von frühester Jugend für König Richard geschwärmt hat, aber er bezweifelte das. Als sie den Bankettsaal betraten, begrub Sir Faude auch die letzte Hoffnung auf einen angenehmen Abend, denn an der Spitze der Tafel saßen Hölle und Fegefeuer beisammen. Der stolz um sich blickende Ritter Sir Aries of Ashtonhall, dessen Augen ein lüsternes Glänzen bekamen als er Perilla gewahr wurde und der selbstgerechte und meistens sauertöpfisch aussehende Abt Hugo de Renault, der Bruder des Sheriffs. Leider musste sich Sir Faude auch mit dem, für ihn nur schwer erträglichen, Geistlichen arrangieren, denn immerhin benötigte er dessen Wohlwollen um die Klosterbibliothek benutzen zu dürfen. Carfilhiot hakte sich bei Lady Perilla unter und führte sie galant zu ihrem Platz, während de Brassiers mit einem gierigen Blick die üppige Tafel abschätzte. Faude wandte sich an den Sheriff. „Ach übrigens, Sir Robert, da fällt mir ein, wie geht es denn eigentlich dem Gefangenen, den ich euch geschickt habe. Der Bursche war ein Geächteter, der euch sicherlich brauchbare Informationen über Robin Hood liefern kann, meint ihr nicht auch?“, säuselte er im Konversationston.

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Jehan:

Jehan überlegte, wíe er Faude unauffällig sprechen konnte. Aber er sah keine Möglichkeit, solange der sich unter den Gästen des High Sheriffs tummelte. Nun, er würde aber auch bestimmt nicht um diese Zeit in den Sherwood reiten. Da könnte er sich geradeso gut gleich von den Zinnen der Burgmauer stürzen. Für ihn gab es nichts Hassenswerteres, als ungerecht behandelt zu werden. Wer gerecht war, dem würde er loyal und treu dienen. Robert de Rainault gehörte nicht eben zu den Gerechten. Als er an dem Wachraum der Soldaten vorbeikam, zog es ihn magisch dort hinein, denn drinnen saßen einige seiner Männer bei einem feuchten Gelage. Wein tröstet, und er brauchte Trost. Er setzte sich hinzu, und schon nach kurzer Zeit sangen sie "...ich hab nen Freund, der liegt beim Wirt im Keller, hat ein hölzern Röcklein an, und heißt der Muskateller...." bis sie schließlich, etlichen Weingenusses später, beim Stadtwachenlied "...wir hüten das Feuer und halten die Wacht....und wer nicht pariert, den führen wir ab....Stadtwächter wolln wir seyn..." anlangen. Die, die Wachdienst hatten, hörten sehnsüchtig von ihren Posten her zu, bis in den frühen Morgenstunden der Gesang verebbte und die Männer sich schließlich gegenseitig unter die Tische getrunken hatten.

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Gwen:

Nasir grinste vor sich her, John und Tuck hielten sich die Bäuche vor Lachen, als sie Much´s Bericht über das Zusammentreffen mit Hauptmann Jehan lauschten. Nur Robin schien in sich gekehrt. Ihm gefiel die Entwicklung der Geschichte ganz und gar nicht. Ja, es war gut dass sie Adam nicht dem Sheriff überlassen hatten, aber Gwen und Much haben zu impulsiv gehandelt. Die beiden hatten einfach nur Glück - das alles hätte auch schlimm ausgehen können. Für einen Moment erinnerte Gwen ihn an Will ‚... handeln ohne die Gefahr zu bedenken... geleitet von Verbitterung...’ Es ärgerte ihn. Er betrachtete Gwen für einen Moment und sah, dass sie für solch ein Leben hier nicht gemacht war. Sie müssten einen anderen, sicheren Platz für sie finden. ‚Hazlewood vielleicht... Die Menschen dort sind freundlich und weder Jehan noch Gisburne oder der Sheriff werden dort nach Geächteten oder ihren Freunden suchen.’ Und es ärgerte ihn, dass Will noch immer nicht zurück war, und dass ihnen nach den beunruhigenden Berichten aus Nottingham auch keine Zeit blieb weiter nach ihm zu suchen. Robin war sich sicher, dass es ihm gut ging. Die Bewohner der umliegenden Dörfer hätten sonst schon Boten nach Sherwood gesandt. Jetzt musste überlegt werden, wie sie sich verhalten sollten. Fremde und Männer, die sich sonst mit Bedacht aus dem Wege gingen versammelten sich auf Schloss Nottingham und auch Löwenherz würde dort eintreffen. Eine vernünftige Erklärung dafür gab es nicht. Noch nicht jedenfalls. ‚Um Nottingham kümmern wir uns später’ dachte sich Robin ‚Adam und Gwen gehen vor’ Robin stand auf und wandte sich an die kleine Gruppe: „Much nimm eines der Pferde! Reite zur Kreuzung, versteck dich und beobachte die Straßen!“ Sofort sprang Much auf. „Und Much: nur beobachten!“ ermahnte Robin ihn nochmals. „Adam und..Gwen. Nehmt das 2. Pferd. Ihr geht nach Hazlewood. Ihr seid dort sicher, wir haben Freunde da. Bleibt bis wir kommen...“ Gwen nickte traurig, aber sie verstand. Sie konnte nicht kämpfen und das konnte sie alle gefährden. „Und seht zu, dass ihr die Pferde verjagt. Sollten Soldaten sie bei euch entdecken bekommt ihr nur Probleme...“ rief Robin den dreien noch nach...

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Faude:

De Rainault blickte Faude verständnislos an. „Wie bitte, das war euer Gefangener?“ „In der Tat Mylord. Er hatte sich in den Haushalt meiner Cousine eingeschlichen. Er war einer von den Räubern, die mich überfallen wollten.“ Bei dieser Bemerkung beobachtete Carfilhiot seine Base; diese zeigte jedoch keine Regung. „Er ist doch sicher schon in eurem Verlies angekommen, nicht wahr?“ „Leider nein, Sir Faude, einer meiner Hauptleute, konnte nicht verhindern, daß der Gefangene von seinen Outlawfreunden befreit wurde.“ „Das ist eine Schande, Mylord.“ „Ich bin das schon gewohnt, Sir Faude, diese Outlaws sind schlüpfriger als Aale.“ Schon wieder Aal, dachte Faude. Dieser Fisch schien ihn zu verfolgen. „Kommst du Robert?“, rief Abt Hugo quer über die Tafel. „Ja, ich komme. Nun, wir werden das Problem heute Abend nicht lösen. Ich wünsche euch einen guten Appetit, Sir Faude.“ Damit wandte sich Robert de Rainault um und nahm am Ende der Tafel Platz. De Brassiers fiel über das Spanferkel her, wie die Wikinger dereinst über Lindisfarne. Sir Faude aß dezent von dem Wildschweinbraten und versuchte Perilla und seine übrigen Tischnachbarn geistreich zu unterhalten. Hin und wieder traf ihn der brennende Blick von Sir Aries, der offenbar zusammen mit dem Abt hierher gekommen war. Dieser normannische Ritter hegte einen alten Groll gegen Sir Faude, weil Carfilhiot ihn angeblich in einem Turniergang betrogen hatte. Das waren natürlich Phantastereien von Ashtonhall, denn wer auch immer den Sattelgurt manipuliert hatte, der für Sir Aries Sturz damals verantwortlich war, nun, Faude Carfilhiot war es nicht gewesen - dafür hatte man doch seine Leute. Der Sheriff wirkte in sich gekehrt und nachdenklich, Nicht einmal die Possenreißer und Bänkelsänger konnten ihm ein Lachen entlocken. Das Abendessen verlief ansonsten ereignislos und Faude war froh als es vorbei war und er seine Cousine zu ihrer Schlafkammer geleitete. Trotz des nahe gelegenen Herrenhauses der Draginions hatte der Sheriff darauf bestanden, daß sie als Gäste auch die Nacht unter seinem Dach verbrachten.

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Godric:

Merric ap Ruthin saß in der Schenke ‚Zum schwarzen Bart’ vor einem großen Krug Ale, den er bereits zur Hälfte gelehrt hatte. Der Wirt, der tatsächlich einen schwarzen Bart hatte, beobachtete ihn während seiner frühmorgendlichen Arbeit aus den Augenwinkeln. Zwielichtige Fremde weckten sofort seine Aufmerksamkeit. Dieser hatte noch nicht einmal seinen Hut abgenommen, so dass das Gesicht kaum zu erkennen war. Merric hatte die rechte Hand lässig neben dem Bierkrug platziert, sein Blick folgte einem kleinen Käfer, der verwirrt über den Tisch krabbelte. Seine Gedanken kreisten um den unliebsamen Schwager, Godric von Valnahar. Der törichte Affe würde sicher nicht davon ablassen, dem König seine einfältige Bitte zu übermitteln. Dazu hatte er schließlich die weite Reise gemacht. Merric lächelte leise, hob die Hand und zerdrückte den Käfer mit dem Daumen auf der Tischplatte. Höchste Zeit, dachte er, sich einen Handlanger zu verschaffen. Einen zuverlässigen Mann, der Zugang zur Burg des Sheriffs hatte und für eine angemessene Entlohnung seine Pläne in die Tat umsetzen würde. Diskret natürlich. Merric leerte den Bierkrug, zahlte, und da er sich in beschwingter Stimmung befand gab er dem dumm dreinblickenden Wirt ein üppiges Trinkgeld. Vor der Tür verweilte er einen Augenblick, um sich dann noch einmal zu der großzügigen Behausung des Sheriffs aufzumachen. Dort war ihm am vorigen Abend ein Soldat aufgefallen, der sich über schlechte Behandlung geärgert und seinen Frust in der Taverne zu ertrinken gesucht hatte. Ein beeinflussbarer Mann, jedoch offenbar mit Fähigkeiten. Merric nickte zufrieden; das könnte der Mann sein, den er brauchte.

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Jehan:

Der süße Trost des Weines war dem unbarmherzigen Schmerz nach einer durchzechten Nacht gewichen. Vielleicht stammte das hohle Dröhnen in seinem Kopf auch von den harten wiederholten Schlägen, denen Jehans Schädel in den vergangenen Tagen ausgesetzt gewesen war. Aber der schlechte Wein, das Ale und weiß der Teufel was sonst noch mochten ihren Teil ebenfalls beisteuern. Es war noch früh, als der Hauptmann zu sich kam. Als er begriff, dass er selbst es war, der so gotterbärmlich stank, machte er sich auf und stattete dem Badehaus einen kurzen, aber wirkungsvollen Besuch ab. Danach holte er sich eine andere, saubere Uniform, die wohl dem armen Tropf gehört hatte, den man vor nicht allzu langer Zeit seinetwegen hingerichtet hatte. Ihn plagte deswegen der Anflug eines schlechten Gewissens, das aber sofort von der Angst vor der Krätze gemildert wurde. Und was man sich sonst noch in so einem Verlies einfangen konnte... Als er schließlich erfrischt und rasiert nach draußen trat, immer auf der Hut, dass der Sheriff ihn nicht sah, hörte er bereits die Fanfaren. Der König! Nun traf er also endlich ein.

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Godric:

Godric von Valnahar erwachte aus seinem langen Tiefschlaf und hörte den Hörnerschall. Er brauchte einen Moment, bis er sich wieder seiner Lage bewusst wurde, doch dann sprang er auf und blickte aus dem Fenster. Die beiden Wachtposten traten sofort alarmiert näher, doch was sie zu sehen bekamen ließ sie staunen. König Richard Löwenherz ritt in Nottingham Castle ein, begleitet von sechzehn Rittern und hohen Herrn aus ganz England und einem Tross ihrer besten Soldaten. Er ritt ihnen voran auf seinem weißen Pferd, in einem rot und gold bestickten Gewand, die rechte Faust herrisch in die Hüfte gestemmt. In der Mitte des Hofes stieg er ab, dort wo ihm der Herr der Burg mit seinen wertesten Gästen die Aufwartung machte. Godric erkannte den Earl of Huntingdon, der sich dreist nach vorn drängte. „Nun bekommt Ihr bald, was Ihr wollt!“, ließ sich einer der Wächter vernehmen und grinste hämisch. Godric wandte sich ab, als sein Blick auf etwas hängen blieb. Er sah genau hin, doch es gab keinen Zweifel. Mit dem langen Zug des Königs hatte sich auch sein Untergebener Ivo in Nottingham eingeschlichen. Er hatte also gewusst, dass er seinen Herrn hier suchen musste! Allerdings hatte er sein Pferd nicht bei sich und auch die Satteltaschen konnte Godric nicht erkennen. Der Wächter zog ihn unsanft vom Fenster zurück. „Genug gegafft, Freundchen, Ihr werdet den König früh genug zu sehen bekommen.“ Somit stieß er ihn aufs Bett und baute sich neben ihm auf.

König Richard hatte an der reich gedeckten Empfangstafel Platz genommen, umgeben von seiner Geleitschaft. Während man ihm zu Ehren mit Musik aufwartete ließ er seinen bärbeißigen Blick über die Anwesenden gleiten, die Lords und Earls, all die kleinen Kriecher, die um seine Gunst buhlten. Er wollte sich nicht lange in Nottingham aufhalten; sein Ziel lag ferner. Er hob die Augenbrauen, als plötzlich wieder der Earl of Huntingdon vor ihn hintrat und sich verneigte. „My Liege“, hob er an, „Vor einigen Tagen habt Ihr eine Truhe voller Geld an mich gesandt, das Ihr für die Zwecke Eurer Reise benötigt. Ich habe dieses Geld gewissenhaft aufbewahrt und gut bewachen lassen, jedoch wurde es mit einer gemeinen Hinterlist von meiner Burg gestohlen.“ König Richard beugte sich vor und zog seine Augenbrauen noch höher. „Gestohlen?“, erwiderte er impulsiv. Hier merkte Robert de Rainault untrüglich, dass das Schicksal des Walisers besiegelt war, und er ergriff schnellstens das Wort: „Es ist uns bereits gelungen, den Dieb zu ergreifen, Mylord King. Er befindet sich hier in der Burg hinter Schloss und Riegel.“ „Soll ich ihn holen lassen?“, ereiferte sich der Earl, und der Sheriff fügte hinzu: „Der einfältige Dilettant hat behauptet, nur vor Euch ein Geständnis abzulegen, Mylord.“ König Richard runzelte die Stirn. Er hob die Hand für einen kurzen Wink und sagte: „Bringt ihn her.“ Der Earl wandte sich zur Tür um, an der schon Jehan of Beaversbrook bereit stand, der Hauptmann, der den Ganoven gefangen hatte. Obwohl er sich eigentlich vor dem Sheriff hatte verstecken wollen, würde es ihm jetzt ein besonderes Vergnügen bereiten, den Gefangenen vor den König zu schleifen. Die drei Wachtposten vor dem Gästezimmer hatten es sich gerade bequem gemacht und unterhielten sich in unzüchtigem Ton über die Frauen, die sie abends in der Taverne trafen. Gerade noch rechtzeitig wurden sie von den energischen Schritten des Hauptmanns gewarnt. Als er um die Ecke bog standen die Soldaten stramm auf ihren Posten. Jehan ließ sich die Tür aufschließen und betrat selbstgefällig die Kammer. Der Gefangene sah bleich aus. Ist sich seiner Sache wohl doch nicht mehr so sicher, was, dachte der Hauptmann schadenfroh. „Der König ist tatsächlich bereit, sich Eure Lügenmärchen anzuhören“, teilte er mit, „Also hoch mit Euch!“ Godric folgte ihm ohne Widerstand, und wenig später wurde er in die große Halle geführt, in der er am Abend zuvor noch neben dem Sheriff gespeist hatte. Die Musik brach ab, und die Anwesenden verstummten. Alle wollten sie einen Blick auf den schamlosen Halunken werfen, der den König seines Geldes beraubt hatte. Godric sah sich unauffällig um. Zwischen den einfachen Stadtbewohnern zeigte sich für einen Augenblick sein Begleiter und nickte ihm kurz zu. „Tretet vor und nennt mir Euren Namen!“, befahl der König. Aus Augenschlitzen betrachtete er den jungen Mann, der vor ihm niederkniete. „Mein Name ist Godric von Valnahar, My Liege.“, sagte er und presste die Zähne zusammen. Wenn der König jetzt mit diesem Namen nichts anfangen konnte war alles verloren. „So“, entgegnete Richard mit seiner lauten rauen Stimme, „Godric von Valnahar, was Ihr nicht sagt!“ „Er stammt aus Wales, Mylord.“, warf der Earl ein. „Aus Wales!“, wiederholte Richard und begann zu lachen, daß Godric schauderte. Der Earl war verwirrt; was ging hier eigentlich vor sich?

„Erhebt Euch“, sprach der König und blickte dem Gefangenen scharf ins Gesicht. „Euer Name klingt nicht wie der eines Walisers, Sir Godric von Valnahar.“ „Ihr - Ihr kanntet meinen Vater, Mylord.“, entgegnete der junge Mann kleinlaut. „Godric von Valnahar bei Vallhagar. Er stammte aus Gotland.“ Robert de Rainaults Gesichtszüge verkrampften sich, als habe er auf eine saure Zitrone gebissen. Womit hatten sie es hier zu tun? Gotland war eine schwedische Insel, die Nichtmal in ihren Geschichtschroniken auftauchte. Er wandte sich an seinen Bruder Hugo, der die Arme verschränkt und den Zeigefinger nachdenklich an die zusammengezogenen Lippen gelegt hatte. Sicher, die Gotländer waren ein geschäftstüchtiges Volk mit Beziehungen zu aller Herren Länder im Norden. Und sie durften nicht an den Königswahlen teilnehmen; was lag also näher, als sich einer erfolgversprechenderen Obliegenheit hinzugeben? „Ich weiß, dass ich Euren Vater kenne, Sir Godric.“, fuhr der König fort. Der junge Mann wagte, zu ihm aufzublicken. Richards Miene war ruhig und beinahe freundschaftlich. Doch die Unterredung war noch nicht zu Ende. „Vor acht Jahren trat er in meinen Dienst. Er folgte mir nach Wales, um die aufrührerischen Barone zu befrieden. Er war ein mutiger Kämpfer und eroberte sich eine Burg in Denbigh, war es nicht so, Sir Godric?“ „In der Tat, My Liege.“, Godric lächelte flüchtig; der König hatte die Treue seines Vaters nicht vergessen. „Ich erinnere mich an seine letzten Worte, als er starb.“, fuhr Richard fort, „Sie waren in walisischer Sprache: ›Arf glew yn ei galon!‹“ „Die Waffe eines tapferen Mannes ist sein Herz.“, übersetzte Godric mit leiser Stimme. „Fürwahr!“, entgegnete der König. Er lehnte sich zurück, und plötzlich verdüsterte sich sein Gesicht. Er fuhr fort: „Nun, junger Mann, Ihr wurdet jedoch eines Verbrechens angeklagt, das ganz und gar nicht in diese ehrenvolle Familiengeschichte hinein passt! Erklärt mir das!“ Godric biss sich auf die Unterlippe. Es wäre leichter gewesen, mit dem Geld davonzukommen, als jetzt vor dem König zu bestehen. „Mylord“, begann er zögerlich, „Die Grafschaft, in der sich mein Land befindet, wird von Llywelyn ab Iorwerth belagert. Mein nächster Nachbar und Schwager Merric ap Ruthin hat sich bereits mit ihm verbündet und meine Burg besetzt.“, er suchte nach einer Regung im Blick Richards. Dann führte er schnell seine Rede zu Ende: „Im Auftrag König Gruffydds bitte ich Euch um Hilfe für die Grafschaft.“ Es war inzwischen ganz still geworden. De Rainault verstand kein Wort mehr, und der Earl of Huntingdon konnte nicht begreifen, warum man dem Dieb nicht längst die Hand abgeschlagen hatte. König Richard nahm einen tiefen geräuschvollen Atemzug. Als Ziel seiner Reise durch England hatte er in der Tat Wales betrachtet, um zu sehen, wie sich dort sein Einfluss hielt. Nun bereits im Voraus über Konflikte informiert zu sein war umso besser. Und die Nachrichten, die er erhalten hatte gestalteten sich nicht schlecht mit seinen Wünschen. Sir Godric aus Gotland hatte sich eine schöne Länderei gewählt, die jedoch unter dem Geltungsbereich des dortigen Königs Gruffydd stand. Die Tatsachen schienen eine einmalige Gelegenheit zu bieten... „Mit Verlaub, my Liege!“, kam nun der Earl wieder vor, „Der Mann hat sich noch in keiner Weise zu der Anschuldigung geäußert!“ Der König blickte auf den jungen Mann herab. „Nun, Sir Godric?“ Der wünschte sich, der Erdboden täte sich auf und er möge darin verschwinden. Jedoch fasste er sich und erwiderte: „Mylord, wie ich hörte wolltet Ihr Euch länger in Nottingham aufhalten, um der Gesetzlosen im Sherwood-Forrest habhaft zu werden. Ich habe das Geld an mich gebracht und wollte Euch mit dieser Aufgabe zuvor kommen, damit Ihr, ohne Zeit zu verlieren, Euren Weg nach Wales fortsetzen könnt.“ Der Earl schnappte nach Luft. „Das ist eine Lüge!“, rief er aus, „Mein König, er verhöhnt Euch! Ihr solltet ihn auf der Stelle hängen lassen!“ König Richard donnerte seine kräftige Faust auf den Tisch, dass die Gläser klirrten. „Ruhe!“, brüllte er, „Ich entscheide selbst, Lord Huntingdon!“ Godric fügte hinzu: „Das Geld ist hier, Mylord, Ihr könnt es sogleich zurückbekommen.“ Bei diesen Worten zuckte der Sheriff zusammen, als habe ihm jemand einen Dolch in den Rücken gedrückt. Er wandte sich an den Soldaten, der hinter ihm stand. „Sobald das hier vorbei ist schickt Ihr Beaversbrook und Gisburne zu mir!“, befahl er mit gedämpfter Stimme. Godric hatte sich nach seinem Untergebenen umgewandt, und der kam nun zwischen der Menge hervor, verneigte sich und legte einen alten zerlumpten Reisesack vor dem König ab. Er hatte lange mit sich gehadert, ob er seinem Herrn diesen Gefallen tun sollte, doch solange er noch nichts von seiner fernen Verwandtschaft geerbt hatte, war es besser, sich an diesen unsteten Mann zu halten. Ivo öffnete den Sack und es kamen schimmernde Goldmünzen zum Vorschein. Die Gäste im Saal reckten die Hälse, während de Rainault sich die Zunge hätte abbeißen können. „Mein König“, begann Ivo vorsichtig, „Ihr könnt die Outlaws noch immer mit einem Hinterhalt fangen. Als ich im Wald auf meinen Herrn wartete wurde ich von ihnen überfallen. Sie haben mir einen sehr wertvollen Ring abgenommen, und ich musste versprechen, ihn gegen das Gold einzutauschen.“ Der König musterte die beiden vor ihm Stehenden und erwiderte: „Ich werde mein Geld behalten. Die Outlaws zu fangen ist Sache des Sheriffs.“, hierbei warf er de Rainault einen vernichtenden Blick zu. „Und nun zu Euch, Sir Godric. Ihr könnt mir viele Märchen über Eure Absichten auftischen, Ihr seid nicht weniger gerissen als Euer Vater. Ich mache Euch einen Vorschlag: Ihr seid frei zu gehen wohin Ihr wollt, wenn ich dafür Euer Land bekomme!“ Godric bekam einen Schreck. Er spürte, wie ihm die Hitze ins Gesicht schlug. „Und ich warte nicht lange auf Eure Antwort!“, fügte Richard hinzu. Godric schluckte hart. Was blieb ihm übrig? Seine naive Dummheit musste er nun mit seinem Besitz bezahlen. Er senkte den Kopf und sagte leise: „Ja, my Liege, ich bin einverstanden.“ „Gut.“, schloss der König, „Dann wäre diese Sache erledigt. Ihr dürft gehen.“ Godric erhob sich und hatte das Gefühl, eine letzte Nachwirkung des Giftes schlüge ihm in den Kopf. Er verbeugte sich und ging gefassten Schrittes dem Ausgang entgegen. Er begegnete dem geifernden Blick des Earls, der ihn lieber am Galgen gesehen hätte, und an der Tür der geringschätzigen, jedoch etwas verblüfften Miene des Hauptmanns Jehan, der sich mit dem Ausgang der Angelegenheit zufrieden geben konnte, auch wenn ihm abgeschlagene Hände lieber gewesen wären. König Richard war äußerst zufrieden. Ohne viel Aufhebens hatte er diesen Landsitz an sich gebracht, was ihm umso mehr Einfluss verschaffen würde während seines baldigen Besuches bei König Gruffydd. Was Sir Godric anging, so war er sicher, er würde nach Gotland zurückkehren. Und dann würde er mit dieser Familie nichts mehr zu schaffen haben. Auch wenn Godric aus Vallhagar ihm einst gute Dienste geleistet hatte, diese Nordmänner hatten ihre Beziehungen überall, und es wurde bald unüberschaubar und gefährlich, Freund und Feind auseinander zuhalten. Der König ließ die Musik wieder aufspielen und prostete den Lords großzügig zu.

Nachdem Godric schweren Herzens die Überschreibungsurkunde unterzeichnet hatte, verließ er noch am selben Tag Nottingham Castle. Er bemerkte nicht, daß Merric up Ruthin im Schatten der Schenkentür stand und ihm mit einem diabolischen Lächeln auf den Lippen nachblickte. Er hatte sich das Schauspiel vor dem König nicht entgehen lassen. Zu gerne hätte er seinem Schwager sein aufrichtiges Mitleid bekundet, jedoch war er jetzt in Eile. Wenn der König nahte, um ihm seine Belagerung streitig zu machen, musste er vorbereitet sein.

Godric und Ivo ritten auf das freie Land vor der Stadt Nottingham hinaus. Godric war in tiefdüstere Gedanken versunken. Nie wieder sollte er sein Land wieder sehen, nie wieder über die weiten Hügel reiten... „Mylord?“, vernahm er neben sich seinen Begleiter. Unwillig blickte er auf. „Mylord, da der König nun sein Geld wieder hat, wie sollen wir jetzt meinen Siegelring zurück bekommen?“ Godric spürte plötzlich unbändige Wut in sich aufsteigen. „Dämlicher Narr!“, fuhr er den Jungen an, „Den Ring deiner Ahnen kannst du vergessen! Den wird sich der König auch noch unter den Nagel reißen, wenn er die Gesetzlosen ergriffen hat!“ Ivo wollte widersprechen, doch angesichts der Miene seines Herrn ließ er davon ab. „Wohin reiten wir jetzt, Mylord?“, fragte er stattdessen mit Vorsicht. „Ostwärts.“, erwiderte Godric nur. Er hatte keine Ahnung, wohin ihn die Straße führen würde, doch er spornte sein Pferd an. Hinter den beiden Reitern ragten die Dächer und Zinnen Nottinghams in den Abendhimmel.  

*

Gwen:

Much sah dem davon trabenden Pferd hinterher und versuchte es sich auf seinem Baum so bequem wie möglich zu machen. Sie schickten ihn immer auf Bäume, aber damit hatte er kein Problem. Er war gut ihm Ausschau halten, ein bisschen nervös zwar, aber trotzdem...Er saß schon eine ganze Weile da oben und kaute nun genüsslich auf einem Stück Brot herum, das Gwen ihm noch schnell zugesteckt hatte, als Hufgetrappel ihn aus seinen Tagträumen aufschrecken ließ. Da kamen zwei Reiter aus Richtung Nottingham; gut gekleidet – und keine Eskorte. ‚Robin muss das erfahren’ Much wusste, dass sie nicht weit von hier sein könnten und gab das verabredete Zeichen – und Robin antwortete. Wie aufgetragen ließ Much sie vorüberziehen und wenig später war der Baum von seinen Freunden umgeben. „Nur zwei Männer, jung, gut gekleidet“ lautete sein kurzer Bericht während er vom Baum in Little Johns große Arme sprang. Robin überlegte einen Augenblick „Gut denn, unten am Bach.“ Zustimmendes Nicken folgte dem Vorschlag und über die Wildpfade rannten sie, um noch vor dem Reiter am Bach zu sein um ihm aufzulauern. Ohne auch nur einen Gedanken an Outlaws zu verschwenden ritten Godric Ivo in die Falle. Godric schalt sich für seine Unvorsicht, als vor ihm plötzlich ein Mann mit Langbogen und Pfeil, der auf ihn gerichtet war, auftauchte und ihm so den Weg versperrte. „Wegzoll“ rief der ihm entgegen. Panisch drehte sich jetzt Ivo um – nur um festzustellen, das es hier für ihn kein Entrinnen gab. „Runter vom Pferd“ hörten sie den Riesen neben sich sagen und schon griffen Hände nach ihnen und zogen sie unsanft aus dem Sattel. ‚Warum musste ich nur in dieses verfluchte Land gehen`resignierte Godric, als die Geächteten ihn in die Schatten des Waldes führten. ‚...aber wenigstens lebe ich noch’.

*

Godric:

Merric kam nicht umhin, auf seinem Rückweg nach Wales ein Stück durch den Wald zu reiten. Doch er machte sich nichts daraus. Gelassen hielt er die Zügel mit einer Hand und pfiff ein Liedchen zwischen den Zähnen. Hätte er den Wald erst hinter sich, wollte er diesen Spazierritt mit einem kräftigen Galopp durch die Nacht hindurch wettmachen. Er bemerkte die burleske kleine Gesellschaft sofort, als sie ein Stück vor ihm durchs Dickicht streifte. Er verzog den linken Mundwinkel zu einem Grinsen, als er seinen Schwager wieder erkannte. Mitsamt seinem treuen Begleiter war er nun auch noch von Outlaws gefangen worden. Merrics Gesicht wurde plötzlich ernst, denn ihm fiel wieder ein, daß sich die Gegebenheiten zu seinen Ungunsten gewandelt hatten. Er fasste daher einen Entschluss, der ihm selbst wenig zusagte, jedoch von größtem Vorteil war. Er spornte leicht sein stämmiges schwarzes Pferd an und ritt dem Waldvölkchen entgegen. Robin und seine Leute waren so eingenommen von ihrem glücklichen Fang, daß sie den schwarz bemantelten Reiter viel zu spät bemerkten.

„Hände hoch, na los!“, rief Merric, auf das Knie hatte er seine gespannte Armbrust gestützt. „Waffen weg!“ Die Männer blieben wie angewurzelt stehen. Zögernd kamen sie seiner Aufforderung nach. Godric, der neben seinem Pferd hatte herlaufen müssen, drehte sich verständnislos nach seinem Feind um. „Ihr da, mit dem dunklen Haar“, fuhr Merric fort, „Ihr seid doch Robin Hood!“ Die Outlaws wagten sich nicht zu rühren. Was hatte der Fremde mit ihnen vor? Merric machte eine kurze Kopfbewegung, „Los Godric, binde ihm die Hände zusammen!“ Godric zögerte verwirrt. „Na wird’s bald!“, fuhr sein Schwager ihn an. Unsicher trat der junge Mann vor. Er löste den schmalen Gürtel von Robins Gewand und fesselte ihn damit. „Gut so!“, ließ sich Merric vernehmen. „Und jetzt pack ihn mir aufs Pferd!“ „Nein!“, protestierte der Junge mit den Locken und dem einfältigen Gesicht und sprang vor. In dem Moment schoss Merric den Pfeil ab und traf Robin im linken Oberarm. „Schluss jetzt!“, rief er in herrischem Ton, „Der Lump kommt mit!“ Er trieb seinen Hengst heran, packte Robin, bevor er geschwächt auf die Knie sank, und hievte ihn bäuchlings vor sich aufs Pferd. „Und Ihr, Godric“, wandte er sich an seinen Schwager, „Wollt Ihr Euch nicht davon machen, solange Ihr noch Gelegenheit habt? Ich hätte Euch gern mitgenommen nach Nottingham Castle, doch Ihr habt ja leider Eure Strafe schon erhalten!“, er lachte kurz und laut, und Godric wurde bitter bewusst, daß der Schuft alles mitangesehen hatte. „Nun reitet schon, bevor ich es mir anders überlege!“, drängte Merric. Godric stieg aufs Pferd. Welche Freude musste es seinem Feind bereiten, ihn wie beiläufig aus dieser lächerlichen Situation gerettet zu haben und ihn nun, mit der Nachsicht eines hohen Herrn, davonreiten zu lassen. „In Wales brauche ich Euch ja nun nicht mehr zu erwarten!“, setzte Merric hinzu und lachte anmaßend. Godric warf ihm einen abschätzigen Blick zu, der den Mann wenig beeindruckte, wendete seinen kastanienbraunen Hengst und galoppierte mit seinem Gefährten davon, ohne sich noch einmal umzudrehen. Diesmal wandte er sich nach Norden, wo der Wald bald endete und eine sichere Reiseroute nach Oxton führte. Merric up Ruthin unterdessen wandte sich nach Süden, um seine Beute nach Nottingham Castle zu bringen.

*

Robin:

Little John fluchte laut vor sich hin. Wie konnte das nur passieren. Sie waren einfach zu unvorsichtig gewesen und jetzt hatte dieser Fremde Robin. "Nasir, komm schon. Wir müssen sie einholen, bevor sie Nottingham erreichen. Sonst können wir Robin nicht mehr helfen." Little John und Nasir schwangen sich auf die beiden Pferde und jagten dem Fremden hinterher. Sie kannten die Gegend besser als jeder andere und so wussten sie, welchen Weg sie nehmen mussten um ihm denselbigen abzuschneiden. Kurz hinter einer Lichtung hielten sie an, ließen sich vom Pferd gleiten und versteckten sich im Unterholz. Sie mussten nicht sehr lange warten, als sie noch leise, aber näher kommend, Hufgetrappel hörten...

Robin war noch völlig perplex. Wie konnten sie sich von einem einzigen Mann nur so übertölpeln lassen. Was hatte dieser Fremde hier zu tun und vor allem, was hatte er mit Ihnen und diesem anderen Fremden zu tun. Wieso hat er sich eingemischt. Es schien so, als ob er ihn gut kennen würde, jedoch ihm nicht gerade ein Freund war. Der Schmerz im Oberarm riss ihn immer wieder aus seinen Gedanken. Der Pfeil steckt noch darin, sodass er nicht allzu viel Blut verlor. Aber die Bewegung des Pferdes übertrug sich schmerzhaft darauf. Ein lautes "Halt! - Gebt den Mann frei und Ihr könnt weiterziehen:" ließen ihn aufhorchen. Die abrupte Bewegung die darauf folgte, ließ einen Schmerz durch seinen ganzen Körper rasen und er konnte sich einen leichten Aufschrei nicht verkneifen. Doch er hatte die Stimme erkannt. Little John - er wusste, das sie ihn nicht im Stich lassen würden. "Ihr schon wieder!" donnerte der Fremde bösartig. "Ihr Outlaws seit wie Ungeziefer. Überall kriecht ihr rum. Geht mir aus dem Weg!" Währendessen versuchte er heimlich und langsam einen Dolch aus seinem Gewand zu ziehen, um ihn Robin an den Hals zu halten und damit den Weg freizubekommen. Aber Nasir, der schweigend wie immer, mit gespanntem Bogen dastand, erahnte die Bewegung und schoss kurzerhand auf den Oberschenkel des Fremden. Die von ihm erhoffte Reaktion kam beinha augenblicklich. Durch den Schmerz und den Schreck, der sich sofort auf das Pferd übertrug, stieg dies auf. Alles ging sekundenschnell, sodass er sich nicht mehr halten konnte und samt Robin vom Pferd fiel. Noch ehe er sich besinnen konnte um sein Schwert zu ziehen, war Nasir über ihm, während Little John sich Robin annahm. Behutsam half er ihm auf eins der Pferde, nickte Nasir kurz zu, der mit einem kurzen, aber wirkungsvollem Schlag den Fremden ins Reich der Träume sandte......

*

Gwen:

Sie brachten Robin in den sicheren Wald. "Du musst Gwen herbringen, er wird ihre Hilfe brauchen. Lauf so schnell du kannst." raunte Tuck nervös Much zu. Der ließ sich das nicht zweimal sagen und war schon verschwunden. Gwen genoss die ruhigen Stunden. Da Adam etwas mitgenommen war ließ sie ihn auf dem Pferd sitzen und ging voraus. Sie nahmen die Straße, denn die Wildpfade wären zu beschwerlich gewesen. Sie dachte an Nottingham, die vielen Menschen, den Gestank der Stadt. Nein, sie könnte dort nie wieder leben und so sah sie vorwärts auf ihr Leben in Hazlewood... bei Freunden, so hatte Robin gesagt. Sie wusste, sie würde nur wenige Meter nach Sherwood gehen müssen, und einer der Geächteten würde sie entdecken, dann würden sie reden, lachen, essen... und Will wäre dann auch da. Es gab also keinen Grund traurig zu sein...  Much rannte ohne Pause. Er war sich sicher, das Gwen und Adam die Straße nehmen würde und er hoffte, sie einholen zu können, wenn er die Wildpfade nahm. Er musste sie schnell finden. Robin war in Gefahr. Gwen und Adam zogen in Ruhe weiter Richtung Hazlewood. Nicht ahnend, das Robin verletzt war und auch nicht ahnend, wie viel dem Sheriff von Nottingham seine Pferde bedeuteten und das Hauptmann Jehan einen Teil seiner Soldaten ausgeschickt hat, um ausgerechnet auf der Straße nach Hazlewood mit der Suche der Tiere zu beginnen.

*

Faude:

Die Eichentür schloss sich hinter Lady Perilla, die Faude etwas angeschlagen eine gute Nacht gewünscht hatte. Sir Faude fühlte sich selbst nicht mehr so ganz auf dem Damm und das lag entweder am Fackelrauch oder dem schweren Riocha und Rotburgunder, den der Sheriff aufgefahren hatte. Wahrscheinlich konnte Robert der Renault ein Treffen mit dem König auch nur durchhalten, wenn er sich ordentlich einen auf die Lampe goss. Leicht schwankend machte sich Faude auf die Suche nach seinem Quartier. Das Schloss hatte zahllose Gänge und Korridore, die einen Ortsunkundigen schon nüchtern verwirren konnten. Auf einmal ein Schatten in der Dunkelheit und dann eine schwere Gestalt, die über ihn herfiel. Muskulöse Arme pinnten seine Schultern gegen die Steinwand von Nottingham Castle und Faude sah in die haßerfüllten Augen von Sir Aries of Ashtonhall.

„Gott zum Gruße, Carfilhiot“, raunzte der normannische Ritter. „Sagt mir doch, warum ich euch nicht gleich hier sämtliche Knochen im Leib brechen soll?“ Faude dachte fieberhaft nach; gegen die tierhafte Kraft des bestimmt 125 Kilo schweren Muskelpakets hatte er keine Chance. Warum war er auch damals so hirnverbrannt gewesen, einen der stärksten Kämpen diesseits und jenseits des Kanals herauszufordern. Nein, es war keine Torheit gewesen, die ihn dazu getrieben hatte, sondern Selbstüberschätzung, die an Lebensmüdigkeit grenzte und natürlich hatte damals eine Dame etwas damit zu tun gehabt. Sir Aries stieß Faude so hart gegen die Wand, daß es ihm die Luft aus den Lungen trieb. „Wollt ihr mir eine Antwort schuldig bleiben, ihr eingebildetes Zuckerpüppchen?“ Zuckerpüppchen?! So hatte man ihn noch nie genannt. Sir Faude wollte gerade zu einer Antwort ansetzen, als ihm Ashtonhall eine Maulschelle verpasste, die ihn seitlich zu Boden warf. Vor Faudes Augen war alles verschwommen und er schmeckte den metallenen Geschmack von Blut in seinem Mund. Dann bekam er einen Tritt in die Rippen, der ihn aufschreien ließ. Sein Hinterkopf wurde dabei gegen einen Türpfeiler geschleudert und es wurde schwarz um ihn.

„Ha, ha, ha, haaa“, überschlug sich de Belleme's Stimme beinahe. Er rührte in einem mächtigen, unheilvoll aussehenden, glänzend schwarzen, Bottich, den grün-gelbe Flammen umzüngelten. Der Magus trug ein rotes Kostüm und eine schwarze Kappe, die mit einem Busch aus Hahnenfedern verziert war. Aus dem Bottich quollen halbverfaulte, stinkende, humanoide Gestalten, deren Fleisch von Maden wimmelte. Kaum waren sie aus dem Kessel gekrochen, erhoben sie sich und taumelten auf einen mächtigen Hirsch zu, der auf einer Lichtung von den Untoten umzingelt worden war. Um den stattlichen König der Wälder lagen hingeschlachtete, menschliche Gestalten und Faude, der all dies wie im Traum wahrnahm sah genauer hin. Es waren ganze Massen von Zombiekämpfern, die auf der Waldlichtung lagen und dazwischen erkannte er die Körper von gesuchten Outlaws. Little John hatte da sein Leben ausgehaucht und auch der gemütliche Bruder Tuck würde nie mehr einen Humpen Ale stemmen. Will Scarlett hatte vier Geisterkrieger, die gleichzeitig auf ihn einhackten, mit in den Tod genommen und selbst Robin Hood, der bis zum letzten Pfeil gekämpft hatte, lag bleich und tot unter Leichenbergen begraben. Einzig Lady Marion of Leeford stand neben dem Hirschen und schwang Robins Schwert Albion im Halbkreis um die Kesselkrieger zurückzudrängen. Im Hintergrund stieß Simon de Belleme weiter sein meckerndes Lachen aus und drängte immer neue schwankende Gestalten aus dem keltischen Kessel auf die Lichtung. „Seht es euch gut an, Faude Carfilhiot und merkt auf. Wenn Herne the Hunter nicht mehr ist, dann wird Simon de Belleme noch lange nicht aufhören. Er wird fortfahren Kesselkrieger zu beschwören bis ihm ganz England untertan ist und auch dann kennt seine Gier keine Grenzen. Seine schwarze Seele wird erst zur Ruhe kommen, wenn er der König der Welt ist, was es auch kosten mag.“ meinte die laszive Stimme von Gwyneth of Hazlewood. „Überlegt euch also genau was ihr tut. Dies ist meine einzige Warnung an euch.“ Faude drehte sich von der grauenhaften Szenerie ab und blickte zur Seite um die Sprecherin ausfindig zu machen, es war jedoch so trüb, dass er nur noch die Umrisse der schönen Hexe ausmachen konnte, die langsam im Nebel verschwanden. Er hatte starke Schmerzen und einen fürchterlichen Brummschädel, als er schließlich mitten in der Nacht erwachte. Sir Aries hatte ihn in eine Rumpelkammer geschleppt und da ohnmächtig zurückgelassen. Als Faude wieder so weit bei Kräften war, dass er stehen konnte, merkte er, dass man ihn in der Kammer eingesperrt hatte. Er musste eine Viertelstunde Radau machen und gegen die Tür treten, bis ihn endlich ein verschlafener und recht erstaunter Diener herausließ. Mit einem „Was glotzt ihr denn so blöd!“ taumelte er an dem servilen Mann vorbei und suchte seine Kammer auf, die er auch nach einer Weile endlich fand. Kaum war er jedoch eingeschlafen, da wurde er auch schon von den Fanfarenstößen geweckt, die seine Majestät Richard Plantagenet, genannt Richard von England oder auch einfach Löwenherz ankündigten.

*

Jehan:

Es war schon später an diesem Tag, der bereits so viele Ereignisse gebracht hatte wie sonst nur eine ganze gediegene Woche. Jehan hatte fünf seiner Männer auf den Hauptweg durch Sherwood geschickt, um nach des Sheriffs geliebter Schimmelstute zu suchen. Immerhin ein Glück, dass das Fell des Gaules weiß wie Neuschnee war, da konnte man ihn selbst im Wald leichter entdecken. Jehan selbst hatte sich dazu eingeteilt, hier am Waldrand zu warten und die Augen offen zu halten. Wozu hatte man schließlich das Privileg, Hauptmann zu sein. Eben - damit man ungeliebte Aufgaben delegieren konnte. Er hatte einen weiteren Mann den Waldrand hinunter geschickt, um die Wiesen und das nächste Dorf abzusuchen. Nun kam eben dieser Mann in schnellem Galopp zurück. "Hauptmann, ich habe einen Verletzten Mann gefunden, der behauptet, er hätte Robin gefangen...." rief er ihm zu, noch bevor er seinen Braunen zügelte. Jehan wurde sofort munter. "Führ mich hin, Alric," befahl er dem Soldaten, und die beiden ritten im Kanter zu der Stelle, an der der schwer angeschlagene Merric up Ruthin sich vor Schmerzen wand und nicht wusste, wie er den Bolzen aus seinem linken Oberschenkel bekommen sollte, ohne zu sterben. Die Soldaten sprangen aus den Sätteln, und Alric stützte Merrics Kopf. Jehan warf einen oberflächlichen Blick auf die Verletzung. Er erkannte, dass er hier nichts tun konnte. Ein Bader musste sich darum kümmern, und der nächste wohnte in Nottingham.

"Robin...Hood..." röchelte Merric. "Ich hatte ihn gefasst, aber dann.... diese Hunde! Er ist ebenfalls....angeschossen....." Genau, Hunde waren sie. Ließen einen Schwerverletzten hier zum Sterben zurück, und nannten sich selbst Beschützer. Wie absurd. Dreckige Strauchdiebe und Mörder waren sie, wie all die anderen Gesetzlosen. Merric glitt wieder in eine Ohnmacht, und das war auch besser so, denn der Transport wäre qualvoll und schmerzhaft für ihn geworden. Die Soldaten hoben den Verbündeten im Kampf gegen Robin Hood auf Alrics Pferd, und traten den Rückweg an. "Wir bringen ihn zum Schloss. Er muss überleben! Ich will wissen, was dieser Kerl mit den Gesetzlosen zu tun hatte!" schärfte Jehan dem Soldaten ein. Alric nickte ergeben und führte das Pferd mit dem quer über dem Sattel liegenden Merric gen Nottingham. Der Hauptmann grinste zufrieden. Sollten die Soldaten weiter nach des Sheriffs Pferd suchen. Er würde dem Herrn etwas weitaus Interessanteres bringen: einen Mann, der Robin Hood gefasst und verwundet hatte! Und der vielleicht Informationen besaß, die zur Ergreifung dieses Räubergesindels führen mochten.

*

Gwen:

Gwen und Adam rasteten an einem Bach kurz vor Hazlewood, als aus dem Wald eine Frau auf sie zu getaumelt kam. Sie umklammerte Gwens Schultern und schüttelte sie: „Gwen of Hawkney. Seid wachsam. Das Gleichgewicht zwischen den Kräften des Lichts und der Dunkelheit ist in Gefahr! Der Jäger... der Kessel...“. Die Frau hielt inne, schenkte Gwen einen eindringlichen Blick und lief schnellen Schrittes fort. Diese unwirkliche Begegnung ließ Gwen der Frau nur stumm und wie erstarrt nachblicken. Erst als sie Muchs Stimme vernahm schreckte sie wieder auf. Adam..Much..was…“ murmelte sie noch etwas benommen. Much aber, immer noch schwer atmend vom laufen, hielt schon ihr kleines Bündel in den Händen und zog sie hinter sich her. „Adam, du musst allein weiter nach Hazlewood, es ist gleich hinter der nächsten Biegung!“ rief er dem verdutzt dreinschauenden Mann zu.

„Much, diese Frau, hast du sie noch gesehen? Kennst du sie vielleicht?“ fragte Gwen mit zittriger Stimme. Sie sah wohl, das Much es eilig hatte, aber sie musste es wissen. „Das war nur Gwyneth, aus Hazlewood. Die Leute sagen sie sei ein Hexe, sie...“ Much stoppte als er sah, dass Gwen immer noch nicht ganz bei sich war. „Was hast du denn?“ fragte er besorgt. Gwen schüttelte ungläubig den Kopf. „Ich kenne niemanden, der noch über Hawkney spricht. ... das, das war...mein Zuhause. Der Lord of Hawkney... mein Vater... es ist so lange her. Woher wusste sie?“ Much war nervös „Das ist doch jetzt egal! Gwen, komm schon, Robin – er ist verletzt!“ sprudelte es aus ihm heraus. Gwens Gedanken überschlugen sich ‚Herne, der Jäger... und Robin, sein Sohn, verletzt..’ Sie ahnte, dass ihnen allen etwas Schlimmes bevorstand. Die Auseinandersetzungen mit Nottinghams High Sheriff, Gisburne und Jehan würden dagegen nur wie Kinderspiele aussehen.

*

Faude:

Gwyneth's Zaubernuss bewegte sich, von einem Fingerrücken zum nächsten gehoben, flink hin und her. Sir Faude stand, mit geplatzter, angeschwollener Unterlippe und starken Schmerzen in seiner rechten Rippengegend, von der hühnereigroßen Beule am Hinterkopf einmal ganz zu schweigen, an der Balustrade und blickte, zusammen mit anderen Höflingen, auf das Spektakel im Bankettsaal. Hin und wieder schüttelte er den Kopf und hielt mit seinen Fingerübungen inne, weil plötzlich wieder die grauenhaften Visionen aus der Ohnmacht, der vergangenen Nacht, wieder auftauchten. Faude hatte mit Herne nichts zu schaffen und die Outlaws interessierten ihn eigentlich auch nur in soweit, wie er sie für seine eigenen Pläne benutzen konnte. Dann wurde er jedoch wieder aus seinen Gedanken gerissen, durch die unten stattfindenden Ereignisse. Die Dinge entwickelten sich schlecht für den Waliser, von dem er immer noch nicht wusste, warum er ihn auf seiner Burg aufgesucht hatte. Plötzlich landete eine harte Hand auf seiner Schulter und Faude schaffte es gerade noch, die Nuss in Sicherheit zu bringen. „Na, Carfilhiot, angenehme Nacht verbracht?“, schnarrte Sir Aries. Nicht schon wieder, dachte der Herr von Tinzin Firal und sagte dann laut: „Es war ganz leidlich. Es war sehr aufmerksam von euch, mir einen Schlafplatz zuzuweisen; schließlich kennt ihr euch hier besser aus.“ Ashtonhall glotzte ihn an. Dann fing er so wiehernd an zu lachen, daß sogar der König missbilligend nach oben blickte. Während der kräftige Ritter lachte, gab Sir Faude seinem wohlgenährten Vogt einen Fingerzeig. Als der Blick des Königs Sir Aries traf, verstummte dieser abrupt. Sir Faude beobachtete wie im Bankettsaal die Übereignungsurkunde ausgestellt wurde und er fühlte Mitleid mit Godric. Das einzige was zählte war das Land, das ein Mann besaß und wenn er das verlor, dann hatte er quasi alles verloren für das es sich zu Leben lohnte. Sir Aries beugte sich über die Balustrade um einen besseren Blick auf Lady Perillas Dekollete zu erhaschen. Die Normannin stand in der Nähe von Richard Löwenherz und hatte mit zunehmendem Entsetzen mitangesehen, wie sich ihr Held, vor ihren Augen, in einen landgierigen Monarchen verwandelt hatte. Schließlich war der administrative Teil erledigt und Godric of Valnahar strebte nach einer angedeuteten Verbeugung mit raschen Schritten dem Ausgang zu. Sir Faude bedachte de Brassiers mit einem Kopfnicken und beide umfassten blitzschnell, wie ein Mann, die Oberschenkel von Sir Aries und stemmten ihn, mit einem Ruck, über die Balustrade. Der Ritter keuchte überrascht auf und flog dann mit einem kläglichen Aufschrei kopfüber vier Meter in die Tiefe, um auf dem Tisch der Schreiber zu landen. Der Tisch brach entzwei und schwarze Tinte spritzte in alle Richtungen, sogar auf das Gesicht des Sheriffs und König Richards Hermelinmantel. Die Schreibkräfte stoben auseinander wie aufgeschreckte Hühner und unten brach ein Tumult aus. Wachen ergriffen Aries of Ashtonhall, der leicht benommen zwischen den Trümmern lag. Sir Faude zog sich lieber diskret zurück und führte den, sich diebisch freuenden, Burgvogt mit sich. Hinter ihm ertönte der zornige Ausruf von Ashtonhall. „Carfilhiot, das werdet ihr mir büßen!“

*

Robin:

"Dieser verdammte Fremde" fluchte John vor sich hin und trat wütend gegen einen umherliegenden Ast. Prüfend schaute er zu Robin, der mit halbgeschlossen Augen rücklinks an einem Baum gelehnt saß. Tuck besah sich gerade seinen Oberarm genauer. Es sah nicht sehr gut aus. Und das gerade jetzt, wo es sehr unruhig war in Sherwood und jeder spürte, das irgendetwas gewaltiges auf sie zukommen würde. "Robin wird einige Tage nicht kämpfen können" murmelte John zu Nasir gewandt. Dieser nickte nur stumm, ohne den Blick von Robin und Tuck zu wenden, der sich gerate betont mühsam erhob und auf die beiden zukam.

"Der Pfeil hat den Oberarm fast durchschlagen. Wir können ihn nicht einfach rausziehen, ohne ihm den Arm zu zerfetzen. Was machen wir jetzt?" Tuck sprach leise um Robin nicht zu beunruhigen, doch die Sorge die in seiner Stimme mitschwang, war nicht zu überhören. "Wir werden den Pfeil weiter durchstoßen müssen um die Spitze abbrechen zu können." erklärte er dann weiter, da weder von John noch von Nasir eine entsprechende Antwort kam. Schon bei dem Gedanken an die Schmerzen, die sie Robin damit zufügen würden, verzog sich Johns Gesicht zu einer Grimasse. "Hast du keine bessere Idee? - Vielleicht sollten wir doch erstmal auf Gwen warten!" - "Ja," murmelte Tuck geistesabwesend "vielleicht sollten wir das tun."

*

Gwen:

Der Tag neigte sich dem Ende als Much mit Gwen endlich das Lager erreichte. Ihr erschien alles so friedlich und wären nicht die besorgten Gesichter gewesen hätte sie die Schönheit der untergehenden Sonne mit jeder Faser ihres Körpers aufgesogen. Sie sah, dass Robin bei Bewusstsein war und dass der Pfeil immer noch im Arm steckte. Erleichtert erkannte sie, dass er nicht den Knochen verletzt hatte. „Much, bleib bei Robin. Tuck, geh und hol frisches Wasser; und mach es warm. John, Nasir...der Pfeil muss raus.“ Gwens Anweisungen kamen leise aber mit Nachdruck. Der große John war ungewöhnlich bleich. „Gwen, das geht nicht so einfach... die Pfeilspitze..sie zerreist sein Fleisch...“ Gwen zog ihn zu sich herunter „John, er muss raus...und du weißt wie... – John, halte ihn einfach nur gut fest.“ sagte sie mit fester Stimme. Tuck hatte inzwischen das Wasser zum Erhitzen ins Feuer gestellt. „Tuck, Nasir? Ihr wisst was zu tun ist?“ Beide nickten nur stumm. Gwen ging mit ihrem Bündel, das neben Kräutern auch saubere Stoffbahnen enthielt, zu Robin. Sie sah wie er litt, versuchte ihm ein ermutigendes Lächeln zu schenken – obwohl sie wusste, dass sie ihm gleich noch mehr Schmerzen zufügen mussten. Sie legte die Kräuter zur Seite und begann vorsichtig die Wundränder und den überstehenden Schaft zu reinigen. „Robin...“ begann sie leise „...es wird weh tun“. Tuck und John richteten ihn vorsichtig auf, Nasir trat heran und mit einer schnellen und kräftigen Bewegung stieß er den Pfeil durch den Arm, brach die Spitze ab und entfernte den Schaft. Robin schrie auf und verlor das Bewusstsein. Gwen reinigte die Wunde, versorgte sie mit Kräutern und verband anschließend den Arm. Much sah sie mit Tränen in den Augen an. „Keine Angst, er wird sich erholen, in ein paar Tagen schon. Es sieht schlimmer aus als es ist. Bleib bei ihm und pass auf ihn auf.“ Sie sortierte ihre Sachen und gab Tuck noch ein paar ihrer Kräuter und sauberen Stoff. „Er darf den Arm nicht bewegen“ ermahnte sie ihn noch einmal „Bereite ihm hiervon einen Tee. Wechsel morgen den Verband und leg diese Kräuter auf die Wunde; so entzündet sie sich nicht“ Tuck sah sie verwirrt an „Du gehst wieder? Jetzt?“ – „Ja, ich muss und ihr braucht mich hier nicht mehr.“ John nahm seinen Stab und wollte sie begleiten. „Nein, John. Ich muss alleine sein und brauche Zeit zum Nachdenken“ – „Gwen, sei vorsichtig, die Soldaten...“ – „Ich weiß, John, ich pass auf!“ unterbrach sie ihn und lächelte ihn an, drehte sich dann um und begab sich zurück auf den Weg nach Hazlewood. Sie wollte noch ein gutes Stück des Weges schaffen, bevor sie sich einen geschützten Platz zum schlafen suchen würde.

*

Jehan:

Der Bader, ein hagerer grauhaariger Mann um die vierzig, hatte derzeit viel zu tun, angesichts der vielen Menschen in Nottingham. Jehan schob die zeternden Untertanen grob zur Seite, die sich brav in einer Reihe aufgestellt hatten, beachtete deren Geschrei nicht weiter und zerrte den Bader zu dem verletzten Waliser. "Er muss durchkommen, verstanden? Sonst lasse ich dich in die Schandgeige sperren!" sagte er mit eisigem Tonfall zu dem erschrockenen Heiler. Der Bader nickte hölzern, und betete, dass seine Kenntnisse ausreichten und Gott sich seiner und seines Patienten erbarmen mochte. "Ich komme nachher wieder! Und wehe wenn der Bursche dann tot ist!" Der Hauptmann ließ den plötzlich kreidebleich gewordenen Bader stehen und verließ dessen Haus, ohne Rücksicht auf die keifenden Menschen, die bereits seit Stunden auf Behandlung warteten. Dann ging er hinüber ins Schloss, fand, wen er suchte: Sir Guy of Gisburne. Er berichtete ihm in kurzen Worten, was sich ereignet hatte. Gisburne seinerseits würde zum Sheriff gehen und diesen in Kenntnis setzen. Jedoch schickte er Jehan wieder davon, um das Pferd zu suchen, und schalt ihn wegen seiner Pflichtverletzung. Der will die Lorbeeren selbst ernten, dachte Jehan grimmig. Und falls der Kerl starb, würde er selbst, Jehan, die Schuld bekommen. Immer das Gleiche. Nur Prügel und Schelte, egal, was man tat. Dabei hatte er es verdammt nötig, die Gunst seines Dienstherren zu erlangen. Er hatte keinen Schimmer, was Sir Faude eigentlich plante, und solange er sich dessen nicht sicher war, blieb ihm nichts übrig, als sich nach Kräften für Robert de Rainault ins Zeug zu legen. Dachte er sich, ging wieder hinaus, um zu den Soldaten in den Sherwood zurück zu kehren, und endlich diesen dämlichen Zossen einzufangen. Alric hatte er bei dem Bader zurückgelassen, mit dem Befehl, jeden zu verhaften, der die Behandlung stören sollte und sich jedes Wort zu merken, das der Verletzte vielleicht von sich gab. An allem war nur diese Gwen schuld! Jehan sah im Geiste ihr Gesicht, und irgendwie wurde er das Gefühl nicht los, dass er sie kannte, und zwar nicht erst seit ihrer Zeit hier in Nottingham. Als er schließlich ein Stück in den Sherwood hinein geritten war, kamen ihm seine Leute bereits entgegen. Sie hatten tatsächlich die Schimmelstute gefunden! Der Hauptmann atmete erleichtert auf. So konnte der Sheriff ihn wenigstens deswegen nicht mehr bestrafen, in welcher Form auch immer. Und er wäre in Nottingham, wenn der Verwundete seine Informationen preisgab, sollte er zu Bewusstsein kommen. Und schließlich, vielleicht fand sich endlich die Gelegenheit, mit Sir Faude ein ernstes Wort zu wechseln!

*

Godric:

Godric und Ivo hatten eine kleine Siedlung unweit der Stadt Oxton erreicht. Thomas Maytwist, ein nachsichtiger Wirt, hatte sich ihrer angenommen und ihnen ein Quartier geboten. Mit vergeblicher Liebesmühe hatte Ivo versucht, seinen Herrn auf andere Gedanken zu bringen. Der brütete nun schon seit Stunden stumpfsinnig vor sich hin, sprach kaum ein Wort, und war dabei, sich den letzten Rest Verstandes zu versaufen.

Es war bereits dunkel und spät und Maytwist wartete darauf, seine Lokalität schließen zu können. Ivo stand neben ihm und blickte bekümmert in die kleine Ecke, in die sein Herr sich zurückgezogen hatte.

„Ihr solltet ein Auge auf ihn haben“, sprach Maytwist im Vertrauen, „Der scheint mir schon nicht mehr ganz auf der Welt zu sein.“ Ivo warf ihm einen erschrockenen Blick zu. „Unsinn“, murmelte er, doch es regte sich sofort eine arge Befürchtung in ihm. Godric hatte benebelt beide Arme auf den kleinen Tisch gestützt und hantierte achtlos mit seinem Dolch herum. ›Er wird doch nicht etwa...‹, hob Ivo an zu überlegen, doch er wagte nicht, den Gedanken zu Ende zu führen. Er wollte nicht glauben, daß sein Herr sich so schnell geschlagen gab. Dann hätte er sich nicht auf die Landübereignung einlassen sondern sich gleich vom König den Kopf abschlagen lassen können. Ivo wandte sich abrupt ab und trat vor die Tür. Die Nacht war kalt und sternenklar, in wenigen Tagen war Vollmond. Der Junge erschauderte, wenn er an die kommenden Tage dachte. Er mochte sich nicht ausmalen, was in den düsteren Gedanken seines Herrn vorging. Er musste sich etwas einfallen lassen, und zwar schnell, bevor es zu spät war.

*

Gwen:

Langsam schmerzten ihre Beine, und der Wald war inzwischen so dicht, das selbst der Hellstrahlende Mond nicht mehr durch das Blattwerk scheinen konnte und so beschloss Gwen ein bisschen zu ruhen. Die letzten Tage waren zu viel für sie und sie ließen sie nicht zur Ruhe kommen. Sie musste sich erinnern und so wanderten ihre Gedanken zurück zu Zeiten, von denen sie glaubte, sie für immer vergessen zu haben...

Hawkney lag nur ein paar Meilen von Beaversbrook entfernt und Vater nahm sie immer mit wenn Markttag war. Viel schöner als das bunte Treiben waren die Treffen mit Elisabeth, der Tochter eines reichen Normannen. Der Lord of Hawkney mochte, wie so viele angelsächsische Ritter, die Normannen nicht. Das war kein Geheimnis, doch er wusste, dass man Wege finden musste um miteinander leben zu können. Gwen lächelte als sie sich daran erinnerte, wie Vater versuchte grimmig zu blicken, wenn er die beiden Mädchen wieder einmal mit dreckigen Kleidern und einem gestohlenen Apfel in den Händen entdeckte... Beth war es auch, der es immer wieder gelang, sie zu überreden eines der Pferde ihres Vaters zu nehmen und heimlich den weiten Weg nach Gapdale zu reiten um die drei Jungen, die dort lebten zu necken. Beth war immer ganz aufgeregt, sie hoffte irgendwann einmal Stephen, dem Ältesten, angetraut zu werden. Gwen erinnerte sich, dass sie immer bei den Pferden blieb und ihnen aus der Ferne zusah. Manchmal trafen sich die Blicke des einen mit ihren. Es war ihr immer unangenehm. Er war anders als seine Brüder, verschlossener, seine Gesichtszüge wirkten weicher und Gwen mochte seine Augen. Es war ein solcher Tag, als sie auf dem Weg zurück Rauch über Hawkney aufsteigen sah. „Angelsachse, schließ dich mir an! Gemeinsam finden wir den Kessel und vernichten deine Feinde und den Jäger“ donnerte die kräftige Stimme des Barons de Belleme über ihren Hof. „Niemals“ hörte sie noch die Stimme ihres Vaters und sah von ihrem Versteck, wie de Bellemes Schwert seinen Körper durchbohrte. Elisabeth´s Eltern ließen sie für einige Zeit bei ihren Mägden leben aber als sie älter wurde schickte man sie nach Nottingham. Das Leben dort war ruhig – solange bis der High Sheriff sie bemerkte und sie immer wieder zu sich rief. Es schüttelte Gwen und ihr stieg Röte ins Gesicht als sie an die grinsenden Gesichter der Soldaten dachte. Eines Tages schlug sie einen dieser Soldaten mit einem Holzscheit nieder, doch sie hatte Glück, man jagte sie nur unter Gelächter aus der Stadt. Will war es, der sie schließlich fand und zu den Geächteten brachte... Plötzlich fiel es ihr wieder ein `Jehan Beeches of Beaversbrook... Hauptmann Jehan...der Junge von damals.. wie können Zeit und Umstände Menschen so sehr ändern...’ Tränen liefen über Gwens Gesicht. Es war Gwyneth, die all diese Erinnerungen wieder wachgerufen hatte. Bevor Gwen in einen unruhigen Schlaf fiel beschloss sie, die Frau am nächsten Tag aufzusuchen. Zuviel war noch unklar.

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Sue:

Die Abenddämmerung brach langsam herein und Lady Susanna of Leicester irrte noch immer durch den Sherwood Forrest. "Wie hatte es nur so weit kommen können?", fragte sie sich in ihrer Verbitterung. Vor wenigen Tagen war ihr Leben doch noch in bester Ordnung. Sie führte ein komfortables Leben, trug schöne Kleider aus feinen Stoffen, musste nie hungern und sogar lesen und schreiben durfte sie lernen. Nun ja, aufsässig und auch leichtsinnig ist sie trotzdem schon immer gewesen: als sie noch ein Kind war schlich sie sich immer wieder als Bauerntochter verkleidet aus der sicheren Burg ihres Vaters, des Earl of Leicester, um mit den Kindern der umliegenden Dörfer zu spielen. Wie viele Male haben die Soldaten ihres Vaters nach ihr suchen und sie wieder nach Hause bringen müssen? Sue, wie die Bauern sie nannten, hatte stets ihre Freude an diesen Versteckspiel, und der Earl schloss sie jedes Mal nach der obligatorischen Schelte liebevoll in die Arme - glücklich, dass seiner Tochter kein Leid geschehen ist. Dieses Mal war es jedoch kein Spiel. Dieser Ausflug in schäbigen Gewändern war bitterer Ernst: Susanna war auf der Flucht. Ihr Vater wurde es nämlich allmählich müde, die Torheiten seiner Tochter zu verzeihen. Sie war mittlerweile eine junge Frau von 17 Jahren und kein kleines Mädchen mehr. Es wurde langsam Zeit für sie zu heiraten und einem Edelmann viele gesunde Kinder zu gebären. So geschah es, dass der Earl Susanna kurzerhand seinem alten Freund und Mitstreiter noch aus König Henrys Zeiten, Lord Walter de Combourg, zum Eheweib versprach. Lord Walter de Combourg war Normanne und ein Ritter von hohem Adel am Hofe des Königs. Er war ein unfreundlicher, strenger Mann und etwa so alt wie Susannas Vater; nicht gerade der Mann, den sich das verwöhnte Töchterchen eines angelsächsischen Earls zum Ehemann wünschte. Dabei hatte sie ihre große Liebe doch schon längst gefunden...... Aber ihr Vater hatte seinen Entschluss gefasst und Susanna war verloren. Da sie nun nicht mehr auf die Gnade ihres Vaters hoffen konnte, blieb ihr schließlich nur die Flucht. Gen Norden wollte sie sich halten - weit weg von London, wo der verhasste Bräutigam lebte. Bisher hatte sie es aber nur bis in den Sherwood Forrest geschafft, wo sie sich sogleich hoffnungslos verirrte. "Warum nur", dacht Susanna bei sich, "habe ich nicht mein Pferd mitgenommen und bin auf den Wegen geblieben?" Was sollte jetzt nur aus ihr werden? Ihr Stolz verbot es ihr in Tränen auszubrechen......

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Robin:

Nur langsam wich die Dunkelheit und Stille der Bewusstlosigkeit von Robin. Er spürte den pochenden Schmerz in seinem Arm und allmählich kamen auch die Erinnerungen an das, was geschehen war zurück. "Er wird wach." hörte er Much rufen und spürte wie er ihn vorsichtig berührte. Er wollte etwas sagen, aber seine Sprache schien ihm den Dienst zu verweigern. Selbst seine Augenlider schienen tonnenschwer zu sein. Er versuchte sich vorsichtig zu bewegen, aber der brennende Schmerz, der ihm durch den ganzen Körper schoss, liest ihn dieses Vorhaben schnell vergessen. Nach einer halben Ewigkeit, wie ihm schien, schaffte er es endlich die Augen zu öffnen. John kniete neben ihm und versuchte ihm vorsichtig etwas von dem Tee, den Gwen verordnet hatte, einzuflössen. Er lächelte spöttisch, als Robin das Gesicht verzog und leise flüsterte "Wollt ihr mich vergiften?" Plötzlich knackte es im Unterholz. Alarmiert sprangen John und Nasir sofort auf und griffen nach Ihren Waffen.

"Will?!!" schrie John verblüfft. "Wo kommst du denn her, verdammt? Wo hast du dich überhaupt rumgetrieben?" Auch wenn Robin froh war, das Will wieder da war, legte sich doch ein Schatten auf sein Gesicht. Er hasste es, das Will immer seinen Dickschädel durchsetzen musste. Gerade ihm gegenüber. Einfach zu verschwinden, ohne ein Wort zu sagen. Ihm war es danach, ihn sich gerade jetzt mal richtig zur Brust zu nehmen, aber dafür war er einfach zu schwach. Auch nur einen Satz zu sagen, kostete ihn unheimlich Kraft. Also beließ er es vorerst dabei und sah ihm, neugierig auf seine Antwort, entgegen. "Ich war Doyle gefolgt, als sie sich Nachts aus dem Lager geschlichen hat." begann er. "Ich glaube sie hat uns verraten. Ich wollte unbedingt wissen was sie vor hat und bin eben einfach hinterher geschlichen. Leider habe ich sie gestern aus den Augen verloren, also bin ich umgekehrt. Was ist hier passiert? Robin - du bist verletzt!" "Das ist eine andere Geschichte." antwortet John für Robin. "Hier war einiges los, seit du weg warst." "Hilf mir hoch." flüsterte Robin Much zu. "Aber Gwen hat gesagt...." - "Ich will mich nur hinsetzen und keinen Waldlauf machen, Much. Also helf mir hoch." forderte Robin mit Nachdruck und schrie kurz auf, als Much ungeschickt an den verletzten Arm griff. "Doyle ist keine Verräterin." redete er an Will gewand leise weiter. "Sie ist gegangen, weil sie glaubte, dass wir ihr nicht mehr vertrauen. Wir sollten sie bei Gelegenheit suchen." Will verzog missbilligend den Kopf, während die anderen zustimmend nickten. "Dabei fällt mir ein..." ergriff Will das Wort, "ich habe vorhin, nicht weit von hier, eine Frau gesehen. Sie war zwar in ärmliche Kleidung gewandt, aber ihr Gang und ihre Art lassen eher vermuten, dass sie eine Edeldame ist." "Eine Edelfrau um diese Zeit im Sherwood? Alleine?" fragend sah Robin von Will zu John. "Gehen wir!" und verzog sofort vor Schmerz sein Gesicht. "Lass uns das mal machen." erwiderte John und lächelte väterlich, was ihm jedoch einen missmutigen Blick von Robin einbrachte. So machten sich Will und John auf, Sue zu suchen, die immer noch hilflos durch den dunklen Sherwood stolperte.

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Gwen:

Gwen erwachte noch vor dem Morgengrauen. ‚Nicht mehr lange, und Gwyneth wird mir sagen was zu tun ist’. Schweren Herzens begab sie sich auf die Straße Richtung Hazlewood. Es lief sich wesentlich angenehmer dort und sie war sich sicher, dass die Soldaten inzwischen das Pferd gefunden hatten. ‚Hauptmann Jehan’ dachte sie und schüttelte ungläubig den Kopf ‚Was ist nur geschehen? Was verhärtete Eure Gesichtszüge und ließ Eure schönen Augen nur so kalt werden? Nichts an Euch erinnert mich an den Jungen den ich einst sah.’ Bald erreichte Gwen den Bach vor Hazlewood. Sie beschloss, sich ins nasse Gras zu setzen und auf Gwyneth zu warten. Das kühle Nass war eine Wohltat für ihre wunden Füße. Gwen war in Tagträumen versunken als sie plötzlich einen Schatten über sich sah „Gwendrianna of Hawkney, tatet ihr was nötig war?“ fragte eine harte Frauenstimme hinter ihr. Gwen erschauderte, als sie hörte, wie sie mit ihrem vollständigen Namen angesprochen wurde. ‚Vater benutzte ihn nur, wenn ernste Dinge besprochen werden mussten’ Sie drehte sich langsam um und verharrte halb sitzend, halb kniend vor der Frau. Gwyneth ist gekommen. Gwen nickte nur. „Der Sohn des Jägers lebt und er wird erstarken“ flüsterte sie mit gesenktem Blick. „Gut Kind. Weiß er von seiner Aufgabe?“ – „Mylady. Ich konnte nicht mit ihm reden. Much hat gesehen und gehört was geschah. Er wird für mich berichten - und der Sohn des Gehörnten wird auch ohne meine Worte verstehen...“ Gwyneth schien zufrieden zu sein mit dem was sie vernahm. Sie nestelte an ihrem schönen Gürtel und gab Gwen ein Beutelchen. „Simon de Belleme ist mächtig geworden seit er Euer Land nahm. Geht zurück nach Hawkney. Die alten Pfeile Eures Vaters sehen brüchig aus, doch sie sind stark. Bereitet sie vor. Des Jägers Sohn wird sie brauchen.“ Sie beugte sich hinunter zu Gwen und hielt ihr Gesicht mit ihren warmen Händen. Liebevoll blickte sie Gwen an. „Gwendrianna, ich spüre Euren Schmerz. Wenn Ihr getan habt, wie ich Euch geheißen habe nehmt dies hier“ und sie hing das Beutelchen um Gwens Hals „Es wird Euch den Weg zu Eurer Familie bereiten. Geht jetzt.“ Gwen fühlte sich so müde „Ich will nicht mehr laufen, kann ich es nicht jetzt und hier beenden? Ich flehe Euch an!“ bat sie mit müder Stimme. Gwyneth sah sie nur traurig an, schüttelte den Kopf und verließ sie ohne ein weiteres Wort zu sagen. Gwen zog sich ihre Schuhe an und machte sich, gebeugt wie unter einer schweren Last, auf den beschwerlichen Weg nach Hawkney...

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Jehan:

Merric up Ruthin hatte das Bewusstsein kurze Zeit wieder erlangt und wirr von Robin Hood gesprochen. Der Soldat Alric hatte immerhin soviel mitbekommen, dass der Gesetzlose verletzt war. Sodann rannte er los, um seinem Hauptmann dies zu berichten, da dieser aber noch nicht wieder da war, wandte er sich an Gisburne. Angesichts der spärlichen Ausbeute an Informationen war Guy nicht begeistert, aber immerhin konnte er dem Sheriff wenigstens ein Positives berichten. De Rainault war sehr mit dem Aufwarten König Richards beschäftigt, und damit, die Eskapaden eines gewissen Ritters wieder auszubügeln, der sehr den Ablauf jeglicher geplanter und ungeplanter Zeremonie durch sein gelinde ausgedrückt unritterliches Verhalten gestört hatte. Einen Mann wie Richard Löwenherz zu besänftigen war schwieriger als einen Bock zu melken. Zudem war der König verärgert wegen gewisser fehlender Steuereinnahmen aus dem Shire Nottingham. Der Sheriff war also froh selbst ob dieses Strohhalmes einer Information. Er trug Gisburne auf, nach Wickham zu reiten, genügend Männer mitzunehmen, die Leute dort furchtbar zu quälen, notfalls einen nach dem anderen aufzuhängen, so dass Robin Hood keine andere Möglichkeit haben würde, als ihnen zu Hilfe zu eilen. Und einem verletzten Robin Hood würde Gisburne ja hoffentlich gewachsen sein. Sir Guy of Gisburne wusste nicht, ob er sich freuen sollte, angesichts der Aussicht auf die Ergreifung Robin Hoods, oder sich ärgern angesichts der Zweifel de Rainaults wegen seiner Fähigkeiten. Nun, er würde dem Sheriff schon beweisen, wessen er fähig war! Als er in den Hof der Burg hinaustrat, gerüstet und gespornt, sah er, dass der Suchtrupp in der Zwischenzeit wieder zurück war, mit des Sheriffs Pferd. Also konnte er diese Soldaten gleich wieder mitnehmen auf die Jagd nach Robin Hood. Vom Hauptmann fehlte allerdings jede Spur. Gisburne suchte ihn in den Wachräumen, im Stall - vergeblich. Doch dann sah er ihn unverhofft, an einer für einen Soldaten unziemlichen Stelle in den Gängen zu den Gästeräumen. Er sprach mit diesem schnöseligen Kerl, der die wunderbare Lady Perilla begleitet hatte. Wie hieß er doch gleich? Gisburne hatte nur Augen für die schöne Base gehabt. Carfilhiot, wenn er sich nicht täuschte. Aber was hatte Jehan mit diesem Lackaffen zu tun? Leider konnte er kein Wort verstehen, von dem was gesprochen wurde. Er näherte sich weiter, aber Faude Carfilhiot bemerkte ihn. "Nun´, Hauptmann" sagte der Edelmann auffallend laut, nachdem er sich weniger auffallend geräuspert hatte, "vielen Dank für Euren Hinweis. Dieses Gemäuer ist das reinste Labyrinth. Wo sagtet Ihr geht es doch gleich zum Badehaus? Hier entlang? Hach, ich werde mich hier nie zurechtfinden..." Er neigte den Kopf galant in Sir Guys Richtung, bevor er sich, leise vor sich hin trällernd, höfisch korrekt entfernte. Jehan nickte nur hölzern, dann drehte er sich nach Gisburne um und schüttelte vielsagend den Kopf. "Diese Adeligen!" seufzte er entschuldigend und rieb sich das Kinn. "Herrschen über Meilen von Land, von dem sie jeden Ackerkrumen als den Ihrigen erkennen, aber in einem Schloss verlaufen sie sich!" Er grinste Gisburne vielsagend an. Aber Sir Guy lachte nicht, und so erstarb auch Jehans Lächeln augenblicklich. Stattdessen sagte Gisburne: "Wir reiten nach Wickham! Wir werden Robin Hood fangen! Endgültig!"

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Gwen:

Little John und Will liefen eine Weile schweigend vor sich hin. „Verdammt noch mal Will, du kannst so was nicht machen!“ platzte John heraus. „Ach, ja? Warum nicht??“ fauchte dieser zurück Die beiden Männer schauten sich wutschnaubend an. „Wir hätten Dich hier brauchen können“ „Ach so ist das jetzt..ist also meine Schuld dass sich Robin anschießen lässt und Gwen immer noch...“ „Verdammt Will! Wir haben sie rausgeholt! Gleich am nächsten Tag. Mann, denken war noch nie deine Stärke! Was meinst du, wer wohl Robins Wunden versorgt hat?“ „Was kümmert mich das wer hier wen zusammenflickt“ Will stockte, erst jetzt schien er zu verstehen „Du meinst... es geht ihr GUT? Warum war sie dann nicht da!?“ „Will, sie lebt, aber ob es ihr gut geht....sie...“ „Oh, dieses Normannenpack – ich, ich bring ihn um.....alle...ganz langsam!“ Will wollte losstürmen doch John bekam ihn gerade noch am Ärmel zu fassen. „Warte Will – da war nichts! Es ist nur...das Leben hier draußen ist nichts für sie...sie wollte nach Hazlewood.“ „Hazlewood? Sie will nach Hazlewood? Warum in aller Welt Hazlewood?“ „Wir haben keine Ahnung“ „Ja, ICH auch nicht. Und das kann ich gar nicht leiden!“ Will raufte sich die Haare „Verdammt! Ich geh nach Hazlewood!“ John versperrte ihm den Weg. „Mach das nicht Will! Für sie, für dich für uns. SIE wollte Ruhe und Zeit und WIR brauchen dich HIER!... Und denk an dieses Edelfräulein. Passiert ihr etwas in Sherwood , wird man es uns in die Schuhe schieben! Wir müssen sie finden. Und zwar bald!“ Will dachte einen Moment nach. „John ich hasse dich! Ich hasse es, wenn du recht hast!...Steh da nicht so rum, sie kann nicht weit sein!“  Gwen überlegte, wie sie wohl am sichersten nach Hawkney kommen würde. Nottingham musste sie meiden, also beschloss sie, den Weg nach Wickham zu nehmen. Dort könnte sie sich ausruhen und dann weiter Richtung Beaversbrook laufen. Sie griff an ihren Hals um sich zu vergewissern, das das kleine Beutelchen noch da war ...

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Jehan:

Ein großer Trupp Soldaten, 50 Mann stark, setzte sich in Richtung des Dorfes Wickham in Bewegung. Gisburne auf seinem schwarzen Hengst an der Spitze, der ein hämisches zufriedenes Grinsen nicht verbergen konnte. Dieses Mal würde er dem gesetzlosen Abschaum den Garaus machen. Hauptmann Jehan ritt neben ihm auf seinem Falben, angestachelt vom Jagdtrieb Sir Guys, hinter ihnen zehn weitere berittene und mit Armbrüsten bewaffnete, finster dreinblickende kampferprobte Männer. Der Rest waren Fußsoldaten, bewaffnet bis an die Zähne und ebenso finster entschlossen wie ihr Anführer. Sie waren jetzt schon angeheizt wie eine Meute hungriger Bluthunde, die nicht eher von ihrer Fährte abweichen würden, bis sie die Beute zur Strecke gebracht hatten. Die Luft knisterte förmlich vor erwartungsvoller Blutgier. Auch der Weg nach Wickham konnte diese Begeisterung in keinster Weise dämpfen. Im Gegenteil. Meile um Meile, die sie sich dem kleinen Dorf näherten, stieg ihre Anspannung. Endlich dort, bauten sie sich selbstherrlich mitten auf dem Dorfplatz auf, und Sir Guy befahl, dass sich alle Bewohner unverzüglich zu versammeln hatten. "Hört her, Leute von Wickham!" rief er mit seiner tiefen Stimme in die Runde der devoten Bauern. "Wir fordern den Gesetzlosen, der sich selbst Robin Hood nennt, und den ihr wohl alle kennen dürftet, auf, sich uns zu ergeben! Sollte er bei Sonnenuntergang nicht hier waffenlos vor mir stehen, stirbt der erste von euch!" Er gab Jehan einen Wink, der sich das nächstbeste Opfer aus der Menge griff. Ein junges Mädchen, kaum älter als 13 oder 14 Jahre, das nun gar flehentlich zu weinen begann. "Wir werden dieses Mädchen aufhängen!" drohte Gisburne, und niemand zweifelte daran. "Sorgt dafür, dass Robin Hood dies erfährt!" schloss Gisburne. Dann stieg er aus dem Sattel und betrachtete sich Jehans Geisel. "Fürwahr, ich sah schon lange keinen so zarten Angelsachsen-Hals mehr in einer Schlinge", stellte er fest. "Fesselt sie und bewacht sie! Wir werden nun speisen. Die Leute sollen uns bewirten! Wohlan, Pack!"

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Gwen:

Die Sonne stand mittlerweile hoch und Gwen konnte schon den Rauch der Feuer von Wickham riechen. Sie schickte ein paar Worte des Dankes an Herne und lächelte bei dem Gedanken an ein erfrischendes Bad im Fluss und eine Nacht in einem richtigen Bett. Gerade wollte sie um die letzte Baumgruppe laufen, als sie eine Frau mit wehenden Röcken aus dem Dorf auf sie zu rennen sah. Beim Näher kommen erkannte Gwen dass ihr Gesicht tränenüberströmt war. Gwen rannte ihr entgegen und erreichte die strauchelnde Frau gerade als diese zu stürzen drohte. „Meine Mary, oh Gott“ schluchzte sie in Gwens Armen. Von Gwen gehalten beruhigte sie sich endlich ein wenig. „Erzählt mir, was geschehen ist.“ bat Gwen mit leiser Stimme „Gisburne...sie wollen Robin...oh mein Gott...sie ist gefesselt...sie werden meine kleine Mary hängen...bei Sonnenuntergang...aber sie ist doch erst 13!“ der Körper der Frau zitterte vor Angst. Gwen erstarrte ‚Herne schütze uns! Robin ist noch nicht vollständig genesen... sie sind tief in Sherwood und schaffen es nie vor Sonnenuntergang ins Dorf...’ Gwen nahm die Hände der Frau. „Wie heißt Du?“ – „Ruth“ – „Gut, Ruth...“ Gwen überlegte einen Moment und begann in ihrem Bündel zu suchen „Hier nimm das...“ und reichte der Frau das kleine Päckchen mit ihren Kräutern und Stoffbahnen „...lauf in den Wald; so schnell du kannst! Gib das Bruder Tuck, sag ihm, es ist für Robin.“ Die Frau nickte aufgeregt. „Ruth, hör mir genau zu!“ Gwens Augen fixierten die von Ruth „Sage Robin Folgendes: ‚Gwendrianna of Hawkney überträgt Herne´s Sohn die Pfeile ihres Vaters’ – Ruth, hast du das verstanden? Es ist wichtig!“ – „Ja, ja“ stammelte die Frau „Wird er kommen?“ Gwen nickte „Er kommt, Ruth. Lauf jetzt! Herne sei mit dir“ – ‚Herne sei mit uns allen, ganz besonders mit dir, Robin Hood’ murmelte sie der davon eilenden Ruth hinterher. Gwen versteckte ihre Habseligkeiten im nächsten Gesträuch, vergewisserte sich, dass sie immer noch Gwyneth´s Beutelchen umhatte, steckte sich ein kleines Messer in die Innenseite ihres linken Schuhs und schlich hinunter nach Wickham. Sie wollte Mary Losschneiden und hoffte, die Kleine würde es schnell genug in den Wald schaffen. Sie würde es jedenfalls nicht zulassen, dass ein Kind getötet wird. ‚Wir brauchen Zeit. Sollen sie mich ruhig hängen. Das verschafft uns welche.’ Sie betete dass Robin ihre Nachricht verstehen würde. Gwen hatte das an einen Baum gebundene Mädchen schnell entdeckt. Sie mischte sich unter die Dorfbewohner, die eifrig dabei waren Gisburne und seine Männer mit Speisen und Wasser zu versorgen und kam so unbemerkt zu dem Kind. Selbst die beiden Wachen waren mit essen beschäftigt, so sicher fühlten sie sich. Gwen schnitt die Seile vorsichtig durch. „Lauf in den Wald und höre nicht auf zu laufen“ flüsterte sie ihr zu. Gwen hatte nichts zu verlieren und blieb mit ihrem Messer in der Hand beim Baum. Sie würde sich in jedes Schwert werfen, das eines der Kinder hier bedrohen würde. Sollte das nicht in Gwyneth´s Pläne passen würde sie eben andere Wege finden müssen. Mit der anderen Hand nestelte sie an ihrem Beutelchen und warte, dass jemand das Verschwinden des Mädchens entdecken würde...

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Sue:

Aus der anfänglichen Dämmerung wurde allmählich finsterste Nacht. Susanna dachte bei sich, dass es keinen Sinn mehr mache, in der Dunkelheit weiter umherzuirren. Sie war verzweifelt und müde und wollte nur noch einen halbwegs sicheren Ort zum schlafen finden. Noch nie in ihrem Leben ist sie so lange auf ihren eigenen Füssen umhergelaufen. Ihre Beine wollten sie nicht mehr so recht tragen.  Weit nach Mitternacht, als alles schlief, war sie bereits zu Hause ausgebrochen. Alles, was sie mitnahm an Habseligkeiten, waren ein Laib Brot, ihr Schwert, ihr Dolch und ein paar Silbermünzen, die sie heimlich aus der Schatzkammer ihres Vaters stahl. Das Schwert - sie strich zärtlich mit ihren Händen darüber - war ein Geschenk ihres Liebsten, der ihr auch beibrachte, es im Kampf zu führen. So oft es ging haben sich die Beiden außerhalb der Schlossmauern getroffen, um einfach nur beisammen zu sein oder mit den Waffen zu üben. Mit Wehmut dachte sie an ihn: "Ob ich ihn wohl jemals wieder sehen werde?" Nicht einmal ihm hatte sie von ihrer bevorstehenden Flucht erzählt. Sie wollte ihn nicht auch noch in Gefahr bringen.  Ja, aber wo sollte sie jetzt nächtigen?

Sie vernahm das Geräusch eines Flusses und entschloss sich am Ufer des Gewässers ein Feuer anzuzünden und den Rest der Nacht dort zu verbringen. Sie musste unbedingt ein wenig zu schlafen, um neue Kräfte zu sammeln. Das Brot, was sie bei sich trug war längst aufgebraucht und ihr knurrte der Magen vor Hunger - ein Gefühl, das sie bisher noch nicht kannte. Nach einer unruhigen Nacht beschloss Susanna dem Fluss zu folgen, der sie weiter nach Norden führte. Irgendwann musste sie doch wenigstens ein Dorf finden, wo sie etwas zu essen bekommen könnte. Langsam musste sie sich eingestehen, dass sie zu Fuß nicht schnell genug vorankam. Sie entschloss sich, ein Pferd besorgen. Gott sei Dank hatte sie noch ihre Münzen. Es war zwar nicht viel Geld, aber es würde reichen, ein einfaches Pferd zu kaufen; und einige Nahrungsvorräte würde sie sich sicherlich auch noch leisten können. "Nottingham....", dachte sie im Stillen. Nottingham war die ihr bekannte nächst größere Stadt, in der sie das unerkannt bewerkstelligen konnte. Wenn sie jemals ein Dorf finden würde, würden die dortigen Bewohner ihr gewiss sagen können, wie sie den Weg nach Nottingham finden konnte. Susanna war noch tief in Gedanken versunken als sie plötzlich laute Schreie vernahm. In der Ferne entdeckte sie endlich das von ihr so sehr herbeigesehntes Dorf. Aber was war dort los? Soldaten schienen die Dorfbewohner aufzumischen; alle liefen wild durcheinander. Als sie sich langsam näherte erkannte sie, dass ein junges Mädchen - es konnte kaum älter als 13 oder 14 Jahre sein - abgeführt und an einen Baum gefesselt wurde. Was die Kleine wohl angestellt hatte......?

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Jehan:

Gwen stand fest entschlossen, das Messer immer noch in der Hand, anstelle des Mädchens, dort an dem Baum. Plötzlich bemerkte sie, dass der Hauptmann, der ihr am nächsten stand und gierig aß, sich zu ihr umdrehte. Ihr Herz schlug ihr bis zum Hals, aber sie wich keinen Fußbreit zurück. Jehan verschluckte sich beinahe, bevor er eilig auf sie zuging. Warum er nicht sofort Alarm geschlagen hatte, wusste er selbst nicht zu sagen. Niemand hatte bisher etwas bemerkt. Er näherte sich ihr, schien unschlüssig und doch entschlossen. Vier Schritte vor ihr blieb er stehen und bedachte sie mit einem spöttischen Lächeln, das sie wütend werden ließ. "Jehan", flüsterte sie entschlossen. "Kennt ihr mich denn nicht? Ich bin Gwen of Hawkney!" Die Erkenntnis traf den Hartgesottenen Hauptmann wie ein Pfeil und ließ ihn zwei Schritte zurücktaumeln. Schlagartig fiel ihm alles wieder ein. "Gwen!" murmelte er tonlos, während er sie unverwandt anstarrte. Sein heller Blick begann zu zittern. "Gwen...." Das Mädchen, das einst sein Herz gebrochen hatte, als sie einfach ohne ein Wort fortgegangen war aus Gapdale. Ihr Kleid war schmutzig, und sie war in schlechter Verfassung. Er hätte sie wahrlich nicht mehr erkannt. Das Schweigen senkte sich über sie wie schwarzer Samt. Ihre Blicke hielten einander fest, fragten, und gaben Antworten. "Gwen..." wiederholte Jehan leise, und seine Stimme war völlig verändert, weich und liebevoll. Aber Gwen blieb hart. Dies war kein Zeitpunkt für weiche Herzen. Sie musste stark sein. Für die Leute von Wickham. Für Robin. Für alles, woran sie glaubte. Sie warf den Kopf trotzig in den Nacken, ihre Hand umklammerte den Griff des Messers noch fester. "Wie könnt Ihr nur so grausam sein!" stellte sie fest. "Lasst diese armen Menschen in Frieden!" Sie legte alle Verachtung in ihre Stimme, die sie empfand, wenn sie an die Willkür und Grausamkeit der Normannen dachte. Der Hauptmann sah sie noch immer ungläubig an. In seinem Innern tobte ein verzweifelter Kampf. Unschlüssig flüsterte er: "Ihr müsst fort von hier! Es ist gefährlich!" "Wie könnt Ihr glauben, ich ließe diese Menschen im Stich?" fauchte sie enttäuscht. Wie habe ich nur jemals Zuneigung zu diesem Jungen empfinden können? dachte sie bitter. Jehan sah sich nervös um. "Bitte!" murmelte er eindringlich. "Ich könnte es nicht ertragen, wenn Euch etwas zustößt!" Gwen schüttelte den Kopf. Sie hatte Jehan in der Hand, und sie wusste es. "Keinen Schritt gehe ich von hier weg, bevor nicht alle in Sicherheit sind!" entgegnete sie entschlossen. "Das ist doch verrückt!" fuhr er sie nun an, aber dadurch wurde ihr Widerwillen nur noch mehr angefacht. "Verschwindet sofort! Sonst lässt Gisburne Euch aufhängen!" "Und Ihr seid sein Handlanger!" gab Gwen bitter zurück. Jehan senkte kurz verlegen den Blick, dann sah er sie wieder fest an. "Das ist nun mal meine Arbeit! Ich stehe in Nottinghams Diensten. Aber das hat mit Euch doch nichts zu tun. Gwen, bitte. Geht jetzt..." Sie hob drohend das Messer und sah ihn herausfordernd an. "Dann müsst Ihr mich eben umbringen", fauchte sie.

*

Gwen:

Jehan sah sie entsetzt an und Gwen hoffte, er hätte das leise Zittern in ihrer Stimme nicht gehört. ‚Herne, gib mir die Kraft das hier durchzustehen.’ Keiner der beiden rührte sich und Gwen war durch Jehans großen, blauen Umhang vor Blicken geschützt. Sie war dankbar für seine Verwirrung, denn das gab ihr Zeit die nächsten Schritte zu bedenken – und ihre eigenen Gedanken zu sortieren.  Sie spürte das Messer in ihrer rechten Hand und etwas festes, Krümeliges in der zur Faust geballten linken. Ihr wurde übel und sie erinnerte sich an Nebel, der Wickham umgab. Herne hatte sie gerufen und ihr Anweisungen gegeben...Samen...das war es, was sie in ihrer Faust verborgen hielt. ‚Gib dies ins Wasser. Es wird lange dauern – aber sie werden schlafen.’ das waren seine Worte. Als der Nebel sich wieder lichtete stand Jehan vor ihr..  Gwen suchte seine Augen, doch unter dem Helm wirkte sein Gesicht wie das eines Habichts - kalt, gefühllos und unmenschlich. Sie wusste, dass sie hier nicht länger diskutieren konnten. „Jehan Beeches of Beaversbrook“ begann sie darum betont langsam und mit sanfterer Stimme „Ich bitte Euch: helft mir diese Menschen zu retten“ sie blickte auf das Messer in ihrer Hand. „Ich bitte Euch...“ und mit schärfer werdender Stimme fügte sie hinzu „... lasst mich hiervon nicht Gebrauch machen!“ Sie wusste, dass ein Messer gegen einen Soldaten in Kettenhemd nichts ausrichten konnte. Gwens Gedanken begannen zu rasen: Er würde den Stoss kommen sehen und abwehren. Dann würde er sie zu Gisburne schleppen – dazu musste er allerdings an dem Holzfass vorbei, aus dem die Frauen das Wasser schöpften, um es den Soldaten reichen zu können. Dort würde sie sich fallen lassen... oh, natürlich würde sie sich verletzen und am Zuber hochziehen müssen... und der Samen würde sich im Wasser lösen können... `Herne, gib das es gelingt’ flehte sie und starrte Hauptmann Jehan, den Freund glücklicherer Tage, mit finsteren Augen an...

*

Godric:

Merric erwachte aus einer bleiernen Ohnmacht und fand sich auf einer Liege in einem niedrigen kleinen Zimmer wieder. Murmelnde Männerstimmen drangen vom Nebenraum an sein Ohr, durch das Fenster fiel das schummrige Licht der Abenddämmerung. Er richtete sich auf und unterdrückte einen qualvollen Aufschrei. Ein unangenehmer hämmernder Schmerz durchzog sein linkes Bein. Der Bolzen war entfernt worden und die Wunde mit Leinen verbunden. In diesem Moment kam der Bader zurück und erschrak, als er seinen Patienten mühsam aufstehen sah. „Mylord!“, rief er, eilte herbei und stützte den Mann, „Ihr dürft noch nicht aufstehen, Mylord, Ihr müsst Euch schonen!“

Merric verwandte seine ganze Aufmerksamkeit darauf, das schmerzende Bein nicht unnötig zu belasten. „Ich muss nach Wales.“, brachte er hervor, „Wo ist mein Pferd?“ Der grauhaarige Mann begann Blut und Wasser zu schwitzen, immer eingedenk der drohenden Worte des Hauptmanns, der den Verletzten hergebracht hatte. Zwar hatte der einen Soldaten zur Wache zurückgelassen, doch der hatte sich noch während der Behandlung plötzlich davon gemacht, um seinem Vorgesetzten eine Information zu übermitteln. Zurückgekehrt war er nicht. „Mylord, habt noch einige Tage Geduld!“, sprach der Bader eindringlich, „Hauptmann Beaversbrook wird bald zurückkehren. Ihr scheint ihm einen großen Dienst erwiesen zu haben!“ Merric hielt inne. „Ist er der Mann, der mich hergebracht hat?“ Der Bader nickte hastig. „Dann entbietet ihm meinen Dank. Ich werde bei Gelegenheit zurückkommen und ihn belohnen.“ Der Bader wurde immer unruhiger. Wenn er den Mann gehen ließ erwartete ihn die Schandgeige! „Mylord, den weiten Ritt nach Wales übersteht Ihr nicht! Ihr solltet hier bleiben, bis die Wunde verheilt ist!“ Merric schüttelte entschieden den Kopf. Seine Gesichtszüge waren verkrampft, um den Schmerz zu unterdrücken. „Ich habe keine Zeit, Mann, und jetzt geht und bringt mir mein Pferd!“ „Aber Mylord, ich kann nicht-“, er wurde jäh unterbrochen, als der Waliser plötzlich seinen muskulösen Arm um seinen Hals schlang und ihm einen langen Dolch vors Gesicht hielt. „Ich schneide Euch die Nase ab, wenn Ihr nicht pariert, verstanden?“, presste der Mann zwischen den Zähnen hervor. Der Bader starrte entsetzt in das verzerrte Gesicht des Fremden und nickte ängstlich so gut es ihm möglich war. Er war sicher, sein eigenes Todesurteil zu unterschreiben, als er missmutig hinaustrat, um der Aufforderung Folge zu leisten. Verzweifelt sah er sich nach einem Stadtwächter oder einem Soldaten um, doch es war niemand in der Nähe. „Zum Teufel mit denen!“, murmelte der hagere Mann vor sich hin, „Sind wahrscheinlich wieder dabei, Robin Hood zu fangen.“, trotz seiner misslichen Lage konnte er sich ein Lachen nicht verkneifen, „Die machen sich ja lächerlich!“ Als er in das Haus zurückkehrte lehnte Merric an dem stabilen Behandlungstisch, um seine Kräfte zu sammeln. „Euer Pferd steht bereit, Mylord.“, sprach der Bader und bekam eine Gänsehaut, „Aber ich bitte Euch dringend, hier zu bleiben, bis Ihr genesen seid!“ Der Waliser beachtete seine Warnung nicht. Mit eisenharter Miene schritt er zur Tür. „Für Euren Dienst.“, sagte er und drückte dem verblüfften Mann ein paar Münzen in die runzlige Hand. Dann trat er zu seinem Rappen. Er musste das verletzte Bein zum Steigbügel heben und fluchte abscheulich, als er sich in den Sattel hob. Er sandte dem Bader einen kurzen Gruß und trieb dann sein Pferd die Straße hinunter zum Stadttor. Mit der einbrechenden Dämmerung kehrte auch allmählich Ruhe ein in der überlaufenen Stadt. Merric verließ Nottingham und ritt in Richtung Sherwood. Er konnte sich kaum aufrecht im Sattel halten, doch er musste nach Wales, koste es was es wolle. Es war ihm nur recht, als er bald darauf einen gut instand gehaltenen Reiseweg erreichte, der sich im Mondlicht wie ein silbergraues Band durch den Wald schlängelte. In der Dunkelheit und seinem dahindämmernden Zustand entging es dem Waliser, daß er sich nicht westlich hielt wie geplant, sondern ihn die Straße geradewegs nach Oxton führte...  

*

Sue:

Hinter einem Baum kauernd beobachtete Susanna den Trubel im Dorf. So viele Soldaten, nur um ein Mädchen zu verhaften? Irgendetwas in ihr mahnte sie zur Vorsicht. Daher beschloss sie, erst einmal abzuwarten und zu schauen, was noch passieren würde. "Auch das noch", dachte Sue als zu allem Überfluss auch noch Nebel aufkam und das Dorf langsam in einen weißen Schleier hüllte. Da war sie endlich an einem Ort angekommen, wo sie Hilfe hätte finden können, und nun das. Das war nun wirklich nicht fair.

Während dessen waren daheim in Leicester alle Leute in heller Aufregung. Seit mehr als einem Tag war die junge Lady jetzt schon verschwunden. Der Earl schickte sofort, nachdem das Verschwinden seiner Tochter bemerkt wurde, seine Soldaten aus, um nach ihr zu suchen. Bis tief in die Nacht waren sie unterwegs, aber nicht einmal die kleinste Spur von Susanna haben sie finden können. Wo konnte sie nur sein? War der Earl dieses Mal vielleicht doch zu weit gegangen? Erschrecken wollte er seine Tochter doch bloß....."damit sie 'mal den Kopf gebraucht"....."damit sie endlich erwachsen wird". Die Reisevorbereitungen, die Zusammenstellung der Mitgift, die Wache vor ihrer Kemenate - das alles diente doch einzig und allein nur dem Zweck, Susanna klar zu machen, dass sie kein kleines Mädchen mehr war, dass sie langsam 'mal anfangen musste, Verantwortung zu übernehmen. Nie in seinem Leben hätte Lord William auch nur eines seiner 4 Kinder so leichtfertig 'verschachert'. Der Earl of Leicester machte sich größte Sorgen und sein Eheweib, die Mutter seiner Kinder, machte ihm noch viel größere Vorwürfe...

Es war mittlerweile schon viel Zeit vergangen und Susanna kauerte noch immer hinter diesem Baum. Da Geduld nicht gerade zu ihren Stärken zählte, beschloss sie, sich weiter an das Dorf heranzuwagen. Es war nun vollkommen von Nebel umschlossen und Sue wurde zusehends unruhiger. Gerade wollte sie sich aus ihrer Deckung wagen, als sie Laub rascheln und Äste knacken hörte: jemand kam schnellen Schrittes auf sie zu. Sie presste sich dichter an den Baum und nur wenige Schritte von ihr entfernt rannte ein junges Mädchen tiefer in den Wald hinein. Susanna stutze: "War das nicht die Kleine, die gerade noch an einem Baum gefesselt dastand?" Was war geschehen? Wie konnte das Mädchen so plötzlich entkommen, wo sie doch von so vielen Soldaten - es mochten ungefähr 30 gewesen sein - bewacht wurde?  Gerade als Susanna von ihrer Neugierde übermannt wurde und sich aufmachte, der Sache auf den Grund zu gehen, packte sie von hinten eine kräftige Hand an der Schulter; eine andere Hand hielt ihr den Mund zu........

*

Jehan:

"Was ist das für ein Nebel?" brüllte Gisburne. Unwirklich, weiß und undurchdringlich zog sich plötzlich der Nebel zwischen den armseligen Lehmhütten hindurch. Er sah sich nach seinem Hauptmann um, sah ihn dort stehen und mit dem Mädchen reden. Aber es war nicht das junge Ding, das sie als Köder benutzen wollten. Misstrauisch kam er näher. "Jehan!" rief er ungeduldig. "Wo ist die Geisel?" Jehan packte Gwens Handgelenk, und entwand ihr mit einer einzigen kurzen Bewegung das Messer. "Diese Frau hat sie befreit", entgegnete er ohne besondere Freude, während er Gwen mit sich zerrte in Gisburnes Richtung. Neben dem Wasserfass stolperte sie, fiel zu Boden und stützte sich an dem Fass ab. Gisburnes Miene verfinsterte sich noch mehr angesichts einer so ungeschickten Untertanin. "Eine ist so gut wie die andere. Hängen wir eben diese auf!" grollte er. "Nein!" rief Jehan unwillkürlich, was Gisburne veranlasste, ihm einen tödlichen Blick zu zuwerfen, und auch Gwen noch genauer zu mustern. "Nein?" wiederholte Guy. "Warum denn nicht....Moment mal. Das ist doch diese Gesetzlose, die wir gefangen hatten, auf unserem Ritt nach Huntingdon.... was soll das bedeuten, Hauptmann?" Eine berechtigte Frage, die nach einer Antwort verlangte. Jehan wusste nicht mehr ein noch aus. Er konnte sich nicht entscheiden. Und doch musste er genau dies tun. Und zwar sofort. Er atmete schwer. Wagte nicht, Gisburne anzusehen, und auch nicht Gwen, die nun neben ihm stand. Gut und Böse führten einen erbitterten Kampf um seine Seele. Aber noch bevor er etwas tun oder sagen konnte, kam ein Soldat angerannt, durch den immer dichter werdenden seltsamen Nebel, und rief: "Mylord Gisburne, dort drüben tut sich etwas! Ich habe drüben am Waldrand jemanden gesehen, kurz bevor dieser Nebel so dicht wurde!" "Robin Hood!" zischte Gisburne. Dann kamen seine Befehle kurz und präzise: "Fessle diese Frau! Lass sie nicht entkommen. Die Männer sollen sich verteilen! Legt Eure Bolzen ein!" Und dann sagte er leiser, mehr zu sich selbst: "Jetzt hab ich dich, Robin!" Und am besten gefiel ihm an dieser Falle, dass er lediglich hier zu warten brauchte, bis die Gesetzlosen aus dem Nebel auftauchten. Siegesgewiss setzten sie sich und prosteten sich zu, ob dem sicheren Tod Robin Hoods und seiner Männer. Während Jehan Gwen zur Seite brachte und ihr die Fesseln so lose anlegte, dass sie nach ein paar Augenblicken frei sein würde... Dann ließ er sie allein.

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Robin:

Müde und von Schmerzen gepeinigt lehnte sich Robin zurück und schloss die Augen. Als er plötzlich die sanfte, aber eindringliche Stimme Herne´s hörte. "Die dunklen Mächte haben ihre Hände ausgestreckt....eile mein Sohn...." "Aber, ich..." murmelte Robin. Doch im selben Moment spürte er eine Hand an seinem verletzten Arm. Ein kurzer, scharfer Schmerz ließ ihn zusammenzucken, doch schon bald darauf machte sich eine angenehme Wärme in ihm breit, benebelte kurzzeitig seine Sinne. Wie durch einen Strudel glitt er wieder an die Oberfläche und riss mit einem Keuchen die Augen auf. Herne war nicht zu sehen, doch seine Worte schwangen noch in seinem Kopf nach. "Die dunklen Mächte...eile....Wickham...." Ohne nachzudenken sprang er so schnell und heftig auf, dass die anderen erschrocken zu ihm rüberschauten. "Robin, du musst..." schrie Much. Doch im selber Moment bemerkte Robin, dass die Schmerzen und die Wunde verschwunden waren. "Herne beschützt uns!" sagte er nur lächelnd zu dem etwas verstört wirkenden Much. "Wir müssen sofort aufbrechen." redete er sofort an alle gewandt weiter. "Irgendetwas stimmt nicht.....wir gehen nach Wickham." "Aber John und Will....?" warf Tuck ein. "Wir werden sie unterwegs einsammeln. Schnell jetzt - wir haben keine Zeit."

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Gwen:

Gwen glaubte zu träumen, als sie Gisburne den Befehl geben hörte sie zu hängen und ein überhastetes „Nein“ von dem Mann vernahm, den sie gerade noch mit ihrem Messer bedroht hatte... Sie spürte Jehans harten Griff an ihrem Oberarm und verzog das Gesicht vor Schmerz als er sie mit schnellen Schritten zu einer Umzäunung brachte und sie dort, gut sichtbar für die Geächteten, festband. Er hatte sie mit keinem Wort bedacht und auch keines Blickes gewürdigt. Gwen sah dem davon eilenden Hauptmann ungläubig nach. Es würde sie nur wenig Mühe kosten diese Fesseln zu lösen und so wunderte sie sich, ob es Nervosität vor dem bevorstehenden Kampf war oder Absicht, die ihn diesen Fehler machen ließ. Sie flüsterte Dankesworte an Herne, dafür dass es ihr möglich war, die Samen in das Wasser zu geben. Mit Genugtuung beobachtete sie, wie die Soldaten sich zutranken und selbst Gisburne schon zu feiern schien – nur der, scheinbar, schlecht gelaunte Hauptmann, der missmutig über den Dorfplatz zu seinen Waffen lief, schlug der Frau mit einer heftigen Bewegung den Becher, den sie ihm reichte, aus der Hand. Jetzt hieß es zu warten, bis Herne´s Mittel Wirkung zeigen würde...

Will hatte die Frau gepackt und drehte sie unwirsch herum „Was lungerst du hier so herum, los, sag schon!“ raunte Will sie an, während John das Treiben im Dorf beobachtete. Susanna starrte auf den Mann der vor ihr stand. ‚Geächtete!’ durchfuhr es sie mit Schrecken. „Ein Mädchen...gefesselt...dann lief sie hier an mir vorüber und dann war da diese andere Frau, mit einem Messer..die da..an der Umzäunung...“ sie hasste sich für ihre Stammelei, doch die beiden sahen so schrecklich furchteinflössend aus. „Will, komm her! Das da ist doch Gwen!“ rief John plötzlich aus und deutete ins Dorf hinunter. Die beiden schienen die verängstigte Susanna sogleich vergessen zu haben. „Verdammt, das hier ist doch nicht Hazlewood“ fluchte Will „Ihr Mistkerle, dafür werdet ihr bezahlen!“ dabei riss er sein Schwert aus der Scheide und rannte brüllend ins Dorf. Er sah weder Robin auf sich zu rennen noch hörte er seine Aufforderung stehen zu bleiben. Will war rasend vor Wut. Gwen konnte die Bewegung am Waldesrand sehen. Wer auch immer es war – er kam zu früh! Gisburne entdeckte ihn als erstes. Er sprang auf, griff nach seinem Schwert und wollte seinen Leuten Befehle zu rufen, aber er brachte keinen Laut heraus... alles drehte sich um ihn herum und das schwere Schwert riss ihn um. Jehan sah mit Entsetzen, wie die Soldaten sich verzweifelt bemühten Schwerter zu heben oder Armbrüste anzulegen. Einige verdrehten die Augen, manche gingen ein paar Schritte, wieder andere schienen einfach an ihren Plätzen eingenickt zu sein... ‚Was ist hier los?’ fragte er sich und erwartete mit grimmigem Gesicht und mit gezückter Klinge den herstürmenden Will. Als Gwen sah, dass das Mittel endlich Wirkung zeigte und in dem Herannahenden Will erkannte löste sie behände ihr Fesseln und lief ihm entgegen...

*

Robin:

Blitzschnell nahm Robin die Situation in sich auf. Sie hatten sich beeilt, waren so schnell gelaufen, wie es nur möglich war. Aber er war zu spät gekommen, um Will davon abzuhalten, wie ein wild gewordener, blind vor Wut, einfach loszustürmen - ungeachtet der Übermacht von Gisburnes Soldaten. 'Dieser verdammte Narr.' dachte er im Stillen, während er sein Schwert zog und hinterher rannte. Noch im Laufen bemerkte er mit Erstaunen, das keiner der Soldaten einen wirklichen Angriff auf sie startete. Wie Betrunkene versuchten sie ihre Schwerter zu ziehen, doch auch wenn es dem einen oder anderen gelang, so konnte er es kaum halten, geschweige denn auch nur einen Hieb gegen einen von Ihnen führen. Robin lief langsamer und sah sich grübelnd um. "Was ist hier los?" "Ich habe sie für kurze Zeit betäuben können. Wir müssen uns beeilen, Robin." hörte er die vertraute Stimme von Gwen hinter sich. Blitzschnell drehte er sich herum und fasste sie an den Schultern. "Was, in Gottes Namen, hast du hier zu suchen? Du solltest nach Hazlewood gehen und nicht hier die Heldin spielen. Bis du wahnsinnig geworden. Sie hätten dich töten können." schrie er sie aufgebracht an, lies sie aber im nächsten Moment, als er ihren verstörten Blick sah, wieder los und sah betreten zu Boden. "Entschuldige," murmelte er "...was ist hier passiert? Was will Gisburne?"  Gwen lächelte nachsichtig, da sie Robins aufbrausende Art sehr wohl kannte, und sie noch dazu wusste, dass er nur Angst um sie so geschrien hatte. In kurzen, präzisen Sätzen erzählte sie, was hier vorgegangen war, während Robin stumm den anderen die Order gegeben hatte, alle Soldaten zu fesseln. Das Wortgefecht mit Sir Jehan behielt sie vorerst für sich. Sie wollte sich erst selber im Klaren sein und ihre eigenen Gedanken ordnen. Nein - sie konnte es immer noch nicht glauben....und zum hunderttausendsten mal, sah sie diese weichen, liebevoll schauenden Augen vor sich, die aus einer längst vergangenen Zeit zu sein schienen.

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Sue:

"Willst du dich umbringen?", zischte eine Männerstimme Susanna ins Ohr. "Wenn du da jetzt hingehst, bist du es, die gleich am Halse baumelt!" Sue zuckte vor Schreck zusammen und wurde kreidebleich - sie hatte die Schritte hinter sich nicht bemerkt. "Jetzt tu' uns allen einen großen Gefallen und fang' bloß nicht an zu schreien........" Die Hand, die ihr den Mund zuhielt, lockerte sich, und sie wurde unsanft herumgewirbelt. Wenigstens konnte sie jetzt sehen, wer ihr diesen Schrecken eingejagt hatte. Ihr Blick fiel auf zwei finster drein blickende Männergestalten, die keinen Protest zuließen. "Das sind doch hoffentlich keine Wegelagerer....." durchfuhr es Sue. Die beiden Männer schauten einander an. Es gab keinen Zweifel, das musste die junge Lady sein, die zu suchen Robin ihnen aufgetragen hatte. Sie trug zwar in ein einfaches Gewand aber ihre ganze Haltung und ihre Art sich zu bewegen passten nicht zu einem einfachen Bauernmädchen. "Meine Güte, wie kann man bloß so blöde sein?", fuhr einer der beiden Männer in einem nicht weniger strengen Ton fort. "Das sind Gisburnes Männer, da spaziert man nicht einfach so hin; das ist gefährlich, Mädchen. Wer bist du überhaupt und was machst du hier? Eines ist sicher, aus Wickham bist du nicht!" Immer noch ganz durcheinander von dieser Überrumpelung stammelte die junge Lady: "Ich bin Su.....Su.....Susanna. Ich......“ Das können wir auch später noch klären, Will", raunte der andere Mann, ein wahrer Hüne von Gestalt. "Du hast Recht, John, das ist jetzt alles nicht wichtig. Die Bewohner von Wickham brauchen unsere Hilfe", entgegnete der Kleinere der Beiden. "Ein Mädchen. ..gefesselt.....dann lief sie hier an mir vorüber und dann war da diese andere Frau, mit einem Messer.....die da.....an der Umzäunung....." fuhr Susanna dennoch fort. Der Nebel lichtete langsam wieder und der Riese, der zuvor mit "John" angesprochen wurde stutzte. Er schien die Frau zu erkennen. Jedenfalls rief er seinen Kumpanen etwas zu, das wie "Das da ist doch Gwen!" klang. Will schaute auf und rannte schäumend vor Wut mit gezogenem Schwert Richtung Wickham. "Also gut, Su-Su-Susanna", sagte John etwas versöhnlicher, "du nimmst jetzt diesen Trampelpfad", und zeigte dabei Richtung westen. "Er wird dich tiefer in den Wald hinein führen. Such' dir irgendwo ein Versteck, damit wir hier in Ruhe unsere Arbeit machen können. Aber versuche, nicht zu weit von dem Weg abzukommen sonst finden wir dich gleich nicht wieder. Das würde Robin gar nicht gefallen....." Das Letzte, was die beiden Männer jetzt gebrauchen konnten, war die verzogene Tochter irgendeines Edelmannes, die ihnen auch noch das Leben schwer machte. Susanna blieb stehen und sah zu, wie der Riese seinem Freund hinterher nach Wickham eilte.....

*

Jehan:

Jehan of Beaversbrook war erstarrt, als er gesehen hatte, wie die Soldaten umfielen, ohne auch nur einen Schwertstreich gegen die Gesetzlosen führen zu können. Das nächste, was er dann sah, war, wie Gwen mit diesem Robin Hood sprach, und wie sie dann erleichtert den anderen, kleineren Kerl umarmte, der zuerst auf das Dorf zugestürmt war. Will Scarlet, der ihm vor nicht allzu langer Zeit beinahe die Kehle aufgeschlitzt hätte, wäre da nicht Robin Hood gewesen. Will Scarlet! ....und seine Gwen? Will und Gwen! Wie konnte sie nur mit so einem verkommenen, widerlichen Kerl...nunja. Jehan sah rot. Rasend vor Eifersucht, auch wenn diese wohl vergeblich war, stürmte er plötzlich auf Scarlet los. Liebe macht blind für alle Gefahren. Sie ruinierte schon manches Mannes Leben. Es war dem Hauptmann einerlei, dass er sich alleine gegen die ganze Bande stellte. An Mut hatte es ihm ohnehin noch nie gefehlt, er scheute niemals einen offenen Kampf mit dem Schwert. Und in diesem Moment sah er nur Gwen, wie sie diesen Burschen umarmte. Will erkannte die Gefahr, stieß Gwen zur Seite und hob das Schwert an, das er noch in der Hand hielt. "Vorsicht, er wird mit der linken Hand kämpfen", rief Gwen im noch leise zu, da war Jehan auch schon heran und hieb einen zornigen Schwertstreich auf seinen Nebenbuhler nieder. Will war nicht weniger zornig. Er brauchte keinen extra Grund, um Gisburne und seine Leute zu hassen. Robin und die anderen sahen entsetzt dem wilden Kampf zu, der Schlag um Schlag heftiger wurde. Die Gegner waren sich ebenbürtig, und sie würden sich bis zum bitteren Ende bekämpfen. Jehan hatte sein Schwert in die linke Hand genommen, die seine geschicktere war, und mit dem Kampfnerv eines Höhlenbewohners rannte er gegen Will an. Da traf ihn der Hieb. Will hatte sich zur Seite geworfen und das Schwert herumgerissen. Selbst das Kettenhemd konnte den Hauptmann nicht schützen. Er spürte wie der Schmerz sengend durch seine linke Schulter fuhr. Das Schwert entfiel seiner plötzlich kraftlos gewordenen Hand und fiel dumpf auf dem Boden. Er wollte noch nicht begreifen, dass es vorbei war. Er sah an sich herab, sah, wie der blaue Wappenrock sich auf der linken Schulter dunkelrot färbte. Aber er war nicht tot, stand noch immer dort und starrte auf Will, auf die Outlaws, die in einem Halbkreis um sie herum standen. Die Zeit schien eingefroren zu sein. Und in genau diesem Moment wurden ihm die Sinnlosigkeit und die Nutzlosigkeit seines Angriffes bewusst. Jehan ballte die Hände, und da ihm dies gelang, realisierte er, dass die Verwundung nicht schlimm sein konnte. Ein tiefer Atemzug entrang sich seiner angestrengten Lunge. Er konnte nur noch warten, bis sie ihm vollends den Garaus machten.

*

Gwen:

Die beiden Männer starrten sich mit vor Wut zu Grimassen verzogenen Gesichtern an. Beide atmeten schwer. Der Hauptmann blickte, obwohl unbewaffnet und wehrlos, zwar erschöpft aber noch immer stolz auf Will, als dieser zum endgültigen Schlag ausholte. Er sah das erhobene Schwert und schloss die Augen um den tödlichen Hieb zu erwarten. „Will! NEIN!“ hörte er wie aus der Ferne Gwen entsetzt aufschreien. Als er die Augen öffnete sah er sie, wie sie sich, als wollte sie ihn schützen, zwischen die beiden Kämpfer geworfen hatten; ihre Hand auf Wills Schwertführenden Arm. Und er sah Wills böse funkelnde Augen. „Will, bitte nicht.“ Gwens liebevolle Stimme zu hören war für Jehan fast schmerzhafter als der Schwertstreich, der seine Schulter verletzte. „Warum nicht? Verdammt, ich hätte ihn damals schon töten sollen!“ gab er wutentbrannt zurück „dieser normannische Mistkerl...“ – „Er ist es nicht wert Will, sieh ihn dir an: er hat genug!“ versuchte Gwen den immer noch vor Wut schnaubenden Will zu beruhigen. ‚...nicht wert‘ klang es in Jehan´s Kopf nach; er stand einfach nur fassungslos da. Er spürte das Blut aus seiner Wunde laufen, ihm wurde schwindelig. ‚Nicht das noch!‘ konnte er gerade noch denken, bevor seine Beine nachgaben und ihn eine behagliche Ruhe umgab.

Gwen spürte hinter sich, wie der Hauptmann fiel und drehte sich voll Sorge zu ihm um. „Dann soll er eben ausbluten“ grummelte Will, drehte sich um und stapfte davon. Suchend blickte Gwen sich um. Die Gefährten hatten die kampfunfähigen Soldaten gefesselt und in die Hütten geschleppt, Wickhams Bewohner haben ihre paar wertvollen Habseligkeiten zusammen gesucht und waren zum Teil schon auf den Weg in Nachbardörfer um bei Freunden unterzukommen. Jeder wusste, das Wickham nach dem missglückten Versuch Robin Hood zu fassen ein gefährlicher Ort zum leben sein würde. „John...John!“ rief sie, als sie den großen Mann endlich entdeckt hatte. „Gwen... was ist?“ – „Bitte hilf mir John! Wir können ihn doch nicht liegen lassen“ – „Er soll in unser Lager?“ John konnte nicht glauben was er gerade hörte. „John, wir dürfen ihn hier nicht sterben lassen! Dann hilf mir wenigstens ihn irgendwo hin zu bringen, wo ich die Wunde versorgen kann!“ John nickte kurz. „Das wird Will aber gar nicht gefallen“ murmelte er in seinen Bart „Robin soll das entscheiden.“

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Robin:

Robin hatte von weitem die Szenerie beobachtet und lief langsam auf John und Gwen zu. "Was soll ich entscheiden?" fragte er, als er bei ihnen ankam und sah die beiden abwechselnd an. "Wir können ihn doch nicht einfach hier verbluten lassen, Robin." warf Gwen sofort ein und sah ihn bittend an. "Gwen, was ist los mit dir?" ungläubig starrte Robin sie an. "Was ist in dich gefahren? Das ist ein Normanne....einer unserer Feinde. Glaubst du, sie würden nur einen von uns am Leben lassen? Schau dich um! Sie wollten diese Dorfbewohner ohne einen Funken von Mitleid töten, nur um unser habhaft zu werden. Und du sorgst dich um das Leben von einem dieser Mistkerle?" "Robin, ich....du verstehst das nicht." stammelte Gwen, wurde aber sofort wieder von Robin unterbrochen. "Ja, Gwen, ich verstehe das nicht." Durchdringend sah er sie an, bevor er seinen Blick zum Hauptmann wandern lies. "Verbinde die Wunde, so dass er nicht verblutet." sagte er dann leise. "Der Sheriff wird bald Gisburne und seine Leute vermissen und einen Trupp nachschicken. Dann wirst du deinen Weg nach Hazlewood fortsetzen. Wir gehen zurück!" wandte er sich an John und lies Gwen ohne ein weiteres Wort stehen. Nein - er konnte sie nicht verstehen...und vielleicht wollte er das auch nicht. Er hasste diese Bestien.... diesen Sheriff und seine Soldaten. Kaltblütig hatten sie damals, vor vielen Jahren, seinen Vater getötet. Erst vor kurzem seinen Ziehvater...und jetzt soll er Erbarmen für einen von ihnen empfinden???....Robin atmete einmal tief durch. Sie hatten jetzt wirklich besseres zu tun. Er sah sich suchend nach Will um, der mit wütendem Blick, obdem was Gwen tat, an einer Hütte gelehnt stand und mit seinem Schwert spielte. Robin wollte jetzt lieber nicht wissen, was in ihm vorging. Es ist besser, wenn wir erstmal so schnell wie möglich von hier verschwinden, dachte er und gab den anderen einen entsprechenden Wink. Aus dem Augenwinkel konnte er sehen, das Will zwar widerwillig seinen Platz verließ, stellte aber mit Erstaunen fest, das er dies ohne Widerworte tat und den anderen in den Wald folgte. Als er an Gisburne vorbeikam, den sie mit den Füßen nach oben an seiner eigenen Schlinge, die für die Dorfbewohner gedacht war, gehängt hatten, musste er doch lächeln. Dafür, und für die Prügel die er vom Sheriff bekommt, wird er uns wohl noch mehr hassen. dachte er - nicht ohne eine gewisse Schadenfreude.                                                                

*

Gwen:

Als letzter verschwand Nasir im Wald. Gwen schaute den Freunden traurig nach. Keiner hatte Robins Worten etwas hinzugefügt, selbst Will blickte sie nur kurz an und schüttelte langsam den Kopf. Sie versuchte gegen das aufkommende Gefühl von Einsamkeit anzukommen und wandte sich dem Gebüsch zu, wo sie ihre Sachen versteckt hielt. Schon wieder musste eine Wunde versorgt werden. Zurück beim bewusstlosen Hauptmann begann sie vorsichtig den Umhang abzunehmen. Sie hoffte er würde nicht vom Schmerz, den ihm das Entfernen des Kettenhemdes bereiten würde, aufwachen. „Ich hasse, was Männer mit Schwertern einander antun können“ flüsterte sie und dachte an ihren Vater der ihr durch de Bellemes Schwert genommen wurde. Es wurde ihr schwer ums Herz, als sie die Narben auf Jehans Oberkörper betrachtete. „Was ist das für eine Welt, in der wir gezwungen sind zu leben...“. Sie reinigte die Wunde, versorgte sie mit Kräutern und verband sie so gut es ihr möglich war, dann setzte sie sich neben ihn um sein Gesicht zu betrachten. Für einen Augenblick glaubte sie, er würde erwachen, aber seine Augen blieben geschlossen. Sie kühlte noch einmal seine Stirn, wickelte ein paar der Kräuter in einen Stofffetzen ihres Kleides. Das kleine Päckchen legte sie in seine rechte Hand. „Jehan Beeches of Beaversbrook, möget Ihr einen besseren Frieden finden als den, den ich suche. Ich werde Vater sagen das er sich nicht in Eurer Familie oder Euch irrte...“ Sie schloss seine Finger um das Päckchen und stand auf, um ihren Weg nach Hawkney fortzusetzen. „Gwyneth, du verlangst zu viel von mir!“ sage sie leise und berührte das Beutelchen, das sie immer noch bei sich trug. Während sie ging hoffte sie, dass Ruth ihre Nachricht an Robin weitergegeben hatte...

*

Sue:

Wie vom Donner gerührt stand Susanna noch immer am Waldesrand. Von dem Ort, wo Will und John sie gerade noch haben stehen lassen, konnte sich das ganze Szenario, das sich in Wickham abspielte ganz genau beobachten. Sie dachte zurück an die Schelte, die sie vor kurzem noch über sich hatte ergehen lassen müssen. Noch nie in ihrem ganzen Leben hat sich jemand gewagt, so unverfroren mit ihr zu reden - von ihrem Vater, dem Earl of Leicester, mal abgesehen. Nachdem sie ihre Fassung wieder errungen hatte, beschloss Sue ebenfalls nach Wickham zu gehen; von den Soldaten schien ja nun keine Gefahr mehr auszugehen. Als sie näher kam - bemüht, nicht bemerkt zu werden, erkannte sie auch schließlich, wer da kopfüber in seiner eigenen Schlinge baumelte: Guy of Gisburne! Dieser Anblick entbehrte nicht einer gewissen Komik, und Susanna lachte aus vollem Herzen los. Sie kannte diesen Gisburne von diversen Besuchen, die ihn gemeinsam mit dem Sheriff von Nottingham ins Schloss ihres Vaters führten. Sympathisch waren ihr die beiden jedoch nie. Nottingham und Leicester lagen nicht allzu weit von einander entfernt, was sie mehr oder weniger zu Nachbarn machte, und irgendwie musste man mit diesen ungeliebten Anrainern klar kommen. Ihr Vater bezeichnete sie insgeheim stets verächtlich als "normannische Emporkömmlinge". Lord William war jedoch besonnen genug, sich seine Verachtung den Normannen gegenüber nicht anmerken zu lassen. Zu viele der alten einflussreichen angelsächsischen Lords haben im Laufe der Zeit schon Hab und Gut oder gar ihr Leben verloren, weil sie den König gegen sich aufbrachten und wurden dann durch solche Personen wie de Rainault ersetzt. Noch immer amüsiert, erreichte Susanna schließlich das Dorf. Etwas hielt sie jedoch davon ab, sich zu den anderen zu gesellen, die um einen am Boden liegenden Körper (der Kleidung nach wohl ein Hauptmann der Soldaten) herumstanden und in eine Diskussion vertieft zu sein schienen. Sie fühlte sich nicht wohl bei dem Gedanken, dieses offensichtliche Team zu stören, daher hielt sie sich weit im Hintergrund. Sie konnte nur Teile dessen verstehen, was dort gesprochen wurde - nur einen Namen hörte sie ganz deutlich: "Robin". War das etwa Robin Hood, über den in ganz England gesprochen wurde? Dann handelte es sich bei den zwei Männern, die sie zuvor so erschreckt hatten, also doch um Outlaws..... Die junge Lady griff nach ihrem Beutel mit den Münzen. Wenn sie jemals in Schottland ankommen wollte, durfte sie sich ihr Geld nicht stehlen lassen. So wartete sie, bis die Geächteten zurück in den Wald kehrten.  Resigniert wandte sich Susanna wieder dem Fluss zu. Wenn die schlafende Meute hier also die Soldaten des Sheriffs waren, konnte Nottingham nicht mehr weit sein. Wenn sie weiterhin dem Flusslauf folgte, würde sie es hoffentlich bald finden. Mit neuer Hoffnung setzte sie ihren Weg fort.....

*

Godric:

Mit einem unergründlichen Schrecken kehrte Godric aus den Fernen seines benebelten Schlafes in die Wirklichkeit zurück. Er fand sich auf einem Strohsack im Hinterzimmer des Gasthauses wieder. Die angenehme Umnachtung, in die er sich hatte fallen lassen, war geschwunden, und einer herzlosen konfusen Deutlichkeit gewichen, die sofort die Erinnerung an die jüngst vergangenen Ereignisse wach rief. Kaum war das Verdrängte wieder aufgetaucht wandte Godric missmutig den Blick vom Fenster, das bereits den blaugrauen Morgenhimmel zeigte. ›Was kann der Tag schon bringen‹, dachte er, ›Einer wie der andere.‹ Es lag ihm nahe, sich einfach wieder hinzulegen und weiterzuschlafen, bis man ihn hinausprügeln würde, doch die Wahrheit quälte ihn und ließ ihn nicht mehr zur Ruhe kommen.

Er erhob sich von seinem Lager und gewahrte in einer anderen Ecke seinen Untergebenen Ivo, der ihm den Rücken zuwandte und noch fest schlief. Er ging an ihm vorbei und trat durch die morsche Tür in den Schankraum. Der Wirt war bereits auf den Beinen. Seinen freundlichen Gruß erwiderte Godric mit einem unverständlichen Grummeln. Von dem vielen Wein ohne eine warme Mahlzeit hatte er ein flaues Gefühl im Magen, doch er sagte nichts. Er legte die Arme auf den Schanktisch wie am vorigen Abend, nur daß Maytwist ihm diesmal keinen Weinbecher dazwischen stellte, sondern eine Schüssel mit Brot und Ziegenkäse. „Ihr müsst Euch stärken, Mylord!“, sagte er väterlich. „Mylord!“, wiederholte Godric verächtlich, „Mylord von was, hm?“ „Nun-“, hob Maytwist an, „Ihr habt doch sicher Verwandte in der Gegend, bei denen Ihr Einlas findet.“ „Verwandte?“, Godric sah ihn Elanlos an. Fürwahr, die hatte er. Sein hochgeschätzter Schwager, Merric up Ruthin, der seinen Einfluss frühzeitig im Land der Normannen geltend gemacht hatte, besaß ein ausgedehntes Landgut in Lowdham, unweit östlich der Stadt Nottingham. Er verweilte jedoch dort nur selten, und auch Godric selbst konnte sich kaum an den letzten Besuch erinnern. Es musste kurz nach der Hochzeit seiner Schwester gewesen sein, als Merric seine Braut nach Wales gebracht hatte. Kopfschüttelnd gedachte er dieser fröhlichen Zeiten. Nun wurde das Anwesen von einem gediegenen alten Normannen verwaltet; Godric erinnerte sich dunkel an den verlässlichen Mann. „Vielleicht habt Ihr Recht.“, sprach er zu Maytwist. Immerhin war Merric längst auf dem Weg nach Wales und es bestand keinerlei Gefahr, unverhofft mit ihm zusammenzustoßen. „Einen Versuch ist es allemal wert.“ „Das seht Ihrs!“ Der Wirt schlug aufmunternd mit der Hand auf den Tisch. Inzwischen war Ivo schlaftrunken aus dem Nebenraum aufgetaucht. Er bemerkte, daß er sich offenbar vergeblich den Kopf zermartert hatte, wie das Wohlergehen seines Herrn zu retten sei, denn der saß am Schanktisch und ließ sich nach dem Fass Wein nun auch noch ein Frühstück ausgeben. Als Godric den Jüngling bemerkte sagte er: „Hol die Pferde, Ivo, es geht weiter!“ Der Junge stutzte. „Wohin reiten wir, Mylord?“ „Das wirst du sehen wenn wir dort sind!“ Vor den Kopf gestoßen machte Ivo sich auf den Weg, verstimmt ob der Nichtbeachtung seiner Treue gegenüber dem entehrten Herrn, und schwor sich reuevoll, es ihm bei Gelegenheit heimzuzahlen. Wenig später waren sie bereit zum Aufbruch. Mit kurzen Worten dankte Godric dem Wirt für seine Mühe und sein Nachsehen. Eben wollte er in den Sattel steigen, als er nicht weit entfernt von Süden her einen Reiter näher kommen sah. Er blieb stockend stehen und kniff die Augen zusammen. Das Pferd war schwarz, ebenso wie der Mantel des Reiters, doch dessen Gewand hatte eine schillernde Ockerfarbe... Entgeistert starrte Godric dieser unwillkommenen Erscheinung entgegen, als der Reiter plötzlich vornüber zusammensackte und beinahe aus dem Sattel rutschte. Das Pferd hatte sie fast erreicht, und Godric trat näher, gerade rechtzeitig, um den Sturz seines Schwagers aufzufangen. „Merric! Was um Himmels Willen-“, fuhr es ihm heraus, doch das schmerzhafte Aufstöhnen des Walisers unterbrach ihn. Voller Entsetzen griff ihm der Wirt unter die Arme und so schleppten sie den kräftigen Mann hinein ins Gasthaus und platzierten ihn auf zwei breiten Sitzbänken. Merric war bleich wie ein Leichentuch. Der Verband um seinen linken Oberschenkel war blutdurchtränkt. „Godric...“, flüsterte er heiser, „Gut, daß Ihr hier seid... Bringt mich nach Lowdham!“ Das war alles, was er sagen konnte. Er verdrehte die Augen und sank bleischwer zur Seite. Maytwist eilte sich, die Strohballen zu holen, um dem Verletzten ein bequemeres Lager zu bereiten. Unterdessen trat Ivo dicht neben seinen Herrn und bemerkte leise: „Mylord, ist es nicht so, wenn Euer Schwager stirbt, daß dann all sein Besitz an seine Frau übergeht, Eure Schwester, also quasi an Euch selbst?“

*

Gwen:

Gwen lief, bis ihre Beine sie nicht mehr tragen konnten. Das letzte Brot war längst gegessen und hungrig fiel sie in einen traumlosen Schlaf. Die Sonne kitzelte sie am nächsten Morgen wach. Ein neuer Tag und nur noch ein kurzes Wegstück bis Nottingham lagen vor ihr. Wie weit lagen das Treffen mit Gwyneth, Robins Verletzung und die Ereignisse von Wickham jetzt zurück? Zu viel ist in den letzten Tagen geschehen und Gwen konnte sich nicht mehr erinnern, wann sie das letzte Mal etwas anderes als trockenes Brot zu sich genommen hatte. Es blieb ihr keine Wahl. Sie musste nach Nottingham. Sie hoffte dass Martin, der Töpfer und seine Frau ihr für zwei oder drei Nächte Unterschlupf gewähren würden. Die beiden waren immer freundlich zu ihr, als sie noch in Nottingham Castle lebte. Bei dem Gedanken an das Schloss wurde ihr schlecht. Gwen ging an den kleinen Bach um sich frisch zu machen. Mit Entsetzen sah sie ihr Spiegelbild im Wasser: eingefallene Wangen, zerzaustes Haar, tiefliegende Augen... das Kleid dreckig und zerschlissen, vom Umhang kaum noch etwas zu erkennen.. „Wahrlich, eine Schönheit bin ich nicht...fehlt nur noch der Bettelstab....“

Bei diesem Gedanken huschte ein trauriges Lächeln über ihr Gesicht. „Genau richtig, um nach Nottingham zu gehen. Eine Bettlerin mehr wird sicherlich von niemandem bemerkt – erst recht nicht vom Sheriff oder seinen Soldaten“ Auf einen alten Ast gestützt begab sie sich in die verhasste Stadt. Die Stadtwachen ließen sie ungehindert passieren „..noch so eine...“ hörte sie einen der Soldaten sagen. Gwen atmete auf. Jetzt galt es nur noch, das Haus des Töpfers auf der anderen Seite der Stadt zu finden. Gwen befand sich mitten auf der Hauptstraße Nottinghams als sie hinter sich verängstigte Aufschreie vernahm. Kurz darauf folgte ein lautes Brüllen: „Aus dem Weg nichtsnutziges Pack! Platz für die Soldaten des Sheriffs!“ Beim Klang dieser Stimme sprang Gwen zur Seite und drehte sich ruckartig um. ... Nur um dann in die harten und vor Wut versteinerten Gesichter von Gisburne und seinem Hauptmann zu blicken. Gisburne schien sie, vor Wut kochend nicht zu bemerken, doch als sie spürte, wie Jehans kalte Augen sie fixierten erstarrte sie... 'Nach Nottingham zu gehen war die größte Dummheit, die ich je beging' dachte sie bei sich.

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Godric:

Ivos Worte schlugen Godric wie Flammen ins Gesicht; er brauchte einen Moment, bis er ihren hintergründigen Sinn verstand und seine Miene verfinsterte sich. „Törichter Lümmel!“, zischte er, „Willst wohl, daß ich nachhelfe und der König mir doch noch den Kopf abschlägt, was? Merric ist zäh, der stirbt nicht.“, er warf einen abschätzenden Blick auf den ohnmächtigen Schwager. Jedoch musste er zugeben, daß Ivos Bemerkung ihn reizte, und in seinem nunmehr nüchternen Schädel begann sich etwas zu regen, unwillkürlich suchte er eine Möglichkeit, seinen geplanten Besuch in Lowdham mit dem unverhofften Auftauchen seines hilflos dahinsiechenden Anverwandten zu verbinden. Er betrachtete dabei den Verletzten, der inzwischen reglos und schlaff in Stroh gebettet war, als hätte er sein Leben bereits ausgehaucht. Und endlich kam er auf die Lösung, so als sei sie schon immer da gewesen und hätte sich nur nicht finden lassen wollen. Es war wie eine Erleuchtung, die ein leichtes verstohlenes Lächeln über Godrics sonst so ernste Miene huschen ließ. Er wandte sich an Ivo: „Hast du noch das Schreibzeug bei dir?“ Der Junge wunderte sich über den plötzlichen Themawechsel, doch er nickte. „Dann hol es her, schnell!“ Godric zog sich in die kleine Wohnstube des Wirtes zurück, entzündete den Wachskerzenstummel und breitete den etwas abgegriffenen Pergamentbogen auf dem wackeligen Tisch aus. Er besann sich einen Moment und begann dann, in einer seiner eigenen völlig fremden Handschrift einen Brief zu verfassen. Als er fertig war las er ihn mehrmals durch, nickte zufrieden und setzte das Signum darunter. Aus dem Schankraum drang ein elendes Schmerzensstöhnen herüber. Godric hörte Maytwist beruhigend auf den Verletzten einreden. Sorgfältig faltete er den Brief zusammen und verstaute ihn in seiner Manteltasche. „Lord of Lowdham“, dachte er frohlockend und ging hinüber zu seinem Schwager, der eben erwachte...

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Robin:

Schweigend gingen Robin und seine Männer den Weg zurück in ihr Lager. "Du hättest ihn töten sollen." hatte Will wütend geschrien, kaum das sie Wickham verlassen hatten. "Gisburne und diesen jämmerlichen Hauptmann. Sie werden uns immer wieder Ärger machen. Sie werden immer hinterhältiger in Ihren Ideen. Willst du warten, bis er erst einen armen Unschuldigen tötet?" "Es ist genug Will!" erwiderte Robin ruhig darauf. "Wenn wir sie kaltblütig töten, wären wir nicht besser als sie. Wir würden uns auf eine Stufe mit ihnen stellen. Und das, Will, ist nicht unser Ziel." Will hatte wütend auf den Boden gespuckt und irgendetwas Unverständliches gemurmelt. Dann waren sie wieder in Schweigen verfallen. Plötzlich, sie waren schon fast am Lager angelangt, riss sie eine Frauenstimme aus ihrem dumpfen Schweigen. "Robin, Robin Hood. Seid Ihr das?" Eine ärmlich gekleidete Frau, die Robin bekannt vorkam, löste sich aus dem Dunkel und kam vorsichtig auf sie zu. Ängstlich schaute sie von einem zum anderen und schließlich blieb ihr Blick auf Robin hängen. "Kommt Ihr aus Wickham? Was ist mit meinem Kind??" fragte sie händeringend und mit Tränen in den Augen. "Ihr braucht euch nicht mehr zu sorgen." redete Robin leise auf sie ein. "Die Dorfbewohner sind in Sicherheit. Niemand kam zu Schaden. Geht zurück. Die anderen sind in die Nachbardörfer gegangen. Gisburne und seine Männer sind sicher schon wieder weg. Wie ist euer Name?" erleichtert und mit einem glücklichen Lächeln atmete sie auf. "ich bin Ruth von Wickham. Ich wusste, dass Ihr uns helfen werdet. Dem Himmel sei dank, das ihr noch rechtzeitig kamt. Aber wartet, ich soll euch eine Nachricht übermitteln. ‚Gwendrianna of Hawkney überträgt Herne´s Sohn die Pfeile ihres Vaters’ so hat sie gesagt, das waren Ihre Worte." fragend sah Robin sie an. "Mehr hat sie nicht gesagt?" Verwirrt sah er in die Dunkelheit, als ob sie ihm die Antwort geben könnte. "Ich muss jetzt gehen." riss ihn Ruth aus seinen Gedanken. "Meine Tochter sucht mich sicher schon." Mit einem dankbaren Lächeln verabschiedete sie sich und verschwand zwischen den Bäumen. Den Rest des Weges dachte Robin darüber nach, was Gwen ihm damit sagen wollte. '...die Pfeile ihres Vater...' Was meinte sie damit? Er würde es herausfinden - da war er sich sicher.

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Sue:

Susanna war hungrig und müde, aber sie folgte weiter dem Fluss, als die in der Ferne eine Mühle entdeckte. War diese Mühle Wirklichkeit oder spielte ihre Fantasie ihr einen Streich? Nun, diese Frage würde sich gleich von selbst beantworten. So schnell ihre Beine sie noch trugen lief sie auf das einfache Gebäude mit dem großen Holzrad, das unermüdlich Wasser schaufelte, zu. Wo eine Mühle war, mussten auch Menschen sein. Dort würde sie sicherlich Hilfe finden. Es wurde ja auch langsam Zeit, dass auch sie 'mal ein kleines bisschen Glück haben würde. Vor der Tür des Hauses spielten zwei Kinder fröhlich mit einem struppigen Hund. Als sie Sue kommen sahen liefen sie eilig ins Haus, um ihren Vater zu holen. Der Müller - ein freundlicher Mann mit einem gesunden Misstrauen - lief ihr entgegen. "Was ist los, ist irgendwas passiert? Du siehst ja ganz schön geschafft aus", begrüßte er Sue, die vor Erschöpfung langsam in sich zusammensank. Misstrauisch um sich blickend vergewisserte er sich, ob die junge Frau alleine war. Danach brachte er sie in die Stube, wo seine Frau mit den Kindern wartete.  "Wer ist das, Michael?", fragte die Müller ihren Mann. "Ich habe nicht die geringste Ahnung, Kate", entgegnete er, "bevor sie 'was sagen konnte, sank sie mir auch schon in die Arme." Der Müller bettete Sue auf frisches Heu. Es war immer noch helllichter Tag und Susanna erwachte nach einem kurzen unruhigen Schlaf. Ihr knurrender Magen ließ sie keine Ruhe finden. Der Müller und seine Frau baten sie zu Tisch, um mit ihr ihre kärgliche Mahlzeit zu teilen. Während des Essens, das Sue wie eine fürstliche Mahlzeit erschien, erzählte sie ihre Geschichte; zumindest das, was sie zu erzählen sie für vertretbar hielt. Aus welcher Familie sie stammte, verschwieg sie lieber.  Zur gleichen Zeit waren die Outlaws um Robin Hood wieder in ihrem Lager angekommen, als John und Will die junge Lady wieder einfiel, die sie am Waldesrand zurückgelassen hatten..... "Wie konnten wir die bloß vergessen, verdammt? Das wird Robin gar nicht gefallen, John......", zischte Will in das Ohr seines Freundes "Wenn du nach Nottingham willst, Sue, dann solltest du dich anders kleiden. Eine junge Frau, die ein Schwert so offen bei sich trägt, würde dort sofort auffallen, und deine Reise würde im Verlies des Sheriffs ein jähes Ende finden", riet ihr Michael. Seine Frau nickte zustimmend. Die Müller hatten Recht, das musste Susanna einsehen. "Du kannst heute Nacht bei uns bleiben und morgen früh werde ich dir einige Kleidungsstücke unseres ältesten Sohnes heraussuchen. Du hast ungefähr Geoffreys Größe und Statur......" ergänzte Kate den guten Rat ihres Mannes.  Nach einer erholsamen Nacht machte Sue sich in den frühen Morgenstunden für ihre weitere Reise fertig. Sie war recht groß gewachsen und sehr schlank; in den Hosen war sie von einem Jüngling kaum zu unterscheiden. Nur diese Haare...... Wie um alles in der Welt sollte sie die nur unter Kontrolle bringen? Susannas rötlich-braune Lockenpracht reichte ihr bis zu den Hüften. Alle Versuche, ihr Haar hochzustecken und somit kurz erscheinen zu lassen, scheiterten kläglich an dessen Widerspenstigkeit. Schweren Herzens nahm Susanna ihren Dolch und schnitt sich ihr Haar ab - Strähne für Strähne. "Es wächst ja wieder nach....", tröstete sie sich.  Susanna nahm ihre Habseligkeiten und den kleinen Essensvorrat, den die Müllerfamilie entbehren konnte, und setzte ihren Weg fort.

*

Jehan:

Jehan starrte in ein Gesicht in der Menge, das wie das von Gwen aussah. ´Jetzt siehst du sie schon überall´, dachte er bei sich. ´Aber das kann nicht sein. Sie ist bei Will Scarlett.´ Der Ritt war ihm nicht gut bekommen. Die Wunde schmerzte, blutete wieder, und er schien offensichtlich Fieber zu haben, das ihn Gesichter sehen ließ, die nicht da sein konnten. Er musste dringend zu dem Bader.

Der König war fort. Robert de Rainault war wieder Alleinherrscher in Nottingham. Selbstgefällig ausgebreitet saß er auf seinem Thron in der großen Halle und wartete. Ein Diener hatte soeben die Kunde von der Rückkehr Gisburnes und seiner Truppe gebracht. Einer Truppe, die erfolglos und ohne Gefangene zurückgekehrt war. Erstaunlicherweise verzog sich de Rainaults Gesicht zu einem fiesen Grinsen, als er dies hörte. Keine Wut, keine Prügel für den Überbringer schlechter Kunde. Nur gefasste, hämische Ruhe. Gisburne betrat schließlich die Halle und marschierte schnurstracks nach vorne, hielt vor dem großen, erhöht stehenden Tisch inne und blickte wütend nach oben.„Nun, Nasenbär Gisburne“, begann der Sheriff, und in seiner Stimme schwang so unverhohlene Schadenfreude mit, dass Sir Guy tief Luft holen musste, und dabei schon wieder rot anlief.„Habt ihr seine Leiche schon an die Zinnen der Burg geheftet, damit jeder sie sehen kann?“„Mylord, wir wurden vergiftet!!“ entgegnete der blonde Truppenführer aufgebracht, aber schon warnte ihn seine innere Stimme vor der verhaltenen Ruhe des Sheriffs.„Vergiftet! Soso. Ein freundliches Gift, welches Euch nicht umbrachte?“„Mylord, es ging nicht mit rechten Dingen zu! Der Nebel….“„Hexerei, Gisburne?“„Ja, das muss es gewesen sein! Wir…“„Ihr hattet 29 bewaffnete Männer dabei, und trotzdem konntet ihr nicht mit einem verletzten Geächteten und ein paar armseligen Kreaturen fertig werden, die sich seine Gefährten nennen“, vollendete der Sheriff immer noch erstaunlich gefasst den Satz.„Es war nicht unsere Schuld!“ verteidigte sich Gisburne verbissen. Der Sheriff lehnte sich zufrieden zurück. „Das ist auch letzthin völlig gleichgültig“ stellte er gnadenvoll fest. „Während Ihr Robin Hood abgelenkt habt, konnte der König völlig unbehelligt mit seinem Geldtransport abziehen. Ihr müsst zugeben, dass dies Eure Schlappe mehr als wettmacht.“ De Rainault amüsierte Gisburnes Gesichtsausdruck, der zwischen Fassungslosigkeit und gärender Wut schwankte.„Ich ahnte ja bereits, dass Ihr scheitern würdet, Gisburne. Das war bereits einkalkuliert, es gehörte zu meinem Plan, dem König einen unbeschwerten Ritt aus Nottingham Shire zu garantieren. Wie ich sehe, hatte ich Recht, nicht war, Nasenbär?“

„Hauptmann...“ Gisburnes Stimme brachte ihn wieder zu sich „...diese Bettlerin da, das ist doch das Weib aus Wickham! Ich will dass sie beobachtet wird, wir kümmern uns später um sie. Ich vermute sie hat irgendetwas mit diesem verdammten Robin Hood zu schaffen.“ Jehan sank zusammen "Wer, wo? Das kann gar nicht...". Abschätzend betrachtete Gisburne seinen Hauptmann „Ihr scheint Fieber zu haben, Mann, begebt Euch unverzüglich zum Bader. Lasst diese Verletzung anständig versorgen!“ Jehan nickte nur stumm. Gwen atmete auf als sie sah, dass die Soldaten ohne Halt weiter zogen. Sie drehte sich um und ging weiter zum Hause der Töpferfamilie. Unschlüssig stand sie noch vor der Tür als diese sich unvermittelt öffnete. Der Mann blickte sie fragend an. „Martin...“ weiter kam sie nicht. „Gwen? Gwen bist du das wirklich?“ Martin zog sie ins Haus als er ihr Nicken sah. Gwen setzte sich an den Tisch und Martin reichte ihr eine Schüssel mit warmer Suppe. Während sie aß, erzählte sie ihm das Nötigste der letzten Tage. „Du kannst erst einmal hier bleiben.“ Martin stand auf und wühlte in einer alten Truhe. „Hier Gwen. Sie war ein bisschen größer als du aber es könnte passen“ und er reichte ihr ein sorgfältig gefaltetes Kleid. „War?“ – „Sie ist gestorben. Letzten Winter. Der Bader konnte das Fieber nicht senken.“ Beide blickten sich traurig an. Gwen reichte ihm den kleinen Dolch. „Martin, kannst du versuchen ihn für mich zu verkaufen? Ich brauche Geld und das und ein paar Heilkräuter ist alles was ich habe.“ Martin nickte. „Gwen, warte..du hast Kräuter...verkaufe sie an den stümperhaften Bader. Er fürchtet um seinen Kopf, zu viele Männer sind unter seiner Behandlung schon gestorben also wird er dir einen guten Preis dafür geben.“ Gwen überlegte ein paar Augenblicke. „Gut, kannst du mich zu ihm bringen?“ Mit sauberem Gesicht, gekämmtem Haar und in einem neuen Kleid machten Martin und Gwen sich auf dem Weg zum Bader. „Das helle dort, das an der Ecke, da musst du hin.“ wies Martin ihr nach einigen Schritten den Weg „ich werde mich um etwas zu essen kümmern“. Martin ließ sie stehen und Gwen begab sich zum Baderhaus. Die Tür stand offen und sie hörte Stimmen aus einem der hinteren Räume. „Wir müssen die Wunde ausbrennen“ vernahm sie die Stimme des Baders. Sein Patient saß schweigend mit dem Rücken zur Tür, durch die Gwen gerade treten wollte. ‚Jehan!’ durchfuhr es sie. „Nichts werdet ihr ausbrennen!“ fuhr sie mit lauter Stimme den Bader an. Beim Klang ihrer Stimme drehte sich Jehan um und blickte sie sprachlos an. Nichts an der Frau, die da vor ihm stand erinnerte noch an die Geächtete Gwen. Schweigend besah sich Gwen die Wunde. „Ein neuer Verband und etwas von dem hier ist alles was er braucht...“ Gwen reichte dem Bader ihre Kräuter und blickte ihn finster an „...oder genießt Ihr es, Eure Patienten unnötig zu quälen?“ Sie sah Jehan noch einmal an und ihre Augen trafen sich. Es erschien ihr wie eine Unendlichkeit ehe sie sich endlich losriss und aus dem Raum stürzte. ‚Das kann nicht sein...’ Des Baders Stimme ließ sie halten „Habt dank für Eure Hilfe Lady, hier, nehmt das!“ und er drückte ihr ein paar Münzen in ihre Hand. Wenig später saß Gwen nachdenklich am Tisch des Töpfers und wartete auf dessen Rückkehr.

*

Sue:

Von der Mühle aus waren es nur noch wenige Meilen bis nach Nottingham, die Susanna ohne größere Zwischenfälle hinter sich brachte. Amüsiert dachte sie an diesen armseligen Strauchdieb, der gerade erst versucht hatte, ihr den Beutel mit dem Geld zu stehlen aber beim ersten Anzeichen von Gegenwehr sofort die Flucht ergriff. "Diesen Beutel dort an deinem Gürtel brauchst du doch bestimmt nicht mehr, Bürschchen", hatte er zu ihr gesagt, ihr ein Messer entgegenhaltend. Beim Anblick ihres Schwertes, das sie sogleich zog, schien ihm jedoch unbehaglich zu werden. Er hatte im wahrsten Sinne des Wortes 'den Kürzeren gezogen' und lief davon. "Bürschchen" hallte es in ihren Gedanken immer wieder nach. Er hatte sie tatsächlich für einen jungen Mann gehalten. Aus der einst so zerbrechlich erscheinenden Earlstochter war innerhalb allerkürzester Zeit eine Kämpferin geworden. Und Sue schien irgendwie gefallen daran gefunden zu haben, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Das Erlebnis mit diesem Dieb tat ihrem Selbstbewusstsein sichtlich gut.  In Nottingham angekommen suchte Susanna erst einmal eine Taverne. Dort - das wusste sie - würde sie am ehesten erfahren, wo sie ein Pferd würde kaufen können; in einer Taverne kamen alle möglichen Leute zusammen, die nach dem einen oder anderen Ale ihr Misstrauen Fremden gegenüber schnell 'mal vergaßen. Entschlossen betrat sie das Alehaus am Ende der Hauptstraße, die quer durch Nottingham führte. Keine der Personen, die sich in der Stadt aufhielten, hatte sie auf ihrem Weg dorthin auch nur eines Blickes gewürdigt. Susanna schien beinahe unsichtbar zu sein; ihre Verkleidung leistete ihr gute Dienste.  "Was darf's denn sein, junger Mann", fragte sie der Wirt der Schänke. "Ale", entgegnete Sue knapp mit fester Stimme; ihr Herz schlug ihr dennoch bis zum Hals.

"Du bist nicht aus Nottingham. Wo kommst du her?" fuhr der Wirt fort. "Ich komme aus Huntingdon", log Susanna. "Aus Huntingdon kommst du also, Junge. Und was führt dich so weit fort nach Nottingham?" gab der Wirt nicht auf zu fragen. "Ich bin auf der Durchreise. Mein Pferd wurde mir unterwegs gestohlen - jetzt brauche ich ein neues. Du kannst mir sicherlich sagen, wo ich hier einen Pferdehändler finde", stellte Sue fest, selbst erstaunt über ihre unverfrorene Schwindelei. Die Fragerei des schwatzhaften Wirtes fing an, sie zu nerven. Sie ließ es sich jedoch nicht anmerken, schließlich wollte sie Nottingham auch unversehrt wieder verlassen. Noch vor wenigen Tagen hätte sie den Wirt wahrscheinlich in seine Schranken verwiesen, doch Hochmut konnte sie sich in ihrer Situation nicht mehr leisten. "Der Stall des Pferdehändlers ist gleich hier um die Ecke; du kannst es nicht verfehlen", erklärte der Wirt. Susanna bedankte sich knapp und wandte sich ihrem Ale zu, das noch unangerührt vor ihr stand.  "Noch nicht ganz trocken hinter den Ohren, aber sich schon in Tavernen 'rumtreiben....." vernahm Sue eine Stimme hinter sich. Sie zwang sich, diese Provokation zu ignorieren, aber eine Hand packte sie bei den Schultern und wirbelte sie herum. "Ich rede mit dir, Grünschnabel!" fuhr die Stimme fort und Susanna blickte in das zerfurchte, narben übersäte und beinahe zahnlose Gesicht eines alternden, schmächtigen Raufboldes. "Ärger! Der fehlte mir gerade noch", dachte sie bei sich als sie auch schon die Faust dieses Kerls hart in der Magengrube traf. Eine Prügelei war das letzte, in das sie hier hineingeraten wollte; aber der Schlag tat weh und so schlug Susanna - einer Lady überhaupt nicht würdig – post wendend zurück.....

Susanna hatte keine Ahnung wie lange die Schlägerei, die mittlerweile auf die gesamte Taverne übergegriffen hatte, schon im Gange war als eine Patrouille des Sheriffs dem ganzen ein jähes Ende bereitete. Ohne lange zu fackeln führten die Soldaten sämtliche Raufbolde - darunter auch die junge Lady - ab nach Nottingham-Castle.....

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Gwen:

Gepolter und das Geräusch von berstendem Holz ließen Gwen hochschrecken. Soldaten schwappten wie eine Welle ins Haus. „Du! Mitkommen!“ einer der Soldaten zeigte auf Gwen. „Warum? Was wird mir vorgeworfen?“ Gwen rang nach Selbstbeherrschung. „Das wirst du früh genug vom Sheriff erfahren.“ Gwen blieb nichts anderes übrig als sich zu fügen und sich von den Soldaten zum Schloss führen zu lassen. „Ach? Wen haben wir denn da? Gwen of Hawkney? Wir hatten eine gute Zeit miteinander, war es nicht so, hm?“ der Sheriff grinste herablassend. Gwen blickte ihn mit erhobenem Kopf an. „Mylord High Sheriff. Warum habt ihr mich herbringen lassen, ich...” fing sie gefasst an. „Habe ich dich aufgefordert zu sprechen?! Still, bis du gefragt wirst, ...Gwen.“ Der Sheriff zog ihren Namen in die Länge und wandte sich nach eine Pause an Gisburne „Ist das die Frau?“ fragte er kühl. „Ja, Mylord. Sie...“ „Ich weiß, Gisburne..ich weiß. Sie ist eine Geächtete, war in Wickham und so weiter und so weiter“ fuhr der Sheriff ihm über den Mund. „Gwen, Gwen, Gwen...wir haben Interessantes über dich gehört.“ „Mylord, ich..“ der scharfe Blick des Sheriffs genügte, um sie zum Schweigen zu bringen. „BADER“ Der Bader trat hervor. „Mylord. Sie ließ mich meine Arbeit nicht machen, hantierte mit Kräutern...“ „Oh, Ihr habt sie mit Dank angenommen“ fuhr Gwen den Bader wütend an und verwünschte ihre vorschnellen Worte, als sie das hämische Lachen des Sheriffs vernahm. „Eine kräuterkundige Geächtete also...Gisburne, ich bin geneigt Eure Geschichte von den Vorfällen in Wickham zu glauben...“ Sein Blick viel plötzlich auf den Beutel, den sie um den Hals trug. „ Und?“ begann er langsam „Was hast du da wohl drin?“ Gwen drohte die Fassung zu verlieren, sie griff nach Gwyneths Beutel. „Mylord Sheriff..das ist..nichts.“ „Nichts? Dafür scheint es dir aber viel zu bedeuten. Gisburne!“ Ohne auf ein weiteres Wort zu warten trat er zu Gwen, riss ihr den Beutel vom Hals und reichte ihn dem Sheriff. „Mylord, Mylord!“ Gwens Worte drohten sich zu überschlagen. „Ihr, Ihr dürft das nicht tun.“ „Hah, ich darf was nicht tun? Was? - Gwen, du vergisst dich!“ er spielte mit dem Beutelchen und genoss ihren panischen Blick. „Was es auch ist. Wir werden es herausfinden und gut aufbewahren! - Wir entscheiden später, was wir mit dir machen. Gisburne, schafft sie mir aus den Augen. Mehr Wein!.“ Gisburne und zwei seiner Soldaten eskortierten Gwen, die nicht wusste wie ihr geschah; zu den unterirdischen Verliesen...

*

Jehan:

Der Hauptmann Jehan wälzte sich auf seinem Krankenlager hin und her. Er fand nicht die Ruhe, die er so dringend benötigte. Der Bader hatte trotz Gwens Einspruch darauf bestanden, dass die Wunde ausgebrannt werden müsse, und Jehan hatte nicht widersprochen. Zu wirr waren seine Gedanken, zu abgelenkt sein Widerspruchsgeist. Gwen hatte es geschafft, ihn vollkommen aus dem Gleichgewicht zu bringen. Niemals hätte er so etwas für möglich gehalten. Sonst hatte er immer nur beißenden Spott für derlei Dinge übrig gehabt. Gwen war hier! In Nottingham. Warum hatte sie sich in diese Gefahr begeben? Obwohl es ihm das Herz bräche, wenn sie in Will Scarlets Armen läge, so wünschte Jehan in diesem Moment doch, dass sie an der Seite des anderen wäre. Dann wäre sie zumindest sicher. Nottingham war für sie ein gefährliches Pflaster, vor allem, da Gisburne sie erkannt hatte. Warum konnte er sie nicht einfach vergessen? Der Hauptmann musste sich bitter eingestehen, dass er das Mädchen von Hawkney nie wirklich vergessen hatte. Aber konnte er das zulassen? Welch vergebliche Zuneigung! Falls sie ihn überhaupt wollte, was mehr als fraglich war. Sie hatte ein weiches Herz, und vielleicht hatte sie sich nur deswegen zwischen ihn und diesen Will gestellt. Oder sie hatte Will schützen wollen, ihn von einer Tat abhalten, die er sonst bereut hätte, indem er einen bereits entwaffneten, wehrlosen Gegner meuchelte. Jehan grübelte und grübelte. Er musste mit ihr sprechen. Aber Nottingham war nicht grade Wickham, und er war nicht in der Verfassung, die ganze Stadt abzusuchen. Hatte Gisburne sie nicht beobachten lassen wollen? Er würde sie foltern, wenn er sie zu fassen bekäme. Bei dem Gedanken wurde ihm schlecht. Sie konnten sie dazu zwingen, alles zu sagen, was sie wollten. Jehan kannte die Methoden der Folterknechte, er hatte oft genug selbst dabei zugesehen, wenn er Gesetzesbrecher oder Verdächtige zu ihnen in die Keller gebracht hatte. Kein Mensch konnte die unsäglichen Qualen aushalten. Und was ihn bisher kaum bekümmert hatte, wurde nun für ihn selbst zur Qual. Jehan stand schwankend auf. Er musste sie finden!

*

Robin:

"Gwen ist in Gefahr." sagte Robin so ruhig wie es ihm möglich war. Er wollte die anderen nicht spüren lassen, wie aufgewühlt er selber war. Was würde es bringen? Er musste sich darauf konzentrieren, was sie zu tun hatten. Und wenn er ehrlich war, wusste er das momentan selber nicht. Nervös strich er sich durchs Haar, während alle ihn entgeistert und voller Unverständnis ansahen. "Sie ist in Gefahr?" schrie Will ihn plötzlich an und baute sich vor ihm auf. "Du hast sie nach Hazlewood geschickt, um sie genau davor zu schützen. Und jetzt erzählst du mir, dass sie in Gefahr ist?" Betreten sah Robin zu Boden. Er wusste es auch nicht. Alles in den letzten Tagen war so verwirrend, das er selber nicht verstand. Herne hatte ihn letzte Nacht im Schlaf aufgesucht. Er war es, der ihm sagte, dass eine der dem Licht zugewandten in einer Gefahr schwebte, die er abwenden musste. Er wusste sofort, dass es nur Gwen sein konnte. Aber wo war sie? Von welcher Gefahr redete Herne? Er hatte geglaubt, wenn sie nach Hazlewood ginge, wäre sie aus allem raus. Aber diese Nachricht, die sie ihm hatte zukommen lassen - aus irgendeinem Grund hatte er da schon gewusst, das noch viel auf sie zukommen sollte. Aber Gwen in Gefahr? Sie mussten Ihr helfen. Das waren sie ihr schuldig. "Wir werden ihr helfen. Ihr wird nichts passieren." wandte sich Robin dann an Will. "Wir müssen rausfinden was passiert ist."

*

Sue:

Susanna und die anderen Raufbolde, die in die Massenschlägerei in der Taverne verwickelt waren, wurden dem Sheriff von Nottingham vorgeführt. Ihren Gürtel mit dem Schwert, dem Geldbeutel und dem Dolch hatte man ihr vorsorglich abgenommen. "Was soll mit ihnen geschehen?" fragte der Hauptmann der Patrouille. "Sperr' die verdammte Bande ins Verlies!" knurrte Gisburne, der neben dem Sheriff stand. "Nein, nein, Gisburne", widersprach de Rainault. "Diese verdammte Bande wird nicht ins Verlies gesperrt. Stellt Euch vor, Gisburne, ich würde jeden Mann in Nottingham, der in eine Schlägerei verwickelt ist, einsperren; dann wäre Nottingham bald leer und unsere Kerker hier würden aus allen Nähten platzen", spottete der Sheriff. "Und wer, glaubt Ihr, würde dann in dieser Stadt noch arbeiten, hmm? Wollt Ihr dass dann übernehmen, Gisburne - mit Eurer tapferen kämpfenden Truppe? Das glaube ich wohl kaum, nicht wahr?" setzt de Rainault noch einen Hieb nach. "Mylord, ich......" versuchte Gisburne zu protestieren. "Ihr habt mich gehört, Gisburne, lasst das Gesindel frei", befahl der Sheriff. "Das heißt....... Halt! Du da! Warte....." de Rainault runzelte die Stirn und zeigte auf Susanna, die sich gerade gemeinsam mit den anderen anschickte, das Schloss zu verlassen. "Bleib stehen, Bursche! Wer bist du? Du kommst mir bekannt vor. Kenne ich dich von irgendwo her?" Der Sheriff baute sich vor Sue auf. Susanna wurde heiß und kalt - natürlich kannte der Sheriff sie; bisher hatte er sie jedoch nur mit langen Locken und feinen Kleidern in Leicester gesehen - und ohne dieses Veilchen, das nach der Prügelei ihr linkes Auge zierte. "Ich glaube nicht, dass Ihr mich kennt.......Mylord" schwindelte die junge Lady, ihren Blick gesenkt. "Woher kommst du?" fragte de Rainault misstrauisch. "Aus......Huntingdon", log sie, wie sie es schon dem Wirt gegenüber getan hatte. Auf keinen Fall wollte sie mit ihrer Heimat Leicester in Verbindung gebracht werden. Schließlich wusste sie ja nicht, bis wohin sich ihr Fortlaufen schon herumgesprochen hatte und wen ihr Vater schon alle informiert und um Hilfe bei der Suche gebeten hatte. "Aus Huntingdon soso..... und was willst du dann in Nottingham - außer Ärger zu machen?" fuhr der Sheriff mit seinem Verhör fort und begutachtete dabei Sue's Waffen. "Der Earl schickt mich zu seinem Bruder nach Schottland....", erklärte Susanna krampfhaft versucht, die Röte, die ihr ins Gesicht steigen wollte, zu unterdrücken. Gott sei Dank kannte sie sich als Tochter des Earl of Leicester über die Familienbande der benachbarten Grafengeschlechter bestens aus. "Ohne Pferd?" fragte de Rainault schnippisch. "Das ist mir.....abhanden gekommen", log die junge Lady - allmählich immer nervöser werdend. "Nun gut", sagte der Sheriff abschließend. "Gisburne hier wird dir behilflich sein, ein neues Pferd zu besorgen, und anschließend wird er dich aus der Stadt hinausgeleiten. Danach wirst du auch deine Waffen wiederbekommen." Und an Gisburne gewandt fügte er hinzu: "Das tut Ihr doch gerne für unseren Freund den Earl of Huntingdon, nicht wahr, Gisburne? Wir wollen ja nicht, dass seinen Leuten in unserer Stadt ein Leid geschieht." Gisburne wurde puterrot vor Wut; er wagte sich jedoch nicht zu widersprechen. Für so einen Milchbubi den Aufpasser zu spielen, ging entschieden gegen seine Ritterehre. Aber es half alles nichts; um den Sheriff nicht noch mehr zu erzürnen, beschloss der blonde Ritter, zu tun wie ihm geheißen. De Rainault deutete seinem Ritter an, sich mit dem "jungen Burschen" zu entfernen. Gisburne wies Susanna ein Pferd aus dem schlosseigenen Stall zu. Danach verließen beide schweigend Nottingham-Castle. Außerhalb der Stadtmauern übergab der Ritter Susanna ihren Waffengürtel und kehrte zum Schloss zurück. Die junge Lady war wieder auf sich allein gestellt. Als Gisburne außer Sichtweite war fiel die ganze Anspannung von Sue ab, und sie brach - zum ersten Mal seit sie von zu Hause fort war - in Tränen aus.

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Godric:

Godric machte sich mit Ivo und dem verletzten Merric auf den beschwerlichen Weg nach Lowdham. Der Ritt war für den Waliser unerträglich. Immer wieder mussten sie anhalten, da er sich kaum im Sattel halten konnte, oder ganz in eine Ohnmacht sank. Für die Reise, die bei zügigem Tempo höchstens drei Stunden in Anspruch genommen hätte, brauchten sie nun den ganzen Tag. Als sie endlich ihr Ziel erreichen war es bereits dunkel, und alles was Godric von seinem neuen Besitz zu sehen bekam war der schlanke Turm der kleinen Burg, der bis ins obere Fenster beleuchtet war. Es genügten wenige Worte, um eingelassen zu werden, und Godric wollte sich ohnehin zurückhalten. Ihn als künftigen Herrn von Lowdham vorzustellen wollte er seinem Schwager überlassen. Der Verwalter eilte herbei, als er hörte, welche Gäste die Burg erreicht hatten und was ihnen widerfahren war. Sofort sorgte er dafür, daß Merric sicher untergebracht wurde. Die beiden Begleiter bat er in den Speisesaal, wo man ihnen ein gutes Abendessen reichen würde, dann zog er sich selbst zu dem Waliser zurück, um seine Wunde zu versorgen.

Als er geraume Zeit später zurückkehrte hatten Godric und Ivo ihre Mahlzeit längst beendet. Godric hatte seinen Untergebenen soeben mit einem Botenritt nach Ruthin betraut, als der Verwalter ihnen in nachdenklichem Schweigen Gesellschaft leistete. Sein Name war Jeon Gascaut. Trotz seines Alters war er noch von sehr kräftiger Statur. Er war ein einsam lebender Mann, der weder Frau noch Kinder hatte. Dennoch besaß er eine verblüffende Menschenkenntnis und ein phänomenales Gedächtnis. Er konnte sich genau an den letzten Besuch der beiden Herrn erinnern. Vor achteinhalb Jahren, zum Anlass der Hochzeit Merrics mit Godrics Schwester. Godric selbst war damals noch ein einfältiger Grünschnabel gewesen, der unbedingt in die Fußstapfen seines Vaters hatte treten wollen. Nun war er ein ruhiger und ernster Mann geworden, ein wenig zu ernst, wie Jeon mit einem kurzen Blick feststellte. Die klaren dunkelgrünen Augen trugen den Stich einer tiefgehenden Verletzung in sich, den auch das leichte Lächeln nicht verbarg, das schnell um seine Mundwinkel auftauchte und ebenso schnell wieder verschwinden konnte. Nur derselbe kurze Schnitt der braunen Haare erinnerte noch an den hitzköpfigen Jüngling von einst. Godric hatte sein Gespräch unterbrochen und wandte sich dem alten Normannen zu: „Wie geht es meinem Schwager?“, fragte er, „Konntet Ihr ihm helfen?“ Jeon setzte sich. Sein Blick fiel kurz auf Ivo, den er noch nicht kannte. „Eurem Schwager geht es sehr schlecht.“, entgegnete er ohne Umschweife. „Ich bin kein Heilkundiger. Ich habe ihm nur einen neuen Verband angelegt, mehr konnte ich nicht tun.“, er schwieg, als lasteten schwerwiegende Gedanken auf ihm. „Merric hat mir erzählt, was vorgefallen ist.“, fuhr er schließlich fort, „Er sagte, daß die Führung Lowdhams jetzt Euch obliegt.“, die wachsamen Augen unter den buschigen grauen Brauen beobachteten den jungen Mann genau. „Das ist richtig.“, erwiderte Godric, „Er gab mir Lowdham unter der Bedingung, daß ich ihm zwei Dienste erfülle. Zur Sache des ersten wird morgen früh mein Begleiter Ivo nach Wales aufbrechen, was den zweiten angeht, so werde ich mich selbst darum kümmern.“ Jeon nickte langsam. „Sodann heiße ich Euch auf der Burg von Lowdham willkommen, Mylord.“

Es verstrichen einige Tage, an denen Godric sich von den einschneidenden Erlebnissen hätte erholen können, da er jedoch an nichts anderes denken konnte, blieb dieses Resultat aus. Er hatte Ivo nach Ruthin fortgeschickt und erwartete ihn binnen zehn Tagen zurück. Nun stand er am höchsten Fenster des Turmes und blickte über das Land. Die Gegend war flach und bot einen Ausblick bis zum Horizont, nur an der Nordseite reichte der kleine Wald Lowdhams bis dicht an die Burgmauern heran. Ein schönes Land, fürwahr, und dennoch war Godric nicht zufrieden. Lowdham würde niemals seine Heimat ersetzen können, nicht die weiten grünen Hügel, und nicht die Menschen, die dort lebten. Ihm entging die Ankunft eines frühen Gastes und er begegnete ihm erst, als Jeon ihn bei Tisch vorstellte.

Er war ein Mann mittleren Alters, ziemlich hager und in einen schlichten einfarbigen Reiseumhang gekleidet. Hätte Godric genauer hingesehen, so hätte er gleich gewusst, mit wem er es zu tun hatte, doch er schenkte dem Fremden erst seine Aufmerksamkeit als das Gespräch auf Merric fiel. Jeon hatte die ernstliche Verletzung des Mannes erwähnt, und der Gast erwiderte nun: „Wenn Ihr mich zu ihm vorlaßt will ich sehen, was ich tun kann. Ich habe viel über die Wege der Heilung gelernt, möglicherweise kann mein Wissen von Nutzen sein.“ Während Jeon diese Neuigkeit mit Hoffnung empfing erwiderte Godric nur mit einem beiläufigen Nicken. Wenn es nach ihm ginge brauchte sich kein Wunderdoktor an das Krankenbett seines Schwagers zu verirren, doch nach diesem schien niemand geschickt zu haben. Er würde also sicherlich nicht genügend Zeit für einen längeren Aufenthalt mitbringen.

Nach dem Essen ließ sich der Fremde zu dem verletzten Merric bringen, doch auch sein Urteil fiel nicht günstiger aus als das des normannischen Verwalters. „Es steht in der Tat schlecht um ihn.“, sprach er, „Jedoch will ich meine Weiterreise um einige Tage aufschieben, um seine Wunde zu behandeln, wenn es Euch recht ist.“ Noch bevor Godric in irgendeiner Weise Einspruch erheben konnte hatte Jeon bereits eifrig seine Zustimmung bekundet, zuvorkommend und in alter Manier seiner langjährigen Aufgabe. Der Fremde wandte sich mit zielsicherer Entscheidungsfreudigkeit an Godric und bat ihn: „Würdet Ihr für mich unterdessen eine Nachricht nach Nottingham bringen, junger Mann?“, er zog eine kleine versiegelte Schriftrolle aus seinem Umhang und reichte sie ihm. „An Jehan Beeches of Beaversbrook.“, fügte er hinzu. Godrics Haltung spannte sich. Dieser Unverschämte erkannte ganz offenbar nicht, daß er den Herrn des Hauses vor sich hatte. Ihm nun diesen Botenritt aufzuerlegen, noch dazu an Beaversbrook, das war allerhand! Andererseits war es die schnellste Möglichkeit zu erfahren, wer dieser Fremde war, und was er hier wollte. Godric war zu überrumpelt von diesem Auftrag, um ihn höflich abzulehnen. Er nahm also die Schriftrolle entgegen und zog sich zurück. Er musste ohnehin hinaus, um seinem Schwager vorzugaukeln, er kümmere sich um das Versprechen, den Verfasser des Briefes ausfindig zu machen. Bei diesem Gedanken erschien unwillkürlich ein gemeines schelmisches Grienen auf seinem Gesicht. Er ließ seinen kastanienbraunen Hengst satteln und machte sich auf den Weg nach Nottingham. Da Ivo unterwegs nach Wales war hatte er einen der Waffenknechte Lowdhams mitgenommen. Als er am Vormittag die Stadt vor sich erblickte zügelte er das Tempo. Nottingham lag im Dunst der Wintersonne. Vor wenigen Tagen hatte er hier sein Land verloren, und sein einziges Ziel war es, diesen Besitz früher oder später zurückzugewinnen. Als er weiter ritt wurde sein Blick von einem Reiter abgelenkt, der unweit vor ihm seinen Weg kreuzte. Es war ein junger Bursche mit rot-braunen Locken, der es recht eilig zu haben schien, der Stadt den Rücken zu kehren. Er gewahrte selbst die beiden Reiter aus nördlicher Richtung und sah einen Augenblick zu ihnen hinüber. Dann spornte er sein Pferd an und galoppierte davon. Irgendetwas verwirrte Godric an dieser flüchtigen Begegnung, doch er konnte beim besten Willen nicht sagen was das war. Er betrat die Stadt Nottingham und begab sich auf die Suche nach Jehan of Beaversbrook.

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Gwen:

Gisburne schritt voran, gefolgt von zwei Soldaten, die Gwen in die Kellergewölbe führten. Der Raum, in den er sie stieß war klein und kalte, abgestandene Luft schlug ihr entgegen. „Euer neues Zuhause – Lady.“ warf er ihr noch abfällig zu, ehe er die Gittertür hinter sich zu warf und mit langen Schritten davon eilte. Gwen war von Dunkelheit umgeben. Sie lehnte sich an die feuchte Mauer und sank, sich langsam ihrer hoffnungslosen Lage gewahr werdend, zu Boden. Aus weiter entfernt liegenden Räumen drangen markerschütternde Schreie eines Mannes bis an ihr Ohr. Nur wenig später erschrak sie, als sie die für Soldaten so typischen schweren Schritte in ihre Richtung kommen hörte. In ihrer Mitte schleiften sie einen kraftlosen Mann hinterher „...mit einer Hand bettelts sich leichter...“ scherzte der eine dem anderen gerade zu als sie Gwen passierten. Einer der Soldaten warf Gwen ein schadenfrohes Grinsen zu als er in ihr entsetztes Gesicht blickte „Und du kommst auch noch an die Reihe!“ prophezeite er in einem Ton, der ihr kalte Schauer über den Rücken laufen ließ. Gwens Gedanken rasten. Für einen kurzen Moment tauchte Jehans Gesicht vor ihr auf und in ihr keimte eine wage Hoffnung er würde kommen und ihr, aus Dankbarkeit für die Versorgung seiner Wunde, einen Weg zeigen, auf dem sie ihre Flucht wenigstens würde versuchen können... Gwen verwarf den Gedanken, kaum das er beendet war. „Warum sollte er? Er, ein normannischer Soldat, Nottingham verpflichtet... Nur ein Normanne von vielen, der unsereins hasst.“ Es war töricht zu hoffen, Robin und die Seinen würden ihr zu Hilfe kommen; glaubten sie sie doch im entfernten Hazlewood. Woher sollten sie wissen, dass sie geradewegs dem Sheriff in die Arme gelaufen ist. Hilfe war nicht zu erwarten aber sie konnte auch nicht einfach nur herumsitzen und darauf warten, was der Sheriff mit ihr vorhatte – und langsam bildete sich in ihrem Kopf ein Plan. Für Gisburnes nächsten Kontrollgang wollte sie vorbereitet sein.

Als sie ihn kommen hörte, legte sie sich vor das Gitter, umfasste die Stangen mit ihren Händen und begann bitterlich zu schluchzen. „Mylord, Gnade, ich flehe Euch an“ weinte sie, als er vor ihr stehen blieb. Mit Tränen in den Augen blickte Gwen in sein hartes Gesicht. „Gnade“ stammelte sie erneut. „Hör auf damit!“ fuhr er sie an. „Das ist Sache des Sheriffs!“ Damit wandte er sich von ihr ab und fuhr fort mit seiner Runde. Gisburne hasste jammernde Weiber „..aber den Sheriff wird es freuen, wenn sie so vor ihm kriecht“ dachte angewidert. Und darin sollte er sich nicht irren. Als der Sheriff davon erfuhr befahl er, Gwen nach oben zu führen. Mit gebücktem Haupt trat Gwen in des Sheriffs Halle ein. Vor ihm angekommen warf sie sich auf den Boden „Habt Erbarmen Mylord Sheriff, lasst mich bitte gehen“ flehte sie weinerlich vor ihm liegend. Mit dem Gesicht zum Boden konnte sie nicht sein triumphierendes Grinsen sehen aber sie vernahm seine harten Worte „Gehen lassen? Wo denkst du hin Weib? Wir haben besseres mit dir vor!“ Gwen rappelte sich etwas auf und verblieb mit gefalteten Händen am Boden kniend. ‚Herne bitte lass ihn noch leben!` betete sie in Gedanken bevor sie sprach. „Mylord. Im Namen der Liebe Gottes dann. Ich flehe Euch an, lasst mich mit Vater Matthew reden und meine Frieden mit dem Herrn schließen...“ brachte sie flüsternd hervor. „Wir werden sehen..bringt sie zurück.“ befahl er den Soldaten. „Nun Gisburne? Sie wird tun was wir verlangen...“ grinste er und prostete ihm mit seinem Weinkelch zu.

Stunden später saß Gwen verzweifelt in ihrem Verließ und sah ihren Plan schon als gescheitert an, als Soldaten einen alten, fast gebrechlichen Mann zu ihr führten. Vater Matthew! Sie öffneten ihm die Tür und verschwanden, um sich um einen neuen Gefangenen zu kümmern. Der Geistliche bekreuzigte sich und Gwen begann zu beichten „ Vater, vergebt mir...“ Sie nahm seine Hände – und stieß ihn mit ihrem ganzen Gewicht gegen die Mauer. Der alte Mann brach bewusstlos zusammen und Gwen schlich sich vorsichtig die Treppen hoch, in der Hoffnung, über einen der Botenwege ungesehen aus dem Schloss entkommen zu können. Sie wollte es wenigstens versucht haben...

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Sue:

Susanna entfernte sich schnellen Rittes von Nottingham. Tränen liefen ihr über das Gesicht. "Bloß weg hier", dachte sie. So schnell wie möglich wollte sie außer Sichtweite de Rainault's sein, bevor ihm doch noch einfiel wo er sie schon 'mal gesehen hatte...... Außerdem war es nur eine Frage der Zeit bis Soldaten ihres Vaters nach Nottingham kämen, um auch dort nach ihr zu suchen. Trotz ihrer Eile bemerkte sie die zwei Reiter, die ihr entgegenkamen. Einer der beiden war groß gewachsen, mit braunem Haar. Irgendetwas an ihm zog ihre Aufmerksamkeit auf sich, und sie schaute ihn an. Für einen kurzen Augenblick trafen sich ihre Blicke. Die junge Lady hatte Nottingham hinter sich gelassen. und ihr Weg führte sie wieder durch Sherwood Forrest. "Nimmt denn dieser verwunschene Wald gar kein Ende?" fragte sie sich. Sie brauchte eine Pause, um zur Ruhe zu kommen. Sie war zwar noch nicht allzu lange von Nottingham fort, aber die Ereignisse des Tages haben sehr an ihren Kräften gezehrt. Sue suchte sich einen sicheren Ort, nicht zu weit von der Straße entfernt, die sie weiter nach Norden führte; sie hatte Angst, sich wieder in diesem Dickicht zu verirren. Nach kurzer Suche wurde sie schließlich fündig. Unweit ihres Weges fand sie eine Lichtung mit einem kleinen See. Hier wollte sie sich eine Weile ausruhen. Sie legte ihren Gürtel mit dem Schwert ab, um sich zu erfrischen. Von der morgendlichen Schlägerei taten ihr alle Knochen im Leib weh. Besonders ihr Gesicht brannte wie Feuer, denn auch dort hatte sie harte Schläge abbekommen. Susanna kniete nieder und beugte sich über das Wasser, um ihr Spiegelbild darin zu begutachten. Sie erschrak als sich ihr Antlitz in dem ruhigen Wasser widerspiegelte: ein großer blauer Fleck umschloss ihr linkes Auge. "Na, das hast du ja fein hingekriegt, Mylady", tadelte sie sich selbst. "Einer Lady wahrhaft angemessen", fügte sie ironisch hinzu. Sue's ansonsten wunderhübsches Antlitz glich nun wohl eher dem eines gewöhnlichen Raufboldes. "Was soll's?" seufzte sie, "das wird wieder heilen." Sie nahm beide Hände voller Wasser und benetzte ihr Gesicht. Nach einer Weile legte sie sich ins Gras und schloss die Augen. Die Sonne schien und umhüllte sie mit einer angenehmen Wärme. Für einen kurzen Augenblick schien sie alles um sich herum vergessen zu haben - bis sie jäh aus ihren Träumen gerissen wurde. "He, du da!" vernahm sie eine ihr nicht ganz unbekannte Stimme. Susanna öffnete die Augen. Die Sonne blendete sie, so dass sie nur vage die Umrisse einer Gestalt wahrnahm. Sie kniff die Augen zu schmalen Schlitzen zusammen und erkannte den Mann, der sie bereits am Tag zuvor beinahe zu Tode erschreckt hatte: Will! "Was habe ich bloß getan, dass die Götter mich so strafen?" entfuhr es der jungen Lady. Susanna resignierte; ihre Flucht stand wahrlich unter keinem guten Stern. "Was willst du, Will.......mein Geld? Du bist doch Will, oder?" fragte Sue den vollkommen erstaunten Mann. "Sind wir uns schon 'mal begegnet?" fragte der Outlaw zurück. "Ja", sagte Susanna knapp, "gestern morgen". "Gestern morgen?" Will runzelte die Stirn. Er prüfte das Mädchen in Männerkleidung mit einem durchdringenden Blick. "Du liebe Zeit!" rief er schließlich aus. "Du bist das kleine Hühnchen, das John und ich gestern bei Wickham überrascht haben." Der Gesetzlose begann laut zu lachen. "Was ist denn mit dir geschehen?" Susanna blickte Will geradewegs in die Augen. "Wie sieht denn das wohl aus?" forderte sie ihn heraus. Scarlet lachte noch immer: "Das kannst du uns später erzählen. Komm erst einmal mit." "Uns?" frage Sue "Ja", sagte Will, "Robin und der Rest von uns warten nicht weit von hier."

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Jehan:

Jehan war im Fieber aufgestanden, um nach Gwen zu suchen. Er taumelte durch die Räume der Soldaten, kam nicht eben weit, ehe er zusammenbrach und nicht wieder aufstand. Zwei Soldaten fanden ihren besinnungslosen Hauptmann schließlich und taten das einzig Richtige: sie brachten ihn zu den beiden heilkundigen Mönchen, die am Rande der Stadt ein bescheidenes kleines Haus hatten, und die sich um die Blessuren der Soldaten wesentlich schonender kümmerten als der Bader. Dessen Ärger war groß ob der Konkurrenz, aber die Kirche duldete die kleine Krankenstation, denn sie begrenzte die Zahl der Todesfälle um ein Erhebliches und somit den Platz auf dem Friedhof. Bruder Geraldus und Bruder Ranulf hegten und pflegten einen Kräutergarten, stellten allerlei Salben und Extrakte aus den Heilpflanzen her, mit denen sie die Leiden der armen Leute linderten. Denn nicht jeder konnte - oder wollte - sich den horrenden Bader leisten, dessen Ruf ohnehin nicht der beste war.

Sie pflegten den mitgenommenen Hauptmann sorgfältig, dankten Gott in seinem Namen, dass sein Weg ihn zu ihnen, und nicht mehr zu dem stümperhaften Bader geführt hatte. Auch wenn sie nicht begreifen konnten, wie ein gediegener Soldat wie Jehan of Beaversbrook sich hatte derart quälen lassen können.

Dank der Mönche sank das Fieber rasch, in dessen ohnmächtigem Wahn der Hauptmann immer nur ein Wort, einen Namen, murmelte: Gwen. "Er wird sich schnell erholen", bemerkte Geraldus anderntags zu seinem Glaubensbruder. "Und die Frau aus seinen Gedanken wird die Heilung beschleunigen. Ich hoffe nur, er vermag noch ein paar Tage still liegen zu bleiben." Sie sahen sich vielsagend an. Ihre ganze Hingabe galt Gottes Werk, aber sie wussten wohl um der Liebe Macht. Dieser hart gesottene und ansonsten unbarmherzige Normanne würde aufblühen wie ein von der Sonne geküsstes Pflänzchen, wenn er diese Gwen wieder sah. Gottes Wege sind unergründlich.

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Godric:

Der Hauptmann war schneller gefunden als erwartet. Von einem Soldaten erfuhr Godric, daß er sich in der kleinen Krankenstation zweier Ordensbrüder am Rande der Stadt befand. Stirnrunzelnd machte sich Godric auf den Weg dorthin. Was mochte dem standhaften Hauptmann zugestoßen sein? War er etwa auch von Gesetzlosen angefallen worden? Die beiden Mönche empfingen ihn freundlich in der bescheidenen Behausung. Sie waren zunächst skeptisch, den Besucher zu dem leidenden Kranken vorzulassen, doch als Godric ihnen sein Anliegen erklärte waren sie schließlich einverstanden. Jehan war aus seinem Dämmerschlaf erwacht. Geister und Dämonen hatten ihn heimgesucht und er hatte vergeblich versucht, sein Schwert aufzuheben, um sie zu verjagen, und der jungen Frau zu folgen, die sie mit sich gerissen hatten. Verzweifelt hatte er immer wieder ihren Namen gerufen, doch sie hatte ihn nicht gehört. Verwirrt und matt saß er nun in seinem Bett und wünschte sich, gar nicht erst aufgewacht zu sein. Und plötzlich erschien ein weiteres Trugbild vor seinen Augen. In das kleine Zimmer trat jener Godric von Valnahar, der vor wenigen Tagen als mittelloser Mann die Stadt verlassen hatte, und nun erfrischt und in neuer eleganter Kleidung vor ihn hintrat. Hätte nicht Bruder Ranulf den Besucher selbst vorgestellt, so hätte Jehan endgültig an seinem Verstand gezweifelt. „Ihr...“, rutschte es ihm heraus, und angesichts des Gewandes fügte er etwas zögernd „Mylord“ hinzu.

Godric versuchte sich einen Reim auf den Zustand des Hauptmanns zu machen, doch er hielt sich zurück, ihn direkt zu fragen. Möglicherweise könnte er den Grund bei den Mönchen in Erfahrung bringen. „Ich habe eine Nachricht für Euch.“, kam er deshalb gleich zum Thema. Er holte den Brief hervor und streckte ihn dem Hauptmann entgegen. Jehan warf einen müden Blick darauf. Er verstand nicht, was um ihn herum vor sich ging. Wieso kam gerade dieser Mann zu ihm, um ihm eine simple Botschaft zu übermitteln? „Hättet Ihr die Güte“, erwiderte er heiser, „Mir das Schreiben vorzulesen?“, Jehan machte ansonsten kein Hehl daraus, daß er nicht lesen konnte, doch in diesem Augenblick fühlte er sich erbärmlich. Aus irgendeinem Anlass war Sir Godric wieder obenauf und Jehan fühlte sich im Nachteil, da er darüber nichts wusste. Godric zog den Brief gnädig zurück, entfaltete ihn und warf einen Blick auf das Geschriebene. Schließlich ließ er das Blatt sinken und sprach zu Jehan: „Was hier steht ist schnell gesagt, Sir. Euer Bruder Taran kommt zu einer Zusammenkunft mit Abt Hugo nach Nottingham. Er wird Euch in Kürze mit einem Besuch beehren.“

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Jehan:

Sofort erwachten die Lebensgeister in dem Verletzten und rüttelten seinen Verstand wach. "Taran!" entfuhr es ihm erfreut, und endlich huschte die Andeutung eines Lächelns über sein eingefallenes Gesicht, und die grauen Augen bekamen neuen Glanz. Der zweitälteste in der Familie, der das Erwachsenenalter erreicht hatte, Taran, ihn mochte er gerne, ganz im Gegensatz zu seinem ältesten Bruder Stephen. Stephen war immer der Stolz des Vaters gewesen, während die jüngeren Söhne sich mit den Resten der Zuneigung hatten begnügen müssen, von der nach Stephen so gut wie nichts übrig geblieben war. Natürlich hatte auch Taran ihn das eine oder andere Mal tüchtig verprügelt, aber es war immer eine herzliche Rauferei gewesen. Jehan hatte die Prügel meistens herausgefordert und verdient, er trug sie Taran nicht nach. Viel übler waren die Schläge des Vaters oder Stephens gewesen, auch wenn diese meist verdient waren. Jehan war schon immer impulsiv und halsstarrig gewesen, Geduld und Einsicht fielen ihm schwer.

Taran hatte er nur noch einmal nach dessen Eintritt ins Kloster gesehen, damals stand er vor der Entscheidung, Kreuzritter zu werden. Taran war ein guter, geschickter Kämpfer. Jehan freute sich, dass er ihn nun bald wieder sehen sollte. Sir Godric riss ihn aus seinen Gedanken, indem er sich räusperte.

Der Hauptmann wusste noch immer nicht, was er von ihm halten sollte. "Mylord, Ihr seid zurückgekommen nach Nottingham? Ich dachte, Ihr wolltet so schnell wie möglich nach Wales, nach dem Debakel...." sprach er ihn wachsam an. Zugleich dachte er sich: `Dieser Bursche führt etwas im Schilde, und wenn er sich frech hierher wagt, dann scheint er ein gerissener schlauer Fuchs zu sein, der keine Hemmungen kennt´. Und da er diese Eigenschaften an einem Mann schätzte, stieg Godric of Valnahar in seiner Achtung augenblicklich. Aber auch seine Wachsamkeit vor einem Gegner, der schwer zu durchschauen war.

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Godric:

Godric hatte aufmerksam die erfreute Regung in Jehans blässlichem Gesicht beobachtet. Soso, seinen Bruder beherbergte er also derzeit in Lowdham. Und noch dazu kümmerte der sich mit kundiger Hingabe um seinen Schwager, der bereits mit einem Bein in der Grube gestanden hatte. Da nun jener Taran ein Klosterbruder war, so würde er sein Handwerk zu verstehen wissen. Godric merkte plötzlich, daß er hier nur Zeit verschwendete. Er musste schleunigst zurück nach Lowdham, um diesen Kräutermischer zu beaufsichtigen. Jehan hatte ihm eine Frage gestellt, die nicht ausbleiben konnte. „Nach Wales zurückzukehren ergibt derzeit für mich wenig Sinn, Hauptmann.“, erwiderte er nüchtern, „Ich habe mich nach Lowdham zurückgezogen.“ Insgeheim drängte ihn die Frage, warum Jehan sich seines verletzten Schwagers angenommen hatte, aber diese Nebensächlichkeiten mussten warten. „Da meine Aufgabe hier erledigt ist, werde ich mich nun zurückziehen und Euch Eurer Ruhe überlassen. Guten Tag.“

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Jehan:

"Augenblick noch, Mylord". Jehan richtete sich gerade auf, und er schien die Verwundung vergessen zu haben. Godric hielt inne, drehte sich noch einmal um und sah den Normannen fragend an. "Woher habt ihr diese Botschaft? Habt ihr meinen Bruder gesehen? Wie geht es ihm? Trägt er eine Kutte, oder hat er sich seiner anderen Leidenschaft, dem kämpfen, zugewandt? Ich hoffte es für ihn, er war sich nie sicher, ob das Klosterleben für ihn das richtige wäre, und vielleicht hat er sich anders entschieden. Habt ihr denn keine weiteren Informationen?" Die lange aufgestauten Fragen sprudelten nur so aus Jehan heraus, und fast flehentlich sah er den jungen Adligen an. Seine Augen leuchteten wie die eines Kindes, dem man versprochen hat, dass es auf einer Kirmes eine besondere Leckerei bekäme.

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Godric:

Godric nahm einen tiefen Atemzug. Dieser freimütige Ansturm von Fragen war eine ähnliche Respektlosigkeit wie der Auftrag des Botenritts, doch die Miene des Soldaten drückte eine beinahe kindliche Unschuld aus, gegen die Godric keine Wut aufbringen konnte. Wo war das eiskalte Kalkül des Hauptmanns geblieben? Er gierte nach Antworten wie jemand, dem die Außenwelt lange vorenthalten geblieben war. Godric verspürte beinahe den Hang, sich den kleinen Schemel heranzuziehen und mit dem ans Bett Gefesselten ein Gespräch zu beginnen. Doch die Zeit drängte. Wer wusste schließlich, was Merric im Fieberwahn von sich geben würde? Er musste sich seinem Schwager im Gedächtnis halten, und ihm Ergebnisse seiner versprochenen Nachforschungen liefern. Dennoch konnte er nicht gehen, ohne dem jungen Hauptmann eine zufrieden stellende Antwort zu geben. „Euer Bruder kam heute morgen nach Lowdham.“, entgegnete er, „Ich sah ihn lediglich im Reisemantel und kann nicht sagen, ob er darunter eine Kutte trug. Seine Weiterreise hat er um einige Tage aufgeschoben, um sich um meinen verletzten Schwager zu kümmern. Er selbst scheint sich guter Gesundheit zu erfreuen, jedoch machte er bei Tisch einen ernsten und in sich gekehrten Eindruck.“, er machte eine Pause, doch Jehan blickte ihn weiterhin an, als müsse der Bericht über die kurze Begegnung noch fortgesetzt werden. Godric erinnerte sich plötzlich an eine makabere Bemerkung, die der Fremde während des Essens gemacht hatte. Erst ab diesem Zeitpunkt hatte er seinen Worten aufmerksameres Gehör geschenkt, denn die bissige Zweideutigkeit bezog sich auf König Richard. Leider war die Unterhaltung kurz darauf auf Merric verfallen, und Godric hatte nicht herausfinden können, ob er einen möglichen Meinungsverbündeten hatte. Wie dem auch sei, der Verletzte schien sich sehr auf die Ankunft seines Bruders zu freuen, und die Nachricht hatte ihm bereits frische Kräfte geschenkt. Godric wollte ihm diesen nichtigen Zwischenfall geflissentlich vorenthalten. „Das ist bereits alles, was ich Euch mitteilen kann, Sir Jehan.“, schloss er, und hoffte, sich nun zum gehen wenden zu können.

*

Gwen:

Derweil in Nottingham....   Auf ihrer Flucht hatte Gwen es fast bis zu den ihr so wohlbekannten Gesinderäumen geschafft, als die lauten Töne einer Glocke sie innehalten ließen. Sie wurde immer dann geschlagen, wenn Gefahr im Verzug war...oder Gefangene versuchten zu flüchten. Es war ihr gerade noch möglich sich in einer Nische zu verstecken, als die ersten Soldaten eilig an ihr vorbeihasteten. Gwen wusste, das ihr Fluchtversuch entdeckt war, und sie wusste was gerade jetzt, in diesem Augenblick, um sie herum geschah: Tore wurden geschlossen, Wachen verdoppelt und niemandem, nicht einmal einem Bettler, würde es möglich sein, Nottingham zu verlassen. ‚So nah.... und jetzt kein Weg ihm zu entrinnen...“ war alles was sie denken konnte. Ihr Herz raste und sie kämpfte gegen die vor Verzweiflung aufsteigenden Tränen an und verbarg sich, so gut es ging, in ihrem Versteck. Während sie dort wartete wich ihre Verzweiflung langsam Hass und unbändigem Zorn. Zorn auf die Soldaten, den Sheriff und Gisburne, seinem Helfer, Zorn auf all jene, die ihr Leben in Bahnen gelenkt hatten, die sie so nie für sich geplant hatte. ‚De Rainault!’ stieß sie leise hervor. ‚Ihr irrt, wenn Ihr glaubt Ihr könntet mich schluchzend und um Gnade winselnd zurück in Euer Verlies schleppen! Um nichts in der Welt gehe ich da wieder hin. Wir beenden das hier – und heute.’ Dabei ballte sie ihre Hände zu Fäusten, hob stolz den Kopf und schlich sich vorsichtig zu den Räumlichkeiten der Soldaten...

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Sue:

Will wollte Susanna gerade bei der Hand nehmen, um sie mit zu Robin zu nehmen. Aber die junge Lady dachte gar nicht daran, mit ihm zu gehen. die war die Tochter eines Earls und Robin Hood und seine Bande waren Geächtete, deren Geschichten auch noch in den entlegensten Winkeln Englands erzählt wurden. Die Menschen in den Dörfern lachten, wenn sie über die Gesetzlosen sprachen und freuten sich darüber, dass jemand den Mut hatte, sich mit einer Hand voll Leuten gegen die Obrigkeit zu stellen; einer Obrigkeit, der auch sie seit ihrer Geburt angehörte. Sie kannte auch die Geschichten, wie diese Outlaws Adelige gerne 'mal erniedrigten, nachdem sie ihnen das Geld abgenommen hatten. Mit eigenen Augen hatte sie ihre Brüder Cedric und Lewis nur in Lumpen gekleidet in Leicester einreiten sehen. Zugegeben: auch sie musste bei dem Anblick der beiden ältesten Söhne Lord Williams schmunzeln, aber damals war sie ja auch noch beinahe ein Kind. Jetzt war sie erwachsen, und jetzt war sie es, die Robin Hood in die Hände fallen würde..... "Was macht dich so sicher, Will, dass ich Robin Hood treffen möchte?" fragte sie schnippisch, wieder ganz in der Art der Lady, die sie vor kurzer Zeit ja noch war. "Wieso solltest du Robin nicht treffen wollen?" fragte Will nicht weniger schnippisch zurück. "Weil......." So schnell wie ihr dieses 'Weil' herausgerutscht war, so schnell biss sie sich selbst auf die Lippen. "Jetzt mach bloß keinen Fehler und verrate dich, du dumme Gans". ermahnte sie sich selbst in Gedanken. "Gerade wo du einer Lady am unähnlichsten siehst, kannst du dein vorlautes Mundwerk nicht halten", führte sie ihren Gedanken fort. Mit freundlicherer Stimme wich Susanna Will's Gegenfrage aus: "Es ist besser, wenn ich mich wieder auf den Weg mache, ich habe noch eine lange Reise vor mir. Ich kann es mir nicht leisten, noch mehr Zeit zu verlieren." Der Outlaw musterte Sue eindringlich. Er hatte von Robin die Aufgabe bekommen, sie zu finden, damit ihr kein Leid geschieht. Und er hatte sie auch schon einmal gefunden. Allerdings hatte er sie auch gleich wieder aus den Augen verloren. Noch einmal würde ihm solch ein dummer Fehler mit Sicherheit nicht passieren, dessen war er sich gewiss. Harsch packte er Susanna's Arm und zog sie hinter sich her. Wutschnaubend fuhr er sie an: "Jetzt komm endlich, verdammt noch 'mal! Glaubst du etwa wir sind die einzigen Geächteten hier in Sherwood? Wenn du das glaubst, dann bist du noch dümmer als ich dachte.....MYLADY!" Bei dieser Anrede zuckte Sue unwillkürlich zusammen. Woher konnte er das wissen? Will redete sich weiter in Rage: "Wenn du einem dieser dreckigen Räuber, die es hier auch gibt, in die Hände fällst, dann wirst du nicht so glimpflich davon kommen, Fräulein! Dann würdest du dich über jedes blaue Auge freuen..... Aber viel wahrscheinlicher ist, dass du dann niemals dort ankommen wirst, wo du ja so dringend hin musst! Die fackeln nämlich nicht lange - die schänden dich und bringen dich anschließend einfach um!" Susanna war entsetzt; sie ärgerte sich über ihre Unbedachtheit. Will hatte Recht.....

*

Robin:

Robin war so in Gedanken vertieft, das er gar nicht merkte, wie Will mit Sue im Schlepptau im Lager eintraf. Er war nicht gerade erfreut gewesen, als er erfahren hatte, dass sie die junge Frau einfach vergessen hatten. Also hatte er Will noch mal losgeschickt, um nach ihr zu suchen. Das letzte was sie jetzt gebrauchen konnten, war eine junge Edeldame, die den falschen Räubern in die Hände fällt und womöglich von Gisburne und seinen Männern tot aufgefunden wird. Währenddessen hatte er Herne angerufen. Er machte sich Sorgen um Gwen. Sie durften sie nicht einfach ihrem Schicksal überlassen, aber er wusste einfach nicht, wo er sie suchen sollte, geschweige denn, in welcher Gefahr sie sich überhaupt befand. Nun wusste er es. Sie war in Nottingham. Was in Gottes Namen hat sie veranlasst, nach Nottingham, direkt in die Höhle des Löwen zu gehen? fragte er sich immer wieder. Er hatte Gwen eigentlich als sehr überlegte junge Frau in Erinnerung, und, bei diesem Gedanken musste er unwillkürlich lächeln, genau das hatte ihn manchmal auf die Palme gebracht. Wenn er selber seiner Wut und Enttäuschung freien Lauf ließ, war sie immer diejenige, die ruhig und gefasst überlegte und mehr als einmal zu einer annehmbaren Lösung fand. Hatte dies alles mit dem Hauptmann zu tun, den sie nicht seinem Schicksal überlassen wollte? Irgendetwas sagte ihm, das er mit diesem Mann noch mehr zu tun haben würde, als ihm lieb war. Er würde mit Gwen reden, sobald sie wieder hier war. Aber genau da lag das Problem, über das er, seit er von Herne zurück war, nachgrübelte. Sie konnten nicht nach Nottingham. Und selbst wenn - wenn sie sich verkleiden, so das keiner sie erkennt, was durchaus schon das eine oder andere Mal sehr gut funktioniert hatte - sie kamen nicht ins Schloss, und schon gar nicht in die Verliese. - In die Verliese? Genau das war es! Es war ein verrückter Plan... aber der einzige Weg. Er hob den Kopf und sah die anderen an, die ihn ihrerseits schweigend, auf eine Lösung wartend, anstarrten. Jetzt bemerkte er auch Will, der, als spürte er dass nichts Gutes in der Luft lag, ruhig am Lagerfeuer stand und Sue festhielt. Sie war, seit sie angekommen waren, sowieso damit beschäftigt, diesen bunten Haufen mit offenem Mund nacheinander anzustarren. "Pass auf sie auf!" sagte er in Wills Richtung kurz angebunden. "Ich bin bald wieder zurück." Und in Gedanken fügte er hinzu '..das hoffe ich zumindest.' "Hey, Moment mal, Robin," John sprang auf und stellte sich ihm in den Weg, "was ist jetzt mit Gwen? Wo willst du hin? Ich dachte wir..." "Nicht wir, John. Ich!" fiel ihm Robin sofort ins Wort. Voller Unverständnis sah John ihn an, lies es sich nicht nehmen, den Bogen, den Robin sich gerade überhängen wollte, wieder zu entreißen. "Was soll das heißen? Ich?! Du wirst nirgends alleine hingehen. Und schon gar nicht nach Nottingham. Ist das etwa dein Plan?" "Es ist die einzige Möglichkeit, John." entgegnete Robin. Ich bring sie zurück, versprochen." Mit diesen Worten versuchte er sich an John vorbei zu schieben und ihm den Bogen wieder zu entreißen. Doch John lies sich so leicht nicht abspeisen. "Augenblick mal. Wie willst du alleine ins Schloss und ins Verlies kommen?" Doch schon während John die Frage stellte, keimte in ihm ein Verdacht. "Nein! Robin, nein! - Hast du den Verstand verloren?" "Wir sind da schon mal rausgekommen, John." wütend drehte sich Robin um und schrie John an. "Hast du vielleicht eine bessere Idee? Hä? - Willst du Gwen ihrem Schicksal überlassen? Ich nicht! Ich habe sie weggeschickt, also muss ich sie auch wieder da raus holen." "Robin, nicht!" fiel nun auch der sonst so schweigsame Nasir in das Gespräch ein und sah ihn sorgenvoll an. Selbst Tuck und Will rückten unwillkürlich näher und schüttelten stumm die Köpfe. "Du bist ein verdammter Hitzkopf." schrie nun John zurück. "Was glaubst du was sie machen werden, wenn du einfach da rein spazierst? Dich einfach zu Gwen ins Verlies werfen? - Verdammt noch mal, sie werden dich auf der Stelle hängen. Begreifst du das nicht?"  Wütend riss sich Robin von John, der ihn fest am Arm hielt, los. "Ich weiß was ich tue!" 

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Jehan:

Godric wollte sich schon abwenden, aber Jehan hielt ihn abermals zurück. Er wollte wissen, was der Gotländer mit Lowdham zu tun hatte. "Was habt Ihr dort in Lowdham zu schaffen?" fragte er direkt, da ihm diese ganze Sache nun komisch vorkam. "Und wie kam mein Bruder zu Euch?" Godric seufzte und zuckte die Achseln. Dieser Hauptmann war ein sehr geradliniger Mann, der nicht lange herumredete. Wenn er auch so kämpfte, hoffte Godric, dass er in diesem Falle diesen Soldaten auf seiner Seite wusste. Und schließlich war es Jehan schon einmal gelungen, ihn zu verhaften und nach Nottingham zu bringen.

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Gwen:

Gwen fand den Raum, den sie am hinteren Ende des Ganges betrat, von allen Soldaten verlassen vor. Sie blickte suchend um sich und entdeckte schließlich, was sie brauchte. Auf einem der Tische lag ein einsames Breitschwert. Es wog schwer in ihrer Hand. Zu schwer, wie sie befand, und umgehen könnte sie damit nie. Unweit davon fand sie eine wesentlich bessere Waffe: einen Dolch, etwas größer nur als ihr eigener – wie gemacht für das, was sie vorhatte. Dank des Tumults, den ihre Flucht verursacht hatte war es ein Leichtes, in die Gemächer des Sheriffs zu gelangen. Sie brauchte Gwyneths Beutel zurück. Nachdem sie einige der größeren Truhen vergeblich durchsucht hatte wurde sie schließlich fündig. Mit einem grimmigen Lächeln nahm sie ihn an sich und legte ihn wieder um ihren Hals. Sie trat gerade aus dem Raum, als sie beinahe mit dem Sheriff zusammenstieß. „WACHEN!“ konnte er gerade noch herausbrüllen bevor Gwen ihm den Dolch an die Kehle setzte und ihn, so bedrohend, in den Raum schob. „Ich nehme mir nur was mein ist. – Und ihr, Sheriff, werdet mich jetzt hinaus begleiten“ fauchte sie ihn leise an. Mit dem Dolch versetzte sie ihren Worten noch ein bisschen mehr Nachdruck. Der Sheriff starrte sie ungläubig an. Vom Gang hallten die Schritte der Soldaten an ihre Ohren. Der Sheriff hatte sich wieder unter Kontrolle und beim Geräusch der immer näher kommenden Soldaten machte sich ein niederträchtiges Lächeln um seinen Mund breit. Schon stürzten die ersten Männer in die Kammer um wie vom Donner gerührt stehen zu bleiben als sie erkannten, dass Ihr Herr von einer Frau bedroht wurde. Gwens Gesicht färbte sich weiß vor Wut und ihre sonst so großen, blauen Augen hatten sich zu zwei Schlitzen verengt. Sie erkannte, dass sie gegen diese Übermacht chancenlos war. Für einen Moment nur wanderten ihre Augen vom Sheriff zu den in den Raum drängenden Soldaten und da war es geschehen. Blitzschnell drehte sich De Rainault um und Gwen sah den Schlag, der sie gegen die Wand schleuderte nicht kommen...

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Sue:

Diese kleine Buntgemischte Truppe waren also Robin Hood und seine Spießgesellen? Unglaublich, dass so wenige Männer ganz England in Angst und Schrecken versetzen konnten. Susanna war fassungslos. Andererseits konnte sie eine gewisse Bewunderung, die in ihr für diese Hand voll Männer aufkeimte, nicht verleugnen. Besonders dieser Robin hatte etwas an sich, was sie sehr schnell vertrauen fassen ließ. Sie war tief in diese Gedanken vertieft, als ein lautstarker Streit sie jäh in die Realität zurückbeorderte. Als sie aufschaute wurde sie Zeugin einer recht heftigen Auseinandersetzung zwischen Robin und diesem Riesen - John. Es ging wohl um eine gewisse Gwen. "Gwen.....Gwen..... hieß so nicht diese Frau, die sie Tags zuvor in Wickham gesehen hatte? Und de Rainault hatte sie verhaftet? Dann hatte der Sheriff Sue und die anderen Raufbolde deshalb so 'großzügig' wieder laufen lassen. Wenn Gwen mit Robin Hood zu tun hatte, dann hatte er also schon einen besseren Fang gemacht..... Die Gedanken wirbelten nur so durch Susanna's Kopf. Nachdem die beiden Streitenden endlich mit der Schreierei fertig waren, fasste sich Sue ein Herz und ergriff zögerlich das Wort: "Ich... könnte mich in Nottingham für euch..... umhören....." Sie fing an, ihr gekürztes Haar zu so etwas wie einer weiblichen Frisur zusammenzustecken, um ihrer Absicht etwas mehr Nachdruck zu verleihen. Eine Strähne ihrer Locken ließ sie über ihr linkes Auge fallen. Als Frau würde der Sheriff sie bestimmt so schnell nicht wieder erkennen. Robin und die Anderen hielten inne und guckten sich mit großen Augen an. "DU"? fragt Robin. Susanna bemerkte sehr wohl den leicht spöttischen Unterton in dieser kurzen Frage. "Wir haben auch ohne auf dich aufpassen zu müssen schon genug zu tun....." "Es war ein Versuch", dachte sie sich und wandte sich traurig ab. Tief in ihrem Innern hatten Robin's Worte Susanna hart getroffen.....

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Godric:

„Sir Jehan“, holte Godric aus, die Hand gelassen auf den Schwertknauf gestützt, „Eure Neugier zeigt mir, daß Ihr selbst in Eurem entkräfteten Zustand einen wachsamen Verstand besitzt. Das ehrt Euch, doch sei es Euch gesagt, daß Ihr nicht den hablosen Narren vor Euch habt, der noch vor wenigen Tagen die Anwesenden des Bankettsaals amüsierte. Ich bin nunmehr Lord of Lowdham!“ Während er dies sagte empfand er zum ersten Mal Stolz über den so plötzlich erworbenen Titel - unehrlich hin oder her, Merric hatte es nicht besser verdient. Seine Worte hinterließen große Wirkung im Gesicht des Hauptmanns. Jehans Augen weiteten sich und für einen Augenblick war er sprachlos. Was war nur alles geschehen, während er sich in Wickham geärgert und gequält hatte? Er war überaus erstaunt und in einer Weise beeindruckt. Dennoch scheute er sich nicht, sogleich weiterzufragen, diesmal jedoch etwas zögerlicher: „Und wie - Sir Godric - wie wurdet Ihr Lord of Lowdham - in so kurzer Zeit?“, er war wieder blass geworden und bemerkte nicht, daß er Godric in Verlegenheit gebracht hatte. Der junge Mann senkte kurz den Kopf, als stünde die Antwort auf dem Plattgestampften Lehmboden. „Merric, mein Schwager überließ mir das Land für den Dienst, seine Männer in Ruthin von der Ankunft des Königs zu benachrichtigen. So sichern wir immerhin den Schutz unser beider Familien. Übrigens war es sehr zuvorkommend von Euch, ihm in seiner Not zu helfen. Seid dafür bedankt.“ Jehan blickte immer noch verwirrt drein und bemühte sich, das bisher Erfahrene zu einem sinnvollen Gefüge zusammenzusetzen. Der verletzte Waliser auf der Wiese vor dem Wald kam ihm wieder in den Sinn... Es war ihm völlig entgangen, daß der Bader ihn hatte gehen lassen. Vor allem wollte er sich ein genaueres Bild von Godric machen, zumal der nun als Lord of Lowdham in direkter Nachbarschaft lebte. Ihm fielen noch weitere dringende Fragen ein, doch diesmal war er nicht schnell genug. „Ich muss jetzt gehen.“, sagte Godric geschäftig, „Ich wünsche Euch eine baldige Genesung.“ Er hob noch einmal kurz den Brief zur Erinnerung, und ließ ihn dann auf dem Schemel zurück. Dann ging er hinaus, verabschiedete sich von den Mönchen und trat mit dem Soldaten der Burg den Weg zum Stadttor an. Flüchtig bemerkte er, daß man dort die Wachen verdoppelt hatte, dachte sich jedoch nichts dabei, bis ihnen einer der Posten entgegen kam und ihnen den Weg versperrte. „Ihr könnt die Stadt heute nicht mehr verlassen, Mylord. Eine Gefangene ist entflohen. Wir haben Order vom Sheriff, niemanden hinauszulassen.“ Godric zog hart die Zügel an. „Was soll das heißen, heute nicht mehr?“, fragte er barsch, „Ich muss zurück auf meine Burg!“ Der Soldat schüttelte entschuldigend den Kopf. „Da ist nichts zu machen. Der Befehl wird erst aufgehoben, wenn die Gefangene wieder hinter Schloss und Riegel sitzt.“ Godric unterdrückte seinen Zorn, wendete schließlich das Pferd und machte kurz darauf vor dem Alehaus Halt. Ausgedehnte Mahlzeiten waren in den letzten Tagen reichlich kurz gekommen, nun hatte er die Zeit dazu. In dem Gewölbe hatte sich allerlei Halunkenpack angefunden und es stieß den beiden Männern sofort ein Getöse entgegen, als sie den Schankraum betraten. Godric setzte sich mit dem Soldaten in eine etwas ruhigere Ecke, von der aus er jedoch das Geschehen gut im Auge behalten konnte. Der Wirt brachte ihnen zwei massige Alekrüge und warf einen abschätzenden Blick auf die beiden unbekannten Gäste. Er hatte ein Gesicht so rotbraun wie ein Bratapfel. „Meine Herren, Ihr habt zweifelsohne eine Attraktion verpasst! Heute Morgen tauchte hier so ein junger Tunichtgut auf! Der hatte beinahe Schlagseite von dem Schwert an seinem Gürtel!“ Godric hörte ihm gnädig zu, ohne etwas zu sagen. Gegen Männer, die ihn grundlos anschwatzten war er neuerdings skeptisch. „Hat vorgegeben, im Dienste des Earls zu stehen!“, er grinste breit, „Die halbe Portion! Hatte einen wirren Lockenkopf, wie mein Jüngster zuhause! Und wollte ein Pferd haben, um schnell weiterzukommen. Aber stattdessen hat er sich auf eine Schlägerei eingelassen, der Dummkopf!“, der Wirt schüttelte neckisch den Kopf, „Möchte ja wissen, was aus dem geworden ist!“ Er zog sich zurück und die beiden Männer am Tisch hoben ihre Krüge. Vor Godrics Augen erschien wieder der junge Reiter, der ihm kurz vor dem Stadttor begegnet war. Kein Wunder, daß er es eilig gehabt hatte. Seltsam - irgendetwas an dieser Erscheinung blieb ungereimt... Godric verjagte die Gedanken und nahm einen großen Schluck Ale, das nicht schlecht schmeckte, obwohl er Wein stets vorzog. Nun war ihm ein ganzer Tag ungewollten Nachdenkens auferlegt, den er für die nächsten Stunden in dieser Schänke verbringen würde. Anschließend wollte er bei einem ausführlichen Gang durch Nottingham die Stadt kennen lernen, sich die Gesichter ihrer Händler und Marktreibenden einprägen, und vielleicht mit dem einen oder anderen in ein ungezwungenes Gespräch fallen. Wer weiß, wozu ihm diese freundschaftlichen Verbindungen einmal nutzen würden...

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Jehan:

Jehan nahm den Brief von Schemel, öffnete ihn und betrachtete die krakelige Schrift darauf. Dieses Gekritzel stammte zweifellos von Taran. Er kannte seine Hand. Die Gedanken führten ihn zurück in die Jugendzeit. Er musste unwillkürlich lächeln - und dann tauchte Gwen wieder auf. Gwen, die ja nun hier in Nottingham war. Er hatte sie suchen wollen. Und er musste sie doch suchen! Er könnte Taran nicht unter die Augen treten und ihm sagen müssen, dass ihr ein Leid geschehen ist. Ob sie frei war? Da er sich schon besser fühlte, beschloss er, den Krankenstand zu beenden und seinen Gedanken Taten folgen zu lassen. Er setzte sich auf, als eben Geraldus herein trat. "Mein lieber Junge, Ihr solltet noch ruhen" schimpfte er los. "Noch seid Ihr nicht gesund!" Er sprach absichtlich in einem milden besänftigenden Tonfall, wie man zu einem Kind, oder zu einem kranken Pferd spricht, bevor eine schmerzhafte Behandlung beginnt.´ Es wird dir nichts geschehen, solange du tust was ich sage´, sagte diese Stimme. "Es geht mir gut" widersprach der Hauptmann, obwohl er den linken Arm nur unter Schmerzen bewegen konnte. "Ich habe zu tun!" Bruder Geraldus zuckte die Achseln. Er debattierte grundsätzlich nicht mit normannischen Soldaten, die sowieso alles besser wussten. Einen Versuch war es wert gewesen, obwohl er die Antwort schon im Voraus gekannt hatte. "Ihr solltet daran denken, unserem Orden eine Kerze zu stiften" deutete der Mönch mit harmlosen Gesicht an. Jehan konnte sich nur mit Mühe seinen blauen Umhang um die Schultern legen. Als er es endlich geschafft hatte, griff er sein Schwert und den Gurt. Er war Soldat, und sollte sich von einem Mönch an seine Schulden erinnern lassen? Dankbarkeit zählte leider auch nicht grade zu seinen Stärken. Aber er verstand den Wink sehr wohl. "Ich werde Euch entlohnen, Bruder, sobald ich den nächsten Sold bekomme. Versteht mich nicht falsch - ich bin Euch zu Dank verpflichtet...." "Fürwahr, das seid Ihr in der Tat. Und denkt daran, Ihr seid noch immer angeschlagen. Übertreibt es nicht - manche Dinge brauchen einfach seine Zeit." Jehan nickte und verließ die Krankenstation. Diese Mönche waren nicht auf den Kopf gefallen. Ich werde ihnen etwas stiften, wer weiß, wann ich ihnen das nächste Mal unter die Hände gerate. In seinem Amt war das eher früher als später der Fall... In einer möglichst schonenden, aber aufrechten Haltung machte er sich auf den Weg durch die stinkenden Gassen der Stadt Richtung Burg. Als er die verstärkte Wache am Tor sah, wurde er stutzig. Sollte er etwa die Alarmglocken überhört haben? Und dort hinten, am Stall neben dem Alehaus angebunden, stand der kastanienbraune Hengst Sir Godrics of Lowdham. Man musste ihn also höflich aber bestimmt von seinem Vorhaben, die Stadt zu verlassen, gehindert haben. Der Hauptmann betrat eben mit schmerzhaft verbissenem Gesicht die Wehranlage, wo er den Sergeanten der Wache, einen schwarzhaarigen, pockennarbigen Burschen, ansprach. "Auf ein Wort, Sergeant. Du kennst die Gäste, die hier weilten, solange der König hier war?" "Sicher, Hauptmann, aber die meisten sind bereits abgereist." "Was ist mit Sir Faude Carfilhiot? Ist er noch hier?" "Das war doch der mit dieser aufreizenden hübschen ...." der Sergeant schluckte seine ungehobelten Sabbereien im letzten Moment hinunter. "...ich meine, der mit dieser liebreizenden Lady Perilla in seiner Begleitung" verbesserte er schnell. "Er ist mit ihr zu ihrem Haus geritten." Natürlich wusste seit ihrem Besuch jeder Mann hier in Nottingham, wo Perilla wohnte. Nun, Faude war also noch in der Nähe. Wenn er auch gerade ziemlich abgelenkt zu sein schien.... "Haben wir irgendjemanden in der letzten Nacht eingekerkert?" fragte Jehan in möglichst dienstlichem Ton. "Eine Frau etwa?" "Deswegen gab’s ja diesen Alarm, Hauptmann. Die Gefangene, ich glaube ihr Name ist Gwen, ist geflohen! Wir dürfen auf Anweisung des Sheriffs keine Menschenseele aus der Stadt herauslassen." Auf Anweisung des Sheriffs! Jehan kaschierte seine Aufregung. "Ein weiser Mann, unser High-Sheriff" sagte er leichthin. "Diese Gesetzlosen werden bald alle in unserem Kerker sitzen." Damit ließ er den Sergeanten stehen und wandte sich dem Burghof zu. Der Sheriff persönlich hatte Gwen eingesperrt! Wie sollte er ihr nur helfen? 

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Robin:

"Vielleicht hat sie Recht, Robin. Sie ist die Einzige die ungehinderte nach Nottingham gehen kann." sagte John leise, aber eindringlich zu Robin. "Es wäre doch...." "Was soll uns das nützen, John?" gab Robin gereizt zurück. "Wie soll sie Gwen helfen? Sie ist in den Verliesen, da kommt selbst diese verzogene Lady nicht.....Moment mal." prüfend sah Robin zu Sue, die immer noch mit gesenkten Kopf da stand. "Wie ist eigentlich dein Name?" sprach er sie an. "Susanna of Leicester ." antwortete sie kleinlaut. "Dein Vater ist nicht gerade ein Freund des Sheriffs, aber sie müssen miteinander auskommen, richtig?" bohrte er weiter. Fragend sahen die anderen ihn an. "Was hast du vor?" John konnte ihm momentan noch nicht folgen. Lächelnd drehte sich Robin wieder zu ihm. "Das ist doch ganz einfach. Wir haben hier eine Lady, und der Sheriff hat eine von uns! Um die nachbarschaftlichen Beziehungen nicht zu gefährden, wird er auf den Handel eingehen müssen." Voller Entsetzen lauschte Sue den Worten Robins. "Aber ich....!" versuchte sie trotzig zu protestieren. "Niemand zwingt dich dazu." fiel ihr Robin sofort ins Wort. "Wir werden dich nicht an ihn ausliefern. Sobald wir Gwen haben, werden wir dir helfen zu entkommen." "Pah...," antwortete Sue nun leicht wütend, "mein Vater wird mich verstoßen und ich werde auch zu einer Geächteten, so wie ihr. Niemals!" ihre Augen funkelten vor nun brodelnder Wut und trotzig riss sie sich von Will los, der sie immer noch am Arm festhielt.

"Gut," sagte Robin nach einer Weile des Schweigens, in dem sein Blick auf Sue lag. Nachdenklich sah er dann auf den Boden, bevor er entschlossen den Kopf hob. "Ich werde gehen." "Oh nein, Robin. Das wirst du nicht." blitzschnell war John ihm wieder in den Weg getreten. Und während sich beide wütend anfunkelten und über das für und wider stritten, lagen die Blicke von Tuck, Nasir und Will flehend auf Sue.....

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Gwen:

Sofort nach des Sheriffs Schlag, der Gwen so unerwartet getroffen hatte, drangen mehrere Soldaten auf sie ein, einer packte sie, entwand ihr das Messer und verdrehte ihren Arm dann auf den Rücken. Gwen versuchte sich zu wehren, aber das brachte ihr nur noch mehr Schmerzen ein. Die Männer zerrten sie vor den Sheriff, dessen kalte Augen sie böse anfunkelten. Mit seiner vom Schwertkampf gestärkten Hand packte er ihren Hals. „Das wirst du bereuen, du Hexe!“ brüllte er sie vor Wut an. „Schafft sie mir aus den Augen Gisburne! – Und Gisburne, keine weiteren Beweise Eurer Inkompetenz! Stellt einen Eurer Hauptmänner ab, meinetwegen auch zwei, aber dieses Weibsbild kommt mir so schnell nicht mehr da raus! – Und öffnet endlich wieder die Tore“ Gwen fühlte sich leer und ließ sich widerstandslos abführen. Erst als sie das schwarze Loch des Kerkers sah versuchte sie so etwas wie Gegenwehr, mehr aus Verzweiflung denn aus Hoffen auf eine mögliche Flucht, sträubte sie sich und versuchte nach den Soldaten zu treten. Sie war ihnen hoffnungslos unterlegen und die Männer schienen sich daraus einen Spaß zu machen. Nachdem sie sie lange genug haben um sich treten lassen warfen sie Gwen kurzerhand in den Raum und schlossen hinter ihr die Tür. Dunkelheit, Stille und Einsamkeit umgaben die am Boden liegende Gwen. Die Schulter und der Arm brannten vom harten Griff der Soldaten, die linke Seite ihres Gesichts tat ihr weh und sie konnte etwas Blut schmecken. Sie schloss die Augen und ihre Gedanken wanderten zu den Freunden in Sherwood, weiter in die Buchenwälder von Gapdale und zurück zu Elisabeth und ... Jehan.

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Sue:

Susanna schaute in die flehenden Gesichter von Tuck, Nasir und Will. Sie schämte sich - hatte sie doch selbst ihre Hilfe angeboten. Aber als man sie beim Wort nahm, machten sie einen feigen Rückzieher..... Gedanken wirbelten ihr durch den Kopf. Was wäre, wenn sei sich auf diesen Austausch einließe? Würde der Sheriff in ihr vielleicht doch den Raufbold wieder erkennen, den er gerade erst hat laufen lassen? Was wäre, wenn Robin und seine Männer sie nicht aus den Händen des Sheriffs würden befreien können? Schlimmsten Falles würde de Rainault sie von seinen Soldaten zurück nach Leicester eskortieren lassen und sie dort ihrem Vater übergeben. Vielleicht hätte Lord William ja dann ein Einsehen und würde Susanna ihre Freiheit lassen. Früher brauchte sie den Earl nur mit ihren großen Augen anzuschauen und er konnte ihr beinahe keinen Wunsch abschlagen..... Aber was wäre, wenn es den Geächteten gelänge, sie aus Nottingham wieder herauszuholen? Der Sheriff würde sich sicherlich nicht die Gelegenheit entgehen lassen, Lord William höchst persönlich über die Freveltat seiner Tochter zu informieren..... Nein, darüber wollte sie lieber gar nicht erst nachdenken. "Nun gut", sagte sie entschlossen. "Ich habe wohl keine Wahl. Lasst es uns versuchen....." Gemeinsam begannen sie, den bevorstehenden Rettungsversuch für Gwen zu planen.

*

Robin:

"Du wirst nicht an mir vorbeikommen. Dein ach so toller Plan ist der reinste Wahnsinn." schrie John, so langsam außer sich vor Wut, angesichts der Starrköpfigkeit von Robin. "Ach," schrie Robin nicht minder wütend zurück, "hast du etwa einen besseren Plan. Ich hole sie da raus - und zwar jetzt." sagte er dann gefährlich leise, mit zusammengezogenen Augenbrauen und vor Trotz und Wut funkelnden Augen. Mit einem Schrei der Verzweiflung hob John seinen Stock hoch und wollte schon auf Robin losgehen, da er keine andere Möglichkeit sah, ihn von diesem Irrsinn abzuhalten, als Will ihn zurückriss. "Hey, sagt mal seid ihr beide übergeschnappt? Hört auf - Sie wird uns helfen."  Robin und John waren so in ihren eigenen Streit vertieft, dass sie Sue gar nicht wahrgenommen hatten. Fragend sahen sie erst zu ihr und dann sich gegenseitig entschuldigend an. "Bist du dir sicher?" fragte Robin nun schon wieder ruhiger. Sue nickte kurz, da sie selber immer noch mit den Gedanken an das, was danach passieren würde, beschäftigt war. "Okay - wir werden ein Schreiben an deinen Vater aufsetzten. Tuck!" Von der eben noch dagewesen Wut und dem Streit mit John merkte man gar nichts mehr. Die Anordnungen kamen präzise und überlegt. "Nach Leicester wird Tuck gehen. Much du begleitest ihn, hälst dich aber bedeckt. Euer Vater wird den Sheriff bitten müssen, uns Gwen auszuliefern. Der Sheriff wird zwar toben, aber er wird es nicht wagen, sich gegen Euren Vater zu stellen und das Leben seiner Tochter zu gefährden. Beeilen wir uns!"

*

Jehan:

Jehan ging unschlüssig zu den Wachräumen. Gwen war also geflohen. Wo sollte er sie dann suchen? In diesem Moment wurden die Tore geöffnet. Das konnte nur bedeuten, dass sich die Flüchtige wieder in Gewahrsam befand. Also in den Verliesen. Der Folter ganz nahe... Obwohl er noch nicht wirklich wusste, was er eigentlich vorhatte, schlug der Hauptmann den Weg zum Kerker ein. Das Gefühl des Zerrissenseins drängte sich wieder auf wie ein penetranter Bettler im Gemenge. Er konnte es nicht loswerden. Schließlich erreichte er die Kerker. Der Wachsoldat stand stramm, als er den Hauptmann kommen sah, und tat vergeblich so, als wäre er die ganze Zeit über so wachsam. "Ich will mit der Gefangenen Gwen sprechen!" herrschte Jehan ihn an, in einem Tonfall, der keinen Widerspruch duldete. Der Soldat war es gewohnt, zu gehorchen, also schloss er die Tür auf und Jehan betrat die finstere moderige Zelle. Gwen kauerte zusammengerollt in einer Ecke und hatte ihr Gesicht in ihren Armen verborgen. Als die Tür geöffnet wurde, hob sie hoffnungslos den Kopf. Dann erkannte sie, wer da vor ihr stand, und ein leiser Seufzer entrang sich ihrer Lunge, der aus den Tiefen ihrer Seele zu kommen schien. Ihre Augen begannen zu glänzen wie nasse Steine. Jehan schüttelte sacht den Kopf und wies zur Tür. Sie verstand. Der Soldat draußen durfte nichts mitbekommen. Also richtete sie den Blick ihrer blauen Augen hoffnungsvoll auf ihren Lieblingshauptmann. "Geht es dir gut?" flüsterte sie. Jehan nickte, obwohl es ihm noch gar nicht gut ging. Aber das spielte jetzt keine Rolle. Er reichte ihr die Hand, die sie dankbar nahm, und zog sie hoch. Einen Herzschlag lang standen sie eng beisammen, sahen sich tief in die Augen und .... da hörten sie draußen Lärm und Tumult. War das etwa Robin Hood, der Gwen befreien wollte? Oder Gisburne? Jehan zuckte zusammen, bedeutete ihr, stehen zu bleiben, wandte sich nervös ab, und schritt zur Tür hinaus um nachzusehen.

*

Faude:

„Seid ihr von allen guten Geistern verlassen, Mann?“, brauste Sir Faude auf und fegte einen Stapel Pergamente von ihrem Angestammten Platz. Der Benediktiner duckte sich wie unter einem Peitschenhieb und stammelte: „W.., Wie, ich schon sa..., sagte, Mylord, die Abhandlungen, die ihr sucht, existieren nicht mehr.“ Carfilhiots Blick fixierte den alten Mönch wie die Kreuzotter die Waldmaus. , fragte er dann etwas ruhiger. „Nein, Mylord, der Vorvorgänger unseres Abtes hielt das für Heidenwerk und Ketzertum und hat alle Schriftstücke, die sich damit beschäftigen auslöschen und neu beschriften lassen“, führte sein Gegenüber froh darüber aus, mit seinem Wissen zu glänzen. „Darunter befanden sich auch kostbare Abschriften über die Heilkunst der Syrer und natürlich auch die keltischen und piktischen Sagenkreise.“ Faude Carfilhiot lehnte sich angestrengt an ein Stehpult und beobachtete aus dem Augenwinkel die Skriptoriumsgehilfen, die ihn ängstlich musterten. Kein Zweifel, er war der Eindringling in ihrer beschaulichen Welt. Er dachte nach. Die Bilanz seines Besuches in Nottingham fiel ernüchternd aus. Ein Todfeind, den er fast vergessen hatte, war erneut in sein Leben getreten. Aries of Ashtonhall würde nicht eher ruhen, als bis er kalt in seinem Blut lag. Mit seinen Plänen war er nicht einen Schritt weitergekommen. Ja, er hatte nicht einmal die Gelegenheit gehabt um mit Jehan of Beaversbrook zu sprechen. Ständig musste diese Nervensäge Gisburne irgendwo auftauchen um sich einzumischen. Der Mörder des Kanzleischreibers rannte immer noch frei herum. Er hatte sich wegen Sir Aries nicht beim König in Erinnerung rufen können und de Rainault saß so fest im Sattel wie eh und je. Der einzige Lichtblick, waren die trefflichen Gespräche mit seiner Cousine Perilla gewesen. Schade, daß ihre Belesenheit Lady de Draginion bestimmt schon bald gezwungen wäre, irgendeinen todlangweiligen Normannenritter zu heiraten, der ihr geistig unmöglich gewachsen wäre. Sir Faude schaute dem Mönch dabei zu, wie er die Pergamentseiten vom Boden aufhob. Als der Normanne die Luft einsog um etwas zu sagen, hielt der Benediktiner ängstlich inne. „Nun gut, ich will mich nicht über verschüttete Milch aufregen“, beschied ihm Faude zu seiner Erleichterung. „Aber ihr kennt doch sicher irgendeinen Gelehrten, der sich mit der Materie auskennt, nicht wahr?“ Der alte Schreiber nickte beflissen. „Wenn ihr euch so für die alten Kelten interessiert, Mylord, dann solltet ihr Bruder Berengar aufsuchen. Möglicherweise kann er eure Neugier befriedigen.“ ''Wo kann ich denn diesen beschlagenen Mönch finden?''„Das könnte etwas schwierig sein. Bruder Berengar ist ein Gefangener des Sheriffs, Mylord.“ Sir Faude horchte auf. „Ein Kleriker als Häftling? Was hat er sich denn zuschulden kommen lassen?“ „Er ist ein Freund von Bruder Tuck, dem geflüchteten Kaplan des Sheriffs. Dieser soll sich den Geächteten um Robin Hood angeschlossen haben und aus Rache und weil er seinem Freund die Treue hielt, wurde Bruder Berengar eingesperrt - ihr versteht?“ Carfilhiot nickte. ''Ich hoffe ihr seht mir meinen Ausbruch nach, Bruder Jacobus. Ich hatte jedoch fest damit gerechnet, in eurer Bibliothek etwas Passendes zu finden.'' „Kein Grund sich zu entschuldigen, Mylord, ihr habt meinen Tag bereichert. Wo hat man schließlich schon von einem normannischen Herrn gehört, der sich für das Keltenvolk und seine Geschichten interessiert.“ Mit diesen Worten geleitete der Scriptoriumsleiter ihn zum Ausgang. Sir Faude stand einen Moment unschlüssig auf dem düsteren Gang vor der Bibliothek, und schritt dann munter aus um einem gefallenen Mönch einen Besuch abzustatten.

*

Gwen:

Der Wachmann schloss die Tür hinter Jehan und Gwen war wieder von Einsamkeit umgeben. Unschlüssig blieb sie stehen und nur ihre brennende Wange riss sie aus ihrer Lethargie. ‚Ein Traum nur..das kann gar nicht...’ durchfuhr es sie. Und doch konnte sie beinahe noch den Druck seiner Hand spüren als er ihr aufhalf. ‚Jehan...kam er wirklich meinetwegen? Um mir zu helfen?...Oder war es vielleicht nur eine von Gisburne ersonnene Gemeinheit...eine neue Art Hoffnungslose zu quälen?’ aber sosehr Gwen auch grübelte: sie verstand nicht, was hier vor sich ging. Sie war sich ihrer Gefühle nicht sicher und sie konnte sich erst recht kein Bild von dem machen, was in Jehan, dem normannischen Hauptmann, vorging.

Der Lärm wurde immer lauter, sie hörte Schritte und Stimmen, einzig die Bedeutung der Worte blieb ihr verborgen. Nichts Gutes ahnend drückte sie sich in die hinterste Ecke und blickte, in Erwartung der Soldaten die sie wieder irgendwohin schleppen würden, ängstlich auf die verschlossenen Tür...

*

Jehan:

Jehan sah zu, wie der Soldat die Tür zu Gwens Kerker wieder verschloss. Was mache ich hier? fragte er sich ernsthaft. Der Sheriff wird mich auf das Rad spannen, wenn er das herausfindet. Und doch konnte er nicht zusehen, dass Gwen etwas angetan wurde. Aber sie war unversehrt, niemand folterte sie oder quälte sie. Das gab ihm Zeit, einen Plan zu ersinnen. Zeit blieb ihm jedoch keine. Der Soldat, der Sir Faude of Carfilhiot davon abhalten wollte, die Keller zu betreten, konnte protestieren, soviel er wollte. Der Normanne schritt vollkommen unbeeindruckt voran, und sagte nur: "Bringt mich endlich zu Bruder Ranulf, oder soll ich Euch Beine machen, Ochse?" Und plötzlich standen sie sich unverhofft gegenüber, Sir Faude und der Hauptmann. Jehan, der mit Sir Faude in diesem Moment am allerwenigsten gerechnet hatte, reckte sich, als er endlich seine Chance für ein Gespräch erkannte, und fuhr den Soldaten an: "Sei still, Mann! Sir Faude kann besuchen, wen immer er will, verstanden?" "Aber Hauptmann, der Sheriff selbst gab mir die Order, niemanden zu diesem Teufels-Bruder vorzulassen!" "Und ich sage, du verschwindest jetzt ganz schnell, bevor ich wütend werde, Soldat!" Etwas dünn fiel Jehans Wut ja aus, da er sich wegen der unsäglichen Schmerzen in der linken Schulter nicht ernsthaft aufzuregen wagte. Immerhin genügte es, um den Soldaten auf seinen Rang zu verweisen, und er ging beleidigt schweigend davon, fest entschlossen, Sir Guy zu informieren.

Sir Faude bedachte den Hauptmann mit einem zufriedenen Blick. "Ich dachte schon, Ihr wäret im Dienst erschlagen worden - Ihr seid mehr unterwegs, als hier in Nottingham" stellte er fest. "Und Ihr seid mehr hinter den Weibern her als der schlimmste meiner Soldaten" entgegnete Jehan mürrisch. "Was zum Henker sucht Ihr ausgerechnet hier?"

*

Sue:

Lord William schäumte vor Wut als ihm sein Kaplan den Brief vorlas, den ihm Tuck gerade eben in Leicester-Castle übergeben hatten. Er riss dem Geistlichen das Pergament aus der Hand, um sich mit eigenen Augen dieser Freveltat zu vergewissern. Wieder und wieder las er die Zeilen, die ihn so aus der Fassung brachten. "Das schlägt dem Fass den Boden aus! Das ist ja unglaublich!" schrie der Earl. "Robin Hood hat meine Tochter als Geisel genommen.....MEINE TOCHTER.....um eine der seinen aus dem Kerker des High-Sheriff's of Nottingham zu befreien.....!" Susanna's Vater kriegte sich gar nicht mehr ein; auch Lady Rowena, seine Ehefrau, vermochte ihn nicht zu beruhigen. Der ansonsten so rational denkende Edelmann war eigentlich als kühler Stratege bekannt und durch nichts so leicht zu erschüttern, wenn es jedoch um das Leben eines seiner Kinder ging, verstand er keinen Spaß. Im Traum dachte er nicht daran, dass seine Tochter selbst Robin Hood ihre Hilfe angeboten hatte, Gwen aus den Händen de Rainault's zu befreien.....

"Hugh!" rief er seinen Steward zu sich. "Lass mein Pferd satteln - ich werde persönlich nach Nottingham reiten. Ich will ja schließlich nicht, dass diese Kröte von einem Normannen das Leben meiner Tochter aufs Spiel setzt, nur um seinen törichten Kampf mit diesem Robin Hood auszufechten."....."Und schick diesen Geächteten zu mir, der die Nachricht überbrachte, diesen dicken Mönch. Er wird mich begleiten. Und wehe ihm, wenn Susanna auch nur ein Haar gekrümmt wurde!" Zwei Soldaten führten Tuck zu Lord William: "Du wirst mich begleiten, Gesetzloser, und wehe meiner Tochter ist ein Leid geschehen, dann werde ich persönlich Robin Hood und seine Bande jagen. Und glaube mir, ich werde nicht eher ruhen, bis ich auch den letzten von euch zur Strecke gebracht habe!" Der Mönch fühlte sich unbehaglich. Der Earl war ein Mann mit dem nicht zu spaßen war. Tuck begann daran zu zweifeln, ob die Idee, Gwen auf diese Weise zu befreien, wirklich so gut war, wie es anfangs schien..... Vor den Mauern Leicesters sammelten Susanna's Vater und Tuck noch Much ein, der geduldig auf die Rückkehr seines Freundes wartete. Schweigend ritten sie nach Nottingham.

Vor den Toren Nottinghams ließ der Earl Tuck und Much zurück. Er wollte allein dem Sheriff gegenübertreten. Lord William kannte de Rainault recht gut. Er wusste, dass dieser mit allen Mitteln versuchen würde, der beiden Geächteten habhaft zu werden. Sue's Vater befürchtete, dass diese unselige Situation eskalierte, wenn der High-Sheriff ihrer ansichtig würde. Das Leben seiner Tochter wollte er auf gar keinen Fall gefährden. Tief in seinem Innern machte sich Lord William selbst für die Gefahr verantwortlich, in der seine Jüngste sich nun befand. Die kurze Zeit, in der Susanna nun verschwunden war, kam ihm wie eine Ewigkeit vor. Er fühlte sich machtlos, denn auch die Soldaten, die er in alle Richtungen aussandte, seine Tochter zu suchen, kehrten mit leeren Händen nach Leicester zurück. Dies hier könnte jedoch seine Chance sein, sein Kind wieder nach Hause zu bringen. "Lord William, Earl of Leicester", rief der Steward des Sheriffs als Susanna's Vater das Schloss betrat. "Mein lieber Lord William", schalmeite ihm die Stimme des Sheriffs entgegen. "Was führt Euch nach Nottingham?" "Ich bin gekommen, um Eure Hilfe zu erbitten, Robert" antwortete der Earl und fuhr unbeirrt fort: "Robin Hood hat meine Tochter gefangen genommen....." Lord William schilderte dem Sheriff was geschehen war. Die Augen des Normannen wurden immer größer und drohten langsam aber sicher ihm aus dem Kopf zu fallen. Als Sue's Vater seinen Vortrag beendet hatte runzelte sein Gegenüber zweifelnd die Stirn. "Ihr erlaubt Euch doch sicherlich einen Scherz mit mir, nicht wahr Mylord? Ihr erwartet nicht wirklich, dass ich Gwen of Hawkney frei lasse?" fragte de Rainault." "Sehe ich so aus, als mache ich Witze?" fragte der Earl mit fester Stimme. "Ich bin hier um Eure Hilfe zu erbitten - nein zu fordern. Denn wenn Ihr sie mir verweigert, werde ich den König höchstpersönlich von Eurer Inkompetenz überzeugen.....Ihr versteht mich?"

Der Sheriff wagte nicht zu protestieren. Er wusste um die guten Beziehungen Lord Williams zu König Richard. De Rainault kochte innerlich vor Wut - er hatte keine Wahl.... 

*

Godric:

Nachdem Godric zwei Krüge des annehmbaren Ales ausgetrunken hatte erhob er sich, zahlte und trat mit dem Soldaten vor die Tür. Es herrschte eine unbestimmbare Unruhe in den Straßen. Gruppen von Leuten standen zusammen und tuschelten miteinander, ein ungestümer Reiter hatte einen alten Mann mit einem Apfelkarren angerempelt, so daß das Obst über den dreckigen Kopfstein kullerte. Der Mann fluchte fuchsteufelswild, während ihm die herumstreunenden Kinder seine Ware klauten. Godric warf einen prüfenden Blick zum Stadttor. Dort drängten sich einige Händler und waren in ein Lauthalses Wortgefecht mit den Wachhabenden verwickelt, obwohl das Tor bereits wieder geöffnet war. Zufrieden schritt Godric aus, um sein Pferd zu holen, als er plötzlich aus der kleinen Masse am Tor jenen Mann hervortreten sah, der sich inzwischen als Taran of Beaversbrook, Jehans Bruder, entpuppt hatte. Godric kniff misstrauisch die Augen zusammen. Hatte der vermeintliche Mönch nicht beteuert, an Merrics Krankenbett wachen zu wollen? Er beobachtete den Mann, wie er zielstrebig, den Blick zu Boden gerichtet die Straße hinauf kam. Bei seinen ausladenden Schritten wallte der lange Reisemantel um seine Beine, doch von den Knien abwärts war er offen und aufgrund der Bewegung umgeschlagen. Taran trug eindeutig keine Kutte! Kurz bevor er in Godrics Höhe angekommen war hob er plötzlich wie auf einen Instinkt hin den Kopf und erblickte den jungen Lord vor der Tür des Alehauses. Seine Miene zeigte keine Überraschung, er steuerte von seinem Weg ab und blieb vor Godric stehen. „Mylord“, sprach er, ganz so, als hätte er die Begegnung vorausgesehen, „Ich habe Euch einige gute Heilmittel für Euren Verwandten hinterlassen, jedoch kann ich zu meinem Bedauern nicht die Zeit erübrigen, mit der ich zunächst rechnete.“ „Aber gewiss“, entgegnete Godric, der weitaus größeres Interesse am Anliegen dieses rätselhaften Mannes hatte als an seinen Heilkünsten. „Wie ich nun weiß habt Ihr eine dringende Zusammenkunft mit Abt Hugo vor Euch. Das verlangt selbstverständlich Priorität!“ „Abt Hugo“, murmelte Taran und sein Blick versank für einen Augenblick in der Ferne. Mit klarerer Stimme fuhr er fort: „Ihr habt also meinem Bruder die Nachricht übermittelt?“ „Das habe ich, Sir. Er erwartet Euch bereits mit Freude.“ „Mit Freude...“, ein bitteres Lächeln glitt über das Gesicht des Mannes, „Wo finde ich ihn?“ „Ich übergab ihm die Botschaft in der Krankenstation der Mönche am Rand der Stadt. Sollte er dort nicht mehr sein trefft Ihr ihn zweifelsohne in der Burg an.“ Tarans Miene hatte sich verdüstert wie aufkommendes Unwetter. Ob vor Wut oder Sorge ließ sich dabei kaum unterscheiden. „Habt Dank.“, sagte er höflich und nahm seinen Weg wieder auf. Im selben gleichmäßigen Schritt folgte er der Hauptstraße hinauf, wich gewand den herumliegenden Äpfeln aus und bog an der nächsten Straßenecke ab. Godric sah ihm nachdenklich hinterher. Was immer diesen einstigen Mönch nach Nottingham getrieben hatte, ein freudiger Grund war es nicht. Ratlos wandte der junge Mann sich ab. Ihm wurde resigniert bewusst, daß er mit seinen Überlegungen kein Stück vorangekommen war. Begebenheiten, mit denen er nichts zu schaffen hatte, lenkten ihn ab und verwirrten ihn. Als er sich abermals nach dem Stadttor umdrehte traute er seinen Augen nicht. Dort standen, halb verborgen vom starken Mauerwerk, zwei der Geächteten, die ihn vor einigen Tagen im Sherwood in Schach gehalten hatten! Der fette Geistliche und der Dreikäsehoch, der Merric beinahe ins Schussfeld gerannt wäre. „Brechen wir nicht auf, Mylord?“, der Soldat war irritiert von seinem Zögern, doch Godric hatte seine Pläne geändert. „Nein, Harred.“, erwiderte er verschlagen, „Wir bleiben noch.“ In irgendeiner Weise würden diese Erkenntnisse seiner Sache dienlich sein; bis dahin wollte er seiner Neugier nachgehen...

*

Faude:

Sir Faude betrachtete Jehan von oben bis unten. "Lässt der Sheriff seine Leute jetzt auch schon verletzt Dienst tun?", fragte er dann. Beaversbrook blickte Faude unwirsch entgegen. "Jetzt ist ja wohl kaum der Zeitpunkt um sich auszuruhen, Sire. Offenbar habt ihr keine Ahnung, was hier los ist." Eine kleine Falte bildete sich über Sir Faudes Nasenwurzel und seine Augen verengten sich leicht. Offenbar hatte der Hauptmann keinen guten Tag. "Nun ja, ich bin tatsächlich nicht ganz auf dem Laufenden." Er senkte seine Stimme. "Versucht weiter etwas über den Mörder von Lynch herauszufinden und erregt beim Sheriff und Gisburne keinen Verdacht", führte Faude dann aus. "Ich selbst bin hier um den widerspenstigen Bruder Berengar aufzusuchen. Er soll ein profunder Kenner der keltischen Legenden sein." Sir Faude blickte sich nach dem Wachmann um. "Und wenn ihr mir einen Gefallen tun wollt, dann passt besser auf euch auf. Versehrt seid ihr von keinem großen Nutzen." Carfilhiot gab dem Schließer ein Zeichen. Als dieser sich näherte rief er: "Führt mich zu dem Mönch Berengar. Ich muss mit ihm sprechen." Mit diesen Worten warf er dem Wachmann eine Münze zu und wartete auf dessen Reaktion. Der Schließer war um die 50 und hatte ein von Trunksucht gezeichnetes Gesicht. Hocherfreut fing er den Schilling auf und meinte mit rauer Stimme. "Dafür öffne ich euch jede Tür von hier bis Canterbury, Mylord." "Lasst es gut sein, die Zelle von Bruder Berengar reicht fürs erste." Damit wandte sich Sir Faude noch einmal Jehan zu. "Achtet auf Sir Aries of Ashtonhall. Der Kerl trachtet mir nach dem Leben. Wenn er herausfindet, daß ihr für mich arbeitet, dann kommt ihr auch auf seine Liste." "Hier entlang, Mylord", grölte der Wachmann. Er führte Faude den stinkenden Gang entlang und der Normanne hörte hinter fast jeder Tür Bewegungen, Rascheln und Stöhnen. Offenbar war der Kerker von Nottingham voll besetzt. Vor der letzten Tür hinter einer Biegung hielt der Trunkenbold inne. Er nestelte umständlich einen großen Schlüssel hervor und drehte diesen im rostigen Schloss. "Besuch für euch Berengar", rief er in die Zelle und der Gefangene erhob sich langsam. Die Ketten des Häftlings klirrten mit denen er an die Wand geschmiedet war. Sir Faude trat vor den gefangenen Mönch hin und musterte den Mann. Er mochte schon über 60 Lenze zählen und war in einem jämmerlichen Zustand. Wenn er hier noch länger gefangen gehalten wurde, dann würde der Mann unweigerlich sterben. Ein rauer Husten quälte Bruder Berengar und seine Haut war schmutzig und von Ungeziefer heimgesucht. Die weißen Haare waren zu lang für einen Mönch und verfilzt. "Mein Name ist Faude Carfilhiot, Bruder Berengar, und ich bin hier um euch um Rat zu fragen." Berengar musterte seinen Besucher. "Verschwindet Normanne!" "Wenn ihr mir helft Mönch, dann werde ich ein gutes Wort beim Sheriff für euch einlegen. Na was haltet ihr davon?" Berengar antwortete mit einem Hustenanfall. Als er sich beruhigt hatte meinte er: "Ihr seid Carfilhiot von Tinzin Firal?! Euer Ruf ist nicht gerade der beste. Holt mich hier raus und ich werde euch helfen." Bevor Faude antworten konnte, ertönte hinter ihm die Befehlsgewohnte Stimme von Gisburne. "Holt mich hier raus? Ich höre wohl nicht richtig. Was habt ihr hier unten zu suchen, Sir Faude", richtete er dann streng seine Frage an Carfilhiot. Sir Faude verdrehte die Augen und wendete sich Sir Guy zu. "Sir Guy, ich bin wie ihr wisst Gast des Sheriffs und ich wollte mir gerne mal die Verliese in Nottingham ansehen. Wisst ihr, auf meiner Burg sind die Kerker inzwischen etwas altersschwach und bedürfen der Reparatur." "Das ihr Gast des Sheriffs seid, gibt euch nicht das Recht hier überall herumzustreichen. Und wo ist euer Baumeister wenn ich fragen darf, oder gehört die Befestigung von Fundamenten auch zu euren Fähigkeiten, Sir Faude." "Nun, mein Baumeister ist im Augenblick indisponiert, aber ich dachte ein kleiner Rundgang schon mal vorab könnte nichts schaden." "Und diese Zelle hier, wolltet ihr wohl als Muster verwenden, wie?" "Ja genau, ihr sagt es Sir Guy. Ihr seid wunderbar einfühlsam, wie auch schon meine Cousine mir gegenüber bemerkt hat." "Eure, eure Cousine?" "Ja, die Lady Perilla erwähnte mehrfach euren Namen, während meines Aufenthalts. Ihr scheint Eindruck auf sie gemacht zu haben, was jedoch eigentlich auch kein Wunder ist." "Ich bin überrascht, Sir Faude." "Und es geht noch weiter mein lieber Gisburne. Ich bin mir sicher, Lady Perilla wäre erfreut, wenn ihr ihr eure Aufwartung machen würdet." "Meint ihr wirklich. Ich hatte das bisher gar nicht in Betracht gezogen." "Aber ja mein lieber Sir Guy. Ihr seid viel zu bescheiden. Ein so schneidiger Kämpe wie ihr es seid, der muss doch einfach Eindruck machen." "Da habt ihr natürlich Recht, Sir Faude." "Nicht wahr, wie wäre es denn wenn ich für euch bei Lady Perilla etwas vorfühlen würde und euch dann eine Einladung zukommen lasse?" "Das wäre natürlich wunderbar. Und das ihr euch hier im Kerker verlaufen habt, werden wir dann mal nicht an die große Glocke hängen - schließlich seid ihr hier Gast und könnt unmöglich alle Gepflogenheiten kennen. Wenn es eurem Baumeister besser geht, dann schickt ihn einfach vorbei und ich zeige ihm persönlich unseren Kerker zur Anschauung." Besänftigt brachte Sir Guy den Herrn vom Evandertal wieder nach oben in den Bankettsaal, wo sich dieser in seiner Frustration über einen Schwanenbraten hermachte und innerlich sein Dilemma beklagte, denn wenn Perilla von ihrem arrangierten Treffen mit Gisburne erfuhr, dann würde sie ihn ganz sicher in der Luft zerreißen.

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Jehan:

Jehan of Beaversbrook hatte sich unauffällig davon gemacht, als er Gisburne nahen hörte. Unbemerkt war er durch den Seitengang verschwunden, der nach oben in den Burghof führte. Sir Faude machte ihm wirklich Spaß. "Versucht weiter etwas über den Mörder von Lynch herauszufinden und erregt beim Sheriff und Gisburne keinen Verdacht". Keinen Verdacht? Eben hatte ihn Gisburne beinahe in Gwens Zelle ertappt. Gwen... wenn er ihr helfen wollte, musste er sie freilassen, aber wenn er sie frei ließ, war er praktisch schon tot. Er musste warten, bis er es heimlich tun konnte. Aber solange dort unten im Keller ein solches Treiben herrschte, war das schlicht unmöglich. Als er über den Hof schaute, sah er drüben am Torbogen eine Gestalt, die ihm bekannt vorkam... das war doch - Taran! Jetzt war er also endlich hier! Jehan vergaß schlagartig alle düsteren Gedanken und jeglichen Schmerz, und lief eilenden Schrittes seinem Bruder entgegen. "Taran!" rief er erfreut schon von weitem. Taran hob den Kopf. Auch er hatte das braune Haar kurz geschnitten, und man konnte sofort sehen, dass die beiden verwandt waren. Taran war nur etwas größer als sein jüngerer Bruder, und nun blickte er hoch, und ein Lächeln spielte um seinen Mund. "Jehan, Kleiner, wir haben uns schon lange nicht mehr gesehen!" sagte er, etwas verhalten, wie Jehan schien. Irgendetwas stimmte nicht. "Ich freue mich so, dich zu sehen! Sag, wie ist es dir inzwischen ergangen? Du.... bist nicht Mönch geworden, wie Vater es gerne gesehen hätte?" Jehan war natürlich sofort aufgefallen, dass Taran keine Kutte trug. "Nein, fürwahr, das Klosterleben war nichts für mich" antwortete Taran. "Und außerdem erfuhr ich etwas, das.... mich veranlasste, fort zu gehen." Jehan runzelte misstrauisch die Stirn. Taran schien etwas verbergen, in sich verschlossen zu haben, damit niemand es sehen konnte. Dann hellte sich sein Gesicht plötzlich auf, und er sagte: "Komm, Junge, wir suchen uns einen Ort zum Reden. Nicht hier. Dann erzähle ich dir alles. Es wird Zeit, dass du so manches erfährst." Taran schlug seinem Bruder herzlich auf die Schulter. Jehan wurde schwarz vor Augen, aber er lächelte tapfer. "Bist du verletzt? Was ist denn?" fragte der Ältere besorgt. "Ein kleiner... Dienstunfall. Nichts weiter. Aber komm hier entlang. Dort ist die Wachstube, da sind wir ungestört." Jehan führte seinen Bruder in die hinteren Räume, wo sie sich an einen Tisch setzen und sich jeder einen Becher Wein gönnte. Dann begann Taran zu erzählen...

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Gwen:

Es kam niemand um sie zu holen. Gwen atmete auf als die Schritte nicht vor ihrer Tür halt machten. Gerade noch konnte sie einen der Männer einen Satz beenden hören „...die Zelle von Bruder Berengar reicht fürs erste." Gwen fröstelte ‚Nicht einmal vor einem Mann Gottes hat de Rainault Respekt... einen Bruder einzukerkern...’ Gwen setzte sich wieder. Sie hatte das reinlichste des alten Strohs zusammengesucht um sich etwas gegen die vom Boden aufsteigende Kälte zu schützen. Schlimmer als die Kälte war nur noch der Durst der anfing sie zu quälen. Sie hielt ihre Knie fest umschlungen, schloss die Augen und stellte sich vor, mit Elisabeth durch die hohen Sommerfelder bei Hawkney zu streichen. Bei dem Gedanken an Hawkney wurde ihr schwer ums Herz; und plötzlich tauchte ein Name wieder auf: ‚Berengar...’ Es musste ihr Vater gewesen sein, den sie von einem Berengar hatte reden hören. Gwen versuchte sich zu erinnern, ob sie ihn jemals auf Hawkney begrüßt hatten. Vieles, das ihr Vater tat oder sagte hatte sie damals nicht verstanden. Und dass Gwyneth aus Hazlewood von ihrer Familie wusste machte sie jetzt stutzig. Sie befühlte das Beutelchen um ihren Hals; es wog schwer in ihrer Hand und irgendetwas hinderte sie daran, ihn zu öffnen. Einzig ihn zu spüren, nahm etwas ihrer Verzweiflung. „..Es wird Euch den Weg zu Eurer Familie bereiten“ der Gedanke an ihre Worte wärmte sie. Ja, sie wollte nach Hause und all das hier vergessen, ganz besonders Hauptmann Jehan, dessen Blicke einmal tödlich und kalt wirkten - und manchmal ihr Herz brachen.

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Faude:

Mit Behagen verzehrte Faude Carfilhiot den letzten Bissen des köstlichen Schwans. Als er, inzwischen wohlbekannte, Schritte auf der Turmtreppe vernahm, packte er rasch die Reste zusammen und brachte sie den halbverhungerten Spielleuten, die in der Ecke ihre Instrumente stimmten. Er ging hinter den Musikanten in Deckung, die sich hocherfreut über Faudes Vesperpaket hermachten. Ein großer Schatten verdunkelte den Aufgang zur Treppe und im nächsten Moment betrat Sir Aries die Halle. Er ließ seinen Blick schweifen und zog seinen Dolch. Dann schnitt er sich ein großes Stück vom Wildschweinbraten ab, der sich über einem Spieß drehte. Das halbgare Fleisch verschlang der unkultivierte Normann, gleich einem Molosserhund. Dann packte er mit seinen Wurstfingern nach einem Weinkrug und verzog sich wieder nach oben. Das war knapp, dachte Faude. Es war höchste Zeit den Sheriff aufzusuchen.

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Robin:

Unruhig lief Robin im Lager auf und ab. Wo blieben Tuck und Much? Sie sollten sofort nach Überbringung der Nachricht nach Sherwood zurückkehren. Irgendetwas war da schief gelaufen. Geht der Earl darauf ein? Unbewusst sah er mit fragendem Blick zu Sue, die zusammengekauert am Feuer saß und erst vorsichtig, als könnte es giftig sein, dann aber immer hungriger, ein Stück Fleisch nach dem anderen aß. John und Will warfen ihm hin und wieder einen verstohlenen Blick zu. Robins ständiges Auf- und Abgehen machte sie noch nervöser, als sie eh schon waren. "Sie werden noch kommen." sagte John dann ruhig, aber nicht sehr überzeugend, nur um die drückende Stille zu unterbrechen. Selbst Sue hörte kurz auf zu kauen und sah von einem zum anderen. "Mein Vater wird alles tun, was ihr verlangt." sagte sie mit noch vollem Mund. Robin sah sie einen Augenblick lang an, drehte sich dann zu den anderen, ohne sie wirklich zu sehen. "Wir können hier nicht sitzen und Däumchen drehen. Ich gehe morgen nach Nottingham..........Man wird mich nicht erkennen." Redete er sofort weiter, bevor John, der schon den Mund zu einem Widerspruch geöffnet hatte, etwas sagen konnte. "Der Töpfer kann sicher etwas für uns herausfinden. Er hat uns schon oft genug geholfen und wir ihm." "Ich werde mitkommen!" John war aufgestanden und baute sich demonstrativ vor ihm auf. Einen Moment sah Robin ihn an, gewillt, ihn zurückzuweisen, überlegte es sich dann aber doch anders. "Ok John. Will, Nasir....Ihr werdet hier warten. Vielleicht kommen Tuck und Much doch noch......und passt mir auf die Lady auf!"...

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Godric:

Robert de Rainault presste die rechte Hand zur Faust, um seinen hohen Gast nicht aus vollem Halse anzufahren. „Lord William“, erwiderte er spitz, „Ihr seid Euch offensichtlich nicht im Klaren, was ich mit dieser Gefangenen in der Hand habe! Unter keinen Umständen kann ich sie begnadigen - und überdies“, fiel ihm plötzlich ein und seine Augen weiteten sich, „überdies gehe ich keinen Kuhhandel mit Gesetzlosen wie Robin Hood ein!“, er spuckte den Namen mit all seinem Hass hinaus. „Kuhhandel?!“, fuhr Lord William auf; sein Gesicht begann sich vor Erregung zu röten, „Sheriff, ich bin entsetzt! Meine Tochter ist in Gefahr! Ist das die Art, mit der Ihr Euer Shire verwaltet?“ „Robin Hood ist nur auf Euer Geld aus.“, gab de Rainault ungerührt zurück, „Er wird Eurer Tochter nichts tun.“ „Das ist--“, der Earl war außer sich vor Zorn, „Das ist ungeheuerlich! Ihr werdet es bereuen, de Rainault! Ihr werdet es bereuen!“ Ohne ein weiteres Wort machte er kehrt und zog hinaus. Unterdessen hatte sich Godric dem Ende der Hauptstraße genähert, das den Burgmauern nahe lag. Unentschlossen wandte er sich den beiden Abzweigungen zu. „Welchen Weg schlagt Ihr vor, Harred?“, fragte er den Soldaten in seiner Begleitung, der Stadt und Land besser kannte als er selbst. „Nun, Mylord, der linke Weg führt zum...“, weiter kam er nicht, denn in diesem Moment schwollen die erbosten Verwünschungen eines Mannes auf, der eben durch das Burgtor voranschritt. Er war groß und hellhaarig und trug einen edlen Mantel mit Pelzeinfassung. Neben ihm her beeilte sich ein Diener des Sheriffs, ihn zu beschwichtigen, doch seine verzweifelten Worte blieben ungehört. „Es ist nicht zu glauben!“, donnerte der Adlige, „De Rainault, diese Ratte! Unfähig sich gegen einen Strauchdieb wie Robin Hood zu behaupten! Wenn meiner Tochter nur ein Haar gekrümmt wird ist der die längste Zeit Sheriff gewesen! Sagt ihm das!“ Godric verfolgte das Schauspiel, wie auch die Leute ringsum, die erstaunt stehen blieben oder sich verstohlen umdrehten und gafften. „Wer ist der Mann?“, wollte Godric von Harred wissen. „Lord William of Leicester, wenn mich nicht alles täuscht, Mylord.“, entgegnete der Soldat. „Leicester...“, wiederholte Godric leise für sich. Den Namen hatte er oft gehört. Damals, als sein Vater im Dienst des Königs gestanden hatte, war dieser Name immer wieder erwähnt worden. Lord William war dem König ein ebenso treuer Gefolgsmann gewesen, er hatte hohes Ansehen bei Richard Löwenherz genossen und somit zweifellos Einfluss, und daran würde sich bis heute nichts geändert haben... Godric kam plötzlich in Bewegung. Mit einigen schnellen Schritten trat er dem Mann entgegen und sprach ihn entschlossen an: „Mylord of Leicester! Verzeiht mir diesen Überfall, ich bin Godric von Valnahar, vielleicht erinnert Ihr Euch?” Lord William hielt unwirsch in seinem Marsch inne, musterte seinen Gegenüber kurz und gab zurück: „Ich kenne Euch nicht, junger Mann, was wollt Ihr von mir?“ Godric senkte dezent die Stimme, „Mylord, es war nicht zu überhören, daß Ihr Schwierigkeiten mit den Gesetzlosen habt. Ich biete Euch meine Hilfe an!“ Die Wut des Earls wich allmählich seinem Erstaunen. „Warum das?“, wollte er wissen. „Nun, seht es so“, antwortete Godric findig, „Ich wurde unlängst Lord of Lowdham, und Ihr seid einer meiner nächsten Nachbarn. Mit meiner Hilfe würde ich Euch meine Freundschaft unter Beweis stellen.“ Der Earl erweichte sich für die Worte des jungen Mannes. Wenn de Rainault unfähig war, ihm die Unterstützung zu bieten, die er verlangte, warum sollte er dann nicht auf ein Angebot eingehen, das man ihm freiwillig machte? „Godric von Valnahar“, überlegte er, „Ja, ich entsinne mich dunkel, aber das muss an die zehn Jahre her sein. - Wir sollten uns bei einem Glas Wein bereden...“

De Rainault stand am Fenster und stierte mit furienhafter Miene zum Tor hinunter. Nach dem überstürzten Aufbruch des Earls hatte sich unverhofft Hugo zu seinem Bruder gesellt. „Die Karten stehen schlecht für dich, Robert.“, merkte er bescheiden an. „Kümmere dich um deine eigenen Angelegenheiten, Hugo!“, erwiderte der Sheriff schneidend. Er beobachtete mit wachsender Ungeduld die Szenerie dort unten am Tor. „Wie zum Teufel ist dieser walisische Glücksritter wieder hierher gekommen!“, er sprach laut, doch er erwartete keine Antwort, „Ich war mir ganz sicher, das Urteil des Königs hätte ihn gebrochen!“ Hugo trat neben ihn und spähte hinaus. „Du hast dich wieder einmal getäuscht, Robert.“ Der Sheriff warf ihm einen böse blitzenden Blick zu, der seinem Bruder jedoch nicht im Geringsten imponierte. Der Diener, den er dem Earl nachgeschickt hatte, kam soeben zurück und berichtete von dem begonnenen Gespräch der beiden Männer am Tor. „Warum wusste ich davon nichts!“, keifte de Rainault los, „Der Bursche verliert sein Land und ist eine Woche später Lord in meinem Shire? Warum haben wir keine Abgesandten geschickt, der Mann hat sich schon einmal angeboten, gegen Robin Hood vorzugehen! Jetzt wirft er sich diesem Angelsachsen an den Hals! Warum zum Henker werde ich nicht informiert!“, mit einer unwirschen Armbewegung fegte er den Kerzenleuchter vom Tisch. Dann wurde er plötzlich ruhig. „Wir müssen durchgreifen, Hugo.“, fuhr er in entschiedenem Ton fort, „Die Lords werden sich noch gegen uns verbünden! Auf keinen in ganz Nottinghamshire ist mehr Verlass! Die intrigieren untereinander, und vor allem gegen mich! Aber das wird ein Ende haben!“ Der Diener, der die Nachricht gebracht hatte erzitterte unter den Worten des Sheriffs und hob pflichtbewusst den Kerzenleuchter auf. „Ich lasse Sir Godric herbringen. Der Mann ist jung und mit den Gepflogenheiten dieser Gegend nicht vertraut. Ich werde ihm ins Gewissen reden, bevor er sich auf die falsche Seite stellt.“, er drehte sich nach dem Diener um, „Geh und schick Hauptmann Jehan nach ihm!“ Der Untergebene verbeugte sich und machte sich schleunigst davon. De Rainault trat wieder ans Fenster und sah, wie Godric und der Earl in einer Schenke verschwanden. Er stützte die Hand an die kalte Steinmauer. „Der Mann gehört mir.“, zischte er leise. 

*

Jehan:

„Weißt du, wer hier ist? Gwen of Hawkney!“ berichtete Jehan mit glühenden Wangen. „Die Gwen die immer so…so…“ seine Worte verloren sich in seinen Erinnerungen. Taran sah ihn ernst an, begriff, wie es um die beiden stand, denn schon damals war es so gewesen. `Es hat sich nichts geändert´ dachte er bestürzt. Sein Bruder musste verrückt sein!  „Bist du denn von allen Guten Geistern verlassen?“ zischte er. „Bist du dir im Klaren, was du ihr antust? Das hat sie nicht verdient! Du musst es beenden! Um ihretwillen!“ Zuerst starrte Jehan ihn völlig verständnislos an. Dann schlug das Gefühl in Wut um. Aber gegen seinen Bruder zu wüten?… nein. Langsam, ganz langsam dämmerte Jehan, was Taran meinte. Es traf ihn wie ein Faustschlag. Taran hatte Recht! Wie konnte er glauben, Gwen könnte ausgerechnet ihn lieben? Was könnte er ihr schon bieten, ohne sie zutiefst unglücklich zu machen? Ein Leben in Nottingham? Sie war zu schade für ihn! War es schon immer gewesen! Er stand schwankend auf. Taran nickte ihm aufmunternd zu. Plötzlich wusste der Hauptmann, was er zu tun hatte. Und zum ersten Mal in seinem Leben tat er etwas selbstloses, etwas wirklich Reines und Gutes, das aus dem tiefsten Inneren seiner dunklen Seele kam, wo er es in die hinterste finsterste Ecke verbannt hatte. „Warte hier“, murmelte er tonlos, und er atmete schwer. „Ich bringe jetzt etwas in Ordnung. Etwas, das ich schon längst hätte tun sollen.“ Taumelnd aber dennoch energisch schritt er hinaus, marschierte ohne sich aufzuhalten über den Hof und ging den schmalen Durchgang hinunter zu den Verliesen. Es roch entsetzlich nach Moder, nach Tod und Qualen. Jehan erreichte ihre Zelle, atmete noch einmal durch, denn das was nun kam, fiel ihm so unsäglich schwer, dass es ihn beinahe umbrachte. Er entriss dem verdutzten Wachsoldaten den Schlüsselring, stieß den Schlüssel ins Schloss und öffnete mit Wucht die Tür.„Komm raus, Gwen!“  sagte er rostig. Gwen war aufgesprungen, starrte in das Gesicht des Hauptmannes, in seine Augen, die plötzlich wieder hart und kalt waren. Langsam verließ sie die Zelle und trat in den Gang. Fünf Ellen vor ihr stand Jehan, mit finsterem, tiefernstem Gesichtsausdruck. Was war nur mit ihm geschehen? Er schien vollkommen verändert, abweisend, lieblos und kalt wie Stein.„Hör zu, Gwen. Die Geduld des Sheriffs ist zu ende. Du wirst dich jetzt verantworten!“ Er packte grob ihr Handgelenk und zerrte sie unbarmherzig mit sich fort. Gwen begann vergebens, sich zu wehren. Dies konnte nicht Jehan sein! Ihr Jehan, an den sie gerade noch gedacht hatte…

Aber dieser fremde veränderte Hauptmann schleifte sie mit sich, in raschem Schritt, den Hof hinauf, über eine belebte Strasse, ohne Rücksicht darauf, dass sie jemand sehen könnte. Dann änderte er die Richtung, sie betraten den Wehrgang, stiegen einige Treppen hinab, um zur Ausfallpforte zu gelangen. Dort stieß Jehan die verblüffte Frau in den trockenen Wallgraben. Gwen war völlig fassungslos. „Was hat das zu bedeuten? Was?“ hauchte sie. Jehan musste allen Mut und alle Kraft zusammen nehmen, um zu tun, was er nun tat. Obwohl eine Eisenfaust sein Herz zu umklammern schien, die bei jedem einzelnen Wort gnadenlos mehr zudrückte. „Verschwinde hier! Ich kann dich nicht mehr sehen! Lauf, so schnell und so weit du kannst! Hau endlich ab!“ Wie brechendes Eis klang seine Stimme. Jehan beherrschte dies gut.„Jehan…bitte… ich liebe dich!“ flüsterte sie, während Tränen ihre Augen füllten. „Aber ich dich nicht!“ fauchte Jehan, obwohl ihm in diesem Moment sein Herz brach. „Mach dass du weg kommst! Scher dich in den Wald, wo du hin gehörst!“ Er drehte sich abrupt um, hastete die Treppen wieder nach oben und warf die Tür zur Ausfallpforte hinter sich zu. Er wollte in diesem Augenblick wahrhaftig sterben. Er wusste nicht, woher er die Worte und die Kälte genommen hatte, um sie auszusprechen. Aber er hatte es getan. Auch wenn es das Schlimmste war, das er je jemandem angetan hatte, den er liebte, dem einzigen Menschen, den er je geliebt hatte. Aber es musste sein. Sie sollte nicht wissen was er fühlte, denn sonst würde sie niemals frei sein, um das Leben zu leben, dass sie verdiente. Der Normanne taumelte den Weg zurück, den er gekommen war, sah sich nicht mehr um. Ein Soldat stellte sich ihm in den Weg und sah ihn fragend an. „Aus dem Weg!“ schrie der Hauptmann. Unwirsch schob er den Mann zur Seite, und ging dann den direkten Weg zu Taran zurück, der noch immer mit ernstem Gesicht am Tisch saß, und den halbvollen Weinbecher umklammerte.

*

Taran:

Nachdem Jehan den Raum wieder betreten hatte, war es um Tarans Fassung geschehen. Er schleuderte seinen Trinkbecher mit voller Wucht in Richtung seines Bruders. Dieser duckte sich nicht schnell genug, und bekam den Becher samt restlichem Inhalt gegen den Kopf. „Was hast Du denn jetzt gemacht“, herrschte Taran seinen Bruder an. „Bist denn Du von allen guten Geistern verlassen“, rief er aufgebracht weiter. Jehan starrte ihn sprachlos an, während die Reste des Getränks über sein Gesicht liefen. Er war unfähig auch nur ein Wort herauszubringen. Taran hatte durch das Fenster des Wachzimmers beobachtet, wie Jehan Gwen durch den Hof brachte. Zuerst hatte er hinterher stürmen wollen, besann sich aber eines Besseren. Er hätte dann nur für mehr Aufmerksamkeit gesorgt, und das konnten sie nun wirklich nicht gebrauchen. Taran holte tief Luft um sich zu beruhigen. Er musste sich wieder unter Kontrolle bringen. Sonst passierten hier noch mehr Fehler. Jehan sagte immer noch nichts. Er war zu aufgewühlt. „Ist Dir klar, was Du da eben getan hast?“, fragte Taran in ruhigerem Ton. „Du hast eine Gefangene des Sheriffs in aller Öffentlichkeit freigelassen. Weißt Du was das für Dich bedeutet? Der Sheriff wird Dich einen Kopf kürzer machen!“ Mann konnte förmlich hören wie die Gedanken in Jehans Kopf anfingen zu rattern. „Was hätte ich denn sonst tun sollen?“ rief er aufgebracht. „Das war es doch was Du wolltest, oder?“ „Nein“, erwiderte Taran, „das war es nicht. Wir hätten durchaus eine geschicktere Lösung finden können, wenn Du mir Zeit gelassen hättest kurz nachzudenken. Aber jetzt ist es schon passiert. Jetzt müssen wir sehen, was man daraus machen kann. Du hast eigentlich nur zwei Möglichkeiten. Entweder du verlässt sofort Nottingham auf nimmer Wiedersehen, oder wir müssen die Geschichte so hindrehen, dass Du da mit heiler Haut rauskommst.“ Taran ging zur Tür des Raumes, und schaute in den Gang hinaus. Er sah niemanden. Auch im Hof war es noch ruhig. Keiner schien etwas bemerkt zu haben. Dennoch drängte die Zeit. Taran stellte ernüchtert fest, dass die Dinge hier nicht so liefen, wie er sie geplant hatte. Auf jeden Fall konnte er Jehan in seinem momentanen Zustand nicht sagen, was er ihm hatte eigentlich erzählen wollen. Das musste kurzer Hand vertagt werden. „Was willst du also tun?“, fragte er und drehte sich wieder in Richtung seines jüngeren Bruders. „Ich mache dir einen Vorschlag. Lass mich deine Kleider anziehen, und von hier verschwinden. Dann kannst du dem Sheriff erzählen, dass ich es war, der Gwen hier herausgebracht hat. Mit der Beule am Kopf, die der Becher verursacht hat, könnte man es schon fast glauben“. Trotz der ernsten Lage konnte sich Taran ein Grinsen nicht verkneifen. Jehan starrte seinen Bruder mit leeren Augen an. Er war nicht fähig zu denken. Seine Gedanken kreisten um Gwen. Was interessierte ihn was mit ihm passierte, Hauptsache Gwen war in Sicherheit. Tran riss ihn jäh aus seinen Gedanken. Er packte Jehan an den Schultern und schüttelte ihn. „Komm zu Dir,“ flüsterte er eindringlich. “Wir müssen jetzt handeln. Sonst ist es zu spät. Wir müssen auch Gwen weiterhelfen. Sonst war deine Wahnsinnstat umsonst. Was willst Du also tun? Er schüttelte Jehan nochmals durch, als wenn er die Antwort aus seinem Bruder herausschütteln könnte.

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Jehan:

Jehan spürte den Schmerz, der sengend durch seine verletzte Schulter fuhr. Und das brachte ihn wieder zur Besinnung. "Ich habe es für Gwen getan... ich konnte doch nicht zulassen, dass ihr etwas geschieht..." sagte er lahm. "Du hast dich kein bisschen geändert!" schimpfte Taran. "Ungestüm und unüberlegt, und erst nachher drüber nachdenken. Es nimmt mich ein Wunder, dass du noch am Leben bist! Was hältst du von meinem Vorschlag?" Jehan sah seinen Bruder mit mattem Blick an. "Das würdest du für mich tun?" "Wir sind Brüder! Wir müssen zusammenhalten!" Entschlossen stemmte Taran die Hände in die Seite. "Also los! Worauf wartest du? Gibt’s hier noch irgendwo eine Uniform für mich?" Jehan erkannte, welch geniale Idee hinter der Idee Tarans steckte. Sein Bruder würde aus der Burg marschieren, jeder würde sehen, wie ähnlich sich die beiden sahen, und der Verdacht würde von ihm genommen werden. Keine Todesstrafe, keine Verbannung. Und Gwen war in Sicherheit. Er verließ den Raum, kehrte nach einer Weile wieder mit seiner alten Uniform zurück, die eine der Mägde inzwischen gewaschen hatte. "Hier", sagte er, "damit ist der Plan perfekt". Taran zog die Uniform an, und nun sahen die Brüder beinahe wie ein Spiegelbild aus. Wäre jemand nun hereingekommen, hätte er wahrscheinlich an seinem Verstand gezweifelt oder sich eingestanden, dass jemand etwas in den Wein getan haben musste. "Taran", hielt Jehan seinen Bruder noch einmal zurück. "Danke!" Taran nickte. "Schon gut. Aber ich muss dir noch etwas Wichtiges sagen. Wir werden uns treffen. Morgen werde ich, in meinen anderen Sachen, wieder hierher kommen. Ich habe vorhin ein Alehaus gesehen. Dort treffen wir uns. Morgen Abend. In Ordnung? Es ist wirklich sehr sehr wichtig!" Seine Stimme klang verschwörerisch. Jehan nickte. Alles würde gut werden. Eine Zentnerlast fiel von seiner Seele. 

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Robin:

Bekleidet mir einem Mantel und einem tief ins Gesicht gezogenen Hut, hatten sich Robin und John auf den Weg gemacht. Vorsichtig, jede nur mögliche Deckung nutzend, die sich ihnen bot, näherten sie sich Nottingham. Hoffentlich kamen sie nicht zu spät. Sie mussten Gwen finden - irgendwie. Ihr sorgsam ausgearbeiteter Plan schien gescheitert. Warum sonst waren Tuck und Much nicht zurückgekehrt. Robin hoffte inständig, dass den beiden nichts zugestoßen war. Innerlich verfluchte er sich, dass er Much mitgeschickt hatte. Er würde es sich nie verzeihen, wenn ihm etwas passiert war. Robin war so in Gedanken vertieft, dass er die Gestalt, die zwar noch weit entfernt war, aber direkt auf sie zukam, nicht bemerkte. Erst als John ihn am Arm zurückhielt und wortlos in die Richtung zeigte, wurde er ihrer gewahr. Aus sicherer Deckung beobachteten sie für einen kurzen Moment den Menschen, der mehr taumelnd, wie ein Betrunkener oder Verletzter daher lief, als Robin die Luft scharf einzog. "Das ist doch....." "...Gwen." beendete John nicht weniger überrascht den Satz und wollte sofort aufspringen, um ihr entgegen zu laufen. "Warte!" zischte Robin leise. "Das könnte eine Falle sein." Aufmerksam sah er sich um, betrachtete eingehend jedes Gebüsch und jeden Baum, aber er konnte beim besten Willen keine Soldaten ausmachen. "Was hat das zu bedeuten?" sprach er mehr zu sich selbst, ohne eine Antwort zu erwarten. Mittlerweile war Gwen wesentlich näher gekommen, ohne dass Robin auch nur die kleinste Bewegung sehen konnte, die auf eine Gefahr hindeutete. Er klopfte John kurz auf die Schulter und ohne das weitere große Worte notwendig waren, erhoben sich beide und rannten so schnell wie möglich auf sie zu. Jedoch ließen sie dabei ihre Umgebung nicht außer Acht, bereit zu kämpfen, falls dies doch eine Falle war.

Erst als sie Gwen fast erreicht hatten, bemerkte sie die beiden. Ihr Gesicht war tränenüberströmt.., sie selbst kaum fähig ein Wort, geschweige denn einen Satz herauszubringen. Völlig durcheinander und mit den Nerven und ihrer Kraft am Ende sankt sie in sich zusammen. John konnte gerade noch vorspringen, um sie aufzufangen. "Schnell, wir müssen zurück ins Lager. Wir können dort reden." sagte Robin kurz angebunden, immer noch vorsichtig nach allen Seiten spähend. John nahm Gwen kurzerhand auf seine kräftigen Arme und machten sich schnell auf den Rückweg  in den Sherwood....

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Sue:

Lord William saß mit Godric von Valnahar in der Taverne. In knappen Worten erzählte er dem jüngeren Mann nur das Nötigste, bedacht darauf, nicht zuviel preiszugeben. Irgendetwas an diesem walisischen Edelmann ermahnte den Earl zur Vorsicht. Die ganze Zeit, in der sie beisammen saßen, fragte er sich, was sein Gegenüber wohl von ihm wollte. Sicherlich bat er seine Hilfe nicht aus reiner Freundlichkeit an. Sein Misstrauen wuchs. Unruhe stieg in Susanna's Vater auf. "Während ich hier Wein mit einem Fremden trinke, ist mein Kind noch immer bei diesen Geächteten", dachte er sich. Er musste handeln. Wenn der Sheriff sich weigerte, auf diesen Handel einzugehen, dann musste er eben auf andere Weise versuchen, seine Tochter aus der Gewalt Robin Hoods zu befreien. Unwillkürlich kamen dem Earl of Leicester Tuck und Much in den Sinn, die immer noch vor den Toren Nottinghams geduldig auf eine Nachricht für Robin warteten. Die Beiden würden ihm helfen können - nein müssen, Robin Hood zu treffen. Vielleicht würden sich die Geächteten ja auch mit Geld zufrieden geben. Er musste es einfach versuchen. Aber dazu musste er erst einmal diesen Godric von Valnahar auf möglichst elegante Weise loswerden. Währenddessen stieg im Lager der Geächteten die Anspannung ins Unerträgliche. Alle warteten auf Tuck und Much, die immer noch nicht zurück waren. Susanna beobachtete Robin und seine Leute mit wachsendem Unwohlbehagen. Warum dauerte das bloß so lange? Irgendetwas musste schiefgelaufen sein; das konnte Susanna fühlen. Sie wollte ein paar aufmunternde Worte an die Männer um sie herum richten; ihr fiel jedoch nichts ein, was sie hätte sagen können. Diese unselige Warterei war für alle eine Zerreißprobe. Robin und John beschlossen nicht länger abzuwarten und Sue konnte nichts tun, um sie von ihrem Plan selbst nach Nottingham zu gehen, abzuhalten. Die junge Lady fühlte sich schuldig. Sollte sie sich so in ihrem Vater geirrt haben?  

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Gwen:

Gwen sah den Hauptmann mit ihren großen Augen verständnislos an. „Ich... ich werde Euch nie vergessen“ flüsterte sie mit zittriger Stimme und ihre Augen wurden feucht, fürchtete sie doch, sie würde ihn nie wieder sehen. Trotz seiner harten Worte kostete es sie unendliche Mühe sich von ihm loszureißen und erst als er sie nach vorne stieß griff sie in ihre Röcke und begann zu laufen. Gwen lief so schnell sie konnte, ein Schleier von Tränen versperrte ihr die Sicht, immer wieder stolperte sie und ihre Lungen schienen vor Anstrengung zu bersten.  Gerade betrat Guy of Gisburne die Wehranlagen für einen seiner Kontrollgänge. Er hielt nah seinem Hauptmann Ausschau als er in der davon rennenden Gestalt Gwen of Hawkney erkannte. „Haltet diese Frau auf! Koste es, was es wolle! Sie darf den Wald nicht erreichen!“ brüllte er seinen Soldaten zu, die ihn nur unschlüssig anstierten und nicht wirklich wussten, wie sie seinem Befehl nachkommen sollten. Gisburne fürchtete einen erneuten Wutausbruch de Rainaults wenn sie entkam. Die Unfähigkeit seiner Soldaten, für die er, sollte sie entkommen, mit Sicherheit zur Rechenschaft gezogen werden würde, ließ ihn vor Wut rot anlaufen und fast platzen. „Ihr nichtsnutzigen Stümper – Wo zum Henker ist Hauptmann Jehan?“ fuhr er sie schnaubend an. Panisch sah er sich um und stürzte dann auf den ihm am nahestehendsten Soldaten zu, entriss ihm die Armbrust und zielte. Jehan stand mit Taran vor der Taverne und sah mit starren Entsetzen Gisburne über die Wehranlagen hetzen. In den zwei Männern, die dort am Waldesrand standen glaubte Gwen Tuck und Much zu erkennen. Noch wenige Schritte und sie wären bei ihnen. Ihr Herz raste, ihre Lungen brannten und ihre Beine verloren langsam an Kraft, trotzdem rannte sie weiter, ohne sich um zu blicken. Sie konnte das Geschoss nicht kommen hören und spürte nur den heftigen Schmerz, als es sich in ihren Rücken bohrte. Die Wucht des Bolzens drückte sie nach vorn, ließ sie taumeln und warf sie schließlich zu Boden. „NEIN“ hörte sie Much aufschreien während ihr viel. Die beiden waren wenig später bei ihr. „Tuck..“ stammelte Gwen. „Ruhig Kleines, sprich nicht“ „Tuck..Berengar..im Kerker..Gefahr...“ „Tuck..Tuck, was ist mir ihr? Stirbt sie?“ vernahm sie wie aus der Ferne noch die ängstliche Frage von Much, bevor sie gnädige Dunkelheit umgab. „Ich weiß es nicht Much...wir brauchen Hilfe...“

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Faude:

Leider befand sich de Rainault gerade in einer offenbar äußerst wichtigen Besprechung mit dem Earl of Huntingdon, deshalb machte Faude einen Termin am nächsten Vormittag mit seinem Sekretarius aus. Die Stimme des Sheriffs hinter der Tür klang ziemlich aufgebracht und deshalb war Faude eine Verschiebung des Treffens nur Recht. Er wollte den Sheriff um etwas bitten und benötigt ihn dazu in halbwegs guter Laune, auch wenn gute Stimmung allein de Rainault bestimmt nicht dazu bewegen würde, seiner Bitte zu entsprechen. Faude wandte sich von den Räumlichkeiten des Sheriffs ab und ging eine Treppe hinauf, die auf den höchsten Turm von Nottingham Castle führte. Oben angekommen, verschränkte der normannische Edelmann seine Hände hinter dem Rücken und sann nach. Er brauchte diesen Bruder Berengar um aus der Sache mit dem schwarzen Kessel halbwegs heil wieder herauszukommen. Dieser Mann hatte möglicherweise unschätzbares Wissen über diese keltische Legende, zumindest aber wusste er erheblich mehr darüber als er. Faude hatte eine Entscheidung getroffen, die in ihm herangereift war, als er von dem Kesselritual träumte. Er musste das Joch dieses megalomanischen de Belleme abschütteln und durfte nicht zulassen, daß ein Heer von gekochten Erschlagenen über England herfiel. Simon war immer schon gefährlich gewesen, aber mit diesem Kessel würde er mörderisch werden. Über was für ein Land sollte er schließlich als Sheriff gebieten, wenn diese Untoten alles abgeschlachtet und verwüstet hatten? Bewegungen auf der Rückseite der Burg holten ihn aus seinen Gedanken. Eine Frau torkelte über den Grünstreifen, der gänzlich von Büschen und Bäumchen befreit war, um Belagerern keine Deckung zu bieten. Sein Blick schweifte von der kraftlosen Frau zum Waldrand, wo sich eine Hochgewachsene und eine schlanke Gestalt im Laubwerk verbargen. Die beiden Männer sicherten nach allen Seiten und schienen die Frau zu erwarten. Faude fasste die Zwei scharf ins Auge. Waren das etwa Geächtete? Dieser große Mann, der gebaut war wie ein Braunbär, mit ebenso zotteligen Haaren und Bart, konnte eigentlich nur John Little sein - die rechte Hand von Robin Hood. Wenn das aber Little John, wie ihn das Volk nannte, war, dann konnte sein Begleiter, auch wenn er sich offenbar verkleidet hatte, eigentlich nur Hood persönlich sein. Sir Faude wollte das Treffen des Trios in Ruhe studieren, als plötzlich seitlich unter ihm ein Schatten auftauchte und einen Armbrustbolzen auf die Fliehende abschoss. Faude sah noch, wie die Frau getroffen zusammenbrach, aber bevor er sich den Schützen genauer ansehen konnte, fing sich sein Cape in einer heftigen Windböe und wickelte sich fest um seinen Kopf. Beim dem Versuch sich zu befreien, torkelte Faude rücklings nach hinten und verlor das Gleichgewicht. Am Boden durchfuhr ihn ein heißer Schmerz im Rücken und dann begann er mühsam seinen Kopf aus dem langen Cape zu befreien.

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Taran:

Während Taran und Jehan noch im Gespräch waren, kam plötzlich der Diener, den der Sheriff beauftragt hatte, den Hauptmann zu suchen, zu der Wachstube. Eben wollte er schon durch die halboffene Tür eintreten, als er stutzte. Sah er dort zweimal Hauptmann Jehan stehen? Ohne länger Nachzudenken stürmte der Diener wieder davon. Das musste Gisburne erfahren. Taran horchte auf. Kam etwa jemand? Er drängte Jehan zur Eile. „Kleiner, ich muss verschwinden“, sagt er drängend. „Lass Dir für den Sheriff eine gute Geschichte einfallen“, mit diesen Worten eilte er zur Tür hinaus. Mit langen Schritten lief er durch die Gänge. Er wollte möglichst wenig Aufsehen erregen, und hoffte, dass die Leute, die ihn sahen, tatsächlich für Hauptmann Jehan hielten. Und tatsächlich gelangte er unbehelligt ins Freie. Taran atmete tief durch. Was er jetzt noch brauchte war ein Pferd, um schnellstens aus Nottingham hinauszukommen. „Hauptmann Jehan“? ertönte plötzlich hinter ihm eine scharfe Stimme. Taran fuhr herum, und stieß fast mit Gisburne zusammen. Neben diesem stand der Diener. Gisburne starrte Taran ungläubig an. „Kann ich etwas für Sie tun Mylord“, fragte Taran gelassen? , während er verstohlen um sich schaute. Etwa 20 Meter weiter entdeckte er ein gesatteltes Pferd. Es schien wie für ihn bereit zu stehen. Nur diesen Soldaten musste er irgendwie losbekommen. Gisburne hatte sich unterdessen wieder gefasst. „ Wer seid ihr“, rief er erbost. „Ich bin Hauptmann Jehan, wie Ihr soeben schon bemerktet, erwiderte Taran mit einem etwas ironischen Lächeln. „Euer Gedächtnis scheint nicht besonders gut zu sein“, fuhr er fort. Gisburne lief vor Zorn rot an. „Wachen“, schrie er laut, fasst diesen Mann. Als er eben sein Schwert ziehen wollte, machte Taran einen Satz auf ihn zu. Mit voller Wucht rannte er Gisburne über den Haufen. Dieser landete in nach Mist stinkenden großen Pfütze. Taran, der auch fast stürzte, fing sich und rannte ohne sich noch mal umzudrehen weiter. Er erreichte das Pferd, schwang sich auf dessen Rücken, und galoppierte in vollem Tempo zum Stadttor hinaus. In einer staubigen Wolke lies er Nottingham hinter sich.

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Godric:

Godric merkte, daß der Earl of Leicester unruhig wurde. Er hatte ihm mit Zurückhaltung von der Entführung seiner Tochter erzählt und Godric merkte, daß er sich nun jeden Augenblick verabschieden und aufbrechen würde. „Mylord!“, kam er ihm deshalb zuvor, „Überlasst mir die Befreiung Eurer Tochter! Wenn die Gesetzlosen Euch zu Gesicht bekommen, wissen sie gleich worauf Ihr aus seid!“ Lord William erhob sich mit einer endgültigen Miene. Bei aller Mühe, die der junge Mann sich gegeben hatte, sein Auftreten war ihm zu plötzlich, als daß er blindlings das Wohl seiner Tochter in seine Hände gelegt hätte, auch wenn der Name seines Vaters für seine guten Absichten bürgte. „Sir Godric“, holte er aus, „Euer Angebot ehrt Euch, aber ich möchte Euch in nichts verwickeln. Die Angelegenheit betrifft allein meine Familie.“ Er wollte seine Abweisung nicht allzu hart klingen lassen, doch Godric folgte ihm auf die Straße, und wollte sich nicht abwimmeln lassen. Kaum standen sie draußen, wurden sie von heftigem Lärm abgelenkt. Auf dem Wehrgang der Burg hatten sich Soldaten angefunden, die aufgebracht Anweisungen weitergaben. Godric erblickte gerade noch, wie die beiden Outlaws am Stadttor von irgendetwas, das sich außerhalb abspielte, sehr erschreckt wurden und ihren Posten verließen. Das war seine letzte Möglichkeit. Sie mussten von den Wächtern auf den Wehrgängen erkannt worden sein. Alles, was Godric jetzt noch blieb war, die Gesetzlosen aufzuhalten und als Geisel zum Tausch gegen die Tochter des Earls einzusetzen. War ihm das erst gelungen musste Lord William ihm dankbar sein. Und vielleicht würde er ihm dann einen Wunsch erfüllen... Plötzlich bog ein Reiter vom Burghof in die Hauptstraße ein und stob wie vom Teufel gejagt zum Stadttor hinaus. Bei allem was Godric hatte erkennen können war das Hauptmann Jehan gewesen! Er durfte ihm auf keinen Fall zuvor kommen! Gerade sprach ihn der Earl wieder an, doch Godric hörte nicht. Hals über Kopf sprang er in den Sattel und ließ seinen verdutzten Soldaten neben dem nicht minder sprachlosen Lord William stehen. Als Godric auf die offene Ebene hinaus galoppierte sah er mit Verwirrung, daß der vermeintliche Hauptmann schnurstracks geradeaus auf den westlichen Waldrand zuritt, während sich das eigentliche Spektakel weiter links abspielte. Eine zusammengesunkene Gestalt lag mitten auf der Wiese, während vom Wald zwei weitere Männer näher eilten und, unweit voraus, der beleibte Mönch und der Knabe auf sie zusteuerten. Godric erkannte nach der bitteren Erfahrung im Sherwood den Langen der Gruppe wieder, der andere musste Robin Hood selbst sein, wenngleich er nach der Verletzung, die Merric ihm beigebracht hatte, bereits wieder ziemlich gewandt auf den Beinen war. Er wurde aus dem davonhetztenden Reiter nicht schlau, doch das hielt ihn nicht lange auf. Er lenkte seinen Hengst zur linken Seite, spornte ihn an, und schnitt den beiden Gesetzlosen den Weg ab, kurz bevor sie die anderen erreicht hatten. Robin hatte unterdessen jegliche Vorsicht fahren lassen und war auf die niedergestürzte Gwen zugerannt. Sein Gefährte war nicht weniger aufgeregt. „Robin!“, stieß er hervor, „Robin was ist mit ihr? Stirbt sie?“ Robin gab ihm eine kurze Antwort, dann fasste er den näher kommenden Reiter ins Auge, der Tuck und Much umkreiste und am Fortkommen hinderte. Hast ergriff ihn, als er ihre Lage erkannte. Sie befanden sich ohne jede Deckung mitten auf der freien Wiese. Er musste Gwen in Sicherheit bringen, koste es was es wolle! Zu lange hatte er gezögert, sie zu befreien, das musste er nun wettmachen! Godric verfluchte seinen Hengst, der durch die plötzliche Aufregung nervös herumtänzelte, ganz so als wollte er ihm einen Strich durch die Rechnung machen. Wütend ließ sich Godric seitwärts aus dem Sattel gleiten und zog sein Schwert. Die Ereignisse überschlugen sich. Während Lord William und der Soldat endlich das Stadttor erreicht hatten tauchte oben auf den Wehrgängen Gisburne auf, mit rot angelaufenem Kopf und einem schmutzigen Wasserfleck auf dem blauen Umhang. Dicht hinter ihm folgte Jehan. Gwens Flucht war entdeckt worden und er rechnete mit dem Schlimmsten. „Schießt endlich!“, brüllte Gisburne die Soldaten an, als er gewahrte, daß die Gruppe Gesetzloser noch immer völlig unbehelligt auf dem Feld stand. Die Frau war getroffen, wie er sah, doch direkt neben ihr stand Robin Hood. Eine bessere Möglichkeit würde sich nie bieten. Er stieß einen der Soldaten beiseite, entledigte ihn seiner Waffe und zielte nochmals. Entsetzen ergriff Jehan. „Halt!“, rief er ohne lange nachzudenken, und stürzte auf Gisburne zu. Die Gefahr für Gwens Leben machte ihn blind für alles andere, auch wenn er versucht hatte, sich eines besseren zu belehren. Godric bedrohte Tuck und Much mit dem Schwert in der Rechten und dem Dolch in der Linken. Er hatte Robin Hood fast erreicht und achtete nicht auf das, was sich auf den Burgmauern abspielte. Kurz bevor Gisburne schoss war Jehan da und rempelte ihn mit Wucht zur Seite. Das Geschoß wurde abgelenkt und verfehlte sein eigentliches Ziel. Gerade als Godric sich umdrehte stieß ihm der Bolzen mitten in die Brust. Er keuchte auf. Das konnte doch nicht sein... was geschah...? Ihm war es, als entglitte ihm die Welt unter den Füßen zur Unzeit, sein Gesicht war wie versteinert, er konnte nicht begreifen, was da vor sich ging. Die Waffen entglitten seinen Händen, der blaue Himmel taumelte über ihm, er spürte noch Nichtmal den Schmerz, als seine Beine nachgaben und er hart ins Gras sackte.

*

Jehan:

Atemlos sahen die Soldaten dem Fall Sir Godric of Valnahars, des neuen Herrn von Lowdham, zu. Gisburne warf Jehan einen wütenden Blick zu, reagierte als erster wieder und rief: „Auf die Pferde, Männer! Bringt mir die Gesetzlosen! SOFORT!“ Plötzlich kam Leben in die Wachen. Pferde wurden eilends aus dem Stall gezerrt, gesattelt, während die ersten schon zu Fuß die Stadt hinunter durch das Tor auf die Wiese eilten. Gisburne selbst jagte bereits bitter entschlossen auf schwarzem Ross dem Schlachtfeld entgegen. John hatte Gwen aufgehoben, und trug sie so schnell er vermochte zum Waldesrand, Robin hatte den ersten Pfeil bereits auf dem Langbogen und ließ das Geschoss zischend gegen die heranstürmenden Soldaten los. Ein Mann brach getroffen im Lauf zusammen, und nun schossen auch Much und Tuck was ihre Bögen und Köcher hergaben. Aber es waren zu viele Soldaten. Wie eine Flutwelle stürzten sie heran, Gisburne mittendrin, und fünfzig Yard hinter ihm Jehan of Beaversbrook auf seinem Falben, die Zügel in der linken und das Schwert in der rechten Hand, im vollem Galopp. Die Geächteten wehrten sich, erschossen mindestens zehn Soldaten, um dann erkennen zu müssen, dass es sinnlos war. Gisburne war schon gefährlich nahe. „In den Wald!“ schrie Robin, blieb aber stehen, um den Rückzug zu decken. Much und Tuck nahmen die Beine in die Hand, rannten, was sie konnten auf den Waldrand zu, hinter John her, der diesen mit der leblosen Gwen in den Armen bereits erreicht hatte. Als Robin sah, dass Little John es geschafft hatte, schoss er den letzten Pfeil ab und begann seinerseits, zu flüchten. Gisburne holte ihn spielend ein, schnitt ihm den Weg ab und drängte ihn wieder zurück. Wie ein Kaninchen schlug Robin einen Haken, Gisburne reagierte prompt und riss den Rapphengst herum. Jehan schwenke ab um hinter den anderen Gesetzlosen herzujagen. Much und Tuck waren leichte Beute, und gegen die Soldaten auf den Pferden hatten sie keine Chance. Jehan ritt nahe an Much heran, ließ Falb den Jungen überrennen, und sah gerade noch, wie Tuck stehen blieb, um seinem gestrauchelten Freund zu helfen. Die anderen Soldaten waren da, umzingelten sie und hielten sie in Schach. Diese beiden waren ihnen sicher. Jehan sah sich wild um. Er konnte Little John nicht mehr sehen, der bereits zwischen den Bäumen verschwunden war, galoppierte dennoch dort hin, und zügelte das Pferd. Er stellte sich in die Steigbügel, aber der Gesetzlose war wie vom Wald verschluckt. Und mit ihm Gwen. Plötzlich sah er links neben sich eine geduckte Gestalt rennen, die so flink und schnell im Wald verschwand wie eine Maus im Loch, wenn die Katze hinter ihr her ist. Es war Robin Hood, der es geschafft hatte, Gisburne auf dem Pferd auszutricksen und zu entkommen. Sir Guy parierte den Rappen, kurz bevor er in den Wald ritt. Die beiden Soldaten warfen sich einen Blick zu, Gisburne gab aber kein Signal, in den Wald zu reiten. Er hatte eine bestimmte Abneigung gegen Bäume, und es wäre ohnehin der reine Selbstmord gewesen, dort hinein zu reiten, denn dort konnten sich die Gesetzlosen überall verstecken. Und da sie zwei von ihnen gefangen hatten, würde es keine Mühe kosten, die anderen heraus zu locken. „Robin Hood!“ brüllte Gisburne gegen die Bäume an. „Ergib dich, oder der Junge und der Mönch sind des Todes!“ Was dann eintrat, war eine beinahe unheimliche Stille.

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Faude:

Der Schmerz kroch langsam seine Wirbelsäule herauf und Sir Faude ahnte, daß ihn mal wieder die Hexe getroffen hatte. Vorsichtig befreite er sich aus seinem Cape, das sich wie ein Netz um sein Haupt gewickelt hatte. Er würde in absehbarer Zeit der Wirtin vom weißen Keiler einen Besuch abstatten müssen. Sie verfügte über die Kunst einen wehen Rücken zu heilen, und soll diese angeblich von einem Kreuzfahrer erlernt haben. Zaghaft erhob sich Sir Faude und versuchte zu stehen. Wenn er sich an den Zinnen abstützte gelang ihm dies auch einigermaßen. Er ließ seinen Blick schweifen und beobachtete die tobende Feldschlacht unter ihm. Man musste kein Alexander sein um zu erkennen, daß die Outlaws nicht die geringste Chance hatten. Als alles vorbei war, erklärte Sir Guy einen Mönch und einen Jungen zu seinen Geiseln um Robin Hood aus dem Wald zu locken. Wenn Gisburne je einen Funken Ritterehre besessen hatte, dann war dieser schon vor einiger Zeit erloschen. Carfilhiot beschloss seiner Cousine ein formelles Abendessen mit diesem Abschaum zu ersparen, egal was es ihn auch kosten möge. Er hatte sich bisher immer für den Gipfel an Skrupellosigkeit gehalten, aber auf Nottingham Castle konnte er noch eine Menge lernen. Damit wandte er sich von der Szenerie ab, ohne Robin Hoods Entscheidung abzuwarten und wankte die Turmtreppe herunter.

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Sue:

Susanna dachte ja gar nicht daran, im Lager der Gesetzlosen tatenlos mitanzusehen, wie Robin und John alleine nach Nottingham liefen. "Wenn ich hier bleibe und warte werde ich noch verrückt!" dachte sie und erhob sich, um dem Beiden zu folgen. "HE! Wo willst du hin?" fragte Will in einem sehr herrischen Tonfall. "Ich werde hier nicht untätig 'Rumsitzen und darauf warten, dass endlich etwas passiert", antwortete die junge Lady gebieterisch und fuhr fort: "Ich werde auch nach Nottingham gehen. Wenn mein Vater dort ist, können wir den Austausch direkt dort vornehmen. Dann geht wenigstens nicht noch mehr Zeit verloren, und ihr seid mich endlich wieder los." Sue merkte schon bei der ersten Begegnung mit Robin Hood und seinen Männern, dass sie dort nicht wirklich willkommen war. Streng blickte sie in die Gesichter der übrigen Gesetzlosen. "Vielleicht hat sie ja Recht", sagte der sonst so schweigsame Nasir, " Robin wird vielleicht unsere Hilfe brauchen....." "Robin wird wütend sein, weil wir mal wieder nicht auf ihn gehört haben, das ist alles", fiel Will dem Sarazenen ins Wort. Er schaute Susanna an, die ihm mit festem Blick in die Augen schaute. Alles Kindliche war aus ihrem Gesicht gewichen. Sie musste handeln; sie hatte ihre Hilfe angeboten, also wollte sie nun auch Taten folgen lassen. In einem größeren Abstand folgten Susanna, Will und Nasir den beiden Anderen. Sie wollten nicht, dass Robin oder John sie bemerkten. Nach einem nicht allzu langen Marsch erreichten auch sie endlich den Waldrand. Von dort aus hatten sie eine gute Sicht auf Nottingham-Castle. Aber was zum Teufel spielte sich dort ab? Sie sahen gerade noch eine Frau, von dem Bolzen einer Armbrust getroffen zu Boden sinken während Robin und John ihr entgegenliefen. "Oh mein Gott.....GWEN!" entfuhr es Will. Das durfte nicht sein. Gwen war endlich wieder frei und jetzt das. In Panik sprang Will auf und lief auf den Ort des Geschehens zu, gefolgt von Nasir, den es ebenfalls nicht mehr in der Sicherheit des Waldrandes hielt. Susanna folgte etwas zögerlich. "Was ist hier los?" fragte sie sich. Da ging doch etwas nicht mit rechten Dingen zu. Im selben Moment kamen Reiter aus dem Tor gestürmt. Einer entfernte in vollem Galopp von Nottingham als sei der Teufel hinter seiner Seele her. Er schien von dem Tumult, der vor den Toren Nottinghams vor sich ging, keine Notiz zu nehmen. Ein anderer Reiter kam auf Sue zu. Susanna traute ihren Augen nicht, das war doch der Edelmann, der ihr zuvor auf ihrer Flucht aus Nottingham begegnete; der Mann dessen Blick sich mit dem ihren ganz kurz getroffen hatte. Kurz dahinter folgte Lord William. Susanna hielt einen Moment lang inne, um dann dem Earl entgegenzulaufen. Just in diesem Augenblick sprang der jüngere der beiden Männer vom Pferd, um die geduldig wartenden Tuck und Much mit Schwert und Dolch in Schach zu halten, als ihn der Bolzen einer Armbrust mitten in die Brust traf und er zu Boden sank. "NEIN!" schrie Susanna auf. Das durfte nicht sein. So schnell sie konnte rannte sie auf den Gefallenen zu. Ihr Vater war gerade von seinem Pferd gestiegen, um sich die Verletzungen des jungen Edelmannes anzuschauen. Er schaute zur Wehrmauer hoch und dann wieder auf den regungslosen Verletzten. Seine Tochter bemerkte er erst, als sie sich weinend und keuchend neben ihn auf den Boden kniete. "Was ist mit ihm?" frage sie schluchzend vor Entsetzen. "Ist er.....?" "Nein, er lebt --- noch", entgegnete Lord William und schaute bekümmert auf den Bolzen, der aus der Brust des anderen Mannes ragte. "Das ist alles nur meine Schuld", flüsterte Susanna mit Tränenerstickter Stimme.

Der Earl of Leicester begann sich ein genaueres Bild von der Verletzung seines neuen Freundes zu machen. Vorsichtig öffnete er dessen Tunika. Sie war aus Stoff und bot keinen Schutz gegen den Bolzen einer Armbrust. Aber was war das? Was steckte da unter dem Stoff seiner Kleidung über seinem Herzen.....? "Teufelskerl!", entfuhr es Lord William mit Erleichterung. "Godric, Ihr habt mehr Glück als Verstand!" lachte er. "Was ist"?" fragte Susanna der Hysterie nahe. Der Earl hob behutsam den Stoff von Godric's Kleidung höher an. Susanna glaubte, ihren Augen nicht zu trauen: der Pfeil steckte in einem in Leder eingebundenen Buch, nur die Spitze des Geschosses steckte in der Brust. "Er hat Glück gehabt, Mädchen, die Wunde wird wieder heilen. Wir lassen seine Wunde hier Erstversorgen und nehmen ihn dann mit nach Leicester. Dort kann er sich von diesem Schuss erst einmal in aller Ruhe erholen. Besser, er ist vorläufig nicht in der Reichweite des Sheriffs oder dessen tapferen Schützen." Und mit ernster Miene fuhr er fort: "Und um dich, junge Lady, werde ich mich später kümmern....."  Erleichtert schaute Susanna auf. Aber was sich dann dort auf dem Schlachtfeld abspielte entsetzte sie maßlos. Hilflos musste sie mit ansehen, was Robin und seiner Bande zur selben Zeit widerfuhr.....                                  

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Godric:

Lord William sah sich um. Bevor der Tumult auf dem Feld völlig eskalierte wollte er seine Tochter und den Verletzten in Sicherheit bringen. Der kräftige Mann lud sich Godric auf die Arme und trug ihn mit Harreds Hilfe hinüber zum Stadttor. Mehr Mühe hatte er mit seiner Tochter, die ihren gefesselten Blick nicht von dem Getümmel abwenden konnte. Schließlich griff er sie kurzerhand am Arm und zog sie hinter die sicheren Mauern der Stadt. „Ich will nicht, daß dir auch noch etwas geschieht, Kind!“, sprach er streng, „Sieh dir nur an, was für ein Bild der Schande die Männer des Sheriffs abgeben! Das wird noch ein Nachspiel haben!“, er hob sich seine Drohungen für später auf, nun galt es zunächst, die beiden leichtsinnigen jungen Leute an seiner Seite in Gewahrsam zu bringen. Er wusste von der kleinen Behausung zweier Mönche ganz in der Nähe des Stadttores. Dort würden sie zunächst die passende Zuflucht finden. Bruder Ranulf und Bruder Geraldus staunten nicht schlecht, als man ihnen den Verwundeten brachte, derselbe Mann, der erst kürzlich selbst einen Patienten besucht hatte. Sue saß noch immer der Schreck in den Gliedern. Sie hielt sich etwas abseits und beobachtete voller Angst, wie die vier Männer den Verletzten niederlegten und begannen, vorsichtig an seiner Kleidung zu hantieren. Sie vernahm kaum die Stimme ihres Vaters, der den Mönchen rasch erklärte, wie sich das zugetragen hatte. Godric war noch immer besinnungslos und kreidebleich bis in die Lippen. Sein Kopf war matt zur Seite gesunken und Susanna hatte nicht mehr das Gefühl, der junge Mann könne mit wenigen Handgriffen gerettet werden. Die Stimme des Mönches riss sie aus ihrer Abwesenheit. „Mylord“, sprach Bruder Geraldus verhalten, „Ihr hattet Recht, durch das Buch in der Innentasche des Mantels wurde der Schuss abgedämpft. Jedoch...“, er stockte kurz, bevor er fortfuhr. Die rüstige Statur des Earls flößte ihm große Ehrfurcht ein. „Der Bolzen ist dicht über dem Herzen eingedrungen. Bisher hält er die Blutung zurück, und ich muss gestehen, ich wage es nicht, ihn herauszuziehen.“ Lord William richtete sich mit einem langen Atemzug auf, der ihn noch mächtiger erschienen ließ. Seine Miene verdüsterte sich sorgenvoll. Hätte er das ahnen können, so hätte er diesen Hitzkopf rechtzeitig aufgehalten. „Wir brauchen einen erfahrenen Krieger, der sich mit dieser Art von Verletzungen auskennt.“, entgegnete er an die beiden Mönche gewandt. Doch Bruder Ranulf schüttelte bekümmert den Kopf. „Es gibt in Nottingham und den anliegenden Landgütern weder solche Krieger noch Kreuzritter, Mylord. Es tut mir leid.“ Er sprach mit aufrichtigem Bedauern und musste beobachten, wie die Hoffnungen des Earls allmählich schwanden...

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Godric:

In das kleine Zimmer im Haus der Mönche fiel das Zwielicht des Nachmittags. Lord William hatte seine Tochter hinaus geschickt. Er wusste sich keinen Rat und das reizte ihn. Grübelnd und mit der Hand am Kinn schritt er in der Kammer auf und ab, murmelte ab und an etwas vor sich hin, und verwarf es dann gleich wieder. Er stockte, als er plötzlich bemerkte, wie der Verletzte sich regte. Mit zwei großen Schritten war er am Bett und setzte sich dort. Angespannt wartete er ab, wie Godric langsam den Kopf drehte. Er stöhnte leise wie ein gequältes Tier, dann schlug er matt die Augen auf. Er erkannte den Earl und bewegte die Lippen, um etwas zu sagen, doch Lord William kam ihm sofort zuvor. „Bleibt liegen, Godric, und bewegt Euch nicht!“, warnte er vorsichtig. Die Worte der Mönche hatten ihn sehr beunruhigt. Nur langsam kehrten die Ereignisse in Godrics Gedächtnis zurück. „Was...“, brachte er kaum hörbar hervor, und runzelte die Stirn. „Ihr seid in Sicherheit.“, fuhr der Earl fort, obwohl er selbst davon kaum mehr überzeugt war, „Wir finden Hilfe für Euch!“ Godric versuchte vergeblich sich zu rühren. Ein brennender Schmerz hatte sich in seiner Brust verbissen wie ein wilder Hund. „Warum - warum zieht Ihr den Pfeil nicht raus...?“, flüsterte er schwach. Lord William schüttelte den Kopf. „Die Mönche sind nicht erfahren genug.“, antwortete er, „Aber ich habe Euren Soldaten losgeschickt. Er wird Hilfe finden! Er kennt die Gegend...“, er sprach nicht weiter, denn es hatte keinen Sinn. Harred war genauso unwissend wie er selbst aufgebrochen, es war nur eine geringe Hoffnung. „Lord William“, fuhr Godric mit dringlicher Miene fort. Der Lord sah ihn fragend an. „Ihr müsst einen Boten nach Lowdham schicken und Jeon herholen!“, das Gerede strengte ihn an, doch die Botschaft war ihm sehr wichtig, „Hört Ihr? Jeon Gascaut, der Verwalter! ... Er muss etwas wissen, bevor ich...“ Der Earl unterbrach ihn. „Ihr werdet wieder gesund, Godric!“, sprach er eindringlich. Er fragte sich plötzlich, wer den jungen Mann gerettet hätte, wenn nicht er selbst. Vermutlich würde er noch draußen auf dem Feld liegen. Was machte ein leichtsinniger junger Mann wie er allein hier in Nottingham, wo unter der Fuchtel des skrupellosen Sheriffs heimliche Bündnisse geschlossen und Intrigen gesponnen wurden, auch wenn sie allesamt stets in ein Desaster mündeten? „Werdet Ihr einen Boten senden?“, fragte Godric nach. „Natürlich!“, der Earl erhob sich sofort. An der Tür zögerte er kurz, ob er den Verletzten allein lassen konnte, dann trat er schnell hinaus, um den Mönchen die Bitte weiterzugeben. Godric blieb wach, trotz der unsäglichen Schmerzen. Er war von einem Gedanken gefangen, der ihn halbwegs bei Bewusstsein hielt. Jeon musste sich beeilen...

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Taran:

Nachdem Taran den Waldrand erreicht hatte, parierte er das Pferd durch. Er schaute sich um. Nein, niemand verfolgte ihn. Er lächelte still in sich hinein. Er musste noch immer an das Gesicht des Soldaten denken, als dieser ihn erkannte, und feststellte, dass er nicht Hauptmann Jehan war. Noch in Gedanken versunken stieg er vom Pferd. Er führte das Tier etwas vom Weg in den Wald hinein, und band es an einen Baum. Es würde ihm auf seinem Weg zurück nach Nottingham noch gute Dienste leisten. In Nottingham würde er es dort wieder entlassen, wo er es gefunden hatte. Wer weis, wem es gehörte. Danach zog Taran die Uniform Jehans, aus, und legte sie sorgfältig zusammen. Kurz suchend blickte er sich um, und fand ein brauchbares Versteck dafür. Danach lies er sich ins Gras fallen und gähnte. Eine Pause würde ihm gut tun. Aber er fand keine wirkliche Ruhe. Ernüchtert stellte er fest, dass er nichts von dem getan hatte, weshalb er nach Nottingham gereist war. Und die Zeit drängte. Und sein Bruder schien auch nicht gerade in guter Verfassung zu sein. Sollte er den denn überhaupt mit seinem Wissen belasten? Tief in Gedanken versunken, hörte er eine Weile später plötzlich den Hufschlag eines Pferdes. Sofort war er wieder auf den Beinen. Durch das Gestrüpp hindurch beobachtete er den Weg. Als er den Reiter erkannte, stutzte er. War das möglich? Tatsächlich. Bei dem Reiter handelte es sich um den Soldaten, den er noch vor kurzem bei Sir Godric gesehen hatte. Wie hieß er doch gleich? Und wo war Sir Godric? Nachdem der Reiter allein zu sein schien hielt es Taran nicht für gefährlich sich zu zeigen. So trat er auf den Weg hinaus. Harred, der damit nicht gerechnet hatte, erschrak, erkannte dann aber, dass es sich bei dem Mann, um den Reisenden handelte, der noch vor kurzer Zeit am Bett Merrics verweilte. Den schickt mir der Himmel, dachte Harred erfreut. Dieser Mann schien über einiges Heilwissen zu verfügen. Nach kurzer Begrüßung erzählte Harred Taran, dass Sir Godric schwer verletzt in Nottingham in der Krankenstation der Mönche läge. Taran stöhnte innerlich auf . Das hatte ihm gerade noch gefehlt. Er fragte Harred wie es zu der Verletzung kommen konnte. Harred erwiderte geschickt ausweichend, dass Sir Godric von einem verirrten Pfeil in die Brust getroffen wurde, und dass die Zeit drängte. Taran überlegte kurz. Er musste ja sowieso nach Nottingham zurück. Warum also nicht gleich. Mit der Reisekleidung unterschied er sich deutlich von seinem Bruder. Er rechnete nicht damit, dass jemand Verdacht schöpfte. „Also gut“, sagte er, „Ich werde sehen was ich tun kann, aber ich kann nichts versprechen. Und ich reite allein. Gebt mir Euer Pferd. Ihr könnt meins haben. Aber passt auf, es ist nur geliehen. Ihr werdet damit nicht auffallen. Bindet es in Nottingham bei der Schmiede an, da wird es der eigentliche Besitzer finden. Beschreibt mir, wo die Krankenstation ist, ich werde mich beeilen.“

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Jehan:

Robert de Rainault war auf den Burghof gestürmt, als er dem gewahr geworden war, was sich direkt vor Nottinghams Toren abspielte. „Mein…Pferd!“ schrie er heiser, gab dem ihm am nächsten stehenden Diener einen üblen Fußtritt, der diesen zu Boden beförderte. ´Gisburne´dachte er ´Gisburne muss sie endlich fassen!´ Konnte es denn so lange dauern, um ein Pferd zu satteln? Beim heiligen Cedric, seine eigene Mutter hätte das schneller gekonnt. In diesem Moment kam eine seltsam verkrümmt gehende Gestalt aus dem Eingang hinter ihm. Sir Faude Carfilhiot sah aus wie die schlechte Karikatur eines Hofnarren als er versuchte, der Pein des Hexenschusses gerecht werdend, sich fortzubewegen. De Rainault dachte, dass der Kerl ihn aufzog, indem er ihn auf diese Weise zu verunstalten suchte. Aber dann sah er in das schwer von Leiden und Schmerzen gepeinigte Gesicht des Adligen, und erkannte, dass diese wohl doch nicht gespielt waren. „Sir Faude! Was ist Euch?“ fragte er, während er schon wieder nervös nach dem Stall schielte. Carfilhiot versuchte tapfer zu lächeln. Eigentlich hatte er unauffällig dort vorbeigehen wollen, aber in seinem Zustand unauffällig zu bleiben, wäre ungefähr so aussichtsreich, als versuche man einem Esel das Singen beizubringen. Faude wollte gerade ansetzen, um das ganze Ausmaß seines Leidens in den blumigsten Farben zu schildern, da kamen die ersten Fußsoldaten wieder zurück und lenkten des Sheriffs Aufmerksamkeit auf sich. Endlich wurde dem Sheriff sein Schimmel gebracht, und gerade als er, nicht weiter um Sir Faudes wehen Rücken besorgt, sich abwandte und den Fuß in den Steigbügel setzen wollte, hörte er den Hufschlag, und sah den Rest seiner geschlagenen Truppe mürrisch durch das Burgtor reiten. Aus Gisburnes rechtem Oberarm ragte ein Pfeil heraus, der mit der Macht des Waldgottes Herne beschlossen hatte, den Adlatus des Sheriffs zu quälen. Robert de Rainault blieb erbost stehen, denn es war klar, dass die Aktion dieses nichtsnutzigen Haufens trauriger Möchtegern-Soldaten offensichtlich nicht von Erfolg gekrönt war. „Gisburne!“ schrie er. „Wo sind die Gefangenen?“ Sir Guy quälte sich aus dem Sattel. „Mylord, wir hatten sie schon fast….“ „Fast reicht aber nicht aus, Ihr unfähiger Tölpel! Setzt Euch auf Euren gottverdammten Gaul und reitet ihnen nach, Mann!“ Jehan of Beaversbrook war ebenfalls wie betäubt vom Pferd gestiegen, hielt sich dezent im Hintergrund und wünschte sich weit weg, an Gwens Seite, die nun durch seine Schuld vielleicht sterben musste. Gisburne hielt sich den schmerzenden Arm. „Es wäre Selbstmord, ihnen in den Wald zu folgen, sie würden uns massakrieren. Im Übrigen wäre Robin Hood längst tot, wenn der Hauptmann mich hätte lassen machen…!“ Damit sah er zu Jehan hinüber, und plötzlich lag aller Erklärungsdruck auf ihm. „Wie konnte es eigentlich dazu kommen?“ fragte der Sheriff endlich. Sein giftiger Blick fixierte den Hauptmann, der plötzlich unbehaglich zu stottern begann. „Jemand hat diese Gwen befreit… und.. er sah mir sehr ähnlich…“ „WIE BITTE?“ „Sie lief fort, Herr, hinüber in den Wald, wo diese Gesetzlosen auf sie warteten, aber dann…dann…“ Bei dem Gedanken an Gwens Verwundung versagte seine Stimme, sein Kopf sank ihm auf die Brust, er hatte ein Brausen und Dröhnen in den Ohren und ihm wurde schlecht. Er war kreideweiß geworden. Und doch spürte er, dass die Menschen ihn anstarrten. Vom Burghof her, von den Fenstern und Türen. Wie einen Schmerz fühlte er den Blick von Sir Faude, der sich noch immer an der Mauer abstützte und gebannt die Szene verfolgte. „Ich habe sie mit der Armbrust niedergeschossen!“ brüstete sich Gisburne. „Und ich hätte auch Robin Hood niedergeschossen, wenn mich dieser Idiot nicht umgerannt hätte!“ Jehan fühlte, wie alle Kraft aus ihm wich. Nun war alles aus. Aus. Vorbei. „Nun, Hauptmann, was sagt Ihr dazu?“ „Ich habe damit nichts zu tun!“ „Womit?“ „Dass sie verschwunden ist.“ Lange Pause. Gotterbärmlich lang. Er befand sich jetzt auf einer Eisdecke; sie war dünn und brüchig, und darunter gab es nur noch die kalte Tiefe. Ihm wurde zusehends elender zumute. Auf seine Stirn grub sich eine steile Falte. „Wie ich schon sagte, Mylord, ich war das nicht“. Er wandte den Blick zu Gisburne. „Sir Guy, Ihr habt den Mann doch auch gesehen!“ Gisburne wurde nun seinerseits bleich, was wohl zum größten Teil an der Verwundung lag, und nicht etwa an der Schmach. Er nickte. Tatsächlich, er hatte diesen anderen Mann gesehen, der Jehan zum verwechseln ähnlich gewesen war. „Hört auf, Euch gegenseitig die Schuld zuzuschieben!“ donnerte der Sheriff wütend, dem das ganze nun zu lästig wurde. „Ihr habt es wieder einmal fertig gebracht, Robin Hood entkommen zu lassen! Obendrein sind wir die Geisel los! Bin ich denn nur von Idioten umgeben??? Aaarggghh!“ Wütend fuchtelnd trat er nach dem nächsten Soldaten, der zu Boden ging und sich das wehe Schienbein hielt. „Gisburne! Ihr und Eure so genannte kämpfende Truppe seid der letzte Haufen! Ich werde Euch allen den Sold kürzen! Und Euch, Gisburne, werde ich ihn ganz streichen! Und zwar solange, bis ich diese gesetzlose Bande hier in Nottingham in Fesseln vor mir knien habe!“

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Godric:

Der Earl kam zurück. Seine Untätigkeit begann ihn rasend zu machen. Wenigstens in Godrics Gegenwart versuchte er eine zuversichtliche Miene aufzusetzen, die jedoch gleich darauf von seinen Worten widerlegt wurde. „Der Bote ist unterwegs.“, sagte er, „Jedoch wird es bald dunkel; Jeon wird nicht vor morgen früh hier sein...“ Godric schüttelte gequält den Kopf. „Er muss sich beeilen!“, flehte er leise. Lord William hatte Mühe, seine Unruhe zu verbergen. Harred war noch immer nicht zurück, und es gab nichts mehr was er noch hätte tun können. „Ihr müsst durchhalten, Godric!“, drängte er, „Denkt an Euren Vater, er war ein standhafter Mann!“, er setzte sich wieder und fuhr fort, „Ich erinnere mich an einen seiner Besuche in Leicester. Meinen halben Weinkeller hat er leer getrunken, und ist dennoch am nächsten Morgen zum Turnier angetreten. Das war ein Schauspiel für die Götter!“

Godric lächelte erschöpft. Von dieser Geschichte hatte sein Vater ihm nie erzählt, aus gutem Grund offenbar. „Ihr müsst ihn doch sicher einmal zu uns begleitet haben?“, sprach der Earl weiter, „Meine Tochter kann sich vielleicht an Euch erinnern.“ „Wie - ist ihr Name?“, fragte Godric mühsam. „Susanna heißt sie.“ „Susanna“, kam es kaum hörbar über Godrics Lippen. Lord William fuhr fort zu reden. Je länger er über den jungen Mann nachdachte, desto mehr erinnerte er sich an vergangene Zeiten, die ihn mit dem Vater Godrics zusammengebracht hatten. „Wusstet Ihr, daß ich Euren Vater in Oxton kennen lernte? Das war kurz bevor...“, er brach ab, als er merkte welchen Schrecken er plötzlich im Gesicht des jungen Mannes hervorgerufen hatte. „Oxton...!“, stammelte Godric. „Um Himmels Willen - es wird schon zu spät sein...“ Lord William beugte sich vor, um den Verletzten zu beruhigen. Sprach er im Fieberwahn oder war es etwas Ernstliches, das seinen Geist plagte? Hinter seinem Rücken tauchte Bruder Geraldus auf und legte ihm seine Hand auf die Schulter. „Kommt jetzt, Mylord, er braucht Ruhe.“, sprach er mit gedämpfter Stimme. Lord William erhob sich unwillig. „Es wird schon zu spät sein...“, murmelte Godric wieder. Seine Gedanken überschlugen sich. Er verlor das Bewusstsein und wachte erst wieder auf, als endlich Hilfe kam und Taran das kleine Zimmer betrat...

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Robin:

Voller Wut schoss Robin einem nach dem anderen Pfeil auf die Soldaten, die vor Schreck ihren Pferden die Sporen gaben und die Flucht ergriffen. "Verdammt jetzt komm schon!" schrie Will, ergriff ihn am Arm und zog ihn wieder in den Wald. Wieder mal hatten sie einen Sieg gegen den Sheriff und seine Schergen errungen, doch es war verdammt knapp gewesen. Erst nachdem sie einige Zeit gerannt, und tief im Sherwood waren, versammelten sie sich an einer großen Eiche. Schwer atmend lies John Gwen vorsichtig herunter. Der Schweiß lief ihm in Strömen übers Gesicht und sein Blick lag sorgenvoll auf ihr. Selbst völlig geschafft und außer Atmen sah Robin von einem zum anderen, bis sein Blick auf Tuck und Much hängen blieb. "Wo wart ihr, verdammt? Ich hatte euch doch gesagt, ihr sollt nur die Nachricht abliefern und dann sofort zurückkehren." "Aber der Earl wollte doch...." fing Much händeringend an zu erklären, wurde aber sofort von Robin unterbrochen. "Der Earl hätte euch als Geiseln nehmen können, im Tausch gegen seine Tochter. Versteht ihr das nicht? Wenn Gwen nicht....." plötzlich stockte er, sah fragend und verwirrt auf Gwen. "Wie bist du freigekommen?" fragte er leise, mehr zu sich selbst als zu ihr. Langsam ließ er sich neben ihr nieder. Ihr Atem ging flach und ihr Gesicht war von Schmerzen gekennzeichnet. "Gwen!" sprach er sie leise an. "Es wird alles gut, mach dir keine Sorgen." und lächelte ihr aufmunternd zu. Dann sah er Tuck auffordernd an, der sofort loslief, alles zusammenzusuchen, um die Wunde notdürftig zu versorgen. In diesem Moment öffnete Gwen die Augen, sah Robin eindringlich an... "Der Hauptmann.....bitte Robin....nicht töten...." Ihre Worte waren kaum zu verstehen und es bereitete ihr unsägliche Mühe, sodass Robin ihr fürsorglich die Hand auf die Schultern legte. "Niemandem wird etwas geschehen, Gwen. Bleib ganz ruhig. Du solltest dich nicht anstrengen." Mit diesen Worten machte er für Tuck Platz, der sich vorsichtig um die Wunde kümmerte. Dieser Hauptmann schon wieder, dachte Robin. Hatte er ihn nicht vorhin bei den Soldaten gesehen? Erst jetzt fiel ihm auf, dass dieser nicht einen Pfeil verschossen hatte, nein, noch nicht mal den Versuch gemacht hatte, einen von ihnen zu erwischen oder aufzuhalten. Irgendetwas hatte ihn irritiert. War es sein Blick gewesen? Er wusste es nicht mehr. Aber es schien etwas mit Gwen zu tun haben. Sie würde es ihm erklären müssen, sobald es ihr besser ging. Das war jetzt erstmal das Wichtigste.

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Taran:

Der Earl of Leicester hatte seine Tochter aus der Krankenstube der Mönche hinausgeschickt. Godric ging es nicht gut, und Lord William wollte nicht, dass Susanna ihn mit ihrer eigenen Unruhe noch zusätzlich quälte. Was der Verletzte jetzt brauchte war Ruhe und kein hysterisches Weib an seiner Seite. Die junge Lady ging im Nebenraum auf und ab; die Mönche versuchten vergeblich, sie zur beruhigen. Sie machte sich Sorgen, denn sie wusste nicht, was nebenan vor sich ging. Nach einer Weile verließ ihr Vater kurz das Haus. Sue wollte ihn gerade fragen, was er vorhatte, aber er winkte nur ab und eilte davon. Sie sah ihre Chance gekommen, einen kurzen Blick auf Godric zu werfen. Einer der Mönche, Bruder Geraldus, hatte sie jedoch unter Beobachtung und verwehrte ihr den Zugang zu dem Raum des jungen Mannes. "Ach bitte", bettelte sie, "lasst mich nur einen Augenblick nach ihm schauen....." Der Geistliche schaute sie an und schüttelte sein Haupt: "Anweisung Eures Vaters, Mylady....." "Dann sagt Ihr mir doch wenigstens, wie es dem Verletzten geht, Bruder", Susanna platzte beinahe vor innerer Anspannung. "Er wird leben", entgegnete Bruder Geraldus nur knapp und wenig überzeugend. Dann ging er in den Nebenraum, um nach Godric zu schauen. Sue verließ die Stube und setzte sich vor dem kleinen Haus ins Gras. Drinnen hielt sie es keinen Moment länger aus. Eine Weile später kehrte Lord William zurück. Susanna sprang auf, um mit ihm zu reden. "Jetzt nicht, Kind", war seine knappe Bemerkung, und er eilte wieder in das Haus. Sue ließ sich zurück ins Gras fallen und schaute Gedankenversunken gen Himmel. Die junge Lady bemerkte nicht, dass ihr Vater einige Zeit später wieder zu ihr herauskam. Erst als er sie sanft bei der Schulter packte reagierte sie. "Lass uns reden.....", begann er die Konversation, und Vater und Tochter sprachen sich aus. Sie sprachen über das vorgetäuschte Eheversprechen mit Sir Walter bis hin zu Godric's Plan, die beiden Geächteten Tuck und Much gefangen zu nehmen, um Susanna aus den Händen Robin Hoods zu befreien. Sue fühlte sich töricht und schuldig - schuldig an dem schlechten Zustand des Verletzten im Haus der Mönche. ".....und wie siehst du überhaupt aus?" schloss er das Gespräch, ".....na ja, das Veilchen wird bald wieder verheilt sein, und dein Haar wird auch wieder nachwachsen.....", sprachs und strich Susanna mit einem Lächeln im Gesicht durch die dicken rotbraunen Locken. Der Earl verweilte noch eine Zeit lang draußen bei seiner Tochter als ein weiterer Mann zu dem Heim der Mönche kam. Er und Lord William machten sich kurz miteinander bekannt, danach betrat der Fremde, der sich als Taran of Beaversbrook vorstellte, das Haus.

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Gwen:

Nachdem Tuck die Wunde auf das nötigste versorgt hatte nahm er sich Robin zur Seite, um mit ihm ruhig, aber bestimmt zu reden. "Hier kann sie nicht bleiben. Sie wird hier sterben...Und vielleicht nicht nur sie. Gisburne wird nicht ruhen und dieser Hauptmann, Jehan, .... ich weiß nicht, warum Gwen ihn zu schützen versucht, aber ich weiß, dass er ohne Zögern jeden einzelnen von uns mit seinem Schwert durchbohren würde. Wir müssen hier weg!" "Ich weiß Tuck, ich WEISS es!" antwortete Robin leise, aber ungehalten. "Ich weiß nur nicht wohin" fügte er nach einer Pause resignierend dazu. "Zur Abtei von Glenfield. Die Benediktiner dort sind heilkundig und sie wird ruhen können." "Glenfield? Das ist doch Wahnsinn, Tuck! Diese Strecke schaffen wir nie ohne Pferd, siehst du hier vielleicht irgendwo eins?" Fast gleichzeitig hörte Robin hinter sich ein Knacken im Unterholz und vernahm Tucks "Aye, hinter dir!" Robin wirbelte herum. "Will!" entfuhr es ihm, als er den Mann samt gesatteltem Pferd hinter sich sah. "Was..." Robin verstummte, als er den grimmigen Gesichtsausdruck sah. Will zuckte nur mit den Schultern. "Ich dachte wir könnten eins brauchen, oder? Ich hab die Straße beobachtet...der Soldat, dem es gehörte wird jetzt wohl etwas länger brauchen. Wohin also?" "Nun denn, zur Abtei von Glenfield!" Will sprang auf das Pferd und nahm Gwen vor sich, bemüht, der nur halb bei Bewusstsein Seienden nicht noch mehr Schmerzen zu bereiten. Es war weit nach Mitternacht, als sie endlich die Abtei erreichten. Tuck läutete an der Tür die wenig später von einem verschlafenen Bruder Jacobus geöffnet wurde. "Bruder Tuck" rief dieser verwundert aus. "Was führt Euch hierher?" - "Wir brauchen Hilfe..." Mit kurzen Sätzen berichtete Tuck von der verletzten Gwen. Jacobus nickte aufgeregt und führte die Gruppe Geächteter zu den Räumen ins Innere der Abtei. Er wies ihnen eine kleine Kammer mit einer Pritsche zu auf die man die verletzte Gwen vorsichtig legte und lief dann mit schnellen, kurzen Schritten los, um Hilfe herbeizuholen. "Bruder sagt, weilt mein guter Freund und Mentor, Bruder Berengar, noch in dieser Abtei?" fragte Tuck den Novizen, der eben mit einer Schüssel Wasser den Raum betrat. Dieser blickte ihn nur verwirrt an "Berengar... fragt lieber Bruder Jacobus." flüsterte der Junge und verschwand leisen Schrittes. Will lehnte an der Wand und blickte mit traurigen Augen in das bleiche Gesicht von Gwen. Robin hatte ihn noch so in sich versunken gesehen. Er ging auf ihn zu und legte eine Hand auf seine Schulter. Die Berührung schien Will aus seinen Gedanken gerissen zu haben. "Robin..sie ist so..sie hat sich so sehr verändert. Alles ist so anders..."

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Robin:

Während des langen Marsches nach Glenfield hatte Robin viel nachgedacht. Über die Ereignisse der letzten Tage, die sich regelrecht überstürzten. Und mehr als einmal hatten sie mehr Glück als Verstand gehabt. Es war eine fast spürbare Unruhe im Shire, doch weder er konnte sich einen Reim darauf machen, noch Herne schien den Begebenheiten einen Sinn abtrotzen zu können. Viele Fremde weilten plötzlich in Nottingham, kamen und gingen.... und dann ist da noch die Sache mit Gwen..... Robin wusste nur zu gut, was Will mit seinen Worten meinte. Doch was nütze es ihnen jetzt in Trübsinn zu versinken? Sobald es Gwen wieder etwas besser ging, musste er mit ihr reden. Ist ihr nicht klar, dass sie sie alle in Gefahr brachte? Eigentlich war sie immer sehr bedacht. Ihr Handeln musste also einen ganz bestimmten Grund haben und das wollte er herausfinden. Nur wie dieser Hauptmann in das Bild passte, darauf wusste er einfach keine Antwort. "Das wird schon wieder." wandte er sich dann mit einem zaghaften Lächeln an Will. "Wir sollten uns ein wenig ausruhen. Es war ein verdammt langer und harter Tag. Helfen können wir hier wohl sowieso nicht." stellte er dann mit einem kurzen Blick auf Gwen und die Mönche, die sich fürsorglich um sie kümmerten, fest..... Jetzt hieß es abwarten.... "Ich übernehme die erste Wache." mit diesen Worten drehte er sich um und ging davon.....

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Jehan:

"Hauptmann, Ihr kommt mit mir, nachdem Gisburne so ungeschickt war, sich selbst außer Gefecht setzen zu lassen!" befahl der Sheriff mit kalter Stimme, warf Sir Guy noch einmal einen entsprechenden, verständnislosen Blick zu und wandte sich dann wieder dem Eingang zu. Sir Faude stand, immer noch verkrümmt wie ein kleines Hutzelweibchen, dort und bedachte den Sheriff mit einem verzogenen, unechten Grinsen. "Lasst Euch in Gottes Namen helfen, Sir Faude" bemerkte de Rainault aufmunternd, als er an ihm vorbei schritt. Jehan übergab die Zügel seines Pferdes dem nächsten Soldaten, und schritt unbehaglich hinter seinem Herrn her. Er wagte kaum, Sir Carfilhiot anzusehen, nachdem was grade geschehen war. Was der Sheriff wohl vorhatte? Er konnte nur hoffen, dass Taran es geschafft hatte, im nahen Wald Unterschlupf zu finden, ohne gleich überfallen zu werden, so allein auf weiter Flur und in den Farben Nottinghams gewandet.  Robert de Rainault ging entschlossenen Schrittes Richtung der Verliese. Je näher sie diesen kamen, desto unbehaglicher fühlte sich Jehan. Aber auch befreiter. Nun musste er keine Rücksicht mehr nehmen, auf nichts und niemanden. Grauenvolle Schreie drangen hinter der dicken Eichentür hervor, die in die Folterkammer führte. Ohne zu zögern ging der High-Sheriff hinein, gab dem Folterknecht, einem wirklich üblen hässlichen, etwa 40jährigen Burschen mit einem Gesicht, das von zahllosen Narben entstellt war, einen Wink. "Bring mir die Wilddiebin", befahl er, während er den Hauptmann von oben bis unten musterte. "Mir kam zu Ohren, Ihr wäret in letzter Zeit etwas abgelenkt, mein guter Beaversbrook. Ihr habt da etwas mit Gisburne gemein..." begann er, und fügte schneidender hinzu: "es wird Zeit, dass Ihr mir Eure Loyalität beweist!". Der Folterknecht brachte eine entsetzlich abgemagerte, und völlig verwahrloste junge Frau heran, die kaum noch auf ihren Füssen stehen konnte. Sie hatten ihr die Haare abgeschnitten, als Zeichen ihrer Schande, des Königs Wild gejagt zu haben. Bis auf die zahlreichen Striemen und blauen Flecke schien sie unversehrt, auch wenn sie jetzt schon mehr tot als lebendig schien. "Diese Diebin hier hat ein königliches Reh erlegt. Wir haben sie auf frischer Tat ertappt. Nun muss sie nur noch bestraft werden. Und ich dachte mir, Hauptmann, dass es bestimmt ein Vergnügen für Euch wäre, dies zu tun. Nehmt Euer Schwert, und dann schlagt ihr die Hand ab. Die rechte Strafe für diese angelsächsische Diebesbrut, und eine ausgezeichnete Abschreckung für ihresgleichen!" Jehan zögerte, bevor er das Schwert aus dem Scabbart zog. "Wäre eine öffentliche Verstümmelung nicht wesentlich wirkungsvoller?" fragte er nüchtern. Natürlich hatte der Sheriff nicht ohne Grund diese junge Frau ausgewählt. Den kurzen Haaren zufolge hatte man sie wohl eher als Hexe ersäufen, denn als Wilddiebin verstümmeln wollen. "Habt Ihr etwas Skrupel, Hauptmann?" zischte der Sheriff. Sein eisiger Blick durchbohrte den Soldaten förmlich. Jehan reckte sich kurz. Er war Normanne, und das normannische Gesetz durchzusetzen hatte er geschworen. Und diese Bestrafung war nichts anderes als seine Pflicht. Dazu war er erzogen worden. Der Folterknecht hatte die etwa Zwanzigjährige auf die Knie gezwungen, und hielt ihren rechten Arm auf einen Hackklotz. Jehan trat vor, hob das Schwert und schlug so hart und schnell er konnte zu. Der alles durchdringende, entsetzliche Schrei der Frau war im ganzen Keller zu hören, während der Sheriff besänftigt lächelte und dem Hauptmann anerkennend zunickte.

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Taran:

Taran ging zu Sir Godric, der mit schmerzverzerrtem Gesicht auf seinem Lager lag. Schweißperlen standen dem Mann auf der Stirn. Taran zog die Augenbrauen hoch. Da schien nun wirklich Eile geboten. Sir Godric murmelte etwas, dass Taran nicht verstand. Taran war sich nicht sicher, ob Sir Godric überhaupt noch mitbekam, was um ihn herum passierte. „Nun“, fragte Lord William drängend,“ könnt Ihr dem Mann helfen?“ „Die Verletzung ist nicht unbedingt tödlich“, erwiderte Taran.. „Zwei Dinge sind wichtig. Erstens müssen wir dem Mann schnell helfen, und zweitens muss er selber kämpfen. Er muss leben wollen. Diese Kraft ist sehr wichtig.“ Erwiderte Taran leise. Er schwieg kurz und schloss die Augen. Als er sie wieder öffnete atmete er tief durch Er hatte er einen Entschluss gefasst. „Lord Willliam folgt mir nach draußen. Ich werde Euch Anweisungen geben, die ihr zusammen mit Bruder Geraldus und Bruder Ranulf genau befolgen müsst.“, sagte Taran. „Solange der Pfeil steckt, kann es nicht viel schlimmer werden. Ich werde Euch verschiedene Rezepturen dalassen. Diese sollen die Mönche genau nach Anweisung bereiten. Die werdet Ihr Sir Godric einflössen. Sie werden seine Widerstandskraft stärken, und die Schmerzen erträglicher machen. Ich selber bin nicht erfahren genug den Pfeil zu entfernen. Aber ich werde jemanden holen, der sehr erfahren ist. Ihr müsst mir aber ein paar Stunden Zeit geben. Solange müsst Ihr Sir Godric gut pflegen. Sollte er erwachen, mahnt ihn zu kämpfen. Er darf auf keinen Fall den Mut verlieren. Tut alles, um ihn zu überzeugen, dass er leben wird. Taran beeilte sich nun. Er erklärte den Mönchen, wie sie die Heilkräuter zubereiten sollten, mahnte Lord William nochmals sich an die Anweisungen zu halten, und verließ dann das Gebäude. Er stieg auf sein Pferd, und ritt Richtung Burg. Ein Plan musste her. Schnell. Taran grübelte. Er musste Bruder Berengar aus dem Verließ holen. Das war sowieso einer der Hauptgründe für ihn gewesen nach Nottingham zu reisen. Taran verdankte diesem Mönch sehr viel. Nun musste es aber auch noch schnell gehen, und das erhöhte das Risiko beträchtlich.

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Sue:

Susanna saß noch immer im Gras vor dem kleinen Haus der Mönche. Eine ganze Weile war schon vergangen seit Taran of Beaversbrook eintraf. Und noch immer gab es keine Neuigkeiten über Sir Godric's gesundheitlichen Zustand. Die Ungeduld in ihr wuchs und wuchs. Um sich abzulenken, entfernte sie sich einige Schritte von der Heimstatt Bruder Geraldus' und Bruder Ranulf's. "Was tu ich hier eigentlich?" fragte sie sich. "Während ich hier spazieren gehe und schwermütig werde, stirbt da drinnen vielleicht ein Mensch - meinetwegen." Die junge Lady fasste sich ein Herz und ging zurück zum Haus. Dort angekommen bekam sie noch mit, wie Taran Lord William Instruktionen zur weiteren Behandlung des Verletzten gab. Weder Taran noch der Earl bemerkten Susanna; so schlich sie heimlich in die Stube. Die Mönche waren gerade darin vertieft, irgendeinen Kräutertrank zu brauen; auch sie nahmen keine Notiz von der jungen Frau. Ohne zu zögern ging sie in die Krankenstube Sir Godric's. Sie wusste gar nicht so genau, was sie dort hineinzog - war es nun Mitleid oder ihr schlechtes Gewissen? Es spielte keine Rolle, alles was zählte war, dass dieser Mann dort überlebte. Er bot ein Bild des Jammers: der dicke Pfeil ragte noch immer aus seiner Brust, und er war aschfahl im Gesicht. Nur ein gelegentliches Schmerzgepeinigtes Stöhnen bewies, dass er noch lebte. Schweigend setzte sie sich an sein Bett und schaute ihn an, als der Earl wieder zur Tür hineinkam. "Was tust du hier drinnen?" fragte er mehr besorgt als streng. "Hab ich dir nicht gesagt, dass....." "Ich will helfen", unterbrach ihn Susanna. "Ich habe mit angehört, was Sir Taran für die weitere Pflege angeordnet hat. Ich will nicht einfach nur untätig dasitzen und abwarten. Bitte....." "Nun gut", gab Lord William nach, "sei's drum, vielleicht kannst du uns hier ja wirklich behilflich sein....."

Die ganze Nacht verbrachte Susanna an Sir Godric's Krankenlager. Sie tat alles, was sie konnte, um ihm sein Leid so erträglich wie möglich zu machen. Sie flößte ihm den Kräutertrank ein, wie Taran es aufgetragen hatte, und sie kühlte seine Stirn, wenn er zu schwitzen begann. Hin und wieder, wenn der Schmerz besonders schlimm war, stöhnte er auf, und sie strich ihm zärtlich über die Wangen, um ihn zu beruhigen. Irgendwann in den frühen Morgenstunden schlief sie vor Erschöpfung zusammengekauert neben dem Bett ein. Die Ereignisse der letzten Tage und nun die Pflege Sir Godric's haben Susanna ihrer Kräfte beraubt. Die Sonne stand schon recht hoch am Firmament als Lord William seine Tochter, die immer noch neben dem Krankenlager kauerte, vorsichtig weckte. Schlaftrunken richtete sie sich auf, um nach Sir Godric zu schauen. "Es scheint ihm etwas besser zu gehen", sagte Susanna's Vater. Sue rieb sich den Schlaf aus den Augen und schaute den jungen Mann an. Er war immer noch sehr blass aber die Tränke, die die Mönche gebraut hatten, schienen ihre Wirkung nicht verfehlt zu haben. Der schmerzverzerrte Ausdruck in seinem Gesicht war einer entspannteren Miene gewichen. In diesem Moment wachte er auf und lächelte Sue einen Augenblick lang an. Suchend tastete er nach ihrer Hand..... "Wo bleibt nur Sir Taran.....?" entfuhr es dem Earl of Leicester leise. Er war besorgt, es wurde langsam Zeit, dass der Pfeil aus Godric's Brust entfernt wurde.....

*

Godric:

Kurz nach Sonnenaufgang traf Jeon Gascaut in Nottingham ein. Er brachte einen Hauch kühler Morgenluft mit, als er impulsiv die kleine Stube betrat. Lord William erhob sich rasch, er hatte Taran erwartet, doch der eintretende Mann schien der zu sein, nachdem der Verletzte so eindringlich verlangt hatte. „Gott steh mir bei!“, murmelte der Normanne, als er Godric zu Gesicht bekam. Er beachtete nicht die beiden anderen im Raum, sondern trat eilig an das Krankenlager. „Wer hat Euch das angetan, Sire?“, fragte er sofort, besorgt und wütend gleichermaßen. Susanna hatte nur widerstrebend den Platz neben dem Bett frei gegeben. Als Godric nun mit fiebrigem Blick den Mann vor sich erkannte lief ein Schauder wie ein plötzlicher Schrecken durch seinen Körper. „Jeon!“, seine Stimme versuchte vergeblich aufzubegehren, er besaß noch immer kaum die Kraft zu sprechen. Das stille Lächeln, das Sue von ihm empfangen hatte verschwand augenblicklich und wich einer Miene, die den verzweifelten Drang in sich barg, dem Mann etwas Wichtiges mitzuteilen. „Ich bin jetzt hier.“, erwiderte Jeon mit ruhiger Stimme. „Ihr sollt Euch nicht anstrengen! Alles was Ihr sagen wollt hat Zeit.“ „Nein!“, protestierte Godric aufgewühlt, „Der Bote-- den ich nach Wales sandte... Ihr müsst ihn aufhalten!“ Jeon blickte mit wachsender Sorge in die weit geöffneten glänzenden Augen des jungen Mannes. „Ihr habt das richtige getan“, sprach er ihm zu, „Ivo wird sein Ziel bereits sicher erreicht haben.“ Godric wollte den linken Arm heben, um den Mann nachdrücklich festzuhalten, doch die nötige Kraft hatte ihn bereits verlassen. „Er darf nicht... dort ankommen!“, murmelte er noch, „Er darf nicht nach Oxton...“ Hier schritt Bruder Geraldus entschieden ein. Er war empört, daß die wirkungsvolle Pflege, die man dem Verletzten hatte angedeihen lassen, nun von einem Mann zunichte gemacht wurde. „Ich muss Euch jetzt hinaus bitten, mein Herr“, sagte er streng „Der Verletzte braucht Ruhe und darf sich nicht aufregen!“ Er wartete ungeduldig, bis Jeon sich endlich erhob und ihm nach draußen folgte. „Wovon hat er da gesprochen?“, fragte der Verwalter. Eine tiefe Sorgenfalte war auf seiner Stirn erschienen. „Er bringt die Ereignisse durcheinander. Was will er mir sagen? Wisst Ihr etwas davon, Bruder?“ Geraldus schüttelte den Kopf. „Bedrängt Ihn nicht, sondern wartet bis er sich erholt hat. Das Schlimmste steht ihm noch bevor.“ Jeon nickte mit ernster Miene. Erst jetzt bemerkte er den Earl und stellte sich vor. Doch seine Gedanken ließen ihm keine Ruhe. „Wisst Ihr, wer das getan hat, Mylord?“, fragte er inständig, „Wer hat auf ihn geschossen?“ Lord William wählte seine Worte mit Bedacht. „Ich glaube nicht, daß es vorsätzlich geschah, Sir Gascaut. Man wollte die Gesetzlosen gefangen nehmen; niemand rechnete damit, daß Godric auf das Feld reiten würde.“ Jeon versank in düsteren Überlegungen. Er befürchtete, auf einen Schlag beide seiner Herren zu verlieren, und was sollte dann werden?

*

Jehan:

Jehan trat wieder in den Hof der Burg. Die Pferde waren bereits versorgt worden, Sir Guy hatte sich zu dem Bader begeben, und alles schien ziemlich friedlich zu sein. Die Totengräber holten die Leichen von der Wiese, die zum Schlachtfeld geworden war. Sir Faude Carfilhiot hatte sich zurückgezogen, und bei dem Gedanken an den Adligen kamen dem Hauptmann wieder seine Worte in den Sinn: Erregt beim Sheriff keinen Verdacht. Nun, diese Scharte hatte er nun ausgewetzt. Nun musste er nur noch Lynchs Mörder finden. Was leichter gesagt als getan war. Er hatte ja nicht den geringsten Anhaltspunkt. Falls es eine arglistige Tat gewesen war, hinter dem ein bestimmtes Motiv steckte, so musste es jemand sein, der wusste was vorging oder es zumindest ahnte, und der auf des Sheriffs Seite stand. Aber wer konnte ein solches Wissen besitzen? Jehan fiel niemand ein. Er ging hinüber in die Küche, wohin ihn sein Hunger trieb, setzte sich an den Tisch und dachte bei einer kräftigen Portion Grütze darüber nach. Die Küchenmagd sah ihn aufreizend an, aber der Hauptmann hatte heute keine Augen für sie. Sie erinnerte ihn nur daran, dass Gwen tot war. Diesen Pfeil konnte sie kaum überlebt haben. Es war nicht mehr zu ändern. Trotzdem musste er sich zusammenreißen, um über Lynch nachzusinnen. Der Kanzleischreiber musste sich jemandem anvertraut haben. Ob nun freiwillig oder nicht, würde wohl für immer im Dunkel bleiben. Aber anders konnte der Mord nicht erklärt werden. Aber woher sollte er, Jehan, die Zeit nehmen, um Lynchs Bekanntenkreis zu beobachten, wo er doch zunächst herausfinden musste, wer diese Bekannten überhaupt waren. Das konnte Sir Faude viel besser, wo er sich doch ohnehin so gerne in Bibliotheken und in der Nähe von gebildeten Menschen herumtrieb, die des Lesens, Schreibens und Philosophierens kundig waren. Jehan war plötzlich steinmüde. Er ging zu seinem Lager, wo er sich auf das Stroh niederlegte und sofort einschlief. Morgen sah bestimmt alles gleich ganz anders aus.

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Robin:

Robin hatte sich einen ruhigen Platz, an einem großen Fenster der Abtei ausgesucht, von wo er die Umgebung im Auge behalten konnte. Mittlerweile war es dunkel geworden. Er hoffte, dass sie hier einige Zeit Ruhe vor den Schergen des Sheriffs hatten. Erstmal musste Gwen genesen. Bei dem Gedanken an sie seufzte er unmerklich. Gwen hatte sich, entgegen seiner Anweisung in Gefahr begeben und doch hatte er das Gefühl, das es seine Schuld war. Die Worte der alten Frau, die Gwen zu ihm geschickt hatte, hallten noch immer in ihm nach. ...die Pfeile meines Vater.... Aber er konnte sich noch immer keinen Reim darauf machen. Ist sie deswegen nach Nottingham gegangen? Es musste also sehr wichtig sein. Doch alles Grübeln brachte nichts, es hatte keinen Sinn über etwas nachzudenken, dessen Inhalt man nicht verstand. Aufmerksam sah er noch mal in die Runde, lauschte auf verräterische Geräusche, die Gefahr bedeuten könnten. Doch es war alles still und friedlich. Robin hielt es einfach nicht mehr auf seinem Platz und so stand er auf und ging zu dem Zimmer in dem Gwen lag. Sie waren hier nicht wirklich willkommen, das konnte Robin sofort, nachdem er das Zimmer betrat, wieder spüren. Die Blicke der Mönche verfolgten ihn argwöhnisch. Sicher, er konnte sie verstehen. Sie waren Gesetzlose, Geächtete... Nur die tiefe Verbundenheit zu Bruder Tuck, war der Grund, warum sie ihnen ihre Hilfe nicht verwehrten. "Wie geht es ihr." unterbrach er das bedrückende Schweigen. Aufmunternd lächelte er sie dabei an, um der flackernden Angst, die in ihren Augen stand, seit sie angekommen waren, zu entgegnen. "Sie...sie...braucht viel Ruhe. Aber sie wird es überstehen." bekam er nach einem Moment des Zögerns als Antwort. Für einen kurzen Augenblick war Robin gewillt, die Mönche zu fragen, warum sie Angst vor ihm hatten, doch diese wichen seinem durchdringendem Blick geflissen aus und begannen hektisch weiterzuarbeiten. Mit einem resignierenden Schulterzucken wandte er sich zu Gwen, nahm vorsichtig ihre Hand und drückte sie kurz. "Alles wird gut." flüsterte er leise. Dann ging er, tief in Gedanken versunken, wieder auf seinen Beobachtungsposten.

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Gwen:

„Robin?“ John trat an den am Fenster sitzenden Robin heran. „Mir ist was eingefallen. Erinnerst du dich an Gwens Worte... als sie zusammenbrach? Sie nannte einen Namen...Berengar.“ Robin fluchte leise. „Verdammt, wie konnte ich das vergessen? Tuck fragte vorhin nach einem Bruder Berengar. Er nannte ihn seinen Freund und Mentor. Reden wir mit ihm!“ Im Kreuzgang trafen sie den ihnen entgegen eilenden Tuck. Gemeinsam betraten sie den Raum, in dem die Gefährten auf Robins Entscheidung, wie es weitergehen sollte, warteten. Sie alle konnten sehen, dass es Gwen nicht besser ging, sie wussten, dass die Mönche sie lieber gehen sehen würden und sie wussten auch, dass keiner von ihnen Gwen helfen könnte. Robin schaute auf Will, der gerade Gwens Stirn kühlte. Es war ihm klar, dass es wegen seiner Entscheidung zu einer Auseinandersetzung mit dem Mann kommen würde. „Tuck, Gwen nannte Berengars Namen und sagte etwas von Kerker als sie getroffen wurde. Was hast du von Jacobus erfahren können?“ wandte er sich zuerst an den Schweratmenden Tuck. „Berengar...er ist Kenner der alten Götter, studierte die alten Bräuche. Das fand Missbilligung also verstieß man ihn aus der Abtei. Wenig später wurde er von de Rainault festgesetzt. Man hat ihn nie wieder gesehen. Und vor ein paar Tagen erkundigte sich ein normannischer Edelmann nach ihm. Sir Carfilhiot, von Tinzin Firal. Sehr aufgebracht war er, unwirsch und herrisch.“ Robin dachte nach. Sie hätten gleich nachdem Will mit Gwen im Lager auftauchte mit ihr reden müssen, dafür war es jetzt zu spät und sie wussten zu wenig über sie, um die Puzzleteile zusammenfügen zu können. „Wenn einer ihrer letzten Gedanken Berengar gegolten hat muss er wichtig sein... alte Bräuche... alte Pfeile... Gwyneth nennt sie Gwendrianna... Nehmt eure Sachen, wir gehen.“ Er hörte Will hinter sich aufspringen. „Das kannst du nicht machen! Du lässt sie nicht schon wieder allein!“ – „Will, keiner von uns kann ihr helfen, und Much...Much, du bleibst bei ihr. Wir gehen nach Tinzin Firal und sehen uns diesen Normannen an!“

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Taran:

Taran, schon auf dem Weg Richtung Burg, parierte plötzlich sein Pferd hart durch. Eine Idee schoss ihm durch den Kopf. Warum war er nicht gleich darauf gekommen? In Gedanken schalt er sich selbst für seine Dummheit. Er wendete das Pferd und preschte zum Haus der Mönche zurück. Dort angekommen, sprang er vom Rücken des Pferdes. Bruder Ranulf, der selber gerade das Haus betreten wollte, wandte sich zu ihm. Als er erkannte, dass es sich bei dem Reiter um Taran handelte, stutzte er. Bevor Bruder Ranulf jedoch fragen konnte was los sei, rief Taran ihm zu „Bruder Ranulf, ich brauche eine von Euren Kutten. Fragt nicht lang, ich brauche sie schnell. “ Bruder Ranulf eilte ins Haus und kam kurz darauf mit dem gewünschten Kleidungsstück zurück.

So ritt Taran, das Gewand eines Mönches tragend, wieder Richtung Burg. Er trieb das Pferd zur Eile an. Die Zeit drängte. Nachdem er den Vorhof der Burg erreicht hatte, stieg er vom Pferd, und band das Tier an einen Pflock .Er schaute sich im Hof um. Hier waren diverse Menschen unterwegs. Er würde bestimmt nicht auffallen. Die vorbeigehenden Bauern und Soldaten mit dem Kopf freundlich nickend grüßend, gelangte er in den Eingangsbereich der Burg. Niemand schenkte einem Mönch hier besondere Bedeutung. Dennoch war Taran äußerst wachsam. Jetzt musste er das Gemach von Abt Hugo finden. Plötzlich blieb Taran stehen. Er schaute durch die offene Tür eines spartanisch eingerichteten Raumes. Das war doch sein Bruder Jehan, der dort tief und fest schlief. Taran ging zu dem Strohlager auf dem sein Bruder lag und kniete sich neben ihn. Sacht schüttelte er den Schlafenden. Jehan fuhr erschreckt aus dem Tiefschlaf. Seine Hand fuhr sofort zu seinem Schwert.

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Jehan:

Taran legte die Hand auf seinen Arm. „Schsch“ machte er. „Ich bin´s, Taran!“ Jehan atmete erleichtert auf. Dann besann er sich. „Was willst du hier? Wollten wir uns nicht morgen Abend im Alehaus treffen? Und was soll diese Kutte?“ „Ich muss jemanden aus dem Kerker befreien. Und du musst mir helfen! Führ mich zu den Gemächern von Abt Hugo!“ erklärte Taran leise. „Ja bist du denn des Wahnsinns fette Beute? Hast du überhaupt die leiseste Ahnung, was die mit mir machen werden?“ Taran fasste, schon ein wenig ärgerlich, mit der Hand um Jehans verletzte Schulter, und begann, nachdrücklich ein wenig Druck zu machen. Jehan wand sich unter dem harten Griff. „Du wirst mich nur dorthin führen! Und dann lenkst du die Wachen im Kerker ab. Das ist ein Befehl, falls es dir schwer fällt, auf ein brüderliches Bitten zu hören. Hast du verstanden? Danach können wir noch reden….“ Jehan schien aber noch immer nicht überzeugt zu sein, also drückte Taran noch ein bisschen fester zu. Endlich kam Leben in seinen Bruder, er stand umständlich auf und befreite sich mit einer Handbewegung von dem harten Griff. Er sah Taran einen Moment lang verständnislos an, aber er gehorchte ohne weiteren Widerspruch. So war es schon immer gewesen, und nun hatte er nicht die Zeit und die Möglichkeit, etwas an der seit Jahren bestehenden Hackordnung zu ändern. Er rückte den Gurt und die Uniform zurecht, griff nach seinem Helm und ging wortlos an Taran vorbei, der ihm unauffällig folgte. Der Hauptmann wusste nur ungefähr, wo Abt Hugos Gemächer lagen. In die oberen Gefilde kam er als Soldat so gut wie nie. „Los jetzt!“ drängte ihn Taran, der die Kapuze der Kutte tief ins Gesicht zog. Die beiden schritten rasch durch die Gänge, stiegen einige Treppen hoch, und kamen schließlich nahe an den großen Rittersaal, in dem Robert de Rainault zu herrschen pflegte. Unbehaglich führte der Hauptmann den Mönch weiter, zu den Gemächern. „Hier ist es. Ich weiß aber nicht genau, welches das Zimmer von Hugo ist“, flüsterte Jehan, sah sich immer wieder wachsam um. Taran nickte ihm zu. „Gut, geh jetzt nach unten, lenke den Wachsoldaten in den Verliesen ab und dann warte auf mich bei deinem Lager.“ „Viel Glück“, sagte Jehan, und er meinte dies bitterernst. Dann machte er kehrt und marschierte auf schnellstem Wege zu den Verliesen. Dort saß nur ein Wachsoldat herum und langweilte sich schrecklich. Er nickte immer wieder kurz ein, gähnte herzhaft und schließlich sackte er mit dem Oberkörper vollends auf die Tischplatte. Jehan erkannte, dass es Alric war. Das erleichterte einiges. Alric war nicht gerade einer der schnellsten und lichtesten. Leise schlich sich der Hauptmann heran, nahm behutsam seinen Helm ab und schlug damit hinterrücks Alric auf den Kopf. Nun würde der die ganze Nacht sicher und tief schlafen. Damit hatte er seinen Teil erfüllt, seinem Bruder trotz aller Bedenken geholfen, und dabei hatte er noch nicht einmal den geringsten Schimmer, worum es hier eigentlich ging. Blut ist dicker als Wasser. Wenn Jehan schon an nichts anderes glaubte, dann doch wenigstens daran. Trotzdem fühlte er sich nicht ganz wohl, als er den bewusstlosen Alric zurückließ und wieder zu dem kleinen Raum ging, um auf Taran zu warten.

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Sue:

Wo blieb nur die versprochene Hilfe? Taran war jetzt schon viele Stunden unterwegs und noch immer nicht wieder zurückgekommen. Langsam wurde es Zeit, dass der Pfeil aus Godric's Brust entfernt wurde. Und nun kam auch noch dieser Verwalter aus Lowdham - Jeon Gascaut - und regte den Verletzten zusätzlich auf. Susanna und der Earl of Leicester waren sehr besorgt. Aber noch etwas anderes lag dem Earl auf der Seele. Er bedeutete seiner Tochter mit ihm vor die Tür zu gehen. "Ich muss mit dir reden", sagte er. Die junge Lady runzelte die Stirn: "Was ist denn los, Vater?" "Ich muss langsam zurück nach Leicester", erklärte Lord William. "Prinz John hat einige der Lords zu einem Treffen nach London bestellt. Das Treffen ist schon bald, und ich muss noch einige Vorbereitungen treffen. Außerdem wollte ich mich zuvor noch mit dem Earl of Huntingdon beraten; den hat der Bruder des Königs nämlich ebenfalls zu sich gerufen. Prinz John heckt bestimmt wieder irgendeine Teufelei hinter dem Rücken des Königs aus....." "Und wann musst du aufbrechen?" fragte Susanna. "In fünf Tagen schon", entgegnete ihr Vater, "und du wirst mich zurück nach Leicester begleiteten." "Aber ich kann Sir Godric hier doch nicht seinem Schicksal überlassen. Wer weiß wann Sir Taran wieder zurückkehrt - ob er überhaupt zurückkehrt, Vater. Ich traue diesem Mann nicht über den Weg, und ich fühle mich für die ganzen Misere hier verantwortlich." "Nun gut", erwiderte Lord William ohne weitere Diskussion, "Ich kann dich eh nicht zwingen, ohne dass du wieder irgendeine Dummheit machst. Bis morgen in der Frühe werde ich noch bleiben, wenn unser Patient hier dann noch nicht zur weiteren Genesung mit nach Leicester kommen kann, so sollst du bleiben - wenn es denn dein Wunsch ist." Susanna schaute ihren Vater verwundert an. "Das war ja einfach", dachte sie. Der Earl of Leicester würde sie tatsächlich gewähren lassen. "Hör zu", riss er sie aus ihren Gedanken. "Ich werde den Mönchen hier auftragen, auf dich Acht zu geben bis ich jemanden aus Leicester hier hergeschickt haben werde, den Mönchen diese Schwerstarbeit - auf dich nachzugeben, meine ich - abzunehmen....." Susanna nickte kurz und die Unterhaltung war beendet. Nach der Unterredung kehrten Vater und Tochter wieder zurück ins Haus, wo Bruder Geraldus den Verwalter von Lowdham gerade in seine Schranken verwies und hinauskomplimentierte. Die gesundheitlichen Fortschritte, die Godric gerade noch gemacht hatte, schienen dahin zu sein. Jeon Gascaut und der Earl of Leicester wechselten noch einige Worte, und Susanne widmete sich wieder dem Mann auf dem Krankenlager. Was um alles in der Welt hielt Taran nur so lange auf?

*

Taran:

Nachdem Jehan wieder Richtung der Verließe entschwunden war, blieb Taran im Gang stehen. Welche der Türen führte nun in das Gemach Abt Hugos? Die Türen sahen alle gleich aus. Taran zweifelte plötzlich an seiner Idee Entschlossen drehte er sich wieder um. Nein, Jehan hatte recht gehabt. Das Risiko war im Moment zu groß. Und Sir Godric brauchte schnelle Hilfe. Er musste seine eigenen Pläne hinten anstellen. Eigentlich wollte er Abt Hugo einen Denkzettel verpassen. Aber das schien doch nicht der richtige Moment zu sein. Das musste er zurückstellen. Taran eilte durch die Gänge zurück. Er erreichte die Verliese ohne Schwierigkeiten. Er schaute sich vorsichtig um, und erkannte lediglich eine Wache, welche zusammengesunken an einem Tisch lag. Sonst sah er niemanden. Taran atmete erleichtert aus. Auf Jehan war doch Verlass. Er schaute durch die Schlitze der massiven Kerkertüren. Hinter der zweiten Tür erkannte er Bruder Berengar. Zorn stieg in Taran auf, doch er drückte das. Gefühl nieder. Er brauchte einen klaren Kopf. Die schwere Eichentür knarrte laut, als sie von Taran geöffnet wurde. Berengar schaute mit müden Augen in seine Richtung, schien aber Taran nicht zu erkennen. „Bruder Berengar, hier ist Taran , kommt schnell, wir werden diesen Ort jetzt verlasen“, rief Taran leise. Bruder Berengar erwachte sofort zu neuem Leben. Er sprang in einer Schnelligkeit auf, die man einem Mann seines Alters gar nicht zugetraut hätte.

Taran und Berengar tauschen einen Blick aus, der mehr sagte, als tausend Worte. Dann hatten sie die Tür zum Verlies schon von außen geschlossen und liefen in raschen Schritten den Gang entlang. Sie stiegen mehrere Treppen empor, und gelangten kurze Zeit später, wieder in den Raum, in welchem Jehan ungeduldig und nervös auf sie wartete. Bruder Berengar erschrak als er den Soldaten erkannte, aber Taran bedeutete ihm mit einer Geste, dass keine Gefahr bestand. Bevor Jehan auch nur ein Wort sagen konnte, flüsterte Taran ihm zu: „Jehan, jetzt nicht, die Zeit ist doch zu knapp. Wir müssen uns eilen, bevor der Soldat bei den Verliesen aufwacht. Wir treffen uns morgen Abend im Alehaus wie abgemacht.“ Bevor Jehan etwas erwidern konnte waren Taran und Bruder Berengar verschwunden.

Ein wenig später waren die Beiden bei Tarans Pferd angekommen. Taran beschrieb Bruder Berengar in knappen Worten den Weg zum Haus der Mönche. Des Weiteren sagte er ihm, dass ein Schwerkranker dort dringend seine Hilfe benötigen würde. Berengar ritt sofort los. Taran schaute sich um, er musste schnell ein zweites Pferd finden. Er ging raschen Schrittes zur Schmiede. Dort standen mehrere Pferde, welche darauf warteten beschlagen zu werden. Er blickte sich absichernd um, und wählte ein Pferd. Der Schmied versuchte gerade ein störrisches Pferd zu beschlagen. Er hatte keine Augen für die Umgebung. So fiel es Taran nicht schwer, das ausgewählte Pferd loszubinden, und damit um die nächste Ecke zu verschwinden. Das war jetzt schon das zweite Pferd, welches er sich hier auslieh. Irgendwann müsste er sich doch ein eigenes zulegen dachte er, während er sich auf den Rückendes Pferdes schwang, und ebenfalls zum Haus der Mönche ritt.

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Sue:

Endlich trafen Bruder Berengar und Taran ein. Hoffentlich war es jetzt nicht schon zu spät. Einen ganzen Tag lang steckte dieser Pfeil nun schon in Godric's Brust. Man musste kein erfahrener Heiler sein, um zu wissen, dass sich in dieser Zeit eine Wunde sehr leicht infizieren konnte. Lord William war der erste, der die Ankommenden begrüßte. Ohne große Worte zu machen führte der Earl Bruder Berengar an das Lager des Verletzten. Den übrigen Anwesenden bedeutete er mit einem kurzen Blick draußen zu warten. Der Bruder schaute sich die Verletzung kurz an und verließ den Raum. Auch Lord William machte kehrt und folgte dem Mönch. Taran und die anderen beiden Mönche warteten gemeinsam mit Jeon Gascaut während der ganzen Zeit geduldig vor der Tür. "Was ist los?" fragte Susanna, die ihm hinterher lief, besorgt. "Könnt Ihr ihm nicht helfen?" "Seht mich an, junge Lady", entgegnete der Mönch mit ruhiger Stimme. "Ich war lange Zeit im Verlies des Sheriffs von Nottingham. Soll ich etwa so den Pfeil aus der Brust holen und die Wunde versorgen - mit diesen schmutzigen Händen?" Dabei streckte er Sue seine Hände entgegen. Bruder Berengar hatte Recht. Der Schmutz an seinen Händen würde Godric innerhalb kurzer Zeit das Leben kosten. Wie töricht, dass sie das nicht selbst erkannte, aber die Sorge um den Patienten beraubte Susanna jedes klaren Gedankens. Sie ging zurück an das Krankenlager und versuchte, den Verletzten so gut es ging bei Laune zu halten. Der junge Mann schien mittlerweile im Delirium zu sein. Immer wieder stöhnte er auf und stammelte Jeons Namen. "Ich muss ihn.....noch mal.....sprechen.....dringend....." stammelte er mit kraftloser Stimme. "Bitte....."

Der Verwalter war doch gerade erst bei ihm. Was konnte denn jetzt noch so wichtig sein, dass es nicht warten konnte, bis der Mönch endlich dieses verdammte Geschoss entfernt hatte? Die junge Lady machte die Schmerzen für Godrics Gestammel verantwortlich. Sie strich ihm beruhigend über die Wange und redete ihm gut zu. "Schscht, gleich ist es vorbei.....", flüsterte sie mit sanfter Stimme und lächelte ihn dabei aufmunternd an. Aber der junge Lord ließ sich nicht beruhigen. Gebetsmühlenartig wiederholte er mit letzter Kraft sein Verlangen, Jeon unbedingt sofort noch einmal sprechen zu müssen. Susanna gab auf. Irgendetwas lag ihm so sehr am Herzen, dass es keinen Aufschub erlaubte. Sie erhob sich und verließ den Raum, um den Verwalter hineinzubitten.....

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Godric:

Jeon war sich nicht sicher, was er davon halten sollte. Inwiefern konnte er den Fieberwahn des jungen Herrn überhaupt ernst nehmen? Als er sich an das Bett setzte wurde Godric plötzlich ruhig. Er richtete den Blick fest auf den Mann und begann zu reden; mühsam und leise, so daß nur Jeon ihn verstand, und Susanna, die wachsam hinter ihm stand, ab und zu einige Wortfetzen mitbekam. „Ihr müsst die Soldaten zurückhalten...! Ivo hat...“, er brach ab, denn er sah, wie der Verwalter die Stirn runzelte. Er traute diesem Wortwirrwarr nicht. Dann eben anders. Er sollte merken, daß es ernst war und die ganze Wahrheit erfahren. Nach einer kurzen Pause fuhr Godric fort: „Ihr sollt wissen was passierte -- seitdem ich aus Nottingham fortgeritten war.“, seine Worte kamen abgehackt hervor, doch der Verwalter lauschte aufmerksam. „Ich ritt nach Oxton – ich wollte zu Garred of Farnsfield... seinen Vater kennt Ihr...“, Jeon nickte zustimmend, „Er hätte mir ohne Zögern geholfen, doch... Merric tauchte auf, vor dem Gasthaus. Er war tödlich verletzt, und ich .... habe diesen Brief geschrieben-“, er hielt inne, um Kraft zu sammeln, „Darin war er in eine Verschwörung gegen den König verwickelt...“, Jeon hörte geduldig zu und staunte im Stillen über die Einbildungskraft des armen Mannes. „Ich versprach ihm meine Hilfe und er machte mich zum Herrn von Lowdham...“ „Godric“, widersprach ihm der Verwalter vorsichtig, „Ich sprach selbst mit Eurem Schwager. Er gab Euch Lowdham, da Ihr Euch bereit erklärtet, seine Leute in Ruthin zu warnen. Erinnert Euch, Ihr habt Ivo zu diesem Zweck nach Wales gesandt!“ Ein kurzes wissendes Lächeln flog über Godrics bleiche Lippen. „Er hatte aber noch einen weiteren Auftrag!“, fuhr er fast flüsternd fort, „Zunächst schickte ich ihn nach Farnsfield... Garred würde meiner Bitte sofort nachkommen. Er sollte mit seinen Soldaten nach Wales ziehen und den König an jener besagten Stelle in einen Hinterhalt locken...“ Jeons Stirnfalten wurden zu tiefen Furchen. Allmählich und ernüchternd wurde ihm bewusst, daß diese Worte tatsächlich der Wahrheit entsprechen konnten. Das Haus Farnsfield war mit Godrics Familie seit langer Zeit treu verbunden. Der ältere Herr hatte einst mit Godrics Vater an der Seite König Richards gekämpft. Er war ein besonnener Mann, doch der jüngere, Garred, würde nicht zögern, die Ehre eines Freundes zu verteidigen, und sei es nur des Abenteuers wegen. Godric war jedoch noch nicht fertig. „Wenn der Plan schief gegangen wäre“, fuhr er fort, „Dann hätten wir die ganze Schuld Merric zugeschoben... Versteht Ihr? Der Brief um die Verschwörung? Man hätte in Merric den Anstifter dieser Sache gesehen... Dafür wäre er hingerichtet worden und ich hätte nicht mit der Wimper gezuckt.“ Jeon schwieg. Er zweifelte nicht mehr. Wie konnte nur dieser Haß zwischen den beiden Verwandten entstehen? Wortlos blickte er den jungen Herrn an und wusste nicht, ob er sich nun gegen ihn wenden sollte. Mit einem letzten Anflug von Kraft packte Godric plötzlich das Handgelenk des Verwalters. „Sollte ich die Verletzung überleben“, stieß er leise hervor, „Dann seid Ihr zum Schweigen verpflichtet, elender Bastard!“ Jeon war entsetzt über diesen plötzlichen Ausfall. „Ja, Mylord.“, sagte er tonlos und nickte. Susanna reckte den Hals. Was ging denn da vor sich? Ob der leisen Stimmen hatte sie nicht alles verstanden, jedoch beschlich sie ein unheimliches Gefühl. Godric hatte alles gesagt, was gesagt werden musste. Ruhig und erschöpft wandte er den Blick ab. Nun mochte kommen was wollte. 

*

Jehan:

Der Hauptmann war am nächsten Morgen erwacht, hatte einen gar Furchterregenden Traum nur mühsam abgeschüttelt, und sich kurz am Brunnen erfrischt. Gisburne hatte des Baders Behandlung besser überstanden als erwartet, und erteilte bereits wieder Befehle. Für Jehan of Beaversbrook hieß das: Tagwache. Das kam ihm natürlich gelegen, denn abends hatte er noch eine Verabredung einzuhalten, deren Dringlichkeit und Wichtigkeit er zwar erahnte, aber nicht abzuschätzen im Stande war. Er hatte einem blinden Bettler auf dem Weg zum Turm eine Münze aus der Hand genommen, und machte sich zuerst auf den Weg zum Haus der Mönche. Sie sollten nicht meinen, er würde sein Wort brechen. Am Rande der Stadt war es sehr friedlich. Auf der Entgegengesetzten Seite der Stadt hatten die Gerber ihre zum Himmel stinkenden Anlagen, aber hier bei der kleinen Krankenstation herrschte eine süße schwere Duftigkeit, die aus dem Kräutergarten kam, denn der Wind wehte zumeinst aus dieser Richtung. Nur wenn er drehte, wurde einem selbst hier speiübel.

Jehan wunderte sich nicht wegen des Andrangs, schließlich behandelten die Mönche jeden und alles, und ihre Heilkünste waren allgemein anerkannt und gefragt. Er sah Bruder Ranulf im Kräutergarten gerade ein paar seiner Pflanzen ernten, also bog er noch vor dem Haus ab und ging zu ihm, um ihm die Münze zu geben. Dadurch entging ihm jedoch, wer alles im Haus anwesend war. Nachdem er seine Schulden getilgt hatte, marschierte er schnellen Schrittes zur Wehranlage, um seinen Dienst anzutreten. Er schätzte dass es ein ruhiger Tag werden würde. Er würde genügend Zeit haben, um über Lynch nachzudenken. Ihn beschlich wieder das mulmige Gefühl, dass diese ganze Sache etwas mit ihm zu tun hatte. Denn jedes Mal war er ziemlich in Erklärungsnot geraten, so als habe man ihm schaden wollen, was er nur mit viel Glück hatte abwenden können. Aber wer sollte etwas Derartiges tun? Hatte er einen Feind, der solche Spielchen zu spielen imstande war? Jeder Mann, der sein Feind war, würde einen ehrenhaften offenen Kampf vorziehen, bei dem Gott selbst nach seinem Recht entschied. Solche Ränke passten nicht ins Bild. Es sei denn…. Jehan hatte plötzlich eine Eingebung. Das musste es sein! Es war so klar und so offensichtlich, dass es ihn beinahe gebissen hätte! Wie hatte er es nur übersehen können? Mit einem Mal war ihm klar, wer hinter all dem steckte! Allein, wie sollte er es beweisen? Er musste dieser Person eine Falle stellen. Und vielleicht schaffte er dies nur mit Hilfe Sir Faudes. Denn er war genauso darin verwickelt. Er konnte von dieser Person ebenso ausgeliefert, in Misskredit gebracht und angeklagt werden. Bei der heiligen Jungfrau, er musste sofort mit Sir Carfilhiot sprechen, um ihm seine Erkenntnis mitzuteilen, ihn zu warnen und weiteres Unheil abzuwenden. Allein, er konnte seinen Posten nicht verlassen, und anschließend würde er erst im Alehaus vorbeischauen müssen… Er hoffte inständig, dass die Rache dieser Person weder ihn noch Sir Faude Carfilhiot an diesem Tag treffen möge.

*

Sue:

Nachdem Godric mit Jeon Gascaut gesprochen hatte, betrat Bruder Berengar, gefolgt von Lord William, Taran of Beaversbrook und den Mönchen Bruder Ranulf und Bruder Geraldus wieder die Krankenstube. Mit ernster Miene schaute der Earl seiner Tochter in die Augen. Susanna wusste, dass das, was jetzt passieren sollte, nicht einfach war. Kurzer Hand schickte er seine Tochter hinaus: "Mach besser einen kleinen Spaziergang, Kind, und lass uns hier nur machen. Wenn du wiederkommst, hat er das schlimmste überstanden." Sue wollte protestieren, aber sie fürchtete sich selbst davor zuschauen zu müssen. Nicht ganz widerwillig fügte sie sich der Anweisung ihres Vaters. Mit versteinerter Miene verließ auch Jeon Gascaut das Haus. Draußen setzte sie sich etwas abseits des Hauses ins Gras und schloss sie ihre Augen. Sie begann, über diese Unterhaltung zuvor nachzudenken. Von dem Gespräch selbst zwischen dem Herrn von Lowdham und seinem Verwalter hatte Susanna kaum etwas mitbekommen, zu kraftlos waren Godrics Worte. Aber die wenigen Worte, die sie verstand, verwirrten sie. Konnte das sein? Konnte dieser junge Mann, der ihrem Vater ohne zu zögern seine Hilfe anbot, sie aus den Händen ihrer vermeintlichen Entführer zu retten, ein gemeiner Intrigant sein? Sie fühlte sich sonderbar. Andererseits hatte der Earl of Leicester ihr und ihren Brüdern immer wieder nahe gelegt, nicht zu vorschnell über andere Menschen zu urteilen. So wollte sie das hier erst einmal auf sich beruhen lassen. Irgendwann würde sich das schon aufklären, und es ging sie ja auch schließlich nichts an. Dieses merkwürdige Gefühl konnte sie jedoch nicht abschütteln. Drinnen gab Bruder Berengar den vier anderen Männern die Anweisung, den Verletzten festzuhalten. Er selbst setzte sich auf das einfache Krankenbett und begutachtete noch einmal die Verletzung aus der Nähe. Noch immer befand sich auch das Buch dicht an Godrics Brust geheftet. Das hatte verhindert, dass er zuviel Blut verlor. Jede Berührung des Pfeils oder des Buches war eine Qual für den Verletzten. Ohne ein Wort der Warnung packte der Mönch plötzlich das Geschoss, und mit einem festen Ruck zog er es aus der Brust. Bevor Godric wusste, wie ihm geschah, war die Sache vorüber; er hatte nicht einmal den Hauch einer Chance gehabt, den Schmerz aus sich herauszuschreien. Taran, Lord William und die beiden Brüder ließen von dem Patienten ab. Godric atmete hart aus und fiel keuchend in eine wohltuende Ohnmacht. Es war vollbracht: der Pfeil war draußen. "Die Verwundung ist nicht ganz so tief, wie ich befürchtet hatte. Er wird jetzt erst einmal etwas Ruhe brauchen aber er sollte bald wieder auf den Beinen sein." sprachs und gab neue Anweisungen für die weitere Behandlung der Wunde. Er trug Bruder Ranulf und Bruder Geraldus auf, Salben und Kräutertränke zuzubereiten. Den Pfeil samt dem Buch, das ihn umschloss, überreichte er dem Earl of Leicester mit den Worten:. "Bewahrt es auf für ihn; es hat ihm vielleicht das Leben gerettet". Susanna's Vater nahm es an sich und holte seine Tochter wieder ins Haus.

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Godric:

Jeon hatte das Haus verlassen. Er musste seine Gedanken ordnen. Langsam und ohne seiner Umgebung Achtung zu schenken ging er die Straße hinauf. Godrics Worte gingen ihm nicht mehr aus dem Kopf. Je mehr er darüber nachdachte desto mehr verfing er sich in diesem Dilemma. Der Verletzte hatte ihm in Sorge vor dem Tod diese Wahrheiten anvertraut, um eine schlimme Folge zu vereiteln. Er durfte dieses Vertrauen nicht schamlos ausnutzen und ihn verraten. Andererseits konnte er Merric, der selbst noch in Lebensgefahr schwebte, nicht in Ungewissheit lassen. Der wartete immer noch auf eine Nachricht Godrics und ahnte nicht, was seinem Schwager zugestoßen war. Jedoch hatte Godric seinen Untergebenen nach Ruthin geschickt, das immerhin sprach für ihn. Der Normanne schüttelte langsam den Kopf. Er konnte die verzweifelten Handlungen der jungen Leute nicht nachvollziehen. Godric hatte sein Land verloren und sich infolgedessen zu einem wahnwitzigen unüberlegten Plan hinreißen lassen. Vielleicht hatte ihn die schwere Verletzung vor etwas weitaus schlimmerem bewahrt... Jeon atmete tief durch. Er wusste nun, was er zu tun hatte. Als er die Schmiede erreichte traf er mit dem Soldaten Harred zusammen. Der suchte noch immer mürrisch nach seinem Pferd, das er Taran of Beaversbrook zur Verfügung gestellt hatte und berichtete dem Verwalter missgelaunt aber pflichtbewusst, daß ihm das andere Pferd von einem Strauchdieb im Wald entwendet worden war, kurz nachdem sich Taran von ihm getrennt hatte. „Euer Pferd steht vor dem Haus der Mönche.“, entgegnete Jeon schlicht. „Ihr macht Euch jetzt auf nach Farnsfield und überbringt dem jungen Lord Garred eine Nachricht von mir. Sagt ihm, ich schicke Euch in Sir Godrics Auftrag. Der Inhalt des Briefes ist nicht mehr gültig.“ Harred sah ihn verdutzt an. „Das ist alles?“, fragte er nach. Jeon nickte. „Das ist alles.“ Harred verneigte sich kurz und machte sich davon, während Jeon seinen Weg ohne Eile fortsetzte, bis er das Tor von Nottingham Castle erreichte. Dort schob Jehan of Beaversbrook seine Tagwache. Es tat sich nicht viel, und den Hauptmann hielt es kaum auf seinem Posten. Allerdings schwirrte Gisburne im Hof herum und machte jede Chance auf ein kurzes Verschwinden zunichte. Jeons Erscheinen bot dem Hauptmann wenigstens eine kleine willkommen Abwechslung. Er kannte den Mann lediglich flüchtig vom Sehen. Der Sheriff lud ihn nur allerseltenst, der Förmlichkeit halber zu einem Bankett ein, um die nachbarschaftlichen Beziehungen aufrecht zu erhalten. Jehan fasste den Mann genau ins Auge. Er schien verwirrt. Irgendetwas stimmte hier nicht... 

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Taran:

Nachdem die Wunde Sir Godric’s versorgt war, überfiel Taran bleierne Müdigkeit. Die Anspannung der letzten Zeit machten sich mit einem mal bemerkbar. Da es für ihn hier im Moment sowieso nichts zu tun gab, legte er sich auf ein Strohbett, und fiel kurze Zeit später in einen unruhigen Schlaf. Erst am Abend wurde er von Bruder Berengar geweckt. Dem Mönch war klar, dass er von hier so schnell wie möglich verschwinden musste. Je länger er wartete, desto höher wurde die Gefahr beim Verlassen der Stadt erkannt zu werden. Er wollte das weitere Vorgehen mit Taran besprechen. Da weder Berengar, noch Taran Interesse hatte, dass jemand hier im Haus ihr Gespräch verfolgte, zogen sie sich in eine kleine Kammer zurück. „Ich würde vorschlagen, dass wir in Richtung Glenfield verschwinden“, schlug Taran vor. Wir durchqueren den Sherwood Forrest. In Glenfield kennen wir uns aus. Ich muss jedoch vorher noch zu einem wichtigen Treffen mit meinem Bruder“, fuhr er fort. Berengar, der kein Mann großer Worte war, nickte lediglich. Er kannte Taran gut. Auf dem Weg nach Glenfield würden sie genug Zeit finden, um über die Geschehnisse der letzten Zeit zu sprechen. „Ich werde im Wald, außerhalb der Stadt auf Euch warten“, sagte er deshalb nur. „Vorher erkläre ich den Mönchen hier noch wie sie Sir Godric’s Wunde weiterbehandeln sollen.“ Die beiden Männer standen auf. Während Bruder Berengar nochmals nach Sir Godric schaute, verlies Taran das Gebäude und begab sich zum Alehaus. Zwischenzeitlich hatte der die Mönchskutte wieder mit seiner normalen Reisekleidung gewechselt. Jehan saß bereits an einem der Tische. Er hatte einen Becher Ale vor sich stehen. Taran begrüßte ihn, und setzte sich zu ihm. Nach einem kurzen Schweigen sagte Taran: „Jehan ich danke Dir für deine Hilfe gestern Abend, ohne Dich wäre das Vorhaben deutlich schwieriger gewesen.“ Mehr sagte er nicht, um nicht Aufmerksamkeit an den Nachbartischen zu wecken. Wer wusste schon so genau wer dort mit langen Ohren herumlungerte. „Was blieb mir für eine Wahl,“ erwiderte Jehan lakonisch. „Wo Du mich doch so nett gebeten hast“, fügte dann noch ironisch hinzu. Taran musterte seinen Bruder mit durchdringendem Blick. Seit Jehan hier in Nottingham als Soldat war, hatte er sich anscheinend sehr verändert. Jehan kam ihm wie ein Fremder vor. Taran bereute, dass er in letzter Zeit nicht intensiver Kontakt gehalten hatte. „Was wolltest Du mir denn nun so wichtiges mitteilen?“, fragte Jehan ungeduldig. Die Blicke seines Bruders waren ihm sichtbar unangenehm. Er rutschte auf seinem Stuhl hin und her. Taran zog zunächst Jehans Becher zu sich und nahm einen großen Schluck. Der Wirt war nirgends zu sehen. Bevor Jehan protestieren konnte, fing Taran an zu erzählen: „Nachdem ich das Kloster verlassen habe, frag mich jetzt nicht warum, bin ich zunächst nach Hause zurückgekehrt. Du weißt, dass es Vater schon seit langem nicht gut ging. Ich habe versucht ihm zu helfen, aber er wurde immer schwächer. Stephen hat unterdessen das Zepter über Haus und Hof übernommen. Was er tut ist jedoch nicht gut. Er lässt die Bauern bluten, und benimmt sich wie ein kleiner König. Er kennt keine Gnade, und macht was ihm in den Sinn kommt.“. Jehan unterbrach den Redefluss seines Bruders „Das ist nun mal so Taran, damit musst Du dich abfinden. Die Normannen haben hier das sagen. Und alle anderen haben sich zu fügen.“ „So“, erwiderte Taran zornig, „Du bist auch Stephens Ansicht, das ist ja gut zu wissen. Dann brauche ich gar nicht viel weiterzureden. Ich hätte es mir ja auch denken können. Immerhin arbeitest Du hier als Soldat. Wie kam ich nur auf die Idee, dass Du anders denken könntest?“ Jehan wollte etwas einwerfen, doch Taran zog die Augenbrauen hoch, und schaute ihn mit stechendem Blick an. Jehan wusste, dass er seinen Bruder wütend gemacht hatte. Mit einem wütenden Taran war nicht gut Kirschen essen. Das wusste er von früher. Er hatte viele Schläge von seinem um nur ein Jahr älteren Bruder einstecken müssen. „Das ist nun mal so“, versuchte er Taran zu besänftigen. „Und ich tue hier nur meine Arbeit“. Jehan wurde nun auch ärgerlich. Was wollte Taran eigentlich von ihm? Ihm sagen, dass er alles falsch machte? Wütend zog Jehan den Becher wieder zu sich. Mit einem Zug trank er den Becher leer. Taran beobachtete ihn stumm dabei. Dann sagte er mit ernstem Gesichtsausdruck:“ Was ich Dir mitteilen wollte, ist dass unser Vater verstorben ist. Vor etwa einem Monat. Ich habe mich danach mit Stephen überworfen. Ich glaube, dass ich auf Beaversbrook in Zukunft unerwünscht bin“. Ein sarkastisches Lächeln legte sich auf sein Gesicht. „Aber dort sind wohl auch nur Normannen erwünscht.“ Jehan schaute seinen Bruder verwirrt an. „Nur Normannen erwünscht?“, fragte er verständnislos. „Ja“, erwiderte Taran, nun breit grinsend. „Nur Normannen. Bevor Vater starb erzählte er mir nämlich am Krankenbett, dass die Mutter von Dir und mir eine Angelsächsin war. Jehan, Du armer, Du bist nur ein halber Normanne. Das war es, Jehan, ich werde jetzt gehen. Ich habe noch einiges vor. Wir sehen uns bestimmt irgendwann wieder“. Mit diesen Worten stand Taran auf und verlies das Wirtsgebäude. Jehan war unfähig ihm zu folgen. Wie betäubt blieb er auf seinem Stuhl sitzen. Während Taran Nottingham verließ, war er in Gedanken noch bei seinem Bruder. Taran war klar, dass er Jehan mit dieser Nachricht geschockt hatte. Er hatte das selber auch erst verdauen müssen. Hätte er Jehan noch erzählt wer seine Mutter war, wäre Jehan wohl in Ohnmacht gefallen. Jetzt sollte Jehan erst mal den Gedanken verarbeiten, dass er ein halber Angelsachse war.

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Gwen:

Nach einer unruhigen Nacht, in der Gwen immer wieder vom Fieber geschüttelt wurde und wirre Sätze sprach schien sie jetzt endlich zur Ruhe gekommen zu sein. Auch Much war nach dieser langen Nacht auf seinem Platz neben Gwens Bett in einen traumlosen Schlaf gefallen. Vorsichtig öffnete der junge Novize die Tür der Kammer und stellte leise frisches Wasser und etwas Blamensir für die beiden Schlafenden ab. Die Frau tat ihm leid. Sie war abgemagert und ihr Gesicht war bleich, eingefallen und zeigte noch Spuren eines harten Schlages. Immer wieder flackerten ihre Lider und die Mundwinkel zuckten. Er kannte sie nicht, aber er konnte fühlen, dass es nicht nur die körperlichen Schmerzen waren, die sie quälten. Bevor er ging bekreuzigte er sich und sprach ein kurzes Gebet für ihre Genesung. „Hawkney!“ Much schreckte bei Gwens Aufschrei aus dem Schlaf „... nicht in den Wald! Ich gehöre nicht in den Wald...“ stammelte sie weiter und versuchte sich dabei aufzurichten. Vor Schmerz verzerrte sich ihr Gesicht und kraftlos fiel sie zurück. „Gwen, Gwen beruhige dich! Du darfst dich nicht bewegen haben die Mönche gesagt.“ versuchte Much sie zu beruhigen. „Hawkney...da gehöre ich hin..nicht in den Wald Jehan, nein..Much, versprich es mir, ja?“ dabei schaute sie ihn aus matten, mit Tränen gefüllten Augen an. „Much... bitte...“ „Ist ja schon gut..wir gehen nach Hawkney. Aber nicht heute. Bleib liegen, ja?. Ich hole einen der Mönche, der hilft dir und dann können wir bald gehen.“ Much stürzte auf den Gang aber Bruder Jacobus kam ihm schon, aufgescheucht durch den Schrei, entgegen. Er nahm ein paar der Kräuter und vermischte sie mit etwas warmen Wein und flößte ihn Gwen ein. „Junge, sie wird gleich schlafen..mach dir keine Sorgen.“ munterte er den panisch blickenden Much auf. Beide konnten sehen, wie sich die angespannten Gesichtszüge von Gwen entspannten als die Wirkung des Mittels einzusetzen begann.

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Godric:

Jeon hatte der Aufmerksamkeit des Hauptmanns keine weitere Beachtung geschenkt. Sein Blick hing an den beeindruckenden Turmbauten von Nottingham Castle. Hier war er lange nicht mehr gewesen. ‚Die Zeiten haben sich geändert’, dachte er bitter. Er bemerkte Gisburne, der einem Soldaten hinterher schnauzte. ‚Nur die Menschen bleiben die gleichen.’, fügte Jeon in Gedanken hinzu. Er machte kehrt. Hier würde er nicht erfahren können, was er wissen wollte. Doch er hatte einen guten alten Freund im Alehaus, dem er bald einen Besuch abstatten wollte...  Godric erwachte langsam aus seinem langen tiefen und erholsamen Schlaf. Es schien, als könne er sich nur schwer von dieser inneren Ruhe trennen, doch als er endlich die Augen aufschlug war er hellwach. Seine Umgebung hatte wieder klare Umrisse angenommen, es war seltsam still in dem kleinen Raum. An seinem Bett saß Susanna, die ihn zögerlich anlächelte. Ihre Zweifel waren nicht verflogen, doch trotz allem war sie froh, daß es Godric besser ging. Der junge Mann regte sich und hielt kurz die Luft an, als er wieder die Verletzung spürte. Der Pfeil war verschwunden, stattdessen pulsierte ein dumpfer Schmerz in der Wunde. „Wie lange bin ich schon hier?“, fragte er mit gedämpfter Stimme. Susanna richtete sich auf. „Seit ein paar Tagen.“, erwiderte sie etwas reserviert. „Und wer – wer hat den Pfeil entfernt?“ „Taran of Beaversbrook war hier und hat einen erfahrenen Mönch zur Hilfe geholt, Bruder Berengar ist sein Name.“ Godric runzelte die Stirn. „Taran war hier...?“, zu viel hatte sich in der letzten Zeit ereignet. Susanna bemerkte die Verwirrung des jungen Mannes. Sie stellte rasch eine andere Frage, um ihn abzulenken. „Wie fühlt Ihr Euch? Haben die Schmerzen nachgelassen?“ Godric zögerte, nickte jedoch dann. „Es geht, ja.“, er sah ihr plötzlich mitten in die Augen und fuhr fort: „Ihr seid Susanna, nicht wahr? Und Ihr habt an meinem Bett gewacht...“ „Nur für eine Weile.“, entgegnete sie zurückhaltend. Ihr ernster und verschlossener Gesichtsausdruck irritierte ihn. „Was ist passiert?“, fragte er vorsichtig, „Warum seht Ihr mich so an?“ 

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Jehan:

Jehan of Beaversbrook saß noch immer dort an dem Tisch im Alehaus. Er vermochte nicht zu sagen, wie viel Zeit vergangen war, seit Taran aufgestanden und gegangen war. Ein und derselbe Gedanke hämmerte in seinem Hirn: Kein Normanne! Kein Normanne! Das durfte nicht wahr sein! Es konnte nur eine Lüge sein! Genau – Taran hatte gelogen! Normannischer Abstammung zu sein, das war das einzigste, das ihm geblieben war, was sein Vater ihm als Erbe gelassen hatte. Zumindest war es bisher das Eine gewesen, auf das er immer stolz sein konnte, etwas, das auch sein Vater ihm nicht hatte absprechen können. Welch ein Hohn! Welch ein jämmerlicher Heuchler sein Vater doch gewesen war! Recht geschah ihm, dass er tot war, möge er in der Hölle verfaulen! Wut und Verzweiflung bemächtigten sich des Hauptmanns. „Wirt, bring mir zu trinken!“ brüllte er, schlug mit der Faust auf den Tisch. Niemand, absolut niemand durfte dies jemals erfahren. Diese abgrundtiefe Schande, die schlimmste Schmach, die Jehan je erfahren musste. Oh, wie er seinen Vater hasste! Nun verstand er erst richtig, warum er und Taran so minderwertig behandelt worden waren, und warum Stephen der unangefochtene Favorit gewesen war. Wäre der Alte nicht schon tot, Jehan wäre auf der Stelle nach Gapdale geritten und hätte ihn umgebracht. Nun konnte er nicht einmal mehr bei seiner Normannenehre schwören. Nichts war mehr übrig.  Er musste es vergessen. Sein Vater war tot, Taran fort - . Ja, vergessen war gut. Die Menschen würde er weiterhin davon überzeugen, dass er ein wahrer Normanne war. Und im Herzen würde er nie etwas anderes sein. Das schwor er sich – bei seiner Normannenehre. Dann trank er den nächsten Becher leer, und noch einen. Und schließlich redete er sich selbst erfolgreich ein, dass er sich dies alles nur eingebildet hatte. Düster schlichen sich andere böse Gedanken in sein umnebeltes Hirn, um ihn zu quälen. Nämlich, dass er sich nicht sicher war, was die Identifizierung von Lynchs Mörder anging. Ihm fiel noch eine weitere Person ein, die in Frage kam. Und dann dieser Fremde am Tor, dessen Namen ihm nicht einfallen wollte. Jehans Misstrauen war von dieser Gestalt geweckt worden. Aber selbst nach dem fünften Becher Ale wollte ihm der Name nicht einfallen. Verdammtes Gesöff! Dabei mochte er Ale nicht einmal. Er stand auf und wollte schwankend zur Tür, aber der Wirt schrie ihm hinterher: “Hauptmann, Ihr habt noch nicht bezahlt!“ Jehan blieb stehen, seine Gesichtszüge wurden hart und er drehte sich langsam um. „Du wirst dein Geld schon noch bekommen, du gieriger Fettwanst!“ stieß er heiser hervor. „Wann, Mylord?“ „Sobald ich den nächsten Sold bekomme!“ Jehan schnaubte. „So wahr ich ein Normanne bin!“ Er war in der rechten Stimmung, jemandem den Schädel einzuschlagen, um seine Wut loszuwerden. Aber plötzlich drängte sich ein Mann an die Bar, derselbe, der heute Mittag am Tor gewesen war. Er warf dem Wirt, dessen Gesicht sich plötzlich erhellte, eine Münze auf den schmierigen hölzernen Tisch. Dann wandte er sich um und bedeutete dem Hauptmann, sich wieder zu setzen. Jehan starrte ihn misstrauisch an. Aber schließlich setzte er sich dem Fremden gegenüber. "Was soll das?" herrschte er ihn ohne eine Spur von Dankbarkeit an.  

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Godric:

„Seid nicht so unfreundlich!“, sagte Jeon Gascaut, ohne sich die schlechte Laune des Hauptmanns zu nahe gehen zu lassen, „Ich brauche nur eine Information von Euch.“ Jehans Miene wurde finster. ‚Ich lasse mich nicht kaufen!’, dachte er voller empörter Wut, doch dann sah er, wie der Wirt dem anderen Mann einen Krug Ale aufs Haus vor die Nase stellte und dachte bitter an seinen gekürzten Sold. Grimmig verzog er das Gesicht. Er hasste alle halben Sachen. Wohl oder übel hörte er sich das Tischgespräch mit an, um auf die Frage des Mannes zu warten. Der Wirt vergaß für eine Weile seine Arbeit und setzte sich zu ihnen. „Jeon!“, begann er erfreut, „Was um alles in der Welt treibt dich nach Nottingham? Du hast dich ewig nicht blicken lassen!“ „Es gab keinen Anlass.“, entgegnete Jeon. Aufgrund der jüngsten Ereignisse fiel seine Freude über das Wiedersehen etwas verhaltener aus. „Aber nun liegt mein Herr hier verletzt in der Krankenstation der Mönche und da ich schon einmal hier bin nutze ich die Zeit.“

Der Wirt griente breit. „Du solltest die Zeit nutzen, um die offene Rechnung mit Mallard zu begleichen!“ Jeon nickte und leerte den halben Becher mit einem Schluck. „Vielleicht sollte ich das.“, sagte er. „Aber nun erzähl mir!“, wechselte der Wirt das Thema, „Was tut sich in Lowdham? Du führst ein recht ruhiges Leben dort, habe ich Recht?“ „Es hat sich einiges geändert.“, antwortete Jeon ausweichend, „Aber davon später.“, er wandte sich an Jehan: „Ich brauche den Rat eines alten Bekannten, Hauptmann. Vielleicht könnt Ihr mir sagen, wo ich den Kanzleischreiber Lynch finde?“

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Jehan:

Jehans Instinkt riet ihm plötzlich zur Vorsicht. Jeon...Jeon Gascaut. Das war der Name gewesen! Der Hauptmann runzelte die Stirn, und wieder grub sich die steile Falte hinein, die sein tiefes Misstrauen sichtbar machte. Er legte den Kopf schief und sah sein Gegenüber aus engen Augen aus. "Lynch könnt Ihr auf dem Gottesacker finden, Gascaut" sagte Jehan vorsichtig. Er schien wieder völlig nüchtern. "Spracht Ihr gerade von Hugh Mallard?" fügte er schnell hinzu. "Dem Soldaten und Hauptmann?" Dass Sir Godric lebte, hatte der Hauptmann nur zur Kenntnis genommen. Dieser Edelmann schien mehr Leben zu haben als eine neunschwänzige Katze. Aber da er ihn immer noch nicht recht einschätzen konnte, war er weiterhin auf der Hut. Der Wirt schien sehr an dem Gespräch interessiert zu sein, was Jehan ärgerte, aber da Gascaut ihn nicht fortschickte, duldete er ihn.

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Robin:

"Wir können nicht einfach zu dieser Burg gehen und Guten Tag sagen, Robin." Will lief nervös und wütend hin und her. "Hast du eine bessere Idee. Wir brauchen diesen Berengar." schrie Robin zurück. Er wusste selber, dass es gefährlich war, aber irgendetwas mussten sie doch tun. Und dieser Sir Faude schien der einzige zu sein, der wusste, wo sie diesen Geistlichen finden konnten. "Robin, er hat Recht." mischte sich nun auch John ein. "Es muss einen anderen Weg geben." Tuck beobachtete währenddessen still den Disput. "Hört auf euch zu streiten." kopfschüttelnd trat er zwischen die drei, bevor es noch eskalieren würde. "Es ist zwar lange her, aber das letzte Mal habe ich Bruder Berengar in Nottingham gesehen. Wir sollten lieber den Töpfer fragen, ob er etwas weiß." "Nachdem was vor den Toren von Nottingham passiert ist? Bist du wahnsinnig?" ungläubig sah John Tuck an, während dieser nur hilflos mit den Schultern zuckte. "Er hat Recht." murmelte Robin. "Er hat Recht." sagte er noch einmal laut und sah die anderen an. "Will, du gehst mit mir. Tuck, John, Nasir...ihr geht zurück in den Sherwood." Schnell kam wieder Bewegung in die Gruppe. Auch wenn dem einen oder anderen die Idee so gar nicht gefallen wollte, war sie doch besser, als zu der Burg von Sir Faude zu gehen. "Soll ich nicht lieber mitkommen?" fragte John vorsichtig, erntete aber nur ein energisches Kopfschütteln.

"Seid Ihr vollkommen wahnsinnig?" entsetzt sah der Töpfer von einem zu anderen. "Der Sheriff tobt, nachdem ihr vor seinen Toren ein Schlachtfeld hinterlassen habt. Und Gisburne würde wahrscheinlich seinen Sold hergeben, nur um die Schmach die ihr ihm beigebracht habt, wieder zu tilgen. Was in aller Welt wollt ihr hier?" "Wir sind gleich wieder weg. Wir brauchen nur eine Auskunft." versuchte Robin beruhigend auf ihn einzureden. "Wir suchen einen Bruder Berengar. Es ist wichtig. Bitte!" "Berengar..?" nervös sah der Töpfer immer wieder zum Fenster, während er krampfhaft überlegte. "Ich kenne niemanden mit diesem Namen..." erwiderte er dann. Resigniert sah Robin zu Will. Das Glück schien nicht gerade auf ihrer Seite zu sein. Wo sollten sie jetzt noch suchen? "Vielleicht solltet ihr mal bei den Mönchen in der Krankenstation nachfragen." unterbrach der Töpfer das Schweigen. "Vielleicht können die euch weiterhelfen. Und nun seht zu, dass ihr hier verschwindet, in Gottes Namen. Wenn euch jemand hier sieht, bin ich des Todes." Robin nickte dem Töpfer kurz dankbar zu und schon machten sie sich auf den Weg.

Währenddessen im Sherwood....

 "Da kommt jemand" flüsterte Nasir. Er hob die Hand, mit der er die Anzahl der Personen andeutete. John nickte ihm kurz zu und lautlos ging jeder auf seine Position. Schon kamen die zwei Reiter um die Wegbiegung, ca. 100 Yards von ihnen entfernt. Sie ließen sie auf 20 Yard heran kommen, als John mit einem Schrei aus dem Dickicht stürzte und mit gespanntem Bogen auf die Brust eines Reiters deutete. "Bruder Berengar!" hörte er plötzlich hinter sich den erstaunten Ausruf von Tuck. Verblüfft sah er von einem zum anderen, während sich der Mönch freudestrahlend von seinem Pferd bemühte und auf Tuck zu lief. Der andere Reiter blieb weiterhin starr vor Schreck im Sattel sitzen. "Wer seid ihr!" verlangte John von ihm zu wissen. "Das ist Taran von Beaversbrook." antwortet Berengar an seiner statt. "Er hat mich aus den Verliesen des Sheriffs befreit und mir wohl das Leben gerettet." Jetzt verstand John gar nichts mehr. Er gab Nasir ein Zeichen und knurrte nur... "Wir nehmen sie mit und warten auf Robin...."

*

Godric:

Jeon hatte die Worte des Hauptmanns mit Bestürzung aufgefasst und die Frage dabei ganz überhört. Seine Miene erstarrte für einen Moment und sein Blick versank in den Tiefen des Alekruges. „Allmächtiger...“, murmelte er. „Hat er also das zeitliche gesegnet. Keine leichte Aufgabe hatte der arme Mann, weiß Gott nicht!“, er blickte auf und wandte sich kurz an den Wirt: „Bring uns noch ein Ale, Wolfred.“, dann fuhr er fort sich der Erinnerungen an den verflossenen Freund zu entsinnen, wobei es ihm ganz gleich war, ob es seinen Zuhörer interessierte oder nicht. Er war zu selten unter fremden Menschen, als daß es ihm etwas ausmachte. „Lynch war ein Eigenbrödler, der nie große Worte gemacht hat. Deshalb wussten auch die wenigsten, was tatsächlich in ihm vorging. Im Alter wurde er immer unzufriedener mit der Anstellung beim Sheriff. Jedes Mal wenn wir uns alle vier hier im Alehaus trafen hing er uns in den Ohren damit, wie schlecht er behandelt würde. Ich befürchtete bereits damals, er würde auf dumme Gedanken kommen, so dickköpfig wie er war. Ich hoffe, er hatte einen friedlichen Tod, Hauptmann?“

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Jehan:

Was soll diese Frage? Wenn Ihr ein Freund von ihm wart, solltet Ihr wissen, dass sein Tod alles andere als friedlich war, Gascaut! Woher kanntet Ihr ihn? Und von welchem Mallard spracht ihr gerade?" Jehans Fragen kamen scharf und genau. Jeon warf ihm einen undurchdringlichen Blick zu. Der Bursche schien sich noch nicht den letzten Verstand weg gesoffen zu haben. Dieses Gespräch konnte in eine interessante Richtung gehen. Er musste nur aufpassen, dass er es lenkte.

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Sue:

Ein weiterer Tag verging und Lord William machte sich auf, um nach Leicester zurückzukehren. In einigen Tagen würde er nach London aufbrechen müssen, er hatte keine Zeit mehr zu verlieren. Mit besorgter Miene verabschiedete er sich von seiner Tochter. Er ermahnte sie, vorsichtig zu sein und keine Dummheiten zu machen. Liebevoll nahm er sie zum Abschied in den Arm. "Willst du nicht doch lieber mit nach Hause kommen, Kind?" fragte er Susanna mit sanfter Stimme, wohlwissend welche Antwort sie ihm geben würde. "Nein, Vater, lass mich bitte noch hier bleiben..... Sir Godric ist noch immer nicht aus seiner Ohnmacht erwacht, und ich mache mir große Sorgen." Die junge Lady senkte den Blick und schaute betreten zu Boden. "Und außerdem. ...ich kann Mutter noch nicht unter die Augen treten - diese Schande....." "Deine Angst ist unbegründet, denn deine Mutter hat mehr Geduld als du ahnst; das kannst du mir ruhig glauben", versuchte der Earl of Leicester seine Tochter mit einem aufmunternden Lächeln zu trösten. "Aber wenn es dein Wunsch ist, so sollst du bleiben. Ich werde dir einige Soldaten schicken, die dich in ein paar Tagen zurück nach Leicester eskortieren werden - wenn du soweit bist." Susanna drückte ihrem Vater einen Kuss auf die Wange und lief zurück ins Haus. Sie hasste Abschiede und wollte nicht, dass Lord William sah, wie ihr Tränen in die Augen stiegen. Der Earl stieg auf sein Pferd und ritt davon.

Susanna tat was sie konnte für den jungen Herrn von Lowdham, und er erwachte schließlich aus seinem langen Schlaf. Die junge Lady war erleichtert. Dennoch war ihr merkwürdiges Gefühl, das sie in sich trug, seit sie das Gespräch zwischen ihm und Jeon Gascaut mit anhören musste, nicht verflogen. Diese Herzlichkeit, die sie ihm anfangs entgegen brachte, wich einer höflichen Distanz. Godric war zwar immer noch schwach und wirkte ein bisschen durcheinander nach der langen Ohnmacht, aber dennoch bemerkte er ihren Wandel. Auf alle Fragen, die er ihr stellte, um sich überhaupt erst wieder zu orientieren, antwortete sie sehr zurückhaltend. Sie fürchtete die Frage, die unweigerlich gleich kommen würde, die Frage nach dem Warum - warum sie mit einem Mal so abweisend zu ihm war. Sie hatte den Gedanken noch nicht ganz zu Ende gedacht, als sie auch schon die Worte "Was ist passiert? Warum seht Ihr mich so an?" vernahm. Sie schloss kurz die Augen und holte einmal tief Luft. "Ihr solltet nicht soviel reden, Mylord" entgegnete Susanna schroff. "Ihr seid noch sehr schwach, also spart Eure Kräfte besser für Eure Genesung auf." Diese Antwort überraschte Godric. Aber anstatt den Rat der jungen Lady zu beherzigen, bohrte er weiter nach; hatte sie ihm doch schließlich keine befriedigende Antwort auf seine einfache Frage gegeben. Sue lächelte ihn flüchtig an und verließ vorsichtshalber erst einmal den Raum.

Susanna brauchte frische Luft. Sie befürchtete zu platzen, wenn sie weiterhin in Godrics Nähe bliebe. Was war das nur, was sie derart in Rage versetzte? Sie war nicht wirklich wütend auf ihn wegen des Gespräches, das sie unfreiwillig mit anhören musste. War das aber nun Enttäuschung oder war es Sorge? Sie wusste es nicht. Sie hasste sich für ihre Torheit und vor allem dafür, dass sie immer noch nicht gelernt hatte, ihre Gefühle im Griff zu behalten. Und jetzt machte sie sich auch noch Gedanken darüber für wie dumm er sich doch halten musste. "Und das alles an deinem achtzehnten Geburtstag, du dumme Gans. Herzlichen Glückwunsch, du hast dich ja 'mal wieder schön zum Narren gemacht", murmelte sie vor sich hin und unterdrückte den in ihr wachsenden Drang zu weinen. Sie fühlte sich einsam und unglücklich.

*

Godric:

Jeons Anflug von Trauer über den Tod des Mannes schwand und machte dem gewohnten Kalkül Platz. Er sah sich kurz um. Wolfred nahte bereits mit dem nächsten Ale. Er war ein freundlicher und fröhlicher Mann, jedoch ein unverbesserlicher Schwätzer. Wenn es hier vertrauliche Informationen gab, dann besser unter vier Augen. „Kommt einmal mit, Hauptmann.“, sagte Jeon, erhob sich und wies mit dem Kopf auf eine kleine Tür hinter dem Schanktisch. Dem erstaunt dreinblickenden Wirt nahm er die Bierkrüge aus der Hand und raunte ihm zu: „Sorg dafür, daß wir nicht gestört werden, Wolfred. Wir unterhalten uns nachher.“ Der Mann nickte nur. Er wusste, daß er sich auf Jeons Handlungen verlassen konnte. Jehan war noch immer höchst wachsam. Wäre nicht im Laufe des Gesprächs der Name Mallard gefallen, hätte er sich nie hierauf eingelassen. „Was soll die Heimlichtuerei?“, fragte er barsch und direkt. Jeon lächelte einfach. Er war die patzigen Töne der jüngeren Soldaten gewohnt und störte sich nicht weiter daran. „Setzt Euch, Hauptmann.“, sprach er, und als Jehan widerwillig seiner Aufforderung nachgekommen war fuhr er fort: „Ich hege allerdings eine üble Befürchtung, jedoch habe ich Nottingham seit langer Zeit den Rücken gekehrt und ziehe die Ruhe auf Schloss Lowdham vor. Ich bin nicht im Bilde was seither geschehen ist, und ich habe nicht das Ansinnen, Euch, als Dienstherrn des Sheriffs, in Dinge zu verwickeln, die Eurem Treueid abträglich sein könnten. Wenn jedoch meinem Freund ein Unrecht geschehen ist, so solltet Ihr mir das mitteilen! Und um Eure Frage zu beantworten, ja, die Rede war von Hugh Mallard, einem zwielichtigen Gesellen. Er war der vierte in der Runde, von der ich sprach.“ Er fasste Jehan scharf ins Auge, „Ihr wißt etwas, Hauptmann, und nun ersuche ich Euch, mir die Wahrheit zu sagen!“

*

Jehan:

Jehan wusste nicht, was er von diesem Burschen halten sollte. Aber so nüchtern, wie er aussah, war er leider längst nicht mehr. Und dieser Gascaut sorgte dafür, dass sein Becher stets gefüllt war. Missmutig sagte er: "Lynch wurde ermordet, wenn Ihr es genau wissen wollt." Er konnte sich gerade noch zurückhalten zu sagen: genau das Ende, das einem bestechlichen Kerl wie ihm zusteht. Aber ob er das einem angeblichen Freund des Toten sagen konnte, ohne dass der ihm sein Ale ins Gesicht schüttete? Immerhin wäre diese Reaktion zu erwarten, wenn er ein tatsächlicher Freund gewesen war. Also sagte der Hauptmann: "Lynch war bestechlich, und er fand genau das Ende, das er verdiente!"

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Godric:

Jehan lauerte wie ein Geier auf Gascauts Reaktion. Der lehnte sich zurück und tat einen schweren Atemzug. „Ermordet...“, wiederholte er langsam. Er strich sich über sein glatt rasiertes Kinn und blickte Jehan unter den zusammengezogenen grauen Brauen an. „Es musste ja so kommen.“, fuhr er mit gesenkter Stimme fort, obwohl sie in dem kleinen Nebenraum völlige Ruhe hatten. „Der Narr, er konnte ja seine Finger nicht aus dem Spiel lassen...“ Jehan wartete vergeblich darauf, daß ihm ein Licht aufging. Er begann, sich für die sieben Ales zu verfluchen, die er sich hintergeschüttet hatte. Dabei hatte er das untrügliche Gefühl, der Auflösung schon sehr nahe zu sein. „Wer geht diesem Mordfall nach Hauptmann?“, fragte Jeon, „Gibt es noch keinen Verdacht?“

*

Sue:

Susanna beruhigte sich wieder und ging zurück ins Haus. In der Stube warteten schon die Mönche mit der Mahlzeit, die sie für Godric zubereitet hatten. "Gebt ihm das, das wird ihn kräftigen", sagte Bruder Geraldus und drückte der jungen Lady eine Schüssel mit heißer Brühe in die Hand. "Könnt Ihr nicht, Bruder....?" setzte sie an, den Mönch zu überreden, dem Verletzten beim essen behilflich zu sein. "Nein, er hat ausdrücklich nach Euch verlangt, Mylady" fiel der ihr ins Wort. "Aber....." wollte Sue gerade protestieren, hielt jedoch mitten im Satz inne. Es hatte keinen Zweck, und die Mönche hatten auch noch andere Patienten, um die sie sich zu kümmern hatten. Susanna nahm die Schüssel und betrat den Raum, in dem sie Godric zurückgelassen hatte. Sie fühlte sich unbehaglich, denn sie wusste, wie peinlich ihre Reaktion zuvor war. "Es tut mir leid", sagte sie mit einem gequälten Lächeln. "Ich stehe in dem Ruf etwas hitzköpfig zu sein, wie ich wohl gerade eindrucksvoll bewiesen habe. Und dieses Gespräch, das ich da mit anhören musste..... na ja, deshalb ist es vorhin mit mir durchgegangen. Es geht mich ja auch nichts an....." stammelte sie entschuldigend. Dabei bemerkte sie, wie ihr die Röte ins Gesicht stieg. "Die Mönche haben Euch etwas Brühe zubereitet....." wechselte Susanna das Thema, setzte sich and Godrics Bett und begann ihn zu füttern. Während der ganzen Zeit spürte sie wie seine Blicke auf ihr ruhten. In Leicester bereitete Lord William seine Reise nach London zu Prinz John vor. Er fragte sich, was der Bruder des Königs denn so Wichtiges auf dem Herzen hatte, dass er einige der einflussreichsten Lords des Landes um sich scharte. Er würde es sicher bald erfahren, dessen war er sich gewiss..... Aber zuvor wollte er sich noch mit dem Lord David, dem Earl of Huntingdon beraten, der auch zu Prinz John geladen wurde. Gemeinsam wollten sie die Reise nach London antreten. Mit König Richard war ja schon nicht leicht umzugehen, aber seinem Bruder war mit allergrößter Vorsicht zu begegnen. Susanna's Vater behagte diese ganze Sache nicht, und er war froh, dass der Earl of Huntingdon seine Meinung teilte. Lord William nahm sein Pferd. Mit einer kleinen Eskorte begab er sich auf die erste Etappe seiner Reise - nach Huntingdon.....

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Robin:

Aus sicherer Entfernung beobachteten Robin und Will die kleine Krankenstation der Mönche. Voller Erstaunen hatten sie festgestellt, das die junge Lady, die sie im Wald aufgegriffen hatten, hier war. Sie hatten sie eine Weile beobachtet, als sie in Gedanken vertieft, vor dem Haus im Gras saß. Erst als sie wieder hineingegangen und auch sonst niemand zu sehen war, schlichen sie mit schnellen Schritten auf die Tür zu. Ein kurzer Blick, ein Nicken und schon standen sie mitten im Vorraum. Die beiden Mönche, die sich darin aufhielten, sahen sie erstaunt und gleichzeitig erschrocken an. Gerade als sie anfangen wollten zu protestieren, zog Robin seine Kapuze zurück und den Mönchen blieben die Worte buchstäblich im Halse stecken. Stattdessen zogen sie sich ängstlich in eine Ecke zurück. "Ihr braucht keine Angst zu haben." entgegnete Robin vorsichtig mit einem leichten Lächeln auf den Lippen. "Wir brauchen nur eine Auskunft von euch. Es ist wichtig." Ängstlich sahen sich die beiden Mönche an. Fast konnte man ihnen ihre Gedanken von den Gesichtern ablesen. Geächtet! Und ihnen helfen! Nein - das kam gar nicht in Frage. "Wir haben keine Zeit für solche Spiele Robin." Will wandte sich zornig zu ihm und zog, um seine Worte zu unterstreichen sein Messer und ging einen Schritt auf die Mönche zu. In diesem Moment öffnete sich die Tür und Sue kam, nicht ohne einen kurzen, entsetzten Aufschrei, in den Vorraum....

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Jehan:

„Natürlich habe ich einen Verdacht!“ entgegnete Jehan dem Mann, der sich entspannt zurückgelehnt hatte. Das hieß also, dass der von der Bestechung bereits gewusst hatte, und, dass er kein so enger Freund Lynchs gewesen war, wie er vorgab. Eine solche Reaktion war zu eindeutig, und Jeon Gascaut war kein sehr guter Schauspieler. „Wen verdächtigt Ihr?“ fragte Jeon prompt. „Das ist nicht für Ohren wie die Euren bestimmt“, konterte der Hauptmann. Er lehnte sich nach vorn auf den Tisch, und fixierte Jeon, so gut er dazu noch in der Lage war. „Ihr sagtet vorhin, dass Ihr vier Euch immer hier getroffen hättet. Ich will die Namen dieser vier Personen! Und ich möchte wissen, was Lynch Euch noch sagte, worüber er sich noch beschwerte. Versteht mich nicht falsch, ich brauche diese Informationen, um meinen Verdacht zu erhärten. Wir wollen doch schließlich alle nicht, dass ein Unschuldiger des Mordes angeklagt wird, nicht wahr, Gascaut?“ Jehan ließ den Mann nicht aus den Augen, seine Stimme klang dagegen verschwörerisch und gar nicht mehr herablassend. „Die Namen, Gascaut!“ forderte der Hauptmann.

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Godric:

„Ich verstehe.“, erwiderte Jeon lang gezogen. „Ihr seid natürlich zum Schweigen verpflichtet. Aber auch ich, Hauptmann, werde mich nicht dazu verleiten lassen, die Ehre des Toten in den Dreck zu ziehen. Jedoch bin ich Normanne wie Ihr, und es liegt mir fern, den Arbeiten den Sheriffs im Weg zu stehen.“, er machte eine kurze Pause, um sich darüber klar zu werden, welche Informationen er diesem nicht gerade zuvorkommenden Soldaten weitergeben konnte. „Wenn es sich so verhält wie ich glaube, Hauptmann“, sagte er schließlich, „Dann müsste Lynch nicht das einzige Opfer bleiben. Soweit ich weiß waren nur die vier Männer unserer Zusammenkunft im Alehaus in Lynchs Fehltritte eingeweiht. Neben mir selbst und dem Wirt waren das Hugh Mallard, wie ich bereits sagte und“, er hielt inne, um nachzudenken, „An den Namen des anderen kann ich mich beim besten Willen nicht mehr erinnern. Ein unscheinbarer Mann, hellhaarig. Er war nicht immer dabei, und ich meine er lebte auch nicht direkt in der Stadt. Aber er war ein enger Bekannter von Lynch, wenn nicht sogar ein Verwandter. Jedenfalls“, fügte er gleich hinzu, „Sollte sich der Verdacht gegen Mallard bestätigen, so will ich gerne meinen Beitrag dazu leisten, daß der Mann dem Henker ausgeliefert wird.“, er schloss die Hand fest um den Griff des Alekruges und murmelte eine kurze Bemerkung, die Jehan nicht verstand. „Wie dem auch sei“, fuhr er lauter fort, „Außer mir selbst und dem Wirt dieses Hauses sind noch zwei weitere Männer in Gefahr. Nämlich der, von dem Lynch das Geld für die Informationen bekam, und natürlich derjenige, der es überbringen musste, wer auch immer das war.“ Er warf Jehan einen messerscharfen Blick zu, der den Hauptmann erschaudern ließ. „So.“, sagte er dann, leerte seinen Alekrug und stellte ihn geräuschvoll auf den Tisch. „Ich gehe davon aus, daß Ihr bereits einen Plan zur Ergreifung des Mörders in der Tasche habt, Hauptmann. Oder-“, er musterte den angetrunkenen Mann kurz und besann sich wieder der Dringlichkeit und der Gefahr für sein Leben oder zumindest für das des nichts ahnenden Freundes Wolfred nebenan. Deshalb fügte er hinzu: „Vielleicht sollte ich doch besser gleich zum Sheriff gehen!“

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Gwen:

„John...warte!“ rief Tuck aus. Und zu Berengar gewand sprach er weiter: „Eine Frau ist verletzt. In der Abtei von Glenfield. Die Mönche dort tun ihr Bestes, aber als wir sie verließen ... „ Er verstummt für einen Moment und blickte seine Gefährten an. „Bruder Berengar, könntet Ihr nicht nach ihr sehen?“ Berengar nickte ohne ein Wort zu sagen, noch nie hatte er jemanden, der ihn um seine Hilfe bat, diese versagt. Nur eine kleine Sorgenfalte bildete sich auf der Stirn des alten Mannes. Er fragte sich, wie der Abt wohl auf das Wiedersehen mit ihm reagieren würde. Berengars junger Begleiter saß noch immer wie eine Statue auf seinem Pferd. „Können wir ihm trauen?“ fragte Nasir leise und deutete mit einem leichten Nicken seines Kopfes auf ihn. ‚Sie sind es wirklich. Robin Hoods Leute‘ dachte Taran bei sich. Eigentlich hatte er ja andere Pläne, aber der Gedanke, seinen Weg ohne Berengar fortzusetzen, gefiel ihm gar nicht. Er löste sich endlich aus seiner Starre und trieb sein Pferd ein paar Schritte vor. „Findet euch damit ab.“ begann er mit fester Stimme. „Bruder Berengar wird ohne mich nirgendwo hingehen.!“ „Gut denn, wollt ihr hier noch lange herumstehen?“ John wirkte ein bisschen ungehalten. „Es wäre besser wir würden im Morgengrauen in Glenfield sein, lasst uns das restliche Tageslicht nutzen!“ Die fünf Männer blickten einander schweigend an. Es war Berengar, der die Stille unterbrach „Gehen wir, sie sollte nicht länger warten als nötig.“ Er griff die Zügel seines Pferdes und ging mit kräftigen Schritten in Richtung Glenfield.

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Jehan:

„Nein!“ entfuhr es dem Hauptmann unwillkürlich, aber sofort hatte er sich wieder in der Gewalt. „Ich leite die Untersuchung! Und nur ich werde dem Sheriff Meldung machen, wenn die Sache hieb- und stichfest ist, der Mörder eindeutig überführt ist. Mein Herr verschwendet seine Zeit nicht mit Verdächtigen! Ihr wollt ihn doch sicher nicht mit solchen … Ungereimtheiten belästigen? Ich könnte mir vorstellen, dass er darauf doch eher gereizt reagiert. Und Ihr wollt doch nicht etwa den Zorn des High-Sheriff von Nottingham auf Euch lenken, Gascaut?“ Da Jeon nur süffisant lächelte, und Jehan nicht wissen konnte, ob dieser Mann mehr wusste als er sagte, oder ob er nur bluffte, setzte er nach: „Wenn Ihr dem Sheriff einen Gefallen tun wollt, so findet heraus, wie der Name des vierten Mannes lautet, und wo er sich aufhält. Da Ihr ihn bereits öfters gesehen habt, dürfte es Euch nicht schwer fallen, ihn wieder zu erkennen.“ `Aber wahrscheinlich weißt du ohnehin längst, wie er heißt` dachte der Hauptmann. Wieso hatte Jeon überhaupt ihn gefragt wo Lynch zu finden sei? Konnte er wissen, dass er selbst das Geld übergeben hatte? Dann allerdings hatte Jehan ein Problem. Ein Problem, das in Gestalt Jeon Gascauts vor ihm saß, und das er schnellstens loswerden musste. Falls…. Jehan beschloss, alles auf eine Karte zu setzen. Er konnte es nicht riskieren, dass Lynch den falschen Leuten das falsche erzählt hatte, und diese Leute ihn jederzeit… nein, er wagte gar nicht daran zu denken. „Jeon, ich muss wissen, was Lynch Euch erzählte. Jedes Wort. Es ist sehr wichtig für die weiteren Ermittlungen! Also?“

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Godric:

Jeon seufzte schwer. „Ihr wiederholt Euch, Hauptmann. Ich habe Euch alles gesagt, was für diese Sache von Belang ist, und mit Verlaub, ich werde Euch nicht die Arbeit abnehmen, für die Ihr bezahlt werdet.“, er lächelte ruhig in sich hinein. ‚Der Bursche ist nicht auf den Kopf gefallen’, dachte er, ‚Der will es sich leicht machen und anschließend vor dem Sheriff die Lorbeeren ernten. Allerdings – was sollte mich schon noch vor de Rainault zurückhalten? Es könnte interessant sein, diese Geschichte von zwei Seiten zu hören.’ „Hauptmann“, nahm er das Wort wieder auf, „Ich war gekommen, um Lynch nach seinem Rat in eigener Angelegenheit zu befragen. Nun erfahre ich, daß der Mann ermordet wurde. Unsere gemeinsamen Zusammenkünfte haben sich bereits vor mehr als einem halben Jahr aufgelöst. Was wollt Ihr noch hören? Ihr habt mit Eurer Dienstbefugnis weitaus mehr Möglichkeiten, Verdächtige zu verfolgen. Und sicher habt Ihr Mittelsmänner in Nottingham, die Euch dabei unterstützen. Wenn Ihr den vierten Mann gefunden habt, so könnt Ihr mich benachrichtigen und ich werde sehen, ob ich ihn identifizieren kann. Noch bin ich eine Weile in der Stadt. Und solltet Ihr dennoch meinen Dienst für Eure Ermittlungen in Anspruch nehmen wollen, so müsstet Ihr Euch schon um die Erlaubnis meines Herrn bemühen. Ich kann darin nicht frei entscheiden.“

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Robin:

"Wartet!" Nasir, der die ganze Szenerie ohne ein Wort zu verlieren, verfolgt hatte, hielt die anderen kurz zurück. "Wir sollten Robin eine Nachricht hinterlassen. Geht ihr vor. Ich komme nach." Mit diesen Worten verschwand er lautlos im Dickicht. John nickte Tuck kurz zu und schweigend begaben sie sich auf den langen Weg nach Glenfield zurück.

Das hatte ihnen gerade noch gefehlt, dachte Robin. Mit einem Satz war er bei Sue und hielt ihr den Mund zu, bevor sie nach des Sheriffs Soldaten rufen konnte. Mit Erschrecken sah er durch die geöffnete Tür den Normannen verletzt auf dem Lager, den sie vor gar nicht so langer Zeit im Sherwood überfallen hatten. Das Erschrecken, welches im ersten Moment auf seinen Gesichtszügen stand, wich allmählich dem Zorn und mit einem herausforderndem Blick versuchte er sich zu erheben. "Kein Wort!" zischte Robin, während er vorsichtig Sue wieder gehen lies. Will hatte sich derweil doch einen der Mönche gegriffen und hielt ihm sein Messer an die Kehle. Er hoffte, dass dies ausreichen würde, um die anderen in Schach zu halten.... 

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Godric:

Nach dem Essen ließ Susanna den Patienten wieder allein. Godric lehnte sich mit einem Seufzer zurück und starrte zu der niedrigen Decke hinauf. Sue hatte die beneidenswerte Möglichkeit, ein und aus zu gehen wie es ihr beliebte, und er merkte, daß ihre Anwesenheit ihm sogleich fehlte, wenn sie fortgegangen war. Die Heilmittel und die schlichte, aber sehr willkommene Mahlzeit hatten ihm Kraft gegeben. Am liebsten wäre er auf der Stelle aufgesprungen, um wieder einem Tagwerk nachzugehen, doch der Schmerz in der Brust nagelte ihn ans Bett und mahnte ihn zur Geduld. Keine einfache Lektion. Er ließ seine Gedanken schweifen und kam mit einem Mal an dem Tag an, an dem er nach Nottingham zurückgekehrt war. Deutlich tauchte wieder der junge Reiter am Tor vor seinen Augen auf, und nun wusste er endlich, was ihn an der Erscheinung verwirrt hatte. Das war kein draufgängerischer Bursche gewesen, der im Alehaus leichtfertig eine Schlägerei herausgefordert hatte, sondern es war Susanna, die sich, aus welchem Grund auch immer, auf dieses Abenteuer eingelassen hatte. Kurz darauf musste sie von den Gesetzlosen gefangen worden sein, und er hatte es nicht fertig gebracht, sie zu retten. Seine Miene verzog sich voll Gram. Stattdessen hatte sie ihn gerettet, was ihm genauso unerklärlich erschien. Welches Interesse sollte diese wagemutige Lady an ihm haben, sie kannte ihn nicht mal! ‚Und ich habe noch gar nicht die Gelegenheit gehabt, mich bei ihr zu bedanken.’, fiel ihm schwermütig ein. Zu allem Überfluss hatte sie auch noch mit anhören müssen, was er seinem Verwalter anvertraut hatte. Vom Fieber verwirrt hatte er sicher nicht die höflichsten Worte gefunden. Kein Wunder, daß sie sich ihm gegenüber nun zurückhaltend und vorsichtig verhielt. Die Tür öffnete sich, doch es war nicht Susanna, die eintrat, sondern einer der Mönche. „Bruder Geraldus!“, sprach Godric ihn sogleich an, „Sagt mir, wann kann ich wieder aufstehen?“ „Oh oh!“ erwiderte der Mönch und trat an das Bett, „Ihr solltet froh sein, daß Ihr mit dem Leben davon gekommen seid, junger Mann. Wäre der Pfeil einen Finger breit unterhalb eingedrungen, dann wäre alle Liebesmühe umsonst gewesen.“ Godric schwieg und starrte den Mönch betroffen an. Er hatte wohl Recht. Es würde noch eine lange Zeit dauern, bis er neuen Taten nachgehen konnte. Seine Stimme war gleich weniger überschwänglich, als er weiterfragte: „Wo sind Lord William und Taran of Beaversbrook? Und dieser Mönch – Bruder Berengar? Niemandem konnte ich bisher einen Dank sagen.“ „Lord William ist wegen dringender Geschäfte nach Leicester zurückgekehrt.“, entgegnete der Mönch, „Sir Taran und Bruder Berengar haben kürzlich die Stadt verlassen, jedoch schätze ich, daß Ihr Euch beizeiten noch einmal begegnen werdet.“ Godric seufzte leise. Alle waren auf und davon, nur er selbst war ans Bett gefesselt. „Warum hat Susanna ihren Vater nicht begleitet?“, wollte er wissen. Bruder Geraldus musterte seinen Patienten mit gutmütiger Miene. „Die junge Lady sorgt sich um Euch, Sir Godric. Während der Qualen, die Ihr durchgestanden habt ist sie kaum von Eurer Seite gewichen.“ Ein erfreutes Lächeln erschien in Godrics Gesicht. Sie war ihrem Vater nicht nachhause gefolgt, sondern trotz der belauschten Ungeheuerlichkeiten bei ihm geblieben. Vielleicht war doch noch nicht alles verloren... „Und nun habt Ihr genug Fragen gestellt.“, unterbrach Bruder Geraldus seine Gedanken, „Ihr sollt Euch ausruhen.“ Godric merkte selbst, daß seine Neugier schon zu viel gewesen war. Er sank zurück in sein Strohkissen und hoffte, daß Susanna zurück sein würde, wenn er wieder aufwachte. Bruder Geraldus stand leise auf. An der Tür stieß er auf Susanna, die vorsichtig das kleine Zimmer betrat. Trotz seiner Müdigkeit fing Godric den anmutigen Blick der Lady auf. Er wollte etwas sagen, doch sie legte einen Finger auf die Lippen und bedeutete ihm, still zu sein. „Schlaft jetzt“, flüsterte sie, „Ich komme später wieder.“ Sie trat zurück und öffnete die Tür, blieb jedoch wie erstarrt stehen. Hilflos und voller Entsetzen musste Godric mit ansehen, wie Robin Hood im Durchgang erschien, Susanna an sich riss und seine Hand auf ihren Mund presste...

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Jehan:

´Na warte, Gascaut´ dachte Jehan, ´so einfach kommst du mir nicht davon!´ Er hatte einen Verdächtigen hier, der Informationen besaß, und diese galt es aus ihm herauszuholen. „Wie Ihr wollt“, sagte er hart. „Dann werden wir jetzt Euren Herrn aufsuchen, und wir klären die Sache sofort. Ich kann schließlich nicht jeden blonden schmächtigen Mann nur auf Verdacht festnehmen. Ich habe auch noch andere Verpflichtungen.“ ´Ja die kenne ich´ dachte Gascaut. Die kenne ich. „Los jetzt, Abmarsch“ befahl Jehan befehlsgewohnt. Gascaut erhob sich, mürrisch zwar, aber er wusste ja wie es um Godric von Lowdham stand. Wahrscheinlich war er nicht einmal bei Bewusstsein. Die beiden verließen Wolfreds Gasthaus, der ihnen etwas besorgt nachblickte, und schritten durch die nächtlichen Gassen Nottinghams, immer bedacht, dem größten Dreck auszuweichen, der allerorts herumlag und vor sich hin gammelte. Nach kurzer Zeit, in der sie nicht ein Wort sprachen, erreichten sie die Hütte der Mönche, in der auch zu dieser späten Stunde das spärliche Licht einer Kerze brannte. Es sah alles ruhig und friedlich aus, der Duft aus dem Garten war betörend und schwer. Zu einer anderen Zeit hätte man innehalten und dieses Bild des Friedens genießen können. Und irgendetwas störte dieses Bild. Ein erstickter, erschreckter Schrei, der so gar nicht hierher gehörte. Sofort zog Jehan sein Schwert, Gascaut tat es ihm gleich, und sie sahen sich an, waren sich einig, dass hier etwas nicht stimmte. Eben noch Gegner, wurden sie nun zu Kämpfern derselben Seite. Hineinzustürmen wäre gewagt – aber sie hatten keine Wahl. Gascaut, der in diesem Moment nur daran dachte, dass sein Herr dort drinnen ums Leben rang, nickte dem Hauptmann kurz zu, bevor er losstürmte. Er war kaum durch den Eingang, als er mit einem röchelnden Schrei niedergemacht wurde, Jehan folgte ihm auf den Fersen, sprang gewarnt zur rechten Seite, von der der Angriff gekommen war. Er konnte fast nichts sehen, so dunkel war es dort, also hieb er mit dem Schwert auf Verdacht nach dem Angreifer. Aber dieser schien schnell zu sein. Sehr schnell. Er hörte eine Frau aufschreien, und mehrere Gestalten rannten geduckt in den angrenzenden Raum. Jehan war wieder zur Tür hinausgerannt, wäre beinahe über Gascauts Körper gefallen, und blieb vor dem Eingang stehen, fixierte die Fenster und die Tür. Drinnen war es eng und dunkel, gefährlich, und unübersichtlich. „Kommt heraus und ergebt euch!“ rief er herausfordernd, stand kampfbereit, das Schwert in der rechten Hand, angespannt und lauernd. Will Scarlett konnte sich nicht zurückhalten. Er hatte den Hauptmann erkannt, und der löste bei ihm mittlerweile denselben Hass aus wie Gisburne. „Ich bring ihn um!“ zischte er böse und stürmte hinaus. „Will!“ rief Robin ihm hinterdrein, aber da war Scarlett schon draußen, ging auf den Hauptmann los und schon waren die metallenen Kampfgeräusche zu hören. Jehan, obwohl betrunken und angeschlagen, kämpfte wie ein Löwe. Im Schwertkampf schenkte er weder sich, noch dem Gegner etwas. Beide waren mutig, hasserfüllt und verbissen. Der Klang der Schwerter durchschnitt die nächtliche kühle Luft, in der man den dampfenden, heftigen Atem der Kontrahenten ausmachen konnte. Robin sah der Szene bestürzt zu. Dieser Will machte mit seiner Aktion alles zunichte! Es war nur noch eine Frage der Zeit, ehe irgendjemand die Burgwache verständigte, und dann sah es fürwahr finster für sie aus. Noch immer kämpften Scarlet und Jehan grimmig, aber noch immer gab keiner nach, oder wurde es müde. Robin musste eingreifen und es beenden, um Schlimmeres zu verhindern.

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Godric:

Godric hatte nur einen Gedanken. Er musste Susanna retten, diesmal durfte er nicht versagen! Er schob die Decke zur Seite und richtete sich auf. Sofort stachen sich die Schmerzen in seine Brust, doch er biss hart die Zähne zusammen. ‚Stell dich nicht so an!’, schalt er sich selbst ‚Du hast dich lange genug geschont!’ Er konnte kaum atmen, doch die Geräusche, die nun vom Vorraum an sein Ohr drangen trieben ihn zur Eile. Ein Poltern und ein dumpfer Aufschlag war zu hören, dann Susannas entsetzter Schrei. Er hörte eine herausfordernde Stimme, konnte sie jedoch niemandem zuordnen. Kurz darauf setzte das Klirren von Schwertern ein. Godric sah sich verzweifelt nach einer Waffe um. Der Raum war leer. In einer Ecke lag zwar seine Satteltasche, Schwert und Dolch waren jedoch nicht dabei. Sein Blick blieb schließlich an dem schweren schmiedeeisernen Kerzenständer hängen, der auf dem kleinen Tisch unter dem Fenster stand. Er hielt den Atem an und stand auf. Es ging besser als er erwartet hatte. Zwar wurden die Schmerzen mit der Bewegung schlimmer, jedoch blieb er von Schwindelanfällen verschont. Der Anblick Susannas in den gierigen Klauen des Geächteten hielt ihn von jeder Zeitverschwendenden Vorsicht ab. Er packte den Kerzenhalter und schaffte es bis zur halbgeöffneten Tür. Im schemenhaften Dunkel erkannte er im Vorraum eine dunkelhaarige Gestalt, die ihm den Rücken zuwandte und einen Dolch in der angehobenen rechten Hand hielt. ‚Hood!’, schoss es Godric durch den Kopf. Direkt gegenüber stand Susanna an die Wand gepresst, Angst und Erschütterung zeichneten ihr Gesicht. Als sie den jungen Mann in der Tür erblickte riss sie entsetzt die Augen auf. „Godric!“, schrie sie auf, doch es war schon zu spät. Mit verbissener Kraftanstrengung hatte Godric ausgeholt und ließ den massiven Leuchter auf seinen Feind niederfahren. Schwer am Kopf getroffen sank Robin zu Boden und blieb reglos liegen. Godric rang hart nach Luft. Er ließ die Waffe fallen und glitt kraftlos am Türrahmen hinab. Dann fiel sein Blick in die unwirkliche Dämmerung vor dem Haus, in der noch immer ein erbitterter Kampf geführt wurde..

*

Robin:

Mit immer wütenderen Schlägen bedrängte Will seinen Gegner. Jedoch war er nicht so blind, zu glauben, den Kampfeslärm würde niemand hören. Wenn erst die Wachen darauf aufmerksam werden, war es für sie beide zu spät. Er musste es endlich beenden. Aber sein Gegner war nicht so leicht zu besiegen, das war ihm schon nach den ersten, noch von Wut geleitenden, unüberlegten Schlägen bewusst. Aber er musste ihn ausschalten, wenigstens für kurze Zeit. Will machte einen Ausfallschritt nach rechts, deutete einen Schlag an, drehte sich jedoch blitzschnell wieder nach links um die eigene Achse und schlug mit dem Ellenbogen zu. Der Hauptmann reagierte zu langsam auf dieses Ablenkungsmanöver, bekam die volle Wucht des Schlages zu spüren und ging mit einem Seufzer zu Boden, wo er bewusstlos liegen blieb. Für einen kurzen Moment wollte Will ihm einfach das Schwert in den Leib rammen, überlegte es sich jedoch anders und stürmte zurück ins Haus. Wo verdammt noch mal war Robin, fluchte er in Gedanken, als er ihn im Halbdunkeln am Boden liegen sah. "Verdammte Scheiße." brüllte er wütend, sodass die Mönche, die sich kaum zu rühren wagten, zusammenzuckten. Sue kniete neben dem Fremden, der nicht wie vorhin im Bett lag, sondern zusammengekauert und wimmernd am Türrahmen saß. "Verschwindet. Schnell!" flüsterte Sue ihm zu und wandte sich wieder zu dem anderen.

"Robin! Robin verdammt noch mal, komm zu dir." langsam wurde Will nervös, denn die Wachen konnten nicht mehr weit sein. Doch alles was er zur Antwort bekam, war ein Stöhnen. Kurzerhand warf er sich Robin über die Schultern, bedachte Sue noch einmal mit einem kurzen, dankbaren Blick und verschwand in der Dunkelheit.....Gott sei dank war es mittlerweile so dunkel geworden, das Will ungesehen über die freie Fläche vor den Toren Nottinghams gehen konnte. Trotzdem sah er sich immer wieder nervös um. Würden die Soldaten sie entdecken, wäre es aus. Mit Robin auf den Schultern war er lange nicht so schnell, wie er es sich im Moment wünschte. Allmählich konnte er hören, wie ein Tumult hinter den Toren entstand. Also hatte man den Hauptmann entdeckt. Er hoffte, dass dieser Fremde noch nicht wieder so fit war, um die Soldaten auf ihn aufmerksam zu machen. Nur ein paar Minuten, dachte er geschafft. Ein paar Minuten noch, dann waren sie in Sicherheit. Er konnte trotz der Dunkelheit schon den Rand des Sherwood erkennen und das spornte ihn noch mal zu einem letzten Sprint an. Endlich hatte er es geschafft, die ersten Bäume tauchten direkt vor ihm auf. Mehr taumelnd als laufend, stürzte er weiter, um schon einige Meter später einfach zusammenzubrechen und keuchend liegen zu bleiben. Erst jetzt, als er Ruhe hatte, wurde ihm bewusst, wie gefährlich diese Situation eben war. Beinah hätte er sie beide mit seinem unüberlegten Handeln, dem Sheriff direkt in die Arme gespielt. Auf sich selbst wütend, schlug er mit der Stirn auf den Waldboden, als er neben sich ein leises Stöhnen vernahm. „Robin?“ Will erhob sich sofort und beugte sich über ihn. „Was ist passiert?“ murmelte Robin und versuchte sich aufzusetzen, lies sich im selber Moment aber wieder mit einem leisen Stöhnen zurücksinken und griff sich gequält an den Kopf. „Dieser verdammte Normanne!“ fluchte er leise, nachdem nun allmählich die Erinnerungen zurückkamen. „Das war verdammt knapp. Wir sollten von hier verschwinden, bevor sich die Soldaten doch noch hierher wagen.“ Will war aufgestanden und reichte Robin die Hand um ihm zu helfen. Im ersten Moment schwankte dieser, doch das Schwindelgefühl verschwand nach kurzer Zeit und er trottete leise und unverständlich fluchend hinter Will her, der ihr Lager ansteuerte.  

„Verdammt noch mal, wo sind die denn hin?“ Will rannte wütend quer durch das Lager und sah angestrengt in die Dunkelheit. Robin beobachtete ihn missmutig. Er hatte immer noch höllische Kopfschmerzen und war gänzlich nicht in der Stimmung, versteck mit seinen Freunden zu spielen. Noch immer wütend auf sich, aber vor allem auf diesen verdammten Normannen griff er sich an die schmerzende Stelle am Kopf, als er den Pfeil entdeckte. Fragend zog er die Augenbrauen zusammen und ging näher ran. „Was ist?“ fragte Will ungehalten. Die wortkarge Art Robins, trug nicht gerade dazu bei, seine Wut zu dämmen. Einen Moment betrachtete Robin den Pfeil, ohne auf Wills Worte zu antworten. „Wir gehen nach Glenfield.“ Sagte er dann kurz angebunden. „Was? Wieso?“ Hilflos warf Will die Arme in die Luft. „Der Pfeil ist eine Nachricht. Die anderen sind dorthin unterwegs.“ Ergänzte Robin, während er in der Dunkelheit verschwand. Will blieb nichts anderes übrig, als ihm, wenn auch kopfschütteln, zu folgen….

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Gwen:

Das Laufen und die Nacht im Wald taten Berengar sichtlich gut. Der Alte genoss es, Gottes Werke in der natürlichen Kapelle, die die Bäume hoch über seinem Kopf formten mit fröhlichen Liedern zu preisen. Nach und nach erwachten die anderen und seine gute Laune ließ niemanden unberührt und so kaute ein jeder mit einem Lächeln auf einem Stück altbackenem Brot herum bevor sie sich wieder auf den Weg begaben. Es war nicht mehr weit bis Glenfield und bald schon erkannten sie die grauen Gemäuer der Abtei. Wieder war es Jacobus, er die schwere Eichentür auf Tucks Klopfen hin öffnete. In dem alten Mann erkannte er Berengar und mit vor Schreck geweiteten Augen bekreuzigte er sich. „Jacobus, wie geht es ihr?“ fragte Tuck mit sorgenvoller Stimme. Dieser senkte den Blick und schüttelte den Kopf. „Selbst der Wein mit den Kräutern ließ sie nicht zur Ruhe kommen...“ weiter kam er nicht. „Oh ihr Tölpel!“ rief Berengar aus. „Habt ihr es nicht besser von mir gelernt? Bringt mich zu ihr, sofort!“ Seine Worte ließen keine Widerrede zu. Jacobus führte ihn schnellen Schrittes zur Kammer, in der sich Gwen befand. Tuck und John folgten mit betretenen Gesichtern. Taran hingegen lehnte die Hilfe des Stallburschen dankend ab. Er wollte sich selber um die beiden Pferde kümmern. Er hatte ja auch nichts anderes zu tun. Der Verletzten konnte er nicht besser als Berengar helfen und nach dem Geruch von Krankheit und Dahinsiechen war ihm gar nicht zumute. Er wollte lieber die wärmende Sonne genießen und sich ein ruhiges Plätzchen suchen um zu überlegen, welcher Schritt als nächstes unternommen werden musste... Berengar war entsetzt, als er den kleinen Raum betrat. Die stehende Luft raubte ihm fast den Atem. „Alle Heiligen!“ rief er aus. „Die Fensterläden auf! Raus mit dem Wein und diesem... diesem Fraß! Bei Sankt Michael, hier kann niemand gesunden!“ Tuck befolget schweigend seine Anweisungen während der große John zusammengesunken neben Gwen saß; ihre klamme, kraftlose Hand in seiner großen Pranke haltend. Indes wusch sich Berengar die Hände und begann die blutige Rückenwunde zu untersuchen. Er reinigte sie und bestrich sie dann mit einer lindernden Heilsalbe. „was ist aus England geworden?“ fragte er mehr sich selber denn die Anwesenden. „Wer schießt nur auf Frauen...?“ – „Normannische Soldaten.“ erwiderte John bitter und ohne seinen Blick von Gwen abzuwenden. Als nächstes strich Berengar das vom Schweiß feuchte Haar der Frau beiseite. Er wollte sich um die Verletzung auf der Wange kümmern. Mitten in der Bewegung hielt er inne. „Gütiger Gott!“ stieß er hervor als er sie erkannte. „Gwen, Kind...“ flüsterte er und tupfte vorsichtig die Wunde ab. Gwen öffnete die Augen und als sie Berengar sah huschte ein kleines Lächeln über ihr Gesicht. „Vater...es ist gut..Euch...zu sehen.“ Sie schluckt kurz. „Ich muss...mit Euch...reden.“ und wie um ihren Worten mehr Nachdruck zu vermitteln versuchte sie sich aufzurichten. Der alte Mann drückte sie vorsichtig zurück auf die Pritsche. „Später Kind, wir werden später reden. Du musst jetzt erst zu Kräften kommen.“ Mit einem aufmunternden Lächeln nickte er ihr zu und bedeutete dann John und Tuck den Raum mit ihm zu verlassen...

*

Sue:

Susanna stand an die Wand gepresst. Hilflos musste sie mit ansehen, wie Godric in der Tür erschien und Robin mit einem Kerzenleuchter niederschlug. Das konnte doch alles nicht wahr sein. "Was macht denn der Wahnsinnige da?", fragte sie sich, "Will er sich etwa umbringen?" Entsetzt lief Susanna auf den von der Anstrengung zusammengesackten jungen Herrn von Lowdham zu. Sie half ihm auf und verfrachtete ihn zurück in sein Bett. "Hier geblieben!", zischte sie ihn mit funkelnden Augen an. Im nächsten Moment eilte sie auch schon zur Tür hinaus und ließ den vollkommen Entkräfteten allein zurück. Robin lag noch immer niedergestreckt von Godric's Attacke am Boden. Sue beugte sich zu ihm hinunter und schaute wie es ihm ging. Außer der Beule, die langsam an Robin's Kopf wuchs und der Tatsache, dass er momentan außer Gefecht gesetzt war, schien ihm nichts zu fehlen. Mit schaudern dachte sie an die Kopfschmerzen, die er mit Sicherheit haben würde, wenn er später wieder aufwachte. Die Mönche standen wie versteinert in einer Ecke ihrer kleinen Stube und wagten nicht, sich zu bewegen. Vor der Hütte der Mönche lieferten sich Will Scarlet und Jehan of Beaversbrook einen unerbittlichen Kampf. Susanna schrie aus voller Kehle: "Schluss! Aufhören!" aber die beiden Streitenden nahmen sie im Getöse der aufeinander schlagenden Klingen überhaupt nicht wahr. Es war nur eine Frage der Zeit bis die Wachen des Sheriffs wegen des Lärms, der dort tobte, gerufen wurden. Die Nervosität in Susanna stieg bis ins Unerträgliche. Sie hatte kein herzliches Verhältnis zu den Gesetzlosen, aber der Gedanke, dass der Sheriff Robin oder Will in die Finger bekäme behagte ihr ganz und gar nicht. Genau im richtigen Moment schickte Scarlet den Hauptmann mit einem gekonnten Schlag zu Boden. Auf der Suche nach Robin kam er zurück ins Haus, wo Susanna noch immer bei dem Bewusstlosen stand. Will hob seinen Anführer kurzerhand über die Schulter. "Aber ihr wolltet doch wissen, wo Bruder Berengar....." versuchte sie noch zu sagen, aber Will samt Robin waren schon zur Tür hinaus. Ohne zu überlegen lief sie hinterher. Es war zu spät, die Gesetzlosen waren zu schnell, und vom Schloss her kamen Soldaten gelaufen. "Glenfield.....", schrie sie ihnen noch so laut sie konnte hinterher.

"Hoffentlich haben die mich noch gehört", dachte sie resigniert und ging zurück ins Haus. Susanna schlich sich leise in Godric's Zimmer, wo sie bereits von ihm erwartet wurde. "Ihr kennt diese Männer, nicht wahr? Ich meine, nicht nur als Eure 'Geiselnehmer'", sagte er mit ruhiger Stimme. Von der Kraftanstrengung kurz zuvor hatte er sich anscheinend sehr schnell wieder erholt. Sue fühlte sich ertappt und fuhr zusammen. Im nächsten Moment fing sie sich wieder, schaute ihm in die Augen und schenkte ihm ein süßes Lächeln. Dann entgegnete sie mit genau der gleichen Ruhe in ihrer Stimme: "Wie's aussieht, haben wir wohl beide unsere Geheimnisse." Godric erwiderte ihren Blick und lächelte sie vielsagend an.....

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Gwen:

Taran folgte dem Läuten der Glocken, die die Mönche zum Mittagsgebet riefen. Er wollte dem Gottesdienst beiwohnen, glaubte er doch, dass ein Gebet nicht schaden könnte und es gab für ihn nicht viel anderes zu tun während er auf Berengar wartete. Er sorgte sich um den alten Berengar und um Jehan, seinen kleinen Bruder. Er wusste dass es richtig war, ihm die Wahrheit über seine Abstammung gesagt zu haben, auch wenn er nicht wusste, wie Jehan jetzt mit diesem Wissen umgehen würde. Ja, er hatte sich sehr verändert... Doch währen Taran den Liedern lauschte schienen sich seine Sorgen in nichts aufzulösen. Irgendwie wurde hier, in dieser geheiligten Umgebung, alles andere unwichtig und eine wohltuende Ruhe breitete sich in ihm aus. Als die Andacht beendet war sah er Berengar durch den Kreuzgang verschwinden und folgte ihm in den Garten der Abtei. Die beiden Männer standen beieinander und betrachteten die Rosenbüsche.  Der Klang der Glocken hatte Gwen aus einem angenehmen Traum, an den sie sich nicht mehr erinnern konnte, geweckt. Die Sonne streichelte sie durch die geöffneten Fenster. ‚Berengar ist hier’ erinnerte sie sich. Das Brennen im Rücken und auf der Wange hatten dank seiner Behandlung schon nachgelassen. Sie blickte durch die geöffneten Fenster und entdeckte einen gepflegten Garten mit allerlei Kräuterbeeten. Sie wünschte sich nichts sehnlicher, als frisches, grünes Gras unter ihren Füssen zu spüren, zu fühlen dass sie noch lebte. So quälte sie sich unter Schmerzen von der Pritsche, warf ihren Mantel über und begab sich schwankend auf den Weg zum Garten. Much fand sie, als sie, an eine Wand gelehnt, tief atmend eine kurze Pause machte. Er stürzte auf sie zu. „Gwen! Du kannst hier nicht herumlaufen! Berengar sagte du musst dich ausruhen!“ – „Nur einen Moment Much, in den Garten, es wird mir gut tun.“ flüsterte sie schwach und versuchte ein Lächeln. „Gut. Aber nur kurz – und wenn ich dich stützen darf!“ gab der Junge nach. Gwen nickte und bald schon erreichten die beiden den Garten. Berengar war an den schneeweißen Haaren schon von weitem zu erkennen: Er schien mit einem Mann, der ihr den Rücken zu kehrte, im Gespräch versunken. Gwen stolperte weiter zu Berengar. Es war wichtig, das sie mit ihm sprach. Als er den Kopf in ihre Richtung drehte unterbrach er augenblicklich das Gespräch „Gwen!“ rief er entsetzt aus. „Was ist in dich gefahren?“ Als Taran diesen Namen hörte schoss er augenblicklich herum. Als Gwen das Gesicht des jungen Mannes sah blieb sie wie versteinert stehen. „Jehan“ murmelte sie fassungslos. Sie versuchte etwas schneller zu gehen. „Jehan“ wiederholte sie, nun etwas lauter. Sie stieß Much von sich. Alles drehte sich um sie. Dann sah sie die Männer auf sich zu laufen und torkelte weiter. „Jehan! Du bist hier!“ rief sie noch aus, bevor sie zusammensank und Taran sie gerade noch halten konnte. Der sah Berengar nur fragend an. „ Das, das...ist das Gwen...ich meine ist das Gwen of...Hawkney?“ – „Ja Junge, das ist sie. Komm, bringen wir sie zurück“ – „Warum habt Ihr mir nichts gesagt Bruder?“ Taran war aufgebracht und verwirrt, hatten er und Jehan doch angenommen, dass sie Gisburnes Schuss nicht überlebt hatte. „Junge, Taran! Beruhigt Euch doch! Ich ahnte nicht, dass es wichtig für Euch wäre. Kommt jetzt! Tragt sie hinein, hier wird es nicht besser.“ drängte er Taran. Wenig später legten sie Gwen wieder auf die Pritsche. „Geht schon.“ sagte Berengar zu Much und Taran „Ich kühle noch ein wenig ihre Stirn. Dann folge ich euch und wir reden.“ – „Bruder Berengar...“ begann Taran leise „...lasst mich das machen, bitte.“ Berengar nickte, drückte ihm das feuchte Tuch in die Hand und verließ mit Much den Raum. Alleine mit Gwen schaute er sie lange an. „Kleine Gwen...“ murmelte er, als er ihre Stirn abtupfte. „Jehan, Bruder, ich kann deine Unüberlegtheit verstehen...“ Als er sich auf den Weg zu Berengar und den Gesetzlosen machte reifte in ihm der Entschluss Jehan wissen zu lassen, das sie lebte. Nicht sofort, aber bald...

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Jehan:

Als Jehan wieder zu Bewusstsein kam, sah er verschwommen Guy of Gisburne über sich. Es war heller Tag. Ihm war, als hätte jemand eine Axt in seinen Schädel gerammt. Zumindest fühlte es sich so an. Er war nicht fähig, aufzustehen, ohne dass ihm die Sinne wieder schwanden. Ob vom zu vielen Trinken, oder von dem üblen Schlag, konnte man nicht feststellen. "Was war los, Hauptmann?" fragte Gisburne, ohne besonders rücksichtsvoll zu sein. Jehan setzte sich auf, bereute es sofort, und fasste sich an den wehen Kopf. Jemand hatte ihn auf seine Pritsche gelegt. Erst langsam kam die Erinnerung zurück. "Die Gesetzlosen...waren dort..." antwortete er mit brüchiger Stimme. "Ich kämpfte mit diesem verdammten Scarlet...." Plötzlich fiel ihm etwas ein. "Was ist mit diesem Gascaut? Und... Sir Godric of Valnahar?" Gisburne sah ihn misstrauisch an. "Die beiden sind gesund und munter. Mehr oder weniger. Zumindest leben sie noch. Dieser Sir Godric hat Robin Hood niedergeschlagen, und wenn Ihr Euch von diesem Scarlet nicht hättet niedermachen lassen, säßen die beiden nun hinter Schloss und Riegel!" "Das war nicht meine Schuld!" verteidigte sich Jehan. "Wessen sonst?" gab Gisburne zurück. "Es lag an Euch, diese Gesetzlosen zu verhaften, Hauptmann!" Jehan warf ihm einen hasserfüllten Blick zu. Wenn Gisburne ohnehin schon alles wusste, warum befragte er ihn dann noch? "Bruder Berengar wurde aus den Verliesen befreit", verkündete der blonde Haushofmeister. "Was wisst Ihr darüber?" ´Alles´, dachte Jehan. Stattdessen sagte er: "Was? Wann?" "In der vorigen Nacht. Alric hatte Wache." "Alric.." "Ich nehme an, dies geht auf das Konto von Robin Hood." Jehan nickte mühsam. Ja, es war gut, Gisburne in diesem Glauben zu lassen. "Nun, wie dem auch sei," begann dieser, "ich werde nun dem Sheriff Bericht erstatten. Ihr werdet heute Abend die Nachtwache übernehmen, Beaversbrook!" Gisburne verzog die Mundwinkel zu einem winzigen hämischen Lächeln, ehe er sich umwandte und den Raum verließ. Jehan sank zurück auf die Pritsche. Er wollte nur seine Ruhe haben und war froh, dass er nicht selbst vor Robert de Rainault hintreten musste. Fast augenblicklich fiel er in einen komatösen, tiefen und erlösenden Schlaf.

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Robin:

Die Sonne war schon aufgegangen und schickte ihre wärmenden Strahlen auf die Wälder und Wiesen um sie herum, als Will und Robin die Abtei von Glenfield erreichten. Der Weg hierher war schweigend verlaufen. Jeder hing seinen Gedanken nach. Will konnte sich zeitweise ein boshaftes Grinsen nicht verkneifen, wenn er daran dachte, das dieser Hauptmann jetzt wahrscheinlich ziemlichen Ärger bekommen würde. Hatte er doch die schon festgesetzt geglaubten Gesetzlosen wieder mal davon kommen lassen. Robins Gedanken waren eher, auch um dem höllischen Schmerz in seinem Hinterkopf zu entgegnen, zu Gwen gewandert. Wie mag es ihr wohl gehen? Hatten John und die anderen Bruder Berengar gefunden? Will hatte sich irgendwann schwach daran erinnert, das diese Lady im Haus ihnen etwas mit Glenfield hinterher gerufen hatte. Er hoffte das es so war, denn sonst hätte Gwen wohl kaum eine Chance - und das würde dieser junge Hauptmann bereuen, dachte er mit grimmigem Gesicht und klopfte fordernd an die Eingangstür. Derselbe Mönch öffnete ihnen und trat sofort erschrocken beiseite, als Robin sich rücksichtslos an ihm vorbeidrängeln wollte. Er war gänzlich nicht in der Stimmung, freundliche Begrüßungsfloskeln loszuwerden. Zielstrebig steuerte er den Raum an, in dem Gwen lag. "Robin." Much und John standen vor der Tür und unterhielten sich leise, als sie ihn sahen. "Was ist passiert?" John musterte einen nach dem anderen. Das die beiden arg mitgenommen aussahen, war bei Gott nicht zu leugnen. "Später! - Was ist mit Gwen? Wie geht es ihr?" John begann zu erzählen, von dem Treffen im Wald mit Bruder Berengar und dem Entschluss, sofort zurück nach Glenfield zu gehen. In dem Moment öffnete sich die Tür zu Gwens Zimmer. Ohne weiter über das Unmögliche dieser Situation nachzudenken, zog Robin blitzschnell sein Schwert und ging auf den vermeintlichen Jehan los.... Johns Schrei, "Robin, nein!" hörte er zu spät.....

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Godric:

Es verstrichen einige Tage, in denen eine ungewohnte behäbige Ruhe in Nottingham einkehrte. Es bot sich fast ein friedliches Bild in der Stadt, das höchstens hin und wieder von ein paar raufenden Säufern oder in Streit geratenen Marktschreiern durchbrochen wurde. Gleichwohl konnte man nie wissen, was sich hinter den Mauern von Nottingham Castle abspielte, ob die Ruhe nur der unheimliche Vorbote eines plötzlich hereinbrechenden Sturmes war.

Godric nutzte die Zeit, um sich zu erholen und zu genesen. Mit jedem Tag wurde er belebter und kräftiger und bald hielt es ihn kaum noch auf seinem Krankenlager. Jeon Gascaut war nach Lowdham zurückgekehrt. Auf den weisen und verlässlichen Rat seines Freundes musste er nun verzichten und nur die Ruhe auf dem Anwesen konnte dagegen einen Ausgleich schaffen. Außerdem musste er abwägen, wie weit er sich in die Aufklärung des Mordes verwickeln durfte. Die Zeit der munteren Trinkabende im Alehaus war vorbei, doch Jeon war überzeugt, daß sein Gedächtnis ihn nicht trog. Er wusste, daß er sich nur schlecht verstellen konnte, und dem Hauptmann war sicher nicht entgangen, daß er ihm noch mehr hätte sagen können. Als er mehrere Tage später nach Nottingham zurückkehrte war sein Blick verschlossen und hart, eine bedrückte Müdigkeit zeichnete sein Gesicht. Godric hatte beschlossen seiner Bettlägerigkeit endgültig ein Ende zu bereiten, und die Mönche hatten nach einer letzten eingehenden Untersuchung ihre Zustimmung gegeben. Der junge Mann war gerade dabei, sich den Gürtel mit dem Schwert umzuschnallen, als Jeon den Raum betrat. „Mylord“, begann er mit niedergedrückter Stimme, „Ich bringe Nachricht aus Lowdham. Es geht um Euren Schwager.“ Godric warf ihm einen kurzen Blick zu. Er war viel zu beschäftigt, um die Miene des Mannes gleich richtig zu deuten. „Was ist mit ihm?“, fragte er. Es fiel Jeon nicht leicht zu antworten, doch es war seine Pflicht, und so erwiderte er: „Die Wunde hatte sich schwer entzündet, Mylord. Merric up Ruthin ist in der vergangenen Nacht gestorben.“ Godric sah ihm aufgeschreckt ins Gesicht. Im letzten Moment hielt er den Gürtel fest, bevor das Schwert zu Boden gescheppert wäre. „Tot?“, stieß er hervor. Gascaut behielt ihn ruhig aber genau im Auge. Er nickte. Godric wandte langsam den Blick ab. In den vergangenen Tagen war er mit seinen Gedanken bereits viel weiter geschweift und hatte dabei das Schicksal seines Verwandten beinahe vergessen. Diese Nachricht kam unerwartet, und er war sich nicht schlüssig, wie er darauf reagieren sollte. Vor nicht allzu langer Zeit hatte er Merric ins Höllenfeuer gewünscht, und dennoch, die Nachricht von seinem Ableben erschütterte und verwirrte ihn. „Ich muss ihn sehen.“, sagte er entschieden zu dem Normannen, der geduldig an der Tür wartete. Mit einer raschen Bewegung schnallte er den Gürtel fest und eilte hinaus. Sein brauner Hengst war unter einem kleinen Verschlag neben dem Haus angebunden. Er drehte aufmerksam die Ohren, als sein Herr nach der langen Pause nun mit plötzlichem Elan näher trat. Godric sattelte das Pferd selbst. „Soll ich Euch begleiten, Mylord?“, fragte der Verwalter. „Nein, Ihr bleibt hier. Ich werde nicht lange fort sein.“, Somit schwang er sich in den Sattel und ließ sein Pferd, das froh über die lange ausgebliebene Bewegung war, aus der Stadt galoppieren. Jeon sah ihm eine Weile hinterher, dann kehrte er sich ab und machte sich langsam auf den Weg zum Alehaus, um endlich das Gespräch mit Wolfred fortzusetzen.

Als Godric mittags zurückkehrte war er still und in sich gekehrt. Der Anblick seines verstorbenen Schwagers war kein schöner gewesen. Er hatte ihn ernüchtert. Entschlossen aber ohne Eile betrat er die kleine Krankenstube und begann, seine wenigen Habseligkeiten in den Satteltaschen zu verstauen. Als er fast fertig war erschien Susanna in der Tür und blieb zögernd stehen. „Ihr wollt fort?“, fragte sie, und konnte den unwillkürlichen Schreck in ihren Augen nicht verbergen. Godric unterbrach seine Arbeit und sah ihr einen Moment schweigend entgegen. So ernst hatte sie ihn noch nie gesehen. „Mein Schwager Merric ist gestorben.“, sagte er, „Ich muss nach Wales, um die Nachricht meiner Schwester zu überbringen.“

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Sue:

Susanna stand im Türrahmen und schaute Godric fassungslos an. "Das tut mir leid für Eure Familie - besonders für Eure Schwester", war alles, was sie in diesem Moment hervorbrachte. Eine unglaubliche Traurigkeit stieg in ihr auf, aber der tote Schwager des jungen Mannes war nicht allein der Grund. Sie biss die Zähne zusammen und versuchte wenigstens einmal ihre Gefühle unter Kontrolle zu behalten - für die temperamentvolle junge Frau eine schier unglaubliche Anstrengung. "Nun.....dann solltet Ihr keine Zeit verschwenden", sagte sie. Der Augenblick, den sie seit Tagen fürchtete, schien jetzt gekommen zu sein. "Ich wünsche Euch eine gute Reise und gebt auf Euch Acht." Ihre Stimme wirkte ungewöhnlich kühl, aber ihre Augen verrieten etwas anderes. Sie schenkte ihm noch ein flüchtiges Lächeln und bevor Godric noch etwas erwidern konnte verließ sie den Raum. Vor der Tür hielt sie einen Moment lang inne und versuchte die Tränen, die ihr langsam in die Augen stiegen, zu unterdrücken. Sie wusste, dass es leichtsinnig war, sich zu sehr an diesen Mann zu gewöhnen, und das hatte sie nun davon. Der Gedanke, ihn nie wieder zu sehen, brach ihr fast das Herz, deshalb wollte sie den Abschied auch lieber so kurz wie möglich gestalten. Susanna brauchte jetzt frische Luft und verließ das Haus.....

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Godric:

Jeon saß bis zur Mittagsstunde im Alehaus und sprach mit Wolfred, so lange der Wirt Zeit erübrigen konnte. Sie hatten gemeinsame Erinnerungen ausgetauscht und eine Weile über Lynch gesprochen, von dessen Tod sie nun beide wussten. „Was wolltest du eigentlich von dem Hauptmann?“, fragte Wolfred schließlich mit unverholener Neugier, „Ihr hattet es neulich ziemlich eilig, und seitdem habe ich nichts von dir gehört!“ Jeon schüttelte langsam den Kopf. Er hatte Wolfred verschwiegen, daß Lynch ermordet worden war. Der Mann würde nur unnötig Gerüchte in die Welt setzen, und das würde unweigerlich die Suche nach dem Mörder behindern. „Das war nichts weiter.“, sagte er deshalb, „Ich wollte mich nur informieren, was sich in der Stadt getan hat, seitdem ich nicht mehr allzu oft hier bin.“

„Das solltest du ändern.“, warf der Wirt munter ein, „Wir können die alte Runde wieder aufleben lassen, auch ohne den griesgrämigen Lynch, Gott sei seiner Seele gnädig.“ „Ich werde darüber nachdenken.“, entgegnete Jeon schwunglos, „Dabei fällt mir ein – erinnerst du dich an den Namen des vierten Mannes? Den hellhaarigen, du weißt, wen ich meine.“ „Jaja“, entgegnete Wolfred sofort und kratzte sich nachdenklich über den Stoppelbart, „Aber der Name – jetzt wo du mich fragst - hat er uns überhaupt seinen Namen genannt?“ Jeon sah ihn wachsam an. „Warum sollte er ihn verschweigen?“ Der Wirt schüttelte schließlich aufgebend den Kopf. „Ich weiß es nicht, Jeon. Bei mir gehen die Leute aus und ein, ich habe keinen Sinn, mir die Namen alle zu merken.“ Der Normanne ließ es darauf beruhen. Er trank sein Ale aus, und kurz darauf verabschiedete er sich, um zum Haus der Mönche zurück zu gehen und die Rückkehr seines Herrn zu erwarten.

Susanna hatte nur wenige Worte verloren, sich dann plötzlich abgewandt und das Haus verlassen. Godric legte die gepackten Satteltaschen auf dem Bett ab. Er konnte den Ritt nicht aufschieben. Je eher er in Wales war desto besser. Er wollte nicht mit König Richard und dessen Männern zusammentreffen. Doch auf diese Art und Weise wollte er Susanna, der er so viel verdankte, nicht zurücklassen. Er trat vor das Haus, sah sich nach ihr um und spähte die schmale Gasse hinauf, doch er konnte sie nirgends erblicken. Als er resigniert zum Haus zurückkehrte kam ihm sein Verwalter entgegen, der ihm noch immer mit verschlossener und unnahbarer Miene begegnete. „Was habt Ihr jetzt vor, Mylord?“, wollte er wissen. „Ich reite nach Ruthin.“, sagte Godric ohne Umschweife, „Und Euch bitte ich, mit wachem Auge in Lowdham zu walten, bis ich zurückkehre. Kümmert Euch darum, daß Merric eine ehrenhafte Bestattung erhält.“ Gascaut versicherte ihm respektvoll aber wortkarg die Erfüllung seiner Aufträge und brach auf. Er war nur zufrieden, daß er die Stadt wieder verlassen konnte. Godric drehte sich um, und endlich entdeckte er Susanna. Sie stand im Kräutergarten und hatte ihm den Rücken zugewandt. Ihre Finger strichen sanft über die dünnen Zweige des kleinen Apfelbaumes, den die Mönche erst im vergangenen Herbst gepflanzt hatten. Nun trug er bereits dicke Knospen, die sehnlich die erste Frühlingswärme erwarteten. Sie hörte Godric nicht kommen und drehte sich erschreckt um, als er sie beim Namen nannte. Erstaunt bemerkte er, daß sie geweint hatte. „Susanna“, hob er nochmals an, doch sie unterbrach ihn. „Sagt nichts!“, sprach sie mit leiser Stimme. „Ihr solltet aufbrechen, bevor es dunkel wird.“, sie hob ein kleines eingewickeltes Bündel in ihren Händen, „Nehmt dies mit Euch. Es hat Euch schon einmal das Leben gerettet.“ Godric warf einen kurzen Blick darauf. „Was ist das?“ „Es ist das Buch, das Ihr unter Eurem Gewand getragen habt. Es hat den Stoß des Pfeils gelindert.“ Sie schlug die Augen nieder. Er sollte endlich gehen, bevor sie ihre Gefühle nicht mehr zurückhalten konnte. Doch Godric machte keine Anstalten. Er nahm ihre Hände und zog sie vorsichtig zu sich heran. „Ihr habt mir das Leben gerettet, Susanna.“, sprach er ebenso leise, „Ich werde niemals vergessen, was Ihr für mich getan habt. Wir werden bald mehr Zeit füreinander haben, sodenn Ihr es wünscht und auf meine Rückkehr warten wollt.“, sein Blick verfing sich in dem unergründlichen tiefgrün ihrer Augen und wollte ihn nicht mehr loslassen. „Ich werde auf Euch warten.“, erwiderte sie, bemüht das Zittern in ihrer Stimme zu unterdrücken.„Geht jetzt, ich bitte Euch, macht es mir nicht noch schwerer!“ Godric trat zurück und nahm das Bündel aus ihren Händen entgegen. „Lebt wohl.“, sagte er. Dann riss er sich endlich los, drehte sich um und verließ schnellen Schrittes den Garten. Er verabschiedete sich von den Mönchen und holte die Satteltaschen aus dem kleinen Zimmer. Als er wieder hinaus trat holte er tief Luft. Der Aufenthalt in Wales würde nicht einfach sein. Er brauchte viele gute Worte für seine Schwester, und unweigerlich würde er den Leuten seines verlorenen Landes wieder begegnen. Doch es gab hier einen Menschen, der auf ihn wartete, und das gab ihm Mut und Zuversicht. Während er sein Pferd mit den Packtaschen und einer Decke belud kam Hauptmann Jehan die Straße hinunter. Es ging ihm wieder gut, die stillen Tage hatten ihre Wirkung getan, und nun wollte er dort fortfahren, wo das üble Schicksal ihm dazwischen gefallen war, er wollte von Godric den Dienst des Verwalters erbitten. Er beobachtete eine Weile das Treiben des jungen Lords, dann schlenderte er langsam näher und ergriff das Wort. „Ihr wollt verreisen, Sir Godric?“ Der junge Mann sah ihm offen entgegen. „So ist es, Hauptmann, ich muss für einige Zeit nach Wales.“, er musterte seinen Gegenüber kurz und fuhr fort: „Sicher seid Ihr wegen Jeon hier, nicht wahr? Er sprach davon. Aber das muss leider aufgeschoben werden. Ich habe ihn nach Lowdham geschickt, dort wird er jetzt dringender benötigt.“ Godric wollte sich nicht länger aufhalten. Er stieg in den Sattel und griff die Zügel auf. Bevor Jehan Einwände erheben konnte sagte er: „Das war übrigens ein guter Kampf, Hauptmann. Schade, daß Ihr ihn verloren habt.“ Der Soldat starrte ihn verblüfft an. Das hatte er nicht erwartet. Godric hob kurz die Hand zum Gruß. “Talcen Caled, Hauptmann Jehan!”, sagte er zum Abschied, lenkte seinen Hengst herum und verließ die Stadt Nottingham. Im lauen Licht der Nachmittagssonne ritt er nach Westen, um bald die walisische Grenze zu erreichen.

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Taran:

Taran, der eben Gwens Zimmer verlassen wollte, wich bei Robins Angriff erschrocken zurück in das Zimmer. Robin, der den Überraschungseffekt auf seiner Seite hatte, war blitzschnell hinterher. Im Zurückweichen stolperte Taran über einen hinter ihm stehenden Schemel, strauchelte und fiel rückwärts. Mit einem Satz war Robin bei ihm. Taran, versuchte die Klinge des Schwertes im Auge zu behalten, und trat gleichzeitig Robin mit voller Wucht gegen das linke Knie. Robin, durch den vorhergehenden Kampf noch geschwächt, kam aus dem Gleichgewicht, und verlor dabei das Schwert. Mit lautem Klirren flog es gegen die Wand. Im nächsten Moment waren beide Kontrahenten in einen Ringkampf am Boden verwickelt. Jetzt waren Much und John zur Stelle. Auch Bruder Berengar kam gelaufen. John versuchte die beiden Kämpfenden zu trennen, indem er versuchte Robin von Taran wegzuziehen. Berengar war mittlerweile bei Taran und hielt diesen fest. Robin, immer noch fest im Glauben, es handle sich bei dem Gegner um Hauptmann Jehan, war kaum von John zu bändigen. Und auch Taran, der einen Faustschlag von Robin ins Gesicht erhalten hatte, war schwer zu beruhigen. Robin, dem immer noch der Schädel brummte, kam nun jedoch langsam wieder zu sich. Er schaute sich seinen Gegner jetzt genauer an, und stellte fest, dass es sich nicht um den Hauptmann handelte, sondern um einen Mann, der ihm nur sehr ähnlich sah. Taran, der jetzt auch wieder gefasst hatte, fragte Robin sarkastisch: “Greift ihr immer unbewaffnete Leute an?“ Er wischte sich mit dem Ärmel das Blut weg, das aus seiner Nase tropfte. In diesem Moment stöhnte Gwen gequält auf. Plötzlich war der Kampf vergessen, und alle Augen richteten sich auf Gwen, die versuchte sich von ihrem Lager zu erheben.

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Sue:

Susanna wartete nicht ab bis Godric außer Sichtweite war sondern ging sofort zurück ins Haus. Sie konnte ihm einfach nicht nachschauen. Drinnen ließ sie sich langsam an der Wand entlang zu Boden gleiten, verschränkte ihre Arme um ihre Knie, senkte den Kopf und begann bitterlich zu weinen. Bruder Ranulf und Bruder Geraldus eilten zu ihr und redeten auf sie ein, sich hinzulegen und erst einmal in Ruhe auszuschlafen. Seit sie in Leicester aufgebrochen war, hatte sie kaum Ruhe gefunden - geschweige denn geschlafen. Ihre letzten Kräfte hatte sie aufgebraucht, als Godric sich von ihr verabschiedete. Jetzt konnte sie nicht mehr. Die Mönche halfen ihr auf und führten sie in die kleine Kammer, in der sie in den letzten Tagen soviel Zeit verbracht hatte. Behutsam legten sie sie auf dem Bett ab und Susanna weinte sich in einen tiefen Schlaf. Erst am nächsten Morgen erwachte sie wieder, aber sie fühlte sich ein wenig besser. "Wollt Ihr jetzt nach Hause aufbrechen, Mylady?" fragte Bruder Ranulf mit bekümmerter Miene als die junge Lady anfing, ihre Habseligkeiten zusammenzusuchen. "Nein, Bruder, ich werde nicht zurück nach Leicester reiten - noch nicht. Wenn die Wachen meines Vaters gleich ihren obligatorischen Besuch abstatten, um zu sehen, wie's mir geht, sagt Ihnen bitte, dass sie heimkehren mögen; sie werden dort sicherlich dringender gebraucht." Lord William schickte seiner Tochter gleich nach seiner Ankunft in Leicester 4 seiner Soldaten zum Schutz, die in einem Gasthaus am Ende der kleinen Gasse logierten. Nun war es Bruder Geraldus, der das Wort ergriff: "Was habt Ihr denn nun vor? Und was sagen wir Sir Godric, wenn er wieder zurückkehrt?" "Ich gehe nach Glenfield.....in die Abtei.....ein Bruder meines Vaters führt dort das Leben eines Mönches. Dort werde ich sicherlich für einige Zeit bleiben können. Zumindest so lange bis ich weiß, was ich mit meinem Leben anfangen will". sagte Susanna mit heiserer Stimme. "Aber Sir Godric.....", warf der Mönch ein. "Wenn er mich wirklich will, wird er mich dort finden", fiel ihm die junge Lady ins Wort und verließ das Haus, um ihren schwarzen Hengst, den ihr Vater ihr gemeinsam mit den Soldaten geschickt hatte, zu satteln. Sie lud alles auf und bedankte sich herzlich bei den beiden Mönchen, dann schwang sie sich in den Sattel, und ohne sich noch einmal umzuschauen ritt sie in Richtung Glenfield davon.....

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Gwen:

Die Kampfgeräusche ließen Gwen aufschrecken. „Nein!“ schrie sie unter Aufbringung aller Kräfte aus, als sie im Gesicht ihres Jehan Blut sah. „Hört auf...bitte...“ fügte sie mit matter Stimme hinzu bevor sie wieder zurück sank. Robin und Taran starrten sie an. Es war Taran, der als erster reagierte. „Berengar! Schnell!“ rief er den Umstehenden zu, dann beugte er sich zu Gwen hinunter um sie zu beruhigen. Sanft drückte er ihre Hand und strich ihr vorsichtig das Haar aus dem Gesicht. „Ruhig Gwen.“ flüsterte er ihr mit sanfter Stimme zu. „Es ist nicht passiert Kleines.“ Sie sah ihn mit glasigen Augen an „Jehan...“ und während sie diesen Namen hauchte entspannten sich ihre Gesichtszüge merklich. „Gwen...ich bin...“ Taran formte die Worte vorsichtig und wurde nur durch das Erscheinen Berengars unterbrochen. „Jehan of Beaversbrook!“ rief er ungewöhnlich scharf aus „Verschwindet aus diesem Raum! Und nehmt diesen Raufbold mit!“ und deutete damit auf Robin, der die Geschehnisse unbewegt beobachtete. Er betrachte Gwen und diesen Normannen und wie vom Blitz getroffen fiel es ihm ein: ‚Gwen, eine Angelsächsin, liebt... diesen... Jehan... einen...normannischen Hauptmann...‘ - Langsam wurde ihm so einiges klar. „...ich bin... ich bin... hier Gwen, mach dir keine Sorgen.“ beendete Taran unsicher den gerade unterbrochenen Satz und blickte Berengar an. Dieser nickte zustimmen. „Junger Beaversbrook, wir reden später. Jetzt geht.“

Taran blickte Gwen traurig an „Arme kleine Gwen.“ flüsterte er „Wenn ich nur wüsste wie ich dir helfen könnte...und meinem...Bruder.“ Er wandte sich ab und zog im Hinausgehen Robin mit sich mit. Berengar folgte ihnen wenig später „Wenn ihr sie umbringen wollt: nur weiter so...alle beide!“ fuhr er die beiden Männer an und ging schnellen Schrittes von dannen. Robin aber starrte auf den Unbekannten, der jeden hier nur zu sehr an Jehan Beeches of Beaversbrook erinnerte.

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Jehan:

Das späte Frühjahr drängte dieser Tage mit aller Macht ins Shire. Die erstarkte Sonne lies die grüne Vielfalt sich allerorts ausbreiten, gebar neues Leben und zog das lang ersehnte Erwachen der Natur hinter sich her wie ein Gaukler sein Publikum. Die Gesichter der Menschen schienen nun entspannter und freundlicher, obgleich die Arbeit sich nun vervielfachte. Kleine Kinder rannten lärmend umher, in junge Spiele vertieft, während die Erwachsenen sich ganz anderen Frühlingsgefühlen hingaben. In einer Woche sollte der große jährliche Frühlingsjahrmarkt in Nottingham stattfinden, und die Vorbereitungen nahmen alle Zeit und Hände in Anspruch. Die Soldaten wurden seit Stunden auf dem Übungsplatz geschliffen. Gisburne war in seinem Element. Das Klirren der Schwerter erfüllte die Luft. Musik in den Ohren des Haushofmeisters. Robert de Rainault stand am offenen Fenster und sah seinen Männern zufrieden zu. Weiter unten trainierten die Falkner die edlen Greifvögel für die Jagd. De Rainault juckte es schon seit längerem, wieder einmal der Waidkunst zu frönen. Er würde dies nach dem Jahrmarkt tun, nahm er sich vor. Vorher würde Gisburne allen säumigen Schuldnern einen Besuch abstatten und seine Geldtruhen wieder füllen. Nun würde er hart durchgreifen lassen. Jeder der nicht zahlte, würde im Turm oder am Pranger landen. Er könnte mit der einen oder anderen öffentlichen Schaustellung die Bürger bei Laune halten. Alleine die Vorstellung trieb ihm ein bösartiges Grinsen ins Gesicht. Außerdem könnte er wieder einen Bogenschützenwettbewerb veranstalten…

Jehan ritt gerade vom Übungsplatz, lenkte den verschwitzten Falben in Richtung des Stalles. Da lief ihm Ciara über den Weg, die dunkelhaarige Küchenmagd. Sie trug einen Korb mit duftenden Brotlaibern vom Bäcker zur Küche hinüber. Ihre schlanke Gestalt bewegte sich trotz der Last anmutig. Sie zählte erst 17 Lenze, war vom Land in die Stadt gekommen, in der Hoffung, nach einem Jahr und einem Tag eine „Freie“ zu werden. Die dunklen Haare und Augen verrieten ihre walisischen Ahnen, obgleich bereits ihr Großvater nicht mehr in Wales gelebt, sondern harte Frondienste unter einem normannischen Herrn hatte verrichten müssen. Ciara entdeckte den Hauptmann ebenfalls, und schenkte ihm ein breites Lächeln. Trotz ihres jungen Alters hatte sie schon vielerlei Erfahrungen mit Männern sammeln müssen, die ihr mageres Gehalt etwas aufbesserten. Jehan lenkte das Pferd in ihren Weg, und sie musste stehen bleiben. „Hallo, schönes Kind“, sagte der Hauptmann, während er sich hinabbeugte und einen Brotlaib aus dem Korb nahm. „Das Brot müsst Ihr bezahlen!“ forderte Ciara, während sie nach oben blinzelte. Ihre dunklen Augen blitzten. „Ich komme nachher vorbei und hole das nach“ entgegnete Jehan, während er das Mädchen nicht aus den Augen ließ. Sie wussten beide was er meinte. Er war in letzter Zeit nicht mehr bei ihr gewesen, seit Gwen tot war, aber davon hatte sie keine Ahnung. „Und wann heiratet Ihr mich?“ fragte sie keck. „Du willst die Frau eines Soldaten werden, Mädchen?“ fragte er dagegen. „Ihr seid nicht besser oder schlechter als die anderen Soldaten hier“ gab sie schlagfertig zurück. „Und du solltest dir lieber einen Handwerker erwählen.“ Seine Bemerkung kränkte sie. Eine von ihrem Stand und ein ehrbarer Handwerker? Wie stellte er sich das vor? Ihre Aussichten waren so schon schlecht genug. Aber mit einem Ehemann wäre sie wenigstens kein Freiwild mehr. „Ich bin gesund und kräftig! Ich könnte Euch viele Söhne schenken. Was wollt Ihr noch mehr?“ Mutige Worte für eine Frau! Ciara hatte eine sehr direkte walisische Art, die Dinge anzugehen. Der Funke eines unterdrückten Feuers glimmte für einen Moment in Jehans Augen. „Du kannst einen Mann tatsächlich zum Nachdenken bringen“, sagte er lang gezogen. „Aber ich hasse Kinder!“ fügte er dann wenig freundlich hinzu. Ciara rümpfte empört die Nase. Sie würde ihn schon noch überzeugen, das wäre doch gelacht! Bisher hatte sie noch jeden um den Finger gewickelt, und Männer waren doch alle gleich. Siegesgewiss packte sie den Korb fester. „Ihr habt mich ohnehin lange nicht mehr besucht“, stellte sie fest. „Wenn Ihr nachher kommt, erwarte ich eine freundlichere Antwort! Sonst wird das nichts. Und jetzt lasst mich durch.“ Sie warf ihre dunklen Haare zurück, ließ dabei ganz nebenbei ihre weiblichen Reize zur Geltung kommen und sah ihn herausfordernd an. Jehan musste nun doch unwillkürlich lächeln, dann richtete er das Pferd zurück und machte ihr so Platz. Diese Ciara konnte einem Mann wie ihm schon gefährlich werden, fürwahr.

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Robin:

"Wer seid ihr? Was wollt ihr hier?" immer noch misstrauisch musterte Robin den Fremden. "Sein Name ist Taran. Der Bruder dieses Hauptmanns." antwortet Tuck an seiner Stelle. "Er hat Bruder Berengar aus den Verliesen des Sheriffs gerettet. Sie sind uns im Wald direkt über die Füße gestolpert. Wir mussten ihn mitnehmen, bevor..." "Ich werde euch keine Schwierigkeiten machen." unterbrach Taran. Und mit einem bösen Seitenblick auf Robin fügte er hinzu. "Zumindest vorerst nicht.....Das bin ich Gwen und meinem Bruder schuldig." Mit diesen Worten ging er davon. Robin schickte ihm einen gemurmelten Fluch hinterher und wandte sich dann ab, um Bruder Berengar zu folgen.

"Verzeiht Bruder Berengar...ich...ich hielt ihn...!" "Ich weiß für wen ihr ihn hieltet.....Robin Hood." unterbrach er Robin. "Ihr seid doch Robin Hood, nicht wahr? Trotz der Haft in des Sheriffs Verliesen ist mir viel von Euch zu Ohren gekommen. Eure draufgängerische Art inbegriffen." Berengar maß ihn mit einem langen und forschenden Blick. "Nun, sei es drum. Mein guter, alter Freund Tuck hält sehr viel von euch Robin und ich kann mich der Erkenntnis nicht entziehen, das eure Taten zum Wohle des armen, geknechteten Volkes in aller Munde sind. Ihr seid ein bemerkenswerter Mann, Robin Hood. Wenn auch etwas hitzköpfig." Jetzt lächelte er milde, legte sanft seine Hand auf Robins Schultern und redete leise weiter. "Ich werde mich um Gwen kümmern, bis es ihr wieder gut geht. Was euch und eure Mannen angeht, ihr solltet in den Sherwood zurückkehren. Mir ist zu Ohren gekommen, dass der Sheriff plant, das Volk noch mehr auszunehmen und die Strafen für die Verweigerer zu erhöhen. Ihr werdet dort mehr gebraucht, als hier. Gott beschütze Euch!" Mit diesen Worten verließ er den Raum und machte sich wieder auf den Weg zu Gwens Krankenlager.

In Gedanken versunken sah Robin ihm nach. Berengar hatte Recht. Sie sollten hier verschwinden. Der Sheriff würde bald wieder Geld eintreiben lassen und sie mussten helfen, wo sie konnten. Für Gwen konnte, außer Berengar, sowieso niemand etwas tun. Dabei fiel sein Blick auf Taran, der sich in einer Ecke niedergelassen hatte und sehr nachdenklich wirkte. Wer war dieser Mann? Dachte Robin. Warum hat er Bruder Berengar geholfen und warum half er jetzt ihnen? Schließlich steht sein Bruder beim Sheriff von Nottingham im Sold und wer würde da nicht, schon alleine des Kopfgeldes wegen, ihn, Robin Hood, vor den Sheriff schleifen, wenn man ihm schon so nah war. Außerdem könnte er die Stellung und das Ansehen seines Bruders in großem Maße verbessern. Langsam ging er auf ihn zu. "Warum tut ihr das?" fragte er Taran leise und in bewusst friedlichem Ton. Taran hob den Kopf und sah Robin für einen Moment misstrauisch in die Augen. Als er jedoch nichts von der noch vorhin spürbaren Feindseligkeit darin lesen konnte, lächelte er. "Warum tut ihr das?" entgegnete er und unterstrich seine Gegenfrage mit einer ausschweifenden Armbewegung. "Wie meint ihr das?" verdutzt sah Robin sein Gegenüber an. "Seht, Robin, auch ich bin in diesem Land aufgewachsen - Habe es erblühen sehen. Aber ich sah auch die Ungerechtigkeit, die Englands Volk durch die Herrschaft der Normannen zu teil geworden ist." Einen Moment sah er versonnen auf den Boden, bevor er weitersprach. "Entgegen dem Willen meines Vaters ging ich in die Kirche um so wie Bruder Berengar zu werden. Ich sah die Ungerechtigkeit, war aber nicht bereit, dagegen zu kämpfen. Vielleicht weil ich die Sinnlosigkeit dieses Unternehmens sah. Was konnte ich, ein einzelnen Mann, schon tun?" Wieder hielt er einen Moment inne und sah Robin schweigend an. "Ihr habt mich eines besseren belehrt. Allein die Hoffnung, die ihr dem armen Volk gebt, ist mehr, als man je mit einem Schwert und Geld erreichen kann." "Warum schließt Ihr euch uns nicht an?" warf Robin leise dazwischen. "Das kann ich nicht. Soll ich mein eigen Fleisch und Blut bekämpfen? Nein, Robin. Aber seit Gewiss, ich werde euch nicht im Wege stehen." Damit erhob er sich, nickte Robin noch mal lächelnd zu und ging davon. Eine Weile sah Robin ihm erstaunt nach. Dann erhob er sich, gab die Anweisung zum Aufbruch und ging ein letztes Mal zu Gwen um sich zu verabschieden. Vorsichtig drückte er ihre Hand und rief leise ihren Namen, bis sie langsam die Augen öffnete. Ein leichtes Lächeln huschte über ihr Gesicht, als sie ihn erkannte. "Gwen, Bruder Berengar wird sich um dich kümmern, bis es dir wieder besser geht. Wir werden in den Sherwood zurückgehen. Der Sheriff vermisst uns sicher schon." er lächelte sie verschmitzt dabei an und streichelte ihr sanft übers Haar. "Es wird immer ein Platz bei uns für dich frei sein, Gwen. Herne beschütze dich!" Damit erhob er sich und verlies das Zimmer. Draußen warteten schon die anderen, bereit zum Abmarsch.....

*

Gwen:

Gwen genoss die wärmenden Sonnenstrahlen, die durch das Fenster auf ihr Gesicht fielen. „Sieh was für ein wunderschöner Morgen!“ rief Berengar aus, als er die Tür öffnete. „Wie fühlst du dich heute?“ fragte er, obwohl ihr leicht gerötetes Gesicht und ihre strahlenden, blauen Augen ihm jede Antwort gaben. „Um so vieles besser Berengar. Und das verdanke ich Eurem Wissen und Eurer Pflege.“ Dabei lächelte sie ihn glücklich an. Berengar setzte sich zu ihr auf die Pritsche und fragte sich, ob dies wirklich an seinen Salben und Kräutern lag - oder wer es nicht viel mehr der Gedanke an den Mann den sie liebte, der die Heilung so sehr vorantrieb...? „Berengar...könntet Ihr bitte nach... nach Jehan schicken?“ fragte sie schließlich. Dabei nestelte sie verlegen an ihrem Betttuch und ihre Wangen erröteten noch ein bisschen mehr. „Mein Kind“ antwortete Berengar langsam und bemühte sich, die richtigen Worte zu finden „ich sah ihn lange Zeit nicht. Ich weiß nicht, ob er sich noch in Glenfield aufhält. Bestimmt ist er schon wieder in Nottingham... um seinen Dienst zu versehen.“ Er brachte es einfach noch nicht übers Herz ihr von Taran zu berichten. Gwen überhörte den leicht frostigen Unterton in Berengars Stimme. „Nicht mehr hier? Dann, dann muss ich ihm folgen!“ - „Gwen! Das wirst du nicht! Du musst dich vorerst schonen. Es wird sich alles aufklären, später.“ Und das hoffte der alte Mann von ganzem Herzen. „Gwen, du sagtest du wolltest mit mir reden. Was also bedrückt dich Kind?“ Die Kammer füllte sich mit Schweigen und eine große dunkle Wolke verschluckte die eben noch wärmenden Sonnenstrahlen. Berengar sah wie Gwen fröstelte, wie sie schluckte und ihre Gedanken sammelte bevor sie begann. „Gwyneth of Hazlewood gab mir dies hier.“ Mit diesen Worten reichte sie Berengar zögerlich den Beutel, den sie immer noch bei sich trug. „Ich habe es nicht gewagt ihn zu öffnen. Er hat etwas mit Vater zu tun... Und er wird mir helfen“ fügte sie nach einer Pause flüsternd hinzu. In dem Beutel fand Berengar einen wohlverpackten Flakon und legte ihn zur Seite, um die ebenso enthaltenen Pflanzenteile zu entnehmen. Er wurde blass und seine Stirn legte sich in Falten als er die rötlichen Wurzeln erkannte. Gwen aber fuhr fort. „Vater, ich habe Träume... Männer mit Schwertern entsteigen einem Kessel... sie töten erbarmungslos was sich ihnen in den Weg stellt... niemand kann ihnen Einhalt gebieten... ich sah Robin in seinem Blute liegen... selbst die wärmende Sonne schien zu sterben und wollte nicht mehr scheinen...“ Gwen verstummte. „Die keltischen Kesselkrieger... Untote... das kann nur ein Plan Simon de Bellemes sein.“ Berengar dachte nach. „Sobald du kräftig genug bist machst du dich auf den Weg nach Hawkney. Du musst dich an die alten Riten und Lieder erinnern, hörst du! Versuch es – und dann bereite die Pfeile deines Vaters mit dem Öl aus diesem Flakon vor.“ Berengar war sichtlich nervös. „Vielleicht gibt es noch einen anderen Weg... aber du musst vorbereitet sein, hörst du? Gwendrianna, wir dürfen nicht versagen!“ Gwen verstand noch immer nicht, aber sie erkannte wie besorgt der alte Mann war und spürte, dass er ihr keine weiteren Erklärungen geben würde. Die beiden blickten sich schweigend an. Berengar nahm den Flakon und gab ihn vorsichtig zurück in den Beutel. „Das hier...“ erklärte er während er die Wurzelstücke einwickelte „...werde ich an mich nehmen.“ – „Nein!“ schrie Gwen verzweifelt auf. Berengar schaute sie verwirrt an. „Berengar“ sie beruhigte sich wieder fuhr sie in leisem aber bestimmten Ton fort. „Dafür schlug ich den guten... den alten Vater Matthew nieder, dafür habe ich Robert de Rainault mit einem Dolch bedroht. Glaubt nicht, ich werde Euch gestatten es mir einfach so zu nehmen. Ich brauche es!“ Berengar zögerte, doch er sah neben Verzweiflung noch Trotz und Wut in Gwen und so reichte er ihr auch die Wurzeln. „Gwendrianna, bedenke gut was du tust!“ ermahnte er sie „Du brauchst sie nicht! Vertraue auf den Herrn, er wird dich auf deinem Weg leiten!“ Gwen sah den weißhaarigen Mann aus großen, traurigen Augen an und schüttelte langsam den Kopf. „Bruder Berengar“ begann sie nachdenklich „Euer Gott hat mich an dem Tag verlassen, als er zuließ, dass Vater mir durch Simon de Bellemes Schwert genommen wurde.“ Sie stockte für einen Moment. „Seht, wie es um die Menschen hier steht...ich fürchte er hat sich von ganz England abgewandt.“ Gwen wandte ihr Gesicht zum Fenster und ließ ihre Gedanken schweifen. Berengar wusste, dass für jetzt alles gesagt war. „Gwen, ruh dich noch ein bisschen aus. Ich werde später wieder nach dir sehen.“ Er schaute sie liebevoll an und begab sich dann auf die Suche nach Taran.

*

Sue:

Der Weg von Nottingham bis zur Abtei in Glenfield war nicht besonders weit, aber Susanna hatte es nicht eilig. Sie ließ ihren Hengst in gemütlichem Schritt vorantrotten und genoss die warme Frühlingssonne. Es war das erste Mal seit Tagen, dass sie Zeit für sich hatte. Die wollte sie genießen solange sie konnte, wenngleich es sie auch sehr traurig machte. Godric war am Tag zuvor nach Wales aufgebrochen, versprach aber, so schnell es ging zu ihr zurückzukommen. Der Gedanke an ihn zauberte ein hoffnungsvolles Lächeln in ihr Gesicht. Sie hatte sich fest vorgenommen, deswegen nicht mehr zu weinen. Bei seiner Rückkehr sollte er nicht mehr dieses verheulte Mädchen vorfinden sondern eine junge Lady, die wenigstens ein bisschen Würde ausstrahlte - was ja bisher nicht immer der Fall war. Sie hob ihren Kopf, schloss die Augen und hielt ihr Gesicht in die Sonne während sie so vor sich hinträumte. Eine Schar lärmender Kinder riss sie jäh aus ihren Gedanken. Sie öffnete die Augen und erblickte etwas Abseits des Weges ein Dorf. Die erwachsenen Dorfbewohner gingen ihrer Arbeit nach, und die Kinder spielten ausgelassen in der Sonne. Als sie Susanna entdeckten, winkten sie ihr fröhlich zu, und Susanna winkte lächelnd zurück. "Bis Glenfield kann es jetzt nicht mehr weit sein", dachte die junge Lady bei sich.  Susanna senkte den Blick auf ihr Pferd, um es liebevoll am Hals zu tätscheln, als ihr auffiel, dass sie ja noch immer die Hosen anhatte, die die Müllerfamilie ihr seinerzeit überließ, damit sie nicht als leichte Beute für Räuber aller Arten endete. "Oh je", seufzte sie. "Wie soll ich das nur meinem Onkel begreiflich machen?" Sie freute sich sehr darauf, den jüngeren Bruder ihres Vaters wieder zu sehen. Lord Philip - oder Bruder Philip, wie er jetzt genannt wurde - war ein aufstrebender Offizier des Königs, bis er eines schönen Tages vor 10 Jahren, ohne Gründe zu nennen, ins Kloster eintrat. Die ganze Familie hatte sich damals sehr über Philips Entscheidung gewundert, aber er blieb bis heute eine Erklärung schuldig, was wiederum Anlass zu den wildesten Spekulationen in der Bevölkerung Leicesters gab. Der Bruder des Earl of Leicester war ein Draufgänger und Lebemann, der - wie es Lord William immer ausdrückte - "nichts anbrennen ließ", was den Älteren der beiden Männer manchmal beinahe zur Verzweiflung brachte, sah er doch das Ansehen seiner Familie arg gefährdet. Die vier Kinder des Earls hingegen verehrten ihren Onkel. Wenn immer er zu Besuch in Leicester war, wichen sie nicht von seiner Seite, wusste er doch stets spannende Geschichten zu erzählen, die sie begierig hören wollten. Susanna fragte sich, wie er jetzt wohl aussehen mochte; er durfte mittlerweile gut und gerne Ende 30 sein. Es war bereits Mittag als Susanna die Abtei in Glenfield erreichte. Vor dem Tor in der Mauer, die den Bereich um die Abtei umschloss, stieg sie von ihrem Pferd und läutete die schwere Glocke, die neben der Pforte hing, um Einlass zu erbitten. "Ja bitte?" fragte sie der hagere Mönch, der das Tor einen kleinen Spalt weit öffnete, um zu sehen, wer davor stand und störte. "Lady Susanna of Leicester wünscht eingelassen zu werden.....", sagte sie mit gebieterischer Stimme. Der Mönch runzelte misstrauisch die Stirn und spähte hinaus, um nach der vermeintlichen Lady Ausschau zu halten. Als er bemerkte, dass die Person vor dem Tor alleine war, ließ er sie hinein. Schweigend führte er Susanna zum Haupthaus.....  

*

Gwen:

Die Strahlen der Frühlingssonne nahmen mit jedem Tag an Wärme zu. Gwen saß im Garten der Abtei von Glenfield und wurde von mal zu mal unruhiger. Es wurde Zeit nach Hawkney zu gehen...nach Hause. Die Rückenwunde heilte gut, nur manchmal schmerzte sie noch ein wenig. Berengar hatte ihr gesagt das ginge vorbei, nur die Narbe im Gesicht würde bleiben. Die Wunde von des Sheriffs Schlag war zu spät versorgt worden, das konnte selbst Berengar nicht rückgängig machen. Vorsichtig berührte sie die Wulst auf ihrer Wange und dachte nach. Ja, es wurde Zeit, dass sie Nottingham Shire verließ. Gwen beschloss, morgen, in der Frühe, aufzubrechen. Sie suchte den Abt auf, bedankte sich bei ihm und versprach ein paar Münzen zu schicken sobald sie dazu in der Lage war. Der Abschied von Berengar fiel kurz aus; versprach er ihr doch sie bald auf Hawkney zu besuchen. Die Glocken riefen zur Abendandacht und Gwen verbrachte eine letzte Nacht hinter den sicheren Mauern der Abtei. Mit jedem Schritt den sie am nächsten Morgen ging entfernte sie sich mehr von Nottingham – nur das Bild von Jehan konnte sie auch dadurch nicht abschütteln. Bei dem Gedanken an ihn bildete sich immer noch ein Kloß in ihrem Hals. Sie hatte ihn nach dem Kampf mit Robin nicht mehr gesehen und gestand sich ein, dass sie versuchen musste ihn zu vergessen, wollte sie endlich Frieden finden. Nie hatte sie geglaubt, wie sehr hoffnungslose Liebe schmerzen konnte... Gwen versuchte Jehan zu verdrängen. Suchend blickte sie sich auf ihrem Weg in den Gapdale Shire nach den Kräutern um, die sie später brauchen würde. Sie lächelte, als sie unweit des Weges auf einer Lichtung entdeckte was sie suchte. Die weißen Beifussstängel schienen sie geradezu zu rufen. Sie murmelte Dankesworte, brach ein paar der Stängel ab ohne die Wurzel zu beschädigen und wickelte sie fast liebevoll ein. Als sie sich umdrehte um zurück auf den Weg zu gelangen, sah sie eine Gestalt an einen der Bäume gelehnt kauern. Langsam ging sie hinüber. Beim näher kommen erkannte Gwen, dass es sich um ein Mädchen handelte, vielleicht 17 oder 18 Jahre alt. Ihr Haar war kurz geschnitten und sie trug zerschlissene Kleidung. Als ein Ast unter ihren Füßen brach hob sie aufgeschreckt den Kopf. Gwen blickte in ein fahles Gesicht und bemerkte wie sie sich vor Angst anspannte. „Ich tu dir nichts. Hab keine Angst.“ sprach sie das Mädchen an. „Ich habe Brot da, möchtest du ein Stück?“ Stummes Nicken war die Antwort. Gwen packte das Brot aus. „Ich bin Gwen. Und wie heißt du?“ Sie kniete rechts von ihr nieder und reichte ihr das Brot. „Ravina.“ Gierig griff sie mit der linken Hand nach dem Brot. Dabei verrutschte ihr Umhang und Gwen erblickte dort, wo eigentlich die rechte Hand sein sollte nur einen Stumpen, der in dreckige Stoffe gewickelt war. Ravina bemerkte Gwens Blick, und wollte den Arm sofort wieder verstecken. „Warte... das..das muss gereinigt werden.“ Ravina ließ sie mit einem Seufzen gewähren. „Ich hab nichts Unrechtes getan.“ begann sie stammelnd „Ein Soldat stellte mir nach und ich schlug ihn nieder. Er beschimpfte mich als Zauberin. Im Verließ dachte ich sie würden mich töten. Dann hörte ich wie man nach einer Wilddiebin schickte und..und sie holten mich. Sie schlugen mir die Hand ab und verjagten mich...aber... aber ich habe nichts getan!“ Tränen füllten ihre Augen. „Ravina...ruhig...es geht dir bald besser.“ sagte Gwen, aber sie konnte ihre Worte selber nicht glauben. „Aber, aber ich habe niemanden, der mich aufnimmt... wo soll ich nur hin gehen?“ schluchzte Ravina. Gwen nahm sie in ihre Arme. „Komm Ravina!“ sagte sie nach einigen Augenblicken und sah sie dabei aufmunternd an „Wir gehen gemeinsam nach Hawkney! Ich werde deine Hilfe gut gebrauchen können.“ Ungläubig blickte Ravina sie an „ich ..ich darf mit dir gehen?“ Gwen half ihr auf. „Ja. Lass uns gehen. Es ist nicht mehr weit und ich fürchte, wir werden einiges an Arbeit vorfinden!“

Gemeinsam gingen die beiden weiter auf der Straße, die sie bald an ihr Ziel bringen würde.

*

Jehan:

Robert de Rainault trommelte ungeduldig mit den Fingern auf der Tischplatte herum, während sein Gesicht etwa denselben freundlichen Ausdruck hatte wie das eines Hundes, dem man den Knochen gestohlen hat. Gisburne, nach dem er geschickt hatte, ließ ihn warten. Welch unverschämte Dreistigkeit! Er würde ihn künftig noch etwas mehr drangsalieren müssen, um aufkeimende Unzufriedenheiten im Keime zu ersticken. Endlich betrat sein Haushofmeister den Rittersaal, verschwitzt und echauffiert, noch in schimmernden Harnisch gepackt, eben dem Übungsplatz entrissen, auf dem er sein Erfolgsversprechendes Training hatte unterbrechen müssen. "Da seid Ihr ja endlich!" wurde er von de Rainault ärgerlich begrüßt. Gisburne erwiderte nichts, sondern nickte dem Sheriff nur kurz seinen Gruß zu. Trotz seiner Verwundung durch Herne´s Pfeil schonte er sich nicht. Leider imponierte das de Rainault nicht im Mindesten. "Gisburne, ich habe einen Auftrag für Euch" begann der Sheriff ohne Umschweife. "Ihr reitet nach Glenfield Meadows, auf das Gut von Henry of Glenfield, dieser alten angelsächsischen Ausgeburt einer Pestbeule.... Der Kerl scheint vergessen zu haben, dass er dem König noch einen Teil der Abgaben des letzten Jahres schuldet. Die Frist, die der König ihm einräumte, läuft nächste Woche ab. Übergebt ihm dieses Schreiben," er wedelte mit einer versiegelten Pergamentrolle herum, "entweder er zahlt, oder ich werde ihn seines Landes enteignen! Sobald Ihr aus Eurer lächerlich glänzenden Rüstung gestiegen seid, mit der Ihr da draußen sonst auffallt wie ein Fuchs im Hühnerstall, rüstet Ihr Eure Truppe und reitet los." Trotz der Schmähungen, die Gisburne inzwischen schon fast zu überhören gelernt hatte, blieb er entspannt, denn dieser Auftrag war ganz nach seinem Geschmack. Er nahm die Schriftrolle entgegen, verbeugte sich kurz, und verließ ohne ein Wort des Widerspruchs den Saal um die Vorbereitungen zu treffen. Wenn er gleich los ritt, konnte er rechtzeitig zum Jahrmarkt wieder zurück sein.

*

Gwen:

Gwen stockte der Atem, als sie von der Anhöhe aus einen ersten Blick auf das werfen konnte, was sie einst ihr Zuhause genannt hatte. Das Dach des Wohnhauses war zerstört... Mauern und Ställe eingefallen. Hier hatte seit Jahren niemand mehr gelebt. Aber aus den das Gut umgebenden Bauernhütten stieg Rauch auf und auf den Feldern sah sie einige Männer arbeiten. Vielleicht würden sie dort Hilfe bekommen. Langsam ging sie auf die Hütten zu. Eine alte Frau entdeckt die beiden Ankömmlinge als erste. „Edmund!“ rief sie dem Dorfältesten zu. „Sieh dort!“. Die Dorfbewohner legten die Arbeit nieder und warteten neugierig. „Herr im Himmel!“ rief die alte Frau plötzlich aus. Sie lief auf Gwen zu und betrachtete sich von oben bis unten „Gwen! Seid Ihr es wirklich?“ – „Sarah...ja...ja ich bin es. Ich bin endlich wieder zu Hause.“ - „Seid uns herzlich willkommen, Lady Gwen.“ lud Edmund sie ein „Wir wollen uns setzen und berichten, was die letzten Jahre Hawkney brachten. Und dann werden wir Euch helfen Euer Heim wieder wohnenswert zu machen!“ So erfuhr Gwen, dass Baron de Belleme niemals Interesse an dem Gut bekundet hatte und es somit an den Sheriff des Shires, Bruce de Briac, gefallen ist. Der hatte nie einen Verwalter eingesetzt; Simon de Bellemes Machenschaften waren ihm einfach zu dubios, als das er jemals das Risiko einer Auseinandersetzung mit ihm eingegangen wäre. Und so schickte er lediglich seine Soldaten, um die Steuern der ansässigen Bauern einzutreiben. Gwens Vater war von allen hier im Dorf geliebt worden. Und so packten alle Bewohner mit an und schon nach kurzer Zeit war das Haus soweit hergerichtet, dass Gwen und Ravina die erste Nacht in ihrem neuen Heim verbringen konnten. Das Gut sah mit jedem Tag freundlicher aus und bald wirkte das Haus auch von weitem einladend. Bruce de Briac hatte von dem in den nächsten Tagen stattfindenden Frühjahrsfest in Nottingham gehört und befand sich auf dem Weg zum Nachbarshire. Ihm fiel die Veränderung um Hawkney sofort ins Auge. So ritt er in Richtung des Gutes und befahl seinen Männern ihm zu folgen. Veränderungen von denen er nichts wusste waren ihm ein Dorn im Auge. Gwen und Ravina bearbeiteten gerade den kleinen Garten, als de Briac durch das offene Tor geritten kam. „Was geht hier vor? Wer seid ihr und wer hat euch das hier erlaubt? Nun? Antwortet!“ schnaubte er ungehalten. Einer der Soldaten versetzte Gwen mit der flachen Seite seines Schwertes einen Hieb in den Rücken um sie so näher zu seinem Herren zu treiben. Gwen stolperte und verzog das Gesicht vor Schmerz. „Mylord.“ begann sie, richtete sich auf und sah de Briac mit festem Blick an. „Ich bin Gwendrianna of Hawkney. Und dies hier ist mein rechtmäßiger Besitz.“ De Briac musste sich zusammenreißen. Das war das Letzte womit er gerechnet hatte. Diese dreckige Frau da vor ihm, und bei ihr eine bestrafte Wilddiebin...das soll die Erbin des Gutes sein?. „So so.“ sprach er angewidert. „Findet Euch morgen in Gapdale ein. Diese Behauptung muss geprüft werden. Und erscheint Eures Standes angemessen!“ Er warf Gwen einen vernichtenden Blick zu und wendete sein Pferd. Die Lust auf ein Gespräch mit Robert de Rainault war ihm gerade vergangen und so gab er seinem Hengst die Sporen und ritt zurück nach Gapdale. Gwen blickte ihm mit hängenden Schultern hinterher...

*

Sue:

Susanna war mit dem hageren Mönch unterwegs zum Haupthaus der Abtei. Es war schon Mittag und die Mittagsandacht war bereits vorüber. Jetzt waren die Mönche alle gemeinsam im Speisesaal und nahmen ihr Mittagsmahl ein. Der zur Pförtnertätigkeit auserwählte Bruder deutete der jungen Lady an, ihr Pferd an einem Pfahl vor der Abtei anzubinden und führte sie dann durch die Tür in die Halle. Dort ließ er sie einen Moment allein zurück, um den Abt zu verständigen. "Lady.....wer?" fragte der Abt stirnrunzelnd. Dann wandte er sich an Bruder Philip und fragte ihn: "Jemand aus deiner Sippe, Bruder?"

Zur gleichen Zeit machten die die Earls of Leicester und Huntingdon bereit für ihre gemeinsame Abreise nach London, als sie ein Bote Prinz John's erreichte. "Mylords......", sagte er atemlos ob der Eile, mit der er nach Huntingdon geritten kam. "Der hochwohlgeborene Prinz John hat seine Pläne geändert. Er selbst wird sich auf den Weg nach Nottingham machen, weil ihm zu Ohren kam, dass dort ein Jahrmarkt stattfinden wird", sprachs und überreichte Lord David ein Pergament mit den weiteren Anweisungen des Prinzen. Die beiden Lords schauten sich einen Moment lang fragend an und warfen einen Blick auf das Pergament. Dann sagte Lord William: "Nun denn, auf nach Nottingham....."

*

Gwen:

Als de Briac hinter den Hügeln verschwunden war begab sich Gwen ins Haus. Sie hoffte in einer der Truhen noch ein einigermaßen anständiges Kleid zu finden. Nach einigem Wühlen hielt sie ein weinrotes Kleid mit blauer Borte in den Händen; nur ein paar Nähte waren nicht mehr in Ordnung. ‚Das ist genau richtig’ dachte sie sich und zog es über. Sie würde es ändern müssen. Die Wochen der Entbehrungen haben ihren Preis gefordert. Noch vor Einbrechen der Dunkelheit hatte sie alles für den morgigen Tag hergerichtet. Sie lief hinunter zum Fluss um sich zu reinigen und das Haar zu waschen. De Briac würde sie morgen schwerlich wieder erkennen... Es war eine unruhige Nacht; Gwen fürchtete sich vor dem Gang nach Gapdale. Ravina war früh aufgestanden und hatte schon etwas zu Essen vorbereitet. Als Gwen die Küche betrat hielt sie in ihrer Arbeit inne. „Dreh dich!“ rief sie Gwen zu. „Wie eine richtige Lady!“ meinte sie dann anerkennend. „Ravina, packst du mir bitte etwas von dem Brot ein? Ich muss mich beeilen. Was würde ich für ein Pferd geben...“ Die beiden Frauen gingen ein Stück des Weges gemeinsam. Bevor Ravina sich auf den Rückweg machen wollte wandte Gwen sich mit einem ernsten Gesichtsausdruck an sie. „Ravina...sollte ich nicht zurückkommen...auf meinem Bett liegt ein Brief...darin steht, das Hawkney dir gehört, sollte ich...“ Gwen verstummte. Die beiden Frauen sahen sich einen Moment lang an, umarmten sich und Gwen ging alleine weiter auf der Straße nach Gapdale. Ravina schaute ihr sorgenvoll hinterher.

*

Jehan:

Gisburne und die 10 Mann starke Truppe, zu der auch Jehan of Beaversbrook zählte, ritt gemächlich den Saumweg am Rande des Waldes entlang. Ein herrlicher Tag für einen Ritt, dachte sich der Hauptmann, nur leider hatte er sein Schäferstündchen mit Ciara deswegen verschieben müssen. Sei´s drum, ein solcher Auftrag wog dies um ein vielfaches auf,  denn nun standen wieder Kriegskunst und Pflichterfüllung an erster Stelle in Jehans Leben. Er fühlte sich gesund und befreit, der frische Rappe, den er unter den Sattel hatte war ein ausgezeichneter Zelter, der den Reiter freundlich durch die aufblühende wilde Landschaft trug. Selbst Gisburne schien nicht ganz so griesgrämig zu sein wie sonst, und die berittene Truppe entfernte sich rasch von Nottingham.

Sie waren längst ausgeritten, um den Auftrag des Sheriffs zu erledigen, als ein Bote des Prinzen John Nottingham erreichte und Robert de Rainault die Nachricht von der baldigen Ankunft des Königsbruders überbrachte. De Rainault zerknüllte die Nachricht wütend, versetzte dem Kurier einen hässlichen Schlag und verwünschte und verfluchte alles Unvorhergesehene und Überraschende auf so verunglimpfende Weise, dass es sogar Abt Hugo die Schamesröte ins Gesicht getrieben hätte. Aber schließlich konnte er nichts anderes tun, als den Boten mit einer Willkommensnachricht wieder nach London zu schicken. Verflucht, warum hatte er nur Gisburne weggeschickt? Nun musste er sich auf den kläglichen Rest seiner Soldaten verlassen. Und das bei einem derartig wichtigen Gast! Er konnte nur hoffen, dass Gisburne noch vor dem Jahrmarkt wieder zurück war. Und sofort entsandte er einen weiteren Boten nach St. Marys, um Abt Hugo herzuzitieren. Es war immer besser, die Kirche auf seiner Seite zu haben. Prinz John war zwar nicht der König, aber mit ihm wurde eine Natter wurde am Busen des Königshauses genährt - eine gefährliche Natter - die Robert de Rainault nicht unterschätzen würde. Er konnte sich nur nicht erklären, was Prinz John wirklich plante. Einen Jahrmarkt zu besuchen, war nur ein Vorwand. Niemals würde ein solcher Mann etwas aus reinem Vergnügen tun. Er plante etwas. Und er, der High-Sheriff of Nottingham, Robert de Rainault, würde erfahren was es war. Hugo wusste bestimmt mehr...

*

Robin:

Gemächlich, ohne Hast, hatte die Truppe um Robin den Marsch zurück in den Sherwood angetreten. Erst vor kurzem hatten sie eine Rast eingelegt. Robins Gedanken schweiften immer wieder zu dem Gespräch mit Taran zurück. Jetzt, nachdem er alles mit anderen Augen sah, musste er doch selber lächeln, wie hitzköpfig er sich verhalten hatte. Aber war das ein Wunder, bei diesem Chaos in den letzten Tagen? Seinen Gedanken schweiften weiter... nach Nottingham...zu Gisburne und dem Sheriff. Es war bald wieder soweit die Steuern einzutreiben und wenn er ehrlich war, freute er sich schon darauf, Gisburne mal wieder eins auszuwischen.

Sie waren gerade wieder aufgebrochen, als er plötzlich stehen blieb, und mit leicht schräggehaltenem Kopf lauschte. Er hob kurz die Hand, um den anderen mitzuteilen, dass sie ruhig sein sollten. "Was ist?" Will trat leise zu ihm und sah in fragend an. "Hört ihr das nicht? - Reiter!" Kurz gab er den anderen einen Wink und sie verteilten sich rechts und links des Weges. Angestrengt sahen sie in die Richtung aus der das nun für jeden hörbare Hufgetrappel zu kommen schien, als auch schon die ersten Reiter sichtbar wurden. "Gisburne!" zischte Robin, nicht ohne einen freudigen Unterton. Im nächsten Moment erkannte er auch den Hauptmann, der, wie er glaubte, für Gwens Verwundung verantwortlich war. "Diesmal kriegt ich ihn!" knirschte Will wütend neben ihm. Beruhigend legte Robin ihm eine Hand auf den Arm. "Reiß dich zusammen, Will." flüsterte er leise und wandte sich wieder den Soldaten zu, um den richtigen Zeitpunkt abzuwarten....

*

Jehan:

Gisburnes Pferd schnaubte. Sir Guy hob gewarnt den Blick zum Waldrand. Der Rappe hatte etwas gewittert. Der Truppführer hob die Hand zum Zeichen, und die Soldaten zügelten ihre Pferde. Würde Robin Hood wirklich so dumm sein, sie jetzt anzugreifen? Sie hatten weder einen Karren noch sonst irgendetwas dabei, das auf Beute schließen ließ. Wollten die Kerle nur wegen ein paar Kettenhemden und Schwerter ihr Leben aufs Spiel setzen? Veilleicht waren es auch nur irgendwelche anderen Wegelagerer, die sich dort herumtrieben. Der Wald war voll von diesem Gesindel. Nur das Frühlingsgeplärr sämtlicher Vogelarten störte die Stille. Aber Gisburne war misstrauisch. Er wusste genau, auf den Instinkt des schwarzen Hengstes konnte er sich verlassen. Er drehte sich nach seinen Männern um, rief ihnen einen Befehl zu, und sie verließen den Weg und ritten quer über die Wiese zu dem kleinen Bachlauf. Mühelos galoppierten die munteren Pferde hindurch. Dieses Räuberpack würde Augen machen! Gisburne hatte nicht vor, es hier in diesem Gelände auf einen Kampf ankommen zu lassen. Zudem hatte er andere Befehle. Robin Hood würde ihm ein anderes Mal über den Weg laufen. Und dann würde er, Sir Guy of Gisburne, die Bedingungen festlegen. Glenfield Meadows lag nur noch einen Tagesritt entfernt. Nichts konnte die Steuereintreiber von ihrem Weg abbringen, den sie nun, im schnellen, aber geordneten Galopp, quer über die lichte Wiese nahmen.

*

Robin:

"Verdammt, die hauen ab." fluchte Will leise und sah Robin auffordernd an. Dieser gab ihm jedoch nur ein Zeichen ruhig zu bleiben, während er die Soldaten aufmerksam mit Blicken verfolgte. Missbilligend verzog Will das Gesicht und gab ein unverständliches Grummeln von sich, welches nicht daran zweifeln lies, das er mit Robins Entscheidung nicht einverstanden war. Zu gerne hätte er sich diesen Hauptmann geschnappt. "Wo wollen die hin?" flüsterte Robin noch immer nachdenklich, als Herne ihm auch schon gedankliche Bilder sandte - Die Abtei von Glenfield ... Gisburne, der die säumigen Steuern eintreiben sollte.... "Was sollte das?" maulte ihn Will aufgebracht an, als er sicher war, das die Soldaten weit genug entfernt waren. Auch die anderen sahen ihn fragend an. "Sie werden zurückkommen." antwortete er kurz angebunden und gab, ohne weiter auf die verdutzten Gesichter der anderen zu achten, ein Zeichen, das sie ihren Weg fortsetzen. John schloss sich ihm zuerst an, auch wenn er sich ein kopfschütteln nicht verkneifen konnte. Langsam kamen auch die anderen nach. Will warf noch einen letzten, fast wehmütigen Blick in die Richtung, in der die Soldaten verschwunden waren und schloss sich dann den anderen an.

*

Jehan:

Gisburnes Trupp erreichte anderntags, spät am Nachmittag, nach einer gemütlichen Nacht in einer kleinen Waldschenke, das Gut von Henry of Glenfield, dem angelsächsischen Besitzer, der dies dank seiner ausgezeichneten Beziehungen zum König auch geblieben war. Anders als einige seiner Nachbarn, die enteignet und deren Lehen normannischen Edelmännern überschrieben worden war. Sir Henry hatte nach dem relativ milden Winter Glück gehabt. Das Vieh war gut durch die kalte Jahreszeit gekommen, und durch den Verkauf hatte er die ausstehende Summe, die er dem High-Sheriff des Shires noch entrichten musste, zusammen bekommen. Aber eigentlich hatte er erst später mit der Aufwartung einer bewaffneten Truppe auf seinem Gehöft gerechnet. Er stand eben beim Tor, verabschiedete gerade Bruder Roger von der nahen Abtei Glenfield. Dieser hatte ihm bei der Ausbesserung des Stalles geholfen, da er ein geschickter Schreiner war. Dafür würde die Abtei eine wohlgemeinte Spende erhalten. Als die Soldaten sich näherten, verfinsterte sich der Blick des Gutsherrn. Henry of Glenfield war ein großer, massiger Mann von etwa 50 Jahren und unbeugsamen Stolz. Zahlreiche Narben durchzogen das durchfurchte Gesicht, das allen Glanz und alle Ehre ausstrahlte, die ein alter Krieger nur ausstrahlen konnte. Fürwahr, er hatte auf dem Kreuzzug gekämpft, und nun schickte dieser emporgekommene normannische Sheriff diese jungen Hunde um ihn zu schröpfen. Henry war sich des Hiebs wohl bewusst. Aber noch schwieg er, denn sonst würde er alsbald enteignet werden. Und das half nun wirklich niemandem. Er hatte in all den Jahren gelernt, sich zu beherrschen. Das Alter hatte ihn weiser und einsichtiger gemacht. Bruder Roger sah ihn fragend an. "Geht nur, Bruder. Dies sind meine Geschäfte. Sagt dem Abt meinen ergebenen Gruß. Wir werden am Sonntag dem Gottesdienst gerne beiwohnen." Bruder Roger, ebenfalls kein junger Mensch mehr, nickte stumm. Er kannte Gisburne. Und dieser Hauptmann neben ihm sah aus wie... ach was, das konnte nicht sein! Ihr Gast, Taran of Beaversbrook, weilte noch in der Abtei. Und bei genauem Betrachten erkannte er, dass dieser hier ein anderer war. Die Ähnlichkeit war allerdings verblüffend. Der Mönch wendete sich kopfschüttelnd ab und trottete Richtung Abtei davon. Sie lag nur wenige Fußstunden entfernt.

Die Soldaten hatten mitten im Hof angehalten. "Absitzen!" befahl Gisburne, und die Männer stiegen aus den Sätteln. Der lange Ritt hatte sie ermüdet, und auch die Pferde konnten eine Pause wahrlich gebrauchen. "Versorgt die Pferde! Und wir, Sir Henry, werden wohl hineingehen, um über die finanziellen Angelegenheiten zu sprechen". Gisburne hielt sich an keine der höflichen Floskeln, die sich hier geziemt hätten, eingehalten zu werden. Sir Henry verachtete den jungen Truppführer dafür. Er musste dem eingebildeten Soldaten zeigen, wer hier der Herr im Hause war. Aber er war klug genug, dies nur durch Worte zu tun. "Die Höflichkeit in Euren Reihen habt Ihr wohl in Nottingham gelassen, Soldat? Oder hat Euer Vater vergeblich versucht, Euch diese beizubringen?" fragte er freundlich. Allein die Anrede war eine Beleidigung, aber eben keine rechte, denn sie war durchaus zutreffend. "Ich bin hier um die Steuern einzutreiben, die Ihr schuldet, Mylord!" zischte Gisburne. Sir Henry beschloss, ihm eine Lektion zu erteilen. "Junger Freund" säuselte Henry in demselben honigsüßen Ton, "die Steuern sind erst nächste Woche fällig. Wollt Ihr solange vor dem Tor lagern? Ich fürchte, unser Stall ist noch zu baufällig, und die Verpflegung reicht höchstens für die Menschen die hier leben. Ihr wisst ja selbst, wie hoch die Steuern derzeit sind. Es reicht einfach nicht mehr aus, um zusätzliche Mäuler zu stopfen...."Gisburne sprang auf ihn zu wie ein gereizter Kettenhund. "Ich will das Geld, oder ich nehme mit, was mir unter die Finger kommt! Und ich will anständig bewirtet werden, verstanden?" schrie er unbeherrscht. Der Hauptmann, der hinter ihm stand, hatte bereits sein Schwert in der Hand. Henry blieb ruhig wie ein Fels. "Junger Freund," entgegnete er unbeeindruckt "ich könnte Euch das Geld vielleicht gleich geben. Aber dann reitet Ihr auch gleich wieder fort!" "Nein!" Gisburne regte sich noch immer auf. "Die Pferde brauchen eine Pause! Und die Männer ebenfalls! Wir werden hier nächtigen und erst morgen aufbrechen!" Henry lächelte überlegen. "Nun, dann müsst Ihr einsehen, dass ich dafür eine Gebühr erheben muss. Die Zeiten sind hart, wie Ihr selbst am besten wisst. Ich werde die Kosten für das Futter, die Verpflegung und so weiter von dem Schuldenbetrag abziehen. Oder zieht Ihr es vor, vor den Mauern des Gutes am Waldesrand zu kampieren? Das wäre natürlich günstiger." Henry hatte Gisburne da, wo er ihn hatte haben wollen. "Aber natürlich wird der Sheriff einsehen, dass ihr doch lieber etwas komfortabler untergebracht seid. Nun, das regelt Ihr ja dann wohl selbst mit ihm." Henry wandte sich ab, ohne Gisburne ins Haus zu bitten, drehte sich aber rasch noch einmal um. "Und sagt Eurem Hauptmann, er soll das Schwert nicht gegen mich richten. Niemand hat ihn angegriffen. Es sei denn, er hat Lust sich vor dem König für seine Dummheit zu verantworten." Demonstrativ wandte er ihnen den Rücken zu. Ein sehr gefährlicher Moment, aber auch unbedingt notwendig, um seine unanfechtbare Stellung zu untermauern. "Das hat ein Nachspiel, Sir Henry!" brüllte Gisburne erbost hinter ihm her. Als er endlich, ohne besondere Eile, oben auf der Treppe angelangt war, blieb der Gutsherr noch einmal stehen. Wandte sich betont langsam um und betrachtete amüsiert die Abordnung aus Nottingham. "Dann schickt der Sheriff das nächstemal nicht seine -hmm- Wachhunde aus, sondern beehrt mich persönlich mit einem angemessenen Besuch?" fragte er belustigt. Und in diesem Moment wirkte er wie ein Steingewordenes Monument, dem nichts und niemand trotzen konnte. Einem Denkmal gleich starrte er durchdringend jeden einzelnen der Soldaten nacheinander an, und schon dieser steinerne, unnachgiebige Blick genügte, um sie Demut zu lehren. Zumindest alle, bis auf den Hauptmann und Gisburne. Diese beiden konnten aber nichts tun, außer Sir Henrys Worte hinzunehmen. Er hatte sie besiegt. Nicht mit Taten, alleine mit Worten. Gisburne hatte zu spät gemerkt, was geschehen war. Und nun musste er wie alle anderen draußen schlafen. Die Laune unter den vermeintlichen Besatzern war dementsprechend übel an diesem Abend.

*

Sue:

Die Earls of Leicester und Huntingdon begaben sich auf den Weg nach Nottingham. "Verfluchte Stadt!", entfuhr es Lord William. Seine nicht allzu weit zurückliegenden Erinnerungen an sein Zusammentreffen mit de Rainault, dem High-Sheriff von Nottinghamshire erfüllten ihn mit Rage. Seit der Sheriff Susanna's Vater die Hilfe zur Befreiung seiner Tochter verweigerte, hatte der Earl noch eine Rechnung mit ihm offen; jedoch rechnete er nicht damit, dass er bereits so schnell wieder mit de Rainault zusammentreffen würde. Lord William biss seine Zähne zusammen und versuchte, seine Wut zu unterdrücken. Der Earl of Huntingdon schaute ihn fragend an, aber Susanna's Vater war in privaten Dingen ein schweigsamer Mann; so zog er es vor, auch hier zu schweigen. Er wollte nicht, dass ganz England darüber redete. Der Gedanke, seine Tochter wieder zu sehen, die mit Sicherheit noch bei den Mönchen weilte, lenkte ihn ab. Er fragte sich, wie es wohl Sir Godric erginge und wie seine Genesung fortgeschritten sein mochte. Allmählich beruhigte er sich wieder.

Währenddessen erhoben sich in Glenfield der Abt und Bruder Philip von ihrem Mittagsmahl, um die vermeintliche Lady zu begrüßen, die sich als Susanna of Leicester ausgab. Als Bruder des Earls würde Philip seine Nichte sicherlich von einer gemeinen Diebin unterscheiden können. Dessen war sich der Mönch jedoch überhaupt nicht sicher. Das letzte Mal, als er Susanna gesehen hatte, war sie gerade 8 Jahre alt und ein kleiner Irrwisch mit wirren roten Locken und großen grünen Augen. Er war gespannt, was ihn in der Halle wohl erwartete. Susanna stand noch immer bei der Tür in der Eingangshalle der Abtei und wartete. "Der Bruder hat mich nicht gerade herzlich willkommen geheißen - aber so wie ich aussehe ist da ja auch kein Wunder", dachte sie bei sich. Ihre anfänglich gute Laune verwandelte sich ganz allmählich in Unsicherheit. Endlich öffnete sich die schwere Eichentür, die weiter ins Innere des Hauses führte, und der hagere Mönch kam mit zwei weiteren Geistlichen in die Halle. Die junge Lady erkannte ihren Onkel sofort und lief erleichtert auf ihn zu. "Onkel Philip!" rief sie freudig und fiel dem völlig überraschten Mönch um den Hals. Der Abt beobachtete diese Szene mit einem Stirnrunzeln. "Lass dich anschauen, kleine Lady", entgegnete Bruder Philip nicht weniger freudig und hielt sie bei den Schultern, um sie zu begutachten. "Meine Güte, du bist ja richtig erwachsen geworden. Aber wie siehst du überhaupt aus?...Total verwildert......." Jetzt erst beachtete Susanna's Onkel den Abt, der die ganze Zeit neben ihm stand. "Vergebt mir meine Unhöflichkeit, Vater Abt. Das ist die Tochter des Earl of Leicester - meine Nichte." "Was führt dich zu uns, Tochter - so fern der Heimat und ganz ohne Begleitung?" fragte der Abt skeptisch. "Ich möchte Euch bitten, für einige Tage hier bei Euch bleiben zu dürfen. Ich komme gerade aus Nottingham, aber dort konnte ich nicht bleiben....." Und bevor weitere Fragen gestellt würden fügte sie hinzu: "Fragt mich jetzt bitte nicht warum, das ist eine lange Geschichte....." Der Abt nahm das erst einmal so hin und trug Bruder Philip auf, der jungen Lady ein Gemach zuzuweisen und ihr ein Kleid aus der Kleiderkammer zu geben, in der die Mönche Kleiderspenden Adliger aufbewahrten, die ihr Hab und Gut der Abtei vererbten. Susanna wählte ein leuchtend grünes Gewand aus und ging sich waschen, bevor sie es überzog. Nachdem sie sich zu Recht gemacht hatte war sie wieder ganz die Lady, die sie noch vor gar nicht allzu langer Zeit in Leicester gewesen war - bis auf ihr Haar...... "Wenn Godric aus Wales zurückkehrt wird er seinen Augen nicht trauen", dachte sie und lächelte glücklich.....

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Taran:

Bruder Berengar und Taran hatten sich für einige Tage in die völlige Einsamkeit zurückgezogen. Sie hatten die Tage in der Nähe des Klosters in einer kleinen Kate verbracht. Niemand, auch nicht die Mönche des Klosters wussten, was sie dort machten. Jedoch hatten sie vor Bruder Berengar großen Respekt, und darum fragten sie nicht nach. So bekam auch niemand mit, als Bruder Berengar früh morgens zu Fuß Richtung Hawkney aufbrach. Taran begab am selben Tag gegen Nachmittags zurück zum Kloster. Vor den Mauern, die zum Eingang führten, traf er Bruder Roger, der in dem Moment vom Gut Sir Henrys zurückkehrte. Er erzählte Taran vom Eintreffen der Soldaten. Mit einem prüfenden Blick auf Taran gerichtet, erzählte er, dass der Hauptmann der Truppe verblüffende Ähnlichkeit mit Taran besitzen würde. Taran, der keine Miene verzog, stellte sich zunächst erstaunt, um das Ganze dann als Zufall abzutun. Ins Gespräch vertieft, begaben sich beide Männer ins Gebäude. Taran, war eigentlich auf der Suche nach dem Abt. Auf dem Weg in dessen Gemächer, traf er plötzlich auf Susanna. Erstaunt blieb er stehen. Er lächelte sie freundlich an, und erkundigte sich dann bei ihr nach Sir Godric. Susanna erzählte ihm, dass Sir Godric auf dem Weg nach Wales war, und sie hier im Kloster ein wenig Zeit verbringen wolle. Nach einem kurzen Gespräch verabschiedete sich Taran von Susanna, wünschte ihr viel Glück und ging weiter. Bei der Suche nach dem Abt hatte er kein Glück. Taran, der nicht zu viel Zeit verlieren wollte, entschied das Kloster wieder zu verlassen. Es war ein Wink des Schicksals, dass er vor dem Kloster auf Bruder Roger gestoßen war. Eigentlich hatte er seinem Bruder eine schriftliche Nachricht zukommen lassen wollen. Nachdem sich dieser jedoch so in der Nähe aufhielt, konnte er nicht anders, als ihn persönlich aufzusuchen. So machte sich Taran auf den Weg zum Gut Sir Henrys of Glenford. Es war kein weiter Marsch, er erreichte das Gut am Abend. Es war schon seit einiger Zeit dunkel. Jetzt muss ich nur noch Jehan treffen, ohne große Aufmerksamkeit zu erregen, dachte Taran bei sich, während er versuchte, das Gelände zu überblicken. Er wollte nicht gerade einem der Soldaten in die Hände laufen. Vielleicht sollte er auch bis zum Morgen warten? Auf jeden Fall würde er hier im Schutz der Dunkelheit warten, bis es im Hof ruhig werden würde.

*

Gwen:

Bruce de Briac war ganz und gar nicht gut gelaunt. Er hatte gerade erfahren dass Prinz John das Land bereiste und befahl die Earls und Highsheriffs der Gegend zu einem Treffen nach Nottingham - zum Frühlingsjahrmarkt... hieß es. ’Ha’ dachte sich de Briac '...mehr Geld will diese Natter.’ Er hatte seine Steuereintreiber in die Dörfer geschickt, um die restlichen Gelder einzusammeln. Und jetzt kamen diese Bauern und wollten ihre Schulden tatsächlich mit Hühnern bezahlen! 'Wie denken die sich das?' Sollte er etwa mit einem Karren voller Hühner vor Prinz John treten? Wenn ihm nichts Besseres einfiel würde John ihn, Bruce de Briac, zur Volksbelustigung noch an den Pranger stellen. Und zu all diesen Problemen kamen jetzt noch diese beiden Weiber, die auf Hawkney hausten... "Mehr Wein!" brüllte er seinen Mundschenk an. "Mylord. Die Lady of Hawkney." Gerade als er sich etwas beruhigt hatte und sich wieder den Zahlenkolonnen zugewendet hatte kündigte einer seiner Diener Gwens Kommen an. 'Lady! Das ich nicht lache!' murmelte de Briac vor sich hin und hob gelangweilt den Kopf. Er glaubte der Weinbecher müsse ihm entgleiten, als er die Frau vor sich betrachtete. Ein weinrotes Kleid umschmeichelte sie, den Kopf, bedeckt mit einem weißen Schleier und einer schlichten Schapel, hielt sie stolz erhoben, Augen so blau wie der Frühlingshimmel sahen ihn strahlend an und der weiße Hals... De Briac riss seinen lüsternen Blick von ihr und zwang sich zur Vernunft. "Lady. Meine Schreiber haben die Urkunden geprüft. Das Gut gehört Euch!" Gwen atmete erleichtert auf. "Da wäre nur noch eins." Er verstummte und betrachtete die Zahlen vor sich. "Mylord?" "Seit dem...sagen wir, unglückseligem, Ableben Eures Vaters haben wir vom Gut Hawkney keine Steuern erhalten. Über die Jahre zusammengerechnet beläuft sich Eure Schuld somit auf..." Gwen konnte nicht glauben was er da sagte. "Ihr habt bis morgen Zeit die Summe zu begleichen." "Mylord!" rief sie aus. "Selbst unter größten Mühen könnte ich bis morgen nicht einmal die Steuern für dieses Jahr aufbringen!" "Ach nicht?" er lächelte sie süffisant an. "Dann, so fürchte ich, werdet Ihr wohl Prinz John erklären müssen, dass er auf sein Geld warten muss. Vielleicht findet er ja Wege sie Euch zu erlassen." Oh wie einfach das alles für ihn wurde. Kein Pranger! "Ihr begleitet mich morgen nach Nottingham." Gwen erbleichte, ihre Knie zitterten und sie musste sich auf der Stuhllehne vor ihr abstützen. "Mylord. Ihr versteht nicht. Wichtige Verpflichtungen erfordern meine Anwesenheit auf dem Gut." Sie versuchte so gefasst wie möglich zu klingen. "Nein, ich fürchte ihr versteht nicht, Lady." De Briacs Stimme wurde hart. "Das war keine Bitte sondern ein Befehl. Wir reiten morgen zusammen nach Nottingham. Man wird Euch für heute Nacht ein Zimmer zuweisen. Martin!" Gwen war entlassen. Ihr blieb nichts anderes übrig als dem Mann zu folgen... De Briac blickte aus dem Fenster. Fast tat sie ihm leid. ‚Es ist nicht zu ändern’ dachte er bei sich. ‚Wenn schon ein Kopf rollen muss dann ein angelsächsischer; auch wenn er auf einem noch so hübschen Hals sitz.’ Die Tür schloss sich hinter Gwen. Sie setzte sich aufs Bett und kämpfte nicht mehr gegen die Tränen an. „Nottingham...warum nur nach Nottingham...“ fragte sie sich still voller Entsetzen.

*

Jehan:

Taran schlich in der Dämmerung in den Hof von Glenfield Meadows. Er wandte sich dem Pferdestall zu und täuschte vor, dort zu arbeiten, während er sich vorsichtig umsah. Tatsächlich entdeckter er Gisburne. Der durfte ihn natürlich unter keinen Umständen sehen, also zog er die Kapuze seines Gugels tiefer ins Gesicht und lehnte sich auf die hölzerne Forke. Ein Soldat kam auf ihn zu, aber ohne Helm und Kettenhaube, und Taran erkannte, dass das Glück auf seiner Seite war: es war sein Bruder Jehan. Der Hauptmann ging achtlos an dem vermeintlichen Stallburschen vorbei und begann, in seinen Satteltaschen zu wühlen.„Deine Normannenehre findest du dort nicht, falls du deshalb da herumkramst“ sagte Taran leise. Jehan fuhr herum, die Hand schon am Griff des Schwertes. Taran grinste ihn breit an.„Taran!“ Endlich hatte Jehan erkannt, wer ihn da hinterrücks überraschte. „Was machst du denn hier?“„Ich muss dir was sagen“.„Nicht schon wieder! Ich hab genug von deinen Mitteilungen. Ich will gar nichts mehr hören!“„He, du vergisst wohl, mit wem du redest! Also, ich war drüben, in dem nahen Kloster. Gwen war dort!“ Jehan spürte einen Stich wie von einem Messer. „Gwen? Was lügst du mir schon wieder vor? Sie ist tot!“ zischte er etwas zu heftig.„Sie lebt!“ entgegnete Taran eindringlich. Jehan blickte ihn zornig an. „Hör endlich auf mich anzulügen! Ich glaube dir ohnehin kein Wort mehr, Bastard!“ Zu spät wurde ihm die Bedeutung des Schimpfwortes bewusst. Taran packte ihn an der Uniform und hatte schon zum Schlag ausgeholt, aber im letzten Moment besann er sich. Er lächelte. „Nun, was wär’s denn dann? Bastard oder Bankert? Der Schlag ist auch nicht zu verachten. Wie auch immer, Gwen ist nach Hawkney zurückgekehrt.“ Jehan trat einen Schritt zurück. Nach einem langen trotzigen Blick wandte er sich ab und starrte das Pferd an, das neben ihm zufrieden das Heu zerkaute. Der Hauptmann hatte die Fäuste geballt. „Ich wollte, dass du das weißt“ sagte Taran leise.„Gut“ entgegnete Jehan „nun weiß ich es. Aber es ändert nichts. Und was wirst du jetzt tun? Willst du in Glenfield bleiben? Oder willst du dich dieser angelsächsischen Brut anschließen?“

*

Gwen:

Früh am nächsten Morgen machte sich de Briac mit einigen Soldaten und Gwen auf den Weg nach Nottingham. Man hatte ihr ein eigenes Reitpferd gegeben; eine gemütliche, schon etwas ältere Stute, und wies sie an, sich mit ihrem Pferd dicht hinter de Briac zu halten. Der Normanne war weder dumm noch leichtsinnig: sie wurden links und rechts von einer Reihe Soldaten eskortiert. Hatte Gwen in der Nacht noch an die Möglichkeit einer Flucht zu Pferde gedacht verwarf sie diese Idee jetzt sofort. Bis Nottingham würden sie mindestens zwei Tage unterwegs sein und so hoffte Gwen, der Abend würde ihr einen Fluchtweg zeigen.

De Briac wollte den leidigen Weg hinter sich bringen und hatte, kaum das sie Gapdale hinter sich gebracht hatten einen schnellen Schritt eingelegt. Dennoch fasste Gwen allen Mut zusammen und rief den vor ihr reitenden Mann an „Mylord Sheriff!“ Er ließ sein Pferd zurückfallen und ritt an ihrer Seite weiter. „Sprecht!“ forderte e sie auf. „Verzeiht Mylord. Unser Weg führt uns an Hawkney vorbei. Ich verließ das Gut im Glauben noch am selben Tag zurückkehren zu können. Bitte gestattet Euch und den Pferden eine kurze Rast – und mir ein paar Momente meiner....Verwalterin einige Anweisungen für die Zeit meiner Abwesenheit zu geben.“ dabei sah sie ihn ergeben, aber ohne den Blick zu senken an. De Briac dachte einen Moment nach, bevor er zustimmend nickte und den Befehl gab, sich in Richtung des Gutes von Hawkney zu bewegen.

*

Robin:

Der restliche Weg zurück in den Sherwood und zu ihrem Lager verlief ruhig. Erst vor kurzem war der Earl of Huntington in Begleitung des Earls of Leicester durch den Sherwood geritten, doch sie hatten auch sie ungehindert ziehen lassen, was Robin einen weiteren missbilligenden Blick von Will einbrachte. Aber es waren zu viele Soldaten gewesen und er wollte seine Männer nicht unnötig und vor allem unvorbereitet in Gefahr bringen. Es war schon weit nach Mittag, als sie endlich ihr Lager erreichten und Tuck sich sofort daran machte, das von John geschossene Wild zu einem schmackhaften Braten werden zu lassen. Plötzlich lächelte Robin, gab den anderen ein Zeichen ihm zu folgen und ging zurück zum Weg. John runzelte nur kurz die Stirn, beließ es aber dabei und folgte ihm. Sie hatten es längst aufgegeben, zu fragen, was er vorhatte. Am Weg angekommen gab Robin Handzeichen, das sie sich nach rechts und links verteilen sollten. Schon nach einigen Augenblicken hörten sie das typische Geräusch von einem Karren der immer näher kam und schließlich an der Wegbiegung vor ihnen auftauchte. Schon von weitem konnte man an der edlen Robe erkennen, das es sich um einen reichen Kaufmann handelte. Mit einem Satz standen Robin, Will und Nasir vor dem erschrockenem Mann, während John, Much und Tuck sich hinter ihm aufbauten. Unter seinem schweren Mantel konnte man deutlich die Wölbung eines gut genährten Bauches erkennen und sein feistes Gesicht glänzte von der Anstrengung der Fahrt. Ungläubig zogen sich seine kleinen Augen zusammen, während seine Gesichtsfarbe von ängstlichem weiß zu einem wütenden rot wechselte. "Ihr nichtsnutziges Gesindel, gebt den Weg frei." schrie er hysterisch und aufgebracht und versuchte sich auf dem schmalen Sitz in die Höhe zu stemmen, um seinen Worten mehr Gewicht zu verleihen. "Na, na... wer wird denn gleich so unfreundlich sein." tönte die dunkle Stimme von John hinter ihm. Erschrocken drehte er sich um, soweit seine Körpermasse dies zuließ. Robin hatte die Arme verschränk und beobachtete vergnügt, wie der Kaufmann immer nervöser wurde.  "Ihr reitet durch unseren Wald." stelle er in ruhigem Tonfall klar und lief gemächlich auf ihn zu. "Das bedeutet, ihr müsst Wegegeld zahlen." Sichtlich entgeistert sah er Robin und dann die anderen an. "Ihr wagt es...!" Seine Stimme bebte vor Wut, doch als er plötzlich Robins Schwertspitze an seinem feisten Bauch spürte, stockte er. Erschrocken sog er die Luft ein. "Ihr .... ihr..... werdet be...bekommen was ihr wollt, aber...aber lasst mich am leben." stotterte er und nestelte mit zitternden Fingern an seinem Wams, bis er endlich einen Beutel mit Geldstücken hervorbrachte. Mit einem freundlichen Danke entriss ihm Robin das Geld und gab gleichzeitig John ein Zeichen, den Wagen genauer zu untersuchen. "Wo wollte ihr hin?" fragte Robin lauernd und hob wie zufällig sein Schwert, dessen Spitze wieder auf den Bauch des Kaufmanns zeigte. "Nach...nach..Nottingham. Der High Sheriff veranstaltet einen Jahrmarkt." "Einen Jahrmarkt?! So so." entgegnete Robin beiläufig, während er sich die Waren betrachtete. "Ich werde mich bei Prinz John höchstpersönlich über die Vorgänge hier beschweren." Wütend sah er Robin an. Jetzt, da das Schwert nicht mehr direkt vor ihm war, schien sein Mut wieder zurückzukommen. "Prinz John?" ungläubig sah Robin ihn einen Moment an. Dann griff er sich eine edle goldene Schale, nickte dem verdutzten Kaufmann kurz zu und verschwand mit den anderen schnell und lautlos im Wald. Noch von weitem hörten sie den Kaufmann laut fluchend seinen Weg fortsetzten.

Während sie aßen und darüber berieten, morgen früh nach Wickham zu gehen, um das Geld und die Schale hinzubringen, damit die Dorfbewohner ihre fälligen Steuern zahlen konnten, saß Robin in Gedanken an einen Baum gelehnt da. 'Prinz John kommt nach Nottingham?!' dachte er. 'Dieser normannische Bastard kommt doch nicht wegen einem Jahrmarkt. Irgendwas führt er im Schilde...sie sollten auf der Hut sein....

*

Gwen:

Auf Hawkney angelangt versorgten die Männer erst die Pferde und genossen dann die kurze Zeit des Nichtstuns im Schatten der großen Bäume. Gwen war auf dem Weg zum Haus als sie hinter sich die Stimme de Briac vernahm. „Hauptmann!“ rief er einem seiner Soldaten zu. „Ich begleitete Lady Gwendrianna. Achtet mir ja darauf, dass sie unversehrt den Ritt weiterführen kann.“ Gwen fröstelte. Sie konnte ihn nicht sehen doch den Blick der auf ihr lag vermochte sie förmlich spüren. Im Haus angelangt fand sie schnell was sie suchte. Sie entnahm den kleinen Flakon und steckte die Wurzeln ein. Und endlich kam auch Ravina aus ihrem Versteck hervor. „Was geht hier vor?“ fragte sie leise und ängstlich. „De Briac schleppt mich vor Prinz John...nach Nottingham.“ „Nottingham? Aber warum?“ „Ich kann die Steuern nicht bezahlen... Ravina, hör jetzt gut zu. Der Flakon hier, er ist für Robin Hood. Bruder Berengar weiß, was damit zu geschehen hat. Und du, du musst auf dich aufpassen! Sie sagen du seiest eine Wilddiebin..vielleicht werden sie dich verjagen. Geh dann in den Sherwood, Robin wird dich finden!“ Sie schaute nach dem Hauptmann, aber der lehnte nur gelangweilt an der Eingangstür. „Gwen, und was wird aus dir?“ „Ich weiß es nicht...“ Gwen versuchte ihre Angst zu verbergen. ‚Ich werde es noch viel zu früh erfahren’ dachte sie still bei sich. Sie wandte sich abrupt um und ging zurück zu den wartenden Soldaten. Auf dem weiteren Ritt versuchte Gwen einen klaren Gedanken zu fassen. Je länger sie darüber nachdachte, desto deutlicher erkannte sie, dass eine Flucht zwecklos wäre. Selbst wenn sie gelänge: wo sollte sie leben? Hawkney würde sie verlieren und damit auch Ravina ihr gerade erst gefundenes Heim nehmen. Sie würde also auf die Gnade Prinz Johns hoffen müssen – und darauf, dass de Rainault in dessen Anwesenheit nicht widersprechen würde... oder gar eigene Ansprüche stellen würde...

*

Sue:

Die Reise der Earls of Leicester und Huntingdon verlief ohne Zwischenfälle. Selbst Sherwood Forrest konnten sie unbehelligt durchqueren. Von Robin Hood und seiner Bande war keine Spur zu sehen. Dennoch beschlich Lord William das seltsame Gefühl, beobachtet zu werden. "Seltsam", dachte er, "diese Gesetzlosen sind doch sonst überall....." Zu gerne hätte er diesem unverschämten Burschen namens Robin of Loxley Auge in Auge gegenübergestanden; schließlich hatte er seine Tochter vor nicht allzu langer Zeit als Geisel genommen. Gott sei Dank war Susanna nicht zu Schaden gekommen, deshalb wollte er auch Robin Hood nicht schaden. Während er so über das Geschehene nachdachte, fiel Lord William zum ersten Mal auf, dass seine Tochter - trotz der Tatsache, dass beinahe ein Mensch sein Leben für sie lassen musste - enorm viel Verständnis für diese Gesetzlosen aufbrachte. Irgendetwas stimmte da doch nicht. Das war ihm zuvor, in der ganzen Aufregung, gar nicht bewusst geworden. Aber jetzt drängte sich ihm der Gedanke auf, dass Susanna vielleicht doch nicht so ganz unschuldig in diese Misere hineingeraten war. Er beschloss, dieser Sache beizeiten nachzugehen.  

Es war schon später Nachmittag und endlich erreichte der Trupp um die beiden Earls Nottingham. Schon von weitem, nur beim Anblick des Schlosses, in dem diese normannische Ratte de Rainault lebte, schnürte es dem Earl of Leicester vor Wut die Kehle zu. Er war jedoch besonnen genug, sich nichts anmerken zu lassen. Bei passender Gelegenheit wollte Susanna's Vater dem Sheriff einen Denkzettel verpassen, den er so schnell nicht vergessen sollte. Aber von seinen Rachegefühlen wollte sich Lord William nicht leiten lassen. Bei ihrem Ritt durch Nottingham hoch zum Schloss kamen die Männer auch am Haus der Mönche Bruder Ranulf und Bruder Geraldus vorbei. Der Earl of Leicester musste sich zwingen, nicht anzuhalten, um nach seiner Tochter zu schauen. "Dafür ist später noch Zeit.....", sagte er ganz leise zu sich selbst. Insgeheim hoffte er jedoch, dass Susanna mittlerweile wieder nach Leicester zurückgekehrt war.

"Lord David, Earl of Huntingdon und Lord William, Earl of Leicester", schalmeite die Stimme des Stewards des Sheriffs of Nottingham, als die beiden Adeligen die große Halle in Nottingham-Castle betraten. "Meine lieben Lords.....", begrüßte sie de Rainault übertrieben freundlich. "Ihr seid ein bisschen früh - der Jahrmarkt findet erst in ein paar Tagen statt, aber seid mir dennoch herzlich willkommen". Lord William hätte sich am liebsten übergeben ob dieser geheuchelten Herzlichkeit, aber er biss seine Zähne zusammen und presste ein höfliches aber kaltes "Seid bedankt....." heraus. De Rainault schaute Susanna's Vater mit kaltem Blick in die Augen, und dieser erwiderte diesen Blick nicht weniger hasserfüllt. Der Earl of Huntingdon bemerkte diese offensichtliche Feindschaft, die zwischen diesen beiden Männern herrschte und machte sich so seine Gedanken. Lord David witterte Ärger und war sich ziemlich sicher, dass er mit seiner Befürchtung Recht behalten sollte..... "Mein Steward wird Euch zu Euren Gemächern führen. Dort könnt Ihr Euch nach Eurer langen Reise etwas ausruhen. Ich möchte Euch dann zum Abendessen an meine Tafel bitten, ihr müsst hungrig sein.....", erklärte der Sheriff und bedeutete seinem Diener mit einem kurzen Nicken, seinen Anordnungen nachzukommen. Es war nicht zu übersehen, dass sich de Rainault in der Anwesenheit Lord Williams unwohl fühlte. Der Earl of Leicester hatte gute Beziehungen zur gesamten königlichen Familie, und Prinz John würde in Kürze auch noch eintreffen. De Rainault wusste, dass er jetzt auf der Hut sein musste wenn er seine Position als High-Sheriff of Nottingham auch weiterhin behalten wollte.

Lord William machte sich in seinem Gemach etwas frisch und zog sich saubere Kleidung an. Seine Reisekleidung war von dem langen Ritt ganz staubig geworden. Es hatte seit Tagen nicht mehr geregnet und die Wege waren von der warmen Frühlingssonne ganz ausgetrocknet. Er war nicht hungrig und beschloss deshalb, sich sofort zu vergewissern, dass es seiner Tochter gut ging. Außerdem interessierte es ihn brennend, welche Fortschritte Sir Godric's Genesung machte. Der Earl of Leicester ging zu den Ställen im Schlosshof, um sein Pferd zu holen und ritt in die Abenddämmerung hinaus zum Haus der Mönche am Rande Nottinghams. "WIE......NICHT MEHR HIER?", donnerte er los, als Bruder Ranulf erklärte, dass sowohl Sir Godric als auch Lady Susanna nicht mehr bei den Mönchen weilten. "Beruhigt Euch", bat Bruder Geraldus. "Sir Godric ist in einer dringenden familiären Angelegenheit in seine Heimat, nach Wales, abgereist, und Eure Tochter ist am nächsten Morgen zur Abtei in Glenfield aufgebrochen. Dass sie alleine losgeritten war und die zu ihrem Schutz abgestellten Soldaten nach Leicester zurückschickte, hatten sie lieber verschwiegen. Susanna's Vater atmete erleichtert auf. Das hätte ihm gerade noch gefehlt: seine Jüngste - durchgebrannt mit diesem jungen Mann; zuzutrauen wäre es beiden gewesen..... Er bedankte sich bei den Mönchen und entschuldigte sich dafür, so die Beherrschung verloren zu haben. Danach verabschiedete er sich und ritt zurück zum Schloss. Er überlegte, die Zeit bis zum Eintreffen Prinz John's zu nutzen, indem er am nächsten Morgen ebenfalls nach Glenfield reiten wollte, um seine Tochter wieder zu sehen und um endlich eine leidige Angelegenheit hinter sich zu bringen, die er bereits seit 10 Jahren erfolgreich aufgeschoben hatte. Irgendwann würde er sich mit seinem Bruder aussprechen müssen. Warum sollte er also nicht jetzt die Gelegenheit dazu nutzen.....?

*

Taran:

Taran sah seinen Bruder mit einem durchdringenden Blick an.“ Jehan, was habe ich Dir getan?“ Du bist so feindselig, dass Du Steven damit Konkurrenz machen könntest“, sagte er dann gedehnt. „Ich habe lediglich gedacht, dass Du über deine Herkunft bescheid wissen solltest. Ich konnte doch nicht ahnen, dass Du wie ein Kleinkind reagierst. Vielleicht hätte ich es Dir lieber nicht erzählen sollen. Es scheint sich nicht positiv auf Dein Verhalten auszuwirken.“ Jehan starrte seinen älteren Bruder böse an. Bevor er jedoch etwas erwidern konnte, fuhr Taran fort:“ Außerdem geht es nicht um Normannen oder wie Du es nennst Angelsachsenbrut. Es geht hier um Gerechtigkeit.“ Taran stockte, und sah seinen Bruder an, der immer wütender zu werden schien. Scheinbar hatte es ihm bei Tarans Worten die Sprache verschlagen, denn er sagte noch immer nichts. „Wie dem auch sei,“ sagte Taran achselzuckend, Du weißt jetzt wegen Gwen Bescheid. „Und wenn Du aufgehört hast mich anzustarren, werde ich hier unauffällig verschwinden. Außer Du wärst bereit ein vernünftiges Gespräch zu führen.“

*

Jehan:

"Wie sollte ich bei so etwas ruhig bleiben, he?" zischte Jehan, und Taran spürte all die unterdrückte Wut, die in seinen Worten mitschwang. "Hör zu, es geht ja nicht gegen dich! Aber alles, wozu ich erzogen wurde - wozu wir erzogen wurden - alles woran ich glaube... ist nun vernichtet! Wie kannst du glauben, dass mich nicht wütend macht?! Unser Vater war ein verdammter Heuchler! Ehrlich, wenn er nicht schon tot wäre, ich würde ihn umbringen!!" Jehan bleckte die Zähne wie ein gereizter, bissiger Hund. "Ich verstehe nicht, dass dich das überhaupt nicht wütend macht! Hast du denn kein bisschen Ehre?" Taran sah seinen Bruder tadelnd an. "Ehre hat nichts mit Abstammung zu tun," stellte er fest. "Doch!" fuhr Jehan ihn an. "Nur damit! Ein Angelsachse hat keine Ehre!" "Das ist das, was Vater uns gelehrt hat! Aber du hast gerade selbst eingesehen, dass er ein Heuchler war. Ist dir schon einmal in den Sinn gekommen, dass er vielleicht Unrecht hatte?" "Du warst schon immer so ein verdammter Weichling!" zischte Jehan wütend.

*

Gwen:

Mit den letzten Strahlen der rot untergehenden Sonne erreichte die Gruppe aus Gapdale die Abtei von Glenfield. Gwen erkannte die Mauern von weitem. Es kam ihr fast wie eine Ewigkeit vor, dass sie diesen Ort so hoffnungsvoll verlassen hatte... Heute waren ihre Erinnerungen nur noch verschwommen. Sie erinnerte sich an Kampfgeräusche, sah vor sich die Gesichter von Berengar und Robin ... und Jehan, der sie mit sanften Worten beruhigt hatte. Mit diesen Erinnerungen erschien ihr das Gemäuer jetzt nur kalt und unwirtlich. Bruder Jacobus öffnet die Tür und wies de Briac die Richtung zu den Gästeunterkünften. Es dauerte einen Moment bis er in der mitreisenden Frau die Verletzte erkannte, die eine Gruppe Geächteter vor wenigen Wochen ihrer Pflege übergeben hatte. Gwen war erleichtert, als keine Worte über seine Lippen kamen und nickte ihm dankend zu. Während Gwen vor dem Gästehaus vom Pferd stieg bog um die Ecke eine junge Frau. Sie trug ein grünes Kleid und Gwen glaubte für einen Moment ihr irgendwo schon einmal begegnet zu sein. De Briac ließ ihr keine Zeit zum Nachdenken sondern führte sie höchstpersönlich zu einer der Kammern. Gwen ertrug sein Grinsen nicht, als er die Tür hinter sich schloss. Mit dem Gedanken an Nottingham, das sie morgen erreichen würden, ließ sie sich auf dem kleinen Bett nieder und wollte nur noch schlafen...

*

Jehan:

Taran ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Er verstand nicht, was so schrecklich war. Er selbst hatte sich längst mit den Tatsachen abgefunden. Es war ihm nicht einmal schwer gefallen. Er ignorierte die Beleidigung und zuckte die Achseln. „Jehan, es ist hoffnungslos mit dir!“ sagte er lustlos. „Steck deinen Kopf in einen Eimer eiskalten Wassers, und wenn du wieder normal denken kannst, können wir versuchen uns noch mal in einem vernünftigen Ton zu unterhalten. Die Wahrheit ändert sich nicht, indem du mich beleidigst. Dadurch machst du es nur schlimmer. Sei froh, dass ich nicht nachtragend bin.“ „Ach ja? Ich bin aber sehr nachtragend!“ Jehan konnte sich einfach nicht beruhigen. Seine Augen blitzten kampfeslustig. Tief in seinem Innern wusste er, dass es falsch war Taran zu beschimpfen, gleichzeitig konnte er nicht aufhören. „Ich gehe jetzt besser!“ entgegnete Taran und senkte die Stimme. „Ich gebe dir noch einen brüderlichen Rat: pass auf dich auf. Denk erst nach, bevor du handelst, auch wenn es schwer fällt. Ich bleibe in der Nähe. So leb denn wohl.“ Er zog die Kapuze noch tiefer ins Gesicht, wandte sich um und ging schnurstracks und ohne die Spur schlechter Nerven über den Hof zum Tor. Dinge, die man verstecken will, platzierte man am besten direkt vor aller Augen. Das hatte schon immer funktioniert. So auch dieses Mal. Ungehindert verließ er das Gut, und schlenderte in Richtung Abtei davon. Jehan sah ihm feindselig nach. Er hasste es, wenn Taran sich aufspielte, als sei er im Recht! Nur langsam löste sich seine verkrampfte Faust vom Griff des Schwertes. Er atmete schwer, seine Kiefermuskeln spannten sich, so fest hatte er die Zähne zusammengebissen. Er hasste die ganze Welt, einfach jeden, für das Unrecht, das ihm angetan wurde. Wütend schlug er mit der Faust auf einen Balken. Keine zehn kalte Winter würden ihn dazu bringen, das zu akzeptieren!

Früh am anderen Morgen traten sie den Heimritt an. Gisburne hatte das Geld in den Satteltaschen des Packpferdes verstaut, das einer der Soldaten neben sich als Handpferd herführte. Ihre Laune war nicht die beste. Gisburne ärgerte sich immer noch über Sir Henry, während Jehan noch immer mit den Worten seines Bruders haderte. Wäre ihre schlechte Einstellung zu Eis geworden, sie wären wohl augenblicklich am Boden festgefroren. Der Hauch des Todes hätte nicht frostiger sein können. So aber verließen sie einen süffisant lächelnden Gutsherren, trieben die Pferde zu einem frischen Trab an, um schnellstens nach Nottingham zu gelangen. In diesem Tempo müssten sie am Abend dort sein. Jeder, der ihren Weg kreuzte, machte den grimmigen, verschlossenen Soldaten gerne Platz, die rücksichtslos ihre Pferde antrieben, egal, ob Frauen ihre Kinder rechtzeitig vom Weg weggeholt hatten oder nicht. Und so manches traf ein schmerzhafter Huftritt.

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Robin:

Hektische Betriebsamkeit war seit dem Morgen im Lager der Geächteten ausgebrochen. Herne hatte Robin in der Nacht eine Nachricht zukommen lassen. Gisburne und seine Männer waren seit den frühen Stunden auf dem Rückweg von Glenfield und würden am späten Nachmittag durch Sherwood kommen. Nicht nur das Geld, welches Gisburne mit sich führte, interessierte Robin. Auch war es an der Zeit, sich beim Sheriff in Erinnerung zu rufen, damit er nicht zu tollkühn wurde. Die Steuern waren sehr hoch dieses Jahr und die Menschen in den umliegenden Dörfern brauchten das Geld. Ein Lächeln umspielte Robins Lippen, als er im Geiste Gisburnes wutverzerrtes Gesicht sah. Much war schon seit Stunden auf seinem Beobachtungsposten, während der Rest der Truppe sich um die Pfeile und Bögen kümmerte. Alles musste gut vorbereitet sein. Die Zahl der Soldaten war ihnen schon seit ihrem Rückweg von Glenfield bekannt, als sie Gisburne begegnet waren. So konnten sie sich genauestens auf den bevorstehenden Überfall vorbereiten. Robin ging zur Vorsicht noch mal alles mit den anderen durch. Nur er und Will wollten sich ihnen in den Weg stellen. Der Rest sollte versteckt hinter Bäumen und Büschen die Soldaten im Auge behalten und mit ihren Bögen in Schach halten. Nur im Notfall sollten sie mit dem Schwert eingreifen.

Es war schon später Nachmittag, als sie Muchs Ruf hörten. "Los geht’s." sagte Robin kurz angebunden und alle gingen am Wegesrand auf ihre Plätze. Auch wenn die Soldaten in der Überzahl waren, hatten sie doch den Überraschungseffekt auf ihrer Seite. "Da kommt die Ratte!" zischte Will und starrte den Soldaten und Gisburne hasserfüllt entgegen. Robin wartete noch einige Augenblicke und ließ den Trupp näher kommen, bevor er und Will mit einem Satz auf dem Weg standen, den Bogen gespannt, den Pfeil auf Gisburnes Brust gerichtet. "Hallo Gisburne!" schrie er ihm entgegen und gab seiner Stimme einen verächtlichen Klang, der mehr als genug ausdrückte, was er von dem Atlatus des Sheriffs hielt. Vor Schreck zog Gisburne so hart am Zügel, das sein Pferd sich wiehernd aufbäumte und ihn beinah abwarf. "Robin Hood!" zischte er. Und an seine Soldaten gewandt, jedoch ohne sich umzudrehen, gab er den Befehl anzugreifen. Er musste dieses Geld beim Sheriff abliefern, sonst stand es schlecht um ihn. Robin hatte mit Gisburns Reaktion gerechnet. Noch ehe die Soldaten wirklich angreifen konnten, fielen die ersten tödlich getroffen vom Pferd. Nicht einer schaffte es, nahe genug heran zu kommen, um wirklich gefährlich werden zu können. Trotzdem stürmten John und Nasir, die hinter den Bäumen versteckt standen, auf den Weg und warfen sich auf die Soldaten neben Gisburne. Aus dem Augenwinkel sah Robin, wie Will mit einem Wutschrei sein Schwert zog und losstürmte. Er hatte den jungen Hauptmann entdeckt, mit dem er schon in Nottingham gekämpft hatte und wollte ihm nun endlich den Garaus machen. Robin fluchte leise und rannte auf Gisburne zu, um sich das Geld zu holen, als er hinter der Wegbiegung einen anderen Trupp Soldaten auftauchen sah. Würden sie in den Kampf einschreiten, hätten sie keine Chance. Sie mussten also so schnell wie möglich verschwinden. Robin wich einem, nicht besonders gut geführtem Schwerthieb von Gisburne aus, schlug ihm noch in der Drehung die Waffe aus der Hand und zog ihn vom Pferd. Mit einem gezielten Schlag seines Knaufs schickte er ihn ins Reich der Träume. Eigentlich hatte er andere Pläne gehabt, doch dafür war keine Zeit mehr. Er schnappte sich den Geldsack, rannte zu dem verbissen kämpfenden Will und schlug den Hauptmann von hinten nieder. Während er John und Nasir zuschrie, das sie verschwinden mussten, zog er den wütenden Will hinter sich her in den Wald. Schon nach wenigen Sekunden waren sie verschwunden, zurück blieb ein Schlachtfeld....

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Gwen:

Einer der Mönche hatte Gwen die Morgenspeise gebracht. Gestärkt und leidlich ausgeruht trat sie jetzt in Begeleitung des Hauptmannes in die Frühlingssonne hinaus. Die Soldaten hatten schon längst die Pferde gesattelt und de Briac grinste sie von seinem Hengst herab an. Gwen ignorierte ihn und ließ sich vom Hauptmann beim Aufsitzen helfen. Der Trupp setzte sich in Bewegung und sie blickte wehmütig zurück, sie hatte Angst vor dem, was der Tag ihr bringen würde...

Sie waren schon eine ganze Weile in flottem Tempo geritten als sie Schreie und das Klirren von Schwertern vor sich vornahmen. Die Soldaten zogen das Tempo an – und dann sahen sie sie: Soldaten in den Uniformen Nottinghams kämpften hart gegen Gesetzlose, einige Soldaten lagen von Pfeilen durchbohrt bereits tot oder verletzt auf der Straße. Gwen versuchte verzweifelt über die großen Männer hinweg auszumachen wer die Kämpfenden waren. De Briacs durch viele Schlachten geschulter Blick ließ ihn erkennen, dass die Soldaten einen deutlichen Nachteil hatten. Mit einem kurzen Befehl schickte er seine Leute vor um den Unterlegenen zu Hilfe zu eilen. Gwen übergab er der Aufsicht zweier seiner Männer und stürzte sich in Richtung der Kämpfenden. Endlich war für sie der Blick frei. Sie erkannte Robin der gerade dabei war Überhand über Gisburne zu gewinnen und dann entfuhr ihrem Mund ein kurzer Schrei. Sie wollte ihr Pferd vorantreiben, doch die Soldaten waren schneller und griffen in ihre Zügel. „Nein!“ reif sie ängstlich aus als sie aus der Ferne zusehen musste, wie Hauptmann Jehan einen harten Streich gegen Will führte, dem dieser gerade noch mit Mühe ausweichen konnte. Die Wucht des Streiches ließ den Hauptmann straucheln und Will stürzte sich wieder auf seinen Gegner. „Aufhören, ihr sollt endlich aufhören!“ schrie sie verzweifelt gegen den viel zu lauten Kampflärm an und sprang von ihrer Stute, um den Kämpfenden entgegen zu laufen, doch den starken Armen der beiden Soldaten konnte sie sich nicht entwinden.

Robin indes bemerkte die heraneilenden Soldaten, erkannte dass sie unterliegen würden und rief seinen Männern zu, sich zurückzuziehen. Er ließ den am Boden liegenden Gisburne hinter sich, rannte auf Will und Jehan zu, verpasste diesem einen Schlag und riss Will mit sich. Innerhalb weniger Augenblicke waren die Geächteten im Wald verschwunden... Einige von de Briacs Männern kümmerten sich um die Verletzten während er selber und der Rest seiner Soldaten Gwen vom Ort des Geschehens wegbrachten...

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Robin:

"Was sollte das?" schrie Robin aufgebracht. "Ich hatte euch gesagt, ihr sollt euch bedeckt halten und nur im Notfall eingreifen." Robin war außer sich vor Wut. Wieso hatte Much sie nicht gewarnt, das noch ein Trupp Soldaten nachkam? "Robin..." Much versuchte seit einer Weile ihm etwas zu sagen, doch Robin hatte ihm immer wieder unwirsch den Mund verboten. "Jetzt hör doch mal..." Versuchte es Much noch mal. "Was ist?" schrie Robin ihn gereizt an, dass er erschrocken zusammenzuckte. "Ähm...bei den anderen Soldaten. Also da war Gwen dabei." stotterte er. "Waaasss?" ungläubig sah Robin und die anderen ihn an. Will griff ihn am Arm und zog ihn zu sich rum. "Bist du dir da ganz sicher?" Heftig nickte Much und sah die anderen fragend an. "Verdammt!" wütend schlug Robin mit der Faust gegen einen Baum, nahm dann seinen Bogen und den Köcher und wollte davon stürmen. John hielt ihn jedoch am Arm fest. "Lass es, Robin. Die sind längst über alle Berge. Außerdem sind es zu viele und sie sind jetzt vorgewarnt." "Du hast Recht." gab Robin nach einem Augenblick leise zurück. "Wir müssen uns was anderes einfallen lassen..."

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Gwen:

De Briac zählte drei Tote, und vier von Pfeilen verwundete Soldaten. Gisburne war noch immer bewusstlos, während Jehan schon wieder auf den Beinen war. Etwas benommen zwar, aber immerhin auf den Beinen. „Wir müssen ihnen nach“ waren seine ersten Worte. Er war kreideweiß, aber seine Augen glänzten bereits wieder kampfeslustig. „Wir müssen das Geld zurückholen! Männer! Auf die Pferde, wir werden sie verfolgen!“ „Hier im Wald? Ihr wollt wirklich hier im Wald diese Diebesbande verfolgen?“ fragte de Briac, der nur ein paar Schritte entfernt unschlüssig dastand. Jehan sah zu ihm hinüber und war mit zwei Schritten bei dem Normannen. „Mylord de Briac! Ich erkannte Euch nicht, verzeiht. Was tut Ihr hier im Shire?“ Er sah seinen früheren Dienstherren etwas gequält an. „Nun, mein guter Jehan, ich habe einen Besuch in Nottingham zu machen. Wie es scheint, habt Ihr hier einige Schwierigkeiten?“ „Dieses Pack ist der übelste Abschaum, Mylord. Ihr saht selbst, wie feige sie kämpften. Ich wünschte, ich könnte einen von ihnen in die Finger bekommen!“ „Ich kann mir schon vorstellen, was Ihr dann tätet. Ich kann mich noch gut an Euren Kampfstil erinnern“, antwortete Bruce de Briac schnell. „Ihr wollt sie hier im Wald jagen? Ihr müsst von Sinnen sein! Dieser Wald ist riesig! Diese Räuber kennen ihn und verstecken sich so gut, Ihr könntet ein Jahr lang suchen, ohne auch nur die geringste Spur von ihnen zu entdecken. Ganz zu schweigen davon, was sie mit Euch machen, Jehan.“ In diesem Moment regte sich Gisburne. Es war ein harter übler Schlag gewesen, der ihn niedergestreckt hatte. Zum Glück war sein Kopf mindestens ebenso hart. Noch etwas desorientiert starrte er vor sich hin. Jehan kniete neben ihm nieder. „Sir Guy, die Gesetzlosen haben einen Teil des Geldes mitgenommen. Gebt mir die Erlaubnis, sie zu verfolgen!“ zischte er eindringlich. Gisburne hielt sich die Hand an die Stirn. „Nein….nein. Das wäre sinnlos… was haben sie mitgenommen?“ „Nur den Teil, den Ihr bei Euch trugt, Herr“ informierte Jehan seinen Vorgesetzten. Gisburne sah sich um. Mühsam stand er auf, abgestützt auf einen Soldaten. Das Packpferd stand dort, die Satteltaschen schienen unberührt. „Das war nur ein kleiner Teil. Mein Plan hat funktioniert. Verluste?“ „Drei Tote, vier Verwundete, Mylord“ erstattete der Hauptmann Bericht. „Sheriff Bruce de Briac hier eilte uns zur Hilfe. Er ist auf dem Weg nach Nottingham“. Gisburne sah de Briac wohlwollend an. „Der High-Sheriff von Nottingham wird erfreut sein über Euren Besuch… und Eure Hilfe, Mylord“ sagte Gisburne. Bruce nickte ihm undurchdringlich lächelnd zu. „Wir Normannen müssen zusammenhalten, nicht wahr?“ sagte er leichthin. „Und nun, lasst uns weiter reiten. Ich möchte gerne noch heute nach Nottingham gelangen. Den Rest meiner Truppe schickte ich bereits voraus. Wer verbringt schon gerne die Nacht hier draußen?“ Eben – keiner der Soldaten wollte das. Sie stiegen in die Sättel, führten die nun überzähligen Pferde am Zügel mit sich und ritten gen Nottingham.

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Sue:

Lord William brach bei Tagesanbruch nach Glenfield auf. Er verabschiedete sich bereits am Abend zuvor vom Sheriff von Nottingham und dem Earl of Huntingdon, mit der kurzen Erklärung, bis Prinz John eintreffen würde, sicher wieder zurück zu sein. Über den Grund und das Ziel seiner Reise verlor er kein Wort. Den Ritt trat er mit gemischten Gefühlen an. Zum einen freute er sich auf ein Wiedersehen mit seiner Tochter, auf der anderen Seite jedoch war sein Bruder Philip..... "Philip.....", dachte der Earl of Leicester. ".....dieser törichte Hitzkopf!" Susanna's Vater war der einzige, der wusste, weshalb Lord Philip of Leicester vor 10 Jahren das Leben eines Mönches wählte. Um genau zu sein, war er derjenige, der dafür sorgte, dass sein jüngerer Bruder sich so entschied. Erinnerungen gingen Lord William durch den Kopf, Erinnerungen, die er lange verdrängt hatte und an die er auch lieber gar nicht mehr denken wollte. Nachdem Philip ins Kloster eingetreten war, hatte der Earl jeden Kontakt zu ihm schweren Herzens abgebrochen. Nun war aber Susanna dort, und die Vergangenheit schien die ungleichen Brüder einzuholen.

Am späten Vormittag erreichte der Earl of Leicester wie geplant die Abtei. Nur wenige Menschen waren ihm auf seinem Weg begegnet. Gott sei Dank waren keine Räuber darunter. So allein unterwegs hätte er eine leichte Beute für Räuber und Halsabschneider aller Arten werden können. Lord William war zwar ein mutiger und erfahrener Kämpfer, aber gegen eine Übermacht an Gegnern hätte ihm das wenig genützt. Erleichtert, dass der Ritt ohne Zwischenfälle vonstatten ging, bat er um Einlass in der Abtei. Einer der Brüder, der sich als Bruder Jacobus vorstellte, öffnete ihm das Tor und wollte ihn gerade über den Hof zum Haupthaus führen, als der Lord Susanna sah, wie sie einem der anderen Mönche in dem großen Kräutergarten nahe dem Hauptgebäude zur Hand ging. Augenblicklich zog es ihn in ihre Richtung, jedoch besann er sich eines besseren und entschloss sich der Höflichkeit halber lieber erst einmal dem Abt seine Aufwartung zu machen. Er würde später noch genug Zeit für sie haben, denn er beabsichtigte erst am nächsten Tag wieder zurück zu reiten. Bruder Jacobus führte Lord William zum Abt und hielt sich im Hintergrund. "Mylord of Leicester", begrüßte der Abt ihn freundlich. "Welch eine Freude, Euch hier begrüßen zu dürfen." Die beiden Männer tauschten die üblichen Freundlichkeiten aus; danach ließ der Abt dem Earl ein Quartier im Gästehaus zuweisen, in dem er sich etwas ausruhen und später auch die Nacht verbringen konnte.  Susanna war so sehr damit beschäftigt, sich um die Kräuter zu kümmern und soviel wie möglich darüber zu lernen, dass sie die Ankunft ihres Vaters gar nicht bemerkte. Während ihrer Zeit des Wartens musste sie sich ablenken, denn sie befürchtete sonst noch wahnsinnig zu werden. Die Verantwortung für den Garten und die Kräuter oblag seit einiger Zeit ihrem Onkel. Dieser hatte als Novize damit angefangen, sich dafür zu interessieren, weil er das Gefühl hatte, dass ihm in dieser Abgeschiedenheit die Decke auf den Kopf fiele. Er war zuvor ein hoher Soldat des Königs gewesen, und er war es gewohnt zu kämpfen, sich körperlich zu betätigen; Gebet und Frömmigkeit lagen ihm als junger Mann stets fern. Immer wieder fragte er sich, warum er sich bloß auf diesen Kuhhandel mit seinem Bruder eingelassen hatte. Er hätte besser nach Schottland oder Wales gehen sollen oder die Verantwortung für sein Tun übernehmen und sich stellen können..... Aber er hatte Lord William sein Wort gegeben. Mittlerweile hatte sich Philip jedoch an sein Leben unter den Mönchen gewöhnt und mittlerweile genoss er sogar die Ruhe jenseits allen Kampfgetümmels.  Nachdem der Earl of Leicester seine Satteltaschen in seinem Quartier untergebracht hatte, ging er in den Kräutergarten, in dem seine Tochter immer noch liebevoll an den Kräutern zupfte. Der Mönch bei ihr drehte ihm den Rücken zu, sodass Lord William ihn nicht erkennen konnte. "Susanna.....Kind!", rief ihr Vater freudig aus. Susanna schaute hoch, richtete sich auf und ging ihrem Vater entgegen. Sie war ein wenig enttäuscht, denn sie hatte insgeheim gehofft, dass jemand anders ihren Namen gerufen hätte..... "Wie hast du mich gefunden?", fragte sie, stellte aber gleichzeitig fest, dass diese Frage gänzlich überflüssig war. "Bruder Ranulf und Bruder Geraldus......nicht wahr?" Der Earl nickte nur kurz und schloss Susanna in seine Arme. Im selben Moment drehte sich der Mönch um, der gerade noch demonstrativ mit dem Beet beschäftigt war. "Sei gegrüßt, William", sagte Bruder Philip und schaute dem älteren Mann fest in die Augen.....  

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Gwen:

Der weitere Ritt erfolgte ohne Zwischenfälle. Mit viel Mühe ist es Gwen gelungen, dem Hauptmann noch eine Rast abzuringen und so sah sie erst am späten Nachmittag die großen und bedrohlichen Mauern Nottinghams vor sich aufsteigen. Gwen konnte sich nicht erinnern die Stadt jemals so voll und beschäftigt erlebt zu haben. Überall sah sie Nottinghams angeschlagene Soldaten. Es musste sich bei ihnen um die Gruppe handeln, die früher am Tage die Auseinandersetzung mit Robin Hood und seinen Männern hatte. Vor dem Schloss wartete bereits de Briac auf den Rest seiner Soldaten. Er war ungehalten, ging er doch davon aus das sie die Stadt bereits vor ihm erreicht hatten. Gwen schaute sich unschlüssig um. Ein bisschen abseits der Menge, die die Ankömmlinge neugierig betrachtete, entdeckte sie Jehan. Als sie ihn unverletzt sah atmete sich erleichtert auf. Dann bemerkte sie eine junge Magd, die ihm zielstrebig mit wiegenden Hüften entgegenlief. Jehans müder Blick hellte sich auf als sie näher kam und verführerisch eine Strähne ihres kräftigen, dunklen Haares um einen ihrer Finger wickelte. Der Anblick schnürte Gwen die Kehle zu; sie glaubte zu erkennen, dass die beiden mehr als nur ein zufälliger Plausch auf dem Markt verband. In diesem Moment wollte sie einfach nur tot sein. Sie war froh dass er zu beschäftigt war, um auf de Briac und dessen Begleiter zu achten. So sah er wenigstens nicht, wie wenig sie sich unter Kontrolle hatte. Gwen nahm de Briacs Hand dieses Mal dankbar an, um sich von ihm beim Absteigen helfen zu lassen als Gisburnes Brüllen sie aus ihren Gedanken riss. „Geächtete!“ schallte es über den Platz. „Beaversbrook! Lasst die Finger von der Magd und nehmt diese Frau fest!“ Jehan schreckte auf und folgte der Richtung in die Gisburnes Arm weiste. Gwen senkte nicht schnell genug ihren Blick und so trafen sich für einen Moment ihre Augen. Sie sah, wie Jehan erbleichte als er sie schließlich erkannte. Er stieß die Magd von sich und ging langsam auf sie zu. Gwen konnte seinen Anblick kaum ertragen. Er sagte kein Wort, umklammerte nur eisern ihren Oberarm und begann sie abzuführen...

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Godric:

Godric war auf dem Weg nach Nottinghamshire. Vor drei Tagen hatte er die Grenze nach England überquert, nun konnte es nicht mehr lange dauern, bis er das Gut von Lowdham erreichte. Seine Schwester hatte die bedrückenden Neuigkeiten mit Fassung ertragen. Sie hatten lange Gespräche geführt, denn es gab viel, das Godric ihr hatte sagen müssen. Das schlimmste aber war der Ritt nach Denbigh gewesen... Godric hatte diese Erinnerung während des langen Rückrittes so gut es ging verdrängt. Seine Schwester hatte ihm eine kleine Truppe Soldaten zur Seite gestellt, die ihn sicher nach England eskortieren sollte. Und je näher sie nun der Stadt Nottingham kamen, desto mehr ergriff wieder die Sehnsucht von ihm Besitz – die Sehnsucht nach der jungen Lady, die er im Haus der Mönche zurückgelassen hatte... Diese Ereignisse schienen ihm sehr lange her zu sein. Ob sie tatsächlich auf ihn gewartet hatte? Ob sie überhaupt noch einen Gedanken an ihn verlor? Er war kein Normanne, welche Chance konnte er sich schon bei einer englischen Lady ausmachen? „Das Wetter wird schlecht, Mylord.“, ließ sich der Anführer der Soldaten vernehmen, der neben Godric her ritt. Der junge Lord warf einen prüfenden Blick zum Himmel. Dort hatten sich in der Tat während der letzten Stunden düstere Regenwolken zusammengebraut und drohten ein baldiges Gewitter an. „Unsinn.“, erwiderte Godric, „Wir reiten nach Nottingham, es ist nicht mehr weit.“ Er hatte sich jedoch verschätzt. Die Dämmerung brach mit dem Unwetter früher herein als erwartet, und noch lange bevor sie die Höhe des Sherwoods erreichten setzte ein kalter Platzregen ein, der die kleine Truppe binnen kürzester Zeit völlig durchnässte. Die Umgegend bot wenig Schutz, die kleinen Baumgruppen standen noch karg und kahl auf den Hügeln. Godric hatte sich viel näher an der Stadt gewähnt. Da dies nicht der Fall zu sein schien hatte er keine Ahnung mehr, wo sie sich überhaupt befanden. Sein kastanienbrauner Hengst wieherte unwillig. „Was haltet Ihr davon, Mylord?“, rief der Soldat gegen den Regen an, und wies mit dem Arm auf ein lang gestrecktes Gebäude, das im Gewitterdunkel nur schemenhaft zu erkennen war. Es brannte jedoch Licht dort, und so mußte es bewohnt sein und konnte ihnen sicherlich Schutz bieten. Godric nickte dem Mann zustimmend zu und die Reiter näherten sich im Galopp dem Gut. Beim nächsten Blitzschlag erkannten sie, daß es sich um ein Kloster handelte. Godric schirmte die Hand gegen den prasselnden Regen ab und blinzelte zu den Mauern hinauf. Dort angekommen stieg er aus dem Sattel und zog mehrmals kräftig an der Torglocke. Seine Reisekleidung klebte ihm naß am Körper und die Stiefel sogen sich fest im Matsch. Es dauerte einige Zeit, bis endlich ein Mönch am Tor erschien. Angesichts des Unwetters machte er keine großen Umstände, ließ die Reiter eintreten und führte sie rasch weiter zum Hauptgebäude. Godric überließ die Soldaten der Aufsicht ihres Anführers. Das Dreckwetter konnte ihm die Laune nicht verderben, jedoch war ihm der ungeplante Zeitaufschub nicht gerade willkommen. Er wollte sich von dem Mönch zum Abt führen lassen, um ihn im Hinblick auf den bewaffneten Besuch nicht im Ungewissen zu lassen. Der Bruder führte ihn einen langen Gang entlang, der vom flackernden Licht der Fackeln wohlig beleuchtet wurde und wollte eben abbiegen, als ihnen plötzlich eine junge Dame entgegen kam. Godric verlangsamte seinen Schritt und blieb stockend stehen. War das... Die Lady war in ein langes leuchtend grünes Kleid gewandet und hatte kurze rotbraune Locken, die im Licht der Fackeln schimmerten... Das konnte doch unmöglich sein -? Die Lady zögerte nun ihrerseits. Die jungen Leute starrten sich einen Augenblick aus der Entfernung an, und im selben Augenblick, in dem Godric bewußt wurde, daß tatsächlich Susanna vor ihm stand wurde ihm klar, was für einen erschreckenden Eindruck er eben jetzt auf sie machen mußte. Die kurzen Haare hingen ihm triefend ins Gesicht und der elegante Reisemantel hing wie ein nasser Lappen von seinen Schultern herab. In seinen Augen blitzte es jedoch auf und eine plötzliche Freude ergriff von ihm Besitz. Susanna war hier! Hier und jetzt war er wieder bei ihr...

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Sue:

Lord William traute seinen Augen nicht. Der schlanke Mönch vor ihm war tatsächlich Philip, sein jüngerer Bruder. Der Earl ließ Susanna los und ging zögerlich auf seinen Bruder zu. Er reichte ihm vorsichtig die Hand zur Begrüßung, die der Jüngere der Beiden gerne annahm, um im nächsten Moment Susanna's Vater an sich heranzuziehen und zu umarmen. Letzterer war ziemlich überrascht von dieser Geste, denn die letzten Worte, die die Brüder vor langer Zeit miteinander gesprochen hatten, waren im Streit gefallen. "Schön, dich mal wieder zu sehen", sagte Bruder Philip aufrichtig und lächelte seinen Lord William freundlich an. Der Earl of Leicester war sprachlos; mit allem hatte er gerechnet aber nicht damit, dass Philip ihm so freundlich gesonnen war. Susanna merkte, dass sie hier überflüssig war und zog sich diskret ins Haus zurück. Sie verbrachte viel Zeit in der umfangreichen Bibliothek der Abtei. Sie war sehr wissbegierig und hier konnte sie alles, was sie interessierte, nachlesen. Ihr momentanes Interesse galt den Kräutern und so las sie alles, was die Mönche über dieses Thema an Wissen niedergeschrieben hatten. Die Brüder des Klosters beobachteten amüsiert den Eifer der jungen Lady. Aber was sollte sie auch anderes tun als lesen? Sie hatte Zuflucht in einer gut organisierten Gemeinschaft gefunden. Ihre Hilfe wurde nicht benötigt, außerdem war sie Gast dort. Womit sollte sie sich also sonst den ganzen langen Tag beschäftigen? Sie musste sich irgendwie ablenken..... Sie wollte nicht ständig an den Mann denken, dem sie versprach, auf ihn zu warten, denn die Warterei zermürbte sie langsam. Er war mittlerweile schon eine lange Zeit fort, und sie begann zu zweifeln, ob er sie überhaupt wieder sehen wollte. "Was soll er auch mit einem törichten Mädchen wie mir anfangen?", fragte sie sich immer öfter, wenn sie zu sehr ins Grübeln geriet. Während Susanna in der Bibliothek im gesammelten Wissen der Mönche stöberte, begannen ihr Vater und ihr Onkel draußen ein langes Gespräch. Endlich war Philip bereit, sich anzuhören, weshalb der Earl of Leicester ihn damals nicht nach Schottland, Wales oder sonst wo hatte ziehen lassen sondern ihn hier untergebracht hatte. Lord William befürchtete seinerzeit, dass sein Bruder keine allzu hohe Lebenserwartung mehr haben würde..... Philip hatte sich in jungen Jahren zu einem Kampf hinreißen lassen, bei dem er einen ranghöheren Offizier des Königs tötete. Der Grund, der zu diesem Kampf führte, war eine Beleidigung, die Philip in seinem jugendlichen Überschwang nicht verwinden konnte. Der andere Offizier, ein Normanne, hatte die Ehre der Leicesters in den Dreck gezogen, und nach reichlichem Weingenuss war die ganze Sache schließlich eskaliert. Philip forderte seinen Kollegen heraus und beendete sie ganze Angelegenheit auf seine Weise. Das Ergebnis war ein Todesurteil, das über ihn verhängt wurde. Irgendwie hatte er es geschafft zu entkommen und ist nach Leicester auf das Schloss seiner Familie geflohen. Dort hatte er sich seinem Bruder anvertraut, und dieser beschloss, dass Philip sich in die Obhut der Kirche begeben sollte. Die Kirche war die einzige verbliebene Institution, vor der die Normannen noch Respekt hatten. Dort würde Lord Philip auf Dauer sicher sein vor den Soldaten, die nach ihm suchten. Der Preis, den er für diese Sicherheit zahlen musste, war die Aufgabe seines bisherigen Lebens und fortan ein Leben nach den Geboten Gottes führen zu müssen. Anfangs verfluchte Philip seinen Bruder dafür; zwischenzeitlich jedoch konnte er ihn verstehen. Der Earl of Leicester liebte seinen Bruder und er wollte ihm und somit auch sich selbst und seiner ganzen Familie die Schande einer ehrlosen Hinrichtung ersparen. Außerdem konnte er den Gedanken an den Tod des Jüngeren nicht ertragen. So nahm William Philip das Versprechen ab, sich nicht mehr aus den Mauern der Abtei von Glenfield zu wagen. Am nächsten Morgen verließ der Earl of Leicester sichtlich besser gelaunt die Abtei. Er versuchte noch, Susanna zu überreden, ihn nach Nottingham zu begleiten, diese lehnte jedoch ab. Sie hatte nicht das Bedürfnis dem Sheriff über den Weg zu laufen - geschweige denn, auch nur eine Nacht unter dessen Dach zu verbringen. Den wahren Grund wollte sie ihrem Vater jedoch nicht mitteilen..... Die junge Lady verbrachte den Tag, wie die anderen Tage zuvor, im Kräutergarten bei Bruder Philip. Als sich am Nachmittag die ersten Wolken am Himmel bildeten, die ein baldiges Unwetter ankündigten, begaben sich Susanna und ihr Onkel lieber schnell hinter die schützenden Mauern der Abtei. Bruder Philip wollte in seiner "Giftküche" - wie er seinen Arbeitsraum nannte - noch einige seiner Kräuter zu Salben und Tinkturen verarbeiten, und Susanna bat darum, ihm dabei zusehen und behilflich sein zu dürfen. Als sie bei Einbruch der Dunkelheit den langen Gang entlang schritt, um zu ihrem Gemach im Gästehaus zu gehen, erregte eine triefnasse Gestalt jäh ihre Aufmerksamkeit. "Das ist doch nicht etwa.....? Nein.....unmöglich..... ", ging es ihr durch den Kopf. Sie verlangsamte ihre Schritte und blieb schließlich stehen. Im warmen flackernden Licht der Fackeln konnte sie ihn kaum erkennen, aber er war es doch..... "Godric!", rief sie und lief so schnell sie konnte auf ihn zu. Sie schien ihre gute Erziehung komplett vergessen zu haben und umarmte ihn freudig. Als ihr bewusst wurde, was sie da tat, ließ sie sofort von ihm ab und entfernte sich einen Anstandsschritt weit von ihm. Jetzt erst stellte sie fest, dass von der überschwänglichen Umarmung nun auch ihre Kleidung ganz nass war. Susanna merkte, wie ihr die Schamesröte ins Gesicht stieg. Sie räusperte sich verlegen und sagte schließlich in einem etwas förmlicheren Ton: "Ich bin ja so froh zu sehen, dass Ihr wohlauf seid." Freudentränen stiegen ihr in die Augen als sie ihn so ansah, und sie senkte ihren Blick betreten zu Boden.....

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Godric:

„Susanna!“, sprach Godric leise aus. Welche Wohltat, diesen Namen wieder zu hören! Sie hatte ihn vor lauter überschwänglicher Freude umarmt, und für einen kurzen Augenblick hatte er sie an sich gedrückt. Er hätte sie nicht losgelassen, gern hätte er einmal die guten Sitten vergessen und ihr all sein Glück und seine Erleichterung über dieses unerwartete Wiedersehen entgegengebracht. Doch der gedrungene kleine Mönch stand noch immer als Sittenwächter neben ihnen und behielt sie mit den wachsamen Augen eines getreuen und pedantischen Kirchenmannes im Blick. Godric besann sich also schnell und ließ Susanna los. Sie bekam selbst einen Schrecken über ihre Überschwänglichkeit, der jedoch keinesfalls die Freude zu trüben vermochte. In diesen heiligen Mauern durften sie nicht mehr tun, als es der Anstand geziemte. „Ich bin sehr froh, Euch wieder zu sehen.“, entgegnete Godric, „So lange habe ich auf diesen Moment gewartet! Als das Unwetter aufkam hatte ich erwartet, in der Nähe Nottinghams zu sein. Was für ein Wink des Himmels, daß der Platzregen mich hierher führte! Aber nun sagt mir, wie ist es Euch ergangen? Habt Ihr die verstrichene Zeit hier verbracht? Und wie heißt dieses Kloster?“ Susanna lächelte über diesen Anflug von Fragen. Zumindest überspielten sie ihren vorigen Gefühlsausbruch, den der Ordensbruder mit argwöhnischen Augen mitangesehen hatte. „Dies ist die Abtei von Glenfield.“, gab sie zur Antwort, „Und ja, ich bin noch am selben Tag Eurer Abreise hierher gekommen.“ Sie sprach nicht weiter. Warum mußten sie sich mit diesen belanglosen Worten aufhalten, während sie viel dringlichere Fragen an ihn hatte? Doch Godrics leuchtender Blick gierte nach Neuigkeiten, und ihr wurde enttäuscht bewußt, daß sie ihm in dieser Hinsicht kaum etwas sagen konnte. Godric war lange fort gewesen und nun verlangte es ihn, das Versäumte so schnell wie möglich nachzuholen. Doch bis nach Glenfield kamen die Neuigkeiten aus der Stadt nur langsam, und auch ihr Vater, Lord William, der zweifellos viel zu berichten gewußt hätte, war bereits wieder nach Nottingham abgereist. Der Mönch unterbrach sie mit einem Räuspern. „Ihr wolltet den Vater Abt aufsuchen, junger Mann.“, sprach er, „Und dann solltet Ihr rasch die nassen Kleider ablegen und Euch aufwärmen. Diese Jahreszeit ist sehr tückisch.“ Godric nickte. Der Bruder hatte Recht. Er würde schnell dem Abt seine Aufwartung machen, und dann war Zeit für angenehmere Dinge. „Ich erwarte Euch!“, sagte er leise zu Susanna und folgte dann zügigen Schrittes dem Mönch in die Gemächer des Klosterhauptes. Der Abt war ein besonnener Mann, der sich durch nichts aus der Ruhe bringen ließ. Er lauschte Godrics Bericht, der in Kürze das Nötigste übermittelte, versicherte ihn seinerseits der Gastfreundschaft Glenfields, und ließ den jungen Mann dann in einem Gästezimmer unterbringen. Godric hängte die nassen Gewänder zum Trocknen an den Kamin und kleidete sich behelfsmäßig in eine Kutte. ‚Nicht besonders aufreizend’, sagte er sich, als er an sich hinabblickte, doch er lächelte vergnügt, als er wenig später Susanna entgegentrat. Hier in einer kleinen Wärmestube waren sie endlich unter sich. Sie musterte ihn amüsiert angesichts der Veränderung. Seine Haare waren noch nicht ganz trocken und in der viel zu weiten Kutte bot er einen seltsamen Anblick. Man bemerkte sofort, daß er in dieser Gewandung fehl am Platze war. Die Neugier, die ihn erfüllte hätte bei ihm niemals auf einen Geistlichen schließen lassen. Die jungen Leute rückten dicht an den Kamin. Langsam wich die Anspannung der letzten Zeit von ihnen und sie begannen zu erzählen. Godric berichtete von seiner Reise nach Westen, von dem Wiedersehen mit seiner Schwester und den Tagen, die er in Ruthin verbracht hatte. Dabei verschwieg er geflissentlich den kurzen Aufenthalt auf seinen alten Ländereien in Denbigh. Diese Erinnerung warf stets einen tiefen Schatten auf sein Gemüt, davon brauchte niemand zu erfahren. Er vergaß auch nicht, den herzlichen Dank seiner Schwester zu übermitteln für die Pflege, die Susanna dem Verletzten hatte zukommen lassen. Die junge Lady bemerkte gerührt, daß Godric in Wales von ihr gesprochen hatte. Sie setzten ihre Unterhaltung fort und vergaßen dabei völlig die Zeit. Und so bemerkten sie nicht, wie irgendwann der Regen aussetzte und sich im Osten eine wässrig orangene Morgensonne erhob...

*

Taran:

Auf dem Rückweg zur Abtei ging Taran das Gespräch mit seinem Bruder nicht aus dem Kopf. Jehan hatte schon als Kind immer versucht es dem Vater recht zu machen. Doch er hatte vergeblich nach Anerkennung und Liebe gesucht. Der Vater hatte ihn hart erzogen. Und oft war er auch ungerecht gewesen. Und genau diese Wesenzüge erschienen jetzt bei Jehan. Er schien geradezu für seine Normannenehre zu leben. Und sein gesamtes Handeln rechtfertigte er damit, dass er ein Normanne war. Und genau diesen Grundfeiler hatte er, Taran, ihm nun genommen. Taran schüttelte resigniert den Kopf. Er konnte den Bruder einfach nicht verstehen. Doch eigentlich konnte er Jehans Verhalten nur zu gut verstehen, und dennoch konnte er es nicht akzeptieren. Taran wurde jäh aus seinen Gedanken gerissen als er im Dunkeln über einen am Boden liegenden Holzstamm stolperte. Da er sowieso müde war, entschloss er sich doch nicht mehr in der Dunkelheit zur Abtei zurückzukehren und verbrachte stattdessen die Nacht in einer leerstehenden Hütte unweit von Glenfield Meadows. Nach einer kalten Nacht mit wenig Schlaf erwachte er durch das Geräusch von Pferdegetrappel. Im Nu war er auf den Beinen. Er schaute aus dem verfallenen Fenster der Hütte, und sah Gisburne zusammen mit Jehan und den Soldaten davon reiten. Taran beschlich ein seltsam ungutes Gefühl. Nein, er konnte im Moment hier nicht verschwinden. Er musste in der Nähe bleiben, und ein Auge auf den jüngeren Bruder haben. Er entschloss sich nach Nottingham zurückzukehren. Zuerst machte er sich aber auf den Weg zur Abtei, um sich dort für die ihm entgegengebrachte Gastfreundschaft zu bedanken. Nach einem flotten Fußmarsch erreichte er das Kloster in kurzer Zeit. Bruder Philip begrüßte Taran freundlich am Tor. „Zur Zeit haben wir aber viel Besuch in unserem Kloster,“ bemerkte er. Taran zog fragend die Augenbrauen in die Höhe. Der Mönch erzählte ihm daraufhin, dass am Abend ein Trupp Reiter unter der Führung von Sir Godric von Valnahar um ein Nachtquartier nachgesucht hätte. Des Weiteren weile Lady Susanna noch hier, und er, Taran sei nun auch wieder eingetroffen. „Sir Godric“, sagte Taran langsam. Und in Gedanken führte er den Satz weiter, dass könnte noch interessant werden. Er wünschte dem Mönch einen guten Tag und begab sich zum Abt. Nach einem kurzen, höflichen Gespräch mit diesem, das Thema Berengar wurde außen vor gelassen, verließ er dessen Gemächer wieder. Nun, dachte er, schauen wir doch mal, ob uns Sir Godric noch begegnet. Zu gern hätte er mehr von diesem Mann erfahren. Er schien wenig durchschaubar zu sein, und das stachelte Tarans Neugier an.

*

Jehan:

Jehan sah Gwen nicht an. Er wagte es nicht. Sie musste glauben, es sei ihm egal was mit ihr passierte. Sonst erging es beiden schlecht. Warum hatte sie sich nicht einen anderen gesucht? Einen, der sie ehrte, der sie achtete und für sie so sorgen konnte wie sie es verdiente? Einer, der nur sie im Sinn hatte? Jehan war ein guter Schauspieler. Und nun spielte er die Rolle seines Lebens. Eiskalt war seine Miene, herrisch und normannisch. Fest umschloss seine Faust ihren Arm, während er sie mit sich zerrte. Fest, aber dennoch nicht so fest, wie er vielleicht vermocht hätte. Gisburne hielt ihn auf. Er fasste Gwens Kinn und zwang sie, ihn anzuschauen. "Was für ein hübscher Fang! Der Sheriff wird sich freuen! Bringt sie hinein, Hauptmann!" "Halt!" fuhr de Briac dazwischen. "Diese Frau gehört mir! Ich entscheide, was mit ihr geschieht!" Er sorgte mit einer kurzen Bewegung dafür, dass Gisburne seine Finger wegnahm. "Euch?" fragte Gisburne und Jehan gleichzeitig. "Ja mir! Ihr Land liegt in meinem Shire, und sie ist meine Schuldnerin! Also gehört sie mir!" Bruce de Briac warf Gwen einen fast netten Blick zu. Es war offensichtlich, dass sie längst ein Interesse in ihm geweckt hatte, das nichts mit ihren Schulden zu tun hatte. Vor allem, seit sie dieses sehr feminine Kleid trug. "Ihr irrt Euch, Mylord!" stellte Gisburne kalt fest. "Diese Geächtete ist aus unsern Verliesen entflohen, und deshalb haben wir den älteren Anspruch. Der Sheriff selbst hat ein Interesse an ihr." Die streiten sich hier, und dabei sollte sie gar nicht hier sein, dachte Jehan. Aber er schwieg. Er sah über den Hof, dorthin, wo Ciara mit in die Hüften gestemmten Fäusten stand und ihm einen wütenden Blick zuwarf. Gwen hatte seinen Blick verfolgt, und plötzlich war sie so wütend auf diesen normannischen Mistkerl, dass sie ihm am liebsten eine Ohrfeige gegeben hätte. Gleichzeitig wollte sie ihn fragen, was das alles sollte, warum er so handelte und.... "Der High-Sheriff von Nottingham selbst wird entscheiden, wer Recht bekommt!" legte Gisburne fest. "Hauptmann, schafft dieses Weibsstück hinein!" Jehan atmete unmerklich durch, bevor er Gwen vor sich her schob in Richtung des Eingangs. Sie sah ihn verzweifelt an, aber er ignorierte ihren Blick völlig, es kam ihr vor, als kenne er sie gar nicht. Was würde der Sheriff mit ihr tun? Und warum schaute de Briac sie so an? Sie wußte kaum mehr aus noch ein, als der Hauptmann sie ungerührt in den Rittersaal schleppte, dicht gefolgt von Gisburne und Bruce de Briac.

*

Godric:

Godric fehlte der versäumte Schlaf nicht. Ganz im Gegenteil. Die strahlende Sonne bekräftigte ihn nur noch in einer Entscheidung, über die er lange nachgedacht hatte. Die vergangenen Stunden in Susannas Gesellschaft würden unvergesslich bleiben. Sie hatten offen miteinander gesprochen wie enge vertraute Freunde. Der heranbrechende Morgen hatte dieser innigen Zweisamkeit ein sanftes aber unerwünschtes Ende gesetzt, doch Godric hatte sie gebeten, ihn nach Lowdham zu begleiten. In stiller Freude hatte sie seine Einladung angenommen, und sich nun zurückgezogen, um noch einige Stunden Schlaf zu finden. Godric konnte unterdessen seine Aufregung kaum bezwingen. Ein ungewohntes leichtherziges Lächeln erhellte bereits den ganzen Morgen über sein Gesicht; er war so von seinem Gedanken eingenommen, daß er völlig vergessen hatte, die Kutte abzulegen und sich wieder in sein eigenes Gewand zu kleiden. Taran of Beaversbrook stutzte demnach überrascht, als er dem jungen Mann unerwartet im Kreuzgang begegnete. Sein geschulter Blick erkannte jedoch rasch, daß Godric sicherlich nicht hier war, um die Gelübde abzulegen. „Sir Godric!“, begrüßte er ihn und musterte ihn aufmerksam. Er erinnerte sich noch genau an die qualvollen Szenen, die sich im Krankenquartier der Mönche abgespielt hatten. Doch jetzt stand der junge Mann mit beglückter Miene vor ihm, und etwas anderes mußte nun sein Herz ergriffen und ihn zu dieser überschwänglichen Freude bewegt haben. „Sir Taran!“, entgegnete Godric angenehm überrascht, „Wie gut, daß ich Euch noch einmal begegne.“, er nutzte die Gelegenheit, um die Bedankung nachzuholen, die er zur gegebenen Zeit wegen Tarans rascher Abreise nicht mehr hatte übermitteln können. „Es geht Euch also wieder gut?“, fragte Taran nach und ließ seinen Blick nicht abschweifen. Er ahnte bereits, was sich zugetragen hatte. „Fürwahr.“, gab Godric zur Antwort, und in seiner beschwingten Stimmung konnte er sich nicht zurückhalten, den ehemaligen Ordensbruder ins Vertrauen zu ziehen. Er senkte die Stimme, als er fortfuhr: „Sagt mir einmal, Taran-“, er stockte und lächelte verlegen, „Ich bitte Euch um Euren Rat. Ich habe einen Entschluß gefaßt, doch ich bin nicht sicher, ob-“, er brach ab und fuhr mit anderen Worten fort: „Ihr erinnert Euch sicherlich an Susanna of Leicester.“, Taran nickte zustimmend, „Nun, ich bin entschlossen, sie zu...“, er sprach nicht zu Ende, denn er sah, wie sich Tarans Blick verstehend erhellte. „Und?“, fragte er vorsichtig nach, „Haltet Ihr das für verfrüht?“

Godric fehlte der versäumte Schlaf nicht. Ganz im Gegenteil. Die strahlende Sonne bekräftigte ihn nur noch in einer Entscheidung, über die er lange nachgedacht hatte. Die vergangenen Stunden in Susannas Gesellschaft würden unvergesslich bleiben. Sie hatten offen miteinander gesprochen wie enge vertraute Freunde. Der heranbrechende Morgen hatte dieser innigen Zweisamkeit ein sanftes aber unerwünschtes Ende gesetzt, doch Godric hatte sie gebeten, ihn nach Lowdham zu begleiten. In stiller Freude hatte sie seine Einladung angenommen, und sich nun zurückgezogen, um noch einige Stunden Schlaf zu finden. Godric konnte unterdessen seine Aufregung kaum bezwingen. Ein ungewohntes leichtherziges Lächeln erhellte bereits den ganzen Morgen über sein Gesicht; er war so von seinem Gedanken eingenommen, daß er völlig vergessen hatte, die Kutte abzulegen und sich wieder in sein eigenes Gewand zu kleiden. Taran of Beaversbrook stutzte demnach überrascht, als er dem jungen Mann unerwartet im Kreuzgang begegnete. Sein geschulter Blick erkannte jedoch rasch, daß Godric sicherlich nicht hier war, um die Gelübde abzulegen. „Sir Godric!“, begrüßte er ihn und musterte ihn aufmerksam. Er erinnerte sich noch genau an die qualvollen Szenen, die sich im Krankenquartier der Mönche abgespielt hatten. Doch jetzt stand der junge Mann mit beglückter Miene vor ihm, und etwas anderes mußte nun sein Herz ergriffen und ihn zu dieser überschwänglichen Freude bewegt haben. „Sir Taran!“, entgegnete Godric angenehm überrascht, „Wie gut, daß ich Euch noch einmal begegne.“, er nutzte die Gelegenheit, um die Bedankung nachzuholen, die er zur gegebenen Zeit wegen Tarans rascher Abreise nicht mehr hatte übermitteln können. „Es geht Euch also wieder gut?“, fragte Taran nach und ließ seinen Blick nicht abschweifen. Er ahnte bereits, was sich zugetragen hatte. „Fürwahr.“, gab Godric zur Antwort, und in seiner beschwingten Stimmung konnte er sich nicht zurückhalten, den ehemaligen Ordensbruder ins Vertrauen zu ziehen. Er senkte die Stimme, als er fortfuhr: „Sagt mir einmal, Taran-“, er stockte und lächelte verlegen, „Ich bitte Euch um Euren Rat. Ich habe einen Entschluß gefaßt, doch ich bin nicht sicher, ob-“, er brach ab und fuhr mit anderen Worten fort: „Ihr erinnert Euch sicherlich an Susanna of Leicester.“, Taran nickte zustimmend, „Nun, ich bin entschlossen, sie zu...“, er sprach nicht zu Ende, denn er sah, wie sich Tarans Blick verstehend erhellte. „Und?“, fragte er vorsichtig nach, „Haltet Ihr das für verfrüht?“ 

*

Gwen:

Sie betraten die große Halle und de Rainaults selbstgefälliges Grinsen ließen Gwen stoppen. Nicht mehr fähig klar zu denken bäumte sie sich auf und versuchte, dem harten Griff Jehans zu entkommen. Gisburne, immer noch aufgebracht wegen des Überfalls durch Robin Hood, war der Meinung, dass sein Hauptmann etwas schwerfällig reagierte und so war er es, der Gwen wütend einen Hieb in den Rücken versetzte. Jehans Herz verkrampfte sich, als er sie aufstöhnen hörte. Der brennende Schmerz der gerade verheilten Wunde, Wut und Verzweiflung lähmten Gwen. Sie schloss die Augen und wünschte sich an einen Ort, an dem es noch nicht von Normannen wimmelte, die versuchten über ihr Leben zu bestimmen. „De Rainault!“ rief de Briac wütend aus „Pfeift Eure unfähigen Schosshunde zurück! Ich erlaube nicht, das eine Lady so behandelt wird!“

„Lady?“ de Rainault lachte laut auf. „Mein guter, alter Freund de Briac... Mit was für Lügen hat sie Euch denn den Kopf verdreht?“ Er trat an Gwen heran, hob mit einem Zeigefinger ihr Kinn an und betrachtete sie ausgiebig. „Gwen, du siehst besser aus als das letzte Mal das wir uns gegenüberstanden.“ Er entdeckte die Narbe auf ihrer Wange und grinste breit. „Und wie ich sehe, trägst du ein schönes Andenken daran...“ Gwen konnte nichts anderes tun als ihm einen hasserfüllten Blick zuzuwerfen. Erstmals nach dem gewaltsamen Tod ihres Vaters wünschte sie sich ein Schwert mit dem sie de Rainaults dreckiges Grinsen stoppen könnte. De Briac kochte vor Wut. Nie hatte er bisher erlebt das eine Lady, auch eine angelsächsische, so demütigend behandelt wurde. „De Rainault! Es reicht!“ bellte er den Sheriff von Nottingham an. „Der Lord of Hawkney war ein beim König gern gesehener Mann! Er war ein treuer Kämpfer für die Krone und stets bereit Streitigkeiten zwischen Angelsachsen und Normannen zu unserer Zufriedenheit zu schlichten.“ De Rainault schaute ihn belustigt an. „Und? Was hat das mit meiner kleinen Gwen hier zu tun?“ Der Blick den er ihr bei diesen Worten zu warf sprach Bände. Gwen blickte beschämt zu Boden und selbst Gisburne konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. Nur de Briac schien nichts von all dem zu bemerken. „Diese Farce hier verdient seine Tochter nicht!“ setzte er nach.

De Rainaults Gesichtszüge wurden ernst. ‚Die Tochter des Lords of Hawkney? Gwen? Wie kann das sein?’ er dachte angestrengt nach. „Beaversbrook!“ brüllte er den Hauptmann schließlich gereizt an. „Ins Verlies mit ihr, sofort! Und keine Fehler!“ De Briac sah den High-Sheriff fassungslos an. „Was...“ De Rainault ließ ihn nicht ausreden. „Sagtet Ihr vorhin nicht sie wäre Eure Schuldnerin?“ De Briac nickte. „Gut... Steuern?“ Wieder nickte er nur. De Rainault Gesicht hellte sich auf. „Sie kommt an den Pranger! Zum Jahrmarkt! Das Volk soll erkennen, das die normannische Gerechtigkeit ohne Rücksicht auf die Herkunft greift.“

*

Taran:

„Nun,“ entgegnete Taran, gedehnt, „dass müsst Ihr selber entscheiden Sir Godric. Schaut in Euer Herz, und prüft Euren Wunsch dort nach. Wenn Ihr mit ganzem Herzen sagen könnt, dass dies die Frau für Euer Leben sein soll, dann überlegt, ob Ihr bereit seid allen Widrigkeiten zum Trotz Lady Susanna in allen Lebenslagen beizustehen, und ob Ihr der Frau ein angemessenes Leben ermöglichen könnt. Wie es scheint, reist Ihr bei Euren Geschäften weit herum, könnt Ihr Lady Susanna hierbei gerecht werden?“ Er hielt kurz inne, lächelte schelmisch und sagte dann noch ergänzend, „und dann geht, und fragt Lady Susanna ob es auch Ihr Wunsch ist.“ Es entstand eine kurze Pause, bevor Sir Godric von Valnahar antwortete.

*

Godric:

Godrics Miene wurde ernst. Taran hatte ihm eine sehr bodenständige Antwort gegeben, die ihn in seinem überschäumenden Glück für einen Moment vor den Kopf stieß. An seiner Entschlossenheit änderte sich jedoch nichts. „Sie soll es noch nicht wissen.“, entgegnete er mit etwas gedämpfterer Stimmung, „Zunächst mag sie ihren Aufenthalt in Lowdham genießen. Ich will sie nicht in Verlegenheit bringen, indem ich ihr zur unpäßlichen Gelegenheit eine Frage stelle, mit der ich ihr zu nahe treten könnte.“ Das mußte er in der Tat bedenken. Es gab noch einige Regeln einzuhalten, bevor er diesen Schritt wagen konnte. Und dennoch, allein die Vorstellung ließ ihn gar nicht mehr los...

Er blickte Taran an und plötzlich kamen ihm andere Gedanken. Er sah seinem Bruder täuschend ähnlich, und doch schienen sie grundverschieden zu sein. Warum war Taran eigentlich nach Nottingham gekommen? Hatte nicht in dem Brief etwas von einem Besuch bei Abt Hugo gestanden?

*

Gwen:

Am Abend zuvor hatte Gwen sich gefühlt, als müsse sie sterben, als der Hauptmann sie nach draußen gezerrt hatte. Das konnte alles nicht wahr sein! De Briacs Gesichtsausdruck war wie versteinert gewesen. Gwen nahm es wie im Fiebertaumel wahr, und ihr wurde schwindelig. Kaum merkte sie, wie sie in den Burghof gelangten, durch das Tor in die Vorstadt und auf den Marktflecken. Dort stand er, der Schrecken aller Angeklagten, all jener, die unter der Willkür und dem Gesetz des normannischen Herren Robert de Rainault zu leiden hatten: der Pranger. Ein hölzerner Balken, weithin sichtbar, mit darin eingelassenen Ringen. Gwen flossen Tränen über die Wangen, ohne dass sie etwas dagegen hätte tun können. Jehan! Wie konnte er das zulassen? Jehan! Der Hauptmann band die Stricke fest.

Gisburne stand keine Armeslänge von ihm entfernt. Jehan versuchte, so zu tun, als würde es ihm nichts ausmachen. Auch Bruce de Briac stand unten in der gaffenden Menge. Er schüttelte ungläubig den Kopf. „Nein“ brach es aus Gwen heraus „bitte nicht! Bitte! Warum tut ihr mir das an? Warum?“ Gisburne sah sie höhnisch lächelnd an. „Weil du eine Schande bist, Weib!“ Er spuckte verächtlich vor ihr aus. Jehan schloss die Augen und senkte den Kopf. Er musste hart bleiben, wollte er weiterhin als Normanne angesehen sein. Gwen weinte bitterlich. Er schluckte. Die Menge begann zu rufen und zu schimpfen. Gwen sah sich verzweifelt nach dem Hauptmann um, der in diesem Moment den Blick wieder hob. Diese tiefblauen Augen, tiefer als das Blau einer Kornblume am Morgen… er riss sich mühsam los, es musste sein! Gisburne warf ihm einen prüfenden Blick zu. Seine Kaltblütigkeit schien perfekt. Es war das, woran sich Gwen nun erinnerte, in den frühen Morgenstunden. Sie vermochte sich kaum mehr auf den Beinen halten, die Menschen straften sie mit verächtlichen Blicken und übelsten Beleidigungen. Der Vormittag verging, Gwen wollte nur noch sterben. Der Jahrmarkt würde heute beginnen, Prince John traf ein, was die junge Frau am Pranger aber nur noch am Rande mitbekam. Während Jehan oben auf dem Bergfried seine Wache hielt, und sich fragte, wie er das zulassen konnte? Gwen litt dort unten, und er konnte ihr nicht helfen. Fast wünschte er, Robin Hood wäre hier, um sie zu befreien. Keinen Schwertstreich hätte er heute gegen sie geführt. Unerträglich war das Bild der leidenden Gwen. Er verließ seinen Posten, ging hinunter und holte einen Becher Wasser, und entgegen der Regeln stieg er auf den erhöht stehenden Pranger und gab Gwen zu trinken. Sie bekam nicht mit, dass der Hauptmann es war. Sie war zu müde. Und Jehan beeilte sich, wieder auf seinen Posten zu kommen.

*

Robin:

Doch soweit kam der junge Hauptmann nicht mehr, als ihn plötzlich blitzschnell und fest jemand von hinten griff und leise zischte. "So schnell sieht man sich wieder!" Gleichzeitig spürte er, wie sich eine Dolchspitze schmerzhaft in seinen Rücken bohrte. "Was wollte ihr, Robin Hood." knurrte er zerknirscht. Auch wenn er ihn sich eben noch herbeigewünscht hatte, um Gwen zu helfen, lies die erneute Schmach, die ihm zuteil wurde, Zorn in ihm aufsteigen. Warum, in Gottes Namen, musste es ausgerechnet er sein. Wieder einmal würde der Sheriff ihn verantwortlich machen. "Das weißt du sehr wohl." riss ihn Robin aus seinen Gedanken. "Ach, und wie wollt ihr das anstellen, he. Es wimmelt hier nur so von Soldaten und du glaubst, du könntest hier einfach so reinspazieren, dir Gwen schnappen und wieder ungehindert davon ziehen?" schnappte Jehan wütend, obwohl er merkte, das durch die Ankunft Prinz Johns eine hektische Betriebsamkeit ausgebrochen war und man Gwen allmählich nicht mehr die nötige Aufmerksamkeit schenkte. Vorsichtig sah er sich um. Nicht weit von ihnen stand ein junger Soldat, der jedoch, anstatt mit seiner ihm anvertrauten Arbeit, damit beschäftigt war, den jungen Frauen, die ihrerseits seit dem Morgen damit beschäftigt waren, Körbe voller Obst und Brot hin und her zu tragen, gierig nachzuschauen. "Du wirst jetzt schön brav den Soldaten her rufen. Und keine Tricks." hörte er Robins Anweisung und um seinen Worten mehr Nachdruck zu verleihen, gab er ihm mit dem Dolch noch einen kleinen Stoß, den Jehan mit einem schmerzhaften Stöhnen quittierte. Mit einem kurzen Blick auf Gwen stellte er verbittert fest, das, wenn er ihr helfen wollte, unweigerlich Robin Hood helfen musste. Es blieb ihm nichts anderes übrig, als die Anweisung zu befolgen und den Soldaten in strengem Ton zu sich zu beordern. Mit vor Entsetzen weit aufgerissenen Augen starrte er den Hauptmann an, als dieser von ihm verlangte Gwen von ihren Fesseln zu befreien. "Jetzt mach hin und tu was ich dir befehle!" blaffte er ihn an, als dieser ihn nur ansah, als hätte er ein Gespenst vor sich. Nur langsam löste er sich aus seiner Starre, sah sich noch einmal hilfesuchend um und ging dann daran, dem Befehl zu folgen, jedoch nicht ohne den Hauptmann noch einen fragenden Blick zuzuwerfen. Mit mühsam unterdrückter Nervosität sah Robin sich um. Wo verdammt noch mal blieb John mit den Pferden. Es konnte nicht mehr lange dauern, bis jemand von der Wache bemerkte, was sich hier abspielte. Es war schon gefährlich genug, sich überhaupt nach Nottingham zu wagen. Es war schon ein ziemlich glücklicher Umstand, dass Jahrmarkt war und somit die Menschenmassen ihnen einen gewissen Schutz gewährten. Es schien ihm wie eine Ewigkeit, bis der Soldat endlich die Fesseln gelöst hatte und Gwen, die drohte zusammenzubrechen, vorsichtig auffing und zu ihnen brachte. "Er soll sich verdammt noch mal beeilen." zischte Robin, dem, ob der Blicke, die sie allmählich auf sich zogen, immer nervöser wurde. Endlich tauchte auch John mit den Pferden in der Menge auf. Er hatte sichtlich Mühe sich hindurchzudrängen und Robin erkannte mit Schrecken, das sie, wenn sie jetzt jemand entdeckte, kaum die Chance hatten, das Tor zu erreichen, bevor es geschlossen wurde. Es war ein Wahnsinns-Plan gewesen, das hatten sie von Anfang an gewußt, aber sie konnten Gwen auch nicht ihrem Schicksal überlassen. Allerdings, nahm sich Robin vor, würde er mit ihr ein ernstes Wörtchen reden müssen. Was, bei Herne, hatte sie schon wieder in Nottingham zu suchen? "Und wie soll es jetzt weitergehen, du Schlaumeier?" zischte der Hauptmann verächtlich. "Ihr kommt hier nie raus!" Obwohl er dies im Grunde seines Herzens wünschte. Allerdings nur wegen Gwen...

*

Sue:

Susanna verbrachte eine ganze Weile allein in ihren Gemächern nahe des kleinen Gartens. Der ganze Raum duftete von den Frühlingsblumen, die dort ihre Blüten zur Sonne reckten. Sie fühlte sich sichtlich wohl. Lowdham war ein schönes Anwesen, bei weitem nicht so groß wie das Schloss ihrer Familie in Leicester, aber sie konnte sich durchaus vorstellen, sich dort für immer Wohlzufühlen, wenn nur Godric in ihrer Nähe war. Langsam übermannte die junge Lady nun jedoch die Ungeduld. Sie wollte, dass Godric ihr alles zeigte. Von der Küche bis hin zum Stall wollte sie alles kennen lernen. Susanna zögerte noch, ob sie die beiden alten Freunde nun stören sollte oder nicht und entschied sich dann, Godric zu suchen. Die ungewohnte Umgebung verwirrte sie. Da sie nicht wusste, was sich hinter den Türen verbarg, irrte sie hilflos durch den großen Flur, als sie dem Verwalter des Gutes über den Weg lief. "Oh, Master Gascaut, gut dass ich Euch hier treffe. Bitte, könnt Ihr mir sagen, wo ich Sir Godric finden kann?" Und verlegen fuhr sie fort: "Es tut mir leid, ich finde mich hier noch nicht zurecht." Der Verwalter schaute sie mit ernsten Augen an und sagte kalt: "An Eurer Stelle würde ich Sir Godric jetzt nicht aufsuchen." Susanna war perplex ob der Verfrorenheit mit der Jeon Gascaut mit ihr redete und schaute den älteren Mann fragend an. "Ich glaube nicht, dass mein Herr Euch jetzt sehen will", setzte er noch eins drauf. "Aber überzeugt Euch selbst. Sir Godric ist im Speisesaal. Geht einfach die Treppe hinunter, Ihr könnt es nicht verfehlen." Die Sinne der jungen Lady waren in Alarmbereitschaft. Irgendetwas stimmte hier ganz und gar nicht mehr. Sie nickte kurz zum Dank und begab sich dann auf den Weg. Susanna betrat den Speisesaal. Godric saß allein am Tisch und drehte ihr den Rücken zu. Sein Gesicht hatte er tief in seine Hände gepresst. Die junge Lady ging zögernd auf ihn zu. Ihre Schritte waren so leise, dass Godric sie gar nicht wahrnahm. Irgendetwas schien ihn zu bedrücken. Sie trat neben ihn und legte ihre Hand zum Trost auf seine Schulter. Der junge Mann schreckte auf und schaute sie ausdruckslos an. Susanna erschrak ob der plötzlichen Kälte, die er ihr entgegenbrachte. Eine unbestimmte Angst keimte in ihr auf. "Was habt Ihr denn?", fragte sie mit zitternder Stimme. "Ist etwas passiert?"

*

Jehan:

In diesem Moment kam Gisburne aus dem Innern des Burghofes, um nach dem Rechten zu sehen. Robert de Rainault war mit Prince John beschäftigt, und er selbst hatte es vorgezogen, sich im Hintergrund zu halten. Nun wollte er die Pflichterfüllung seiner Soldaten prüfen, schauen, ob alle auf ihren Posten waren und sich nicht etwa vom bunten Treiben des beginnenden Jahrmarktes ablenken ließen. Was er aber erblicken musste, brachte sein Soldatenblut in Wallung: Robin Hood, der neben dem Hauptmann stand. Dem Hauptmann, der nicht auf seinem Posten war! Sofort zog er sein Schwert, schrie die Wachen am Tor an: „Das Fallgitter runter! Sofort!“ und lief eilends auf den Geächteten zu. Das schwere eiserne Gitter senkte sich ächzend auf das Pflaster und verschloss den Fluchtweg unwiderruflich. „ALARM!“ brüllte Gisburne, und dieser Ruf hatte die gleiche Wirkung wie der Ruf, dass ein Feuer ausgebrochen sei.

Robin sah sich verzweifelt nach John um, sah ihn die Pferde in die Leute jagen und in der panisch flüchtenden Menge untertauchen, was sich für einen Mann seiner Größe und Gestalt als eher schwierig erwies. Jehan nutzte den Moment, drehte sich um und packte Robins Hand, die den Dolch festhielt. Klirrend fiel die Klinge zu Boden, und bevor Robin richtig reagieren konnte, war Gisburne herangeeilt und hielt ihm die Klinge seines Schwertes an die Kehle. Robin war verloren. John wurde in diesem Augenblick ebenfalls von einer ganzen Truppe Soldaten gestellt und umzingelt. Ein Entkommen war unmöglich. Nur Will, Nasir und die anderen schafften es, sich im allgemeinen Durcheinander zu verstecken, wenn auch geschockt von der jähen Wendung der Ereignisse. Gisburne verlor nun keine Zeit, sondern schleppte Robin höchstpersönlich zu den Verliesen, warf ihn mit John in eine Zelle und stellte drei Wachen vor die Tür. Dann eilte er schnellen Schrittes mit einem siegesgewissen Grinsen zum großen Rittersaal, in dem der Sheriff eben damit beschäftigt war, Prinz John zu hofieren. Draußen war der Hauptmann derweilst damit beschäftigt, die Soldaten zu instruieren, die Wachen zu verdoppeln und Ordnung in das Chaos zu bringen. Er schickte einen Suchtrupp durch die Menschen und die Häuser, um nach den anderen Gesetzlosen zu fahnden. Keine Maus würde mehr aus Nottingham entkommen.

*

Robin:

"Gisburne!" Siedendheiß durchfuhr Robin der Schreck. Hektisch sah er sich nach John um und achtete für einen kurzen Augenblick nicht auf den jungen Hauptmann. Dieser nutzte seine Chance blitzschnell und schlug Robin den Dolch aus der Hand. Im selben Moment stand auch Gisburne schon vor ihm und hielt ihm mit einem süffisanten Grinsen das Schwert vor die Kehle. Schon als Robin die Tore hatten fallen hören, wußte er, dass sie es diesmal nicht schaffen würden, zu entkommen, jedoch hoffte er, dass es der Rest noch aus Nottingham geschafft hatte. 'Nur dieses eine Mal' dachte er 'haben sie hoffentlich auf mich gehört und sind in der Nähe des Tors geblieben.' Niedergeschlagen stellte er fest, dass auch John von den Soldaten überwältigt worden war. Gwen, die immer noch von dem Soldaten, der ihre Fesseln gelöst hatte, festgehalten wurde, da sie selbst kaum auf eigenen Beinen stehen konnte, sah entsetzt um sich. 'Nein, das durfte nicht sein. Nicht wegen ihr.' schienen ihre Augen zu sagen. Robin lächelte ihr kurz aufmunternd zu, so als ob er sagen wollte 'Das kriegen wir schon wieder hin.' Selber war er sich dessen aber ganz und gar nicht sicher. - Schon kurze Zeit später fanden sie sich in den Verliesen des Sheriffs wieder.......

*

Godric:

Godric erhob sich, um Susannas Berührung zu entgehen. Für eine flüchtige Zeitspanne war er glücklich gewesen, und nun war alles zerstört. Er wünschte, Jeon hätte seinen Mund gehalten und er hätte nie davon erfahren. Er trat an das lange Fenster, verschränkte die Arme und blickte schweigend hinaus. Der hellblaue Himmel breitete sich vor seinen Augen aus, und die Sonne strahlte noch immer in unverschämter Schönheit. Für eine kurze Weile war sein Leben dem Lauf der aufblühenden Natur gefolgt. Susannas Zuneigung hatte wie die Frühlingswärme Einzug in sein Herz gehalten, doch während draußen die ersten Knospen aufbrachen wurde es in seinem Inneren wieder bitterkalt. Susanna wartete auf ein Wort von ihm, ihre Unruhe wuchs. Endlich drehte er sich um und sagte: „Jeon hat mich über Euren Onkel aufgeklärt. Sir Philip hat-“, er brachte es kaum über die Lippen, „Sir Philip hat meinen Vater getötet.“ Stockend aber wortwörtlich gab er Jeons schockierenden Bericht wieder. Als er geendet hatte war sein Blick traurig und leer. „Wußtet Ihr davon?“

*

Sue:

Godric's Frage traf Susanna wie ein Dolch. Sie schaute ihn ungläubig an. Wie ein Donnerschlag hallten die Worte "Wusstet Ihr davon?" in ihrem Kopf nach. Jeons Bericht, den er ihr gegenüber wiederholte, war unfassbar. Ihr Onkel - ein Mörder. Sicherlich wusste Lord William davon, aber er verlor nie ein Wort darüber. Er hatte seine Familie nie mit solch dunklen Geheimnissen belasten wollen, und seine Tochter war bestimmt der letzte Mensch auf Erden, dem er so etwas je anvertraut hätte. Susanna fühlte sich mit einem Mal sehr einsam. Godric's plötzliche Ablehnung erfüllte sie mit tiefer Trauer. Sie wich zur Tür zurück, hielt im Türrahmen jedoch noch einen Moment lang inne und schaute den jungen Herrn von Lowdham an. "Nein", sagte sie leise, "ich wusste nicht davon." Und mit zitternder Stimme fügte sie hinzu: "Und selbst wenn Philip diese abscheuliche Tat begangen haben sollte.....ich kann nichts für die Familie, in die ich hineingeboren wurde". Die junge Lady drehte sich um und verließ endgültig den Raum. Niedergeschlagen schritt sie zurück zu ihren Gemächern. Als sie dort angekommen war, verriegelte sie die Tür und ließ sich auf das Bett fallen. Ihr gerade noch empfundenes Glück schien zerstört, zerstört von einer Gräueltat, die lange zurücklag und mit der sie selbst doch nichts zu tun hatte. Sie vergrub ihr Gesicht in ihrer Armbeuge und schluchzte ohne Hemmungen los.

*

Taran:

Taran erreichte Nottingham kurz nach Mittag. Er hatte von Sir Godric ein Pferd bekommen, ein hübscher kleiner Grauschecke, ein ausgezeichneter Zelter, der ihn bequem in die Stadt trug. Als er durch das Tor ritt, wunderte er sich wegen der hektischen Betriebsamkeit, die dort herrschte: Soldaten rannten, als wäre der Sheriff persönlich hinter ihnen her, unzählig viele Menschen blockierten die engen Gassen. Kaum war er innerhalb der Mauern, wurde das Fallgitter hinter ihm geschlossen. Aufruhr herrschte allerortens. Was war hier los? Schnell stieg er vom Pferd, das durch die Hektik der Menschen nervös wurde. Er versuchte das Pferd mit der Stimme zu beruhigen, während er mit einer Hand seinen Gugel tief ins Gesicht zog. Dies war gerade noch rechtzeitig geschehen, denn als er wieder aufblickte sah er in einiger Entfernung Guy of Gisburne, welcher Robin Hood mit einem Schwert bedrohte. Genaueres konnte er nicht erkennen, da er vom Geschehen noch zu weit weg war. Die Vorsicht gebot, auch nicht näher an Gisburne heranzukommen. Immerhin hatte dieser ihn schon gesehen, und war sicher nicht gut auf ihn zu sprechen. Ehe Taran noch weitere Überlegungen anstellen konnte, wurde er durch die Menschen, die versuchten vor den Soldaten zu flüchten abgedrängt. Sein Pferd, welches noch recht jung war, scheute plötzlich und stieg auf die Hinterbeine. Er hatte alle Mühe die Zügel nicht zu verlieren, und das Pferd wieder unter Kontrolle zu bekommen. Das Pferd blähte die Nüstern und schnaubte aufgeregt. Das war eigentlich das letzte, was Taran im Moment gebrauchen konnte. Ein Pferd, das in Panik geriet. Mit Mühe und Not brachte er den Schecken in eine enge Seitengasse, etwas abseits vom Trubel. Er konnte sich ausmalen, dass die Soldaten in diesem Moment unterwegs waren, um die ganze Stadt nach Geächteten abzusuchen.

Während er beruhigend auf sein Reittier einredete, ging er eilig weiter. Er suchte eine gute Versteckmöglichkeit für sich und das Tier, bis sich die ganze Aufregung gelegt hatte. So gelangte er nach kurzer Zeit wieder zum Haus der Mönche. Knapp schilderte er Bruder Geraldus die Geschehnisse soweit er sie mitbekommen hatte, und bat den Mönch das Pferd für ihn unterzubringen. Nachdem ihm Bruder Geraldus zugesagt, hatte, das Tier zu versorgen, begab sich Taran wider aller Vorsicht und Vernunft zurück. Er wollte sehen, ob das Stadttor schon wieder geöffnet war, und versuchen konnte, nähere Informationen über die letzten Geschehnisse zu erlangen. Er war noch gar nicht weit gelaufen, als ihm eine bekannte Gestalt entgegenkam. Es war Will, der versuchte sich vor den Soldaten zu verbergen. Taran blickte sich kurz um, und zog dann seine Kapuze etwas zurück, damit Will ihn erkennen konnte. Ein kurzes Handzeichen genügte, und beide Männer verschwanden in einer Seitengasse. „Die Soldaten sind mir dicht hinter mir,“ rief Will leise. Sie kamen zu einem größeren Gebäude, dessen Tor offen stand. Sie huschten hinein, und gelangten über eine alte Holzleiter, deren Stufen nur noch zum Teil vorhanden waren, auf einen Heuschober. Ohne, dass weitere Worte gewechselt werden mussten, gruben sich beide Männer in das Heu hinein. Hier würden sie die Soldaten nicht so schnell finden.

*

Gwen:

Eine schwere Tür öffnete sich und der Soldat stieß Gwen gnadenlos in die Dunkelheit. Kraftlos und leise schluchzend blieb sie zusammengekrümmt am Boden liegen. „Gwen? Gwen bist du das?“ Sie hörte die Stimme auf sich zukommen, hob den Kopf und konnte durch einen Tränenschleier Johns Gesicht erkennen. „Oh John, was…” die Stimme versagte ihr und John nahm sie in seine großen Arme, wiegte sie wie ein kleines Kind, um sie zu beruhigen. „ Schhh Kleines, ist schon gut..“ murmelte er ihr zu und sah Hilfe suchend zu Robin. Er spürte, wie sich Gwen in seinen Armen langsam beruhigte und sie schließlich vor Erschöpfung in einen unruhigen Schlaf fiel. Die beiden Männe verharrten eine Weile in Schweigen. „Sie werden uns hängen. ... Um Prinz John zu unterhalten.“ John war es der aussprach was beide dachten. „Noch ist es nicht so weit! Irgendetwas muss uns einfallen.“ Robin schlug mit der zur Faust geballten Hand gegen die kalte Steinmauer. „Es muss!“ Die Tür ging auf. „Das Weibsstück! Raus mit ihr!“ dröhnt es ihnen entgegen. John sah die beiden grinsenden Soldaten wütend an und half der erschöpft blinzelnden Gwen auf.  De Briac konnte sich im Rittersaal nur mit Mühe zurückhalten. „De Rainault!“ stieß er schwer atmend hervor. „Gebt Lady Gwendrianna heraus, sie hat ihre Strafe verbüßt!“ „So aufgebracht mein guter De Briac?“ Prinz John kaute gut gelaunt auf einem Hühnerbein herum und betrachtete amüsiert die beiden Streithähne vor ihm. Erst die Frau am Pranger, demnächst eine äußerst unterhaltsame Hinrichtung von ein paar Geächteten... oh ja, dieser de Rainault gab sich sichtlich Mühe ihn zu unterhalten. „Sie ist eine Gesetzlose, sie hängt wie die anderen!“ „Das wagt Ihr nicht! „Wollt Ihr mir etwa drohen? Ihr vergesst Euch De Briac!“ „Ich werde nicht zusehen, wie Ihr eine meiner Untertanen hinrichtet. Sie gehört mir und untersteht allein meiner Gerichtsbarkeit!“ De Rainault und de Briac schienen in ihrem Streit Prinz John vergessen zu haben. Dieser erhob sich mit einem amüsierten Lächeln und gebot den beiden mit einer Handbewegung zu schweigen. „Meine Herren, es wird Zeit mir das Objekt Eures Streites vorzustellen. Führt sie vor!“ sein Lächeln wich einem berechnenden Gesichtsausdruck. „Sofort!“ De Briac wurde klar, wie weit er sich vorgewagt hatte. ‚Wenn das hier gut geht... Dafür muss sie mir dankbar sein!’ fluchte er innerlich. Gwen torkelte zwischen den beiden Soldaten in den Rittersaal. Als sie Prinz John vor sich erkannte, versuchte sie wenigstens einen Rest Würde zu wahren. Sie strich Haar und Kleid glatt und blickte ihn mit großen Augen an, in denen immer noch Müdigkeit und Angst stand. Prinz John ging langsam auf sie zu und betrachtete sie genau. „Ihr verwaltet Gapdale, De Briac, richtig?“ Der Angesprochene nickte stumm. „Ein ruhiger Shire...“ Hinter Gwen blieb er stehen, packte ihr blondes Haar und hauchte über ihren Hals. „In der Tat de Briac... eine Versuchung wert.“ Gwen wurde schlecht... „De Briac.. Wir sind äußerst zu Frieden mit Eurer Arbeit. Ganz im Gegenteil zu dem was Wir von Nottingham hören!...Unser Gespräch ist beendet. Und nehmt dieses Täubchen mit, de Briac.“ De Rainault war unfähig auch nur ein einziges Wort herauszubringen und sah De Briac und Gwen wütend hinterher. ‚Weib, so leicht kommst du mir nicht davon!’ schwor er sich wütend.

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Robin:

Mit angezogen Beinen, den Kopf in die Hände gestützt, hatte sich Robin in die Ecke des Verlieses verzogen. Er hatte sich bittere Vorwürfe von John anhören müssen, ob der schlechten Vorbereitung dieses von vorne herein zum Scheitern verurteilten Planes. Völlig überstürzt hatten sie sich nach Nottingham aufgemacht. Lediglich der Umstand, dass sie seit Stunden alleine hier waren, ließ Robin hoffen, dass es der Rest geschafft hatte, in den Sherwood zu flüchten. Nur Gwen hatten sie für eine kurze Zeit hier her gebracht, jedoch schon bald wieder geholt. Wer weiß, was ihr nun bevor stand. Hoffentlich hatten sie nicht alles noch schlimmer gemacht. Aber nun war es eh nicht mehr zu ändern. Alles was schief gehen konnte, war schief gegangen. Das einzige, worauf er wirklich gebaut hatte, war Glück gewesen und das schien sie auf der ganzen Linie im Stich gelassen zu haben. Doch alles Streiten und gegenseitiges Vorwerfen half nun nichts. Sie mussten hier wieder raus. Er konnte sich lebhaft vorstellen, wie der Sheriff sich die Hände gerieben hatte, als Gisburne ihm die Nachricht überbrachte und bestimmt war der Galgen für sie schon in Arbeit. Dass sich de Renault noch nicht hatte sehen lassen, wunderte ihn allerdings. Weidete er sich doch sonst so gerne…und gerade dieser Fang müsste ihm doch größte Genugtuung bereiten.  Mit einem leisen Seufzer legte er den Kopf in den Nacken und zuckte in selben Moment wieder nach vorne, als er sich an einer Unebenheit der aus gewachsenem Fels bestehenden Wand hinter ihm schmerzhaft den Kopf stieß. Gerade wollte er missgelaunt anfangen zu fluchen, als er plötzlich innehielt. Mit einem Ruck stand er auf und betrachtete sich den Fels näher. Tastete über kleine Zacken und Wölbungen. „Suchst du einen Geheimgang!“ missmutig beobachtete John ihn, erhielt jedoch keine Antwort und verfiel sofort wieder in brütendes Schweigen. Nach einer Weile hielt Robin inne. Er schien das, was er gesucht hatte, gefunden zu haben. Kurzzeitig verzog er das Gesicht bei dem Gedanken an das, was er vor hatte, stellte sich dann in Position und atmete einmal tief durch. John, der nun doch neugierig geworden war, beobachtete ihn mit fragendem Blick. „Was tust du da, verdammt?“ fragte er nun zum zweiten Mal etwas ungehalten. „Ich hol uns hier raus!“ kam die kurze Antwort. Dann schloss Robin die Augen, presste die Lippen aufeinander und schlug mit aller Kraft seine Stirn auf die erhöhte, leicht spitze Stelle an dem Fels. Entsetzt riss John die Augen auf, sprang hoch und griff Robin unter die Arme, der zwar weitestgehend lautlos, aber in verkrampfter Haltung an der Wand lehnte und mit schmerzverzerrtem Gesicht versuchte, sich auf den Beinen zu halten. „Bist du wahnsinnig?“ zischte John, zog ihn von der Wand weg und half ihm, sich zu setzen. Ein breiter Strom Blut floss aus der klaffenden Platzwunde, die Robins Stirn zierte und verteilte sich über seine gesamte rechte Gesichtshälfte. ‚Was soll das denn jetzt wieder für ein Plan sein?’ dachte John und sah Robin besorgt an. Er war blass, atmete schwer und schien vor Schmerz kein Wort herauszubekommen.

Tausende von grellen Sonnen schienen mit einem Mal vor seinen Augen zu tanzen und der grauenhafte Schmerz, der sich durch seinen ganzen Körper bohrte, schien ihn zu lähmen. Wie durch einen Nebel hörte er Johns Stimme, aber er konnte ihm nicht antworten. Krampfhaft hatte er die Kiefer aufeinander gepresst, um nicht zu schreien und so die Wachen schon vorher aufmerksam werden zu lassen. Erst als der tosende Schmerz hinter seiner Stirn allmählich verebbte und auf ein weitestgehend erträgliches Maß absank, stöhnte er leise und fühlte sich in der Lage, vorsichtig die Augen zu öffnen. „Hast du den Verstand verloren?“ ängstlich sah John ihn an und wollte mit seinem Ärmel das Blut wegwischen. „Nein!“ Mit einer kraftlosen Bewegung schob Robin seinen Arm weg. „Nicht John. So kommen wir hier raus.“ Er versuchte John dabei anzulächeln, doch es wurde nur eine schmerzverzerrte Grimasse daraus. „Was redest du da Robin? Wie willst du uns so hier raus….“ Robin winkte ihn näher ran und erzählte ihm seinen Plan.  Die drei Soldaten, die zur Bewachung der Gefangenen von Gisburne abgestellt waren, lehnten lässig an der Wand und unterhielten sich, als John plötzlich anfing zu schreien. „Nein….Oh Gott…Waccchhheeen….Oh mein Gott…Er atmet nicht mehr. Ihr habt ihn umgebracht…..“ Erschrocken sahen sich die Soldaten an, traten neugierig an das Gitter in der Tür und sahen sich suchend im Verlies um. Nicht weit entfernt lag Robin Hood, auf der Stirn eine hässliche Wunde und das Gesicht voller Blut. Daneben, händeringend und schreiend John. Robin war in diesem Moment froh, das die Wunde mehr schmerzte, als er John eingestanden hatte. Wäre es anders, könnte er wohl, ob der schauspielerischen Fähigkeiten Johns nicht an sich halten. In der Erwartung dem Sheriff eine gute Nachricht bringen zu können, schloss der älteste der drei Soldaten das Verlies auf und stürmte zu den zwei Gefangenen. Auch die anderen beiden konnten ihre Neugierde nicht zügeln und stellten sich in den Türrahmen, um einen Blick auf den legendären Volkshelden, der in ihrer Zelle gestorben war, werfen zu können. John entfernte sich wie zufällig jammernd in Richtung Tür, während sich der ältere über Robin beugte. Dann ging alles blitzschnell. Die beiden Soldaten in der Tür konnten so schnell gar nicht reagieren, wie John sich beide gleichzeitig griff und mit den Köpfen zusammenschlug. Indes hatte Robin seinem Gegner einen empfindlichen Tritt in seine Weichteile verpasst, so dass dieser ohne einen Schrei keuchend zusammenbrach. John gab ihm mit einem Handkantenschlag ins Genick den Rest. Schnell half er Robin, der taumelnd versuchte, sein Gleichgewicht wieder zu erlangen. Sein Schädel dröhnte, als hätte ihn ein Pferd getreten und trotzdem schaffte er es sein Gehirn auf Hochtouren arbeiten zu lassen „Die Waffenröcke…“ flüsterte er mühsam. Auch wenn John einige Probleme hatte, sich die viel zu kleine Rüstung anzulegen, dauerte es doch nur wenige Minuten, bis 2 Soldaten, die bei kurzem Betrachten wie die Wache des Sheriffs aussahen, auf den Gang traten. John würde jedoch keinem zweiten, genaueren Blick standhalten. Sie mussten sich trotzdem beeilen. Noch dazu kam, dass Robin immer schwächer wurde. Ihm war übel und er hatte sichtlich Mühe, sich auf den Beinen zu halten. Ohne jemandem zu begegnen erreichten sie den Vorhof und nahmen sich die erstbesten Pferde die sie fanden. John half Robin in den Sattel und mit einem sorgenvollen Blick wickelte er die Zügel jeweils einmal um Robins Handgelenke, falls er sich nicht mehr halten konnte. Robin wollte sich erst dagegen wehren, hatte aber nicht mehr die Kraft dazu und so ritten sie schnellen Galopps Richtung Tor. Die Wachen, die für die Nachtwache eingeteilt waren, schienen nicht sehr aufmerksam. Gisburne war auf dem eigens für Prinz John ausgestatteten Bankett und sonnte sich wahrscheinlich in seinem Erfolg, Robin Hood gefaßt zu haben. Somit gönnten sie sich ein bisschen Ruhe. Mit der Ausrede, vor den Mauern Nottinghams nach Geächteten Ausschau halten zu wollen, passierten sie ungehindert die Wachposten. Ohne sich noch mal umzuschauen, ritten sie im scharfen Tempo direkt in den Sherwood Forest…..hinter ihnen jedoch, schien Nottingham zum Leben zu erwachen. Man hatte ihre Flucht also schon entdeckt….

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Godric:

Godric blickte Susanna durcheinander gebracht nach. Die Tür blieb offen und nach einer Weile kam Garred langsam in den Saal. „Du bist ein dämlicher Esel, Godric.“, sagte er ernst. „Was ist nur in dich gefahren? Die Lady ist völlig aufgelöst, deinetwegen! Wahrscheinlich liegt sie nun in ihrem Zimmer und weint bitterlich. Du Hornochse!“ „Tret nur zu, Garred!“, fuhr Godric ihn an, „Du begreifst wohl nicht, was das bedeutet! Mein Vater ist niedergemacht worden und Sir Philip hat nichteinmal seine gerechte Strafe erhalten! Soll ich mit dem Gewissen leben, daß mein künftiger Schwiegervater den falschen Tod meines eigenen Vaters gedeckt hat??“ „Godric! Das stinkt ja zum Himmel!“, rief Garred aus, „Ich glaube, du brauchst einen gehörigen Schlag auf deinen Dickschädel!“, er fuhr energisch fort, bevor sein Freund protestieren konnte, „Was hat die Lady mit diesen längst vergangenen Ereignissen zu schaffen? Wie alt mag sie damals gewesen sein? Zehn Jahre vielleicht? Und wenn der Earl die Sache vertuschen wollte, dann hat er es ihr sicher nicht unter die Nase gebunden! Nicht jeder überläßt seine Verwandten gewissenlos dem Henker, Godric!“ Er fing einen bösen Blick auf, der die Anspielung durchaus verstanden hatte, und fuhr unbeirrt fort: „Die Lady hat dich in ihr Herz geschlossen, und du sie doch ebenfalls, du Narr! Wach endlich auf! Du willst sie heiraten und nicht ihren Vater!“ Godric erwiderte nichts. Garreds Eindringlichkeit hatte ihn tatsächlich zum Nachdenken gebracht. Mit gebrochener Stimme sagte er: „Ich – ich habe vielleicht etwas vorschnell reagiert... Sie hat meine Frage härter aufgefasst, als sie gemeint war-“, er hob plötzlich entschlossen den Blick. „Ich werde noch einmal mit ihr reden!“ Garred fuhr rasch dazwischen. „Nein! Nein, Godric, das ist keine gute Idee. Laß mich das für dich tun! In deiner Aufregung wirst du nur alles vermasseln! Am besten wartest du hier, bis ich wieder da bin!“ „Ich bleibe hier nicht untätig sitzen wie ein feiger Schloßhund!“, fauchte Godric, „Ich reite nach Leicester! Diese Sache muß geklärt werden!“ Garred seufzte schwer. „Wenn du Lord William aufsuchen willst, dann findest du ihn in Nottingham Castle.“, und auf Godrics fragenden Blick setzte er hinzu: „Ja, dein normannischer Verwalter ist weitaus besser informiert als du, du Nichtsnutz!“ „Dafür sollte ich dir eine langen!“, rief Godric wutgeladen. „Das kannst du später nachholen. Nun reite, und sieh zu, daß du keine Dummheiten machst! Ich werde dir später nachfolgen.“ Er begleitete Godric hinaus und vergewisserte sich, daß er auch wirklich die Richtung in den Burghof einschlug. Dann erkundigte er sich nach dem Weg zu Lady Susannas Gemächern. Er hoffte, die richtigen Worte zu finden, um sie zu erweichen. Sicher wäre das Godrics Aufgabe gewesen, doch er sah nun hierin die Möglichkeit, seinem Freund eine Gunst zu erweisen, die er dringend nötig hatte. Seit Jahren warf er ein Auge auf Godrics Schwester, die viel zu lange unter der harten Fuchtel dieses dummen Walisers gestanden hatte. Der war jetzt tot, das Tor stand endlich offen, und das verlockende Feld dahinter wartete nur darauf, von ihm erobert zu werden. Zu seinem Leidwesen hatte Godric den Auftrag des Überfalls zurückgezogen, er hätte ihm die nötige Anerkennung verschaffen können. Nun denn, er durfte diese zweite Chance nicht dahingehen lassen. Kurz darauf hatte er sein Ziel erreicht. Er holte tief Luft und klopfte an die Tür von Susannas Kemenate...

Godric war unterdessen völlig aufgewühlt nach Nottingham aufgebrochen. Tausend Gedanken schossen ihm durch den Kopf. Als er durch das Stadttor ritt ging ihm auf, wie töricht sein Vorhaben war. Er hätte Susanna selbst aufsuchen müssen, Aufregung hin oder her, ihren Schrecken hatte er verschuldet und er selbst hätte mit ihr sprechen müssen! Einen Moment blieb er unschlüssig, doch dann entschied er sich, doch noch den Earl aufzusuchen, da er eben hier war. Von seiner Rage viel zu eingenommen schenkte er dem Trubel in den Gassen kaum Beachtung. Er bemerkte nicht, daß plötzlich das Stadttor verriegelt wurde, daß überall Soldaten herumstöberten, Türen aufstießen und Menschen beiseite drängten. Erst vor den Toren von Nottingham Castle blieb er abrupt stehen: Sie waren verschlossen! „Was zum Teufel ist denn hier wieder los!“, grollte er. Er wandte sich um und erblickte nicht weit entfernt den Hauptmann, der seinen Soldaten Order gab. Er wollte eben auf ihn zusteuern, als sich ihm ein anderes Unglück in den Weg stellte: Der Earl of Huntingdon. „IHR??“, fuhr der Mann sofort auf. „Ihr walisischer Dreckskerl, Ihr seid noch am Leben?“, sofort kehrte der nie verrauchte Zorn des Earls zurück. Mit diesem dreisten Lügner hatte er noch eine Rechnung zu begleichen! „Was habt Ihr in Nottingham zu suchen, Ihr falscher Hund?“, blaffte er weiter, „Wessen Geld habt Ihr diesmal gestohlen, ehrloser Abschaum, nun?“ Der Earl reizte ihn absichtlich und wartete nur darauf, daß Godric ihn angriff und er ihm endlich einen Schlag versetzten konnte, den er nicht vergessen würde. Und er hatte vollen Erfolg. Godric verlor die Beherrschung. All seine aufgestaute Wut, seine Enttäuschung und sein Haß entluden sich jetzt gegen den Earl. Er vergaß völlig seine Umgebung und stürzte außer sich vor Zorn auf seinen Gegner zu.. 

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Sue:

Susanna hatte sich gerade wieder beruhigt, als es an der Tür klopfte. "Wenn das jetzt Godric von Valnahar ist, dann kann er was erleben!", sagte sie leise vor sich hin. Ihre Verzweiflung wich ganz allmählich einer großen Wut. So leicht würde er sie nicht wieder los, nicht ohne sich vorher in Ruhe ausgesprochen zu haben. Sie wischte sich die Tränen aus dem Gesicht und öffnete mit einem festen Ruck die Tür. Gerade als sie tief Luft holte, um zum verbalen Angriff überzugehen, stellte sie fest, dass es Garred war, der da klopfte. Resigniert drehte sie sich um und ließ Godric's Freund hinein. "Was wollt Ihr?", fragte sie ihn. "Hört zu, Mylady.....", startete Garred seine Rede. "Ich kenne Godric besser als manch anderer und glaubt mir, wenn ich Euch sage, dass es ihm leid tut, dass er Euch so....." "Und warum sagt er mir das nicht selbst?", wollte sie wissen. "Er ist auf dem Weg nach Nottingham - zu Eurem Vater", erwiderte er nach kurzem zögern. "Oh nein!", rief sie aus. "Schnell Garred, wir müssen hinterher....."  

Nachdem Prinz John von der Gefangennahme Robin Hoods erfahren hatte, fühlte er sich abends beim Bankett gemüßigt, den High-Sheriff von Nottingham über den wahren Grund seines Besuches zu informieren. "Nun, de Rainault, ich denke, der richtige Zeitpunkt ist gekommen, Euch über meinen Besuch in dem von Euch so wunderbar verwalteten Shire zu informieren." Der sarkastische Unterton in Prinz John's Worten war nicht zu überhören. "Mein Bruder, der König ist ungehalten über Eure Unfähigkeit, Euch dieser Gesetzlosen zu entledigen. Da mein teurer Bruder gerade in Wales weilt, hat er mich damit beauftragt Euch ein bisschen auf die Finger zu schauen. Es sind nämlich schon lange keine Steuern mehr aus Nottingham in London eingetroffen. Steuern, die die anderen Lords, die ich hierher gebeten habe, immer pünktlich in die Hauptstadt überführen lassen. Was schließt Ihr daraus, de Rainault?" Der König schaute den Sheriff süffisant lächelnd an. Letzterem stockte der Atem. "Aber Mylord", begann dieser kleinlaut. "Meine Soldaten haben Robin Hood doch gerade erst gefangen nehmen und ins Verlies werfen können....." "Das habe ich wohl mitbekommen, de Rainault, aber danke dafür, dass Ihr es noch einmal für mich wiederholt", fuhr der Prinz nicht weniger sarkastisch fort. "Ich bin gespannt, ob Ihr es dieses Mal hinbekommt, Robin Hood hinzurichten oder ob Ihr wieder so töricht seid und dieses gesetzlose Pack erneut laufen lasst. Vielleicht sollte ich Euch dann stattdessen hängen....." Prinz John grinste und schaute in die Runde der anwesenden Lords, die das ganze Schauspiel mitangesehen hatten. Dem Sheriff wich sämtliche Farbe aus dem Gesicht; er schluckte hörbar. "Mylord, morgen wird Robin Hood hingerichtet werden. Ihr könnt Euch selbst davon überzeugen", sagte der Sheriff sichtlich eingeschüchtert, schien aber selbst nicht ganz überzeugt von seinen Worten zu sein. Seine Soldaten hatten bereits viele Male vergeblich versucht, die Gesetzlosen zu erwischen, und wenn sie doch 'mal erfolgreich wenigstens einen Mann aus dieser Bande gefangen nehmen konnten, so war dieser auch blitzschnell wieder von den Anderen befreit worden. Das hatte sich bis nach London und sogar bis in die fernen Länder herumgesprochen, in denen König Richard seine Kriege führte. Dass seine Soldaten lediglich Robin Hood und Little John verhaften konnten, beruhigte den Sheriff daher ganz und gar nicht. Ihm war klar, dass er ein großes Problem hatte. An das, was sich in der Zwischenzeit unten im Verlies abspielte, wagte währenddessen niemand in dem großen Bankettsaal auch nur zu denken.....

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Gwen:

Prinz John erhob sich langsam. „Nun De Rainault Wir sind es zufrieden – für heute. In Erwartung eines gebührenden Spektakels begeben wir Uns in Unsere Gemächer.“ Er verließ die Tafel. „Du!“ er rief eine junge Magd zu sich und betrachtete sie als wäre sie ein Pferd, das er für seinen Stall gedachte zu erwerben. „Folgt!“ Nachdem der Prinz samt Gefolge den Rittersaal verlassen hatte atmeten viele der anwesenden Lords auf und bald hatten sich alle bis auf de Rainault und seine engsten Berater zurückgezogen. Missmutig biss er in einen Apfel und grübelte über die morgige Hinrichtung, als er einen blutigen Soldaten hereinstolpern sah. „Mylord Sheriff! Sir Guy!“ Er hielt sich kaum auf den Beinen, doch es waren nicht die Wunden, sondern die Angst über die Reaktion, die seine Nachricht hervorrufen würde, die ihn so zittern und stammeln ließen. „Sir Guy!“ er blickte hilfesuchend um sich. „Stammelt nicht so herum! Redet schon Mann!“ De Rainaults Laune war schon im tiefsten Verließ und dieser unfähige Kerl da vor ihm raubte ihn noch den letzten klaren Gedanken. „Die Geächteten...“ würgte der Soldaten hervor „..sie sind...entflohen...Mylord...“ Der angebissene Apfel flog dem Soldaten ins Gesicht, der Becher Wein in hohem Bogen zu des Mundschenks Füssen. „Gisburne!“ de Rainaults Stimme überschlug sich fast vor Wut. „Bin ich denn nur von Ignoranten und unfähigen, inkompetenten Männern umgeben? Das ist doch hier wohl Nottingham und diese Brut saß in MEINEM Verließ. Wie kann er da so einfach verschwinden? Wo sind Eure betrunkenen Soldaten und dieser Hauptmann? Wenn alle nur irgendwelchen Weiberröcken hinterher rennen - wofür erhaltet Ihr und Euer Haufen dann Sold? Vielleicht sollte ich Euch anstelle dieses Hoods morgen hängen?! Würde Euch das gefallen?“ Gisburne schluckte. „Mylord, an den Toren stehen zusätzliche Wachen. Alle meine Männer sind auf der Suche nach den Geächteten...“ – „Gisburne! Hört auf zu reden und schafft mir Hood herbei!“ Sir Guy drehte sich um und hastete fluchend Richtung Ausgang. „Gisburne!“ Er erstarrte beim erneuten Klang seines Namens. „De Briac, weilt er immer noch im Schloss?“ – „Ja, Mylord, das tut er.“ erwiderte er gepresst. „Und seine neue Hure?“ – „Gwen, Mylord? In seinen Gemächern.“ – „Schickt Euern besten Mann und lasst sie nicht aus den Augen! Sie wird Nottingham nicht verlassen, unter keinen Umständen, verstanden Gisburne?“ – „Ja, Mylord. Ich gebe den Wachen sofort bescheid!“ mit wehendem Umhang verließ er den Saal. De Rainault saß mürrisch auf seinem Stuhl und betrank sich. Morgen musste eine Hinrichtung durchgeführt werden – nur die Hauptdarsteller sind ihm ausgegangen und er hatte nicht die geringsten Ahnung, wie er diesen hochnäsigen Prinzen befriedigen sollte...

Gisburne stürzte über den Hof und blickte sich suchend um. "Beaversbrook!" brüllte er, als er endlich entdeckte wen er suchte. Jehan zuckte zusammen 'Er weiß alles. ich bin tot.' durchfuhr es ihn. Er holte tief Luft und erwartete seinen Befehlshaber auf seinem Posten. Für einen Moment hatte den Earl of Huntingdon und diesen anderen Edlen vor den Toren vergessen. Gisburne erfasste die Situation und fuhr seinen Hauptmann an "Beaversbrook, wollt Ihr nicht eingreifen?" - "Sir Guy...ich war unschlüssig ob..." - "Vergesst es Hauptmann. Sie werden sich schon nicht gleich zerfleischen. Es gibt Wichtigeres zu besprechen." Jehan atmete schwer. "De Rainault wünscht, dass de Briac und diese Gwen unter Beobachtung bleiben. Dieses Miststück darf Nottingham auf gar keinen Fall verlassen. Und seid diskret! Niemand darf davon erfahren. Erst recht nicht Prinz John. Habt Ihr verstanden?" Jehan nickte obwohl er rein gar nichts begriff. Schon fast auf dem Rückweg trat Gisburne nochmals an ihn heran. "Beaversbrook" begann er eindringlich "ihr seid mein bester Mann. Nicht nur Euer Kopf rollt wenn Ihr versagt. Also enttäuscht mich nicht.... Ihr geht besser an Eure Arbeit. Ich gebiete diesen Edelmännern erst einmal Einhalt." Gisburne drehte sich um und ließ einen verdutzt dreinblickenden Jehan zurück. Dessen anfängliche Erleichterung wich nun Wut und Hass - Hass auf alles und jeden. Er sollte Wachhund sein für Gwen und de Briac, diesen alten Kerl, der ihr Vater sein könnte und ihr trotzdem hinterher sprang für ein junger Köter. Er hasste Taran, der ihm seine Normannenehre nehmen wollte. Taran, der ihn dazu gebracht hat Gwen in Gisburnes Pfeil zu jagen und der dann, kaum dass er sich mit ihrem Tod abgefunden hatte, auftauchen musste um ihm brühwarm mit einem Grinsen im Gesicht zu erzählen, dass sie noch lebte. Jehan hasste Taran am meisten dafür, dass es ihm immer wieder gelang sein Leben durcheinander zu bringen. Und er hasste Gwen, mit ihrem Blick, der ihn so verzauberte und mit den blauen Augen, die er selbst in den Armen Ciaras nicht vergessen konnte...

Jehan schäumte vor Wut. Was gäbe er darum, wenn er jetzt nach Sherwood reiten dürfte um sich einen der Geächteten oder einen Wilddieb vornehmen zu können. Und dann entdeckte er den Sheriff von Gapdale auf das Tor zureiten. Vor ihm auf dem Pferd hielt er Gwen fest in seinen Armen. Fluchend stürmte er auf das Tor zu und hoffte sich soweit unter Kontrolle zu bringen, dass er Gwen nicht diesen Armen entriss. Gisburne blickte seinem Hauptmann nach. Für einen Moment stutzte er...da, an dem Pranger, wie kam es, dass er nicht auf seinem Posten war und stattdessen in die Fänge dieses Hoods geraten konnte? Er würde ihn später dazu befragen...

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Robin:

Kaum waren John und Robin in das erste Dickicht des Waldes eingedrungen, sprang John von seinem Pferd und entledigte sich der viel zu kleinen Soldatenkluft. Angewidert warf er sie ins nächste Gebüsch und half Robin vorsichtig aus seiner Verkleidung, ohne ihn absteigen zu lassen. Schließlich wollten sie nicht von ihren eigenen Freunden erschossen werden, weil die sie verwechselten. Mit einem kräftigen Schlag auf das Hinterteil verjagte er sein Pferd, griff die Zügel von Robins und ging ohne ein weiteres Wort in Richtung Lager.

Tuck wurde allmählich nervös. Schon längst hätten die anderen zurück sein müssen. Wenn sie nicht wieder kommen würden, sollte er nach Glenfield gehen, hatte Robin gesagt. Nun war es schon Abend und trotzdem wollte Tuck nicht von hier weg. Er hatte das Gefühl, die anderen im Stich zu lassen. Mittlerweile war ihm klar geworden, dass dieser eh verrückte Plan, gescheitert war. Er vermochte es nicht, sich vorzustellen, was mit seinen Freunden geschehen war. Dass sie evtl. tot waren, daran wollte er erst gar nicht denken. Auf keinem Fall würde er sich einfach davon machen. Vielleicht, so dachte er verzweifelt, würde Herne ihm ja einen Weg weisen, wenn es soweit war. So saß er Stunde um Stunde vor dem kleinen Lagerfeuer, welches nur spärlich die feuchte Kälte der Nacht vertrieb, und lauschte bei jedem Geräusch auf, um dann wieder enttäuscht in die Flammen zu starren.

Doch plötzlich fuhr er aufmerksam hoch. Ganz deutlich hatte er einen Ast knacken hören, was eindeutig verriet, das jemand durch den Wald ging. Alarmbereit stand er auf, griff nach seinem Stock und sah angestrengt in die Dunkelheit, als sich plötzlich die hünenhafte Gestalt von John daraus hervorschälte. „John!“ rief er sichtlich erfreut und lief auf ihn zu, blieb aber abrupt stehen, als er der zusammengesunkenen Gestalt auf dem Pferd gewahr wurde. „Was ist passiert? Wo sind die anderen?“ entsetzt sah er in Johns Gesicht, der ihn nicht weniger fragend ansah. „Sind die anderen nicht hier?“ Stumm schüttelte Tuck den Kopf, während er zu Robin ging und scharf die Luft einzog, als er das Blut und die Wunde sah. „Ich erklär dir alles später. Wir müssen ihm erstmal helfen.“ John war hinzugetreten und löste vorsichtig die Schlingen von den Handgelenken und half Robin vom Pferd. Während Tuck frisches Wasser und sauberes Leinen holte, brachte John ihn ans Feuer, wo Tuck sich sofort der Wunde annahm. „Die anderen sind nicht hier?“ mühsam versuchte Robin sich wieder hochzustemmen, wurde aber von Tuck sanft wieder zurückgedrückt. „Sie werden sicher bald kommen.“ erwiderte er mit einem mahnenden Seitenblick auf John. Nachdem die Wunde, die Gott sei dank weniger schlimm war, als sie ausgesehen hatte, gereinigt und verbunden war, verabreichte er Robin einen Trank, der die Schmerzen linderte und ihn einschlafen lies. Dann setzte er sich zu John ans Feuer und lauschte mit immer größerem Entsetzen seinem Bericht. Als er geendet hatte, starrten beide in Gedanken versunken in die Flammen, jeder von der Hoffnung beseelt, dass es der auch Rest geschafft hatte, den Schergen des Sheriffs zu entkommen….

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Jehan:

Jehan griff in de Briacs Zügel, und der Gaul riss vor Schmerz das Maul weit auf. "Was soll das?" entrüstete sich der Sheriff von Gapdale. "Ihr bleibt hier!" befahl der Hauptmann barsch. "Auf Anweisung des High-Sheriffs von Nottingham! Runter vom Gaul! Na los!" "Ich denke nicht daran!" entgegnete de Briac nicht minder wütend. Jehan war so in Rage, dass er nicht lange herumdiskutierte. Er packte den Adligen am Arm und zerrte ihn vom Pferd. Gwen konnte sich gerade noch halten, so dass sie nicht herunterfiel. Aber da waren auch noch Sir Godric und der Earl, die sich lauthals anschrien, und Gisburne war entgegen seiner Ankündigung, den Streit zu schlichten, wieder sonst wo. Jehan beschloss also, selbst der Sache ein Ende zu bereiten. "Hier warten!" befahl Jehan kurz in de Briacs Richtung, nahm das Pferd am Zügel samt Gwen im Sattel mit hinüber und baute sich vor den beiden Edelleuten auf. Sir Godric of Valnahar war wieder zurück! Da konnte er ihn gleich wegen Jeon Gascaut fragen. Der Mord an Lynch war noch immer nicht aufgeklärt! Offensichtlich war Sir Godric bereits wieder in diverse Schwierigkeiten verwickelt. Der Earl of Huntingdon beschimpfte ihn lauthals. Das konnte nicht angehen! Der Hauptmann fragte laut: „Was wird das hier, he?“ Verblüfft starrte ihn der Earl für einen Augenblick an. Auch Sir Godric war kurz still ob des herrischen Tonfalls. „Geht Euch nichts an, mischt Euch nicht ein!“ zeterte der Earl los, der den Ton des Soldaten mehr als unverschämt fand. „Ich dulde hier keine Streiterei! Wir haben schon genug andere Sorgen hier! Wie wäre es, wenn Ihr dies vor dem Sheriff ausdiskutiert? Oder kämpft vor der Stadt miteinander, dort ist es mir einerlei! Aber nicht hier!“ „Ihr vergreift Euch eindeutig im Ton, Soldat!“ Der Earl erhob wütend die Stimme. „Ich werde mich bei Robert de Rainault über Euch beschweren! Und jetzt geht uns gefälligst aus den Augen!“ „Mein Herr,“ sagte Jehan erstaunlich gefasst. „Ihr müsst nicht schreien. Ich bin nicht taub.“ „Aber offensichtlich völlig von Sinnen! Dafür werdet Ihr büßen!“ brüllte der Earl. „Euren Namen, und zwar sofort!“ Nun griff Sir Godric endlich ein. Jehan mochte ein geschickter Kämpfer sein, aber den Umgang mit Worten musste er noch redlich üben. „Mylord of Huntingdon, wir sollten unseren Disput tatsächlich an anderer Stelle klären. Wäre es Euch recht, wenn wir hinein gingen?“ fragte er deshalb so höflich wie nur irgend möglich, und setzte schon den ersten Schritt in Richtung der Burg. „Ihr kommt mit, Soldat! Das lasse ich mir nicht bieten!“ Der Earl of Huntingdon war nicht von seiner Wut abzubringen. Diese Anstandslosigkeit und Frechheit, die ihm hier entgegen gebracht wurde, suchte im restlichen Lande seinesgleichen. Die jungen Leute hatten heutzutage keinen Respekt mehr. Aber dem konnte Abhilfe geschaffen werden. Seinen Sohn hätte er längst verdroschen, wäre er so respektlos. Schließlich war er der Earl of Huntingdon, und nicht irgendeine dieser armseligen Kreaturen, die de Rainault um die Füße krochen! Jehan sträubte sich, mitzugehen. Es war Abend, und er hatte andere Befehle, abgesehen davon, dass er nicht die geringste Lust verspürte, dem High-Sheriff gerade jetzt unter die Augen zu treten. Die Dunkelheit senkte sich bereits über Nottingham wie schwerer schwarzer Samt. Robin Hood war geflohen! Eine Katastrophe! Noch entsetzlicher als jede Naturgewalt! Diese hätte man noch als Gottes Zorn auf ihre Sünden abtun können. Innerhalb des nächsten Tages würde jemand dafür sterben. "Ich habe meine Befehle!" gab Jehan kalt zurück. Er warf Sir Godric einen vielsagenden Blick zu. "Mit Euch habe ich noch zu sprechen, Mylord. Bei passender Gelegenheit!" Damit ließ er die beiden stehen und wandte sich wieder seinen anderen Problemen zu. De Briac stand noch immer gehorsam wie gebannt dort, wo er ihn hatte stehen lassen, während Gwen verzweifelt auf ihn herabschaute. Sie brachte es nicht fertig, ihn so kühl zu behandeln wie er sie. Jehan jedoch hatte in diesem Moment keinen Sinn für irgendetwas anderes außer seinem Ärger, führte das Pferd wieder zurück half der Frau vom Pferd. "Der Earl hat Recht, wenn er sich über Euch beschwert!" zischte de Briac wütend. Er hatte die Szene natürlich mitbekommen. "Ich werde mich ebenfalls über Euch beschweren!" "Genau das könnt ihr meinethalben machen!" Jehan ließ sich nicht von Gisburnes Order abbringen. Für ihn stand schließlich alles auf dem Spiel. Ohne Gwens Handgelenk loszulassen, deutete er seinem ehemaligen Herrn den Weg zurück in die Burg. "Das werdet ihr bereuen!" zischte de Briac, aber er leistete Folge und ging wieder zurück. Der Hauptmann brachte sie zu den Gästeräumen. Er sah zu, wie de Briac in das eine ging, dann brachte er Gwen in einen kleinen kargen Raum direkt daneben und verschloss die Tür. Immerhin musste sie nicht mit dem Sheriff in einem Raum nächtigen. Mehr konnte er nicht tun. Höchstpersönlich bewachte er die Tür, und niemand konnte ihn dazu bringen, auch nur einen Fußbreit dort weg zu gehen. Noch immer hatte er Gwen weder angesehen noch ein Wort mit ihr gesprochen. Und als er nun vor der dicken Holztür stand, starrte er darauf und schüttelte nur bedauernd den Kopf.

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Sue:

Garred stutzte. "WIR müssen hinterher?", fragte er verwundert. "Mitnichten müssen WIR hinterher, Mylady. ICH werde gehen. IHR werdet schön hier warten", stellte er fest. Susanna schüttelte den Kopf: "Nein, ich werde mit Euch kommen. Was soll ich noch hier? Je eher ich hier weg komme desto besser. Außerdem ist genügend Schaden angerichtet worden in der Vergangenheit. Ich muss verhindern, dass noch Schlimmeres geschieht. Danach werde ich mich wohl seiner Gnade meines Vaters ausliefern müssen." "Der Gnade Eures Vaters ausliefern?", echote Garred fragend. "Was glaubt denn Ihr?" Die junge Lady schaute trotzig an. "Ich bin entehrt. Ich habe ohne Erlaubnis des Earls Euren Freund auf sein Anwesen begleitet - und ohne Anstandsperson. Das wird sich herumsprechen, wie ein Lauffeuer. Die Tochter des Earl of Leicester - eine Hure. Es wird niemanden kümmern, ob wir uns ehrenhaft verhalten haben oder nicht. Wo, denkt Ihr, werde ich den Rest meines Lebens dann wohl verbringen müssen? Mein Vater wird mich ob der Schande, die ich der Familie gebracht habe, genauso hinter Klostermauern verschwinden lassen, wie seinen Bruder. Welch eine glorreiche Zukunft!" Verbittert senkte Susanna den Blick. Godrics Namen brachte sie nicht über ihre Lippen. Der junge Mann schaute sie an und sprach kein Wort. Im Stillen musste er ihr Recht geben. Es würde wirklich niemanden kümmern, ob sie sich ehrenhaft verhielten oder nicht. Er wollte Susanna trösten, aber diese drehte sich um und ließ ihn allein zurück. Sie ging zurück in die Gemächer, die ihr zugeteilt wurden und packte ihre Sachen zusammen. Danach ging sie hinaus zu den Ställen, um ihr Pferd zu holen. Die Knechte guckten sie verwirrt an, als sie ihren Hengst selbst und ohne ein Wort zu sagen sattelte und ihre wenigen Habseligkeiten festzurrte. "Seid Ihr soweit?", fragte sie Garred kurz, der sich ebenfalls für den Ritt nach Nottingham fertig machte. Garred war immer noch unfähig zu reden, daher nickte er ihr nur zu. Schweigend ritten sie in Richtung Nottingham.....

*

Godric:

Der Earl of Huntingdon war puterrot vor Zorn. Der Streit, den er provokant wie ein Spiel unter Kontrolle gehabt hatte, war völlig aus der Bahn geraten und durch diesen ungehobelten dummdreisten Hauptmann an seiner besten Stelle unterbrochen worden! Nun befand er sich mitten im Burghof, und da sich der Pöbel zur Abendstunde verlaufen hatte bestand die Gefahr, daß unliebsame Zuschauer von den Fenstern des Schlossen runtergaffen und alles mitbekommen würden. Nein, so sehr es ihn verdross, das mußte zu anderer Zeit fortgesetzt werden. „Mit Euch bin ich noch lange nicht fertig!“, schnauzte er den Waliser mit herrisch ausgestrecktem Zeigefinger an. Somit drehte er sich um und verschwand durch das Tor. Godric blickte sich verwirrt um und kam endlich wieder zu sich. Beinahe wunderte er sich, wie er überhaupt in den Burghof gelangt war. Und was sollte das Einschreiten des Hauptmanns bedeuten? Warum hatte er sich eingemischt? Er war so gut in Fahrt gewesen und hätte dem Earl gerne einen Kinnhaken verpasst. Die plötzliche Stille ließ ihm Gelegenheit zu dem Versuch, einen klaren Gedanken zu fassen. Es war schon spät und dunkel, von irgendeinem Turm bimmelten die Abendglocken. Wenn er Lord William noch aufsuchen wollte mußte er sich beeilen. Mit einem bitteren sarkastischen Lächeln blickte er zum Tor des Schlosses hinüber und trat ein. Lord William war sicher ausgelassener Stimmung. Als Getreuer der Königsfamilie gehörte er zu den wenigen, die sich ganz den Genüssen eines dieser pompösen Bankette hingeben konnten, ohne intrigante Seitenhiebe der Herrscher zu befürchten. Wenn also der Earl den Tag nicht im Alehaus ausklingen ließ mußte er in seinem Gästezimmer sein. Der Weg dorthin war Godric noch wohlbekannt. Er ging harten Schrittes voran, um die schmerzende Erinnerung an seinen ersten Aufenthalt hier zu verdrängen. Gleichzeitig bemühte er sich nach Fassung. Er mußte dem Earl geduldig gegenübertreten. Vermutlich würde er ihn heute gar nicht mehr nach den Dingen befragen können. Der Earl hatte ihn eine Weile nicht gesehen und würde zunächst wissen wollen, wie es ihm ergangen war. Außerdem mußte Godric ihm sagen, daß er Susanna nach Lowdham eingeladen hatte, bevor unschöne Gerüchte aufkamen. Diesen Besuch hatte sie sich sicherlich anders vorgestellt! Er schüttelte erzürnt den Kopf. Er mußte sich Gewißheit verschaffen, es wurde höchste Zeit. Anschließend wollte er schleunigst zu Susanna zurückkehren, um mit ihr zu reden. Vor ihm im Gang gewahrte er plötzlich Hauptmann Jehan. ‚Der ist wohl überall, wie?’, dachte er mürrisch. Wie passend, nun konnte er Godric doch noch an Gascaut erinnern, ohne seinen Posten zu verlassen. Doch der entschiedene Schritt des Lords deutete bereits darauf hin, daß er wegen etwas anderem hier war. Beim Näher kommen fasste Godric den Hauptmann gründlich ins Auge, und dabei fiel ihm etwas ein. Wie alt mochte der Mann sein? Er hielt es eher für unwahrscheinlich, doch nachdem er ein paar beiläufige Worte mit ihm gewechselt hatte fragte er: „Sagt mir Hauptmann, habt Ihr vor etwa sechs Jahren schon im Dienst des Sheriffs gestanden?“

*

Jehan:

Jehan sah ihn mißtrauisch an. "Vor sechs Jahren? Das muss die Zeit gewesen sein, als ich hierher kam..." Er erinnerte sich. Damals war er noch ein junger Bursche von 21 Jahren gewesen. Es erschien ihm wie eine Ewigkeit. War es wirklich schon so lange her? Sir Godric stand mit ernster Miene vor ihm. Talcen Caled hatte er ihm bei ihrem letzten Treffen zugerufen, und Jehan hatte sich schon damals gefragt, was dies wohl bedeuten mochte. Es schien etwas Freundliches zu sein, ebenso freundlich wie Godric damals gewesen war, bevor er nach Wales aufgebrochen war. "Warum wollt Ihr das wissen, Sir Godric?" fragte Jehan vorsichtig.

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Godric:

Godric holte zufrieden Luft, stockte dann mitten dabei und sah Jehan von der Seite an. Der Hauptmann war wieder vorsichtig wie stets. Kein redefreudiger Mensch, doch diese Angelegenheit war von äußerster Wichtigkeit! Er mußte endlich wissen, was damals geschehen war! Schließlich konnte er sich nicht sicher sein, inwiefern und ob überhaupt der Earl sein Schweigen brechen würde. Doch er selbst brauchte Klarheit! „Jehan“, begann er mit nachdrücklicher Stimme, und wirkte dabei beinahe freundschaftlich, „Ist es möglich, daß Ihr Euch an einen Vorfall erinnert, der sich damals in diesem Shire ereignet hat? Ein hoher Offizier König Richards wurde getötet. Ein – ungerechter Zweikampf war das. Der andere wurde zum Tod verurteilt, aber er konnte fliehen. – Das mußte zu der Zeit in aller Munde gewesen sein!“, er zögerte kurz, bevor er noch hinzufügte: „Der Mann, der getötet wurde war mein Vater.“ Das kurze Zucken in Jehans Miene war ihm nicht entgangen. Er wußte davon! Die Frage war nur, ob er es ihm mitteilen würde...

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Jehan:

"Das ist schon so lange her...." Jehan dachte an diese Zeit zurück. Er war damals noch Sergeant gewesen. Aber er erinnerte sich, dass ein jüngerer Offizier einen älteren provoziert hatte. Der Streit war eskaliert. Dies sagte er nun auch. "Die beiden wurden immer wilder. Fast so wie Ihr und der Earl vorhin. Das hat mich sehr daran erinnert. Nun, der Ältere - ich kann mich nicht mehr an seinen Namen erinnern - hat den jungen Phillip hinterrücks angefallen... eine ziemlich linke Aktion, soweit ich noch weis! Ein unehrenhafter, sehr feiger Streich.... wenn mir doch nur der Name einfallen würde..." Godrics Miene war erstarrt. Jehan sah ihn verstört an. "Was ist denn? Wolltet Ihr nicht genau dies hören?" fragte er.

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Sue:

Die Abenddämmerung brach schon herein, als Garred und Susanna Lowdham in Richtung Nottingham verließen. Bis sie dort eintreffen würden, würde es bestimmt schon ganz dunkel geworden sein. "Wir müssen uns beeilen", sagte Susanna. "In Nottingham wird bald Sperrstunde sein. Wir müssen in der Stadt sein bevor die Tore geschlossen werden sonst können wir während der Nacht vor der Stadtmauer kampieren." Der Gedanke daran, eine Nacht im Freien verbringen zu müssen, behagte der jungen Frau ganz und gar nicht. Das hatte sie vor einiger Zeit bereits zur Genüge 'genießen' können und legte daher keinen gesteigerten Wert darauf, das zu wiederholen. Sie trieben ihr Pferde zu einem schnellen Galopp an. Im letzten Moment huschten sie an den Wachsoldaten vorbei, die gerade dabei waren, Nottingham für die Nacht abzuriegeln. "Puh", sagte Garred. "Das war aber mal knapp." Susanna atmete erleichtert auf und führte ihn zu dem kleinen Gasthaus, in dem sie hoffentlich ein Quartier für die Nacht würden finden können. "Ihr kennt Euch hier aber recht gut aus für eine Lady, die aus einem ganz anderen Shire kommt", bemerkte Godrics Freund voller Hochachtung. "Ich habe hier kürzlich einige Zeit verbracht", erwiderte Susanna kurz. Nachdem sie ihre Pferde im Stall haben unterbringen lassen, betraten sie gemeinsam das Gasthaus. Der Wirt schaute die jungen Leute mürrisch an. "Ja?", fragte er genauso mürrisch wie er guckte. Geistesgegenwärtig ergriff Garred das Wort: "Wir brauchen eine Unterkunft für die Nacht - meine Schwester und ich." Susanna runzelte die Stirn. Der Wirt führte sie zu zwei nebeneinander liegenden Zimmern und überließ sie sich selbst. "Eure Schwester?", fragte Susanna erstaunt nachdem der Wirt gegangen war. "Na ja", entgegnete Garred. "Eine kleine Notlüge. Wir wollen doch nicht, dass es Gerede gibt." Die junge Lady verstand, was er meinte. Sie wollte sich gerade in ihr einfach eingerichtetes Gemach zurückziehen, als Garred sagte: "Ich muss noch mal weg. Ich will zu dem Alehaus, an dem wir vorhin vorbeigekommen sind. Vielleicht kann ich dort etwas in Erfahrung bringen. Verriegelt die Tür und passt gut auf Euch auf. Ich werden nicht lange fort sein." Er machte auf dem Absatz kehrt und eilte davon. Susanna betrat ihr kleines Gästezimmer, verriegelte die Tür und legte sich auf das einfache Bett. Nachdem sie bereits in der Nacht zuvor kaum geschlafen hatte, wurde sie rasch von ihrer Müdigkeit übermannt und fiel in einen tiefen Schlaf.....

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Godric:

Godric presste fest die Lippen zusammen und fixierte den Hauptmann mit eisigem Blick. Für einen Augenblick war er tatsächlich darauf hereingefallen. „Warum sagt Ihr das?“, fragte er schneidend, „Macht es Euch Freude, den Ruf eines Ehrenmannes in den Dreck zu ziehen? Weil er kein Normanne war? Ist es das? Ich sagte Euch doch, daß der Tote mein Vater war. Was soll also diese sarkastische Frage?“ Jehan blickte seinem Gegenüber starr ins Gesicht. Er kam jedoch nicht dazu, ihm zu antworten, denn hinten im Gang tauchte Gisburne auf und eilte rasch näher. „Beaversbrook!“, rief er schon von weitem, „Ich habe mit Euch zu reden!“, und als er bei ihnen war zu Godric gewandt: „Würdet Ihr uns allein lassen, Mylord.“ „Ungern!“, entgegnete Godric direkt, „Ich habe noch etwas mit dem Hauptmann zu klären.“ Gisburne war entgegen seinem Dienstherrn kein Mann geschwollener Höflichkeitsfloskeln. „Dann müßt Ihr das später erledigen.“, sagte er, „Beim nächsten Glockenschlag ist Sperrstunde! Denkt daran, falls Ihr Nottingham noch verlassen wollt.“ Das hatte er in der Tat vorgehabt. Er trat schließlich zurück. Mit Gisburne wollte er sich nicht auch noch anlegen. Er warf Jehan noch einen letzten scharfen Blick zu. Wenn er ihn das nächste Mal sah sollte er sich dafür verantworten! Er machte kehrt und ging zurück. Wütend stellte er fest, daß es nun auch zu spät war, um den Earl aufzusuchen. Der ganze verfluchte Ritt nach Nottingham hatte ihm wieder einmal nichts als Ärger eingebracht.  „Nun zu Euch, Beaversbrook.“, holte Gisburne aus, nachdem Godric verschwunden war. „Warum habt Ihr vorhin nicht auf Eurem Posten gestanden? Gab man Euch Erlaubnis, Euch zu entfernen?“ Jehan zuckte zusammen. Früher oder später mußte es ja so kommen. „Nein, Mylord.“, erwiderte er tonlos. „Nun? Was hattet Ihr dann zu suchen an der Seite von Robin Hood?“ „Es war eine Falle!“, gab Jehan zerknirscht zu. „So?“, brauste Sir Guy auf, „Warum habe ich Euch eigentlich als meinen besten Mann gelobt, Beaversbrook? Ihr könnt nur hoffen, daß weder der Sheriff noch Prinz John davon mitbekommen!“ Jehan fasste Hoffnung. Gisburne würde dieses kleine Malheur verschweigen. Doch sein Vorgesetzter war noch nicht fertig: „Geht jetzt und bringt mir die restlichen Gesetzlosen!“, befahl er. „Hood ist entkommen, aber es kann nicht sein, daß er seine gesamte Bande mitgenommen hat! Wir müssen Prinz John Ergebnisse vorweisen! Ich erwarte Euch bei Morgengrauen mit dem Gesindel auf der Burg!“ Jehan senkte frustriert den Blick. Was sollte das nun wieder? Sollte er sich jetzt allein auf den Weg machen, um ganz Nottingham nach den Gesetzlosen zu durchforsten? „Na los, Abmarsch!“, half Gisburne nach.

Unterdessen hatte Godric mit ausladenden Schritten den Burghof verlassen und wollte eben in den Sattel steigen, als er es schon aus der Entfernung entdeckte: Er kam zu spät, das Stadttor war zu und würde nicht vor Morgengrauen geöffnet werden. Er wendete sein Pferd und führte es am Zügel weiter. Die Hufe klapperten ungewöhnlich laut auf der verlassenen Straße. Godric sah sich nach einem Gasthaus um, in dem er die Nacht verbringen konnte. Vom Alehaus am Ende der Hauptstraße drang ein gedämpfter Stimmenlärm herauf. Doch dort konnte man nur trinken und wurde zum schlafen vor die Tür gesetzt. Plötzlich ertönte ein heller kurzer Pfiff unweit hinter ihm. Godric fuhr herum, die Hand am Schwert. Man wußte nie, wer sich hier in Schatten und Dunkelheit verborgen hielt. Gleich darauf entspannte er sich jedoch wieder. Es war Garred, der schlendernd auf ihn zukam. „So nervös?“, begrüßte er seinen Freund. Godric achtete nicht auf seine Worte, sondern fragte seinerseits: „Was machst du hier? Wo ist Susanna?“ Garred lächelte verstehend. „Susanna ist in Sicherheit. Sie schläft in einem Gasthaus ganz in der Nähe. Ich habe sie nach Nottingham begleitet.“, er warf Godric einen prüfenden Blick zu, „Nun, was hast du erreicht?“ Godric seufzte leise. „Nichts.“, sagte er. „Nichts? Nun, dann sei froh, daß du mich hast! Gehen wir ins Alehaus, dann erzähle ich dir alles.“

Jehan stiefelte entrüstet in das nächtliche Nottingham hinaus. Was war das für ein schwachsinniger Befehl? Sir Guy hielt sich offenbar für besonders schlau, indem er seinen ‚besten Mann’ allein ausschickte, um möglichst wenig Aufmerksamkeit zu erregen. Aber was sollte es schließlich. Er selbst zweifelte nie an seinen Fähigkeiten. Und immerhin hatte er seine Normannenehre zu wahren! Mürrisch blickte er zum Alehaus hinunter. Dort ließen sich jetzt die Soldaten vollaufen nach dem anstrengenden Tag, und nach dem Pferd vor der Tür zu urteilen saß Sir Godric auch dabei. Das brachte den Hauptmann wieder in Rage. Zornig trat er gegen einen herumliegenden Stein, daß er an die nächste Hauswand kickte und in die schmale Straße daneben kullerte. Er ging hinterher und verpasste dem Stein noch einen Tritt, daß er weit wegflog, irgendwo an einer Mauer auftickte und liegen blieb. Jehan dachte nach. Wo würde sich dieses Lumpenpack, sollte es sich tatsächlich noch innerhalb Nottinghams aufhalten, verkrochen haben? Die Soldaten hatten alles durchkämmt, und ihm fiel eigentlich bloß ein Ort ein, an dem ein paar Männer zu dieser Stunde noch Sicherheit finden konnten. Er bog nach rechts ab. Die Gasse war duster und verwinkelt, zu beiden Seiten ragten die schäbigen Hauswände empor. Im Sommer bei der Hitze sammelte sich ein unvorstellbarer Gestank in diesen Engen. Jehan rümpfte die Nase und vernahm das Quieken einer vorbeihuschenden Ratte. Im nächsten Moment sauste ein dumpfer Schlag auf seine Schulter nieder, eine eiserne Faust packte ihn am Arm und zog ihn mit einem harten Ruck in eine Mauernische. Benommen taumelte Jehan nach vorn und griff nach dem Schwert. „Das würde ich nicht tun!“, raunte ihm eine raue Stimme ins Ohr. Er spürte eine kalte Messerklinge auf seiner linken Wange. „Das nutzt Euch gar nichts!“, keuchte der Hauptmann. Vor ihm war alles schwarz, nur der schmutzige Glanz der Gasse tanzte vor seinen Augen. „Ihr erkennt mich bestimmt wieder, wenn Ihr mich seht!“, fuhr die beherrschte Stimme fort. Wer zum Teufel war das? Will Scarlet? Nein, dessen Stimme war fuchtiger und unkontrollierter... Wenn es niemand von den Gesetzlosen war, wer dann?? „Ich komme bald wieder, Hauptmann!“, hörte er. Dann ging ein weiterer Schlag auf seinen Schädel nieder, daß es ihm durch den Helm dröhnte. Der Fremde griff den zusammensackenden Hauptmann auf und schleppte ihn Richtung Marktplatz...

Garred hatte seinen Bericht beendet, und es war ihm gelungen, seinen Freund ein wenig aufzumuntern. Sie saßen am Schanktisch, hinter dem Wolfred alle Hände voll zu tun hatte, die zechenden Soldaten zu versorgen. „Und zu guter letzt.“, schloß er, „Konnte ich nicht umhin, ihr anzuvertrauen, daß du sie heiraten willst!“ Godric sah ihn erschreckt an. „Bist du verrückt?“, sagte er verärgert, doch Garred lächelte nur abwehrend. „Ich bin ganz sicher, das ist ihr zu Herzen gegangen.“, entgegnete er, „Natürlich hat sie sich nichts anmerken lassen!“, er griente schelmisch.

Die beiden Männer verließen bald das Alehaus und gingen langsam die Straße hinauf zur Herberge, die nur einige Häuser weiter lag. „Was für eine friedliche Nacht.“, bemerkte Garred und zog genießend die kühle Luft ein.  

Der Morgen brach an. Wieder war der Himmel strahlend blau und ein lauer Frühlingswind wehte durch die Gassen Nottinghams. Godric war früh auf. Er dachte an Susanna und was er ihr sagen würde, wenn sie ihm gegenübertrat. Die junge Lady schlief noch, und Godric wurde immer unruhiger. Der muffige Wirt warf ihm immer wieder gereizte Blicke zu. Godric trat schließlich ungehalten vor die Tür. Hier stutzte er. Die ersten Stadtbewohner, die bei Sonnenaufgang bereits auf den Beinen waren, schienen an diesem Morgen alle ein gemeinsames Ziel zu haben. Sie gingen die Hauptstraße hinauf, einige hatten es so eilig, daß sie ihre schweren Körbe einfach stehen ließen. Was konnte ihre Neugier erregt haben, in solcher Frühe? Godric verließ seinen Platz vor der Herberge und folgte der kleinen Menge, die zielstrebig den Weg zum Marktplatz einschlug. Als er selbst dort ankam hielt er augenblicklich inne. Er traute seinen Augen nicht, was war denn das? Mitten auf dem Marktplatz stand der Pranger, und dort festgezurrt war – Hauptmann Jehan!

Godric kam langsam näher. Das wollte er sich nicht entgehen lassen. Von den umliegenden Häusern und Gassen kamen unaufhörlich Leute hinzu, um diesem Ereignis beizuwohnen, auch wenn sie es nicht recht verstanden. Einige fingen bereits an zu giffeln, andere steckten die Köpfe zusammen und tuschelten. Godric trat näher an den Pranger heran. Erst jetzt bemerkte er, daß Jehan geknebelt war. Er sah aus, als würde er an einem feisten Apfel ersticken. Wie war das geschehen? Hatte der Sheriff seinen Hauptmann hier mitten in der Nacht anbinden lassen? Unwillkürlich stahl sich ein leichtes Lächeln in Godrics Miene. Wer immer das getan hatte, er hatte ganze Arbeit geleistet...

*

Jehan:

Jehan bekam keine Luft mehr. Er fühlte die höhnischen Blicke der Menschen auf sich, ihr heimliches oder ganz offenes Lachen, die Schmach und die Schande. Wenn er wenigstens gewusst hätte, wen er dafür umbringen konnte. Aber nicht einmal das war ihm vergönnt. Er war hier und musste stillhalten. Keiner dieser Idioten kam auf die Idee, ihm zu helfen. Sie fanden das auch noch amüsant. Was konnte er von diesem Pack auch schon erwarten? Alles nichtsnutzige, unwürdige Tagediebe! "Hängt ihn auf!" forderte nun eine Stimme aus der Menge. Begeistert johlten die anderen die Forderung nach. "Aufhängen! Aufhängen!" Die aufgebrachten Bürger fanden die Idee so gut, dass jemand den Mut fand, an einer nahen Seilwinde eine Schlinge zu knüpfen. Binnen weniger Augenblicke sah sich Jehan mit dem Tod durch Erhängen konfrontiert. Eigentlich sollte er wütend sein. Aber seltsamerweise war es ihm gleichgültig. Er wartete nur noch, teilnahmslos wie ein alter Karrengaul, der Menge ausgeliefert, die die normannischen Herren ohne Skrupel hasste, die er repräsentierte. Er sollte jetzt und hier sterben? Auch gut. Die Aussicht, nach dieser Schmach weiter zu leben war nicht viel besser. Nur ein ganz sachtes Zittern lief durch seinen Körper, als er das raue Seil an seinem Hals spürte. Es war längst nicht mehr wichtig, was aus ihm wurde. "Wenn ihn jetzt keine heiraten will, hängen wir ihn!" grölte der Mann, der das andere Ende des Strickes in Händen hielt. "Halt!" rief da eine helle Stimme aus der Menge aufgeregt, und eine schlanke Frauengestalt drängelte sich nach vorn. "Ich werde ihn heiraten!" Ciara up Rishard sah zu ihrem Hauptmann hinauf, der sie nicht einmal anschaute. Und sprechen konnte er ja ohnehin nicht. Sie lächelte ihm aufmunternd zu. Jehan hob den leeren Blick und starrte nach vorne. Er sah und hörte nichts mehr außer einem grauen Schleier vor seinen Augen und dem dumpfen Dröhnen in seinen Ohren. Die Menschen tobten. Irgendjemand nahm ihm den Strick wieder ab, löste die Stricke, die ihm die Haut an den Handgelenke wund gescheuert hatten, nahm ihm endlich den Knebel aus dem Mund und zerrte ihn vom Pranger weg. Wie in einem Triumphzug geleiteten die Menschen das Paar des Tages zur nächsten Kirche. Ein Priester war schnell gefunden und vor den Altar gezerrt, und es dauerte nur kurze Zeit, bis er die beiden getraut hatte. Ciara fiel Jehan um den Hals, den sie ihm dadurch gerettet hatte, und küsste ihn. Sie strahlte ihn an. Nun war sie seine Ehefrau! Der Hauptmann wusste nicht, wie ihm geschah. Wie in einem Fieber sah er die Dinge, die ihn aber nichts anzugehen schienen. "Komm, mein Liebster!" flüsterte die hübsche Küchenmagd und nahm seine Hand. Freudestrahlend führte sie ihren Mann aus der Kirche. Und dieselben Menschen, die ihn eben noch hatten lynchen wollen, jubelten den beiden nun zu.  Jehan verzog keine Miene, während seine junge Frau herzlich lachte und den anderen stolz zuwinkte. Sie liebte ihn wirklich. Und er wollte lieber sterben. Hätten sie ihn nicht einfach aufhängen können? Wie ihm Taumel sah er sie an. Sie war sehr hübsch, mit ihren dunklen wilden Haaren und ihren dunklen Augen. Ihr Mund lächelte breit, und das Leuchten ihres ganzen Gesichtes rührte sein Herz an. Er hätte es wahrlich schlimmer treffen können. Aber er wagte nicht, an Gwen zu denken. Er hatte noch immer den Schlüssel zu ihrer Kammer im Gambeson. Er sollte dort sein. Sie bewachen! Warum hatte Gisburne ihn weg befohlen? Völlig sinnlos? Wer hatte ihn nachts überfallen? Und warum war Sir Godric so wütend geworden? Er hatte ihn nach etwas gefragt, das er ihm ehrlich beantwortet hatte. Natürlich hätte er das mit etwas weniger Sarkasmus tun können. Aber nichts unrechtes hatte er getan. Das bewies wieder einmal, dass es immer besser war, das Maul zu halten, wenn ein Herr etwas fragte. Egal ob Normanne, Angelsachse - oder Waliser. Alle waren sie gleich. Bitter bereute der Hauptmann seine Antwort. Warum hatte er nicht gesagt: Ich weiß nichts darüber? Oder: Fragt den Earl of Leicester, ihm glaubt ihr ohnehin mehr als mir. Das hätte eher dem entsprochen, was der junge Adlige hatte hören wollen. Der Waliser hatte sich durch seine Taten Jehans Respekt verdient, der nun wieder schwand. Taran war wohl der einzigste Mensch, dem er letztlich vertrauen konnte. Denn sein Bruder hatte ihn noch nie im Stich gelassen, auch wenn er ihn für seine Einstellung ständig schlagen könnte. Aber Taran war zumindest immer aufrichtig, auch wenn die Wahrheit unbequem war.

*

Robin:

Die ersten Sonnenstrahlen versuchten ihren Weg durch das dichte Blattwerk zu finden, als Robin durch den klopfenden Schmerz in seinem Kopf allmählich wach wurde. Blinzelnd öffnete er die Augen und sah Tuck, der sich schon am Feuer zu schaffen machte. Vorsichtig setzte er sich auf und kämpfte verbissen gegen das aufkommende Schwindelgefühl. Fröstelnd zog er die dünne Decke enger um die Schulter. Die Nächte waren noch sehr kalt und es dauerte lange, bis die noch schwachen Sonnenstrahlen die Luft auf eine erträgliche Temperatur erwärmt hatten. „Du solltest liegen bleiben.“ Hörte er die sorgenvolle Stimme von Tuck, der nun langsam zu ihm kam, um sich die Wunde noch mal anzusehen. „Mir geht es gut!“ wehrte Robin ihn ab, jedoch sein blasses Gesicht strafte seine Worte Lügen. „Ihr hättet nicht nach Nottingham gehen sollen!“ begann Tuck während, er sich ächzend neben Robin nieder lies. Jedoch bekam er als einzige Antwort lediglich ein Knurren, welches man zwar durchaus als Zustimmung deuten konnte, es aber auch genau das Gegenteil auszudrücken vermochte.

„Welcher Teufel hat dich eigentlich geritten, dir selber fast den Schädel einzuschlagen? Wir hätten sicher einen anderen Weg gefunden, euch da wieder…“ „Es hat doch funktioniert.“ Unterbrach ihn Robin leicht wütend. Er war nun wirklich nicht in der Stimmung, sich auch noch die Vorwürfe von Tuck anzuhören. „Es hätte aber auch verdammt ins Auge gehen können. Mit so was spaßt man nicht. Und die anderen? Was wird jetzt aus ihnen?“ „Meinst du darüber hab mir noch keine Gedanken gemacht?“ Mit einer wütenden Bewegung riss Robin sich die Decke runter und stand abrupt auf, musste sich jedoch sofort an einem Baum festhalten, als das Schwindelgefühl mit Macht zurückkam. Jetzt wurde es Tuck zu bunt. Mit einem energischen Gesichtsausdruck erhob er sich und fuhr Robin an. „Jeder Esel in ganz England ist nicht so störrisch wie du. Jetzt setz dich gefälligst wieder hin. Wenn du etwas jünger wärst, würde ich dir den Hintern versohlen, bis du deine Hitzköpfigkeit verlierst.“ Dabei baute er sich vor ihm auf und versuchte so böse, wie es ihm nur möglich war, zu gucken. Robin war von dem plötzlichen Ausbruch Tucks, der sonst immer der ruhige und gemütlichere war, so perplex, das er sich tatsächlich ohne ein Wort wieder hinsetzte und diesmal zu lies, das er den Verband abnahm, und sich um die Wunde zu kümmerte.  John, der vor kurzem durch den Lärm der beiden wach geworden war, beobachtete verwundert das Schauspiel und fing, zum Ärger von Tuck, herzhaft an zu lachen. 

*

Godric:

Godric hatte mit wachsendem Erschüttern der gewalttätigen Aufruhr des Volkes und der Prozession zur Kirche beigewohnt. Er wunderte sich über die Schwäche des Hauptmanns. Eine solche Schmach ließ er sich bieten? Die Nacht am Pranger mochte ihn geschwächt haben, aber er hatte schon zu anderer Zeit seine Kämpfernatur bewiesen. Dass er sich nun ohne eine Reaktion vom Pöbel hätte lynchen lassen konnte Godric nicht nachvollziehen. Die Normannen waren ehrlose Waschlappen, das ging ihm hier deutlich auf. Er dachte an Susanna, und wie hier das heilige Sakrament der Ehe mit Füßen getreten wurde. Obwohl er die Herkunft eines Menschen sonst nicht ausschlaggebend fand erkannte er zufrieden, daß sie Angelsächsin war. Jehan wurde unter dem grölenden Beifall der Zuschauer von seiner jungen Frau aus der Kirche geführt. Godric schüttelte sprachlos den Kopf. Bei dem Kampf gegen den Gesetzlosen im Haus der Mönche hatte der Mann mehr Mut bewiesen. Dass er sich je mit dem Hauptmann eingelassen hatte bereute er nun. Angewidert wandte er sich von der Szenerie ab und überließ Jehan seinem Schicksal. Er wollte zurück zum Gasthaus. Es wurde Zeit, mit Susanna zu reden.

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Gwen:

Much kroch vorsichtig aus seinem erstaunlich sicheren Versteck heraus. Er nahm sich etwas Dreck und bestrich damit Arme, Gesicht und seine rot leuchtenden Haare. In einer Ecke fand er noch eine alte, zerschlissene Decke die ihm nun als Umhang dienen würde. Er wälzte sie noch ein bisschen in Tierdung, bevor er sie sich mit gerümpfter Nase umlegte und auf einen langen, unregelmäßig geformten Stab gestützt auf die Straße trat. Die vorbeieilenden Einwohner sahen in ihm nur einen weiteren armen Burschen, der ihnen hinterherhinkte und beachteten ihn nicht weiter. Er folgte der Menge zum Marktplatz. ‚Was geht hier vor?’ wunderte er sich, als er das Tor offen stehen und nur mäßig bewacht sah. Er lehnt sich gegen eine Wand und blickte in die Runde. Was für ein Schauspiel da am Pranger! Er konnte seinen Augen kaum glauben, doch da stand tatsächlich Hauptmann Jehan mit einem Strick um den Hals! Die Menge wollte ihn tatsächlich baumeln sehen! Much hoffte, das auch die anderen die Gunst dieser Aufregung nutzen konnten, um aus Nottingham zu entkommen. Am Tor angekommen drehte er sich noch einmal um und sah, wie ein junges Mädchen am Hals des Hauptmannes hing und die Menschentraube lärmend Richtung Kirche zog. ‚Verdammt!’ dachte sich der Junge grinsend. ‚Beinahe wären wir ihn los gewesen! Glück für ihn, das ihn tatsächlich eine wollte!’ Solange er noch von der Stadt aus gesehen werden konnte humpelte er weiter Richtung Wald. Endlich in dessen Schutz warf er Stock und stinkenden Umhang von sich und lief breit grinsend Richtung Lager.

„Das hättet ihr sehen sollen!“ rief er den Freunden schon aus der Ferne zu. „Die waren kurz davor den Hauptmann baumeln zu lassen. Aber dann wollte ihn doch noch eine heiraten...“ Robins Kopf dröhnte, John und Tuck sahen sich fragend an. „Much, Much. Moment mal...“ Robin versuchte seine Gedanken zu sortieren. „Wer sollte hängen? Und hat dann geheiratet? Was erzählst du da?“ Irgendwie verstand er gerade kein Wort. Much grinste über beide Ohren. „Na der Hauptmann! Jehan!“ Er hielt sich vor Lachen den Bauch. Auch John grinste vor sich hin als er sich ausmalte, wie so ein Weibsbild den Hauptmann hinter sich her zerrte. Einzig Robin und Tuck blieben ernst und sahen sich an. „Und Gwen? Wird sie das nicht...“ begann Robin nachdenklich an Tuck gewand, aber er wurde von Johns Ausruf unterbrochen. „Nasir! Will! Endlich!“ Die beiden kamen mit noch einem anderen Mann über die Lichtung gelaufen. „Robin? Wie siehst du denn aus?“ Will klopfte dem Freund glücklich auf die Schulter. „Wir hatten schon Angst dass es diesmal dein Ende sein könnte... Ihr erinnert euch an Taran? Er hat mir sozusagen den Hintern gerettet.“ Will grinste seinen Begleiter an und führte ihn an das wärmende Feuer. Sie saßen kaum und es sprudelte nur so aus Much heraus. „Robin! Nun sag schon! Was ist mit Gwen?“ Er grinste auch noch, als er in Tucks ernstes Gesicht sah. „Much, das ist nicht lustig. Es wird sie ... umbringen ...“ flüsterte dieser an Stelle von Robin. Will, Nasir und Taran sahen die anderen fragend an. Robin war nicht nach reden und so gab Tuck in kurzen Sätzen wieder was Much beobachtet hatte. Sie schienen immer noch nicht zu verstehen. Robin wurde wütend. „Wie blind seid ihr eigentlich? Erinnert euch doch mal an Wickham... Na Will? Und, was war in Glenfield?“

Nach einer Weile war es Will der endlich aussprach was Robin dachte. „Sie liebt ihn... und sie würde für diesen Mistkerl sterben. Warum auch immer.“ Endlich hat auch Much verstanden. „Aber..kann man da gar nichts machen?“ Tuck schüttelte den Kopf. „Wenn er rechtmäßig verurteilt war oder wenn er sich seiner Retterin verpflichtet fühlt...nein. Vielleicht wüsste Berengar Rat...“ Tuck dachte weiter laut nach. „Schluss damit! Darüber zu grübeln ist Zeitverschwendung. Gar nichts können wir machen, solange wir nicht genau wissen was passiert ist und was in diesem Hauptmann vorgeht.“ Er blickte Taran an, aber der war in Grübeln versunken. „Ich habe keine Ahnung was mein Bruder will...außer seine geliebte Normannenehre zu schützen.“ fauchte er in die Runde. „Aber Gwen ist noch in Nottingham...“

Gwen hatte in der letzten Nacht kaum Ruhe gefunden. Die Pfeilwunde schmerzte wieder und die Scham über die unzähligen Stunden am Pranger zerriss sie beinahe. Sie saß hungrig und mit schrecklich trockenem Mund auf dem Bett, starrte auf ihre wunden Handgelenke und hing ihren Gedanken nach. ... Robin und John saßen ihretwegen im Verlies und man würde Prinz John eine gute Hinrichtung bieten können... De Rainault hielt sie trotz des Prinzen Fürsprache in Nottingham fest... Bruce de Briac lauerte im Nebenraum schon darauf sie endlich zu sich zu holen... Und Jehan? Der schien sie nicht einmal mehr zu kennen. Sie hatte ihn verloren - so sie denn jemals sein Herz berührt hatte. Wie konnte sie nur so dumm gewesen sein. Tränen stiegen ihr in die Augen und wie durch einen Schleier starrte sie verwundert auf ihre Hände, die irgendwie die milde Gabe von Gwyneth of Hazlewood gefunden hatten. Gwen wusste, dass es ganz einfach sein würde. Sie nahm ein paar der Stücke in den Mund und begann vorsichtig darauf zu kauen. Die süßlichen Wurzeln nahmen ihr den Durst. Gwen lehnte sich zurück, schloss die Augen und lief fröhlich lachend durch die grünen Buchenwälder bei Gapdale...

*

Sue:

Prinz John wachte am nächsten Morgen erst spät auf. Weder von Robin Hoods listiger Art und Weise zu fliehen noch von dem Tumult, der sich draußen um den armen Hauptmann Jehan of Beaversbrook abspielte, hatte er das Geringste mitbekommen. Er war in der Nacht zuvor mit einer jungen, schönen Maid beschäftigt, die seine ganze Aufmerksamkeit forderte. Als er schließlich frisch wie der junge Morgen de Rainault gegenübertrat, rieb er sich in Vorfreude auf die bevorstehenden Hinrichtung die Hände und fragte den Sheriff: "Nun, de Rainault, ist alles für die Hinrichtung dieses Gesindels vorbereitet, ja?" Den Lords, die sich bereits am frühen Morgen im großen Bankettsaal versammelt hatten, stockte der Atem. Jeder von ihnen war froh, dass Robin Hood nicht in ihren Grafschaften sein Unwesen trieb. Erwartungsvoll schaute des Königs Bruder den High-Sheriff von Nottingham an. "Mylord.....", begann dieser zu stammeln. "Ich.....es.....ich meine....." "Stammelt nicht, Mann! Ich habe Euch eine einfache Frage gestellt! Darauf könnt Ihr gefälligst auch einfach antworten!" polterte Prinz John unwirsch los. Der Sheriff fasste sich ein Herz und begann von neuem. "Mylord, Robin Hood ist geflohen", äußerte er kurz. Prinz John hob eine Augenbraue und fragte, nur um sicher zu gehen, dass er richtig gehört hatte, noch einmal nach: " Wie bitte? Ich habe wohl nicht richtig verstanden....." "Robin Hood ist geflohen.....Mylord, er ist weg", wiederholte de Rainault nun etwas kleinlauter. "Robin Hood ist geflohen?......Geflohen?? Ihr seid ein unfähiger, inkompetenter Nichtsnutz! Wie, frage ich euch, kann ein Mann alleine aus einem ach so toll bewachten Verlies fliehen? Könnt ihr mir das bitte erklären??" In Sekundenbruchteilen wandelte sich die entspannte Laune Prinz Johns in einen hysterischen Anfall. Nun ergriff Gisburne, der wie immer neben dem Sheriff stand, das Wort: "Mylord, es war eine gemeine List. Meine Männer hatten keine Chance." "Keine Chance? Sagtet ihr keine Chance? Wie kann das denn sein?", schrie der Prinz erneut los. Und leiser aber sarkastisch fuhr er fort: "Es ist ja auch verdammt schwierig für einen Trupp Soldaten einen einzelnen - oh verzeiht, es waren ja zwei - zwei Männer zu bewachen. Alle Achtung, de Rainault, dieses Mal habt Ihr Euch selbst übertroffen. Eigentlich sollte ich Euch ob Eurer zum Himmel schreienden Inkompetenz hinrichten lassen oder wenigstens an den Pranger stellen, aber ich gebe Euch noch eine Chance. Seht zu, dass Ihr diese Gesetzlosen bis zum Ende der Festivitäten gefangen habt, und ich will noch einmal über diese Blamage hier hinwegsehen. Solltet Ihr mich wieder enttäuschen, dann werde ich mir wohl etwas Neues für Euch überlegen müssen. So....und jetzt wünsche ich zu frühstücken." Prinz John drehte sich von ihm weg und ging schnurstracks auf die Empore zu, auf der die Tafel des Sheriffs stand. De Rainault atmete erleichtert auf. Da hatte er ja noch einmal Glück gehabt; Prinz John hatte ihm noch einen Aufschub gewährt. Er gab seinen Dienern ein kurzes Zeichen, den Bruder des Königs zu bewirten, dann wandte er sich Gisburne zu: "Gisburne, seht zu, dass Ihr dieses Pack zu fassen kriegt ansonsten geht es uns beiden an den Kragen." Der Soldat stutzte. "Aber Mylord....." Der Sheriff entlud nun seinen Frust an seinem Untergebenen: "Nichts, aber..... Nehmt Euch die Leute, die Ihr braucht, und dann bringt mir diesen Robin Hood! Ist das klar?" Gisburne entgegnete nichts mehr. Mit gesenktem Haupt entfernte er sich. Zähneknirschend machte er sich auf die Suche nach dem Hauptmann, dem er bereits letzte Nacht den Auftrag gab, Robin Hoods Männer zu suchen.....

Etwas später am Morgen erwachte auch Susanna aus ihrem Schlaf. Sie hatte gar keine Lust aufzustehen, denn sie hatte einen schweren Gang vor sich. Heute würde sie sich auf den Weg zu ihrem Vater machen müssen, um ihm ihre 'Verfehlung' zu beichten. Sie fürchtete sich davor, aber sie hatte keine Wahl. Sie sammelte ihre Sachen zusammen und machte sich auf die Suche nach Garred, um sich von ihm zu verabschieden. Sie klopfte an seine Zimmertür, bekam jedoch keine Antwort. Vorsichtig öffnete sie die Tür; von Garred war jedoch keine Spur zu sehen. Sie hoffte, ihn unten im Eingangsbereich zu treffen, aber auch dort konnte sie ihn nicht finden. Sie wandte sich an den Gastwirt, der jeden, der ein- und ausging, sorgfältig beobachtete. "Euer Bruder hat heute Morgen ganz früh bereits das Haus verlassen. Ich soll Euch ausrichten, dass er später wieder zurück sein wolle, um Euch abzuholen." Susanna bedankte sich bei dem älteren Mann und wollte gerade ebenfalls das Haus verlassen, als sich ihr jemand anders in den Weg stellte. Sie erschrak: "Godric....!"

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Jehan:

Die Luft war erfüllt von Schreien, Feilschen, dazwischen Tamburinschläge und Gaukler: der Markt war in vollem Gange, und die ganze Stadt wimmelte von Menschen. Noch immer waren sämtliche Soldaten im Dienst, hielten wachsam Ausschau nach Ärger.  Pausenlos durchsuchten sie argwöhnisch alles und jeden. Unfassbar, dass sie die Geächteten nicht finden konnten. Gisburne musste lange suchen, ehe er Jehan of Beaversbrook entdeckte. Der Hauptmann lungerte schon wieder mit dieser Küchenmagd herum, mit der er nun auch noch in aller Öffentlichkeit Händchen hielt. Als ob der Mann nichts Besseres zu tun hatte! "Beaversbrook!" brüllte Gisburne über den Platz. Sofort löste sich Jehan von seiner Frau und marschierte auf den Haushofmeister zu. Er sah mitgenommen und übermüdet aus, aber Gisburne ignorierte das. "Macht 30 Männer abmarschbereit! Ich reite nach Sherwood! Und Ihr werdet hier die Stellung halten, falls dieser Geächtete nochmals versuchen sollte, hierher zu kommen"  ordnete er an. "Wie Ihr befehlt, Mylord", sagte Jehan. "Eine Frage noch: wieso wart Ihr gestern nicht auf Eurem Posten?" "Mylord, ich... habe kontrolliert... ob die Stricke noch fest waren..." "Wenn ich Euch einen Befehl gebe, so bleibt gefälligst dabei!" "Ja, Mylord. Ich werde es mir merken" .Gisburne sah den Hauptmann aus schmalen Augen an. Was war nur mit dem Mann los? Er schien irgendwie verändert. Die Küchenmagd stand sehnsüchtig wartend im Hintergrund. Vielleicht mochte sie der Grund sein, ein hübscher Grund zwar, aber ein unverzeihlicher. "Lasst während des Dienstes gefälligst die Finger von den Weibern!" zischte Gisburne. Jehan hätte ihm gerne erzählt, was vorgefallen war. Aber dann hätte er seine Schande eingestehen müssen. Und das brachte er nicht fertig. Es gibt Erlebnisse, die sich auf der Seele einbrennen, sie Demut lehren und den ganzen Menschen verändern. Ein solches Erlebnis war die Schmach am Pranger für den Hauptmann. Aber nun, da er doch noch lebte, begann das alte Feuer langsam wieder zu brennen. Vielleicht würde es nie mehr so hell lodern, aber die Glut war noch da, und nun reichte ein Windhauch, um es wieder anzufachen. Jehan hatte sich die Gesichter derjenigen, die ihn hatten aufhängen wollen, wohl eingeprägt. Und nun würde er sich rächen. Nun war er nicht mehr gefesselt, ihnen nicht mehr hilflos ausgeliefert. Gisburne ging zur Burg zurück, um Gwen zu holen. Er wollte sie als Köder benutzen. Jehan ging wieder zu Ciara hinüber. Endlich hatte er die Sprache wieder gefunden. "Ciara" begann er, "es war nicht rechtens, was du getan hast. Der Mob wollte mich umbringen, ohne Grund. Du hättest mich nicht heiraten müssen, um meinen Hals zu retten." Sie sah ihn zweifelnd an. "Aber die Leute hätten dich umgebracht! Und ich liebe dich doch! Du wirst sehen, ich bin eine gute Ehefrau! Ich werde es dir beweisen!" Sie lächelte wieder. "Ja" entgegnete Jehan müde. Vielleicht war es ja tatsächlich besser so. Er schickte seine Braut wieder zu ihrer Arbeit zurück und versprach, nach dem Dienst vorbeizuschauen. Ciara küsste ihn zum Abschied, stolz wie eine Königin. Nachdem Jehan die Truppe instruiert hatte, die Gisburne begleiten sollte, machte er sich auf die Suche nach den Leuten, die ihm heute Morgen die Schmach seines Lebens bereitet hatten. Einen kannte er mit Namen, es war der Mörtelmacher Giles. Der hatte die Schlinge geknüpft. Ihn würde er sich als ersten vornehmen und ihm öffentlich die Haut vom Rücken peitschen. Allein bei dem Gedanken an Rache kehrten die alten Lebensgeister wieder.

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Taran:

Taran saß in der Nähe des Feuers und hörte dem Gespräch der Geächteten zu. Aus dem Augenwinkel beobachtete er Robin Hood. Dieser sah ziemlich mitgenommen aus. Die Wunde an seinem Kopf sah nicht sehr gut aus. Dann wieder wanderten seine Gedanken zu Jehan. Nein, seine Gefühle hatten ihn nicht getäuscht. Auf seinen Bruder kamen scheinbar große Schwierigkeiten zu. Er stützte den Kopf in die Hände. Wie sollte er das alles unter einen Hut bringen? Er sollte nach Gwen schauen, seinen Bruder treffen und dieser bunt zusammengewürfelte Haufen hier um ihn herum schien sich dem Ernst der Lage nicht wirklich bewusst zu sein. Entschlossen erhob sich Taran und ging auf Robin zu. „Ich muss mit Euch sprechen,“ sagte er. „Ich will mich nicht in Eure Angelegenheiten einmischen, es geht mich sicher auch nichts an, aber ich denke Ihr solltet sofort handeln. Ihr müsst hier verschwinden. In Kürze werden hier mehr Soldaten den Wald nach Euch durchkämmen, als Ihr Euch vorstellen könnt.“ Taran versuchte seine Worte sorgfältig zu wählen. Er wollte nicht, dass Robin dachte, er wolle ihn oder seine Führerrolle in Frage stellen. „Euer Vorsprung ist zu gering, und Ihr habt Verletzte. Wenn man das so im Ganzen sieht, stellt Ihr im Moment keine große Kampftruppe dar. Und die Soldaten werden mit den Pferden schneller sein als Ihr. Ihr solltet die verbleibende Zeit nutzen.“ Er sah Robin erwartungsvoll an. Robin war schwer einzuschätzen. Er war gespannt, wie er reagieren würde.

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Gwen:

Bruce de Briac riss die Tür seines Gemaches auf, stürze den Gang hinunter und überrannte dabei fast den aufgebrachten Gisburne, der im Laufen dabei war, die fehlenden Teile seiner Rüstung anzulegen. „Sir Guy!“ rief er ihn wütend an. „Die Lady of Hawkney und ich werden jetzt, sofort diese Stadt verlassen!“ Drohend baute er sich vor Gisburne auf. Der, nicht minder wütend, schnauzte nur zurück: „Pah, nichts werdet ihr!“ De Briac war kaum noch zu halten. Die Zustände in Nottingham waren wirklich das Schlimmste, das er seit Jahren erleben musste. „Ich bin der Sheriff von Gapdale und ich Geheiße Euch diese Tür sofort zu öffnen!“ Seine rechte Hand lag drohend auf dem Schwertknauf. Gisburne jedoch blickte ihn eiskalt an. „Selbst wenn ich sie öffnen könnte..“ antwortete er ruhig „In Nottingham habt Ihr rein gar nichts zu befehlen. Ihr mäßigt Euch besser! Für diese dumme Streiterei habe ich keine Zeit! Wendet Euch meinetwegen an de Rainault. Beaversbrook verwahrt die Schlüssel. Und geht mir jetzt endlich aus dem Weg!“ Im Weggehen vernahm er noch wie der ungehaltene und in seiner Ehre gekränkte Bruce de Briac damit drohte sich bei Prinz John zu beschweren. ‚Ja, geht ruhig’ dachte sich Gisburne ‚So ein tobender Sheriff wird dem Prinzen ganz gewiss gerade recht kommen...’ Gisburne hoffte dass sein Hauptmann endlich einmal den ihm gegebenen Befehl ausgeführt hatte und trat vor die Burg. Eine Gruppe Soldaten stand zum Abmarsch bereit vor ihm.

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Robin:

Etwas perplex und fragend sah Robin Taran an. Hatte er eben richtig gehört? Forschend sah er ihn an. Seinem Gesichtsausdruck nach, schien er seine Aussage völlig ernst zu meinen. "Wir sollen hier verschwinden?" fragte Robin noch mal nach und sah ihn ungläubig an, als könnte er den vorangegangen Worten einfach keinen Sinn abringen. Er hatte das Gefühl, als hätte ihn gerade jemand gebeten, Herne zu töten. "Niemals!" sagte er kurz und knapp und drehte sich abrupt weg. "Warte!" Taran legte seine Hand leicht auf seinen Arm. "Bitte. Ich will euch doch nur helfen. Ihr hättet keine Chance!" Robin sah sich um, maß einem nach dem anderen mit einem langen Blick, bevor er Tarans Blick wieder traf und ihm fest in die Augen sah. "Siehst du diese Menschen hier. Männer, die nur eins wollen - Frei sein! Wir haben uns hier ein Leben geschaffen, einen Lebensraum, in dem wir glücklich sind. Keiner von Ihnen wird das einfach wegwerfen, nur um vor einem Kampf davon zu laufen. Wir haben genug und hart gekämpft - nicht nur für uns und das bisschen Freiheit, was du hier sieht’s," dabei machte er eine weitschweifende Armbewegung, um seine Worte zu unterstreichen, "sondern für alle Menschen. Wir haben Ihnen Hoffnung gegeben. Hoffnung, die sie schon längst verloren hatten. Wir werden NICHT davon laufen! Ich bin Hernes Sohn, der Behütete - Herne wird uns beschützen!" Mit diesen Worten lies er Taran stehen und ging zu den anderen. Wenn er Recht hatte, mussten sie vorbereitet sein. Aber niemals, nein, niemals - werden sie einfach verschwinden! dachte er wütend. Soll Gisburne doch kommen. Hier im Wald waren sie im Vorteil.....

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Taran:

Taran sah Robin wütend hinterher. Was machte er eigentlich hier? Auf diese Leute war doch sicher kein Verlass. Er brauchte Leute, auf die er hundertprozentig zählen konnte. Er starrte zu Robin, der ihn nicht mehr beachtete. Taran wollte jedoch Gwen helfen. Und das konnte er nicht alleine. Unschlüssig starrte er auf die Feuersglut die langsam erlosch, da niemand nachschürte. Dann gab er sich einen Ruck und marschierte noch einmal zu Robin. Der sah ihn grimmig an. „Robin,“ sagte er leise und eindringlich. „Ich bewundere Euch aufrichtig für das was Ihr bisher geleistet habt. Aber der Sheriff ist nicht dumm. Und Prinz John weilt in der Stadt. Der ist sicher nicht dort, um sich beim Fest zu vergnügen. Manchmal ist es besser einen offenen Kampf zu vermeiden, zumindest bei Eurem letzten Schachzug habt ihr nichts erreicht. Oder?“ Robin lief rot an vor Zorn. Was bildete sich dieser dahergelaufene Kerl eigentlich ein? Taran merkte, dass Robin immer wütender wurde. Dennoch redete er weiter: „Wir wollen alle frei sein, das ist richtig. Und Ihr habt den Menschen auch Hoffnung gegeben. Aber Hoffnung kann man nicht essen. Hoffnung macht weder satt, noch kann man mit ihr Nahrung bezahlen. Und den Sheriff interessiert es nicht wen er bei der Vergeltung trifft“ Vorsichtig trat er einen Schritt zurück, da er das Gefühl hatte, das Robin ihm gleich an die Gurgel gehen würde. Aber jetzt war er schon in Fahrt und würde sich auch nicht mehr bremsen. Auch die anderen Anwesenden spürten die knisternde Spannung zwischen den Beiden. John war schon auf dem Sprung, um notfalls eingreifen zu können. „Robin, ich habe eine Idee. Wenn Ihr sie hören wollt, ist gut, wenn nicht werde ich hier verschwinden. Auf jeden Fall werde ich mich mit Euch in Eurem Zustand nicht prügeln. Das verbietet der Anstand. Ihr hättet nämlich keine Chance. Nun? Wie ist Eure Antwort?“ Während der letzten Sätze hatte Taran vorsichtig versucht den Abstand zu Robin zu halten. Er war darauf gefasst, jeden Augeblick kämpfend mit Robin am Boden zu liegen.

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Sue:

"De Rainault! DE RAINAULT!!" Wütend rauschte der Sheriff von Gapdale in den Bankettsaal, um sich den High-Sheriff von Nottingham vorzuknöpfen. Seine Geduld war am Ende. Sich so behandeln zu lassen, hatte er nicht nötig. Und das wollte er hier und jetzt klären - im Beisein Prinz Johns. Die ehrenwerte Gesellschaft war noch immer mit ihrem ausgedehnten Frühstück beschäftigt, hielt jedoch erschrocken inne ob des Wutausbruchs des Sheriffs von Gapdale. De Briac wohnte dem nicht bei; ihm war der Appetit schon vorher sichtlich vergangen. "Was erregt Euch so, de Briac?", säuselte de Rainault, überfreundlich. Prinz John ließ sich von der Szenerie nicht beeindrucken und aß zufrieden weiter. "Es ist ungeheuerlich, wie Ihr Eure Gäste behandelt! Ich bin der Sheriff von Gapdale und ich erwarte, dass man mich hier mit Respekt behandelt. Besonders Euer Jungchen in der Verkleidung eines Ritters, dieser Gisburne, sollte sich das gut merken.....", polterte Bruce de Briac weiter drauf los. "Gisburne? Was hat dieser Tölpel denn jetzt wieder angestellt?", fragte der Sheriff von Nottingham gleichgültig und schnitt ein Stück von einem Apfel ab, um es genüsslich zu vertilgen. Die Gleichgültigkeit seines Amtskollegen machte den Sheriff von Gapdale noch wütender. "Er hat mich beleidigt, indem er mich und die Lady of Hawkney wie Gefangene behandelt. Er lässt mich nicht einmal nach ihr sehen!" Er versuchte sichtlich, seine Rage im Zaum zu halten. "Nun, Ihr seid natürlich frei, zu ziehen, wohin es Euch beliebt. Was die Lady of Hawkney angeht, so ist sie nicht ganz so frei wie Ihr." De Rainault kaute selbstzufrieden auf dem Apfel herum. Jetzt ließ sich de Briac nicht mehr bremsen. Das war zuviel. Er ging auf Robert de Rainault zu, packte ihn am Schlafittchen, zog ihn halb über den Tisch und brüllte ihm ins Gesicht: "Es reicht! Es ist genug! Und wenn ihr mich jetzt nicht auf der Stelle zu der Lady lasst, dann gnade euch Gott!" Daraufhin war nun auch de Rainault bedient und schrie zurück: "Ich habe auch genug.....Und zwar von eurer Schreierei! Was glaubt ihr wohl, wo ihr euch hier befindet? Dies ist immer noch mein Schloss und meine Grafschaft, und ich sage hier was Sache ist! Habt ihr das verstanden, de Briac? Mittlerweile wurde es auch dem Prinzen zu bunt. "Ruhe jetzt! Schluss damit! Es reicht! Ich habe genug von euren kindischen Schreiereien, ......MyLords!", stimmte er mit ein. Er stand auf und warf den Laib Brot, den er in der Hand hielt, angewidert auf seinen Teller. "Ihr meint sicherlich, dass es das Schloss des Königs ist und natürlich auch seine Grafschaft. Nicht wahr, de Rainault?", fragte Prinz John provozierend. "Ja, natürlich, Mylord, das meinte ich", gab der Sheriff von Nottingham mit gepresster Stimme zu. Innerlich zerriss es ihn vor Wut ob dieser Belehrung. "Wo liegt dann das Problem, hä?", fuhr des Königs Bruder fort. "De Briac, natürlich seid Ihr kein Gefangener und könnt ziehen, wohin Ihr wollt - nach den Festivitäten, versteht sich. Die Lady of Hawkney wird hier allerdings noch gebraucht. Robin Hood....ihr versteht?" Der Prinz grinste de Briac breit ins Gesicht und sprach weiter: "Aber wenn es Euer Wunsch ist, so sei es Euch natürlich gestattet, nach ihr zu sehen." Und an de Rainault gewandt sagte er: "De Rainault, führt doch bitte den Sheriff von Gapdale zu dieser.....Lady." Der Sheriff von Nottingham presste seine Kiefer vor Wut fest zusammen. "Kommt!", fauchte er Bruce de Briac an. Gemeinsam verließen sie den Raum, um Gwens Gemach aufzusuchen. Währenddessen widmete sich Prinz John im Kreise der hohen Lords, die immer noch wie erstarrt inne hielten, wieder seinem Essen.....

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Robin:

Wütend starrte Robin sein Gegenüber an. Er hätte keine Chance? Was bildete sich dieser dahergelaufene Halbnormanne eigentlich ein. Obwohl er selber nur zu genau wußte, dass er Recht hatte, wollte Robin sich das einfach nicht zugestehen. Und wer sagte ihm eigentlich, dass er Taran wirklich trauen konnte? Sein Bruder stand beim Sheriff von Nottingham unter Sold und das größte Ziel, was diese Halsabschneider gerade verfolgen, war, ihn zu fassen, um ihre Köpfe vor Prinz John zu retten. Bruderliebe ist manchmal stärker als die Vernunft, dachte er gerade noch wütend, als ihn eine mentale Nachricht von Herne erreichte. Prüfend sah Taran ihn an, sofort bereit, falls Robin, so wütend wie er zu sein schien, sich auf ihn stürzen würde. Langsam waren die anderen, die durch den harten Wortwechsel aufmerksam geworden waren, näher gekommen und beobachteten misstrauisch die beiden. Doch plötzlich wirkte Robin abwesend, als lauschte er auf etwas, das nur er hören konnte. 'Sollte an dieser Legende des gehörnten Jägers tatsächlich etwas dran sein?' fragte sich Taran instinktiv. Schon im nächsten Moment klärte sich Robins Gesicht und alle Wut, die eben noch darin stand, war wie weggeblasen. Offen sah er Taran an. "Erklär mir deinen Plan!" sagte er dann in versöhnlichem Ton und zog ihn zum Feuer, wo sie sich niederließen. John sah den beiden mit fragendem Blick nach, zuckte dann nur die Schultern und widmete sich wieder seiner Arbeit, während Tuck leise lächelnd "Sturer Hitzkopf" murmelte und die beiden beobachtete. "Du willst was?" Robin wußte nicht ob er lachen, oder dem jungen Mann vor ihm lieber die Leviten lesen sollte. "Es könnte klappen. Wenn wir alles so machen, wie ich es geplant habe, kann nichts schief gehen..... Im Gegensatz zu deinem Plan neulich." Hing er verschmitz lächelnd hinten an und schielte verstohlen auf den Verband um seinen Kopf. Robin warf ihm einen bösen Blick zu, musste dann aber selber grinsen "Schon gut, du hast mich überredet. Wir sollten uns beeilen. Ich sag den anderen bescheid." Er warf Taran noch einen durchdringenden Blick zu, lächelte dann kurz und ging zu den anderen. "Robin," hielt Taran ihn zurück, als hätte er sein Gedanken gelesen, "warum hast du...?" "Herne vertraut dir!" gab Robin nur lächelnd zurück, ohne das er ihn ausreden lies. "Und du?" nachdenklich sah Robin ihn eine Weile an. "Wenn Herne dir vertraut, dann tue ich es auch.... Enttäusch mich nicht!"....

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Gwen:

Gwen wurde mit jedem Bissen, den sie bedächtig zerkaute und hinunter schluckte, müder. Doch sie fühlte sich dabei befreit und leichter; alle Sorgen schienen vergessen... Nur das Stimmengewirr, das wie aus einer anderen Welt zu stammen schien, ließ sie verzweifeln. ‚Hört endlich auf und lasst mich in Ruhe’ wollte sie ihnen zurufen, aber die Worte kamen ihr nicht über die Lippen. Gwen spürte, wie sie langsam von Kälte umgeben wurde. Sie zitterte leicht und ihr Atem wurde flacher. Unfähig ihren Arm zu bewegen blickte sie sehnsüchtig auf ihre Hand, in der sich noch immer einige der Wurzelknollen befanden. Es blieb ihr nichts als traurig zu hoffen, dass sie inzwischen genug von der Pflanze zu sich genommen hatte... ‚Nicht mehr lange, und ich werde endlich zu Hause sein...’ Ihre schwerer werdenden Lider schlossen sich und mit einem gelösten Lächeln wartete sie darauf, ihren Vater wieder in die Arme schließen zu können...

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Jehan:

Jehan beobachtete, wie der Trupp mit Sir Guy of Gisburne an der Spitze die Stadt verließ. Er selbst hatte nun nur noch einen Gedanken: Rache. Deshalb ging er hinunter zum Stadtrand, wo die Mörtelmacher ihre Sandgruben hatten. Er entdeckte den strohblonden Giles, der voller Dreck und Sand war, und dem man die Anstrengungen seines Berufes deutlich ansah. Jehan lächelte grimmig. Nun würde dieser Mensch dafür büßen! Aber Giles hatte ihn ebenfalls entdeckt und wurde schlagartig weiß wie eine Leiche. Er sah sich nervös um, erkannte, dass seine Chancen zu entkommen ziemlich schlecht standen. Also blieb er stehen, während Jehan sich im siegesgewiß näherte. Die Menschen grinsten heimlich und warfen sich vielsagende Blicke zu, als sie den Hauptmann sahen. Sie waren alle dabei gewesen. Als Jehan schließlich vor Giles stand, und ihn mit einem hasserfüllten Blick ansah, fiel der wimmernd auf die Knie. „Herr, das heute Morgen war doch nur ein Spaß… wir hätten Euch bestimmt nichts zuleide getan! Niemals!“ brach es aus dem etwa dreißigjährigen Arbeiter hervor. Giles war kein Held. Im Kreise seiner Arbeiter tat er zwar stark, aber im Grunde seines Herzens war er ein zurückhaltender, scheuer Mensch, der Freude an puscheligen Lämmern hatte und jede Maus respektierte. Nur die Normannen respektierte er nicht, zu seinem Pech wie sich nun herausstellte. Seine kräftigen, muskulösen und durch ihre Arbeit bestens trainierten Kollegen versammelten sich im Halbkreis hinter ihm und hoben demonstrativ ihre Schaufeln hoch. Das beeindruckte den normannischen Soldaten nicht im Mindesten. Verächtlich blickte er auf Giles herab. „Du wirst angeklagt, einen Soldaten der Truppe denunziert und verletzt zu haben!“ sagte Jehan of Beaversbrook frostig. „Ich verhafte dich hiermit! Los, mitkommen!“ Die anderen umfassten die Schaufeln fester und traten noch einen Schritt vor. Der Hauptmann sah sie der Reihe nach an. „Ihr könnt auch mitkommen, wenn ihr Wert drauf legt! Ansonsten rate ich euch, jetzt wieder an die Arbeit zu gehen!“ Tatsächlich zögerten die Leute. Aber noch blieben sie standhaft. Jehan zog sein Schwert aus dem Scabbart und hielt es ihnen drohend entgegen. „Jeden, der nicht augenblicklich wieder an seine Arbeit geht, werde ich persönlich vor den Sheriff schleifen!“ fauchte er wütend. „Ich verstehe nämlich ganz und gar keinen Spaß!!“ Mit der linken ergriff er Giles´ schmutziges Hemd und zerrte ihn hoch. Der Mörtelmacher wagte nicht, sich zu wehren. Er hatte schon zu oft die normannische Willkür zu spüren bekommen. Der Hauptmann zerrte ihn mit sich. Wenn die anderen ihnen folgen würden, hätte er kein Problem damit, diesem nichtsnutzigen Angelsachsen das Schwert bis zum Heft in den mageren Leib zu rammen. Auch wenn er dann um das Vergnügen gebracht würde, den Kerl die Peitsche spüren zu lassen. Jehan zerbrach sich den Kopf darüber, wer ihn letzte Nacht eigentlich überfallen hatte. Demjenigen würden die Peitschenhiebe zustehen. Aber da dieser jemand nicht greifbar war, musste eben Giles dran glauben, der das Pech gehabt hatte, erkannt worden zu sein. Unbarmherzig zerrte Jehan den Burschen durch die Gassen Richtung Burg. Bevor er den Mörtelmacher vor den Richter schleifen konnte, rief ihn eine wohl bekannte Stimme. Rufen war zuwenig gesagt. Robert de Rainault brüllte. Jehan vergaß Giles auf der Stelle. Er kam eben noch dazu, den Delinquenten einem Soldaten zu übergeben und die knappe Anweisung: „Kerker!“ zu geben, dann sah er zu, dass er seinem Dienstherrn unter die Augen kam. Robert de Rainault war in einer Laune, die einem malerischen Fischteich im Hochsommer zu einer handdicken Eisschicht verholfen hätte. „Her mit dem Schlüssel zu Lady Gwens Gemach!“ kläffte er, während sein Blick die wütend schnaubende Gestalt Bruce de Briacs im Auge behielt. Der Schlüssel zu Gwens Gemach… „Was habt ihr denn vor?“ fragte Jehan vorsichtig, während er großen Schlüssel hervor holte und ihn mit einem kurzen Zaudern in die fordernde, offene Hand des Sheriffs übergab. Er wollte es nicht tun, auch wenn das allem widersprach, für das er Einstand und wenn es einem schändlichen Verrat gleichkam. Sein Pensum an Schande war für heute gedeckt.„Geht Euch nichts an! Los, auf Euren Posten, und zwar heute noch!“ entgegnete Robert de Rainault ungehalten. Die beiden Sheriffs eilten zeternd davon. In Jehans Kopf begannen die Gedanken zu kreisen.

*

Gwen:

Robert de Rainault war zu verärgert, um die zögerliche Herausgabe des Schlüssels durch den Hauptmann zu bemerken. Jehan blickte den beiden davoneilenden Männern mit einem merkwürdigen Gefühl hinterher. An Gwens Kammer angekommen hantierte de Rainault einen Moment mit dem Schlüssel herum, bevor er endlich die Tür wütend aufstieß. Bei dem Anblick, der sich den beiden Männern bot, erstarrten sie. So ähnlich sie sich auf der einen Seite auch waren, so unterschiedliche Gefühle befielen sie nun, da sie Gwen dort liegen sahen. Der Sheriff von Nottingham drohte vollends seine Fassung zu verlieren. Er hatte erwartet in der Kammer eine Tränenüberströmte, vor Angst schlotternde und in der Ecke kauernde Frau vorzufinden. Aber was musste er sehen? Jetzt, als die Sonne schon den Zenith überschritten hatte, lag diese Gesetzlose ganz entspannt und mit einem glückseligen Lächeln um ihren Mund faul auf dem Bett herum und schlief den Schlaf der Gerechten. Wie konnte sie es wagen ihn so zu verspotten? Genau so fühlte er sich: verspottet! Ganz anders erging es Bruce de Briac. Mit offenem Mund stand er im Türrahmen und stierte gebannt auf das Bild, das sich ihm erschloss. Ein merkwürdiger Schmerz durchzog ihn. Nur mühsam vermochte er sich zu beherrschen. Er musste sie haben! Koste es was es wolle! Robert de Rainault fing sich als erster. Er stürmte brüllend an das Bett. „Bewegst du dich endlich hoch, du respektloses Weib!“ Er schäumte vor Wut und bemerkte nicht die alte Magd, die neugierig versuchte einen Blick in den Raum zu erhaschen, der seit gestern verschlossen und bewacht gewesen ist. Es war ihr spitzer Aufschrei und das Zerbersten des Weinkruges den sie eben noch in den Händen gehalten hatte, der ihn auf sie aufmerksam machte und der de Briac aus seinen Träumen riss. De Rainault wirbelte herum. „Was willst du hier Alte? Verschwinde sonst ...“ Die alte Frau beachtete ihn nicht sondern stürzte an den beiden Männern vorbei auf das Bett zu. „Herr im Himmel!“ rief sie aus „Was habt ihr getan?“ Sie kniete neben Gwen, befühlte die wächserne Haut ihrer Hände und beugte sich über ihr Gesicht um zu spüren, ob sie noch atmete. De Briac löste sich aus seiner Starre und tat einen Schritt auf sie zu. „Was soll das?“ fuhr er sie an. „Nimm deine runzeligen Finger von der Frau!“ Mit vor Angst geweiteten Augen blickte sie den Sheriff von Nottingham, ihren Herren, an. Der hatte seine Hand schon zum Schlag erhoben. „Mylord!“ rief sie entsetzt aus. Zu spät. Der Schlag kam kräftig und schleuderte sie zu Boden. „Mylord?“ stammelte sie „Seht Ihr nicht Mylord? Sie stirbt!“ „Was?“ riefen beide Männer gleichzeitig aus. „Das geht jetzt nicht!“ de Rainault war nicht mehr zu halten. „Wenn sie tot ist kriegen wir Hood nie bis zum Ende des Jahrmarktes!“ De Briac war geschockt „So tut doch endlich etwas de Rainault!“ Die Magd kauerte noch immer am Boden und blickte abwechselnd von einem zum anderen. „Die Mönche, Geraldus und... und.. vielleicht können die noch...“ flüsterte sie und wagte es nicht ihren Herren anzusehen. „Was hockst du da noch herum? Beweg dich endlich! Zum Burgfried mit dir! Sag Hauptmann Beaversbrook er soll die Mönche holen! Du kennst den Hauptmann?“ - „Ja, Mylord.“ - „Warum bist du dann noch hier? Verschwinde endlich!“ brüllte er sie an. Sie rappelte sich auf, griff in ihre Röcke und rannte so schnell sie mit ihren alten Beinen konnte zum Burgfried.

Jehan grinste böse vor sich hin als er sich ausmalte, wie die Peitsche Giles’ Haut aufreißen würde... da hörte er seinen Namen. „Hauptmann Beaversbrook!“ Die alte Frau konnte vor Anstrengung kaum noch atmen. „Was?“ fuhr er sie gereizt an. „Der Lord High-Sheriff...die Mönche...“ – „Hör auf zu stammeln, Alte!“ Konnte dieser Tag noch schrecklicher werden? Er blickte sie angewidert an. „Nun sag schon, was ist mit dem Sheriff und was für Mönche?“ Die Magd nahm einen tiefen Atemzug. „Ihr sollt Bruder Geraldus holen!“ sie atmete noch einmal schwer. „Die Frau in der Kammer stirbt!“ Jehans Herz drohte stehen zu bleiben. Er wurde kreidebleich und taumelte. „Gwen!?“ entfuhr es seinen Lippen. Es konnte sich nur um Gwen handeln; sonst befand sich seines Wissens keine Frau auf dem Schloss. Er ließ die Alte stehen und stürmte zum Haus der Brüder. Tausend Gedanken stürzten auf ihn ein. ‚Gwen... das kann nicht sein... das darf nicht sein...’ Es erschien Jehan wie eine Ewigkeit, bis er mit den Mönchen endlich die Kammer erreichte, in der Gwen lag. Er musste sich am Türrahmen festkrallen, als er ihr aschfahles Gesicht erblickte. „Sie darf nicht sterben!“ flüsterte er zu sich und bemerkte, kaum dass die Worte seinen Mund verlassen hatten, den verwunderten Blick des Sheriffs von Gapdale. Jehan biss sich auf die Unterlippe. „Ich bin auf meinem Posten“ sagte er laut und versuchte dabei möglichst kühl und gelassen zu klingen. Das Bild von Gwens schlaffem Körper verfolgte ihn auf seinem Weg zurück zum Burgfried...

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Sue:

Susanna schaute Godric einen Moment lang traurig in die Augen. Sie wollte sich schleunigst an ihm vorbei durch die Tür stehlen, als er ihren Oberarm fasste. "Lasst mich", sagte sie leise zu ihm; dabei versuchte sie, ihren Arm aus seinem Griff zu lösen. Eine Szene vor dem Gastwirt war das letzte, was sie jetzt noch brauchte. Aber der junge Mann ließ sie nicht los. "Bitte.....", flehend schaute er sie an. "Nicht.....geht nicht.....ich muss mit Euch reden.....bitte." Der neugierige Gastwirt beobachtete die beiden mit großem Interesse. Missmutig gab die junge Lady nach und ließ sich von Godric neben das Gasthaus geleiten. Zweifellos wollte er ungestört mit ihr sein. Weit und breit war niemand zu sehen, da beinahe alle Einwohner der Stadt sich aufgekratzt und laut johlend um die kleine Kirche im Ort scharten. "Was gibt es denn noch zu reden?", fragte sie matt. "Ich bin ein dummer Esel", platzte es plötzlich aus dem jungen Mann heraus. "Ich weiß selbst nicht, was da gestern in mich gefahren war. Aber dieser Schock, zu erfahren..... Natürlich war es falsch, Euch so vor den Kopf zu stoßen." Er hielt inne, und Susanna schaute ihn stirnrunzelnd an. "Es tut mir leid, bitte entschuldigt", überwand er sich schließlich zu sagen, dabei nahm er ganz vorsichtig ihre Hände in seine. Erwartungsvoll schaute er sie an. Die junge Frau war verwundert ob der offensichtlichen Verlegenheit, die der sonst so selbstbewusste Mann ihr entgegen brachte. Ihr fehlten die Worte, obwohl sie diesen Moment insgeheim herbeigesehnt hatte. "Es ist schon gut", war alles, was sie schließlich herausbrachte. Erleichtert zog Godric sie zu sich heran und umarmte sie zärtlich. Schallend lachend kam Garred plötzlich um die Ecke. "Habt ihr das mitgekriegt? Der wackere Hauptmann am Pranger? Ich krieg' mich nicht mehr ein!" Godric warf seinem Freund einen bösen Blick zu. Selten hatte er sich so gestört gefühlt wie in diesem Moment. "Oh, ich störe wie ich sehe...." Noch immer schüttelte es Garred vor lachen. "Wenn zwischen euch beiden jetzt alles wieder in Ordnung ist, kannst du ja endlich mit dem Earl reden, Godric." Susanna wich einen Schritt zurück. "Mit dem Earl reden?", fragte sie verwundert. Sie hatte gehofft, dass Godric diesen Plan verworfen hatte. "Ich brauche Klarheit, das müsst Ihr doch verstehen", antwortete er um Verständnis bittend. Die junge Frau nickte nur resigniert. Er hatte Recht, das musste sie sich eingestehen. Jedoch beschlich sie die Angst, dass die ganze Situation eskalieren könnte, wenn sie Godric alleine zu ihrem Vater gehen ließe. Daher stellte sie fest: "Ihr werdet da aber nicht alleine hingehen. Ein tragischer Tod ist mehr als genug. Ich werde Euch begleiten." Der junge Lord wollte protestieren, musste jedoch im selben Augenblick feststellen, dass Susanna keine Widerrede duldete. "Nun gut", sagte er schließlich. "So lasst uns denn aufbrechen.".....

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Godric:

Godric ging in Susannas Begleitung zur Burg. Er wußte nicht, was mit ihm los war. Er konnte nicht mehr klar denken. Garred folgte ihnen zunächst, blieb jedoch im Burghof bei den Pferden zurück. Insgeheim hoffte er, daß sein Einwirken zur Versöhnung beigeholfen hatte und Godric das zu schätzen wußte. Lord William hatte ein ausgiebiges Morgenmahl eingenommen und sich in sein Gästegemach zurückgezogen. Er war angenehm überrascht, als man ihm den Besuch ankündigte. Mit Freude begrüßte er seine Tochter, und war froh, sie wieder in seiner Nähe in Nottingham zu wissen. Es hatte ihm wenig behagt, sie vor einigen Tagen in der Abtei zurückzulassen. Dann wandte er sich an den jungen Mann und reichte ihm die Hand. „Es ist gut, Euch wieder bei Gesundheit zu sehen, Sir Godric.“, sagte er. Godric nickte mit erzwungener Ruhe und Höflichkeit. „Ich danke Euch, Mylord.“

„Wie ich hörte seid Ihr in Wales gewesen? Auf Euren Ländereien nehme ich an?“ Godric ballte die Hände auf dem Rücken zur Faust. „Ja, auch das, Mylord.“, entrang er sich. Er verfluchte sich bei den Gedanken an Denbigh. Immerhin war es nicht gänzlich gelogen, denn schließlich hatte er dem alten Gut einen Besuch abgestattet... Um weiteren Fragen Einhalt zu gebieten erzählte er dem Earl in knappen Worten vom Ableben seines Schwagers. „Das tut mir sehr leid.“, entgegnete Lord William mit zusammengezogenen Brauen. ‚Das braucht es nicht.’, dachte Godric, und laut sagte er: „Für Eure Hilfe stehe ich tief in Eurer Schuld, Mylord.“ „Aber nicht doch!“, wehrte Lord William lächelnd ab, und kam dann auf seine Tochter zu sprechen. „Ihr seid Susanna offenbar in Glenfield begegnet?“ Godric berichtete ihm daraufhin auch von seiner Rückkehr und daß er Susanna nach Lowdham eingeladen hatte. Der Earl nahm seine Worte mit Wohlwollen auf, wenn er auch stets wachsam blieb. Godric hatte sich bisher als zuvorkommender junger Mann erwiesen, der ihm allenfalls sympathischer war als Robert, der Sohn des Earl of Huntingdon, der diesen gerne mit Susanna verheiratet hätte. „Mylord“, hob Godric nun an, denn er konnte sich nicht mehr zurückhalten. Susanna spürte sofort, was er nun fragen würde. Sie befürchtete das Schlimmste. „Von meinem Verwalter in Lowdham erfuhr ich unlängst, wie mein Vater ums Leben kam. Er ist nicht in der Schlacht gefallen, wie ich lange annahm, sondern er starb im Zweikampf. Und wie mir gesagt wurde war sein Gegner Sir Philip of Leicester, Euer Bruder, der daraufhin verurteilt wurde...“ Ein Schatten zog über Lord Williams Miene auf. Der freundliche Ausdruck schwand unter dem düsteren prüfenden Blick des Mannes. „Ihr wart ein Freund meines Vaters“, fuhr Godric unbeirrt fort, „Ich bitte Euch, laßt mich nicht im Ungewissen über die Dinge, die sich damals ereigneten.“ Tiefe Falten erschienen auf der Stirn des Earls. Er schwieg lange und ernst, bevor er Antwort gab. „Mein Bruder war damals noch sehr jung.“, sagte er, „Er handelte unbedacht und vorschnell, und vermutlich maß er den falschen Worten zu große Bedeutung zu.“, er hielt kurz inne und sah den jungen Mann vor sich nachdenkend an, „Ebenso wie Euer Vater ein Dickkopf war, Godric. Seine Ehre verteidigte er um jeden Preis, und ließ sich dabei von niemandem in den Weg fallen. Er war damals in König Richards Gefolge in Nottingham. Der König kam von einem siegreichen Feldzug aus Wales, bei dem er den dort wütenden Lords Einhalt geboten hatte. Viele seiner Männer hatten sich in den Kämpfen verdient gemacht, wie auch mein Bruder Philip. Der König belohnte ihn, indem er ihn zum Offizier erkannte. Euer Vater empfand diese Beförderung als eine zu hohe für einen wenig erfahrenen Kämpfer, und es blieb nicht aus, daß er sich mit Philip anlegte.“, der Earl warf Godric wiederum einen langen Blick zu, bevor er endete: „Nun, den Ausgang dieses unglückseligen Streites kennt Ihr. Mein Bruder ist dem Todesurteil entflohen. Möge Gott ihm gnädig sein.“ Godric blickte ihm still entgegen. War das alles? Der Earl hatte nicht erwähnt, daß er seinen Bruder bei der Flucht unterstützt hatte – natürlich hatte er das nicht erwähnt. Aber da war noch etwas... Ihm fiel wieder Hauptmann Jehans seltsame Antwort auf seine Frage ein. Was war da noch vorgefallen? Godric wurde das Gefühl nicht los, daß der Earl ihm etwas verschwiegen hatte. Lord Williams Miene klärte sich jedoch plötzlich, wie wenn er diese unwillkommene Erinnerung fortwischen wollte. „Das sind alte Zeiten, Godric. Verwirrungen, die uns heute nicht mehr belangen sollten. – Es ist Jahrmarkt in Nottingham. Was haltet Ihr davon, beim Wettschießen gegen mich anzutreten?“ Godric erwachte mit einem Ruck aus seinen Gedanken. Der Vorschlag des Earls kam mehr als überraschend. „Ja, doch.“, entfuhr es ihm, bevor ihm etwas Besseres einfiel. Der Earl nickte, zufrieden, vom Thema abgelenkt zu haben. Sicher würde es auch seine Tochter interessieren, ob ihr junger Freund Talent beim Schießen bewies. So machten sie sich also gemeinsam auf den Weg zum Jahrmarkt...

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Taran:

Taran war erleichtert, dass er keinen weiteren Kampf mit Robin hatte fechten müssen. Robin konnte wohl auch ganz vernünftig sein. Auch wenn es, wie es schien, manchmal dazu der Hilfe anderer bedurfte. Was Herne anging, war Taran zwar weiterhin am Zweifeln, andererseits hatte er von Bruder Berengar einiges an geheimen Wissen, Riten und Bräuchen mitbekommen. Er wusste, dass es deutlich mehr gab, als das was man mit seinen zwei Augen direkt vor sich sehen konnte. Taran schüttelte diese Gedanken von sich ab, jetzt gab es wichtigeres. Und die Zeit wurde knapp. Der Plan konnte nur gelingen, solange Gisburne im Sherwood nach den Geächteten suchte. Robin hatte schon alle ums Feuer versammelt, und war dabei ihnen den Plan zu erklären. „Ich werde mit Taran nach Nottingham gehen,“ sagte er. „Eure Aufgabe ist es, Gisburne mit seinen Soldaten möglichst lange an der Nase herumzuführen. Je länger Gisburne weg ist, desto mehr Zeit verschafft ihr uns in Nottingham.“ Tuck unterbrach Robin, „Du willst nach Nottingham spazieren?“ Er war fassungslos. „Hast Du dir den Schädel doch schlimmer angehauten, als ich gedacht hatte? Bist Du Dir im Klaren, was Du da gerade von Dir gibst?“ Auch die anderen starrten Robin mit großen Augen an. „Wir wissen, dass wir ein hohes Risiko eingehen“, sagte Taran, um Robin zu unterstützen. „Aber das ist der einzige Weg der mir einfällt, um Gwen da herauszuholen. So einfach wie es war, Bruder Berengar da herauszuholen, wird es sicher nicht mehr. Und das ganze kurz nach Robins Flucht. Die sind ja auch nicht dumm, und werden die Wachen dementsprechend angewiesen haben. Aber allein schaffe ich es auf keinen Fall. Ich brauche jemanden, der mir den Rücken freihält. Und Robin ist bereit das zu tun. Wir werden Robin so verkleiden, dass ihn seine eigene Mutter nicht mehr erkennen würde.“ Mann konnte deutlich merken, dass die Gruppe nicht überzeugt war. Robin wischte jedoch alle Zweifel beiseite. „So ist der Plan, und so werden wir es machen. Wir müssen uns aber beeilen.“ Er stand auf. „Seid Ihr dabei?“, fragte er in die Runde. „Haben wir dich jemals im Stich gelassen“, erwiderte John resignierend mit den Schultern zuckend. „Wir werden Gisburne hier im Wald ein paar nette Überraschungen bereiten“, ergänzte Will hämisch grinsend. Kurz darauf waren alle bei den Vorbereitungen. Tuck half Robin bei seiner Verkleidung und Will übte sich mit Taran im Schwertkampf. Dieser hatte lange Zeit keine Waffe in der Hand gehabt, und war aus der Übung. Wenn man den beiden so zusah, konnte man meinen es ginge um Leben und Tod. Taran standen nach kurzer Zeit die Schweißperlen auf der Stirn, denn Will war ein äußerst geschickter Kämpfer. Etwas später hatte Tuck sein Werk vollbracht. Alle waren überrascht, wie er es geschafft hatte, Robin in so kurzer Zeit derart zu verändern. Jetzt brauchte man für ihn nur noch einen geeigneten Namen, und dann konnte es losgehen.

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Robin:

Wohl war Robin immer noch nicht bei diesem Plan. Aber das wollte er weder seinen Männern gegenüber, geschweige denn Taran merken lassen. Sicher war er manchmal ein Hitzkopf und so manch unüberlegter Plan hatte sie schon öfter in Schwierigkeiten gebracht. Aber das hier war etwas anderes. So kurz, nachdem er dem Sheriff quasi aus der Schlinge des Galgens geschlüpft war, sich wieder nach Nottingham zu wagen, war schon mehr als Tollkühn. Und dabei jemandem auf Gedeih und Verderb ausgeliefert zu sein, dem man kaum kannte, machte die ganze Sache nicht einfacher für ihn. Es würde alles andere als ein Spaziergang werden, dessen war er sich sicher. Aber alles grübeln half jetzt nicht, wollten sie Gwen retten. Er würde Taran vertrauen müssen, so wie Herne ihm vertraute. Tuck hatte noch schnell den Verband gewechselt und auf Robins Anweisung so klein und unauffällig wie möglich gestaltet, so das er unter der breiten Krempe des Hutes nicht mehr auffiel. Anerkennend nickte Taran ihm zu. Wenn er nicht wüßte, wer da vor ihm stand, er hätte ihn wohl selber nicht erkannt. "Ihr kennt den Plan." sagte er an die anderen gewandt. "Gisburne wird bald hier sein. Much, geh auf deinen Posten und ihr seht zu, dass ihr bereit seid, sobald er auftaucht." An Taran gewandt sagte er nur kurz "Lass uns gehen. Die Zeit drängt!"

John klopfte Robin noch mal kurz auf die Schultern "Pass auf dich auf!" Taran gab er freundschaftlich die Hand, lächelte ihn offen an. "Danke mein Freund. Herne beschütze euch. Und pass mir auf den Kerl hier auf. Noch eine Beule verträgt der nicht." dabei schielte er grinsend zu Robin, der sich nur lächelnd wegdrehte und loslief.

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Gwen:

Während Geraldus die vor ihm liegende Frau untersuchte, entdeckte Ranulf die verbliebenen Wurzelstücke in ihrer Hand. „Bruder,“ begann er leise „seht hier. Dies wird der Grund für ihren Zustand sein.“ Bruder Geraldus schüttelte den Kopf und bekreuzigte sich. Schweigend nahm er eine Decke und wickelte sie fest um die zitternde Gwen. „Was?“ stieß Bruce de Briac hervor, „Könnt ihr Gwen helfen?“ „Gwen...“ Geraldus sah grüblerisch Bruder Ranulf an. Er kannte den Namen von irgendwoher. „Es ist Sünde Hand an sich zu legen und sie hat das Gift einer Pflanze zu sich genommen, die wir nicht kennen. Wir können nichts für sie tun. Es liegt allein bei Gott... und vielleicht noch daran, wie sehr sie darum kämpft zu leben. Haltet sie warm und betet.“ „Wie lange noch?“ presste Robert de Rainault heraus. Tot nützte sie ihm nichts und allmählich schwand in ihm die Hoffnung, Robin Hood noch zu fassen zu bekommen. ‚Gisburne dieser kriecherische Jasager! Warum in alles in der Welt hat er sie nicht einfach mitgenommen. Dieser Hood kommt doch fast vor Mitleid um, wenn er Verstümmelte sieht, wie unvorsichtig wäre er wohl beim Anblick der dahin siechenden Gwen geworden. Verdammt!’ „Mylord,“ antwortete Bruder Geraldus zögerlich „wie ich schon sagte, wir wissen nichts um die Wirkung dieser Pflanze. Vielleicht stirbt sie noch heute, vielleicht lebt sie noch viele Jahre... dürfen wir uns jetzt zurückziehen?“ De Rainault nickte stumm.

„Bruder Geraldus,“ sprach Ranulf den älteren Mönch an, sobald sie die Burg verlassen hatten.. „Ist es die Frau aus den Fieberträumen des Hauptmannes, den wir vor einigen Wochen versorgt haben? Er war vorhin sehr aufgeregt und ihr Schicksal schien ihn zu berühren...“ – „Ich vermute es, ja.“ – „Er war zwar aufbrausend... aber er stiftete doch einen Teil seines Soldes... wollt ihr es ihm nicht sagen?“ Ranulf blickte nach Jehan, der einsam auf seinem Posten stand und in Gedanken versunken schien. Geraldus wendete seinen Schritt. „Junger Freund!“ rief er zu Jehan hinüber. „Was?“ maulte dieser zurück und trat auf die beiden Mönche zu. „Wollt ihr noch mehr Geld?“ – „Behüte Gott, nein! Ihr ward sehr... großzügig.“ Geraldus war sich unschlüssig, was er dem Hauptmann sagen sollte. „Die Frau, zu der Ihr uns führtet... ich fürchte sie wird sterben“ – „Ja und? Was geht das mich an?“ Jehan schluckte und ballte die Fäuste „Gwen, der Gedanke an sie... schien Euch bei Eurer Genesung... zu unterstützen... Ihr habt ständig nach ihr gerufen, Herr“ sprach Geraldus vorsichtig weiter. „Ich bin Normanne!!!“ wutentbrannt brüllte Jehan die Mönche an „was soll mich da eine Angelsächsin angehen, ich habe mit der nichts zu schaffen!“ Ranulf fürchtete der Hauptmann würde sich auf Geraldus stürzen und wand ein „Verzeiht Herr, ich glaubte nach den ... Vorfällen auf unserer Krakenstation hättet Ihr Interesse daran zu erfahren wie es um sie steht. Wir wollten Euch nicht beleidigen.“ Er senkte demütig das Haupt. Jehan konnte sich nur mühselig beherrschen. „Jetzt verschwindet schon!“ maulte er die beiden an. „Oder habt ihr keine Patienten, um die ihr euch kümmern müsst?“ Geraldus und Ranulf verbeugten sich demütig und gingen zurück zu ihrer Krankenstation.

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Jehan:

Jehan hatte Mühe, gelassen zu wirken, sah sich trotzdem um, ob irgendjemand sah, was er in Wahrheit dachte. Nichts auf der Welt hätte er lieber getan als zu Gwen zu eilen und ihr beizustehen, aber nichts in der Welt war unmöglicher. Während er noch mit sich rang, sah er Godric in Begleitung des Earls of Leicester und seiner Tochter aus dem Eingang der Burg kommen. Und wieder schossen die Gedanken in seinen Kopf hin und her wie kleine glühende Pfeile. Er wollte hinübergehen, um mit Sir Godric noch einmal zu sprechen, denn er hatte das Gefühl, dass seine unbedachten Worte bei ihrem letzten Zusammentreffen den jungen Adligen tief getroffen hatten, und er wollte dies richtig stellen. Aber der Earl war bei ihm, ebenso wie die Lady, und so zögerte er. Es geziemte sich wohl nicht, ihn jetzt anzusprechen und aus der Gesellschaft der hohen Herrschaften zu reißen, und wie es aussah, wollten sie zum Jahrmarkt. Es würde sich bestimmt eine günstigere Gelegenheit ergeben, mit dem Waliser zu sprechen, und außerdem konnte man nie wissen, was der Earl ihm über den Vorfall mit Sir Philip erzählt hatte, und diesem würde man mehr Glauben schenken als irgendeinem Hauptmann. Das hatte ja nun gelernt. Zwischen Wut und Schmerz schwankend sah Jehan ihnen nach. Wut- das war es! Giles fiel ihm ein, der unten in einer Zelle schlotternd vor Angst hockte und auf seine gerechte Strafe wartete. Der Hauptmann rief einen Soldaten zu sich und befahl ihm, den Mörtelmacher und eine Peitsche herzuschaffen. Kurze Zeit später stand der Arbeiter vor ihm, mit gefesselten Händen, mürbe und ängstlich. Erbärmlich! Der Hauptmann befahl dem Soldaten, seinen Posten auf dem Burgfried zu übernehmen, dann stieß er den Gefangenen zum Burgtor hinaus, durch die Gasse zum Marktplatz. Dort schleifte er Giles, dessen Knie schon auf dem Weg dorthin nachgegeben hatten, zum Pranger hinauf, band ihn mit dem Gesicht zum Balken dort fest und  entrollte die lederne Bullenpeitsche. Die Leute blieben stehen und begannen, laut zu rufen. Einige waren entsetzt, aber die meisten freuten sich ob des blutigen Schauspiels, das ihnen endlich wieder einmal geboten wurde. Der Hauptmann begann mit der Bestrafung, ließ die Peitsche auf Giles Rücken niedersausen, der bald von blutigen furchtbaren Striemen gezeichnet war. Giles, der blonde Mörtelmacher, weinte wie ein kleines Kind, bis er bewusstlos wurde und an dem Balken schlaff herunterhing wie ein toter Hase am Gürtel des Jägers. Jehan ließ seiner Wut freien Lauf. Er ließ die Peitsche mit aller Kraft auf Giles herabsausen, was die Menge johlend begeisterte. Aber schon nach 10 Schlägen hörte auf. Entgegen seinem Plan machte es ihm keinen Spaß, Giles zu bestrafen. Vielmehr musste er feststellen, dass ihm seine Rache ziemlich egal war, sondern dass er es nur tat, um seine Wut abzureagieren und seinen normannischen Ruf wieder herzustellen. Er drehte sich zu dem jubelnden Volk um, das „weiter, weiter!“ rief. Es reichte ihm - nun hatte er seine Ehre wieder, hatte allen bewiesen, dass er ein wahrer Normanne war. Auch wenn er nun viel zu früh die Peitsche zur Seite schleuderte und den Ort seiner Rache verließ, um auf seinen Posten zurückzukehren, um seine Pflicht zu erfüllen, wie man es von einem guten Normannen erwartete. Kalt und unbewegt.

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Taran:

Taran und Robin hatten die Stadt ohne Zwischenfälle erreicht. Bei den Mönchen hatten sie Tarans Pferd abgeholt. Hier hatten sie von Bruder Ranulf erfahren wie es um Gwen stand. Robin konnte nun nichts mehr halten. Taran versuchte ihn zu beruhigen. „Robin, wir können uns keine Fehler erlauben, wir müssen vorsichtig sein. Ich will nicht, dass etwas schief geht.“ Robin stimmte Taran zähneknirschend zu. Er wusste es ja selber, aber ab und zu ging sein Temperament mit ihm durch. In Gedanken war er bei Gwen. Auch Taran wusste, dass die Zeit sehr knapp wurde. Sie eilten durch die engen Gassen der Stadt. Das Pferd führte Taran am Zügel mit. Als sie in den Bereich des Marktplatzes kamen, bemerkten sie wie die Leute zusammenliefen und johlten. Als Taran sah, warum die Leute hier in einer Traube zusammenstanden, durchzuckte es ihn wie ein Blitz. Sein Bruder Jehan stand dort mit einer Bullenpeitsche bewaffnet, und peitschte einen Bürger aus. Er wurde kreidebleich. Diesmal war es Robin, der Taran halten musste. Er bekam ihn gerade noch am Ärmel zu fassen, als dieser auf seinen Bruder zustürmen wollte. „Wir können hier nichts machen“, flüsterte er Taran eindringlich zu. Taran wollte sich losreißen aber da sah er, dass Jehan die Peitsche wegwarf und den Ort des Geschehens verließ. Taran starrte ihm hinterher. Er konnte es einfach nicht fassen. Er wollte nicht glauben, was er da eben gesehen hatte. Robin riss ihn aus seiner Erstarrung. Er zog ihn Richtung Burg. „Wir müssen uns um Gwen kümmern“, sagte er eindringlich. „Komm jetzt endlich Taran.“ Er wusste natürlich wie Taran in diesem Moment zumute sein musste, und fragte sich erneut, wie diese beiden Männer Brüder sein konnten. Aber hierfür war im Moment keine Zeit. Taran atmete tief durch, und versuchte das Gesehene beiseite zu schieben. Aber er schwor sich insgeheim, dass er seinen Bruder hierfür zur Rechenschaft ziehen würde. Etwas später hatten sie die Burg erreicht. Robin hatte ein sehr mulmiges Gefühl in der Magengegend, als sie die ersten Wachen passierten. Aber niemand schien sich für sie zu interessieren. Taran übergab Robin das Pferd mit der Bitte es im Stall unterzubringen. Robin sollte als Diener von Taran of Beaversbrook auftreten. Er selber marschierte direkt auf einen Soldaten zu. In befehlendem Ton sagte er diesem, dass er Abt Hugo zu sprechen wünsche. Er stellte sich als Taran of Beaversbrook vor. Hier half ihm die Ähnlichkeit mit seinem Bruder. Sogar der einfache Soldat erkannte die Ähnlichkeit, die Taran mit dem Hauptmann hatte. Das sichere Auftreten von Taran unterstützte dies, und so zögerte der Soldat nicht, sondern bedeutete Taran ihm zu folgen. Sie gingen durch die Gänge der Burg, und Taran erkannte den Weg wieder, den ihm sein Bruder vor nicht allzu langer Zeit bereits schon einmal gezeigt hatte. So war er sicher, dass der Soldat ihn tatsächlich zu den Gemächern von Abt Hugo brachte. Dennoch war er sehr wachsam. Aber die Vorsicht war überflüssig, denn der Soldat blieb vor einer großen Eichenholztür stehen. „Das hier sind die Gemächer von Abt Hugo“, sagte der Soldat. Taran unterbrach ihn, bevor er weiter sprechen konnte. „Danke, ich brauche Euch nicht mehr, Ihr könnt auf Euren Posten zurückkehren“, sagte er. Mit der Hand wies er den Soldaten an zu verschwinden. Als Taran sicher war, dass der Soldat verschwunden war, drückte er langsam die Klinke der Tür hinunter. Als er merkte, dass die Tür nicht verschlossen war, trat er einfach ein. Frechheit siegt, dachte er dabei. Er sah sich um. Ein Diener Abt Hugos eilte bereits herbei. Er wollte Taran aufhalten, doch der schob ihn einfach beiseite. Durch das Gezeter des Dieners wurde der Abt im Raum nebenan aufmerksam. Als er sich von seinem prunkvollen Stuhl erhob, war Taran bereits bei ihm. Als der Abt erkannte, wer da vor ihm stand, erbleichte er. Mit einer Hand hielt er sich an der hölzernen Armlehne des Sessels fest. „Hallo Abt Hugo“, begrüßte Taran sein überraschtes Gegenüber“. „Wir haben uns schon länger nicht mehr gesehen“, fügte er noch hinzu. Der Abt war nicht fähig auch nur ein Wort herauszubringen, Taran genoss den Anblick des Abtes. Diese Überraschung war ihm vollends gelungen, stellte er mit Genugtuung fest.

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Godric:

Der Bogenschützenwettbewerb fand auf dem Übungsplatz der Soldaten statt, der im hinteren Teil des Burghofes lag. Die Schaulustigen drängten sich um den abgesteckten Bereich auf der Wiese. Es herrschte eine ausgelassene Stimmung, denn weder Gisburne, der mit seinen Soldaten in den Wald gezogen war, noch de Rainault, der innerhalb der Burg mit wichtigeren Dingen belangt wurde, wohnten der Veranstaltung bei. Godric war noch immer zu sehr beschäftigt mit den Worten des Earls, als daß er diesen Trubel in sich aufgenommen hätte. Susanna war neugierig auf seine Schießkünste. Am liebsten hätte sie selbst am Wettbewerb teilgenommen, und für einen kurzen Moment überlegte sie tatsächlich, diesen verwegenen Gedanken in die Tat umzusetzen, wenn erst ihr Vater wieder anderweitig beschäftigt war. Der Wettbewerb erstreckte sich über zwei Tage. Die besten Schützen des ersten Tages würden am Folgetag an der entscheidenden letzten Runde teilnehmen. Lord William ließ Godric und sich selbst in die Liste der Teilnehmer eintragen. „Was denn?“, der alte Kauz über dem kleinen Schreibpult sah erstaunt zu Godric auf, „Wie wollt Ihr denn ohne Bogen am Wettbewerb teilnehmen, he?“ Die beiden Männer wechselten einen Blick und Godric zuckte mit den Schultern. Den Bogen nahm er nur zur Jagd mit, und ohnehin zog er stets einen offenen Schwertkampf vor, wenn es darauf ankam. Der Earl wußte jedoch schnelle Abhilfe zu schaffen. Er war mit gut gerüstetem Gefolge nach Nottingham gereist, und so stellte er Godric kurzerhand eine seiner eigenen Waffen zur Verfügung. Susanna merkte mit Unbehagen, daß ihr Freund gar nicht bei der Sache war. Seine Gedanken kreisten noch immer um Philip. Sie hatte vergeblich versucht, sich selbst an etwas zu erinnern, doch wenn sie an ihren Onkel dachte, dann sah sie stets den freundlichen und herzlichen Mann vor sich, der sie und ihre Brüder an so manchen Abenden in Leicester mit seinen abenteuerlichen Erzählungen begeistert hatte. Die ersten Runden des Wettbewerbs zogen sich über den gesamten Vormittag hin. Godric schlug sich nicht schlecht, und immerhin gelangte er ebenso wie der Earl bis zur ersten großen Ausscheidung an diesem Tag. Die Zielscheiben wurden versetzt für die vorerst letzte Runde. Godric hatte bemerkt, daß Lord David im Gedränge aufgetaucht war. Der Earl of Huntingdon hielt sich in der Nähe des Ausgangs der Festwiese und belauerte ihn wie ein alter Geier. Als Godric an der Reihe war vergaß er seine Umgebung. Er legte den Pfeil auf, hob den Bogen und spannte ihn in einer einzigen gleitenden Bewegung. Er fasste das Ziel fest ins Auge und spannte den Bogen weiter, bis ihm der Schmerz in die unlängst verheilte Wunde zog. Grimmig zog er die Sehne noch stärker an und schoß den Pfeil ab. Er traf genau in die Mitte. Langsam ließ er den Bogen sinken. Er achtete nicht auf den Beifall der Zuschauer, sondern drehte sich plötzlich um und trat auf den Schiedsrichter zu. „Ich schieße nicht weiter.“, sagte er dem verdutzten Mann, drückte ihm den Bogen in die Hand und verließ den Platz. Rigoros bahnte er sich einen Weg durch das Gedränge und erreichte schließlich den Burghof, wo er sein Pferd zurückgelassen hatte. Susanna war ihm gefolgt. Sie holte ihn ein und hielt ihn empört am Arm fest. „Wohin wollt Ihr?“, verlangte sie zu wissen. Godric hielt einen Augenblick inne. „Ich reite nach Glenfield, um Sir Philip aufzusuchen.“, mit diesen Worten schwang er sich in den Sattel und lenkte seinen Hengst zum Burgtor. Lord David hatte mit gierendem Blick seinen Abritt bemerkt und hastete nun zu seinem eigenen Pferd. Kurz darauf jagte er dem Waliser nach aus der Stadt hinaus...

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Gwen:

Die beiden Sheriffs starrten in die Kammer, ein jeder hing seinen eigenen Gedanken nach. Es war schließlich de Rainault der das Schweigen brach. "habt Ihr Euch endlich beruhigt de Briac?" wandte er sich an den Mann neben sich. Dieser nickte nur stumm und konnte sich nicht von Gwens Anblick abwenden. "Gut, „ sprach de Rainault weiter, "denn wie die Mönche schon feststellten: hier können wir nichts ausrichten. Gehen wir also und trinken wir etwas Wein." De Briac folgte dem Sheriff von Nottingham und fragte sich, was dieser jetzt schon wieder plante. 'Dieser Robert de Rainault ist einfach nicht einzuschätzen.' Vor der großen Halle angelangt rief de Rainault den jungen Mann, der dort Wache stand zu sich. "Soldat! Geht zu Hauptmann Beaversbrook. Ihr werdet seine Wache übernehmen. Gebt ihm den Schlüssel und richtet ihm aus, er soll Posten vor der Kammer beziehen." Mit einem kurzen "Ja, Mylord" verließ der Soldat eilenden Schrittes das Schloss um den Befehl auszuführen. "Bei diesem Hood kann man nicht vorsichtig genug sein, wir dürfen uns keinen Fehler erlauben!" setzte er dann, immer noch misslaunig, an Bruce de Briac gewandt, fort. De Briac allerdings fühlte sich nicht nach Konversation mit diesem zwielichtigen Sheriff; er wollte nur schnellst möglich Nottingham verlassen, lediglich Prinz Johns Order ließ ihn verweilen. Eigentlich hatte er sich seinen Besuch hier ganz anders ausgemalt. 'Wenigstens ist diese leidige Steuergeschichte überstanden, und bisher gab es noch keine Hinrichtungen. Gut das dieser Gesetzlose Prinz John ablenkt...' 

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Godric:

Als Godric merkte, wer ihm da folgte zügelte er das Tempo seines Hengstes. Er war schon ein Stück am Waldrand entlang geritten und Nottingham war bereits außer Sicht. Lord David kam jetzt rasch näher und hielt sein aufgeregtes Pferd direkt vor Godric an. „Hier wird uns niemand stören!“, legte er sofort los, „Zieht Euer Schwert und kämpft, wenn Ihr nicht zu feige seid!“ Sofort schäumte die Wut in dem jungen Mann hoch. Dieser rachsüchtige Bock ließ ihn wohl nie in Ruhe? Offenbar hatte er sich an der Blamage im Bankettsaal nicht genug geweidet! Verständige Worte waren hier fehl am Platz, und so sprang Godric aus dem Sattel und kam der Aufforderung des Earls nach. Lord David hatte ihn von Anfang an in der Hand. Er war kräftiger und erfahrener und führte die härteren Schläge. Doch was er an Stärke besaß machte Godric durch Geschicklichkeit wett. Gekonnt wich er den Angriffen des Earls aus und brachte ihn damit nur noch mehr gegen sich auf. Jedoch schien das Glück auf seiner Seite zu sein, denn als der Earl zu einem mächtigen Hieb ausholte kam Godric ihm zuvor und versetzte ihm einen tiefen Schnitt über den rechten Unterarm. Der Mann stieß einen gehässigen Fluch aus, trat ein paar Schritte seitwärts, und kämpfte dann mit links weiter. Das gelang ihm jedoch nicht besonders gut, und so hatte Godric ihm kurz darauf das Schwert aus der Hand geschlagen. Der Earl sah aus als wolle er vor Zorn zerplatzen. Das konnte doch nicht sein, daß er von einem jungen Tunichtgut geschlagen wurde! „Ihr seid besiegt.“, stellte Godric mit plötzlicher Ruhe fest. Ohne den Earl aus den Augen zu lassen hob er dessen Schwert auf und reichte es ihm. Ein spöttisches Lächeln spielte um seine Mundwinkel. Das war ein Sieg, wie er ihn gebraucht hatte! Lord David hielt sich den blutenden Unterarm. „Freut Euch nicht zu früh!“, spie er aus, „Das war nicht unser letztes Zusammentreffen!“, er entriß dem jungen Mann seine Waffe, stieg aufs Pferd und ritt nach Nottingham zurück. Godric brach nicht gleich auf. Unschlüssig ließ er sich im Gras nieder und begann, seinen Plan zu überdenken. Was würde es ihm nutzen, Sir Philip jetzt aufzusuchen? Er befand sich innerhalb der geschützten Klostermauern, die von Bewohnern und Besuchern gleichermaßen Anstand forderten. Und was würde er ihm letzten Endes erzählen? Er war dem Todesurteil entkommen und würde kaum erneut die Schuld auf sich laden. Godric schüttelte langsam den Kopf. Da bedurfte es eines schlaueren Plans, den zu schmieden er jetzt nicht imstande war. Er stand auf und pfiff sein Pferd zu sich, das in der Nähe graste. Ohne Eile trat er den Rückweg zur Stadt an. Als er eben das Stadttor passieren wollte stellten sich ihm drei Soldaten in den Weg. Einer von ihnen griff das Pferd beim Zügel. „Seid Ihr Sir Godric von Valnahar?“, wollte er wissen. Godric hatte erstaunt den Hengst angehalten. „Ja, das bin ich. Was soll das? Warum werde ich hier festgehalten?“ Der Soldat entgegnete kurz: „Anordnung des Sheriffs. Steigt ab und kommt mit zur Burg!“ Godric zog entrüstet die Stirn in Falten. „Nicht bevor ich nicht weiß, was das soll! Was wird mir vorgeworfen?“ „Ihr wurdet beschuldigt, Lord David of Huntingdon hinterhältig angegriffen und verwundet zu haben.“ Godric blieb die Luft weg. Dieser Hasserfüllte Mensch schreckte vor gar nichts zurück! „Das ist ein Irrtum!“, sagte er sofort. Ohne weitere Umstände begleitete er die Soldaten zum Sheriff. Robert de Rainault empfing ihn mit einem verschlagenen Lächeln auf den Lippen. Vor einer Weile war der Earl of Huntingdon zu ihm hereingestürmt und hatte ihm einen haarsträubenden Bericht geliefert. Ob der wahr oder falsch war interessierte ihn nicht, es bot sich ihm hier eine Gelegenheit, die willkommener nicht hätte sein können. Er schenkte Godrics Beschwerde halbherzig Beachtung und entgegnete dann: „Mylord of Valnahar, um es kurz zu machen: Euer Kampf mit dem Earl hat keinerlei Zeugen. Es ist daher völlig vergebens, etwas zu behaupten, was niemand nachprüfen kann, und ich habe nicht die Zeit mich mit solcherlei Scherereien herumzuschlagen. Jedoch ist der Earl ein Mann von ausgezeichnetem Ruf, und es obliegt mir, den Frieden in Nottingham-Shire zu wahren.“, fuhr er sülzend fort, „Ihr könnt Eure Verfehlung mit einer kleinen Gefälligkeit wiedergutmachen. Ich gebe Euch drei Tage Zeit, um mir den Gesetzlosen Robin Hood herzuschaffen. Andernfalls lasse ich Euch ins Verließ sperren!“ Godric starrte ihm fassungslos entgegen. ‚Verfehlung...’. Ihm wurde jedoch schnell klar, was hier gespielt wurde. De Rainault hatte sich soeben einer unangenehmen Aufgabe auf sehr galante Art und Weise entledigt. Es würde keinen Sinn machen, diese Entscheidung anzufechten. Godric schluckte seinen Zorn herunter. Anstelle einer Verbeugung nickte er nur kurz und verließ ohne ein weiteres Wort den Saal. „Diwrnod i’r Bren!“, murmelte er bissig auf walisisch und machte sich auf den Weg in die Stadt...

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Sue:

Susanna war sichtlich geschockt. Was war bloß in Godric gefahren? Er ließ sie einfach auf dem Wettbewerbsplatz stehen, um völlig überstürzt nach Glenfield zu reiten. "Dieser Wahnsinnige!", dachte die junge Lady und lief wutentbrannt auf ihren Vater zu. Es reichte, sie wollte endlich wissen, was sich damals in Nottingham zugetragen hatte, als Godrics Vater den Tod fand. Lord William war selbst sehr verwirrt ob des plötzlichen Aufbruchs des jungen Mannes. Mit leichtem Unbehagen hatte er zuvor den Earl of Huntingdon beobachtet, wie er Godric herausfordernd anschaute und ihm anschließend folgte. Susannas Vater hatte ein feines Gespür für Ärger, der dabei war, sich zusammen zu brauen. "Vater, bitte..... In Gottes Namen sage mir doch endlich, was damals zwischen Philip und Godric's Vater vorgefallen ist. Ich bin mir sicher, dass du mehr weißt als du uns heute Vormittag sagen wolltest....." Der Earl schaute seiner Tochter in die Augen, die seinen Blick trotzig, ja beinahe streng erwiderte. Er hasste es, wenn sie so guckte, denn das bedeutete stets, dass es eine hitzige Diskussion geben würde, wenn Susanna nicht bekam was sie wollte, und für einen Moment dachte er darüber nach, was genau er und seine Gemahlin bei der Erziehung ihrer Tochter falsch gemacht hatten. "Nun gut, du gibst eh keine Ruhe. Lass uns ein ruhiges Eckchen suchen, dann will ich es dir sagen", sagte er schließlich resigniert. Gemeinsam verließen Vater und Tochter den Übungsplatz, um sich am Rande der Festivitäten in Ruhe unterhalten zu können.

"Dein Onkel hat sich mit zwielichtigen Leuten eingelassen, das ist sowohl ihm als auch Godrics Vater letztendlich zum Verhängnis geworden.....", fing Lord William an zu erzählen.....

Nach einem seiner abenteuerlichen Feldzüge mit dem König hatte sich Philip of Leicester in Nottingham zufällig mit einigen zwielichtigen Männern getroffen, über die gemunkelt wurde, dass sie einen tiefen Hass auf den König hatten und daher gegen ihn intrigieren würden..... Leider hatte sich das nicht bis zu Susannas Onkel durchgesprochen, der einen der Männer aus früheren Zeiten kannte. Da sich die Männer ganz unbefangen in einer Taverne begegneten, gab es genügend Menschen, die diese Begegnung bezeugen konnten. Einer dieser Zeugen war auch Godrics Vater, der an jenem Abend den einen oder anderen Wein trank. Auf dem Weg zurück zum Schloss, wo ein Teil der Gefolgschaft des Königs für einige Zeit verweilte, sprach dieser Philip auf die Männer, mit denen der jüngere der beiden zuvor so ausgelassen getrunken hatte, an. Der junge Heißsporn erwiderte nur, dass der Waliser sich um seine eigenen Angelegenheiten kümmern sollte. So entbrannte ein hitziger Disput. Der Streit eskalierte und gerade als sich Philip wutentbrannt abwandte, um diesem albernen Streit ein Ende zu setzen, wurde er von Godrics Vater mit dem Schwert attackiert. Philip verteidigte sich, und beide Männer schlugen bald wie wild mit den Schwertern aufeinander ein, bis der Ältere der beiden stolperte und direkt in des Jüngeren Waffe fiel. Da der König immer sehr auf die Disziplin seiner Offiziere bedacht war, verurteilte er Philip kurzerhand zum Tode. Er wollte ein Exempel statuieren, um andere Hitzköpfe unter seinen Soldaten von solchen Aktionen abzuschrecken. Da der Earl of Leicester seinem Bruder glaubte, half er ihm schließlich, in der Abtei von Glenfield Unterschlupf zu finden. Susanna hörte die ganze Zeit aufmerksam zu. Als der Earl schließlich zum Ende kam, fragte er noch um Verständnis bittend: "Hätte ich das etwas Godric erzählen sollen? Dass sein Vater das Opfer eines absolut lächerlichen Streites geworden ist, der durch den Genuss von zuviel Alkohol überhaupt erst so hoch gekocht ist? Das habe ich nicht übers Herz gebracht." Von den Schwierigkeiten, in die sich Godric zwischenzeitlich mit Bravour hineinmanövriert hatte, ahnte zu dem Zeitpunkt weder Susanna noch Lord William auch nur das Geringste. 

*

Taran:

Taran, der ganz mit dem Abt beschäftigt war, bemerkte gerade noch wie sich der Diener zur Tür hinaus schleichen wollte. Vermutlich wollte er die Wachen rufen. Mit befehlender Stimme, die keinen Widerspruch duldete, beorderte er den Mann zu sich her. Dieser schien kein besonders mutiger Mann zu sein, denn er eilte sofort heran. Mittlerweile hatte sich Abt Hugo auch wieder gefangen. „Taran of Beaversbrook, was wollt Ihr von mir?“, fragte er ganz direkt. „Ihr seid sicher nicht ohne Grund gekommen?“ Diesen Nachsatz sagte er betont ironisch. Taran nickte zustimmend. „Da habt Ihr recht“, antwortete er geradeheraus. „Ich würde mich freuen, wenn Ihr mir eine Empfehlung beim Sheriff geben könntet. Wie Ihr wisst, arbeitet mein Bruder als Hauptmann hier, und ich würde es ihm gerne nachtun. Ich bin mir absolut sicher, dass es einfacher für mich ist, wenn Ihr mich dem Sheriff empfehlen würdet. Der Abt musterte Taran stirnrunzelnd. Das sollte alles sein? Tarans Worte schienen ihm so nachvollziehbar, das es fast unglaubwürdig klang. Er wusste aus ganz persönlicher Erfahrung, dass Taran ein gefährlicher und unberechenbarer Gegner sein konnte. Taran schien die Zweifel seines Gegenübers zu spüren, darum setzte er nach, “Vielleicht habt Ihr mitbekommen, dass unser Vater verstarb, und mein Bruder Steven das Familienanwesen übernommen hat. Dort gibt es keine Arbeit für mich. Und nun wollte ich meinen Bruder Jehan hier in Nottingham besuchen, als ich im Sherwood Forrest von üblem Gesindel überfallen wurde. Tarans Stimme wurde bei seinem gespielten Zorn lauter. Ich wurde meiner gesamten Habseligkeiten beraubt. Meinem Begleiter und mir wurde übel mitgespielt“. Hier brachte er gleich Robin in die Geschichte mit ein. Zornesröte stieg ihm ins Gesicht als er noch draufsetzte, “ nicht nur, dass man mir mein Geld genommen hat, nein, das hat den Halunken nicht gereicht. Ich wurde lächerlich gemacht, als sie ihr durchtriebenes Spiel mit uns spielten!“ Seine Stimme wurde wieder leiser, aber dafür schneidend scharf „ nein Abt Hugo, das kann ich mir nicht gefallen lassen. Aber alleine hat man gegen das Pack keine Chance. Ich habe mich umgehört. Ich denke es ist der richtige Weg, wenn man zu einem großen Schlag gegen diese Bande ausholen würde.“ Lächelnd fügte er noch an, “ und da wäre ich gerne dabei, um mich zu revanchieren.“

Der Abt erwiderte lauernd“, und nur darum seid Ihr zu mir gekommen?“ „Selbstverständlich“, erwiderte Taran, „ich war bei unserem unglückseligen Streit damals noch jung und unbeherrscht. Aber ich habe mittlerweile dazugelernt. Ich bin zwar nicht als Kreuzritter in den Krieg gezogen, aber ich habe doch einiges dazugelernt, und verstehe einige Dinge jetzt besser als früher. Ich erbitte wirklich nur Eure Hilfe für diese Stellung. Der Abt war zwar immer noch misstrauisch, entgegnete aber, „nun gut, ich werde mit Robert reden. Ich denke er kann gerade alle Hilfe gebrauchen“. „Wo doch auch gerade Prinz John in der Stadt weilt“, ergänzte Taran.

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Sue:

Die Zeit nach dem Gespräch zwischen dem Earl of Leicester und seiner Tochter verging, während sie gemeinsam den weiteren Festivitäten in Nottingham beiwohnten, aber die Unruhe in den beiden wuchs. Nur mit Mühe konnte Lord William seine Tochter davon abhalten, sich zum Narren zu machen, indem sie Godric hinterher ritt. Er fragte sich, weshalb der Earl of Huntingdon dem jungen Lord of Lowdham gefolgt war. Irgendetwas musste zwischen den beiden Männern vorgefallen sein, das stand außer Frage. Aber was, fragte er sich. Susannas Vater betrachtete nachdenklich seine Tochter und schien in Gedanken ganz weit weg zu sein. Susanna bemerkte den Blick ihres Vaters. "Was ist denn? Er wird Philip schon nicht umbringen.....", sagte sie vorsichtig, um Godric zu verteidigen und riss damit ihren Vater aus seinen Gedanken. "Was? Ach.....darum mache ich mir weniger Sorgen", entgegnete er leicht verwirrt. "Was ist es dann?", fragte die junge Lady forsch nach. Der Earl of Leicester hielt einen Moment lang inne und antwortete schließlich - nur um jeder weiteren Diskussion aus dem Wege zu gehen: "Ach nichts.....es ist nur.....Huntingdon scheint deinem Godric gefolgt zu sein.....aber wahrscheinlich habe ich mir das auch nur eingebildet."

Seine Tochter schaute ihn mit großen Augen an. "So etwas hast du dir aber noch nie eingebildet.....", legte sie auch schon los, auf das Bauchgefühl und die Beobachtungsgabe ihres Vaters vertrauend. "Aber was hat Lord David davon, Godric zu folgen? Da stimmt doch was nicht, und du weißt das ganz genau! Was stehen wir denn hier dann noch 'rum? Wir müssen hinterher. Wenn Huntingdon....." An dieser Stelle schnitt Lord William seiner Tochter sichtlich gestresst das Wort ab: "Ist ja schon gut! Lass uns zu den Ställen gehen und unsere Pferde holen. Wir werden schon herausfinden, was da los ist. Wahrscheinlich wird sich die ganze Sache dann in Wohlgefallen auflösen. Du wirst schon sehen....." Gemeinsam gingen sie zurück zum Schloss, als ihnen der Earl of Huntingdon laut fluchend und mit einem verbundenen Arm entgegen kam. "Dieser dreckige Hund!", schimpfte er lautstark. Lord William ging dicht gefolgt von seiner Tochter auf seinen Amtskollegen zu. "Was ist denn passiert?", erkundigte er sich. "Dieser nichtsnutzige Waliser hat mich verletzt, wie Ihr seht. Aber dieses Mal wird er nicht so glimpflich davon kommen. Dieses Mal hat er sich sein eigenes Grab geschaufelt. In drei Tagen ist dieser Kerl Geschichte, wenn er den Rest seines kümmerlichen Lebens da verbringen wird, wo er schon lange hingehört!", antwortete Lord David wütend wie der Teufel höchstpersönlich und rauschte davon. Susanna hatte seinen Ausbruch fassungslos miterlebt. Sie glaubte kein Wort von dem, was sie da hörte, und bevor sie auch nur einen Laut von sich geben konnte, stoppte ihr Vater sie: "Wir werden jetzt ins Schloss gehen und de Rainault fragen, was da los ist. Komm!" Und nach einer kurzen Pause fügte er noch hinzu: "Und dass du mir ja den Mund hältst. Überlass das Reden besser mir. Nicht alle Männer in England sind so geduldig mit dir wie ich und lassen dir dein Verhalten durchgehen." Gekränkt tat Susanna wie ihr geheißen und schwieg - auch wenn es ihr schwer fiel. Sie hatte plötzlich ein ganz ungutes Gefühl und machte sich schreckliche Sorgen. Im Schloss machten sich Vater und Tochter erst einmal auf die Suche nach dem Sheriff, der selbstzufrieden grinsend gerade Prinz John von seinem teuflischen Plan erzählte, Godric allein auf die Jagd nach Robin Hood zu schicken. Von dem jungen Lord of Lowdham selbst war keine Spur zu sehen.

"Das ist doch wohl nicht Euer Ernst, de Rainault!", sprach ihn Lord William auf das eben Vernommene an. "Ihr schickt den Jungen ja in seinen sicheren Tod." "Mit Verlaub, Mylord of Leicester, ich denke nicht, dass das Eure Angelegenheit ist. Aber ich will es Euch trotzdem erklären. Dieser Waliser ist mir schon lange ein Dorn im Auge. Und jetzt kann ich mich einer Plage auf jeden Fall entledigen. Entweder er bringt mir Robin Hood oder er wird selbst die Gastlichkeit meines Kerkers für eine sehr lange Zeit genießen dürfen." Und mit einem Blick auf Susanna fügte er noch an: "Für Eure schöne Tochter dürfte er dann wohl nicht mehr so interessant sein." "Falls ich ihn nicht hinrichten lassen werde", stimmte Prinz John erschreckend gut gelaunt mit ein. Susanna stützte sich auf einen Stuhl. Sie hatte das Gefühl, dass ihre Beine sie nicht mehr lange tragen wollten. Nach einem kurzen Moment hatte sie sich wieder gefangen, und mit einem verachtenden Blick entfernte sie sich von diesem Ort. Sie musste Godric warnen. Wenn sie bloß wüsste, wo sie ihn suchen sollte. Endlich hatte sie ihn unter den Zuschauern der Wettbewerbe im Rahmen des Jahrmarktes erspäht. Schnellen Schrittes ging sie auf ihn zu. Sie fasste ihn am Arm. Godric schrak auf und drehte sich zu ihr um. Susanna begann sofort, ihm hastig mitzuteilen, was sie im Schloss von Nottingham gehört hatte und beendete ihre Erzählung mit den Worten: "Hört zu, Huntingdon, der Sheriff und Prinz John spielen ein ganz übles Spiel mit Euch. Passt bitte auf Euch auf....."

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Jehan:

Der Hauptmann stellte sich wieder vor Gwens Kammer auf, wie der Sheriff es befohlen hatte.  So langsam wurde er müde, immerhin hatte er seit gut zwei Tagen keine richtige Pause gehabt. Und der Magen knurrte ihm außerdem. Der nächsten Magd, die er sah, trug er auf ihm etwas zu bringen. Es wurde derzeit so viel getafelt in Nottingham, da sollte es doch mit dem Teufel zugehen, wenn er nichts abbekäme.

Die Tür zu Gwens Kammer war verschlossen. Jehan starrte nachdenklich darauf. Sollte er es wagen, einen Blick hinein zu werfen? Nein, das durfte er nicht. Es reichte, wenn er hier die Wacht hielt. Die Magd brachte ihm kurze Zeit später die Reste von einem Braten, Brot und Wein, was der Soldat gierig hinunterschlang. Nun sollte er nur noch die Gelegenheit zu einem ausgedehnten Schläfchen haben, dann wäre er wieder wohlauf. Aber das ging jetzt nicht. Solange dieser verrückte Jahrmarkt und das Wettschießen noch im Gange waren, war auch er im Dienst. Der Wein schmeckte vorzüglich. Die hohen Herren wussten schon, was gut war. Jehan sorgte dafür, dass die Magd ihm noch mehr von dem süffigen Rebensaft brachte, und lenkte sich damit vom Dienst ab. Und davon, dass Gwen dort in der Kammer lag. Eine Stunde später war er eingenickt. Als er Stimmen hörte, schreckte er hoch. Eben noch rechtzeitig, um den riesigen normannischen Ritter durchzulassen, Sir Aires of Ashtonhall, soviel er wusste, und dessen Begleiterin. Dass der immer noch in Nottingham weilte? Jehan konnte sich daran erinnern, dass Sir Faude ihn vor dem Ritter gewarnt hatte. Sir Faude! Wo der nur wieder abgeblieben war? Das brachte ihn darauf, dass Lynchs Mörder noch immer frei umherlief. Er hatte keine Gelegenheit gehabt, seinem Verdacht nachzugehen. Und das verursachte ein unangenehmes Gefühl – wer hatte ihn an den Pranger gebunden? Was hatte der Fremde doch gleich gesagt? Er würde wiederkommen? Plötzlich tauchte ein Schatten im Gang auf. Jehan zog sein Schwert und blieb gespannt stehen. Die Gestalt bewegte sich behände, und irgendetwas kam dem Hauptmann bekannt vor. „Stehen bleiben!“ befahl er, und endlich trat aus dem Schatten – Taran! Die Brüder standen sich kurz schweigend gegenüber. „Was tust du denn hier?“ fragte der Hauptmann nervös. „Wenn Gisburne hier wäre…“ „Schweig, Jehan“ fiel ihm Taran ins Wort.„Ich habe heute mit angesehen, zu was du imstande bist! Was ist nur aus dir geworden? Peitschst öffentlich Leute aus…!“ Jehans Blick wurde kalt. „Der Kerl wurde zu Recht bestraft!“ entgegnete er rostig „und wenn dir mein Beruf nicht gefällt, dann verschwinde hier!“  „Deine Einstellung gefällt mir nicht.“„Und mir gefällt nicht, dass du hier herumschleichst! Was willst du hier, verdammt noch mal?“„Ich will Gwen helfen. Außerdem schleiche ich nicht herum“. Jehan schluckte. „Und was hast du vor?“ fragte er. „Wenn du Gwen hilfst, schadest du mir.“„Was redest du nur für einen fabelhaften Unsinn daher?“„Das ist mein bitterer Ernst, Taran!“„Ich frage dich bestimmt nicht vorher, was ich tun oder lassen soll, Junge. Wir haben einen Plan…“„WIR haben…? Wer ist WIR?“ Mist! Taran hätte sich die Zunge abbeißen mögen. Er konnte Robin nicht verraten. Aber er wollte seinen Bruder auch nicht belügen. „Lass mich einfach machen. Oder willst du dich mit mir schlagen?“ wich er aus. Jehan musterte ihn abschätzig. Noch immer hatte er das Schwert in der Rechten. „Nein“, sagte er schließlich gedehnt. Seine Haltung entspannte sich, und richtete sich auf.  „Ich helfe dir, indem ich dich gewähren lasse, auch wenn du mir nicht sagen willst, was du eigentlich vorhast, worum es hier eigentlich geht,  und es gegen meine Überzeugung verstößt. Es geht um Gwens Wohl.“ „Ich erzähle dir schon irgendwann alles. Aber jetzt ist dazu keine Zeit. Lass mich durch!“ Jehan trat zur Seite, und sein Bruder ging an ihm vorbei, den Gang entlang. Dann blieb er noch einmal stehen und drehte sich um. „Ich hab dir noch viel zu sagen, Jehan. Vielleicht sehen wir uns schneller wieder, als uns lieb ist.“„Sieh lieber zu, dass du hier verschwindest!“ entgegnete der Hauptmann. Taran seufzte wissend, ehe er sich umdrehte und den Gang hinunter verschwand. Was hatte er nur jetzt wieder vor? fragte sich Jehan of Beaversbrook.

*

Godric:

Mit wachsendem Schrecken hatte Godric Susannas Bericht zugehört. Er hatte sich jedoch inzwischen besser unter Kontrolle als noch am Vormittag, und so blieb sein verhängnisvoller Gedankengang hinter einem ernsten Blick verschlossen. Er bezweifelte nicht im Geringsten, daß der Sheriff keine Skrupel hätte, ihn auf nimmer Wiedersehen im Kerker verschwinden zu lassen, sollte er diese ungerechte Aufgabe nicht auf die eine oder andere Art lösen können. Vielleicht würde er de Rainault mit seinen eigenen Waffen schlagen können... „Was habt Ihr jetzt vor?“, fragte Susanna vorsichtig und bangend, er könne sich erneut zu einer Leichtfertigkeit hinreißen lassen. Godric sah ihr fest ins Gesicht. Die trotzige Entschlossenheit darin gefiel ihr ganz und gar nicht. „Wenn Euer Vater einen seiner Männer erübrigen kann, schicke ich einen Boten nach Lowdham. Harred soll mit einem Trupp Soldaten in den Sherwood reiten und sehen, was er dort erreichen kann. Er kann dann auch gleich Ausschau nach Ivo halten. Weiß der Teufel, wo der sich herumtreibt!“ „Mein Vater kann bestimmt einen Mann erübrigen!“, erwiderte Susanna sofort. „Und ich selbst“, fuhr sie mit einem verschwörerischen Blick fort, „Ich werde mich unterdessen in der Burg umhören. Falls der Sheriff noch weitere Gemeinheiten plant werdet Ihr davon erfahren!“ Godric lächelte matt. „Ich danke Euch.“, sagte er. Susanna machte sich auf den Weg, beorderte einen der Soldaten ihres Vaters gleich selbst mit dem Botenritt und betrat wieder die Burg. Godric ging unterdessen Gedankenversunken über den Hof, dem Tor entgegen. Wo war Garred geblieben? Der Kerl war ihm auch keine große Hilfe. Seine Aufmerksamkeit wurde plötzlich auf einen Herrn gelenkt, der sich zügigen Schrittes den Ställen näherte. Taran of Beaversbrook! Godric erkannte das Pferd wieder, das er ihm zum Dank für seine Hilfe überlassen hatte. Es wurde von einem Knecht am Zügel gehalten, der sich die weite Kapuze seines kurzen Gewandes ins Gesicht gezogen hatte und ungeduldig auf seinen Herrn wartete. Godric runzelte die Stirn. Als Taran vor einiger Zeit seine Reise auf Schloß Lowdham unterbrochen hatte, war in seiner Begleitung kein Diener gewesen... Er blieb stehen und beobachtete, wie Taran den Mann erreichte und begann, gedämpft aber sehr eindringlich auf ihn einzureden. Sie waren zu weit entfernt, als daß Godric etwas hätte verstehen können, doch mit Staunen bemerkte er, daß der Knecht seinerseits dem anderen erregt ins Wort fuhr, wie es sich für einen Untergebenen nicht geziemte. ‚Was hat das zu bedeuten?’, fragte er sich, und sah noch einmal genauer hin. Er war sich fast sicher, den Knecht noch nie gesehen zu haben, zumal nicht in Tarans Gesellschaft. Und überdies – die Geschäfte dieses Mannes gingen ihn nichts an. Er hatte ihm im Haus der Mönche die rettende Hilfe zukommen lassen und das würde er nicht vergessen. Godric wandte sich ab und wollte weitergehen, als sich eben der Herr mit seinem Diener auf den Weg machte. Sie hatten das Pferd am Stall zurückgelassen und schienen noch immer in ihren Streit verwickelt zu sein. Godric zögerte wieder, und schließlich konnte er seine Neugier nicht zurückhalten und folgte den beiden Männern in sicherem Abstand in die Stadt...

*

Jehan:

Jehan wurde das Gefühl nicht los, dass Taran ihm etwas verschwieg. Warum trieb er sich in Nottingham herum? In der Burg? Wenn der Sheriff ihn nach dem Kunststück bei Gwens Befreiung zu fassen bekam, waren sie beide fällig. Taran tat nichts ohne Grund, das sah ihm nicht ähnlich. Zweifel begannen an dem Hauptmann zu nagen. Er hatte hier so gar nichts unter Kontrolle, und er hasste das. Eine Magd kam, verlangte zu Gwen vorgelassen zu werden. Jehan öffnete die Tür und ließ sie ein. Gwen lag sterbensbleich auf dem Bett, trotzdem wirkte sie anmutig und hell wie ein Schwan auf dunklem Wasser. Jehan blieb fasziniert stehen. Stundenlang hätte er Gwen anschauen können, wie sie so da lag, ruhig und still, die Haut weiß wie gläserner Schnee und so friedlich wie ein Wintermorgen.

"Wie geht es ihr?" fragte er krächzend. Ärgerte sich, dass seine Stimme so jämmerlich klang. "Sie schläft, das seht ihr doch. Lasst mich bitte allein mit ihr, Herr" bat die Magd, eine ruppig wirkende Gestalt, keine, die ein Mann ein zweites Mal anschauen würde. Der Hauptmann verließ widerwillig den Raum, schloss die Tür und lehnte sich draußen gegen die Mauer. Welcher Teufel hatte ihn nur geritten, in Gwens Zimmer zu gehen? In Gedanken verfluchte er sich selbst dafür. Gerade noch rechtzeitig bemerkte er, dass Robert de Rainault polternden Schrittes heraneilte und nahm Haltung an, wie es sich gehörte. "Hauptmann, wie geht es der Lady of Hawkney?" fragte der Sheriff. "Die Magd sagte, sie schläft einen sehr tiefen Schlaf, Mylord" antwortete Jehan wahrheitsgemäß. "Sonst keine besonderen Vorkommnisse?" "Nein, Mylord." "Gut" De Rainault schürzte die Lippen und man konnte ihm ansehen, wie es in seinem Kopf arbeitete. "Noch etwas: ich habe grade erfahren, dass Ihr einen Mann öffentlich ausgepeitscht haben sollt." Diese Neuigkeit hatte sich offensichtlich mit der Schnelligkeit eines Feueralarms in Nottingham ausgebreitet. "Mylord, dieser angelsächsische Bursche hat..." "Hat was?" "Er hat mich beleidigt! Entehrt!" "Ja. So etwas in der Art wurde mir ebenfalls zugetragen." De Rainault lächelte höhnisch, aber seine Augen blieben dabei eiskalt. "Nun, in Zukunft möchte ich von derlei Bestrafungen unterrichtet werden. Auch ich würde gerne wieder einmal einem solch erfreulichen Ereignis beiwohnen. Vielleicht kann ich es arrangieren, dass dieser Waliser bestraft wird, bevor er in den Verliesen vergammelt."

"Godric of Valnahar?" fragte Jehan, und er klang leider ein bisschen bestürzt. "Wessen wird er beschuldigt?" Der Sheriff sah ihn scharf an. "Er hat den Earl of Huntingdon tätlich angegriffen und ihn verwundet. Der Earl war - hmm- aufgewühlt, möchte man sagen. Valnahar versprach, Robin Hood binnen drei Tagen zu ergreifen. Andernfalls wird er im Kerker enden". Robert de Rainault machte eine vielsagende, lange Pause, in der Jehan ungemütlich die Luft anhielt. Aufgewühlt. Welch eine nette Untertreibung für einen Mann, der kurz vor einem Blutrausch gestanden hatte. "Über Euch hat er sich im Übrigen ebenfalls beschwert, Beaversbrook!" Der Sheriff beobachtete den Hauptmann aus den Augenwinkeln, den diese Anschuldigung allerdings kalt zu lassen schien. "Ich habe lediglich versucht, einen Streit zu unterbinden. Die beiden hätten beinahe eine Schlägerei angefangen, mitten auf der Gasse", rechtfertigte sich der Soldat. De Rainault nickte gnädig. "Das mag sogar zutreffend sein" bemerkte er. "Nun, wie auch immer, sollte sich am Zustand Gwen of Hawkneys etwas ändern, gebt Ihr mir sofort Meldung. Verstanden?" "Ja, Mylord." Der High-Sheriff machte auf dem Absatz kehrt und sein Golddurchwobener Umhang war noch einen Augenblick schwer und samtig zu sehen. Der Hauptmann atmete durch. Des Sheriffs Worte ließen ihm keine Ruhe. Sir Godric wollte Robin Hood ergreifen? Dieser Waliser schien doch nicht ganz bei Sinnen zu sein. Stellte er sich das so einfach vor? Entweder war ein sehr tollkühner, gewitzter Bursche, oder aber ein hoffnungsloser Dummkopf. Jehan schätzte ihn eher als das erstere ein. Und er hoffte für den jungen Adligen, dass es wirklich so war.

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Robin:

Robin hatte das Gefühl, das eine halbe Ewigkeit vergangen war. Er überlegte schon, ob er nicht alleine versuchen sollte Gwen zu finden, als Taran schnellen Schrittes auf ihn zukam. "Ich habe uns als Soldat angeboten. Wir werden in die Dienste des Sheriffs treten. So kommen wir am besten an Gwen heran." fing er sofort leise an auf ihn einzureden. „Moment. Hast du den Verstand verloren?" unterbrach ihn Robin. Was sollte das denn für ein Plan sein? Auch wenn seine Verkleidung bis jetzt den argwöhnischen Blicken der Soldaten standgehalten hatte, wollte er doch kein Risiko eingehen. Und dieser Plan war bei weitem mehr als das. Es gab einfach zu viele Leute hier, die ihn kannten, die ihn erkennen würden, ob nun Soldatenkluft oder grüner Überwurf. Er hatte dem Sheriff oder Gisburne oft genug gegenübergestanden, als das sie ihn nicht wiedererkennen würden. "Das geht nicht gut." herrschte er ihn besorgt an. „Ich hab mit meinem Bruder gesprochen. Er wird uns helfen." entgegnete Taran. "Lass uns gehen. Ich weiß wo Gwen ist und die Zeit drängt." Bei Herne, der ist ja noch hitzköpfiger als ich, dachte Robin, ging aber ergeben hinter ihm her, da Taran sich schon umgedreht hatte und zielstrebig auf die Tür zum Seiteneingang zulief.

*

Gwen:

Irgendwie ist es Bruce de Briac gelungen weiteren Gesprächen mit Robert de Rainault zu entkommen. Er war aufgewühlt und seine Gedanken galten einzig einer Person: Gwendrianna of Hawkney. Irgendwie musste er herausfinden, in welchem Zustand sie sich befand. Also machte er sich auf den Weg zu den Gästegemächern. Als er um die Ecke bog entdeckte er den Hauptmann, der gemäß der Anordnung des Sheriffs Wache vor der Tür stand. Jehan sah zwar etwas mitgenommen aus, doch als dieser dem Sheriff einen fragenden Blick zuwarf, begegnete er den selben, kalten normannischen Augen, die ihm schon so manches Mal beim alten Beaversbrook Schauer über den Rücken laufen ließen. „Hauptmann...“ setzte Bruce de Briac gerade an, als sich die Tür der kleinen Kammer auftat und eine Magd heraustrat. „Herr, verzeiht.“ begann sie mit demütig gesenktem Kopf vor dem Hauptmann stehend zu sprechen. „Sie atmet kaum noch und wird immer schwächer...“ Sie stockte und wagte nicht weiter zu sprechen, als sie hinter sich Geräusche vernahm. „Was sagst du da, Weib?“ presste Bruce de Briac hervor. Sie hob den Kopf und blickte Hilfe suchend von einem zum anderen. „Mylord“ sprach sie langsam weiter „es scheint sie möchte sterben... und wenn nicht ein Wunder geschieht, wird sie den nächsten Tag wohl nicht überleben.“ Sie verbeugte sich schnell und tippelte mit kurzen Schritten den Gang hinunter. Jehan und Bruce de Briac sahen sich einen Moment schweigend an. „Ihr bleibt hier Beaversbrook!“ fauchte er Jehan an. „Ich berichte de Rainault.“ Der Sheriff von Gapdale fand seinen Amtskollegen beim Zählen von Steuergeldern an. „Sie stirbt und es ist Eure Schuld!“ fuhr er ihn an. De Rainault schob einen Haufen Münzen zur Seite „Tatsächlich?“ antwortete er unbeeindruckt und hob langsam den Kopf. Er glaubte in de Briacs Gesicht neben Wut auch eine Spur Besorgnis lesen zu können, die ihn belustigte und ein Grinsen auf sein Gesicht zauberte. „Mein lieber Bruce...“ begann er mit höhnischer Stimme „Wart nicht Ihr es, der sie hierher brachte? Und wozu? Doch nur um Euch ganz rechtmäßig Ihres Besitzes annehmen zu können. Ist es nicht so?“ Er begann weiter Münzen zu stapeln. „Also freut Euch doch, de Briac! Mit ihrem Tod fällt Euch doch das Gut zu.“ De Briac war unfähig ein Wort zu erwidern, drehte sich um und verschwand aus der großen Halle. Er fühlte sich verdammt unwohl, da de Rainault ich durchschaut und ganz genau erfasst hatte, was in ihm vorging. ‚Verdammt, dieser Kerl ist wahrlich nicht zu unterschätzen. Ihn zum Feind zu haben dürfte reichlich ungesund sein...’ Grübelnd lief er durch die überfüllten Straßen der Stadt.

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Robin:

Wie jedes Mal, wenn er sich hier her geschlichen hatte, oder wie erst vor kurzem, geschleppt wurde, verspürte Robin ein fast körperliches Unbehagen in diesen dunklen Gemäuern. Wie kann man sich hier nur Wohlfühlen? Dachte er im Stillen bei sich, während sie eiligen Schrittes die Gänge durchschritten. Vorsichtig sah sich Robin immer wieder um. Im Gegensatz zu Taran. Er schien sich seiner Sache ziemlich sicher, ging zielstrebig vorwärts. Hoffentlich nicht in unser beider Verderb...dachte er bei sich, als Taran ihm ein Zeichen gab, langsamer zu gehen und weiterhin hinter ihm zu bleiben. Sie schienen an Gwens Gemach angekommen zu sein. Eine leise Unruhe ergriff Robin. Hatte sich Taran überhaupt schon Gedanken gemacht, wie sie hier wieder rauskommen? Das er hier nicht einfach rein und mit Gwen wieder rausspazieren konnte, hatte er am eigenen Leib gespürt und noch so eine Erfahrung brauchte er beim besten Willen nicht. Jehan würde ihnen helfen - hatte er gesagt. Doch was würde passieren, wenn er ihn erkannte? Niemals würde Jehan of Beaversbrook zulassen, das er, Robin Hood, hier ungehindert rein und wieder raus marschierte. Und das auch noch mit der Gefangenen, die sie eigens zu seiner Gefangennahme hier behalten hatten. Mit einem leisen Seufzer lehnte er sich an die steinerne Wand, während Taran vorgegangen war. Vorsichtig sah er dann um die Ecke. Vor einer Tür des Ganges stand er: Jehan of Beaversbrook, wild gestikulierend, in einem hitzigen Gespräch mit seinem Bruder Taran vertieft. Was sollte er jetzt tun? Einfach hier stehen bleiben? Nein! Das brachte sie nicht weiter und die Zeit drängte. Entschlossenen Blickes bog er um die Ecke und lief auf die beiden ungleichen Brüder zu. Was jedoch keiner von ihnen bemerkte, war der Fremde, der sich langsam an die Ecke, wo eben noch Robin gestanden hatte schob und alles genau beobachtete.

*

Taran:

Taran stand seinem Bruder Jehan gegenüber und sagte „ich werde Gwen heute hier rausholen, und ich werde es so machen, dass Du keinen Ärger bekommst“. Bevor sein Bruder etwas anderes sagen konnte, machte er auf dem Absatz kehrt und ging zurück. Er fing gerade noch Robin ab, der auf Taran und Jehan zulief. Er zog Robin mit sich. Innerlich kochte er vor Wut. Auf Robin schien kein Verlass zu sein. Fast hätte Jehan Robin genau sehen können. Und dann hätte es wirklich brenzlig werden können, wenn der Robin womöglich erkannt hätte. Er zog Robin um die nächste Ecke. „Robin“, sagte er, sich mühsam beherrschend. „ich weiß, dass die Zeit knapp ist. Aber wir müssen das richtig machen. Ich will nicht, dass etwas passiert. Weder Gwen, noch Dir, noch mir. Ich will aber auch nicht, dass mein Bruder Ärger bekommt. Also willst Du nun zusammenarbeiten, oder nicht? Wir sind jetzt hier Soldaten. Ich besorge jetzt Uniformen, und Du schaust, dass Du im Stall Pferde bekommst. Besser noch wäre ein Wagen. Ich glaube nicht, dass Gwen weit laufen kann. Ich komme dann zu Dir in den Stall. Sie bemerkten beide nicht, dass sie beobachtet wurden. Robin ging zurück in den Stall, während Taran zurück zum Abt eilte. Dort angekommen, fragte er nach, ob dieser schon etwas erreicht hatte. Der Abt nickte gefällig. Der Sheriff möchte mit Euch reden, sagte er. Dann erklärte er Taran wo er den Sheriff finden konnte. Taran hatte auf dem Weg dorthin ein mulmiges Gefühl, aber andererseits konnte fast nichts schief gehen, wenn sich nur Robin gedulden würde. Wenig später stand er vor Robert de Renault. Dieser war immer noch mit dem Zählen des Geldes beschäftigt. Er musterte Taran, und stellte fest, dass er tatsächlich eine verblüffende Ähnlichkeit mit Hauptmann Jehan hatte. Taran tischte dem Sheriff abermals die Geschichte auf, die er schon dem Abt erzählt hatte. Er erklärte dem Sheriff, dass es sein oberstes Ziel war diesen Robin Hood zu fangen. Das hörte dieser in seiner Situation mit Prinz John natürlich gerne. Taran hatte nach einem kurzen Gespräch eine Anstellung als Soldat, und bekam die Erlaubnis einen Trupp Soldaten mitzunehmen, um in den Wald zu reiten. Dort sollte er versuchen Gisburne zu unterstützen. Kaum hatte er nach dem Gespräch mit dem Sheriff den Raum verlassen, eilte er wieder durch die Gänge der Anlage. Wenig später hatte er bereits eine Soldatenuniform an, und ging zum Stall. Dort gab er Robin ebenfalls eine Uniform. So fiel Robin weniger auf.

*

Robin:

Es war gar keine leichte Aufgabe, die Taran ihm da anvertraut hatte. Wo sollte er auf die schnelle zwei Pferde und einen Wagen herbekommen? Zu seinem Glück weilte immer noch Prinz John in Nottingham und so herrschte ein reges Treiben. Niemand nahm Notiz von ihm. Selbst als er ganz selbstverständlich zwei Pferde und den dazugehörigen Wagen aus einem nahen Stall des Sheriffs holte, schien niemand Verdacht zu schöpfen. Erleichtert atmete er innerlich auf, als er endlich wieder an dem kleinen Verschlag, den man kaum als Stall bezeichnen konnte, ankam. Tarans altes Pferd würden sie stehen lassen, die hier waren weniger auffällig. Kurz nach ihm traf auch Taran wieder ein, in seinen Händen drei Uniformen der Wache Nottinghams. Fragend sah Robin ihn an, als er ihm wortlos eine reichte. "Jetzt mach schon. Zieh sie an. Niemand vermutet dich in dem Aufzug!" setzte er zwinkernd nach. Achselzuckend schnappte sich Robin die Kleidung und zog sie sich in Windeseile über. "und jetzt?" "Jetzt holen wir Gwen. Komm schon. Ich erklär dir alles auf dem Weg zurück zu ihrem Gemach." Den Fremden, der sie aus sicherer Entfernung mit hochgezogener Augenbraue beobachtete, hatten sie in ihrem Eifer immer noch nicht bemerkt. Mit schnellen Schritten gingen sie nun zum zweiten Mal in kurzer Zeit durch die dunklen Gänge der Burg. Niemand nahm wirklich Notiz von ihnen, aber wirklich sicher fühlte sich Robin trotzdem nicht. Immer wieder sah er sich verstohlen um. Alles war bisher zu glatt gegangen, das machte ihn nervös. Nach kurzer Zeit kamen sie in den Gang, in dem Gwens Zimmer lag. Noch immer stand Hauptmann Jehan davor und sah ihnen missmutig entgegen. "Was habt ihr hier zu such...." blaffte er los, doch der Rest blieb ihm buchstäblich im Hals stecken, als er seinen Bruder in dieser Uniform sah. Ungläubig, mit weit aufgerissenen Augen starrte er ihn an. "Was...was...?" stotterte er und musterte ihn dabei von oben bis unten. "Ich bin Soldat in Nottingham Castle. Das siehst du doch. Und jetzt mach mir Platz. Ich muss hier rein!" Taran versuchte sich an Jehan vorbeizuschieben, um in Gwens Zimmer zu gelangen. Doch trotz seiner Überraschung reagierte Jehan sofort. Zornig  packte er ihn am Ärmel und zog ihn zurück. "Was bildest du dir ein Soldat. Wenn du hier schon Soldat spielen willst, hast du gefälligst auf meine Befehle zu hören, klar!" "Was soll das jetzt Jehan“, Taran sah ihn missbilligend an und schob ihn unmerklich ein Stück weiter von der Tür. "ich bin dein Bruder. Du kannst doch mir gegenüber ein bisschen entgegenkommender sein. Findest du nicht!" Jehan wußte einfach nicht mehr was er darauf antworten sollte. Diese Dreistigkeit schlug dem Fass den Boden aus. Wütend sog er die Luft ein, um Taran anzuschreien und ihm seine Pflichten und die paar Jämmerlichen Rechte, die er nun hatte, klar zu machen. Er war so beschäftig, das er Robin noch gar nicht richtig registriert hatte. Robin nutzte diese Gelegenheit, um ungehindert in das Gemach von Gwen zu schlüpfen. Vorsichtig setzte er sich auf die Kante ihrer Liegestatt, zog die dritte Uniform unter seinem Umhang hervor und begann sie ihr überzustreifen. Er musste sich beeilen, allzu lange konnte Taran seinen Bruder wahrscheinlich nicht ablenken. Er musste wieder draußen sein, bevor er mit seiner Schimpftirade fertig war....

*

Godric:

Godric hatte die beiden Männer eine ganze Weile beobachtet, und sein Verdacht hatte sich alsbald bestätigt. Taran hatte den Knecht mit „Robin“ angesprochen! An ihre Zusammenarbeit hatte er ihn erinnert! Wie konnte das sein? Der Bruder des normannischen Hauptmanns machte gemeinsame Sache mit den Gesetzlosen? Und Jehan schien ganz offensichtlich eingeweiht zu sein. Andererseits – Godric entsann sich wieder des Kampfes im Haus der Mönche – hätte er Robin Hood erkannt, so würde er ihn bestimmt nicht entkommen lassen- Oder doch? Zum Wohle seines Bruders? Godric machte sich seine Gedanken und versuchte, anhand des Gehörten herauszufinden, was die beiden Männer eigentlich vorhatten. Taran tauchte tatsächlich wenig später in der Uniform eines Soldaten auf. Mit Staunen beobachtete Godric, wie Robin es in der gleichen Verkleidung fertig brachte, einen Karren und zwei Pferde heranzuschaffen, ohne von jemandem aufgehalten zu werden. Sie schienen jedoch ihrerseits so beschäftigt zu sein, daß sie nicht bemerkten, wie er sie fortwährend im Auge behielt. Aber das war ihm nur recht. Offenbar hatten sie bereits ihre Flucht vorbereitet, die nächst Beste Gelegenheit mußte er nutzen, um Hood aufzuhalten! Als Godric sein Versteck in einer Nische im Gang wieder erreichte, war Taran mit seinem Bruder in ein Wortgefecht verwickelt. Anscheinend wußte Jehan noch immer nicht, wer der andere Soldat war, der sich soeben an ihm vorbei in das anliegende Zimmer schlich. „Nun hör doch auf zu schimpfen!“, beschwichtigte Taran mit der ruhigen Stimme, die seinen Bruder stets rasend machte. „Niemand wird es merken, daß du uns durchgelassen hast, laß mich nur machen!“ „Ich glaube dir kein Wort mehr!“, fuhr der Hauptmann seinen Bruder an. Er wurde lauter, so daß Taran sich wachsam umsah. Godric konnte im letzten Moment den Kopf zurückziehen, um nicht von ihm entdeckt zu werden. „Genug jetzt!“, zischte Taran leise. Wenn sein Bruder die Beherrschung verlor konnte es für sie gefährlich werden. Er mußte Robin vorausschicken, bevor Jehan ihn erkannte. Godric lauschte angestrengt. Es war plötzlich still geworden im Gang. Als er wieder einen Blick riskierte trat Hood eben aus dem Zimmer. Mit dem Helm eines Soldaten war er wahrlich gut getarnt. Mit zügigem Schritt kam er den Gang entlang, genau in die Richtung des heimlichen Beobachters! Godric schloss fest die Hand um den Griff des Schwertes. Er mußte handeln, sonst hatte Hood ihn in wenigen Augenblicken entdeckt. Unvermittelt trat er aus seinem Versteck hervor, zog das Schwert und richtete es auf den Mann, der mit einem kurzen Schrecken stehen blieb.„Nicht so schnell!“, sprach Godric mit harter Miene, „Ihr seid kein Soldat Nottinghams! Und jetzt werft Eure Waffe weg!“

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Taran:

Obwohl Robin von seinem Gegenüber überrascht wurde, zog er geistesgegenwärtig sein Schwert. Es entbrannte sofort ein heftiger Kampf zwischen Robin und Godric von Valnahar. Beide hatten viel zu verlieren. Jehan und Taran fuhren gleichzeitig herum, als sie das metallene Klirren der Schwerter hörten. Taran durchfuhr ein eisiger Schreck, als er erkannte, was passiert war. Robin stand mit dem Rücken zu ihnen, und kämpfte mit dem Waliser, dessen Leben er versucht hatte zu retten. Jehan, hatte bereits sein Schwert gezogen, und stürmte in Richtung des Kampfgetümmels. Er konnte sich keinen Reim darauf machen, warum einer seiner Soldaten Godric von Valnahar angriff. Er konnte ja nicht wissen, dass es sich bei dem Soldaten eigentlich um Robin handelte. Taran wusste, dass er sofort handeln musste. Er hatte bereits sein Schwert in der Hand, und rannte hinter seinem Bruder her. Noch bevor der Robin und Godric erreicht hatte, schlug Taran seinen Bruder mit einem gezielten Schlag des Schwertknaufes nieder. Jehan fiel nieder wie ein gefällter Baum. Taran hoffte, dass er Jehan nicht zu hart getroffen hatte, auf jeden Fall würde sein Bruder eine Weile bewusstlos sein. Dann konzentrierte er sich auf den Kampf zwischen Robin und Godric. Godric hatte gegen die zwei Kämpfer keine Chance. Er wehrte sich mit dem Mut der Verzweiflung. Dennoch parierte er einen Schlag Robins zu spät, und wurde durch dessen Waffe hart am Arm getroffen. Das Schwert glitt Godric kraftlos aus der Hand. Noch bevor er richtig wusste, was passierte, wurde er von Taran ebenfalls niedergeschlagen. Jetzt mussten Taran und Robin sofort handeln. Sicher war der Kampf nicht unbemerkt geblieben Taran rief Robin zu „Hol Gwen, leg sie hier zu den Bewußtlosen dazu. Dann denken die Soldaten, dass es sich um einen niedergeschlagenen Soldaten handelt. Robin tat sofort wie ihm geheißen. Taran sprintete den Gang vor, als ihm schon die ersten Soldaten entgegenkamen. Seine Soldatenuniform kam ihm nun zugute. „Robin Hood hat versucht hier einzudringen“, rief er den Soldaten entgegen. „Wir haben die Burschen vertrieben, schnell hinaus, ihnen nach, sonst entkommen sie!“ Die Soldaten machten kehrt, und rannten Richtung Haupttor. Taran rannte zurück zu Robin. „Robin, bring Gwen hinaus zu dem Wagen, ich versuche die Leute so auf Trab zu halten, dass sie dich nicht groß bemerken“, rief er ihm entgegen. „Wenn sie dich sehen, denken sie zunächst, dass Du dich um einen verletzten Soldaten kümmerst. Ich werde zum Sheriff gehen, und mir Soldaten geben lassen. Ich werde sagen, dass wir Robin Hoods Männer in den Wald verfolgen, dann ist das Tor für Dich und Gwen offen, und Du kannst durch! Jetzt muss sich jeder selbst durchschlagen. Viel Glück.“ Kaum hatte er die letzten Worte ausgesprochen, war Taran schon wieder herumgewirbelt und rannte davon.

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Robin:

Das allgemeine Getümmel, welches im Moment in den Mauern der Burg herrschte, gab Robin die nötige Zeit, die er brauchte. Sorgsam griff er Gwen unter die Arme, redete immer wieder auf sie ein, damit sie wenigstens ein paar Schritte mit seiner Hilfe machte. Tragen konnte er sie nicht. Nicht nur, das das auffallen würde, auch fehlte ihm die nötige Kraft, um mit ihr zusammen schnell genug am Wagen zu sein und verschwinden zu können. Misstrauisch sah er zu Godric von Valnahar. Noch war er bewußtlos, aber er hatte gekämpft wie ein Löwe. Wäre Taran nicht hinzugekommen, hätte dieser Kampf auch anders ausgehen können. Aber für Fairness hatten sie leider keine Zeit. Er musste mit Gwen so schnell wie möglich hier verschwinden. Die Soldaten waren Gott sei dank durch Tarans List, Robin Hood und seine Männer hätten sie angegriffen, abgelenkt. Dadurch würde ihn wohl kaum einer beachten. Aber Gwen hier rauszuschleifen, stellte sich schwieriger raus, als Robin dachte. Immer wieder sah er sich verstohlen um. Die Soldaten die ihm begegneten, schauten ihn zwar kurz an, schöpften aber keinerlei Verdacht, da sie zwei Soldaten vor sich sahen, von denen einer anscheinend verletzt war. Einer bot ihm sogar seine Hilfe an. Robin lehnte aber dankend ab und verschwand schnell um die Ecke. Endlich kam er an dem Verschlag, in dem der Wagen mit den beiden Pferden stand an. Mühsam hievte er Gwen darauf und stieg selber auf den Bock. Kurz sah er sich noch einmal um, aber er konnte Taran nirgendwo entdecken. 'Dann mal los' dachte er bei sich. Mit ihr auf dem Wagen würde er nicht ohne weiteres durch das Tor kommen, das war ihm klar. Er musste sich etwas überlegen. Wo konnte er hin, ohne dass er auffiel. 'Die Mönche' schoß es ihm durch den Kopf. Sie hatten ihn zwar mit Sicherheit nicht in guter Erinnerung, aber wie er diese Menschen kannte, würden sie seine Bitte um Gwens Willen nicht abschlagen. Sie mussten ihm einfach helfen. Er hielt die Pferde zu einem schnellen, aber nicht zu auffälligem Tempo an, geradewegs zu der Krankenstation in der Nähe der Mauern Nottinghams. Niemand hielt ihn auf, oder beachtete ihn weiter. Endlich hatte er die kleine unscheinbare Hütte erreicht. Behänd schwang er sich von dem Wagen, zog Gwen vorsichtig von der Ladefläche und ging mit ihr zielstrebig hinein. Seine Uniform brachte ihm vorerst ein freundliches Entgegenkommen der beiden Mönche ein, als er jedoch den Helm von Gwens Kopf nahm und seine Bitte vortrug traten sie erschrocken zurück. "Wer seid ihr!" fordernd sah ihn der ältere der beiden an. "Das ist doch eine Gefangene des Sheriffs. Wie kommt ihr dazu...?" "Seid still!" unterbrach ihn Robin zwar eher freundlich aber bestimmt. "Ich habe jetzt keine Zeit euch das zu erklären. Ihr müsste ihr helfen. Sie wird sonst sterben. Ihr müsst sie aus der Stadt bringen und zwar unauffällig und schnell. Bringt sie nach Glenfield. Dort wird euch ein Bruder erwarten. Er weiß, was zu tun ist." Mit diesen Worten überlies er den beiden Mönchen Gwen, sah sie noch mal auffordernd an, bis diese mit einem mitleidigen Seitenblick auf sie nickten und verschwand nach draußen. Den Wagen mit den Pferden lies er stehen. Das war zu auffällig. Er musste sich Tarans Pferd holen. Noch war alles in heller Aufruhr, ob des vermeintlichen Überfalls Robin Hoods. In seiner Uniform sollte es kein Problem sein, ungehindert aus Nottingham herauszukommen. Er hoffte nur, das ihm dieser Fremde, Sir Godric, nicht noch mal über den Weg lief. Und der Hauptmann war sicher auch nicht glücklich, obwohl er, Herne sei dank, ihn nicht erkannt zu haben schien...

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Gwen:

Es war einige Zeit vergangen, seit Berengar sich von seinem jungen Retter in der Abtei von Glenfield getrennt hatte. Er glaubte, das Taran damals noch ein Anliegen an ihn hatte, nur ergab sich nie die Gelegenheit zu einem ruhigen Gespräch. Sollte noch etwas zu klären sein müsste Taran nun warten. Wichtigere Dinge hatten Vorrang. Nun, dass Berengar wieder seinen Kräutervorrat aufgefüllt hatte, wollte er sich endlich auf den Weg nach Hawkney machen, um Gwen den versprochenen Besuch abzustatten. Beim Gedanken an das Mädchen huschte ein Lächeln über sein faltiges Gesicht. ‚Eine junge Frau ist sie geworden, nicht mehr das kleine unbekümmerte Mädchen, das du von den Besuchen bei ihrem Vater kanntest...’ schalt sich der Alte in Gedanken und marschierte munteren Schrittes den Weg entlang. ‚Nur heiraten sollte sie bald, und Kinder bekommen und ein normales Leben führen’ träumte er weiter. Eine kleine Wolke zog über sein Gemüt und er hoffte dass Gwen es einmal einfacher haben würde als ihr Vater. Schon von weitem erkannte er, dass auf dem so lange vereinsamten Gut wieder Leben eingezogen ist. Er freute sich schon auf eine warme Suppe und guten Würzwein als er auf einem der Hügel eine weibliche Gestalt erblickte. Bald schon müsste er mit Gwen über unangenehme Dinge reden...

 

Seit Gwen mit Bruce de Briac gen Nottingham geritten ist, verbrachte Ravina täglich lange Stunden auf dem Hügel, um Ausschau nach ihr zu halten. Sie brachte es nicht übers Herz das Gut zu verlassen, doch kehrte Gwen auch heute nicht heim, würde sie in den Sherwood gehen um Robin Hood zu suchen. Gerade wollte sie zurück zum Haus gehen, als sie jemanden auf sich zu kommen sah. Ihr Herz machte einen Satz, glaubte sie doch Gwen käme endlich nach Hause. Sie lief freudig auf sie zu und erstarrte, als sie in der vermeintlichen Gwen einen älteren Mönch erkannte. Auch Berengar stutzte beim Näher kommen. Ravina versuchte ihre Enttäuschung zu verbergen und sprach den Mann freundlich an. „Wenn Ihr Unterkunft braucht Herr, so seid herzlich auf Hawkney willkommen.“ begrüßte sie ihn. Berengar betrachtete das Mädchen fragend und musterte ihren verstümmelten Arm mit einem Stirnenrunzeln. ‚Wie konnte so etwas nur geschehen?’ fragte er bei sich. Dem Mädchen jedoch nickte er dankend zu. „Ich bin Bruder Berengar. Bitte bring mich zu Gwen of Hawkney, sie wird mich bereits erwarten.“ Kaum erwähnte er ihren Namen schossen dem Mädchen die Tränen in die Augen. Verwirrt blickte Berengar auf das schluchzende Häufchen Elend. „Gwen..in Nottingham..der Sheriff von Gapdale...“ war alles, was sie unter Weinkrämpfen hervorbrachte. Berengar legte den Arm um ihre Schultern um sie zu beruhigen und führte sie hinunter zum Haus. Über dem Feuer köchelte Grütze vor sich hin von der Berengar etwas für sich und das Mädchen abnahm. Wie sie so beieinander saßen und in ihren Schalen rührten beruhigte sie sich etwas. „Ravina.“ begann sie schließlich. „Ich heiße Ravina. Gwen hat mir hier ein neues Zuhause gegeben...“ Ravina erzählte Berengar ihre Geschichte, die sie damit schloss, dass sie nun Gwens Aufforderung folgen und zu Robin Hood gehen musste, um ihm den Flakon zu geben. Berengar sah Ravina mit festem Blick an. „Geh, und hol mir den Beutel mit dem Flakon.“ – „Beutel? Den hat doch Gwen. Sie ließ nur das Fläschchen hier.“ Berengars Gesicht verfinsterte sich. Er krallte seine Finger in ihre Schultern, mit einer Kraft, die sie ihm nie zugetraut hätte und die ihr Angst machte. „Ravina!“ sagte er drängend, „bist du dir sicher? Der Beutel in dem der Flakon war, den hat sie mitgenommen?“ Ravina nickte nur heftig. „Berengar, Ihr tut mir weh! - Ja, das Beutelchen, das sie um ihren Hals trug, genau den hat sie mitgenommen!“ rief sie aus. Berengar erstarrte und löste langsam seine Hände von Ravinas Schultern. „Pack etwas zu essen ein, wir müssen gehen.“ flüsterte er fast abwesend. „Jetzt?“ fragte Ravina ungläubig, „Ihr wollt jetzt noch gehen?“ Berengar nickte „Bete, das wir nicht zu spät kommen, Ravina.“ Antwortete er ernst und ruhig.

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Robin:

Schnellen Schrittes ging Robin zurück zu dem verfallenen Verschlag in dem Tarans Pferd stand. Wie auch schon vorher schenkte ihm keiner der durcheinander laufenden Soldaten Beachtung. Des Sheriffs Stimme dröhnte über den Hof und hielt jeden einzelnen zur Eile an. War er doch in dem Glauben, Robin Hoods Männer wären noch in der Nähe. "Wo, verdammt noch mal, ist dieser Tölpel von Hauptmann?" schrie er gerade völlig außer sich. Robin konnte sich bei dem Gedanken, dass dieser sich gerade vor dem Zimmer, in dem man Gwen festgehalten hatte, ein Schläfchen gönnte, ein Grinsen nicht verkneifen. Er lies den offenen Hof hinter sich, bog in die Seitengasse die ihn zu Tarans Pferd führte ein, als er abrupt stehen blieb. Aus der Tür neben dem Verschlag trat genau dieser junge Hauptmann. "Verdammt!" dachte Robin. Er hatte gehofft, dass er noch etwas Zeit hatte, bis er wieder aufwachte. Schnell drückte er sich in eine Ecke, vorsichtig um sich spähend, dass niemand ihn dabei beobachtete. Gleich hinter Jehan trat dieser Fremde, der sich ihm in den Weg gestellt hatte, aus der Tür. Beide mit missmutigen und bösen Blick. Der Weg bis zu diesem Pferd war so kurz, doch er konnte es einfach nicht riskieren, gerade den beiden über den Weg zu laufen. Langsam drehte er sich weg und versuchte so unauffällig wie möglich die Gasse zurückzugehen. Wie sollte er jetzt aus Nottingham kommen? Ohne Pferd war das einfach zu auffällig, zu den Ställen des Sheriffs konnte er nicht mehr. Da war im Moment einfach zu viel los und ein unnötiges Risiko wollte er nicht eingehen. Noch dazu kam, dass bald die Sperrstunde anfangen musste. Er würde sich in Nottingham ein Versteck suchen müssen. Nur wo, verdammt noch mal? Ganz selbstverständlich schlenderte er dabei durch die Gassen, immer bedacht jedem der nach des Sheriffs Wache aussah, aus dem Weg zu gehen. Vielleicht sollte er sich einfach unter die Torwache mischen? dachte er bei sich. Vorsichtig sah er sich um und schlug dann den Weg dorthin ein. So würde er vielleicht unbemerkt hinausschlüpfen können, bevor ihn jemand enttarnte....

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Sue:

Nachdem Susanna ganz eigenmächtig einen Soldaten des Earls of Leicester als Boten nach Lowdham geschickt hatte, zog sie es vor, ihrem Vater besser aus dem Weg zu gehen. Lord William war zwar stets über Gebühr geduldig mit ihr, aber in diesem Falle wusste sie, dass sie zu weit gegangen war. Außerdem wollte sie versuchen, Godric zu helfen indem sie gewissen Herren ein wenig auf die Finger schaute. Sie kannte den Sheriff und den Earl of Huntingdon gut genug, um sich sicher zu sein, dass - wenn sie nur die Augen offen hielt - sie irgendein dunkles Geheimnis erfahren könnte, das sie im Notfall gegen die beiden Männer verwenden könnte. Sie musste es einfach versuchen. Aber wie sollte sie das anstellen? Sie beschloss, sich erst einmal ein wenig in ihrem Gemach auszuruhen und sich bei Einbruch der Nacht im Schloss mal ein bisschen genauer umzusehen. Bei Tag und in Anwesenheit so vieler Menschen würden sich diese beiden eh keine Blöße geben. Die Zeit des Wartens zermürbte sie beinahe. Nur herumzusitzen, ohne etwas Sinnvolles tun zu können, lag Susanna überhaupt nicht. Sie zwang sich, Ruhe zu bewahren. Plötzlich klopfte es an ihrer Tür und ihr Vater trat mit ernster Miene ein. "Nun", stellte er streng fest, "ich habe gehört, dass du ganz eigenmächtig meine Soldaten mit Botengängen beauftragst." Die junge Lady ließ sich matt auf das Bett nieder. "Ja, ich habe einen deiner Soldaten nach Lowdham geschickt. Ich gebe es ja zu. Aber was hätte ich auch anderes tun können? Der Sheriff und der Earl of Huntingdon spielen hier ein ganz übles Spiel. Um das zu erkennen muss man nicht besonders schlau sein", ereiferte sich Susanna trotzig. "Ja ja, ich ahnte, dass du so was sagen würdest", entgegnete Lord William. "Und was gedenkst du jetzt zu tun?", fragte er besorgt. "Wenn ich das nur so genau wüsste.....", antwortete Susanna resigniert. Natürlich hatte sie schon eine Idee, was sie tun wollte; sie vermied es jedoch, ihren Vater davon in Kenntnis zu setzen. Der Earl schaute seiner Tochter noch einen Moment lang in die Augen und verabschiedete sich dann von ihr mit den Worten: Mach keinen Unsinn und pass auf dich auf." Dann verließ er wieder den Raum und ließ Susanna alleine zurück. Als es endlich dunkel war, schlüpfte die junge Frau leise aus ihrem Gemach und macht sich zu ihrem Erkundungsrundgang durch das Schloss auf. Die meisten Gäste schienen schon zu Bett gegangen zu sein, denn von einem geselligen Treiben im Bankettsaal war nicht mehr viel zu hören. Umso besser für sie. Je weniger Menschen noch in Nottingham-Castle unterwegs waren desto größer waren ihren Chancen, nicht entdeckt zu werden. Sie schlich ziellos durch die Flure bis sie plötzlich in der Nähe der Gemächer Abt Hugos die Stimmen des Sheriffs und seines Bruders vernahm. Vorsichtig pirschte sie sich noch näher 'ran, um verstehen zu können, was da gesprochen wurde. Sie traute ihren Ohren nicht. Das konnte doch wohl nicht wahr sein. Susanna schüttelte den Kopf. "Diese Ratte!", dachte sie mit Genugtuung. "Na, der wird sich noch wundern....." Schritte näherten sich ihr und die junge Lady fuhr erschrocken zusammen. Sie war wütend auf sich selbst, dass sie nicht besser aufgepasst hatte, aber sie hatte genug gehört. Auf dem schnellsten Wege machte sie sich auf den Weg zurück zu ihrem Gemach. Am nächsten Morgen wollte sie sich sofort auf die Suche nach Godric machen, um ihm zu erzählen, was sie da gerade erst gehört hatte.....

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Jehan: 

Der Sheriff hatte Jehan of Beaversbrook soeben entdeckt, der, Godric of Valnahar neben sich, wie ein Betrunkener auf den Hof taumelte. „Hauptmann! Hierher!“ schrie er. Jehan kam dem Befehl sofort nach, und marschierte zu seinem Dienstherren. Er hatte Mühe, gerade zu gehen, denn der erneute Schlag auf den Kopf verursachte ein schwindelndes Durcheinander in seinem Hirn. Und außerdem musste er nun erklären, dass Gwen of Hawkney fort war. Befreit von Taran. Robert de Rainault stand oben auf dem letzten Treppenabsatz, sah zornig auf den Hauptmann herunter, der etwas gequält zu ihm aufsah, um dann schnell den Blick zu senken. “Was ist hier los, im Namen der Jungfrau?!“ tobte der Sheriff. “Mylord, Gwen… ist… sie… wurde befreit“ berichtete Jehan mühsam. “Befreit? BEFREIT??!!“ Des Sheriffs Gesicht wurde vor Ärger dunkelgrün wie eine Tannenschonung. Der Hauptmann wagte nicht, ihn anzusehen. Er presste die Kiefer zusammen und schwieg verbissen. “Nun stelle ich schon den Hauptmann persönlich als Wache auf, und was geschieht?! Gwen wird befreit! Unfähiger Idiot! MERDE!“ De Rainaults Augen traten fast aus den Höhlen, und jede Ader in seinem Gesicht zeichnete sich unter der Haut ab, die nun ständig die Farbe zu wechseln schien. Von froschgrün zu dunkelrot und wieder zu weiß. „VERSAGER!“ schrie er wütend, und um seiner Wut Luft zu machen, griff er nach dem nächstbesten Gegenstand, hier einem Besen, der eigentlich dem guten Zweck der Reinlichkeit diente, und stürmte so bewaffnet die Stufen hinunter. Jehan stand gehorsam dort und sah dem Angriff machtlos entgegen. Und schon drosch der Sheriff mit dem Besenstiel auf den Hauptmann ein, der die Bestrafung über sich ergehen lassen musste, ohne sich wehren zu dürfen.

Wie hätte er auch erklären sollen, dass sein eigener Bruder Gwen befreit hatte? Da waren ein paar Hiebe leichter zu ertragen. Also hielt er still, duckte sich schützend und hoffte, dass die Wut seines Dienstherren schnell vorüber war. Sir Godric stand nicht weit entfernt. Er hielt eine Hand an den dröhnenden Schädel gepresst. Alles hatte sich so schnell abgespielt, dass er erst jetzt begriff, was gerade geschah. Zu jeder anderen Zeit hätte er sofort eingegriffen. Aber auch er hatte Mühe, sich auf den Beinen zu halten. Vor seinen Augen verschwammen die steinernen Mauern zu einer grauen Masse und er hörte daraus hervor den Sheriff brüllen. Sein Arm schmerzte. Trotzdem machte er tapfer ein paar Schritte auf den High-Sheriff of Nottingham zu.

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Robin:

Gisburne fluchte lauthals und trieb seine Soldaten an, sich nicht wie die ersten Menschen zu benehmen. Es konnte doch nicht so schwer sein ein paar Outlaws zu kriegen, zumal sie in der Überzahl waren. Immer wenn er dachte er hätte sie, verschwanden sie hinter den nächsten Bäumen. Sie trieben ein Katz und Maus-Spiel mit ihm. Aber warum? Noch nicht ein einziges Mal hatten sie sie angegriffen. Irgendetwas schien hier nicht zu stimmen, aber Gisburne wußte einfach nicht was. Anstatt sich aus sicheren Verstecken nach und nach der Übermacht der Soldaten zu entledigen, hielten sie ihn lediglich zum Narren und jagten ihn quer durch den Forest. Mittlerweile waren schon einige Stunden vergangen, bald würde in Nottingham Sperrstunde sein und er hatte immer noch nicht einen von diesem Gesindel erwischen können. Wie sollte er das, verdammt noch mal, dem Sheriff erklären? Bevor die Dunkelheit hereinbrach mussten sie aufbrechen und zurück reiten, denn in der Nacht waren sie den Outlaws endgültig schutzlos ausgeliefert.

"Ich hab dieses Katz und Maus Spiel satt, verdammt noch mal." fluchte Will wütend. "Lass uns Gisburne endlich das geben, was er verdient. Wir hätten ihn sowieso schon längst töten sollen!" sprach er gedämpft weiter. "Halt die Klappe Will!" fuhr John ihn an. "Robin hat gesagt wir sollen sie in Ruhe lassen. Nur ein bisschen an der Nase rumführen und genau das werden wir tun!" "Aber wir könnten ihm doch wenigstens eine kleine Lektion erteilen." widersprach Will aufgebracht. Er konnte sich einfach nicht damit abfinden, er wollte Gisburne ein für alle mal loswerden. Und das hier war eine gute Gelegenheit. "Nein!" herrschte John ihn an. "Wir sollen sie ablenken. Hast du das endlich verstanden? Nur ablenken, bis Robin und Taran wieder aus Nottingham raus sind. Und jetzt komm endlich. Da vorne sind sie wieder!" "Dann sollte sie sich aber beeilen. Es ist bald dunkel und in Nottingham ist Sperrstunde." Will sprach das aus, was John schon die ganze Zeit Sorgen bereitete. Er hoffte, dass es die beiden geschafft hatten und schon auf dem Weg zu ihnen waren. Wenn nicht...Darüber wollte er lieber nicht nachdenken. Wenn die beiden in Nottingham festsaßen, konnten ihnen keiner von ihnen helfen....

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Godric:

Godric hatte Mühe, die Szenerie zu erkennen; erst als er näher kam sah er womit der Sheriff beschäftigt war. ‚Das sieht ihm ähnlich’, dachte er ärgerlich, ‚schlägt auf seine eigenen Leute ein...’

„De Rainault!“, rief er ihn an. Der Sheriff hielt inne und richtete sich auf, als er den Mann erblickte. „Es zeugt nicht von großer Würde, was Ihr da tut.“, fuhr Godric gewagt fort. De Rainault ließ von dem Hauptmann ab und wandte sich mit schneidendem Blick an den Waliser. „Ihr wollt mich belehren, Valnahar? Wollt Ihr nicht lieber Euren Hals retten? Viel Zeit habt Ihr nicht mehr!“ „Überlaßt das mir“, entgegnete Godric, „Ich werde Euch nicht die Freude bereiten, mich in den Kerker werfen zu lassen.“ Ein zynisches Lächeln huschte über de Rainaults Gesicht. „Wir werden sehen.“, entgegnete er. Seine Laune war wieder hergestellt. Er brauchte Gwen nicht mehr als Köder. Sollte es diesem dahergelaufenen Früchtchen nicht gelingen, Robin Hood zu fangen, so würde er immer noch Prinz John ein akzeptables Schauspiel bieten können. Er konnte dabei nicht verlieren, soviel war sicher. „Also“, endete er, „Ich erwarte Euch mittags in zwei Tagen. Verspätet Euch nicht!“, er drückte den Besen einem Wachtposten an der Tür in die Hand und verschwand in der Halle der Burg. Godric war froh, sich endlich auf den Treppenstufen niederlassen zu können. Das Dröhnen in seinem Schädel wollte nicht nachlassen, und die Gestalt des Hauptmanns verschwamm vor seinen Augen immer wieder zu einem langen Fleck. Das hatte ihm gerade noch gefehlt. Ein halber Tag war bereits vergangen, und Hood war sicherlich längst in den Wald geflohen. Godric strich sich fest mit der Hand über die Stirn. Der verletzte Arm würde ihn beim kämpfen behindern. Er brauchte Ruhe, zumindest für ein paar Stunden. Sollte der Gesetzlose sich abgesetzt haben, so konnte er jetzt nur noch auf Harred und seine Männer vertrauen. Sollte er sich jedoch noch innerhalb der Stadt befinden, würde er ihn später wieder treffen...

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Jehan:

Jehan rieb sich die schmerzende Schulter, die der Sheriff in seinem Wutanfall am härtesten getroffen hatte. Ein paar schöne blaue Flecke würde das geben, aber er hatte Taran nicht verraten müssen. Und dieser Godric hatte es ebenfalls nicht getan. Der Hauptmann setzte sich neben ihn auf die Treppenstufen, sie sahen aus wie zwei verprügelte Hunde. "Sir Godric.." begann Jehan. "Ihr habt Ehre bewiesen." Er sah den Waliser offen an, der aber Mühe hatte, den Blick zu erwidern. Zu verschwommen war alles. Der Schlag auf den Kopf mußte ziemlich heftig gewesen sein. "Wollt ihr Euch in die Taverne zu einem Burgunder zu mir setzen?" fragte Jehan. "Ich fürchte, ich war bei unserem letzen Gespräch nicht eben freundlich, aber meine Worte entsprachen der Wahrheit."

Godric konnte nun einen prüfenden Blick doch nicht bleiben lassen. "Nun?" Der Hauptmann sah ihn auffordernd an, aber Godric vermochte kaum bei Bewußtsein zu bleiben. Jehan bemerkte es endlich. "Ich sollte Euch wohl besser zu den Mönchen in die Krankenstation bringen, Mylord" stellte er fest, dann stand er auf und griff den Arm des Walisers, um ihm aufzuhelfen.

*

Robin:

Robin hatte Mühe, den hektisch durch die Straße eilenden Soldaten auszuweichen. Er wollte auf keinem Fall riskieren, von jemandem gesehen zu werden. Zwar war er durch die Uniform weitestgehend getarnt, aber ob sie bei genauem Betrachten standhalten würde, da war er sich nicht sicher. Außerdem wollte er auf keinem Fall dem Hauptmann oder diesem Fremden über den Weg laufen. Gerade dieser würde ihn wahrscheinlich sofort erkennen. Insgeheim hoffte er, dass er niemandem verraten hatte, dass er es war, der Taran bei der Befreiung von Gwen geholfen hatte. Noch schien es so, denn wäre es anders, hätte er wohl kaum eine Chance - ganz Nottingham wäre wohl auf den Beinen um sämtliche Soldaten zu kontrollieren. Aus sicherer Entfernung beobachtete er nun das Tor. Wie er schon vermutet hatte, war es geschlossen. "Verdammt!" murmelte er und sah sich angestrengt um. Keine Möglichkeit, ohne gesehen zu werden, die Stadt zu verlassen...Stellte er fest. Er würde sich etwas anderes einfallen lassen müssen. Vielleicht sollte er zurück in die Krankenstation der Mönche gehen. Dies war wohl der einzig sichere Platz, an dem er in Ruhe einen Plan schmieden konnte, wie er ungesehen hier wieder raus kam. Außerdem war dort noch Gwen. Und diese brauchte dringend Hernes Hilfe. Wie er allerdings die Bewußtlose Gwen ohne Aufsehen durch das Tor bekommen sollte, darüber wollte er sich Gedanken machen, wenn es soweit war. Nach einem prüfenden Blick in alle Richtungen erhob er sich und ging zielstrebig zum Haus der Mönche...immer bedacht, sich so unauffällig wie möglich zu benehmen....

*

Taran:

Taran rannte, nachdem er sich von Robin getrennt hatte, durch die Gänge der Burg. Er wollte Rainault erreichen, bevor der erfuhr, was passiert war. Nur so hatte er eine Chance Soldaten vom Sheriff zur angeblichen Verfolgung Robins zu bekommen. So hätte er auch die Möglichkeit, durch das geöffnete Burgtor zu entkommen. Er musste handeln, bevor der Sheriff erfuhr, dass er bei der Befreiung Gwens geholfen hatte. Doch dann hörte er schon Robert de Rainault laut fluchen. Dieser rannte gerade zum Tor hinaus, und gelangte auf den Hof. Taran blieb hinter einem Mauereck stehen. Sein Plan war nicht aufgegangen. Der Sheriff hatte schon Wind von der Sache bekommen. Jetzt wurde es richtig eng. Taran bekam nicht mit, was im Hof geschah, so sah er nicht, wie sein Bruder vom Sheriff mit einem Besen verprügelt wurde, und auch Godrics Eingreifen in das Geschehen entging ihm. Nachdem der Sheriff wieder durch die Halle ins Innere der Burg gelaufen war, wagte sich Taran vorsichtig vor. Verstohlen um sich blickend verließ er die Burg. Er musste jetzt zunächst diese Uniform loswerden. Sie konnte ihm nicht mehr nützen. Sie war eher hinderlich, konnte er doch nicht wissen, ob die Soldaten schon kontrolliert wurden. Er ging in ein Stallgebäude. Nachdem er sich überzeugt hatte, dass sich niemand in dem Gebäude aufhielt, entledigte er sich der Uniform. Jetzt musste er sich zunächst versteckt halten, bis der ganze Trubel vorbei war. Heute würde er die Stadt nicht mehr verlassen können, soviel war klar. Er hoffte, dass Robin es irgendwie mit Gwen geschafft hatte. Dass sie sich trennen mussten, war nicht gut, war aber nicht zu vermeiden gewesen. Taran überlegte, was er als nächstes tun sollte. Wo sollte er ein geeignetes Versteck für die Nacht finden? Während er nachdachte, schweifte sein Blick durch das Gebäude. Auf einem Stapel Stroh lagen mehrere alte Decken und Lumpen. Wenige Minuten später hatte sich Taran in einen Bettler verwandelt. Er musste die Lumpen zum Teil aneinander knoten, damit sie hielten, und sauber waren sie auch nicht, stellte Taran naserümpfend fest. Aber das war für seine Tarnung nur von Vorteil. Nachdem er die Lumpen so gut wie möglich um sich gewickelt hatte, verließ er vorsichtig das Gebäude, und hoffte, dass man ihm in seiner Verkleidung keine Aufmerksamkeit schenken würde. Langsam und gebeugt gehend, schlurfte er durch die engen Gassen. Er hielt den Blick gesenkt, schielte aber vorsichtig umher, bemüht, jede Gefahr rechtzeitig zu erkennen.

*

Godric:

Godric hob mit schwachem Protest die Hand. „Nein, laßt!“, sagte er. „Das ist nur halb so wild. Ich habe auch nicht die Zeit um...“, er brach ab. Das zu erklären kostete unnötige Anstrengung. Er ahnte ja nicht, daß Jehan längst über die schwierige Aufgabe im Bilde war, die der Sheriff ihm aufgebürdet hatte. Der Hauptmann stand mit wachsamem Blick vor ihm und überlegte, was zu tun war. „Bei dem was Ihr vorhabt solltet Ihr aber bei Kräften sein.“, sprach er im Vertrauen.  Godric sah zu ihm auf. „Ihr – wißt davon?“, fragte er mühsam nach. Jehan nickte nur mit ernster Miene und Godric nahm es hin wie es war. Offenbar wähnte sich de Rainault bereits als Sieger. Aber so leicht sollte er es nicht haben! „Wäre Euer Bruder nicht dazwischen gekommen, hätte ich den Lump bereits erwischt!“, fluchte Godric leise. Jehan erschrak. Mit Robin Hood selbst hatte sein Bruder sich eingelassen? Was zum Teufel trieb ihn dazu? Und wo war er jetzt? In dem Moment kam Sir Guy of Gisburne in den Burghof geritten, seine erfolglosen Männer im Schlepptau. Jehans Haltung versteifte sich sofort, doch sein Vorgesetzter stieg aus dem Sattel und strebte sogleich dem Seiteneingang zu, der ihn schneller zu de Rainaults Gemächern brachte als der Weg durch das Portal. „Es ist Sperrstunde, hört Ihr?“, meinte Jehan plötzlich beim Klang der Abendglocke. Godric erhob sich etwas zu schnell und erwiderte: „Dann muß sich Hood noch in der Stadt aufhalten! Er kann unmöglich in der kurzen Zeit entkommen sein!“ Er wollte sich sogleich auf die Jagd nach dem Gesetzlosen machen, doch der Schwindelanfall belehrte ihn eines besseren. Er ließ sich schließlich doch zum Haus der Mönche in der Nähe der Stadtmauer bringen. Als sie die bescheidene Behausung erreichten kehrte bereits Ruhe ein in Nottingham. Die Stadtbewohner hatten ihre Tagesarbeit beendet und zogen sich zurück. Nur Bettler und herrenloses Gesindel trieben sich noch in den Gassen herum. Gerade eben schlich sich jemand in zusammengeknotete Lumpen gehüllt dem Haus der Mönche näher. Er stockte, als er die beiden Männer über die Hauptstraße kommen sah und verbarg sich im Schatten der Hauswand. Godric und Jehan hatten ihr Ziel fast erreicht, als aus der Richtung des Stadttores ein Soldat um die Ecke bog. Trotz der einsetzenden Dämmerung war Godric sicher, wen er dort vor sich hatte. „Da ist er wieder!“, zischte er Jehan zu, „Das ist Hood!“

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Robin:

Robin hatte, während er unauffällig zu der Krankenstation ging, einen Plan gefasst. Er würde gleich morgen früh, sobald die Tore öffneten, als Mönch verkleidet hinaushuschen. So würde er am wenigsten auffallen. Außerdem musste er diese Uniform loswerden. Wenn dieser Fremde ihn so erkannt hatte, war diese Verkleidung nutzlos. An seine alte, die im Verschlag bei Tarans Pferd versteckt war, kam er leider nicht ran. Das war einfach zu riskant. Wahrscheinlich würde er dort nur dem Hauptmann über den Weg laufen und sich hier, mitten in Nottingham alleine einem Kampf stellen, konnte er sich nicht leisten. Er musste so lange wie möglich unentdeckt bleiben. Robin hoffte, dass der Mönch ihm helfen würde. Ansonsten musste er eben auf Bruder Berengar zurückgreifen und ihn als seinen Freund ausgeben. Er hatte fast sein Ziel erreicht, als er erschrocken stehen blieb. Keine 50 Yard von ihm entfernt war der Fremde in Begleitung des jungen Hauptmanns aufgetaucht. Robin verfluchte sich innerlich, nicht noch vorsichtiger gewesen zu sein. Jetzt noch schnell in einer der dunklen Ecken zu huschen war zwecklos. Sie hatten ihn schon gesehen und der Fremde schien ihn sofort erkannt zu haben. Sekundenlang starrten sie sich über die Entfernung an. Erst als der Hauptmann plötzlich sein Schwert zog, erwachte auch Robin aus seiner Starre, wirbelte herum und rannte in die Entgegengesetzte Richtung davon. Wütend stellte er fest, dass diese Uniform ihn daran hinderte, sich schnell und lautlos zu bewegen. Er musste sie loswerden. Im Zick Zack, immer wieder die Richtung wechselnd, rannte er durch die dunklen Gassen. Entledigte sich ein nach dem anderen Kleidungsstück der Uniform, während hinter ihm die Rufe der Soldaten lauter wurde. Er spürte, wie allmählich Panik ihm aufstieg. Verzweifelt sah er sich um, rannte in die nächst beste Gasse und drückte sich in eine dunkle Ecke. Für einen kurzen Moment schloss er die Augen, versuchte ruhiger zu werden um nachdenken zu können, als in seiner Nähe Schritte laut wurden. "Wo ist dieser Dreckskerl verdammt noch mal hin? Der kann sich doch nicht in Luft aufgelöst haben!" hörte er die wütende Stimme des Hauptmanns. Vorsichtig zog er sich die Kapuze tiefer ins Gesicht und hielt den Atem an. Dabei versuchte er sich auf seinen Herzschlag zu konzentrieren, der wie ihm schien, überlaut gegen seine Rippen schlug. Er hatte das Gefühl, als ob die Häuser in den engen Gassen ihn laut und deutlich wiedergaben. Wenn sie ihn jetzt bemerkten, war alles vorbei. Vorsichtig drückte er sich noch tiefer in die Dunkelheit und legte die Hand auf den Schwertknauf. Er würde sich auf jedem Fall nicht freiwillig ergeben. "Seid still!" zischte der Fremde und lauschte angestrengt in die Nacht. Robin zuckte unwillkürlich zusammen und umfasste den Schwertknauf fester. Doch lediglich eine Ratte huschte über die nächtliche Gasse, auf der Suche nach Nahrung. Mit einem wütenden Tritt schleuderte Jehan sie davon. "Diese Mistviecher! Kommt, Sir Godric. Wir suchen weiter. Er kann uns nicht entkommen!" Damit drehten sie sich um und verließen die Gasse. Robin atmete erleichtert auf, jedoch war die Gefahr noch lange nicht vorüber. 'Sir Godric' dachte er. Das ist also der Name des Fremden. Aber was, bei Herne, wollte er von ihm?

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Godric:

Die Verfolgungsjagd durch die schummrigen Gassen Nottinghams hatte Godric mitgenommen. Jetzt, da Hood ihnen offenbar entwischt war lehnte er sich erschöpft an eine Hauswand. „Wartet einen Moment!“, keuchte er. In seinen Ohren rauschte es. Jehan blieb bei ihm, behielt jedoch wachsam beide Straßenseiten im Auge. Wenn der Mond aufging hatten sie vielleicht eine bessere Chance, den Flüchtigen zu fassen. „Was ist? Könnt Ihr etwas sehen?“, fragte Godric. Er hoffte nur, daß dieser elende Schwindel bald vorüber sein würde. Der Hauptmann kniff nur die Lippen zusammen und schüttelte den Kopf. Stille trat ein, und sie nutzten beide die kurze Zeit, um wieder zu Kräften zu kommen. Godric zog den Dolch aus seinem Gürtel hervor und drehte ihn in der Hand. Ein verirrter Lichtschimmer fing sich in der glänzenden Klinge. Das Schwert vernünftig zu führen würde ihm jetzt kaum gelingen, aber der Dolch, der war leichter, den würde er noch allemal einsetzen können. Godric erinnerte sich an seinen Gang durch Nottingham, den er einst gemacht hatte, um sich in der Stadt besser auszukennen. Das kam ihm nun zugute. Mit entschlossener Miene steckte er die Waffe zurück.

„Los, kommt!“, sagte er zu Jehan, der ihn überrascht ansah, „Es gibt nicht viele Orte, an denen er sich verstecken kann! Wir kriegen ihn, noch heute Nacht!“ Die beiden Männer wollten sich eben aufmachen, die Verfolgungsjagd fortzusetzen, als Godric den Hauptmann noch einmal zurückhielt. „Eins noch!“, sagte er, „Warum helft Ihr mir eigentlich? Diese Sache belangt Euch doch gar nicht!“

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Robin:

Erst nach geraumer Zeit, die Schritte der beiden waren schon lange verklungen, löste sich Robin aus seinem Versteck. Ruhig lagen die nächtlichen Gassen Nottinghams vor ihm. Fragend sah er sich um. Durch das kreuz und quer hetzen, hatte er die Orientierung verloren. Leise huschte er, immer darauf bedacht im Verborgenen zu bleiben, in die Entgegengesetzte Richtung. Schon nach kurzer Zeit konnte er die Zinnen der Burg sehen, die sich finster und drohend vor dem nächtlichen Himmel abzeichneten.

Die Nacht war noch jung und es würden noch viele Stunden vergehen, bis die Tore wieder geöffnet wurden. Er brauchte dringend ein sicheres Versteck. Und was er beinah genauso dringend brauchte, war ein neue Verkleidung. Zu den Mönchen konnte er nun nicht mehr. Ohne die Uniform würde er noch nicht mal in die Nähe der Krankenstation kommen, ohne dass ihn die Wachen sehen würden. Krampfhaft überlegte er, ging sämtliche Möglichkeiten durch und verwarf sie sofort wieder. "Komm schon, Robin. Konzentrier dich!" ermahnte er sich selber leise. Nach einer Weile entschloss er sich, zurück zu dem Verschlag zu gehen. Es war zwar gefährlich, da er dort sehr nahe am Schloss war und die Gefahr gesehen zu werden, sehr wahrscheinlich, aber auf der anderen Seite würde ihn gerade dort wohl kaum einer vermuten. Schon gar nicht der Hauptmann und dieser Sir Godric. Er brauchte diese Verkleidung, in der er schon mit Tarans Hilfe ungehindert hier hereinkam. Er würde damit auch wieder raus kommen. Und ein gutes Versteck für die nächsten Stunden könnte es auch sein. Entschlossen wandte er sich um und schlich in Richtung des Schlosses....

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Jehan:

Jehan zögerte einen Moment. "Eure Taten sprechen für Eure Ehre, Mylord" antwortete er. Dann fügte er schnell hinzu: "und wir sind beide hinter diesem Gesetzlosen her. Reicht das?" Bevor Godric etwas entgegnen konnte, machte er sich wieder auf die Suche. Sie kamen zu der Stelle, an der sie eben noch aufgegeben hatten. Godric lauschte angestrengt. Ob das alles nur Ratten waren? Er wagte sich weiter in die enge Gasse, der Hauptmann folgte ihm. Fast zufällig stolperte er über Robin Hood, der sich dort zu verbergen versuchte. Der Gesetzlose sprang auf, rannte ein paar Schritte, um dann festzustellen, dass er nicht weiterkam. Er steckte in einer Sackgasse. Also drehte er sich um und stellte sich dem Waliser todesmutig entgegen. "Hab ich dich!" rief Godric aus. Der Hauptmann wollte schon mit blank gezogener Klinge vorwärts stürmen. "Überlaßt ihn mir!" hielt Sir Godric ihn zurück, obwohl er, schwankend und angeschlagen, kaum gerade aus zu gehen vermochte. Aber mit einem fast übermenschlichen Willen rang er den Schwindel nieder und trat seinem Gegner mit blankem Dolch entgegen. Robin Hood stand vor etwa 10 Schritte vor ihnen, keine Möglichkeit mehr, dem Kampf auszuweichen oder sich zu verstecken. Jehan blieb gebannt stehen, bereit, Sir Godric zu helfen, falls er ob seiner momentanen Schwäche in Bedrängnis geraten sollte. Eigentlich sollte er Verstärkung holen. Aber er wagte nicht, den Waliser seinem Schicksal zu überlassen, das vielleicht tödlich sein mochte. Schon griff Godric von Valnahar zum zweiten Mal an diesem Tag Robin Hood an. Und schon schwankte der Waliser. Jehan wollte nach vorn, als sich ihm eine Lumpenverhüllte Gestalt in den Weg stellte und ihn aufhielt. Ein Bettler mit einem Schwert! Ein Bettler mit einem Schwert? "Aus dem Weg!" knurrte der Hauptmann. Jetzt erst streifte der Lumpenmann die Kapuze ab. Es war Taran. Jehan blickte seinen Bruder wild an. "Taran!" stieß er hervor. "Lass mich durch, ich muss dem Waliser helfen!" Taran aber wich nicht zur Seite. Da erhob Jehan die Waffe gegen ihn. Taran kannte die Kampfmanier Jehans, schließlich hatte er dem jüngeren Bruder den Schwertkampf gelehrt. Nach ein paar Kraftraubenden Schlägen hielt Jehan inne. "Was soll das? Stellst du dich gegen mich, Taran?" fragte er aufgebracht. Taran war sichtlich überlegen. "Wir stehen nun auf verschiedenen Seiten, Jehan" stellte er traurig fest. "Du stehst auf der falschen Seite!" Der Hauptmann sah wütend zu den Kämpfenden hinüber. Noch war Sir Godric auf den Beinen, aber es war klar, dass er es in seinem Zustand nicht schaffen würde. "Lass mich vorbei!" "Das kann ich nicht" stellte Taran fest. "Das wirst du müssen!" Finster starrten sich die Brüder an, wie zwei Wölfe, die sich die Beute streitig machen. Der Augenblick der Wahrheit. Der Augenblick, in dem Sir Godric von Valnahar Robin mit einem geübten Dolchstreich niederstreckte, bevor er selbst, plötzlich kraftlos, zusammensank. Drüben am Eingang zu der Gasse war Bruder Geraldus aufgetaucht, vom Kampfeslärm angelockt. Mit einem Blick erfasste er die Situation. Er faltete mit einem seufzenden Blick zum abendlichen Himmel die Hände und sagte: "Herr, waren Kain und Abel noch nicht genug?!" Dann rannte er los, mit fliegender Kutte, zu den am Boden liegenden Recken. Jehan und Taran folgte ihm. Sir Godric atmete angestrengt, wohl nur bewusstlos wegen der Gehirnerschütterung, während sich unter Robin Hood eine Blutlache ausbreitete, auch wenn man nicht feststellen konnte, woher das Blut kam. „Ich werde jetzt die Wache holen“ sagte Jehan in herrischem Ton, an seinen Bruder gewandt. „Helft mir lieber, ihn zur Krankenstation zu bringen. Es ist ja nicht weit“, warf Bruder Geraldus ein, der neben dem verletzten Outlaw kniete. Taran sah seinen Bruder hart an: „Robin muss zu Herne!“ sagte er. „Von wegen! Endlich haben wir ihn dingfest gemacht!“ sträubte sich Jehan, und wandte sich zum Gehen. Zögernd blieb er noch einmal stehen und drehte sich um. „Ich gebe dir einen Vorsprung, Taran. Aber nur dir! Du solltest hier schleunigst verschwinden.“ „Sieh zu, dass du verschwindest!“ entgegnete Taran erbost. Er musste nun schnell handeln.

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Robin:

Schon wieder waren ihm der Hauptmann und dieser Sir Godric so nah, das er kaum zu atmen wagte. Aus seinem Versteck heraus sah er, wie sie stehen blieben und lauschten. Mit Entsetzen stellte Robin fest, das sein, vom schnellen Laufen nach Luft ringender Atem, in der Dunkelheit überdeutlich als weißer Nebel zu sehen war. Sie brauchten nur in seine Richtung zu sehen und er war geliefert. Alles hadern nutzte ihm jetzt nichts. Er musste es wagen. Mit einem Satz verließ er die nur anscheinend sichere Dunkelheit und lief die Gasse entlang, um schon nach kurzer Zeit erschrocken festzustellen, das er in einer Sackgasse war. "Vorbei!" schoß es ihm durch den Kopf, aber er würde sein Leben so teuer wie möglich verkaufen, das war ihm klar. Entschlossen drehte er sich um und zog sein Schwert. Sir Godric stand kaum 10 Yard von ihm entfernt, funkelte ihn kampfeslustig an. Nicht weit dahinter stand der Hauptmann, bereit einzugreifen, wenn sich das Blatt zugunsten von Robin wenden sollte. Verbissen stürmte Sir Godric auf ihn zu, bewaffnet nur mit einem Dolch. Doch der Kampf war mühsamer, als Robin dachte. Trotz einer scheinbaren Schwäche kämpfte der junge Mann, als ginge es um sein Leben. Robin hatte in den engen Gassen Mühe mit seinem Schwert zu parieren. Und plötzlich hörte er Tarans Stimme - wie er sich mit dem Hauptmann stritt. "Was tut der noch hier, verdammt?" schoß es Robin durch den Kopf und er wagte einen kurzen Blick in dessen Richtung. Diesen kurzen Moment, den Robin abgelenkt war, nutzte Sir Godric. Mit einem vorgetäuschten Linksausfall, warf er sich plötzlich nach vorne und stieß Robin den Dolch in den Leib. Der Schmerz der plötzlich in ihm explodierte lies ihn aufschreien. Das Schwert glitt ihm aus den Händen und seine Knie gaben nach. Er wollte sich noch mit den Händen abfangen, doch ehe er sich versah, schlug er mit dem Kopf, genau auf die noch nicht alte Wunde, auf und blieb reglos liegen. Das Sir Godric auch zusammengebrochen war bekam er nicht mehr mit....

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Gwen:

Berengar und Ravina liefen nun schon seit vielen Stunden und wollten sich keine Pause gönnen. Sie hatten Glück gehabt, hatten sie doch einen großen Teil des Weges auf einem Fuhrwerk zurücklegen können. Immer wieder warf Berengar dem Mädchen einen verstohlenen Blick zu. Er sah ihr verbissenes Gesicht aber sie lief schweigend, ohne auch nur einmal um eine Rast zu bitten. Der Tag neigte sich bereits dem Ende als er eine Entscheidung traf. „Wir werden die Nacht in der Abtei von Glenfield verbringen, morgen wird es ein Leichtes sein, auf Robin Hood zu stoßen“. Ravina nickte nur stumm. Trotz ihrer Sorge um Gwen war sie froh, die Nacht hinter sicheren Mauern und auf einem warmen Lager zu verbringen.. Der fast volle Mond stand schon hoch am Himmel, als die beiden schließlich ihren Wildpfad verließen und in seinem fahlen Licht die Mauern der Abtei schemenhaft erkennen konnten. Und noch etwas anderes entdeckte Berengar. Ein Wagen steuerte aus Richtung Nottingham auf die Tore der Abtei zu. Fast zeitgleich erreichten sie die Pforte. Der Fahrer des Wagens war bereits abgestiegen und hatte geläutet. Bruder Jacobus sah den späten Besucher verschlafen an. „Bruder Ranulf? Was tut Ihr denn hier?“ Doch noch bevor dieser antworten konnte erkannte Jacobus den Mann, der gerade in den Lichtschein seiner Fackel trat. „Berengar?“ rief er erstaunt aus. Ranulf trat nervös von einem Fuß auf den anderen. „Jacobus, ich bringe jemanden, der dringend die Hilfe eines kräuterkundigen Bruders bedarf. Weckt bitte...“ - „Nein, das ist nicht nötig“ unterbrach Berengar „Ich kümmere mich darum“ und schon warf er die Decke zurück, die Gwen vor neugierigen Blicken hat schützen sollen. „Oh mein Gott, Gwen!“ rief er entsetzt aus, als er das leblose, bleiche Gesicht erkannte. „Ravina! Auf den Wagen! Leg ihren Kopf auf deinen Schoss, halte ihn hoch und rede ihr zu! Schnell!“ Jacobus blickte verwirrt in die Runde. „Wollt Ihr nicht erst....“ begann er, doch ein kurzes „Nein, dafür ist keine Zeit“ von Berengar, ließ ihn auf der Stelle verstummen. „Ranulf, Ihr müsst mir helfen!“ Berengar war inzwischen ebenfalls auf dem Wagen und hatte damit begonnen, Gwens linken Arm zu massieren. „Tut es mir gleich! Ihr Körper ist viel zu kalt und schon ganz starr! Wie lange ist sie in diesem Zustand?“ - „Wir sahen heute im Schloss nach ihr... aber jetzt, jetzt geht es ihr sehr viel schlechter. Bruder Geraldus konnte nichts für sie tun. Habt Ihr denn keine Kräuter, die sie kräftigen?“ – „Nein, es gibt nichts dergleichen. Gwen muss uns helfen...“ Er hörte nicht auf, ihr Leben in die kraftlosen Glieder zu massieren und betete zu allen Göttern und Heiligen. „Ihre Augenlider, Berengar, sie flackern!“ rief Ravina plötzlich auf. „Gut Ravina, gut. Den Oberkörper jetzt höher.“ Nach bangen Augenblicken des Wartens vernahmen sie endlich den lauten, röchelnden Atemzug einer Ertrinkenden.

„Gwen, komm wieder zurück... du kannst mich doch nicht alleine lassen..“ Wie aus der Ferne hörte Gwen die Stimme. Alles war so schwer. Sie fühlte ihre Glieder nicht, konnte die Augen nicht öffnen, nicht sprechen. Nur ein seltsames Grunzen kam aus ihrem Mund. „Was für ein Glück!“ murmelte Berengar andächtig. „Kommt, helfen wir ihr auf die Füße.“ Die beiden Männer stützen sie von rechts und links. Kraftlos hing Gwen zwischen ihren Armen. „Wir müssen sie bewegen, sie muss gehen.“ Vorsichtig führten sie Gwen in den Hof der Abtei, und langsam, ganz vorsichtig, fingen ihre Beine an, kleine Schritte zu tun. „Durst.. müde...“ Nur schwer formten ihre Lippen die Worte. Ravina strahlte wie ein kleines Kind. „Gleich Kleines“ flüsterte Berengar Gwen zu. „Nur noch ein paar Schritte und du kannst dich ausruhen.“ -„...schlafen...“ - „Nein, noch nicht... du hast lange genug geschlafen, jetzt wirst du laufen.“ Gwen wollte protestieren, ihr Körper sträubte sich gegen jede Anstrengung, aber die Männer führten sie ohne Unterlass im Hof der Abtei herum. Bis der Morgen graute. Dann erst halfen sie ihr ins Innere der Abtei und betten sie auf ein weiches Lager. Die drei saßen, Gott dankend, neben Gwen und lauschten ihren zwar noch schwachen, dafür aber regelmäßigen Atemzügen als wäre es die schönste Musik...

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Taran:

Taran sah seinem Bruder wütend und resigniert zugleich hinterher. Jehan schien seine Worte ernst gemeint zu haben. Und dann hatte er wirklich nicht viel Zeit. Er sah zu Bruder Geraldus. Dieser wusste ohne Worte, was Taran fragen wollte, und nickte nur. Er war bereit abermals zu helfen. Sie nahmen den verletzten Robin vorsichtig hoch, und trugen ihn davon. Bevor sich Taran Gedanken machen konnte, wohin sie Robin bringen sollten, flüsterte ihm Bruder Geraldus zu“ ich weiß wo wir ihn verstecken können. Zu uns in die Krankenstation können wir ihn ja nicht bringen.“ Taran atmete erleichtert auf. Er war unendlich dankbar für dessen Hilfe, da er im Moment eigentlich selber nicht mehr weiter wusste. Er konnte keinen klaren Gedanken fassen, der heutige Tag fing an seinen Tribut von ihm zu fordern. Sie schleppten zu zweit den Gesetzlosen durch die engen Gassen, so schnell sie es vermochten. Taran horchte dabei unruhig durch die Nacht. Er erwartete jeden Augenblick das Trampeln der Soldaten zu hören. Doch dann hielt Bruder Geraldus an einer Hütte. Vorsichtig legten sie Robin neben der Hütte auf den Boden. Geraldus klopfte an die hölzerne Tür. Taran blieb derweil bei Robin stehen. Die Hand hatte er bereits am Schwert. Kampflos würde er niemandem Robin überlassen. Soviel war klar. Doch schon kam der Mönch zurück, und bedeutete Taran Robin erneut hochzuheben. Dieser tat wie ihm geheißen, und so schleppten sie Robin in die Hütte. Taran versuchte sich im dämmrigen Licht der Hütte zurechtzufinden. Er konnte einen Mann und eine Frau mittleren Alters erkennen. Bei dem Mann schien es sich um einen Töpfer zu handeln, denn im Innenraum standen überlall tönerne Gefäße unterschiedlichen Ausmaßes herum. Bruder Geraldus hatte den beiden bereits in Kurzform erklärt, was passiert war, und um wen es sich bei dem Verletzten handelte. „Obwohl wir wissen wie gefährlich es für uns sein kann, diesen Gesetzlosen hier bei uns zu verbergen, werden wir Euch helfen,“ sagte der Mann. „Ich bin Andrew der Töpfer,“ sagte er zu Taran gewandt. „Robin Hood hat mir auch einmal geholfen, jetzt kann ich mich dafür revanchieren.“ Seine Frau, blickt ängstlich von einem zum anderen, sagte aber nichts. Der Mönch fing bereits an Robins Wunde zu untersuchen. Sie blutete stark. Als Taran erkannte, wie das Blut aus der Wunde sickerte, fuhr er erschreckt zusammen. Er trat vor die Hütte, und schaute sich den Boden genau an. Und genau wie er vermutet hatte, waren in kleineren Abständen dunkle Flecken am Boden zu erkennen. Das würde die Soldaten direkt hier herführen, dachte er bestürzt. Und dann würden auch noch diese unschuldigen Leute mit in diese Auseinandersetzung hineingezogen. Er eilte wieder in die Hütte zurück, und berichtete den anderen von seiner Entdeckung. Andrew schien eine Mann der Tat zu sein. Er drückte Taran eine Flasche Heidelbeerwein in die Hand. Taran verstand sofort. Im Nu war er vor der Hütte, und schüttete in kleinen Abständen etwas von dem Wein auf den Boden. Er verschwand immer wieder in den Hauseingängen, damit er nicht gesehen wurde. Unterdessen versorgten Bruder Geraldus zusammen mit Andrew notdürftig Robins Wunde.

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Jehan:

Jehan of Beaversbrook hatte den Weg zur Burg nur langsam zurückgelegt. Er wollte Taran die Gelegenheit zur Flucht geben. Als er vor dem Eingangstor ankam, traten ihm schon die beiden Wachen entgegen. Einer der beiden war Alric. „Ihr zwei, kommt mit mir!“ befahl der Hauptmann. Aus den Augenwinkeln sah er Alric grinsen. „Was soll das?“ herrschte er ihn an. „Nichts, Mylord!“ entgegnete Alric schnell, und unterdrückte mühsam das Grinsen. Alric hatte gesehen, wie der Sheriff mit dem Besen den Hauptmann verdroschen hatte. Und daran war er nun bei dessen Anblick erinnert worden. Die einfachen Freuden eines einfachen Soldaten… Die drei Soldaten schritten durch die Nacht. Ein fahler Mond schien über der befestigten Anlage und tauchte die engen Gassen in ein unheimliches Gewirr aus Schatten und Zwielicht. Jehan betrat die Gasse, in der der Kampf zwischen Robin und Sir Godric stattgefunden hatte. Sie war leer. Kein Godric, kein Robin. Nichts! Jehan drehte sich einmal um sich selbst. Hier war es doch gewesen! Oder etwa nicht? Er suchte eilends die anderen Gassen in der näheren Umgebung ab. Aber außer einem fetten grauen Kater, der sich nach der Mahlzeit, die aus einem schleimigen, stinkenden Fisch bestanden hatte, die weißen Pfoten ableckte, war kein Lebewesen unterwegs. „Gottverdammter…..Mo- Cheacht Mallacht!“ fluchte Jehan. Er kickte den Kater wütend mit dem Fuß, der mit einem erschrockenen, jämmerlich quäkenden Miauen, fauchend und knurrend davonrannte. Jehan betrat wieder die Gasse, in der Godric hätte liegen sollen. Aber kein Godric weit und breit. “Herr, was sollen wir hier? Wir sollten auf Wache stehen“ fragte Alric vorsichtig. “Einer von euch geht zurück. Alric, du bleibst hier! Erhöhte Alarmbereitschaft! Robin Hood ist in der Stadt! Sagt das Sir Guy!“ Der Soldat nickte eingeschüchtert. Schon der Name Robin Hood löste bei ihm Herzrasen aus, denn er hatte schon einiges von seinen Kameraden gehört. Eilig lief er zurück zur Burg, während Jehan und Alric die Gasse nach Spuren absuchten. Der Mond gab etwas Licht, und endlich fand der Hauptmann eine Blutspur. Die musste von Robin Hood sein. Aber wo war Sir Godric? Hatte er das Bewusstsein wiedererlangt und war hinter dem Gesetzlosen hergelaufen? Verrückt genug dazu war er, aber Jehan bezweifelte, dass er dies ohne Hilfe fertig gebracht hatte. Bruder Geraldus und Taran mussten an dem Verschwinden schuld sein. Der Hauptmann folgte der Blutspur, die sich durch die ganze Stadt zog. Der Menge nach zu schließen musste Robin Hood längst tot sein, blutleer wie ein Insekt im Netz einer Spinne nach der Mahlzeit. Trotzdem schien er vom Erdboden verschluckt. Ebenso wie Godric. Der Hauptmann sah sich verzweifelt um. Er wollte nicht aufgeben. Irgendwo hier waren zwei Männer verschwunden. Und da er nicht an böse Mächte glaubte, vom Sheriff mal abgesehen, befahl er Alric, bis zum Morgengrauen zu suchen, sollte es nötig sein. Er selbst murmelte noch einmal ein finsteres „Mo- sheacht mallacht!“. Seltsam, dass ihm das jetzt wieder einfiel. Seine Mutter hatte es ihm einst beigebracht. Ein gälischer Fluch. Mit dem er gleich seine Mutter mit verfluchte.

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Godric:

Als Godric wieder zu sich kam war das Dröhnen und Rauschen in seinem Kopf endlich verebbt. Benommen blickte er sich um. ‚Wo bin ich?’, fragte er sich. Hatte er nicht eben noch in einer dunklen Gasse gegen Robin Hood gekämpft? Wie war es ausgegangen? Hatte er ihn besiegt? Der Hauptmann mußte doch noch in der Nähe sein... Er wollte sich aufrichten, doch zu seinem Schrecken stellte er fest, daß er sich kaum rühren konnte. Erst jetzt wurde ihm bewußt, daß seine Arme hinter dem Rücken an einen Balken gefesselt waren, er saß auf einem rauen Holzboden. „Was zum Teufel...“, stieß er leise hervor, als er plötzlich ganz in der Nähe Stimmen vernahm. Angestrengt lauschte er in die Dunkelheit. „ ... doch hierher kommen? Ist das sicher genug?“ „Es hat niemand einen Verdacht. Bewach ihn gut und sieh zu, daß er keinen Aufstand macht. Ich komme später wieder.“ Schritte auf einer knarrenden Treppe waren zu hören, die einen entfernten sich rasch, die anderen kamen schwer und kratzend näher. Ein Schlüssel wurde knirschend im Schloß gedreht. Godric versuchte vergeblich, sich nach der Tür umzudrehen. Er erblickte den Mann erst, als er an ihm vorüber kam und einen prüfenden Blick auf ihn warf. In der Hand hielt er eine Laterne.

„Ach, sieh an.“, sagte er mit derber Stimme, „Habt Ihr gut geschlafen?“ „Wer seid Ihr?“, forderte Godric zu wissen. Der Mann vor ihm war beleibt und kräftig, sein barsches Gesicht ließ auf regelmäßige Abende in der Taverne schließen, und dennoch war der graue Kittel, den er trug, nicht aus dem groben Stoff, den die Bauern und Handwerker trugen. „Könnt Ihr das nicht erraten?“, fragte der Mann. „Ich kenne Euch nicht!“ entgegnete Godric mit fester Stimme. „Aber meinen Herrn kennt Ihr.“, mit einem verstohlenen Grienen stellte der Mann die Laterne auf den Boden. In dem schmalen Lichtkranz erkannte Godric, daß er sich offenbar im Dachgeschoss eines kleinen Hauses befand. Aber wer hatte ihn hierher gebracht? Und vor allem, warum? Er dachte nach und mit einem Mal verzog ein grimmiger Ausdruck sein Gesicht. Hatte nicht Susanna ihn vor dem hinterhältigen Spiel der Herren von Nottingham gewarnt? Allerdings – daß sie so weit gehen würden hatte er nicht erwartet. „Lord David?“, fragte er. „Hat er mich herschaffen lassen?“ Der andere griente nur weiter und erwiderte nichts. Godric versuchte nochmals, den Oberkörper zu bewegen, doch der Grobian hatte ihn festgeschnürt wie einen alten Getreidesack. Auf den verletzten Arm hatte er dabei natürlich keine Rücksicht genommen. Wut schäumte in ihm auf. „Was seid ihr doch für feige Hunde!“, warf er dem Wächter an den Kopf, „Euer Earl ganz zuoberst! Glaubt Ihr, Ihr könnt mich hier festhalten, bis die Frist vorüber ist und ich schweige dann über eure Untat?“ „Aber nein!“, erwiderte der bullige Mann mit unerschütterlicher Ruhe. Er musterte Godric einen Moment, dann sagte er: „In zwei Tagen lassen wir Euch wieder gehen. Allerdings tretet Ihr dann leider ohne Hood vor den Sheriff. Ob Ihr schweigt oder nicht ist einerlei. Ihr wandert sofort ins Verlies und damit ist die Sache erledigt.“ Godric verschlug es den Atem angesichts eines so skrupellosen Vorhabens. „Das gelingt euch niemals!“, brachte er heiser hervor. Giffelnd wandte der Mann sich ab. „Das werden wir ja sehen.“, meinte er. „Ihr solltet lieber noch eine Weile schlafen. Immerhin ist es noch mitten in der Nacht!“ Er zog sich selbst einen Strohballen heran und machte es sich bequem, ohne jedoch den Gefangenen aus den Augen zu lassen. Godric dachte nicht daran, zu schlafen. Verbissen sann er nach einer Fluchtmöglichkeit. Aber solange er gefesselt war gab es keine Chance. Verzweifelt überlegte er, wie es dazu hatte kommen können. Wo war Hood geblieben, und wo war der Hauptmann? Hatte Jehan denn nichts bemerkt? Offenbar nicht, sonst wäre er sicherlich längst hier gewesen. Godric sagte nichts mehr. Resigniert mußte er mit ansehen, wie langsam das fahle Morgenlicht durch die Balken der Dachkammer schimmerte...  

*

Robin:

Nur allmählich kehrte die Erinnerung zurück, vertrieb die Dunkelheit hinter seiner Stirn. Was war passiert? Dieser Sir Godric...er war für einen kurzen Augenblick abgelenkt, diesen hatte er ausgenutzt. Er erinnerte sich, wie er durch den plötzlichen scharfen Schmerz zusammenbrach und dann war nichts mehr. Leise stöhnte Robin auf, denn nicht nur die Erinnerungen kamen langsam wieder, sondern mit ihr auch der hämmernde Schmerz im Kopf und das Brennen im Körper. "Er wird wach!" hörte er eine eindringliche Stimme. Er kannte sie, aber woher? Wer war das? "Robin, komm schon. Wach auf!" hörte er die gleiche Stimme wieder, diesmal ganz nah. Und jetzt erkannte er sie. Taran! Er war dort gewesen. Aber warum? Er sollte längst weg sein. Mühsam öffnete er die Augen, sah im ersten Moment nur verschwommene Schatten, doch schon nach kurzer Zeit wurde daraus ein Gesicht. Tarans Gesicht. "Was...?" versuchte Robin zu reden. "Es ist alles in Ordnung!" unterbrach ihn Taran sanft. "Wir sind erstmal in Sicherheit. Du bist verletzt, aber es ist nicht so schlimm, wie es aussah. Wir müssen hier verschwinden, Robin. Glaubst du, du schaffst das?" eindringlich sah er ihn dabei an. Der Dolch wurde nicht mit allzu viel Kraft geführt und hatte Robin links unterhalb der Rippen getroffen. Aber die Wunde war sicher schmerzhaft und der Blutverlust hatte ihn geschwächt. Seinen Kopf zierte nun wieder ein größerer Verband, da die alte Wunde dort durch den harten Aufprall wieder aufgebrochen war. Mühsam stemmte sich Robin hoch, hielt aber sofort wieder inne und schloß gequält die Augen, als ihn ein Schwindelgefühl erfasste. "Er braucht noch Ruhe!" hörte er wie aus weiter Ferne eine zweite, sanfte Stimme. Ruckartig wollte er sich umdrehen, doch Taran legte beruhigend seine Hand auf Robins Schulter. "Keine Sorge. Das ist Bruder Geraldus. Er hat uns geholfen." Und zu dem Mönch gewandt sprach er: "Wir können nicht hier bleiben. Es kann nicht mehr lange dauern, dann wird halb Nottingham auf der Suche nach uns - vor allem nach ihm sein. Wir können diese Menschen nicht mit hineinziehen. Es wäre ihr Tod und das wisst ihr." "Dann werde ich euch helfen ihn zu stützen!" widersprach der Mönch. "Nein, Bruder Geraldus. Ich bin euch zu großem Dank verpflichtet. Wir sind es." Dabei warf Taran einen kurzen Blick auf Robin, der mühsam und mit schmerzverzerrtem Gesicht, versuchte aufzustehen. "Ihr habt genug für uns getan. Geht zurück zu eurer Krankenstation. Ich würde es mir nie verzeihen, wenn die Soldaten euch etwas zu leide tun würden. - Wir schaffen das schon!" ergänzte er mit einem dankbaren Lächeln in seine Richtung. Dann drehte er sich zu Robin, griff ihm unter die Arme und half ihm Richtung Ausgang. "Euch danke ich auch. Möge Gott euch beschützen!" sagte er im hinausgehen an den Töpfer und seine Frau gewandt. Im nächsten Moment waren sie in der Dunkelheit der Nacht verschwunden. Robin hatte Mühe mit Taran Schritt zu halten. Sein Kopf dröhnte und die Häuser und Gassen verschwammen immer wieder aufs Neue vor seinen Augen. "Warte!" stammelt er und lehnte sich gekrümmt an einer der Hauswände um neue Kräfte zu sammeln und das elendige Schwindelgefühl loszuwerden. "Robin! Wir müssen uns beeilen! Die Soldaten werden bald ganz Nottingham durchkämmen." redete Taran eindringlich auf ihn ein. "Wo...wo ... willst du hin?" stammelte Robin leise. "Ich weiß es noch nicht. Aber wir müssen raus aus den Gassen, weg von den Häusern. Die werden sie zuerst durchsuchen. Jehan hat gesehen, das du verletzt bist. Er wird in dem glauben sein, das du nicht weit kommst. Wir müssen also in die nähe der Mauern. Irgendwo wird es schon ein Dickicht geben, in das wir uns verkriechen können. Komm jetzt Robin. Die Zeit wird knapp. Jehan wird bald zurück sein." Mit diesen Worten griff er ihm wieder unter die Arme und zog ihn mit sich. "Was machst du eigentlich noch hier?" fragte Robin leise, aber der Vorwurf, der in den Worten lag, war nicht zu überhören. "Das fragst du noch?" erwiderte Taran leise lächelnd. "Dir den Hintern retten, was sonst!" Trotz der brisanten Situation und dem schlechten Zustand, in dem er sich befand, musste Robin nun unwillkürlich lächeln. Schweigend setzten sie ihren Weg in Richtung der Stadtmauern fort, immer darauf bedacht unentdeckt zu bleiben, was sich durch den mittlerweile hoch am Himmel stehenden Mond, der die dunklen Gasse Nottinghams in ein fahles Licht tauchte, mehr als schwierig erwies. Immer wieder mussten sie in dunkle Hauseingänge ausweichen, meist um eine Pause einzulegen, die Robin dringend brauchte, oder um den mittlerweile suchend umhereilenden Soldaten auszuweichen. Und die Stadtmauer war noch weit entfernt. Allmählich machte sich Taran ernsthaft Sorgen, ob sie es wirklich schaffen würden. Soldatenrufe klangen immer lauter durch die stille Nacht. Die Suche nach ihnen war in vollem Gange....  

*

Taran:

Taran wusste, dass er mit dem verletzten Robin nicht mehr zu weit gehen konnte. Der hielt sich zwar tapfer, aber es war ihm anzusehen, dass jeder Schritt eine Qual für ihn bedeutete. Er versuchte, während er Robin beim Laufen stützte, in der Dunkelheit geeignete Versteckmöglichkeiten zu finden. Nach einiger Zeit, die ihm selber wie eine Ewigkeit vorkam, sah er abseits eines recht schäbigen Hauses ein Dickicht aus Gestrüpp. Es schien auf den ersten Blick recht dicht zu sein. „Robin, das werde ich mir näher anschauen, sagte er“, „warte hier, ich bin gleich wieder da“. Robin war über diese Pause mehr als dankbar. Er lies sich mit schmerzverzerrtem Gesicht auf einem kleinen Steinwall nieder. Sein Atem ging schwer. Durch die Anstrengung des Laufens hatte die Wunde an seiner linken Seite wieder angefangen zu bluten. Der Schmerz in seinem Kopf hämmerte, dass Robin dachte, ihm würde der Kopf zerspringen.

Unterdessen hatte sich Taran zu dem Haus geschlichen. Die Tür war nur angelehnt. Er öffnete sie vorsichtig, und fluchte dabei leise, da sie beim Öffnen laut knarrte. Als Taran einen Blick in den Innenraum warf, stellte er fest, dass die Hütte mit lauter Gerümpel gefüllt war. Hier hielt sich schon seit geraumer Zeit niemand mehr auf, wie es schien. Das war das Wichtigste. Ohne die Tür wieder zu schließen, drehte er sich wieder um. Dann ging er zu dem Gestrüpp, dass er in der Nähe des Hauses entdeckt hatte. Es handelte sich um ein Brombeergestrüpp, und war sehr dicht. Ideal zum Verstecken, dachte Taran, und versuchte einen Weg in das Innere zu finden, ohne dass er sich dabei zu sehr zerschrammte. Hinein kam er mit Müh und Not, doch als er versuchte das Gestrüpp wieder zu verlassen, verfing er sich mit der Kleidung an den großen Dornen. Ungeduldig versuchte er sich zu befreien, was sich als schwierig herausstellte. Als er sich bemühte sich die Kleidung von den Dornen zu befreien, schnellte eine Ranke hoch, und zerschrammte ihm das Gesicht. Taran verbiss sich einen Aufschrei, und drehte sich um. Rückwärts, durch die Kleidung geschützt, bahnte er sich einen Weg ins Freie. Er löste die letzten Dornenranken und machte einen weiteren Schritt, als er plötzlich den Halt verlor und in einen kleinen, schlammigen Tümpel stürzte. In der Dunkelheit hatte er ihn gar nicht gesehen. Als er sich von seinem Schreck erholt hatte, und das schmutzige Wasser wieder verlassen hatte, stellte er fest, dass dies im Notfall, das perfekte Versteck werden könnte. Wenn alle Stricke reißen sollten, was er nicht hoffte, dann konnten sie dort, im wahrsten Sinne des Wortes, untertauchen solange die Soldaten in der Nähe waren. Er hielt dass aber für unwahrscheinlich, da die Hütte ja nicht bewohnt war. Die Soldaten, so hoffte er, würden lediglich dort nachschauen. Dann ging er zu Robin zurück. Dieser war kaum noch ansprechbar. Taran schüttelte ihn sacht, und Robin schreckte hoch. Dann krochen sie gemeinsam in das enge, dornige Versteck. Hier würde sie so schnell niemand finden dachte Taran. Kein Soldat würde sich freiwillig an den Dornen zerkratzen, dachte er grimmig. Aber es würden lange Stunden des Wartens werden. Die Soldaten würden die Suche bestimmt nicht so schnell aufgeben, und wenn es dann endlich Tag wurde, hatten sie noch immer das Problem, dass sie irgendwie das Stadttor passieren mussten. Taran und Robin versuchten es sich zwischen den dornigen Ranken so bequem wie möglich zu machen, was nicht wirklich gelang. Taran fing noch dazu schnell an zu frieren, da er die nasse Kleidung anhatte. Und Robin versuchte trotz der Schmerzen bei Bewusstsein zu bleiben.

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Sue:

Nach einer unruhigen Nacht, in der Susanna kein Auge zugetan hatte, brach endlich der Morgen an. Schnell schlüpfte die junge Lady in ihr Kleid und nach einem kurzen Frühstück, das sie ganz unstandesgemäß und zur Verwunderung der Dienerschaft in der Küche einnahm, verließ sie Nottingham-Castle, um nach Godric zu suchen, von dem sie seit dem letzten Vormittag nichts mehr gehört oder gesehen hatte. Aber wo um alles in der Welt sollte sie zu suchen anfangen? Nottingham war groß, und er konnte überall nach Robin Hood suchen - falls er überhaupt noch in der Stadt und nicht schon längst in Sherwood Forrest unterwegs war. Resigniert schaute sie sich um. Dieser elende Jahrmarkt war immer noch nicht vorbei, und die Vorbereitungen für den Tag liefen bereits auf Hochtouren. In diesem sich allmählich bildenden Getümmel würde sei niemals fündig. Es war ein aussichtsloses Unterfangen, aber dennoch musste sie versuchen, ihn zu finden. Susanna musste ihm einfach erzählen, was sie da letzte Nacht mit angehört hatte. Innerlich zerriss es sie beinahe vor Spannung. Jeden Soldaten, den sie unterwegs traf, fragte sie nach Godric aber keiner hatte einen Mann gesehen, auf den seine Beschreibung passte. Das konnte doch alles nicht mehr wahr sein. Mühsam kämpfte sie sich durch die herannahenden Händler durch zu dem Alehaus, an das sie sich nur zu gut noch erinnern konnte. Der jungen Lady war nicht ganz wohl bei dem Gedanken, diese Spelunke noch einmal betreten zu müssen, aber sie wusste, dass der junge Edelmann dort selbst bereits eingekehrt war. Das hatte er ihr schließlich selber erst kürzlich erzählt. Susanna hoffte, dort ein paar brauchbare Informationen über Godrics Verbleib zu bekommen.

Endlich am Alehaus angekommen, hielt sie einen Moment lang inne, holte tief Luft und trat würdevoll und mit stolz erhobenem Haupt ein. Den versammelten Herren verschlug es vor Schreck die Sprache. So was hatten sie bisher noch nie erlebt: eine junge Edelfrau betrat ganz allein und ungeniert ein solches Lokal. Wolfred, der Wirt, rieb sich erstaunt die Augen. "Habt Ihr Euch verirrt, Mylady?", fragte er verwirrt. "Nein, ich habe mich nicht verirrt. Ich suche jemanden. Vielleicht könnt Ihr mir ja helfen", erwiderte Susanna höflicher als es einem Mann wie ihm zustand. Sie beschrieb ihm kurz den Gesuchten, aber der Wirt schüttelte nur den Kopf. "Der war gestern nicht bei mir", sagte er nur kurz, und Susanna drehte sich um, um wieder zu gehen. Als die junge Lady das Alehaus wieder verlassen hatte, kratzte ich Wolfred fragend am Kinn. Er überlegte, wo er die junge Frau schon einmal gesehen haben konnte, aber er kam beim besten Willen nicht darauf. Ratlos stand Susanna wieder auf der Straße vor dem Lokal. Wo sollte sie jetzt weiter suchen? Während sie noch tief in Gedanken versunken war, kam plötzlich ein junger Hauptmann des Sheriffs des Weges. Irgendwie kam er ihr bekannt vor und sie zögerte einen Moment, ihn anzusprechen, fasste sich dann jedoch ein Herz und ging schnurstracks auf ihn zu. "Hauptmann, bitte, ich bin auf der Suche nach jemandem", sprach sie ihn an. Der Hauptmann schaute sie an und hielt inne......

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Jehan:

Jehan war so verblüfft, eine solche edle junge Frau hier alleine zu sehen, dass ihm die Worte fehlten. Und eine so hübsche noch obendrein. War das nicht jene, die er schon in Begleitung Sir Godrics gesehen hatte? „Mylady, was tut Ihr hier so alleine? Wer seid Ihr?“ fragte er. Dann fiel ihm ein, dass er schauderhaft aussehen musste: übernächtigt, unrasiert und schmutzig. Er nahm den Helm ab und streifte die Kettenhaube zurück. Fuhr sich kurz mit der Hand durch die braunen Haare, um wenigstens einigermaßen ansehnlich zu sein. Das Mädchen schien sich nicht daran zu stören. „Ich suche Godric von Valnahar. Kennt Ihr ihn?“ fragte sie mit ihrer hellen klaren Stimme.„Und ob! Ich suche ihn ebenfalls. Schon die ganze Nacht hindurch!“ antwortete der Hauptmann. Sie sah ihn hoffnungsfroh an. Ihre Wangen wurden vor Aufregung ganz rot. „Wo war er denn zuletzt? Wo?“ Jehan rieb sich über die Stirn, und dann über die müden Augen. „Er kämpfte mit Robin Hood. Aber er wurde bewusstlos, wegen des Schlages auf den Kopf…“ berichtete er.„Wie bitte? Schlag auf den Kopf? Oh nein…“ Susanna sah plötzlich verzweifelt aus. Jehan wollte ihren Arm fassen, um sie in Richtung Burg zu bugsieren, aber sie entwand sich trotzig dem Griff und stellte sich vor ihn hin. „Ihr werdet jetzt weitersuchen, und ich helfe Euch!“ befahl sie. Der Hauptmann maß sie mit einem mitleidigen Blick. „Mylady, Ihr solltet nicht einmal hier sein! Hat Euer Vater das erlaubt? Dies ist kein Ort für eine junge Lady!“ Aber mit diesen Worten war er bei Sue an die falsche geraten. Leider ahnte er noch nichts davon. „Was fällt Euch ein?“ entgegnete sie erzürnt. „Ich bin Susanna of Leicester, der Earl ist mein Vater!“ „Geht zurück in die Burg und überlasst die Suche den Soldaten“. Jehan wurde langsam ungeduldig. Frauen hatten folgsam und freundlich zu sein. Aber diese hier war, obwohl noch sehr jung, selbstbewusst und von einem Widerspruchsgeist beseelt, der danach schrie, das Hinterteil versohlt zu bekommen. „Das werde ich bestimmt nicht tun!“ entgegnete Sue heftig. Was bildete sich dieser Bursche eigentlich ein? „Entweder Ihr helft mir, oder ich suche eben alleine weiter, verstanden?“ Soso, diese Wildkatze hatte also Krallen. Jehan fragte sich, was Sir Godric von so einer wollte? Erstaunlicherweise gab er nach. Er war müde, wollte eigentlich zu Ciara, und hatte keine Lust, hier zu streiten. „Nun gut, Mylady. Dann bleibt bei mir. Dort drüben sind noch einige Häuser, die wir noch nicht durchsucht haben.“ Er setzte sich den Helm wieder auf und wies ihr den Weg zu den Häusern auf der anderen Seite der Gasse.

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Godric:

Godric hatte während der restlichen Nachtstunden gegen die Müdigkeit angekämpft. Die gefesselten Arme spürte er schon nicht mehr, aber das war vielleicht auch besser so. Das einzige, was ihn noch wach hielt war die unbändige Wut, die ihn erfüllte. Wut auf den Earl, der ihn nicht in Ruhe lassen konnte, der ihn eines ungerechten Zweikampfes beschuldigte, der ihn bei Nacht und Nebel von der Straße hatte wegschnappen lassen. Er trat seine Ehre mit Füßen und lachte noch dabei! Sein Wächter saß gelassen auf dem Strohlager und hatte eisern kein Auge zugetan. Er hob plötzlich den Kopf nach einem Geräusch, erhob sich mit einem Satz und trat auf die Treppe hinaus. Godric vernahm wieder dieselbe zweite Stimme wie in der Nacht. War das wirklich der Earl? Aber wer sollte es sonst sein? Sehr geschickt von ihm, sich nicht selbst zu zeigen. Diesmal verstand er nur einzelne Wortfetzen und kurz darauf wurde die Tür wieder geschlossen und der Wächter kam zurück. „Es ist alles in bester Ordnung.“, teilte er zufrieden mit. „In der ganzen Stadt sind Soldaten unterwegs!“, setzte Godric dagegen, „Sie suchen nach dem Gesetzlosen und früher oder später werden sie auch hier vorbeikommen.“ „Das sind sie bereits.“, entgegnete der andere, und auf Godrics erschreckten Blick fügte er hinzu: „Vorhin in den Morgenstunden kamen zwei Soldaten ans Haus, aber der Diener meines Herrn hat sie gleich weitergeschickt.“ „Ihr lügt doch!“, fuhr Godric ihn an, doch der bullige Kerl schüttelte mit neckischem Bedauern den Kopf. „Keine Lüge. Mein Herr hat es mir soeben erzählt. Die werden kein Haus zweimal durchsuchen.“ Godric machte noch einen ungehaltenen Versuch sich zu bewegen, doch die harten Fesseln schnürten ihm nur die Luft ab. „Hört doch auf damit.“, sagte sein Wächter mit erhabener Ruhe, „Ich müßte Euch sonst noch fester schnüren. Das würde Euch sicher nicht gefallen.“ „Tut, was Ihr nicht lassen könnt.“, presste Godric hervor. Er hatte nicht die Absicht, sich einschüchtern zu lassen, auch wenn es ihn allmählich immer mehr Anstrengung kostete, dem Mann zu trotzen. Der hatte sich wieder auf sein Strohlager niedergelassen und zog einen Dolch aus seinem Gürtel. Godric erkannte voller Empörung seine eigene Waffe. Der Mann wog sie in seiner kräftigen Hand und betrachtete sie eingehend von allen Seiten. „Ein schönes Stück.“, sagte er versunken und wandte sich plötzlich an Godric, „Was meint Ihr, würde es als Ungeschick gelten, wenn Ihr Euch mit Eurem eigenen Dolch verletzt?“ Godric schreckte unwillkürlich zusammen, doch er zwang sich zur Ruhe. „Das wagt Ihr ja doch nicht!“, entgegnete er. „Wenn Ihr das tut werdet Ihr hängen, das verspreche ich Euch!“ Der Mann zuckte ungerührt die Schultern. „Sei’s drum.“, sagte er leichthin.

Sie wurden gleichzeitig von einem kurzen Poltern im Untergeschoss abgelenkt. Der Handlanger des Earls sprang sofort auf und blieb mit dem gezückten Dolch dicht neben Godric stehen. Der junge Mann lauschte ebenso angespannt wie sein barbarischer Wächter. Unten war jemand! Eine lange Stille trat ein, dann plötzlich ganz nah ein Knarren auf der Treppe! Jemand schlich sich heran! Er mußte jetzt genau vor der Tür stehen... Godric wandte den Kopf, doch den Eingang konnte er nicht erkennen. Der stämmige Wächter hockte sich gewandt neben ihn, die Waffe zum Hieb angehoben. Mit leiser Stimme sprach er zu ihm: „Und nun betet, das dies niemand von Euren Gefährten ist, denn ansonsten werdet Ihr Euren Dolch zu spüren bekommen!“ Godric biß die Zähne zusammen. Was ihm in den letzten Stunden widerfahren war konnte schlimmer kaum werden. Gleichmütig wartete er ab, was geschehen würde...

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Robin:

Träge rannen die Stunden dahin und die unbequeme Stellung lies jede einzelne Minute zur Qual werden. Hin und wieder war Robin in einen unruhigen Schlaf gefallen, wachte aber meist sofort, geplagt von Schmerzen, wieder auf. Endlich graute der Morgen, kündigte sich mit Nebel und zwielichtigem Dämmern an. Innerlich atmete Taran erleichtert auf, doch das Problem, wie sie hier raus kamen, war immer noch nicht gelöst. "Es wird langsam hell!" flüsterte er Robin zu, doch dieser schien ihn kaum wahrzunehmen. Seine Augen glänzten fiebrig und er zitterte mittlerweile am ganzen Körper. 'Verdammt. Nicht auch noch das!' dachte Taran im Stillen. Sie mussten dringend hier raus. Robin brauchte Hilfe, aber wie er das bewerkstelligen sollte, war ihm noch nicht klar. "Verschwinde von hier, Taran." hörte er Robin leise und mühsam flüstern. "Es hat...." "Nein!" unterbrach ihn Taran barsch. "Ich werde dich hier nicht zurücklassen. Entweder kommen wir hier beide raus, oder keiner!" 'Dieser verdammt Sturrkopf' dachte Robin, hatte aber nicht die Kraft, sich weiter mit Taran darüber zu streiten. Was würde es bringen, wenn man sie beide fasste? Nichts! Aber das wollte dieser junge Hitzkopf einfach nicht einsehen. Sie hatten ihre Aufgabe erfüllt, hatten Gwen gerettet. Jetzt galt es, sich selber in Sicherheit zu bringen. Er konnte es nicht, aber Taran. Und was machte dieser Dickkopf? Stürzt sich mitten in die Gefahr, anstatt sein Leben zu retten. Innerlich musste Robin lächeln. Erinnerte ihn Taran doch all zu deutlich an sich selber.

"Ich habe eine Idee!" flüsterte Taran leise und unterbrach Robin in seinen Gedanken. "Du bleibst hier. Ich werde versuchen, mich zur Krankenstation durchzuschlagen. Wenn die Mönche einen Wagen auftreiben können, kriegen wir dich mit ihrer Hilfe hier raus." "Taran, das ist zu gefährlich!" versuchte Robin leise zu protestieren. Doch dieser war schon rückwärts davon gekrochen... Resigniert schloss Robin die Augen. Hoffentlich geht das gut....

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Jehan:

Jehan und Susanna of Leicester durchwühlten eine weitere Stunde lang die Gegend an der Stadtmauer. Ställe und Heulager befanden sich hier, insgesamt eine unübersichtliche Gegend und voll von dornigem Gestrüpp. Schweine wurden hier gehalten, und es stank dementsprechend. Allein - außer Schweinen war nichts zu finden. Es war keine reine Freude, in diesem Teil der Stadt zu suchen. Umso mehr war der Hauptmann erstaunt, dass die junge Lady ohne zu zögern selbst die schmutzigsten Hülben absuchte. Jehan of Beaversbrook wollte endgültig aufgeben. Erschöpft setzte er sich auf einen niedrigen Steinwall, nahm den Helm ab und stützte den bleischweren Kopf in die Hände. Er war fertig zum umfallen, wollte nur noch schlafen. Zwei Nächte ohne Schlaf forderten ihren Tribut. "Ist das Eure Auffassung von Pflichterfüllung?" fragte Susanna vorwurfsvoll. Aber Jehan war sogar zu müde, um sich gegen diesen Anwurf zu wehren. Nur das Wissen, dass nur einen Herzschlag weit entfernt Robin Hood in der Brombeerhecke kauerte, hätte ihn jetzt vielleicht noch auf die Beine gebracht. Susanna schüttelte vielsagend den Kopf. Dieser Soldat schien zu nichts mehr zu gebrauchen zu sein. Nun gut, sie brauchte ihn auch nicht. In diesem Moment entdeckte sie etwas: ein kleines Stück Stoff, das an dem Eingang des nächsten Hauses hing. Sie ging hinüber und betrachtete es genauer. Ein Borte, von derselben Farbe und Art wie Sir Godrics Wams… es schien abgerissen zu sein und hatte sich hier an dem splitternden Holz verfangen. Eine plötzliche Unruhe erfasste Susanna of Leicester. Sie raffte ihren Rock hoch und betrat das Haus. Niemand hielt sie auf. Keiner schien dort zu sein. Plötzlich ließen gedämpfte Stimmen sie zusammenfahren. Unwillkürlich schaute sie nach oben, denn Staub rieselte von der Decke. Ein scharrendes Geräusch drang an Susannas Ohren. Irgendetwas war dort oben! Und diese eine Stimme konnte sehr gut die von Sir Godric sein… Sie musste herausfinden was hier los war. Geräuschlos ging sie zu der hölzernen Treppe, die nach oben führte. Ebenso still versuchte sie, gewandt wie ein Einhörnchen, hinaufzukommen. Aber eine der Stufen gab ein deutliches Knarren von sich, und Susanna kam so vor, dass es sich lauter als Kirchenglocken anhören musste. Oben führte eine Tür in einen abgetrennten Raum. Mutig trat die junge Frau ein.

Was sie dort erwartete, verschlug ihr für einen Moment die Sprache: Sir Godric, gefesselt, ein Messer an der Kehle, bereit, zuzustoßen, in der Gewalt eines grobschlächtigen Kerls, der ihr nun überrascht entgegensah. Mit einem jungen Mädchen hatte er nun wirklich nicht gerechnet. Sir Godric wollte etwas sagen, aber der Mann hielt ihm die Spitze des Dolches an die Gurgel, und er hatte Mühe, überhaupt etwas zu erkennen, da er mit dem Rücken zur Tür saß. Einen Moment verharrten die Gesuchten und die Suchende in einer überraschten Starre. Susanna wünschte sich, sie hätte ihr Schwert mitgenommen. Aber selbst dann befanden sie sich in einer Patt-Situation. An sich selbst dachte Sue in diesem Moment nicht. Ein übler Schurke hielt dem Mann, den sie liebte, ein Messer an die Kehle! Sie konnte nicht zulassen, dass ihm etwas geschah! Ihre einzige Chance war die Überraschung, die den bulligen Kerl noch immer stutzen ließ. Susannas Gedanken schienen plötzlich völlig klar und kalt. Sie wusste mit einem Mal, was sie zu tun hatte. Ohne sich anmerken zu lassen, dass sie eigentlich viel lieber losgestürmt wäre, näherte sie sich dem Mann ruhig und mit wiegendem Schritt. Verführerisch legte sie den Kopf zur Seite, und missachtete die Gefahr mit koketter Ignoranz. „Oh, zwei Männer alleine hier oben…“ flötete sie. Ihre Blicke ließen dem Wächter das Blut in den Kopf steigen. „Na, mein Großer, was ist denn? Willst du mich nicht begrüßen?“ fragte sie in aufreizendem Tonfall. Der Kerl ließ das Messer sinken wie ein von der Schlange hypnotisiertes Kaninchen. Godric atmete durch. Wenn er etwas tun konnte, dann nur in diesem Moment. Er presste die Kiefer zusammen, nahm alle Kraft die er noch hatte und trat so fest er nur vermochte gegen den Knöchel seines Peinigers, der mit einem lauten Aufschrei umstürzte und beinahe Susanna mit umgerissen hätte. Ein wütendes gurgelndes Geräusch war noch von ihm zu hören, Sue hatte bereits nach einem Stock gegriffen den sie schon die ganze Zeit im Visier gehabt hatte, stand schon schlagbereit über dem am Boden liegenden Mann und ließ die Waffe auf seinen Kopf niedersausen. Noch ein dumpfes Röcheln, und der Feind war besiegt. Still blieb er liegen. Susanna ließ den Stock fallen und rannte zu Sir Godric. “Godric, mein Lieber, was macht Ihr nur für Sachen?“ Sie kniete neben ihm nieder, streichelte seine bleiche Stirn, und ein mühsames Lächeln huschte über das Gesicht des Adligen. „Ich habe mir solche Sorgen gemacht!“ sagte sie fürsorglich. „Aber erst einmal muss ich Euch losbinden…“

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Gwen:

Der Tag erwachte zu neuem Leben und die Geächteten saßen gemeinsam um das kleine Feuer herum. Bis auf Much, der noch immer darüber lächelte, wie sie gestern Gisburne und seine Soldaten durch den Wald gescheucht haben, starrten sie grübelnd in die Flammen. Bisher hatten sie nichts von Robin oder Taran gehört. „Sie hätten längst hier sein müssen.“ meinte Tuck. Will trat einen neuen Holzscheit ins Feuer und fluchte vor sich hin. „Verdammt... warum hat er diesem verfluchten Normannen geglaubt? Beaversbrook! Ich bring ihn um... ich bring sie beide um!“ Plötzlich sprang er auf. „Ich geh nach Nottingham! Wer ist dabei?“ – „Will! Du kannst nicht so nach Nottingham marschieren. Prinz John ist noch da und...“ weiter kam Little John nicht. „Das ist mir egal!“ Will packte den Riesen am Kragen. „Ich sitze hier nicht länger herum! Kapiert?“ – „Genug damit! Hört auf!“ mischte sich nun Tuck ein und stellte sich zwischen die beiden Streithähne. „John hat Recht. Will, denk nach! Was haltet ihr davon wenn wir uns an der Straße, die von Nottingham nach Glenfield führt, verstecken? In der Nähe von Nottingham. Wir geifern uns den Erstbesten, der die Stadt verlässt. Dann wissen wir, was da vor sich geht...“ Tuck sah sich fragend in der Runde der Gefährten um...

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Sue:

Susanna zog und zerrte an Godrics Fesseln, aber sie waren zu fest - die Knoten ließen sich nicht lösen. Da entdeckte sie den Dolch, mit dem dieser Unhold den jungen Adeligen zuvor in Schach gehalten hatte. Es lag direkt neben dem bewusstlosen Wächter. Sie hob den Dolch auf und zerschnitt damit ganz vorsichtig das Seil, das zur Verschnürung des Walisers diente. Die junge Lady bemühte sich, den Strick nicht ganz kaputt zu schneiden, damit Godric und sie mit ihm noch den am Boden Liegenden dingfest machen konnten. Dieser sah nämlich nicht so aus, als sei mit ihm zu spaßen, wenn er erst wieder aufwachte. Nachdem Godric nun befreit und sein ehemaliger Wächter gut verschnürt war, konnten die jungen Leute endlich durchatmen. "Ich bin so froh, dass es Euch gut geht", sagte Susanna erleichtert während sie den walisischen Edelmann flüchtig umarmte. Sie ließ ihn erst gar nicht zu Wort kommen, denn sie hatten keine Zeit zu verlieren. "Dieser junge Hauptmann des Sheriffs wartet draußen; der kann den Kerl verhaften und zum Schloss schaffen. Aber weshalb ich Euch eigentlich so dringend suchte, von meiner Sorge für Euch mal abgesehen, ist folgendes....." Susanna hielt inne, zog Godric am Arm hinter sich her ins Erdgeschoss des kleinen verlassenen Hauses, um sicher zu gehen, dass niemand lauschen konnte und erzählte ihm alles, was sie in Nottingham-Castle mit angehört hatte. Der junge Waliser sah sie einen Moment lang ungläubig an, bevor ein hämisches Grinsen seine Lippen umspielte. Daraus ließe sich doch bestimmt was machen.....

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Taran:

Nachdem Taran das unbequeme Nachtlager verlassen hatte, schaute er sich vorsichtig um. Weit und breit war niemand zu sehen. Taran, der in seinen nasskalten Kleidern erbärmlich fror, war erleichtert, dass er sich endlich wieder bewegen, und etwas tun konnte. So konnte er die bleierne Müdigkeit, und den nagenden Hunger besser verdrängen. Er versuchte, sich auf die vor ihm liegende Aufgabe zu konzentrieren. Hoffentlich war niemand auf die Idee gekommen, das Krankenlager der Mönche zu überwachen. Zumindest sein Bruder Jehan hatte mitbekommen, dass Bruder Geraldus in der Gasse aufgetaucht war, in der Robin niedergestochen wurde. Man brauchte nicht besonders schlau zu sein, um herauszufinden, wie der verletzte Robin verschwunden war. Er musste nach wie vor auf der Hut sein. Aber seine Tarnung als Bettler war nach dieser Nacht besser als je zuvor. Er war schmutzverkrustet und zerschrammt. Die wenigen Leute; die so früh schon in den Gassen unterwegs waren, machten einen großen Bogen um ihn. Soldaten konnte er keine entdecken, so ging er davon aus, dass die Suche nach Robin abgebrochen war. Das war ihm mehr als recht. Denn so müde und ausgelaugt wie er war, hätte er bei einem Zusammenstoß mit Soldaten schlechte Karten gehabt. Er war noch nicht lange weg, als Hauptmann Jehan, und Susanna of Leicester das alte Haus erreichten, in dessen Nähe Robins Versteck lag. Nach einem längeren Fußmarsch erreichte Taran die Krankenstation der Mönche. Er blieb zunächst im Schatten eines etwas entfernten Gebäudes stehen, und beobachtete das Haus. Er konnte nichts Auffälliges entdecken. Er wollte sich gerade näher schleichen, als Bruder Geraldus aus der Tür trat. Er wollte in den neben liegenden Schuppen gehen. Taran rief ihn leise an, der Mönch drehte sich in seine Richtung. Als er Taran erkannte, lief er ihm entgegen. Taran atmete erleichtert auf. Nach der Reaktion des Mönches zu schließen, war hier mit keinen unliebsamen Überraschungen zu rechen. Als Geraldus ihn erreicht hatte, sagte er nach einer kurzen Begrüßung “Ich weiß, dass wir tief in Eurer Schuld stehen, und Ihr habt uns bisher sehr geholfen, aber Robin geht es sehr schlecht, ich bekomme ihn alleine nicht aus der Stadt. Währt Ihr bereit, Euch ein weiteres Mal in Gefahr zu begeben, und uns zu helfen? Ich weiß, dass ich sehr viel von Euch verlange.“ Der Mönch musterte Taran kurz. Er erkannte, dass Taran abgekämpft und erschöpft war. Lange würde dieser nicht mehr durchhalten. Er überlegte kurz,, und sagte dann „ Ihr seid ein Freund von Bruder Berengar, und ein Freund Robins. In diesen schlechten Zeiten sollten wir alle zusammenhalten. Was kann ich tun?“ Taran fiel fast hörbar ein Stein vom Herzen. Er hatte schon Ritter und Soldaten gesehen, die weniger mutig waren als dieser Mönch, und die einer Gefahr aus dem Wege gingen wo sie konnten. „Bruder Geraldus, ich kann Euch nicht sagen, wie dankbar ich Euch bin, ohne Eure Hilfe säßen wir hier fest.“ Der Mönch unterbrach Taran lächelnd, „sagt mir was Ihr braucht, wie es scheint drängt die Zeit“. Taran nickte seufzend. Dann erklärte er seinen Plan. „ Wir brauchen einen Wagen, der die Stadt verlässt, und auf dem wir uns verstecken können. Ihr fahrt doch des Öfteren zur Abtei nach Glenfield. Der Mönch nickte. Das lässt sich machen, sagte er. Wir beladen einen Wagen dann braucht Robin in seinem Zustand nicht weit laufen.

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Robin:

Als Robin das nächste Mal erwachte, glaubte er, Stimmen zu vernehmen. Sie kamen ihm seltsam bekannt vor, doch konnte er sie einfach nicht zuordnen. Sollte Taran...Nein...das war nicht Tarans Stimme. Schmerzhaft verzog er das Gesicht, als er vorsichtig versuchte, sich einen Blick in die nähere Umgebung zu verschaffen. Erschrocken zog er die Luft ein, als er erkannte, wer da keine 2 Yard von ihm entfernt saß. Den Kopf in die Hände gelegt, schien es, als ob er schlief - Hauptmann Jehan von Beaversbrook. Aufmerksam versuchte er sich umzusehen, ob noch mehr Soldaten in der Nähe waren, als aus dem verlassenen Haus, neben dem Strauch in dem er kauerte, dieser Sir Godric in Begleitung einer jungen Frau heraustrat. Er schien ziemlich mitgenommen und stützte sich auf die junge Lady. Das ist doch...schoß es Robin durch den Kopf. Ja, das ist die junge Frau, die sie vor noch gar nicht allzu langer Zeit im Sherwood aufgegriffen hatten. Was hatte sie mit diesem Kerl zu tun? Schwach erinnerte er sich, daß sie sich bei den Mönchen wieder getroffen hatten. War da nicht auch dieser Lord? Verletzt und bettlägerig? Hatte er ihn niedergeschlagen, oder war es die junge Lady, an deren Namen er sich kaum noch zu erinnern vermochte. Doch ehe er weiter über diese Frage nachdenken konnte, regte sich der junge Hauptmann. Robin zog sich vorsichtshalber ein kleines Stück tiefer in das Gebüsch zurück. Hoffentlich kommt jetzt nicht Taran mit dem Mönch. Diesem Hauptmann traute er alles zu. Auch, das er seinen eigenen Bruder in die Verliese werfen würde. Erschöpft lies er sich wieder auf die feuchte Erde sinken und sofort drang die Kälte wieder durch seine dünne Kleidung und lies ihn erzittern. Schon kurze Zeit später hörte er Pferdegetrappel und das dumpfe Rollen von Rädern auf dem Pflaster. "Robin?" hörte er Tarans Stimme leise rufen. "Komm. Wir müssen uns beeilen." redete er eindringlich auf ihn ein. Vorsichtig, um ihm nicht noch mehr Schmerzen zuzufügen, half er ihm aus dem Gebüsch, sah sich dabei immer wieder sichernd um. "Beeilt euch!" nervös sah Bruder Geraldus in alle Richtungen. Jeden Moment konnten hier Soldaten vorbeikommen und dann war es aus. Auch für ihn. Mühsam versuchte Robin sich auf den Wagen zu ziehen, schaffte es aber kaum, sich selber auf den Beinen zu halten. Als sie endlich ihr neues Versteck unter Bündeln von Kleidung und alten, stinkenden Decken eingenommen hatten, fasste Robin Taran mit einer Kraft, die dieser ihm in diesem Zustand gar nicht mehr zugetraut hatte, am Arm. "Wo ist Albion?" flüstert er mit matter aber eindringlicher Stimme. "Albion?" fragend sah Taran ihn an, während Bruder Geraldus nervös von vorne fragte, ob sie endlich los könnten. "Nein..." stammelte Robin "Albion...Hernes Schwert....ich muss...es darf nicht...." "Wir holen es zurück. Ich versprech es dir." flüsterte Taran leise, während Robins Bewusstsein allmählich schwand und sein Kopf langsam zur Seite kippte. Taran gab dem Mönch ein Zeichen, das er los fahren könnte und verteilte noch schnell ein paar Bündel und Decken über sich und Robin. Er hoffte, dass die Soldaten am Tor nicht allzu eifrig waren und den Mönch ungehindert passieren lassen würden. Es war ihre einzige Chance.

Der Lärm und das Stimmengewirr um sie rum nahm allmählich zu, was bedeutete, daß sie sich dem Stadttor näherten. Unwillkürlich spannte sich Taran, die Faust fest um einen kleinen Dolch gepresst. Falls sie sie entdecken sollten, würde er auf keinem Fall kampflos aufgeben. Vorsichtig warf er einen Blick auf Robin, den er im Halbdunkeln unter den Decken kaum sehen konnte. Doch die, zwar etwas unruhigen, aber ziemlich regelmäßigen leichten Atemzüge verrieten ihm, das er immer noch bewußtlos zu sein schien. Umso besser! dachte er im Stillen bei sich. Angespannt hielt er den Atem an, als der Wagen plötzlich stehen blieb und er die derben Stimmen der Soldaten hörte. Er spürte, wie sein Herz  bis in den Hals schlug und seine Hände leicht zitterten. Wie von selbst formten sich vor seinem inneren Auge die Worte zu einem stillen Gebet. Es schien ihm eine Ewigkeit zu dauern und langsam kroch Panik in ihm hoch, als sich der Wagen endlich in Bewegung setzte. Sie hatten es geschafft. Niemand hatte Verdacht geschöpft. Jetzt mussten sie nur noch den Sherwood erreichen, dann waren sie in Sicherheit. Erleichtert atmete Taran aus und ein leichtes Lächeln legte sich auf seine Lippen. Durch das ständige rumpeln auf den ausgefahrenen Wegen, fingen Taran allmählich alle Knochen an wehzutun. Er wünschte sich nichts sehnlicheres, als sich endlich aus dieser unbequemen Lage erheben zu können, als er die Stimme des Mönches hörte. "Wir sind im Sherwood. Ihr könnt jetzt rauskommen." Mit einem Satz war Taran bei ihm und lächelte ihn dankbar an. "Ich weiß gar nicht, wie ich euch danken soll, Vater. Ihr habt uns das Leben gerettet." "Ist schon gut, mein Sohn" lächelte dieser sanft zurück. "Jetzt müssen wir erstmal seine Gefährten finden. Er braucht jetzt schnell Hilfe." Taran warf einen kurzen, sorgenvollen Blick auf Robin, bevor er sich wieder zu Bruder Geraldus drehte. "Sie werden Uns finden!"....

*

Godric:

Nach der leidigen vergangenen Nacht war es eine Wohltat, wieder ans Tageslicht zu treten. Godric rieb sich abwechselnd die tauben Arme und zog dabei schmerzlich die Stirn in Falten. Robins Schwert hatte ihn offenbar nur hart mit der flachen Seite getroffen. Diese geringe Blessur würde ihn hoffentlich nicht mehr lange behindern. Susanna hatte seinem unsicheren Schritt nicht getraut und ihn gestützt, doch als sie nun das Haus verließen löste er sich aus ihrem Griff und trat auf den Hauptmann zu. Jehan hob träge den Kopf. Vor lauter Müdigkeit brachte er es kaum fertig, Überraschung zu zeigen. „Ich schulde Euch Dank, Hauptmann.“, hob Godric an, „Susanna hat mir erzählt, daß Ihr die ganze Nacht nach mir gesucht habt.“ Jehan erwiderte etwas, das jedoch in einem unverständlichen Gemurmel unterging. Godric fiel ein, daß der Hauptmann bereits in der vorletzten Nacht keinen sehr angenehmen Schlaf gefunden hatte... „Ihr habt jetzt Ruhe nötig, Hauptmann.“, sagte er deshalb. „Ich habe Euer Angebot nicht vergessen. Wenn diese Sache hier getan ist sehen wir uns im ‚Schwarzen Bart’. Dort können wir dann alles Weitere bereden.“ Jehan nickte nur. Godric musterte den mitgenommenen Mann mit einem abschätzenden Blick. “Ihr seid eingeladen.“, fügte er dann hinzu. Seine Worte entlockten dem Übermüdeten ein schwaches Lächeln. In dem Moment bog Alric um die Ecke, erleichtert, seinen Hauptmann endlich gefunden zu haben. Bevor er ihn jedoch nach weiteren Anweisungen ausfragen konnte schickte Godric ihn hinauf in den Dachboden, um den dort festgehaltenen Handlanger des Earls zu verhaften. Er selbst machte sich daran, den Hauptmann zur Unterkunft der Soldaten zu schaffen, nichts ahnend, daß Robin Hood ganz nahe im Gebüsch hockte, sie verbissen beobachtete, und drei Kreuze machte, als sie verschwunden waren, bevor Taran mit dem Wagen zurückkehrte.

Jehan ließ sich sofort auf sein Lager fallen und war kurz darauf weggetreten. Godric wandte sich leise zum gehen, als sein Blick auf ein kleines zusammengelegtes Kleidungsbündel fiel, die Soldatenuniform, derer sich Robin während seiner nächtlichen Flucht entledigt hatte. Die Soldaten mußten es während ihrer Suche entdeckt haben. Es war jedoch nicht das Gewand, das Godrics Aufmerksamkeit erregte. Dahinter an der Wand lehnte ein Schwert – eine beeindruckende Waffe. Robin hatte damit gegen ihn gekämpft. Godric trat langsam näher und griff danach. Ein unbestimmtes Schaudern überkam ihn dabei. Schriftzeichen waren in die Klinge eingelassen; es erinnerte ihn an alte walisische Heldensagen. Dieses Schwert mußte eine uralte mystische Geschichte in sich tragen. Und es mußte Robin Hood alles bedeuten... Ein kurzes Funkeln trat in Godrics Augen. Welch glückliche Fügung! Er sah sich rasch um, ob ihn niemand beobachtete und wickelte dann das Schwert in den Soldatenmantel. Sodann trat er hinaus in den Burghof, wo Susanna auf ihn gewartet hatte. Sie lächelte, froh ihn wieder bei sich zu haben, und wies dann fragend auf das Bündel unter seinem Arm. „Was habt Ihr da?“, erkundigte sie sich. „Ein Lockmittel.“, entgegnete Godric hinterlistig, „Ich brauche Hood nicht mehr zu suchen, er wird zu mir kommen.“ Susanna war sich nicht sicher, was sie von seinen Worten halten sollte. Die ganze Angelegenheit behagte ihr nicht. So war es ihr nur recht, als Godric sich gleich darauf entschloss mit ihr ein Gasthaus aufzusuchen. Sie hatte ein paar Stunden der Erholung sicher nicht weniger nötig als er, und zudem wurde es dringend Zeit, etwas zu essen.

Zur selben Zeit ritt ein Trupp Soldaten in den Sherwood Forest. Angeführt wurde er von Harred aus Lowdham...

*

Jehan:

Es war noch einigermaßen früh, und trotzdem hatte des Königs Bruder seine Gefolgschaft im großen Rittersaal zusammenrufen lassen. Prinz John hielt die Schriftrolle in Händen, die ein Bote ihm kurze Zeit zuvor übergeben hatte. Er sah bekümmert aus, aber Robert de Rainault durchschaute sein gekonntes Schauspiel, sah, wie er im Innern jauchzte. Der Bruder des Königs ließ das Pergament langsam sinken. Aller Augen ruhten auf ihm. Viele waren es an diesem Tag. Die Earls und Barone der gesamten umgebenden Shires waren anwesend, umschmeichelten ihn mehr oder weniger, und er genoß das. Nun warteten sie gespannt auf seine Worte. Prinz John zog den Augenblick künstlich in die Länge, räusperte sich. Holte tief Luft, und räusperte sich nochmals. De Rainault verdrehte die Augen, aber so, dass niemand es mitbekam. "Nun - meine lieben Gefolgsleute" begann Prinz John, dann machte er abermals eine lange Pause. Das Gemurmel im Saal nahm zu. "Ich erhielt eben diese Nachricht. Mein lieber Bruder Richard ist wieder auf den Kreuzzug zurückgekehrt. Er weilt nicht mehr in England". ´Er weilt nicht mehr unter uns, das hättest du viel lieber gesagt´ dachte de Rainault grimmig. "Er beabsichtigt, Akkon einzunehmen" sagte Prinz John eben. "Und da dieser Kreuzzug viel Geld kostet, müssen wir die Steuern erhöhen. Nur so können wir die Christenheit vor der Heimsuchung der Muslimen schützen!" Der Herrscher lehnte sich gemütlich auf dem Thronstuhl zurück. Allein schon das versetzte de Rainault einen Stick. Dies war sein Platz! Seiner!" Und nun wünsche ich zu speisen. De Rainault, lasst auftragen! Und hernach wünsche ich eine angenehme Hinrichtung zu sehen!" Der High-Sheriff lächelte höflich und bemühte sich, zuvorkommend zu wirken. "Sehr wohl, Euer Gnaden." Er klatschte in die Hände, und sofort rannten die Diener herein und deckten die Tafel mit einem reichlichen Morgenschmaus.

De Rainault selbst sah eben, dass Gisburne die Halle betrat. Er schien sehr aufgeregt. Irgendetwas war passiert, das sah der Sheriff seinem Adlatus sofort an. Welch ein miserabler Schauspieler Gisburne doch war. Er konnte ihn leichter durchschauen als ein Weib die Ausrede ihres untreuen Ehemanns. Robert de Rainault ging zu Sir Guy hinüber, und der begann auch gleich loszuplappern. "Mylord, ich habe Albion!" "Albion?" "Robin Hoods Schwert! Wir haben es gefunden, als wir die Stadt durchsuchten!" Gisburne hob stolz den Kopf hoch. De Rainaults Augen begannen kalt zu glänzen. „Und was ist mit Loxley? Habt Ihr den auch? Ach, was frage ich…“ Gisburnes frohgemuter Gesichtsausdruck gefror augenblicklich, und er meinte kurz: „Es kann nicht mehr lange dauern, Mylord. Er muss noch hier in der Stadt sein. Wir durchsuchen bereits jeden Winkel!“„Na dann bin ich ja zuversichtlich, Gisburne“ entgegnete der Sheriff spöttisch. „Bringt mir das Schwert! Damit sich wenigstens das nicht mehr unerklärlicherweise in Luft auflöst!“ Gekränkt sog Gisburne die Luft ein, bevor er sich schnaubend abwandte und den Saal verließ. "Albion." Der Sheriff ließ sich den Namen auf der Zunge zergehen wie eine das zarte Fleisch einer gebratenen Taube. "Albion". Ein hämisches Grinsen spielte um seinen Mund. Dieser Tag versprach besser zu werden als er begonnen hatte.

*

Gwen:

Die Geächteten blickten sich schweigend an. „Gehen wir jetzt zu Robin oder nicht?“ Much blickte die beiden fragend an. „Also gut“ gab Will nach. „Zur Straße nach Nottingham dann!“ Sie löschten das Feuer, nahmen ihre Waffen und machten sich auf den Weg.

Es dauerte nicht lange, bis sie auf die Straße stießen. Diese machte in Richtung Süden eine Biegung, an der sie sich verstecken wollten. Von Nottingham aus war der Weg an dieser Stelle nicht einsehbar. Wie üblich suchte Much sich einen Baum, den er als Ausguck nutzen konnte. Beide Richtungen sollten gut einsehbar sein. Die Männer mussten nicht lange warten, bis sie von Muchs Signalpfeil aus ihren Gedanken gerissen wurden. Sie warteten nervös auf den Jungen und seine Nachrichten. „Ein Wagen. Aus Nottingham. Nur der Fahrer und ein Kerl in Lumpen.“ berichtete er in kurzen Sätzen. „Gut, das wird einfach.“ Will starrte verbissen auf die Straße. „Will, ich bin nicht sicher. Ich konnte nichts Genaues erkennen, aber die Ladefläche... irgendwas war... war... merkwürdig. Sie haben angehalten und scheinen auf jemanden oder irgendetwas zu warten“ - „Hmm... wir gehen hin.“ antwortete Will bestimmt. „John, Tuck: ihr versperrt dann den Weg von vorne. Nasir und ich sichern den Wagen von hinten. Much: du bleibst im Dickicht. Sollte was schief gehen deckst du unseren Rückweg.“

Vorsichtig schlichen sie zum Wagen. Vom Fahrer unbemerkt, traten Will und Nasir hinter ihn und ohne Vorwarnung brachen John und Tuck aus den Büschen und stellten sich drohend mit erhobenen Stöcken vor den Wagen. „Guten Morgen Bruder.“ grüßte Tuck den Mönch. „So früh unterwegs?“ „Lasst uns ziehen.“ erwiderte Geraldus ruhig. „wir haben nichts von Wert bei uns und wir suchen...“ „Nur ein paar Fragen und ihr könnt Eure Reise fortführen...“ unterbrach Tuck ihn. Taran drehte sich um und wollte sich an die Geächteten wenden, als er Will, mit einem Schwert bewaffnet, auf die Ladefläche starren sah. Dieser erblickte entsetzt den blassen Robin und dessen Blutdurchtränktes Wams. Augenblicklich stürzte er sich auf Taran, den er in seiner Verkleidung erkannt hatte. „Du normannischer Mistkerl! Hast dir mit deinem Bruder einen tollen Plan ausgedacht. Robin ist tot und Gwen in Nottingham!“ Gerade noch konnte Taran dem Schwertstreich ausweichen. Er rollte sich zur Seite, sprang auf und als er herumwirbelte verletzte die Klinge seines Dolches, den er ganz automatisch gezogen hatte, den wütenden Will am Oberarm. „Dafür bezahlst du!“ brüllte dieser und sprang hinterher. „Schluss!“ die dröhnende Stimme von Geraldus ließ die beiden Männer einhalten. „Robin ist nicht tot!“ –„Nicht tot?“ ungläubig starrte Will den Mönch an. „Nein. Und es sieht schlimmer aus als es ist! Etwas Ruhe und Wärme, ein paar fiebersenkende Kräuter und er ist wieder auf den Beinen.“ Will hielt sich den blutenden Arm und starrte immer noch wütend auf Taran. Dem war Wills Gehabe egal. ‚...Gwen in Nottingham’ dröhnte es in seinem Kopf. Er ließ Will stehen, mit dem war eh nicht zu reden, und lief hinüber zu Tuck. „Bruder Ranulf hat Gwen aus Nottingham gebracht. Habt ihr denn gar nichts gehört?“ Sorge klang in seiner Stimme mit. War sie tot? Sollten sie etwa doch noch auf Soldaten getroffen sein? Tuck schüttelte den Kopf. „Sie sollten nach Glenfield...“ Taran hörte hinter sich Will schnaufen. „Nichts haben wir gehört! Wir verschwinden von hier.. nach Glenfield.“ – „Will“ versuchte Tuck den vor Wut rot angelaufenen Will zu beruhigen. „Pah, Normanne!“ spuckte er verächtlich aus. „Was geht dich das eigentlich alles an? Hä?“ Taran blieb die Antwort schuldig. „Soldaten!“ vernahmen sie Nasirs Stimme. Sie sprangen auf den Wagen und drangen tiefer in den Wald hinein. Aber Will funkelte Taran immer noch aus bösen Augen an.

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Robin:

Allmählich kam Robin wieder zu sich. Gequält stöhnte er auf, als er spürte wie das heftige Rütteln des Wagens sich schmerzhaft auf seine Wunde übertrug. "Robin?!" sofort kam John, der in unmittelbare Nähe von ihm neben dem Wagen herlief, an. Fragend und etwas unsicher sah Robin ihn an. "John?" hauchte er ungläubig. "Wie....?" Sorgenvoll erwiderte John seinen Blick. "Später Robin. Erstmal müssen wir hier weg." Aufmunternd lächelte er ihn dann an, doch die Sorge die in seinem Gesicht stand, war selbst Robin nicht entgangen. Dass es dabei nicht nur um ihn ging, ahnte er. Aber das Hufgetrappel, welches er plötzlich fast überdeutlich vernahm, bestätigte seinen Verdacht. Soldaten? Taran schien es geschafft zu haben, sie beide aus Nottingham zu bekommen. Waren sie dabei entdeckt worden? Er wußte es nicht...Er konnte sich an gar nichts erinnern. Nur an dieses Dickicht, in dem sie sich die Nacht über versteckt gehalten hatten. Mit aller Kraft versuchte er sich hochzustemmen, um sich einen Überblick zu verschaffen, sank jedoch schon nach kurzer Zeit wieder erschöpft zurück. "Albion!" schoß es ihm wieder durch den Kopf. Wo, bei Herne, war Albion? Er musste es zurückholen.....

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Godric:

Harred hatte sich auf die Botschaft seines Dienstherrn hin auf den Weg in den Sherwood gemacht. Er kannte die Geschichten über Robin Hood nur zu gut; sie gehörten zu jeder geselligen Runde, zu der die Soldaten Lowdhams bei einigen üppigen Humpen Met zusammen kamen. Glücklicherweise zählten sie dabei nicht zu den bedauernswerten Männern des Sheriffs, die auf der Jagd nach dem Gesetzlosen eine Schlappe nach der anderen verwinden mußten. Er war mit zwölf Mann unterwegs und hielt die Augen offen, nach den Outlaws wie auch nach dem noch immer verschollenen Jungen Ivo. Der Trupp war schon einige Zeit unterwegs, als Harred plötzlich die Reiter anhalten ließ. Unweit voraus hatte er einen Wagen entdeckt, um den sich das herrenlose Waldvolk geschart hatte. Er konnte nicht genau ausmachen, was dort vor sich ging, jedoch erkannte er einen von ihnen wieder, den mit der streitsüchtigen Miene, der vor einiger Zeit das Pferd gestohlen hatte, das er für Taran of Beaversbrook hatte übernehmen sollen. Harred zögerte nicht lange. Mit einer lautlosen Geste schickte er sechs der Soldaten zur rechten Seite, um den Gesetzlosen nötigenfalls den Weg abzuschneiden. Er selbst ritt mit den restlichen Männern direkt auf den Wagen zu. Der Fluchtversuch der Bande war aussichtslos. Die Soldaten hatten sie kurz darauf gestellt. „Runter vom Wagen, aber schnell!“, befahl Harred. Seine ungewohnte Rolle begann, ihm zu gefallen. Wütend und kleinlaut kamen die Gesetzlosen seiner Aufforderung nach. Die Soldaten waren deutlich in der Überzahl. Harred stutzte, als er plötzlich Sir Taran selbst erblickte. War dies nicht der Mann, der sich um Hilfe für seinen Herrn bemüht hatte? „Ihr, Sir?“, fragte er nach, „Werdet Ihr von diesem Pack belästigt?“, er warf einen genauen Blick auf das Gefährt. „Und wem gehört der Wagen?“ Mit finsterem Blick musterte er jeden der Gesellen. Allerdings schien keiner von ihnen Robin Hood zu sein. Wo war er? Und hatten diese Spießgesellen auch den Diener Sir Godrics überfallen? Unwirsch fügte er hinzu: „Na los, antwortet!“

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Jehan:

Jehan ließ sich müde auf die einfache Lagerstatt bei den Wachräumen sinken. Der turbulente Jahrmarkt draußen erfreute ihn keineswegs, sondern zerrte an seinen Nerven. Ein kurzer Schlaf nur! Das war alles, was er brauchte. Ein kurzer Schlaf. Danach würde er den anderen Soldaten wieder bei der Suche nach Robin Hood helfen. Er ruhte noch nicht lange, da kam Sir Guy of Gisburne störend durch die Tür und sein zorniger Gesichtsausdruck wurde noch einen Deut wütender. Ein Hauptmann, der die Dreistigkeit besaß, mitten am Tag faul im Bett zu liegen! Das schlug dem Fass die Krone ins Gesicht! Unwirsch trat er nach dem hölzernen Gestell und zerbrach dabei eines der stützenden Bretter. Polternd brach das ganze zusammen, Jehan wurde unsanft aus tiefem Schlummer in die raue Wirklichkeit gerissen. Verwirrt schaute er um sich. "Hauptmann, hoch mit Euch! Was fällt Euch ein, um diese Zeit im Bett zu liegen? So also verdient Ihr Euren Sold? Sagt mir nur eins: Wo ist Albion?“

Jehan verstand kein Wort von dem, was Gisburne schrie. Und eigentlich wollte er schlafen… . Der arme Hauptmann wusste nicht, wie ihm geschah, als Sir Guy ihn ungeduldig am Kragen packte und in die Senkrechte brachte. „Das Schwert, Mann! Wo ist Robin Hoods Schwert?!“ brüllte Gisburne außer sich. Im Türrahmen erschien ein sich vorsichtig duckender Soldat und meldete sehr bedacht: „Sir Guy, ich weiß nicht, wie ich es sagen soll…, aber das Schwert ist… verschwunden…“ Gisburne stieß Jehan rücksichtslos weg und wandte sich dem Soldaten zu. „Was war das eben?“ „Es ist verschwunden, Mylord. Eben lag es noch bei den anderen Sachen, die wir fanden… aber nun ist es fort. Das kann nur dieser Herne gewesen sein, dieser Waldgott, der zaubern…“ Der Schrei, den Sir Guy nun ausstieß, war in der ganzen Burg zu hören. Er lag von der Lautstärke und der Tonlage her etwa zwischen echter Verzweiflung und unbändiger Wut und machte jedem Insassen des Folterkellers Konkurrenz, und erinnerte Jehan entfernt an die Trompeten von Jericho. Der Soldat nahm die Beine in die Hand und rannte davon. Keiner, der es vermeiden konnte, würde dem blonden Haushofmeister in der nächsten Stunde freiwillig unter die Augen treten. Leider gab es bedauernswerte Menschen, die genau dies tun mussten. Jehan of Beaversbrook war einer von ihnen. An Schlaf war nicht mehr zu denken. Alles, was Beine und Augen hatte, musste sich auf die Suche machen.

*

Taran:

Taran schaltete schnell. Er sah den Sprecher der Soldaten an. „Es ist gut, dass Ihr gekommen seid. Der Wagen gehört mir. Dieser Mönch hier und ich wurden aufgehalten von diesem Gesindel“. Er machte einige Schritte in Richtung des Wagens, und versuchte mit seinem Körper die Ladefläche zu verdecken. Den Dolch hatte er noch in der Hand. „Dank Eurer Hilfe, können wir nun weiter.“ Noch bevor Harred etwas sagen konnte, bedeutete er Geraldus und Tuck auf den Wagen zu steigen. Diese kamen seiner Aufforderung direkt nach. Nun reagierte der Soldat. “Halt, nicht so schnell, ich möchte zunächst sehen, was da auf dem Wagen ist“, sagte er in Befehlston. Er kam näher an den Wagen herangeritten, Er war mit seinem Pferd nun fast bei Taran angelangt. Jeden Moment musste er den verletzten Robin auf der Ladefläche sehen. Mit einem Satz war Taran bei Harreds Pferd. Mit dem Dolch schnitt er den Sattelgurt durch, und schrie den Mönchen gleichzeitig zu, dass sie fahren sollten. Der Wagen setzte sich polternd in Bewegung. Die Soldaten versuchten den Wagen anzuhalten, und auch in die Gesetzlosen kam Bewegung. Harred, versuchte zu reagieren, aber durch die Bewegung seines Pferdes kam sein Sattel ins Rutschen, und er stürzte von seinem Reittier, fast direkt vor Taran. Dieser war im gleichen Augenblick bei ihm, und hielt ihm den Dolch an die Kehle. „Ruft Eure Soldaten zurück“, sagte Taran eisig, „oder es wird Euer Ende sein“. Harred sah ein, dass es im Moment schlecht für ihn aussah, und rief seinen Leuten zu, den Kampf einzustellen. Sein Leben wollte er hier nicht aufs Spiel setzen. Das war die Sache nun doch nicht wert. „Sagt Euren Männern, dass sie hier verschwinden sollen. Die Waffen sollen sie hier auf den Boden legen,“ befahl Taran. „Ihr werdet uns begleiten, bis wir sicher sein können, dass sie weg sind, und uns in Ruhe lassen. Um seiner Forderung Nachdruck zu verleihen, drückte der den Dolch fester an Harreds Hals. Dieser tat wie ihm geheißen, er hatte ja auch keine Wahl. Innerlich kochte er vor Wut. Das würde ihm dieser Kerl büßen, das schwor er sich. Doch nach außen war er ganz ruhig. Will und Nasir sammelten die Waffen der Soldaten ein, dann zog sich die Gruppe zusammen mit Harred als Geisel langsam in den Wald.

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Godric:

Nachdem er freigelassen war kehrte Harred wütend zu den anderen Soldaten zurück. So schnell würde er sich nicht geschlagen geben, jedoch hatten die Gesetzlosen nun ihre Waffen, und es wäre sinnlos, ihnen weiter zu folgen. Mürrisch ordnete er die Rückkehr zur Burg an. Sein Herr würde sicher kein Verständnis für diesen Mißerfolg haben, noch dazu wenn er erfuhr, wer hier eben sein Gegner gewesen war. Er ärgerte sich über seine Unachtsamkeit. Bei wie vielen Gelagen hatten sie sich über das Ungeschick der Männer des Sheriffs das Maul zerrissen, und nun waren sie selbst hereingefallen. Als unweit vor ihnen ein junger Bursche mit seinem Pferd am Zügel ihren Weg kreuzte kam ihm das nur recht. Zwar waren sie unbewaffnet, aber diesen Knaben konnte er noch allemal mit ein paar harten Worten einschüchtern. „He du! Was treibst du dich hier herum?“, rief er ihn an. Der Junge schrak zusammen. Er war ganz in Gedanken gewesen und hatte die Soldaten nicht kommen hören. Als er jedoch genauer hinsah erkannte er, daß die Männer nicht aus Nottingham kamen, sondern aus Lowdham, das auch sein Ziel war. Mit dieser Erkenntnis kam er nun unerschrocken näher. „Harred, nicht wahr?“, hob er an, „Ich bin auf der Rückreise von Wales zur Burg ...“, weiter kam er nicht, denn Harred fiel ihm barsch ins Wort. „Du bist Ivo, richtig? Ist dir klar, daß dein Herr dich bereits seit einer Woche zurückerwartet? Wie erklärst du deine Verspätung?“ Ivo war überrumpelt. Das hatte er nicht erwartet. „Nun, ich...“, stammelte er, aber diesem Soldaten konnte er viel erzählen, der hatte von seinem Anliegen keine Ahnung. Er fasste sich also und entgegnete: „Ich habe den nördlichen Weg genommen, Sir. Durch das Unwetter vor einigen Tagen wurde ich aufgehalten. Hätte ich gewußt, daß der Weg mich nicht schneller nach Lowdham bringt, dann hätte ich die südliche Route genommen.“ Harred sah ihn scharf an. „Wie auch immer“, brummte er, „Das kannst du deinem Herrn erzählen. Aber vorerst- “, er pausierte kurz, „Vorerst wirst du dich an Robin Hood und seine Bande heranschleichen und auskundschaften, wohin sie ziehen. Hast du das verstanden?“ Der Junge nickte eilig. Harred hatte keine Ahnung, daß er ihm mit dieser Anweisung sogar einen Gefallen getan hatte. „Dein Pferd nehme ich unterdessen in Gewahrsam.“, fügte Harred hinzu, und während Ivo, noch immer etwas verblüfft über die plötzliche Begegnung, im Dickicht verschwand, schwang sich Harred auf dessen Reittier, um nicht länger auf dem zerschnittenen Sattel die Balance halten zu müssen. Überzeugt, das richtige getan zu haben führte er die Soldaten zurück nach Lowdham.

Unterdessen saßen Godric und Susanna im Gasthaus und ließen sich die ausgiebige Mittagsmahlzeit schmecken. Endlich hatten sie wieder Gelegenheit, ein paar ungezwungene Worte zu wechseln.

Godric blieben noch zwei Tage Zeit, um seine Aufgabe zu erfüllen. Er war jedoch zuversichtlich. Das sorgsam verpackte Schwert hatte er dicht bei sich. Dass bereits in ganz Nottingham danach gesucht wurde, davon ahnte er nichts...

*

Sue:

Der Earl of Huntingdon staunte nicht schlecht, als er mit ansehen musste wie ein Soldat mit dem Mann, den er mit der Bewachung Godrics betraut hatte, auf dem Weg zu den Verliesen war. Das konnte sich doch wohl nur um einen üblen Scherz handeln. Wutentbrannt stellte er sich Alric in den Weg. "Was soll das?", forderte er zu wissen. "Wo schleppt Ihr diesen Mann hin?" "Der Kerl ist verhaftet", entgegnete der Soldat nur knapp. "Auf wessen Anweisung?", erkundigte sich der Earl lautstark. "Auf Anweisung des Edelmannes, den er entführt und gefangen gehalten hat", antwortete Alric ordnungsgemäß und setzte seinen Weg Richtung Kerker mit seinem Gefangenen fort. Lord David konnte es nicht fassen. Wie hatte es dieser verfluchte Waliser schon wieder hingekriegt, seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen? Er würde es schon herausfinden, dessen war er sich ganz sicher. Der Soldat wollte seinen Fang dem Sheriff vorführen; dieser winkte jedoch nur ab und bedeutete ihm, den Kerl erst einmal im Kerker unterzubringen. Der Sheriff hatte momentan weiß Gott andere Sorgen, als sich mit so einem dahergelaufenen Schurken zu befassen. Alric tat wie ihm aufgetragen wurde und verbrachte den Mann erst einmal hinter verschlossene Türen. Einen Moment später erschien der Earl of Huntingdon bei de Rainault und verlangte den Verhafteten zu sehen. Mit einem gleichgültigen "Tut was Ihr nicht lassen könnt, Ihr kennt ja den Weg" gewährte er Lord David den Zutritt zu den Verliesen. Einer der dort wachhabenden Soldaten führte ihn zu dem Gefangenen und ließ die beiden Männer allein. "Was hat das zu bedeuten?", polterte der Earl los. "Ich dachte, dieser Lump sei gut verschnürt und versteckt gewesen.....!" "Mylord.....", setzte sein Handlanger an, sich zu verteidigen. "Ich bin überrumpelt worden. Dieses verfluchte Weibstück hat mich....." "Weibstück?", fragte Huntingdon spöttisch. "Ein Mann wie Ihr lässt sich von einer Frau überwältigen?" Das ging über seinen Verstand. "Diese kleine Hexe hat erst versucht, mich zu verführen, um mir dann einen Stock über den Schädel zu hauen. Die steckt mit diesem Waliser....." An dieser Stelle wurde der grobschlächtige Bursche von dem Earl unterbrochen: "Sagt mir.....diese Frau.....könnt Ihr sie beschreiben?" Dem Adeligen kam gerade ein bestimmter Verdacht. Der Gefangene beschrieb sie kurz und Lord Davids miese Laune verschlechterte ich noch weiter. "Leicester.....!", stieß er gepresst hervor und rauschte ab, um den Earl of Leicester aufzusuchen.....

*

Jehan:

Hauptmann Jehan hatte es sich herausgenommen, kurz ins Badehaus zu gehen, um sich wenigstens zu rasieren und, wenn schon nicht ausgeschlafen, so doch wenigstens sauber auszusehen. Außerdem plagte ihn ein fürchterlicher Hunger, und so beschloss er, das Gasthaus zu „durchsuchen“. Wenn er dabei auf essbares stieß, umso besser. Bei Ciara wollte er sich nicht sehen lassen, er hatte nicht die geringste Lust, lange zu erklären, warum er nicht schon eher hatte zu ihr kommen können. Also betrat er das Gasthaus mit noch einem anderen Soldaten, entdeckte Sir Godric und Lady Susanna an einem der Tische. Er schickte den Soldaten in die Nebenräume, denn er wollte kurz mit ihnen sprechen. Jehan trat an den Tisch der jungen Adligen, die sich sehr angeregt unterhielten und ihn zuförderst gar nicht bemerkten. Liebe macht bekanntlich blind, und erst als der Hauptmann sie ansprach, bekam er die Aufmerkmerksamkeit des jungen Paares. „Mylady, Sir Godric“, hob Jehan an “schön zu sehen, dass ihr Euch so schnell erholt habt.“ Sein Blick haftete dabei hungrig auf dem Braten. Das Wasser lief ihm bei dem Anblick im Munde zusammen und er hatte Mühe, sich zurückzuhalten. „Hauptmann, ich dachte, Ihr wolltet Euch noch eine Weile dem Schlaf hingeben? Immerhin wart Ihr schon länger im Dienst, oder nicht?“ fragte Sir Godric überrascht. „Leider blieb mir das verwehrt. Ein Schwert wurde gestohlen und nun müssen wir es suchen“ berichtete Jehan. „Ihr habt nicht zufällig eines bei Euch?“

Eigentlich hatte er diese Frage nicht im Ernst gestellt, aber Sir Godrics Blick ging so unwillkürlich und heftig zu seinen Sachen, die unweit von ihm auf einem Stuhl lagen, dass er diesem ebenfalls aus einem Impuls heraus, folgte. An der Lehne baumelte ein Schwert in einem braunen Scabbart. Aber Sir Godric hatte seines an der Seite. Jehan brauchte einen Moment, um zu erfassen, was dies bedeutete. Auf seiner Stirn bildete sich eine steile Falte. „Was ist das dort für ein Schwert?“ fragte er.

*

Sue:

Susanna war froh, dass die Suche nach Godric endlich ein Ende hatte und dass ihm nichts Ernsthaftes passiert war. Die Kratzer, die er abbekommen hatte, würden sicherlich sehr schnell wieder verheilt sein. Was ihr viel mehr Sorgen bereitete war das "Lockmittel" für Robin Hood, das er beim Verlassen der Burg - nachdem er den jungen Hauptmann in dessen Bett verfrachtet hatte - mit sich trug. Das roch geradezu nach Ärger. Aber um ihm nach den Strapazen der vorherigen Nacht nicht noch mehr Unmut zu bereiten, zog sie es vor zu schweigen anstatt ihn, wie es sonst ihre Art war, direkt auf seine weiteren Pläne anzusprechen. Sie war müde und hungrig und wollte wenigstens für einen kurzen Moment diese leidige Geschichte vergessen. Bereitwillig ließ sie sich daher auch von dem jungen Waliser in ein Gasthaus führen. Einige Augenblicke der Normalität genießen zu können, war alles, was sich die junge Lady jetzt wünschte. Und es gelang Susanna tatsächlich, für eine kurze Dauer die Unannehmlichkeiten, in denen Godric steckte, beiseite zu schieben. Sie freute sich einfach nur, den Mann, den sie liebte, endlich wieder ganz für sich zu haben - kein Mensch weit und breit, der sie während des Mittagsmahles störte. Das dachte sie zumindest bis derselbe Hauptmann, den Godric kurz zuvor noch ins Schloss von Nottingham begleitet hatte, plötzlich an ihrem Tisch stand und die jungen Leute jäh aus ihrer fröhlichen Unterhaltung riss. Jehan of Beaversbrook war auf der Suche nach einem gestohlenen Schwert; und wie es aussah, war er gerade fündig geworden. Sprachlos wanderte Susannas Blick zwischen Godric und dem Hauptmann hin und her. "Das wäre ja auch zu schön gewesen.....", dachte sie sich. Den Tränen nahe wartete sie darauf, was jetzt wohl als nächstes passieren mochte. Die beiden Männer schauten sich eine ganze Weile nur schweigend an. Jeder wartete darauf, was der andere wohl als erstes tun würde. Die junge Lady hoffte nur, dass Godric nicht so leichtsinnig sein würde und sich auf einen Kampf mit dem Soldaten einließ. Flehend haftete ihr Blick auf ihm.....

*

Gwen:

Bruce de Briac war bis in die Grundfesten erschüttert. Er war es einfach nicht gewohnt, dass die Dinge nicht so liefen, wie er es für richtig befand. In Nottingham herrschte das Chaos. Die Untertanen seines Shires hingegen wagten nie auch nur den Anflug von Ungehorsamkeit. Bisher lief dort alles recht ruhig für ihn, bis, ja bis Lady Gwen of Hawkney wieder auftauchte. Wegen ihr saß ihm nun des Königs Bruder im Nacken, mit dem Sheriff von Nottingham hatte er sich überworfen und nun war sie ihm, quasi vor den Augen derer, die hier die Macht in den Händen hielten, entrissen worden. Sie war weg, bei Gesetzlosen, wenn nicht sogar tot. Zorn stieg in ihm hoch. Er musste anfangen aufzuräumen und als erstes würde er mit Prinz John reden müssen.„Bruce de Briac wünscht Euch zu sprechen, Mylord.“ flüsterte der Hofmarschall dem Prinzen zu. „Er soll eintreten!“„Mylord“ begann de Briac „nun, da die Lady of Hawkney wenn nicht tot, denn jedenfalls als Gesetzlose lebt, ein Umstand, der mit dem ersteren ja durchaus vergleichbar wäre, steht ihr Landbesitz unter des Königs Protektorat. Wie wünscht Ihr damit jetzt zu verfahren?“ Prinz John gähnte ihn nur gelangweilt an. „Schon wieder ein Gut... Wir schenken es Euch. Seht nur zu, dass die Steuern aus Gapdale pünktlich und unversehrt in London eintreffen. Jetzt, wo mein geliebter Bruder wieder im Heiligen Land gegen Gotteslästerer kämpfen wird, brauchen wir jeden Taler. Ihr seid entlassen... für heute.“ De Briac atmete auf und verbeugte sich. „Sehr wohl mein Prinz, ich danke Euch.“ Wenigstens hier hatte er erreicht was er wollte. Dazu noch einfacher als er zu hoffen gewagt hatte. Als nächstes suchte er ein Gespräch mit Nottinghams Sheriff. Einer von de Rainaults Dienern führte Bruce de Briac zu den privaten Gemächern des Sheriffs und wies ihn an, vor der Tür zu warten. Wenig später öffnete sich diese von innen und eben jener Diener bat ihn hinein und verschwand dann schweigend.„Bruce... Ihr wünschtet mich zu sprechen?“ De Rainault schien trotz aller Probleme einen entspannten Eindruck zu machen und bedeutete seinem Amtskollegen sich zu setzen. „Wein?“ De Briac nahm dankend an und begann zu sprechen.„Ich biete Euch meine Hilfe an, Robert.“„Hilfe? Wobei?“ „Bei der Jagd nach den Gesetzlosen, nach Robin Hood und seiner Bande. Verzeiht mir, wenn ich offen rede. Es erscheint mir, als wären Sir Guy und Jehan diesem Pack nicht gewachsen. Ihr erinnert Euch, dass ich und meine Männer es waren, die das Schlimmste beim Überfall auf Eure Steuergelder verhindern konnten...“ De Rainaults Gesicht verfinsterte sich. Musste dieser aufgeblasene Kerl ihn jetzt daran erinnern? „Hood ist nicht Euer Problem, Bruce.“ presste er hervor und nahm noch einen Schluck des starken Weines. „Woher also dieses plötzliche Interesse?“ De Briac zögerte einen Moment. De Rainault war kein dummer Mann und er brauchte seine Hilfe. „Gwen of Hawkney“ gab er deshalb offen zu. „Ich will sie... brauche sie... so sie noch am Leben sein sollte.“ De Rainault lachte auf. „Warum nur dieses Interesse an Gwen? Sie ist nichts... ja, es war ganz amüsant sie hier zu haben... aber sie ist eine gepflückte Blume die bereits beginnt zu welken. Ihr findet Besseres.“ De Briac verstand die Anspielung und überging sie geflissentlich. „Ich will sie, und Ihr wisst warum. - Außerdem würde eine Verbindung mir und dem Hause Hawkney den Frieden in Gapdale sichern. Ihre Familie war sehr angesehen in meinem Shire.“ ‚In der Tat de Briac... Ihr seid schlau’ dachte sich Robert de Rainault. „Und Ihr glaubt tatsächlich, sie stimmt Euren Plänen so einfach zu?“ fragte er laut.„Sie muss, sonst verliert sie ihr geliebtes Gut. Und das weiß sie.“ Robert de Rainault dachte für einen Moment nach. „Nun denn, wir denken darüber nach, sobald uns Prinz John verlassen hat. Nehmt Ihr noch etwas Wein, mein guter Bruce?“

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Godric:

Godric dachte eilig nach, wie er reagieren sollte. Dem Hauptmann war der Wert des Schwertes offenbar bewußt; um eine gewöhnliche Waffe zu suchen hätte er sich sicher nicht die Mühe gegeben. Er bemerkte Susannas eindringlichen Blick, der ihm gebot, sich nicht wieder zu einer Leichtfertigkeit hinreißen zu lassen. Mit einer raschen Bewegung griff er die Waffe und verbarg sie außer Reichweite des Soldaten unter dem Tisch. „Das Schwert brauche ich noch, Hauptmann.“, sagte er fest entschlossen und fügte kühn hinzu: „Ihr könnt es bekommen, wenn ich damit fertig bin.“ Er konnte förmlich zusehen, wie dem übermüdeten Soldaten die Ungeduld ins Gesicht stieg. Jehan wollte den leidigen Auftrag seines zeternden Vorgesetzten so schnell wie möglich hinter sich bringen, um endlich Ruhe zu finden. „Macht keinen Aufstand!“, zischte er, „Gebt mir das Schwert, und niemand wird erfahren, daß Ihr es gestohlen habt!“ Godric richtete sich auf. „Gestohlen?“, fragte er nachdrücklich erstaunt. Der Wirt hinter dem Schanktisch äugte neugierig zu ihnen herüber.„Ihr habt es aus dem Quartier der Soldaten gestohlen!“, fügte Jehan hinzu. „Ich habe Euch nichts gestohlen, Hauptmann.“, erwiderte Godric. Er hatte die Stimme gesenkt, obwohl das Gasthaus kaum besucht war, „Das Schwert gehört Euch ebenso wenig, was soll das also?“ Susanna begann indes jegliche Hoffnung aufzugeben, daß hier kein Streit ausbrechen würde. „Die Waffe ist nur Mittel zum Zweck.“, fuhr Godric fort, doch Jehans Miene blieb stur und gereizt. „Ihr könnt Euch wohl nicht entscheiden, ob Ihr trinken oder lieber kämpfen wollt, wie?“, setzte Godric hinzu und sah den Hauptmann abwartend an. „Nun?“

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Jehan:

„Ich habe einen Auftrag. Und der lautet, dieses dumme Schwert zu finden“ antwortete Jehan eisig. ´Obwohl eine ordentliche Mahlzeit und ein Wein auch nicht schlecht wäre´ fügte er in Gedanken sehnsüchtig hinzu. Aber sein Pflichtgefühl war größer als sein Hunger. Auch wenn es eine lästige Pflicht war und er sich deswegen mit Sir Godric anlegen musste, was er eigentlich nicht wollte. „Das Schwert wurde von den Soldaten gefunden. Also gehört es den Herren von Nottingham! Ich fordere Euch hiermit auf, mir Albion auszuhändigen. Dann sehe ich davon ab, Euch zu verhaften, wie ich es eigentlich tun müsste“ befahl er mit Nachdruck, und er legte alle Kraft in seine Stimme. Fordernd blickte er den Waliser an. „Her damit, bevor ich Euch doch noch verhafte! Ihr habt die Wahl!“

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Sue:

Susanna beguckte sich die ganze Szene und langsam stieg Wut in ihr auf. Das träumte sie doch wohl alles. Jetzt wollte sich dieser leichtsinnige Waliser schon wieder mit jemandem anlegen. Das alles würde mit Sicherheit noch ein böses Ende nehmen. Um Godric zu schützen, reagierte die junge Lady in diesem Moment ganz spontan. Ohne zu überlegen griff sie unter den Tisch, riss dem jungen Adeligen das Schwert aus der Hand und rannte zur großen Verwunderung aller aus dem Gasthof. Damit hatten die beiden Männer nicht gerechnet. Mit offenem Mund schauten sie ihr nach

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Jehan:

Der Hauptmann reagierte zuerst. Susanna of Leicester musste das Schwert haben! Ihr nach! schoss es ihm durch den Kopf, und schon rannte er los, hinter der jungen Lady her. Sah draußen in alle Richtungen, erhaschte tatsächlich noch einen letzten Blick auf ihre roten Haare in der Menge. Wütend stürzte er durch die Menschen, und die ihm im Weg standen, bekamen einen üblen Stoß oder Tritt, trotzdem schien es ihm als ob er gar nicht von der Stelle käme. Hinter ihm hörte Sir Godric einen walisischen Fluch hinter ihm her rufen. Er verstand zwar kein Wort, aber es konnte bestimmt nichts nettes sein. Endlich kam er zu der Stelle, an der er Sue zuletzt gesehen hatte. Dort vorne war sie! Auf der Straße, die hinauf zur Burg führte. Dort, wo die Marktstände aufgebaut waren. Mühsam kämpfte sich Jehan weiter durch die Menschen. Da sie ihm keinen Platz machen wollten, zog er sein Schwert und ließ es dem Mann vor ihm mit der Breitseite auf den Rücken klatschen. Und schon teilten sich die anderen Bürger freiwillig den Weg vor ihm, als sie das sahen. Sue sah sich hektisch um. Wo sollte sie jetzt nur hin? Der Hauptmann kam näher, und sie konnte nicht weiter, da eine Menschentraube ihr den Weg versperrte, die gebannt den Gauklern bei ihren Kunststücken zusahen. Schon sah sie das grimmige, verschlossene Gesicht des Hauptmannes vor sich. Und sie sah keinen Fluchtweg mehr.

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Sue:

Susanna rannte um ihr Leben. Dieses verfluchte Kleid behinderte sie jedoch bei jedem Schritt. Was hatte sie da bloß getan? Sie musste ein sicheres Versteck für sich und ihre "Beute" finden sonst würde es ihr schlecht ergehen. Aber wo sollte sie auf die Schnelle einen solchen Ort finden? Es konnte nicht lange dauern bis die Soldaten ganz Nottinghams sie verfolgen würden. Da hatte sie sich ja was schönes eingebrockt - machte sie sich doch nur wenige Minuten zuvor noch Sorgen, dass Godric eine Dummheit hätte begehen können..... Dass sie, nachdem sie Albion an sich genommen hatte, nun eine Waffe in Händen hielt, mit der sie sogar umzugehen wusste, beruhigte sie jedoch nur wenig. Ein geübter Soldat würde sie schneller entwaffnet haben als sie das Schwert auch nur hätte ziehen können. Es war eine aussichtslose Situation, aber freiwillig wollte sie nicht aufgeben. Sie rannte weiter und wurde jäh von dem Treiben auf dem Jahrmarkt gestoppt. Eine große Menschenmenge machte ihr ein Durchkommen unmöglich. Susanna versuchte noch, sich durch die Leute hindurchzuzwängen, aber sie hatte keine Chance. Panisch drehte sie sich um und schaute Jehan of Beaversbrook direkt in die Augen. Sie war in der Falle. Streng forderte er sie auf, das Schwert herauszugeben, aber die junge Frau dachte nicht daran, es ihm zu überlassen. In ihrer Verzweiflung zog sie die Waffe - wohlwissend, dass das keine gute Idee war. Sie hatte schreckliche Angst, aber sie war schon zu weit gegangen.....

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Jehan:

Jehan stutzte. Susanna hatte das Schwert in der Hand und stand kampfesbereit da. Damit hatte er nicht gerechnet. Er konnte doch nicht gegen eine Adelige kämpfen! Der Earl of Leicester würde Wiedergutmachung fordern, sollte ihr etwas zustoßen. So standen sie sich gegenüber, der Hauptmann und die junge Lady, beide bereit für ihre Überzeugung zu töten, und doch mit zurückhaltendem Bedauern im Blick, da sie genau dies eigentlich nicht wollten. Um sie herum hatte sich ein Kreis aus staunenden Menschen gebildet. Keiner hatte mehr Augen für die mühevollen Kunststücke der Gaukler.

Der Augenblick rann in die Ewigkeit.

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Godric:

Als Godric sich endlich einen Weg durch die Schaulustigen gebahnt hatte, traute er seinen Augen nicht. Da stand Susanna wildentschlossen dem Hauptmann gegenüber, das Schwert hielt sie mit beiden Händen erhoben und gegen ihn gerichtet. Es war nicht zu verkennen, daß hier keiner der beiden nachgeben würde. Godric traute es Susanna zu, daß sie es allen Ernstes auf einen Kampf ankommen lassen würde, und sei es nur aus Trotz. Aber so weit durfte es nicht kommen. „Wartet!“, rief Godric und löste sich aus der Menge. Er fing den jähzornigen Blick des Hauptmanns auf, ließ sich jedoch davon nicht ablenken und trat zu Susanna. Die Zuschauer um sie herum reckten die Hälse. Sogar die Gaukler selbst vergaßen ihr Schauspiel und warteten gespannt, was weiter geschehen würde. Ein plötzliches verschlagenes Lächeln mogelte sich in Godrics Miene. Was wollte er eigentlich mehr? Diese Sache entwickelte sich besser, als er hätte hoffen können, und das ganz ohne sein Zutun.„Also schön, wie Ihr wollt, Hauptmann.“, sagte er laut, „So nehmt Ihr denn das Schwert. Ich bin sicher, bei Euch ist es in den besseren Händen.“ Vergeblich bemühte er sich, das schelmische Grienen zu verbergen. Er wandte sich zu Susanna um, nickte ihr zu zum Zeichen, daß es so in Ordnung war und nahm ihr das Schwert aus der Hand. Immer noch aufgebracht und verwirrt forderte ihr Blick nach einer Erklärung. Was sollte das nun wieder? Godric hielt Jehan die Waffe mit gesenkter Klinge entgegen. Ein vergnügtes Funkeln lag in seinen Augen. „Nun, was ist, Hauptmann?“, fragte er.

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Taran:

Die Gruppe Gesetzloser zog sich tief in den Sherwood Forrest zurück. Nachdem sie sicher sein konnten, dass sie nicht weiter verfolgt wurden, ließen sie Harred wieder frei. Dies war sehr zum Unmut von Will geschehen, aber Tuck und Taran überzeugten die Gruppe, dass es so besser war. Als sie endlich einen geeigneten Lagerplatz gefunden hatten, halfen Will und Nasir Robin vorsichtig vom Wagen. Robin, der erkennbar Schmerzen hatte, war unruhig. „Ich muss Albion zurückholen,“ sagte er mit schwacher Stimme. „Du bist ja nicht bei Sinnen“, rief John wütend. „Jetzt bist Du gerade wieder hier, und verletzt bist Du auch. Du kannst nicht wieder nach Nottingham gehen.“. Robin schüttelte trotzig den Kopf. „Ich kann das Schwert nicht dort lassen. Das geht nicht“, sagte er entschlossen. Jetzt ergriff auch Taran das Wort, der bisher geschwiegen hatte „Robin, das ist Wahnsinn. Wir sind mit Müh und Not aus Nottingham herausgekommen, und das auch nur mit viel Glück, und Hilfe anderer.“ Er sah zu Bruder Geraldus, der bereits Heilkräuter für Robins Wunde zusammenmischte. Will funkelte Taran böse an. Er traute diesem Normannen nach wie vor nicht. Es war ihm gar nicht recht, dass der hier war. „Was mischst Du dich hier ein, dass geht Dich alles gar nichts an Normanne, sagte er in herausforderndem Ton. Taran ging darauf jedoch nicht ein. Er war viel zu müde als das er sich jetzt mit diesem aufbrausenden Geächteten eingelassen hätte. Das machte Will nur noch wütender. Er machte einen Schritt auf Taran zu, wurde jedoch von John aufgehalten. „Jetzt ist Ruhe“, sagte er donnernd. „Robin und Taran sollen sich jetzt erst mal ausruhen, und etwas essen, und dann werden wir weitersehen.“ Er sah in die Runde, und jeder wusste dass es galt wenn John etwas sagte. Keiner wollte sich mit John anlegen. So beruhigten sich alle langsam. Und sogar Robin merkte plötzlich wie erschöpft und müde er war. Trotzdem galten seine Gedanken nur Albion. Wie hatte er nur das ihm anvertraute Schwert verlieren können? Er hätte sich selber ohrfeigen können. Nachdem die Mönche seine Wunde versorgt hatten, und er etwas gegessen und getrunken hatte, fiel er in einen unruhigen Schlaf. Doch auch dort verfolgte ihn das Schwert. Er träumte davon wie Albion in falschen Händen zu einem Schwert der Zerstörung wurde. Schweißgebadet wachte er wieder auf, du fuhr hoch. Und in diesem Moment sah er Herne. „Albion wird zu Dir zurückkehren, Das Schwert bringt dem Unglück der es zu Unrecht besitzt.“ Ebenso plötzlich wie Herne erschienen war, verschwand er auch wieder. Aber Robin beruhigte sich sofort. Er fiel in einen erholsamen, heilenden Schlaf.

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Jehan:

Jehan of Beaversbrook maß Sir Godric mit einem mißtrauischen Blick. "Warum nicht gleich so?" fragte er, steckte sein eigenes Schwert weg und griff erleichtert nach Albion. Er betrachtete es kurz. Das würde ihm Anerkennung beim Sheriff einbringen, wenn nicht sogar bei Prinz John. Und außerdem konnte er hernach endlich schlafen! Er war nur froh, dass niemand wirklich erahnte, wie müde er in diesem Augenblick war. "So denn, Sir Godric. Lady Susanna" Jehan straffte sich noch einmal. Jetzt wo er hatte was er wollte, fiel die Anspannung von ihm ab. "Ich werde dieses Schwert nun zu meinem Herrn bringen." Sagte er laut. Und leiser, so dass es nur Godric und Susanna hören konnten, raunte er: "Ich werde nicht sagen, wo ich es gefunden habe." Er wollte gerade gehen, aber die Menschen um sie herum machten keinen Platz. "Auseinander! Elendes Pack!" rief der Hauptmann, und endlich wichen die Leute zur Seite.

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Robin:

Allmählich erwachte Robin...Die noch schwachen Strahlen der Sonne suchten sich einen Weg durch das dichte Blattwerk und vertrieben nur langsam die samtige Dunkelheit, die zwischen den Bäumen nistete. Der brennende Schmerz in der Seite war einem dumpfen, erträglicherem gewichen und das Fieber schien sich, dank der Kräuterkenntnis des Mönches, auf ein Maß gesenkt zu haben, in dem er wieder klar denken konnte. Die anderen schliefen noch und so hatte er Zeit, um nachzudenken. Albion! Ihm galt sein erster Gedanke. 'Es wird zu dir zurückkommen' hatte Herne gesagt. Aber wie? Sollte er hier untätig Rumsitzen und warten? Nein, das konnte er damit nicht meinen. Robin war nur all zu bewußt, wenn das Schwert dem Sheriff in die Hände fiel, würde er es nie wieder sehen. Der Sheriff war nicht dumm und er würde, genau wie bei dem silbernen Pfeil, sofort erkennen, um was es sich dabei handelte. In dieser Waffe ruhte eine Macht, von der auch de Rainault wissen musste. Er durfte es ihnen nicht einfach überlassen. Aber wenn er es hat, wird genau das sein Plan sein. Resigniert schloss er die Augen. 'Wo ist Albion, Herne? Zeig es mir!' rief er in Gedanken seinen Vater an. 'Bitte!' ... Er musste es wissen und er wusste, das Herne ihm helfen musste .... und mit einem Mal spürte er, wie Herne die Verbindung zu ihm aufnahm, endlich auf sein Flehen reagierte. Bilder, erst unscharf wie in Nebel getaucht, dann immer klarer werdend, entstanden vor seinem inneren Auge. Erschrocken sog er die Luft ein und schoß mit einem gekeuchten 'Nein' von seinem Lager hoch, als er Sir Godric erkannte, der Albion mit gesenkter Klinge jemandem reichte. Und auch, wenn er diesen Jemand nicht von vorne sah, wußte er doch sofort, um wen es sich dabei handelte. Jehan of Beaversbrook. Robin zuckte zusammen, als sich eine Hand sanft auf seine Schulter legte. "Was ist?" John lies sich neben ihm nieder und sah in fragend und mit leichter Sorge an. "Albion..." stammelte Robin... "der Sheriff... Es ist verloren.." ....

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Godric:

Durchaus zufrieden wandte Godric sich ab. Halb Nottingham hatte mitbekommen, in wessen Händen sich dieses bedeutsame Schwert nun befand. Es war nur noch eine Frage der Zeit, bis es an die Ohren seines Besitzers drang, und er herkommen würde, um es zu holen. Alles was ihm selbst jetzt zu tun übrig blieb war, den Hauptmann im Auge zu behalten, um rechtzeitig an Ort und Stelle zu sein, wenn Robin Hood auftauchte. Er drehte sich zu Susanna um, die ihm schuldbewußt entgegen blickte. Er schüttelte jedoch nur lächelnd den Kopf. „Es ist alles richtig so.“, versicherte er. Und während Jehan schnurstracks zur Burg zog, folgten ihm Godric und Susanna etwas gemächlicher...

Derweil streifte Ivo durch den Sherwood, die ihm auferlegte Obliegenheit nur halbherzig im Sinn. Er hatte wieder einmal mehr Glück als er verdiente, denn er brauchte lediglich den tief in den Waldboden gedrückten Karrenspuren zu folgen. Trotz allem blieb ihm nichts anderes übrig, als eine kalte und unbequeme Nachtwache im Wald zu verbringen. Er hatte das Lager der Gesetzlosen in Sichtweite. Man mußte dort sehr beschäftigt sein, daß man ihn nicht längst aufgespürt hatte. Irgendetwas schien dort nicht in Ordnung zu sein... Erst am frühen Morgen bemerkte Ivo, wie sich im Lager etwas regte. Die klamme Nachtkälte saß ihm noch in den Gliedern. Er streckte sich und kroch auf allen Vieren durch das raschelnde Laub zu einem massigen Baumstamm herüber. Vorsichtig lugte er dahinter hervor und bekam einen Schreck. Der bärtige Hüne, der ihm noch gut in Erinnerung war, hatte sich vom Lager erhoben und spähte in seine Richtung. Ivo sank rasch zurück in seine Deckung. Innerlich verfluchte er sich bitter. Eigentlich war er fest entschlossen gewesen, seinen Ring zurückzuholen, doch nun schien ihm dieses Vorhaben töricht und waghalsig. Vermutlich hatte dieses arme Räubergesindel sein schönes Erbstück längst zu Geld gemacht. Er konnte jetzt nur noch hoffen, daß sie ihn nicht entdeckt hatten...

*

Sue:

Halb Nottingham hatte mitbekommen, in wessen Händen sich Robin Hoods Schwert nun befand, und halb Nottingham hatte mitbekommen, wer es zuvor gestohlen hatte - zumindest, wer damit durch die Stadt gerannt war, um sich notfalls mit Hauptmann Jehan darum zu schlagen..... Oh, diese Schande! Auch wenn Godric ihr hundert Mal versicherte, dass alles gut sei - Susanna wäre am liebsten im Erdboden versunken. Es war nur eine Frage der Zeit bis sich das, was sie sich da geleistet hatte, bis zum Schloss herumgesprochen hatte. Jehan of Beaversbrook versprach zwar, darüber zu schweigen, aber es hatten zu viele Menschen mit angesehen was los war. Mit einem Mal war der jungen Lady ganz elend zumute. Mit gesenktem Kopf trottete sie neben Godric her in Richtung Schloss.

Währenddessen war der Earl of Huntingdon immer noch auf der Suche nach Lord William, um ihn über die vergangenen Schandtaten eines gewissen Walisers in Kenntnis zu setzen..... Am Rande der Festivitäten außerhalb Nottingham-Castle wurde er endlich fündig. Strammen Schrittes näherte er sich dem Earl of Leicester. Dieser hatte Lord David bereits bemerkt und verdrehte genervt die Augen. Lord William hatte nämlich ganz andere Sorgen, war er doch wiederum auf der Suche nach seiner Tochter, die sich des Morgens ganz klammheimlich aus dem Schloss gestohlen hatte. "Was wollt Ihr von mir?", fragte Susannas Vater seinen Amtskollegen deshalb ganz ungerührt. "Wenn Ihr Eure Tochter sucht, dann lasst Euch gesagt sein, dass sie ganz ungeniert mit diesem Godric von Valnahar unterwegs ist - nachdem sie einen meiner Leute niedergeschlagen hat!", donnerte der Earl of Huntingdon auch gleich los. Lord William runzelte die Stirn; mit wem sie sich "herumtrieb" hätte er sich auch selber denken können, dass sie jedoch imstande war, einen ausgewachsenen Mann niederzuschlagen, war ihm allerdings neu. "Ihr solltet wohl besser auf Eure Brut aufpassen, William. Dieser Kerl.....", begann Lord David seine Schilderung von Godrics gescheitertem Versuch des Königs Geld zu stehlen. Susannas Vater hörte sich die ganze Geschichte aufmerksam an. Als Huntingdon endlich fertig war, schaute ihn der Earl of Leicester ungläubig an. "War's das jetzt?", fragte er leicht angesäuert. "Seid Ihr endlich fertig? Glaubt Ihr eigentlich, dass Ihr mir da 'was neues erzählt habt? Und noch eines, David: mit Verlaub - fasst Euch besser an Eure eigene Nase, denn Ihr seid auch nicht ohne....." sprachs und wandte sich ab um zu gehen, einen vollkommen verstörten Lord David, Earl of Huntingdon zurücklassend.

Zur selben Zeit kam ein Junge des Weges gelaufen und hielt sich vor Lachen den Bauch. "Das hättet Ihr sehen müssen!", rief er in die Menge. "Ein Mädchen hat sich mit einem Hauptmann des Sheriffs angelegt. Wäre da nicht dieser Edelmann dazwischen gegangen und hätte ihr die Waffe abgenommen.....Die beiden hätten sich wohl mit Schwertern duelliert....."

 

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